Blutengel
Blutengel - # 3

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Antworten
Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 31 im Thema

Beitrag von Stephanie » Mo 18. Mär 2019, 15:08

Ausmisten

Am nächsten Morgen bin ich früh auf den Beinen. Obwohl es mir total widerstrebt, fahre ich zur gemeinschaftlichen Wohnung. Als ich dort ankomme ist es kurz nach 5 Uhr. Es ist noch nichts los. Das Haus ist ein Wohn-und Geschäftshaus, da geht frühestens um 7 Uhr der Betrieb los. Das einzige was mich dazu gebracht hat hierherzufahren, ist die Tatsache, mal in Ruhe nachzuschauen, was da in dem Raum liegt. Ich schließe die Haustür auf und gehe rein. Dann fahre ich mit dem Fahrstuhl in die Etage, wo die Abstellräume sind. Das Haus hat keinen Keller und auch keinen Dachboden, deshalb sind die Abstellräume woanders im Haus. Ich schließe die Türe vom Trockenraum auf. In einer Ecke liegt ein Stapel von verschiedenen Kartons und oben drüber ein paar Decken. Ich nehme die Decken vorsichtig ab und schaue mal nach. Ganz oben drauf liegen zwei Gitarrenkoffer. „OK, E- und Bassgitarre“, denke ich mir. Darunter liegt ein Karton, wo das Keyboard drin liegt. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Grade die Kinder hatten doch Spaß an dem Ding. Na egal, wenn ich es nicht mitnehme schmeißt sie es womöglich noch weg. Weiterhin finde ich noch alles Mögliche an Zubehör für die Gitarre und einige Sachen von meiner Eisenbahn, die ich schon vermisst habe. Eigentlich würde ich den Haufen grade noch so in den Golf kriegen. Ich gehe in den Raum nebenan, wo die Abstellbox für die Wohnung ist. Da müsste auch noch einiges liegen. Ich schließe die Box auf. Auf Anhieb sehe ich einige Umzugkartons an der Wand hochgestapelt. „Ja stimmt“, sage ich leise, „meine „Schlauchboot und Luftmatratzen-Sammlung““, die habe ich ja glatt vergessen. Na man gut dass ich den Sprinter von Onkelchen kriege.“ Ich schließe alles wieder ab und verlasse das Haus. Das Auto lasse ich stehen und gehe zur Bushaltestelle.

Um kurz nach 6 Uhr kommt der Bus. Nach 20 Minuten bin ich schon wieder zu Hause. Ich gehe mir noch Brötchen holen und lege mich dann nochmal hin. Gegen 10 Uhr stehe ich wieder auf und hole das Frühstück nach. Nebenbei schaue ich, ob die Sprachbox blinkt, natürlich tut sie das nicht. Ich ärger mich schon wieder leicht über mich. Da stelle ich ihr schon das Auto vor die Tür und sie hat es nicht nötig mal Danke zu sagen. In dem Moment hatte ich den Gedanken, es ihr gleich zu tun, nur heftiger. Nach dem Frühstück schnappe ich mir mein Fahrrad und mache mich auf den Weg zur ehemaligen Spedition meines Onkels. Ehemalig deshalb, weil er keinen Nachfolger bekommen hatte, als er in den Ruhestand gingt. Seine Kinder hatten alle etwas anderes gelernt und studiert. Den Fuhrpark hatte er damals verkauft und nur das Gebäude behalten, welches er dann vermietete. Kurios ist, das diese Gebäude auf dem Gelände einer stillgelegten Kiesgrube liegt. Das Gelände mit der Kiesgrube gehört ihm auch. Es liegt etwas östlich von Braunschweig. Nach gut 20 Minuten bin ich auch schon da. Ein wenig Betrieb ist los. Einige Kleinspediteure laden dort ihre Fahrzeuge ein und aus. Ich fahr direkt zum ehemaligen Büro, schließe die Tür auf und hole Schlüssel und Papiere. Der Sprinter steht in einer der Einfahrten ins Gebäude. Tor geht automatisch auf, ich fahre raus und warte, bis es automatisch wieder zu geht. Dann fahre ich wieder nach Hause.

Ursprünglich wollte ich nachmittags meine Sachen aus dem Abstellraum abholen, jetzt habe ich eine andere Idee. Ich werde da spät abends oder noch später nachts hinfahren und die Sachen holen, wenn so gut wie keiner mehr wach ist da. „Miese fiese Idee“, denke ich mir grinsend. Jetzt wo ich den Transporter habe, könnte ich ja eigentlich mein schrottiges Bett zur Deponie bringen. Also, alles runtergeschleppt und im Transporter verstaut. „Meine Fresse ist hier Platz drin“, denke ich mir, als ich im Sprinter stehe, „hier kannste ja mit ‘ner Schrankwand einziehen. Ach na klar man, das Sofa.“ Wieder hoch in die Wohnung. Im Wohnzimmer das Sofa versucht zu tragen. „Hochheben geht ja, aber das Ding durch das Treppenhaus bugsieren“, denke ich mir. Ich gehe zur Balkontür und öffne sie. Nach unten geschaut, ob der wer auf dem Rasen lustwandelt. Dem ist nicht so, Sofa auf den Balkon geschoben und über das Geländer gewuppt. Nochmal versichert, dass niemand unten ist, dann „Achtung“ gerufen und das Sofa fallengelassen. „Rums“ schlägt es unten auf. Als ich grade reingehen will, fällt mir Herbert auf dem Nachbarbalkon auf. Er steht da lachend und kopfschüttelnd auf seinem Balkon. „Mit Dir wird es auch nicht langweilig“, sagt er grinsend. „OK“, sage ich, „ich fahr zur Deponie, willst Du auch noch was loswerden, ich habe noch Platz.“ „Nein, wir haben grade nichts, aber frag mal bei Willi“, antwortet Herbert. Auf dem Weg in den Keller, dort will ich meine Sackkarre holen, klingele ich bei Willi. Er öffnet und begrüßt mich auch recht locker. „Hallo Steffi, mistest Du aus?“ fragt lachend, „hab mich ja schon etwas erschrocken, als das Ding runterplumste.“ Oh, ‘schuldigung, sage ich grinsend, „ich fahr zur Deponie und habe noch Platz. Hast Du noch was, was ich mitnehmen könnte?“ „Oh ja, komm mal mit“, antwortet er. Wir gehen in den Keller. Ich hole meine Sackkarre und Willi räumt 4 Stühle und einen Tisch raus. Gemeinsam schleppen wir alles zum Transporter und verstauen es. „Soll ich mitkommen?“ fragt er. „Nicht nötig, die haben da Leute, die die Sachen rausholen“, sage ich. „OK, dann werfe ich schon mal meine Zapfanlage an“, sagt er, hast bestimmt Durst hinterher.“ Ich lache und steige ein. Als ich grade los will und nochmal in den Rückspiegel schaue, fällt mir die Sackkarre auf. „Herje, das Sofa liegt noch auf dem Rasen“, sage ich halblaut vor mich hin. Also wieder raus, Sackkarre geschnappt und das Sofa geholt. Nachdem ich es eingeladen habe, fahre ich endlich los. Auf der Deponie werde ich meinen Kram auch gleich los und fahre wieder zurück nach Hause. Auto abgestellt und dann runter zu Willi in den Keller. Der ist auch schon da und schenkt mir ein Bierchen ein. Wir unterhalten uns über alles Mögliche. Ich sage ihm fairerweise Bescheid, dass ich dann später Abends die ein oder andere Sache noch in den Keller räume.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 32 im Thema

Beitrag von Stephanie » Mi 20. Mär 2019, 13:09

Late Night Aktion

Den Rest des Tages habe ich mich allerlei Dingen beschäftigt. Um 23.30 Uhr gehe ich zum Transporter, steige ein und fahre los. Eine Viertelstunde später komme ich am Haus an. Überall sind die Fenster dunkel. Auch die Nachtschicht vom Pflegedienst scheint unterwegs zu sein. Ich stelle den Transporter in der Nähe der Haustür ab. Dann nehme ich die Sackkarre und betrete das Haus. Als erstes hole ich die Sachen aus der Kellerbox, die werde ich über Nacht im Transporter lassen. Die anderen Sachen sind mir zu schade, für den Fall, dass irgendwer eventuell den Transporter aufbrechen sollte. Ich nehme drei Kartons auf einmal auf die Sackkarre und rolle zum Fahrstuhl. Dann kommen die nächsten drei. „Meine Güte, das stand ja in Zweierreihe“, sage ich leise. Ich hatte gar nicht mehr auf dem Schirm, wieviel „Inflatables“ (Aufblaskram) ich habe. „Muss ich wohl mal eine Bestandsaufnahme machen“, denke ich mir. Außerdem finde ich mehrere halbrunde Objekte aus Sperrholz. „Hey, das sind ja die Gleiswendel meiner Modelleisenbahn“, freue ich mich leise vor mich hin, „Klasse! Dann kann ich das Ding ja endlich in Betrieb nehmen.“ Na gut, alles erstmal in den Fahrstuhl geladen und heruntergefahren. Die Sachen in den Transporter umgeladen und wieder hochgefahren. Jetzt hole ich die Sachen, die meine Gattin in den Trockenraum gepackt hat. Auch das alles in den Fahrstuhl geladen und dann in den Transporter geladen. Dann fahre ich nochmal hoch und schaue, ob ich noch was vergessen habe und alle Türen wieder abgeschlossen habe. Dann gehe ich wieder runter. Bisher hat mich wohl keiner bemerkt. Ich mache mich auf den Rückweg. Wieder bei mir zu Hause angekommen, bringe ich die wertvolleren Sachen in die Wohnung. Den Rest lasse ich erstmal im Transporter. Es ist mittlerweile 2.00 Uhr nachts. Einigermaßen erschöpft gehe ich ins Bett.

Nach dem Aufstehen und dem Frühstück, räume ich den Rest aus dem Sprinter in den Keller. Nebenbei schaue ich hinein, was so in den Kartons ist. „Meine Güte, da ist ja was an „Luftis“ zusammengekommen, die ganzen Jahre“, denke ich mir. Mit einem dicken Filzstift schreibe ich gleich auf jeden Karton , was drin ist. Ein Karton hat es mir angetan, den nehme ich gleich mit hoch. Eine E-Luftpumpe und eine Handpumpe nehme ich auch gleich mit. Oben mache ich den Karton auf und befördere ein aufblasbares Sofa und zwei halbwegs dazu passende Sessel heraus. „Na, das passt doch, grade eben noch das alte Sofa rausgeschmissen und gleich einen passenden Ersatz gefunden“, denke ich mir, „mal schauen wie man da drauf sitzen kann.“ Ich blase die Teile auf. Danach setze ich mich drauf, und zu meinem Erstaunen sitze ich nicht schlecht. „Na, dann lasse ich das mal so stehen, bis ich mal ein vernünftiges neues Sofa gefunden habe“, sage ich halblaut vor mich hin.

Ich gehe in die Küche und will mir einen Kaffee machen. Auf dem Weg dahin sehe ich das der Bildschirm an der Tür an ist. Ich sehe Jochen auf dem Flur draußen. Er schaut sich um, und dann versucht er durch den vermeintlichen Spion zu schauen, so wie Lisa neulich. „Unglaublich“, denke ich mir. Jochen schaut sich noch mal um und versucht es dann nochmal. Ich habe eine Idee; ich mache die Tür auf, tue so, als ob ich mich erschrecke und schreie ein kurzes „Ah!“ heraus, danach schließe ich schnell die Tür. Auf dem Bildschirm sehe ich, wie Jochen die Treppe hochflüchtet. Ich bekomme wieder mal einen Lachanfall. Als ich mich halbwegs beruhigt habe gehe ich endlich in die Küche und koche mir meinen Kaffee. „Warum bin ich als Stefanie viel lockerer drauf, als mein Zwillingsbruder?“ frage ich mich. So was wie eben habe ich als Stefan nie gemacht. Vielleicht ist es unbewusst die Vorbereitung darauf, was mich als Mädchen/Frau erwartet, wenn ich nur noch so auftrete. Ich erfahre schon eine andere Aufmerksamkeit, wenn ich im Frau-Modus bin. Na ja und Jochen hat sich wohl in mich verguckt. Mal schauen, ob ich das irgendwie rauskriege. Vielleicht über Willi, weil Jochen auch ab und zu mal bei ihm im Keller sitzt.
Mein Kaffee ist durchgelaufen und ich gehe mit Kanne und Tasse wieder in das Wohnzimmer. Ich setze mich wieder auf mein Lufti-Sofa. Die Balkontür habe ich zum Lüften aufgemacht. Gedankenversunken schlürfe ich meinen Kaffee. Irgendwie komme ich mit meinem einen Ballerina (die trage ich in der Wohnung statt Hausschuhe) an den Kunststoff des Sofas. Ergebnis ist ein ordentliches Knarzen. „Hmm schönes Geräusch“, denke ich mir, „irgendwie gefällt mir das.“ So ein wenig knarzen tut das Ding sowieso, wenn man sich hinsetzt oder aufsteht. Immer wieder lasse ich den Schuh an der Folie des Sofas reiben, so dass es mal stärker mal weniger knarzt. Die Frage, warum ich so ein Faible an diesem Aufblaskram habe, beschäftigt mich immer wieder. Ich muss da wohl mal mehr in die Tiefe gehen. Während ich so sinniere, fallen mir Stimmen von draußen auf. Ich gehe zur Balkontür und schaue vorsichtig aus der Tür. Herbert steht auf seinem Balkon und schaut zu Jochen hoch. „Keine Ahnung, was Du meinst“, sagt Herbert in Jochens Richtung. Herbert hat mich bemerkt, aber lässt sich nichts anmerken. Im weiteren Gespräch der Beiden bekomme ich mit, dass Jochen wohl das knarzen meiner Schuhe am Sofa gehört hat. Ich gehe wieder rein und ziehe das Sofa vor die Balkontür, setze mich drauf und reibe den einen Schuh man der Folie, was ein ordentliches Knarzen nach sich zieht. Kurz drauf höre ich das Ganze als Echo vom gegenüberliegenden Haus. „Da war es wieder“, höre ich Jochen sagen. Herbert hingegen zuckt mit den Schultern und sagt nur. „Keine Ahnung was das ist!“ Kurz darauf geht er in seine Wohnung. Ich schiebe derweil mein Sofa zurück an seinen Platz und schließe die Balkontür.

Ich wundere mich warum der Jochen Vormittags zu Hause ist. „Was hat der für einen Job?“ frage ich mich. Vorher ist mir das nie aufgefallen, ist ja auch das erste Mal seit ich hier wohne, dass ich mir mal eine Woche zu Hause bleiben gönne. Egal, ich bringe meine Tasse in die Küche. Als ich nebenbei aus dem Fenster schaue, sehe ich Jochen, wie er grade seine Garage schließt, in sein Auto steigt und wegfährt. „Irgendwas wird er schon machen“, denke ich mir und verschwende keinen weiteren Gedanken daran. Mittlerweile ist es Mittag geworden und ich bereute mir das Mittagessen zu. Danach rufe ich meinen Onkel an, weil ich den Sprinter zurückbringen will.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 33 im Thema

Beitrag von Stephanie » Do 21. Mär 2019, 13:43

Ein kleiner Nebenjob

„Hallo Neffin“, begrüßt mich mein Onkel, als ich ihn anrufe. „Ich wollte den Sprinter zurückbringen“; sage ich. „Das passt sich gut“, antwortet er, „wir sind grade in der Spedition. Deine Tante ist auch schon ganz aufgeregt.“ Da es heute etwas wärmer ist, nehme ich statt eines Mantels die rote Steppweste mit dem Fellkragen. Ansonsten trage ich einen dunkelblauen Langarmrolli, meine Lieblingsröhre und an den Füßen blaue Chelsea-Boots. Dann gehe ich zum Sprinter und fahre los. Die Fahrt verläuft ruhig und schon bald komme ich an der Spedition an. Meine Tante und mein Onkel stehen grade draußen, als ich vor das Tor fahre. Mein Onkel öffnet das Tor, so dass ich gleich reinfahren kann. Auto abgestellt, ausgestiegen und abgeschlossen. Die beiden stehen draußen und warten, dass ich rauskommen. Als ich durch das Tor gehe, nimmt meine Tante die Hände vor den Mund und macht große Augen, mein Onkel grinst. „Stefaniiiie“, sagt meine Tante, „Du siehst ja … … schön aus.“ „Lass Dich mal drücken“, sagt mein Onkel hingegen. Meine Tante ist hin und weg. Minutenlang bewundert sie mich. „Die roten Haare stehen Dir ja super“, sagt sie schließlich. Mir fällt derweil ein Stein vom Herzen, weil sie mich so annehmen.

Nach einiger Zeit sagt mein Onkel: „Lasst uns reingehen und zum geschäftlichen kommen.“ „Geschäftlichen?“ frage ich verwundert beim Betreten des Büros. „Nix schlimmes“, beruhigt er mich grinsend. Im Büro gibt es eine kleine Sitzecke, wo wir uns hinsetzen. „Also, folgendes“, beginnt mein Onkel, „diese Spedition gehört immer noch uns, und das soll auch so bleiben. Allerdings machen wir beide immer noch die Verwaltung des Ganzen, und das wird uns langsam zu viel. Wir haben da ja auch noch andere Immobilien.“ Ich nicke zustimmend. „Und da haben wir uns gedacht“, fährt mein Onkel fort, „dass Du hier die Verwaltung übernehmen könntest. Gegen ein Entgelt natürlich.“ Ich bin erstmal etwas platt und schaue die beiden mit großen Augen an. „Könntest Du Dir das vorstellen?“ fragt meine Tante, „Du musst Dich nicht sofort entscheiden.“ „Vorstellen kann ich mir das schon“, antworte ich, „wie groß sind denn die Umfänge, was gehört dazu?“ „Einmal das Gebäude, also Du wärst erste Ansprechpartnerin bei Kündigungen und Vermietungen, sowie Reparaturen und Instandhaltungen“, antwortet mein Onkel, „dann wäre die Ordnung hier eine Aufgabe, also öfter mal nach dem Rechten schauen.“ „Wie ist das bei Entscheidungen, z.B. wenn jemand sich hier einmieten möchte?“ frage ich. „Das machen wir dann zusammen“, antwortet er. „OK“, sage ich, die Antwort beruhigt mich. „Nichts überstürzen ist hier die Devise“, sagt er grinsend. „Ja, ich glaube, ich kann mich damit anfreunden“, sage ich. „Aber, es geht noch weiter“, sagt mein Onkel, „das Grundstück mit dem Kies See gehört mit zu der Aufgabe.“ „Also auch nach Recht und Ordnung schauen“, bemerke ich. Mein Onkel nickt. „Aber so einfach ist das nicht“, sagt meine Tante, wir haben hier immer wieder Ärger mit wildem Angeln. Und die Angler lassen sich nicht unbedingt leicht vertreiben und einer ist besonders aggressiv.“ „Angler sind meine Spezialität“, sage ich lachend. „Ha! Stimmt, das erinnert mich an diese eine Vatertags Tour auf der Oker, wo wir uns damals getroffen haben“, sagt mein Onkel.

Stimmt, das war eine Nummer. Das ist locker 15 Jahre her. Ich war mit einem guten Freund auf der Oker im Stadtgebiet paddeln. Wir hatten unsere Einerkajaks dabei und wollten einmal die Stadt umrunden. In der Nähe eines großen Parks trafen wir auf ein großes Ruderboot mit 10 – 12 Leuten drin. Einer davon war mein Onkel. Sie hatten jede Menge zu trinken dabei und waren schon einigermaßen lustig drauf. Das Boot hatte drei Ruderpaare und an jedem Ruder saß einer. Großartig gradeausfahren konnten sie irgendwie nicht. Wie auch, wie soll man 6 angeheiterte Leute koordinieren. Mein Freund und ich schauten uns das Schauspiel eine Weile an, bis plötzlich einer aus dem Boot rief: „Haaallooo Stefan!“ (Ich war damals noch komplett im Mannmodus unterwegs) Ich erkannte meinen Onkel und fuhr auf das Boot zu, mein Freund folgte. Große Hallo und erstmal Vorstellungsrunde, dann reichten sie uns was zu trinken rüber. Wir hielten uns eine Weile an dem großen Boot fest und ließen uns mittreiben. Nach einer Weile rief jemand vom Ufer sehr verärgert: „Ey ihr Deppen, ihr fahrt grade über meine Posen!“ Was mein Freund mit den Worten kommentierte: „Wie kann man auch am Vatertag hier angeln?“ Der ganze Fluss war voll mit Ausflüglern. Einer in dem großen Boot rief: „Alle Mann an die Riemen! Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück!“ Im Nachhinein wäre es besser gewesen, sie hätten sich weitertreiben lassen. Jedenfalls brachten sie alles durcheinander, was den Angler völlig aggressiv werden ließ. Er nahm eine seiner Angel und schleuderte den Haken mit Bleigewicht und Pose in Richtung Ruderboot. Er verfehlte knapp den hinten sitzenden. Der Angelhaken hing über dem Bootsrand auf der Seite, wo wir mit unseren Kajaks standen. „Nimm den Haken und mach ihn hinten an der Tageschlaufe von meinem Kajak fest!“ sagte ich zu meinem Freund. Das ließ der sich nicht zweimal sagen und hakte den Haken mit breitem Grinsen im Gesicht ein. Grade noch rechtzeitig, denn der Angler wollte die Schnur grade wieder einholen. Die Leute im großen Boot hatten das teilweise mit bekommen und mein Onkel rief: Attacke, Neffe, gib Kette.“ Ich stieß mich vom Boot ab und paddelte los. Hinter mir brach großes Gejohle los. Ich muss schon sagen, der Angler gab sich einige Mühe mich zurück zu ziehen. Und die Schnur die er drauf hatte muss schon sehr stabil gewesen sein. Ab und zu hörte ich auf zu paddeln, so dass er mich zurück zog, dann gab ich wieder Gas. Nach dem dritten Mal riss die Schnur, was die Leute im Ruderboot mit einem langgezogenen „Ooohh“ kommentierten. Ich paddelte zu ihnen zurück, sie waren mittlerweile auch etwas vom Angler weggetrieben. „Geile Aktion“, sagte mein Freund lachend und die im Ruderboot hielten sich auch die Bäuche. „So was macht man doch nicht, Angelhaken auf Leute werfen, oder? „bemerkte ich.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 34 im Thema

Beitrag von Stephanie » Fr 22. Mär 2019, 11:33

Ein kleiner Nebenjob Teil 2

„Ja, das war schon lustig damals“, sage ich grinsend. „Vielleicht schaffst Du es ja, dass sie dauerhaft fernbleiben“, sagt meine Tante. „Ich werde es mal versuchen“, sage ich, „warum eigentlich?“ Auf der einen Seite ist es ja Privatgrundstück“, antwortet meine Tante, „andererseits ist das ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Hier gibt es einige selten Pflanzen und auch seltene Tiere.“ „Ah, verstehe“, sage ich, „ist einzusehen, dass die Angler alles platt treten.“ „Schlimmer noch, sie lassen auch Müll liegen“, sagt meine Tante weiter. „So was ärgert mich ja richtig“, sage ich. „Ab und zu kommen hier auch Leute vom Naturschutzbund, die hier die Tiere beobachten, die haben eine Berechtigung von uns, dass sie auf das Gelände dürfen“, sagt meine Tante, „aber die werden zum Teil von den Anglern weggejagt.“ Ich mache große Augen und sage: „Das geht ja gar nicht. Boah, da lasse ich mir aber was einfallen.“ „Dann lass uns mal einen Rundgang machen“, sagt mein Onkel.

Wir verlassen das Büro durch die Hintertür und kommen in einen langen Flur. „Das ist hier noch privater Bereich“, sagt mein Onkel, „hier gibt es einen kleinen und einen großen Raum, wo Du was abstellen kannst.“ „Oder eine Party feiern kann“, ergänzt meine Tante. „OK“, sage ich lächelnd. Wir gehen in den ersten Raum, in den kleinen. „Naja, klein ist gut“, bemerke ich, das sind doch bestimmt 100m².“ „120m² sind es“, sagt mein Onkel, der andere ist doppelt so groß.“ „Nicht schlecht“, staune ich. „Der große Raum hat hinten dann noch ein Tor“, sagt mein Onkel weiter. Wir betreten den Raum. „Super!“ staune ich. „Da kann man schon was mit anstellen, nicht?“ sagt mein Onkel, „ich würde ihn aber nicht dauerhaft vermieten.“ Ich schüttele den Kopf. „Da gebe ich Dir recht“, sage ich, „aber ich habe grade gefühlte Tausend Ideen, was man hier veranstalten kann.“ Neben dem Tor ist eine Tür, durch die wir nach draußen gehen. „Die Tür ist ganz praktisch, da muss man nicht immer gleich das Tor aufmachen“, sagt mein Onkel. Wir stehen jetzt hinter der Halle. Hier sind bis auf das Tor aus dem wir rausgegangen sind, vor den anderen Toren Rampen, so dass die LKW ebenerdig beladen werden können. „Die einzelnen Abschnitte sind alle vermietet, deswegen gehen wir da nicht rein“, sagt mein Onkel, „nur wenn der Verdacht besteht, jemand fahrlässig handelt kann man Eintritt verlangen, notfalls mit Polizei.“ „In den Mietverträgen steht dann auch drin was zulässig ist und was nicht“, fügt meine Tante hinzu. „Wir werden Dich natürlich zu Anfang unterstützen“, sagt mein Onkel, „wenn Du denn möchtest.“

Wir gehen dann weiter, zum See hinunter. „Huch, hier ist ja ein richtiger, kleiner Strand“, sage ich erstaunt. „Ja, das ist die einzige Ecke, wo man an das Wasser darf“, sagt meine Tante, „der Rest des Ufers ist verwildert.“ „Aha, darf man auch rein ins Wasser?“ frage ich. „Klar eine Runde zur Abkühlung schwimmen darf man durchaus“, antwortet mein Onkel, „haben wir früher oft gemacht, in warmen Sommern. Aber wie bei allen Kiesgruben, vorsichtig sein, wegen der kalten Strömungen.“ „Wie tief ist sie denn?“ frage ich. „An der tiefsten Stelle in der Mitte sind es noch locker 40 m“, antwortet mein Onkel, „früher war sie noch tiefer, aber mit der Zeit rutscht von der Seite Material nach.“ Wir steuern eine kleine Hütte an, die nah am Wasser steht. „Hier ist ein Ruderboot drin, mit dem man vom Wasser aus den See inspizieren kann“, sagt mein Onkel. „Cool“, sage ich während ich an das Boot klopfe, „Alu!?“ „Ja“, antwortet mein Onkel, „das Boot hängt oben an der Decke und kann mit der Kurbel heruntergelassen werden. Und eigentlich kann man dann gleich von hier drinnen aus losfahren. Allerdings ist die Einfahrt etwas verlandet.“ „Pah, das schaufele ich wieder frei“, sage ich lächelnd. „Kannst Dich hier gerne austoben“, sagt meine Tante grinsend. Wir gehen wieder zur Halle hoch.

„Und Neffin? Kannst Du Dir das vorstellen, hier die Verwalterin zu machen?“ fragt mein Onkel. „Sag doch nicht immer Neffin“, bemerkt meine Tante, „Stefanie ist so ein schöner Name.“ „Ich hab doch früher auch immer Neffe gesagt“, verteidigt sich mein Onkel. „Ist schon OK“, sage ich lachend, „und um auf Deine Frage zurückzukommen; ja, kann ich mir vorstellen. Die Zeit dazu habe ich ja.“ „Super“, sagen Tante und Onkel gleichzeitig. „Dann machen wir in den nächsten Tage alle Formalitäten klar“, sagt mein Onkel. „Gerne“, sage ich. „Wollen wir noch zusammen etwas Essen gehen?“ fragt meine Tante. „Ja gerne“, antworten mein Onkel und ich gleichzeitig. „Italienisch?“ fragt meine Tante. „Ja! Das geht immer“, antworte ich. „Dann lasst uns zu dem in der Nähe von der Stadthalle fahren“, schlägt meine Tante vor. Als wir in dort ankommen und hineingehen werden wir vom Chef des Hauses begrüßt. Meine Tante und Onkel kennen ihn anscheinend persönlich. Als er mich sieht sagt er erfreut: „Ah la Signora isse die Tochter?“ „“Nein nein, das ist unsere Nichte“, sagt meine Tante. „Ah la Nipote“, sagt der Chef und schaut mich von unten bis oben an, „bella Donna.“ Anerkennend zwinkere ich ihm zu. „Grazie“, sage ich leicht verlegen. Der Chef kommt auch persönlich an unseren Tisch und möchte die Bestellung aufnehmen. „Was kannst Du uns empfehlen?“ fragt mein Onkel. „Isch mache euch eine schöne Menü della Casa“, sagt der Chef, „lasst euch überrasche.“ „OK, hört sich gut an“, sagt meine Tante. Ich nicke. Das 4-Gänge Menü, welches wir dann serviert kriegen ist wirklich oberlecker. Zwischendrin erzähle ich den Beiden was ich so in den letzten Wochen erlebt habe, inklusive Arztbesuch. Gespannt hören Onkel und Tante zu. Mit den Worten: „Aber das ich gleich überall so als Frau durchgehe, verwundert mich schon“ schließe ich die Geschichte ab. „Na ja, wenn Du eine in Dir trägst…“, sagt meine Tante lächelnd. Nachdem wir zum Abschluss noch einen Espresso getrunken haben und mein Onkel mit dem Chef des Hauses die Rechnung geregelt hat, verlassen wir das Lokal. „So, äh, … wie heißt Neffin auf Italienisch?“ fragt mein Onkel. „La Nipote“, antworte ich grinsend. „Ah ja“, sagt mein Onkel weiter, „dann bringen wir Dich jetzt nach Hause, la Nipote.“ „Danke noch mal für die Einladung“, sage ich. „Gerne“, sagen Beide gleichzeitig. Vor dem Haus verabschieden wir uns. Umarmung hier, Küsschen da. „Schön das Du Dich um die Spedition kümmerst“, sagt meine Tante.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 35 im Thema

Beitrag von Stephanie » Do 28. Mär 2019, 09:42

Hobbies

„Blödes Wetter“, sage ich leise, als ich morgens aufwache. Schneeregen bei vier Grad. „War ja schon mal besser dieses Jahr“, grummele ich leise vor mich hin. Was soll‘s, ab ins Badezimmer, dann frühstücken und dann schaue ich mal was ich heute so beschicken kann. Im Spiegel betrachte ich meine „Haarpracht“. „Hm, die brauch aber auch mal wieder Pflege“, denke ich mir, „muss ich wohl heute Abend mal machen.“ Beim Frühstück beschließe ich, dass ich die ganzen Sachen, die ich neulich abgeholt habe mal durchschaue. Nach dem Frühstück geht es dann auch gleich los. Einige Sachen verstaue ich sofort in Schränken. „Was mache ich denn mit den Gitarren?“ frage ich mich selber. Dann finde ich zwei Wandhalter. Ich wundere mich kurz, wo meine werte Gattin das alles noch gefunden hat. Egal, Bohrmaschine geholt, Löcher in die Wand, Dübel rein, die Halter angeschraubt und die Klampfen drangehängt. Nach einiger Zeit habe ich alles verstaut. Eine Kunststoffkiste steht da noch. Ich schaue hinein und finde Zeugnisse und haha!… Bingo, ich habe sie schon vermisst. Mein Sportbootführerschein, Binne und See und … verdammt, ist das lange her… mein Segelflugschein. „Boah, da mache ich mich mal schlau, ob der noch gilt. Was ich alles aufgegeben habe, weil es die Gattin nicht wollte“, denke ich mir, „egal, das hole ich jetzt alles nach.“

So! Alles ist weggeräumt, der Tag ist noch jung, ich bau die Eisenbahn auf. Ich hatte mich zu Anfang auf Module festgelegt und habe mich dabei an einen vorbildlichen, maßstäblichen Gleisabstand gehalten. Die Module passen noch hervorragend zusammen. Ein bisschen ausrichten und schon passt es. Mittags habe ich zwei Drittel fertig. Jetzt habe ich aber Hunger und mache mir was zu futtern. Mittendrin bimmelt das Telefon. „Herrje, die Gattin“, denke ich, gehe aber ran. „Das Auto kannst Du erst morgen früh haben, ich brauche das noch“, sagt sie. „Und wie stellst Du Dir das mit den Sachen vor, die im Trockenraum stehen?“ frage ich sie, „die sollten doch heute Abend da weg sein.“ „Mir doch egal“, sagt sie und legt auf. Ich könnte einerseits durchdrehen, aber anscheinend weiß sie nicht, dass die Sachen schon weg sind. Von daher lach ich mir jetzt schon eins ins Fäustchen. Also bau ich in Ruhe den Rest der Eisenbahn auf. Gegen 17:00 Uhr bin ich fertig und starte den ersten Probelauf. Ein paar Justierungen noch dann läuft es perfekt. Aus Platzgründen habe ich das Ganze in drei Etagen geplant und gebaut. So schrauben sich die Züge über zwei Gleiswendeln von Etage zu Etage. So nach und nach bringe ich den ein oder anderen Zug auf die Gleise.

Wieder klingelt das Telefon. „Arztpraxis Dr. Peer P., Martina K. hier. Frau Stefanie, der Bericht vom MRT ist da“, höre ich die Stimme der Sprechstundenhilfe. „Oh prima, wann darf ich denn vorbei kommen?“ frage ich aufgeregt. „Morgen 16:30?“ fragt Martina. „Passt, bin dann da“, antworte ich. Sie: „OK, Bis dann.“ Ich: „Bis dann.“ Langsam ist es Zeit für das Abendbrot. Danach gehe ich ins Badezimmer und fange an mich zurückzubauen. Normal finde ich das blöd und bin dementsprechend schlecht gelaunt. Heute geht es aber und die Perücke hat eine aufwendige Pflege echt nötig. Außerdem sehe ich dann ja auch meinen „Zwillingsbruder“ mal wieder. Das Abschminken ging ja fix, jetzt wird es schon schwieriger, die Perücke hält Bombenfest. Zuerst mache ich sie hinten locker, da ist sie mit Haarklemmen am restlichen Haupthaar festgemacht. Aber die Klebestreifen auf der Stirn, alter Schwede, die sitzen ja fest. Von der Perücke gehen sie ja noch einigermaßen gut ab, aber von der Kopfhaut wollen sie irgendwie nicht herunter. Mit einem nassen Pinsel und viel Geduld löse ich sie gefühlt Mikrometer für Mikrometer ab. Irgendwann sind sie dann ab und ich kann mich der eigentlichen Tätigkeit widmen, der Perückenpflege. Waschen , vorsichtig kämmen. Mittendrin klingelts an der Tür. Ich schau auf den Bildschirm und Susanne steht draußen. „Na die wird Augen machen“, denke ich mir und öffne die Tür. „Huch!“ sagt Susanne erstaunt, „Stefan ist mal wieder da.“ „Komm rein, wenn Du magst“, sage ich freundlich.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Nubikalé
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 88
Registriert: Fr 8. Feb 2019, 11:34
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Wohnort (Name): 01
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 77 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 43 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 36 im Thema

Beitrag von Nubikalé » Do 28. Mär 2019, 10:09

Sportbootführerschein, Segelflugschein und jede Menge Tagesfreizeit. Mich deucht, Stefanie führt mein Traumleben :()b
Bin gespannt, womit sie tatsächlich ihr Geld verdient.
liebe Grüße Nubi
----------------------------------------------------------

Dieses Jahr mache ich alles anders falsch.

cora
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 80
Registriert: Mo 17. Jul 2017, 10:09
Geschlecht: meist Mann
Pronomen:
Wohnort (Name): Wien
Membersuche/Plz: Wien
Hat sich bedankt: 32 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 31 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 37 im Thema

Beitrag von cora » Do 28. Mär 2019, 17:43

bist echt eine tollen Schreibwahn verfallen ;)
nur weiter so

Svenja80
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 65
Registriert: Mo 22. Aug 2011, 21:32
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 303 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 16 Mal

Re: Blutengel

Post 38 im Thema

Beitrag von Svenja80 » Fr 29. Mär 2019, 21:52

Hi Stephanie,

also mir gefällt die Geschichte bisher sehr gut. Ist das komplett erfunden, oder verarbeitest du auch autobiografisches?
Danke für die vielen Folgen.

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 39 im Thema

Beitrag von Stephanie » Sa 30. Mär 2019, 20:33

Svenja80 hat geschrieben:
Fr 29. Mär 2019, 21:52
Hi Stephanie,

also mir gefällt die Geschichte bisher sehr gut. Ist das komplett erfunden, oder verarbeitest du auch autobiografisches?
Danke für die vielen Folgen.
Hi Svenja,

also komplett erfunden ist es nicht. Ich verarbeite viel aus meinem Leben und arbeite durch aus Wünsche mit ein. Wobei ich gerne die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwische.

Grüße
Stephanie
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 40 im Thema

Beitrag von Stephanie » Di 2. Apr 2019, 16:39

Susanne Teil 2

„Das ist ja heiß, dass ich das nochmal erleben darf!“ sagt Susanne kichernd. Ich klär sie dann auf, warum ich das mache. „Ich brauche noch ein bisschen, wenn Du magst kannst Du ja schon mal ins Wohnzimmer gehen“, sage ich. „Och, ich schau Dir aber auch gerne zu“, sagt sie mit einer kleinen Aufregung in der Stimme. Ich zwinkere ihr zu. So, jetzt verkleinere ich noch die Brust“, sage ich grinsend. „Wieso?“ fragt Susanne erstaunt. „Siehste gleich“, sage ich grinsend. Ich ziehe das T-Shirt aus. „Moment, den BH möchte ich aufmachen“, sagt Susanne. „Na gut“, antworte ich. Sie legt ihre Hände auf meine Schulter und lässt sie langsam über die Schulterblätter zum Verschluss des BHs gleiten. Im Badezimmerspiegel sehe ich ihr dabei zu. „Hast du noch größeres vor?“ hauche ich ihr zu. „Abwarten“, haucht sie zurück. Sie öffnet den Verschluss und führt dann den einen Träger über den Arm, dann den anderen. Dann hat sie den BH in der Hand. „Raffiniert“, sagt sie, als sie ihn sich betrachtet, „die Einlagen mit eingearbeitet.“ Aber warum haben die denn innen eine Vertiefung?“ Sie legt den BH weg und führt ihre Hände vom Rücken nach vorne, bis sie an meiner Brust angekommen ist. „Oho, was ist denn das?“ fragt sie, während sie unter meinem rechten Arm durchtaucht und sich vor mir aufbaut. „Fast Körbchen „B““, antworte ich, „und wächst langsam weiter.“ „Die sind ja knackig, da kann man ja fast neidisch werden“, sagt Susanne, „wie fühlt sich das denn an?“ Sie streichelt vorsichtig. „Na ja, so langsam macht mein Verstand winke-winke“, antworte ich. Susanne lacht. Ich ziehe mein T-Shirt wieder über.

Wir gehen ins Wohnzimmer. Susanne setzt sich vorsichtig auf einen der Luftsessel. „Das ist ja heiß,“, sagt sie, „so was kann ich ja ab.“ Sie schwingt ihren knackigen Po hin und her und stahlt dabei. „Eigentlich wollte ich Dir nur Bescheid sagen, dass ich die nächsten Wochen wieder auf das Haus meiner Eltern aufpasse“, sagt sie und streicht dabei über die Lehne des Sessels. Ich setze mich derweil auf das Luftsofa und genieße den Anblick dieser schönen Frau, die nebenbei eine angenehme Erotik ausstrahlt. „Ich hätte ja mit Stefanie gerechnet…“, sagt Susanne weiter, „aber jetzt hast Du mich mal erwischt.“ Sie wirkt etwas angenehm aufgeregt. „Was ist denn mit Dir los?“ frage ich grinsend, „Du wirkst so aufgeregt.“ Sie steht auf und kommt zu mir auf das Sofa. „Die Stefanie finde ich richtig süß, ich glaube sie könnte eine gute Freundin werden“, antwortet Susanne, „aber mit Stefan würde ich gerne da weitermachen, wo wir auf dem Stadtteilfest aufgehört haben.“ Ich schaue sie an und komme ihrem Gesicht immer näher. Im nächsten Moment liegen wir uns in den Armen und fangen an zu schmusen.

„Ist ja ein bisschen klein, das Sofa“, bemerkt Susanne nach einiger Zeit. Womit sie auch recht hat, denn wir beiden sind nicht grade die kleinsten. „Na ja, wir könnten uns ja was anderes Suchen“, sage ich. „Gerne, aber bitte auch was aufblasbares“, sagt Susanne, „ich habe mich grade dran gewöhnt.“ Ich grinse. „Kleiner Inflatables-Fetisch, was?“ sage ich. „Vielleicht“, haucht sie. „Ich glaube ich habe da was für Dich“, sage ich, stehe auf und nehme sie auf den Arm. „Hui, das hat aber noch keiner mit mir gemacht“, sagt sie freudig. Als wir das Schlafzimmer betreten, sagt Susanne beim Anblick des Bettes: „Genau das!“ Ich lege sie auf das Bett und im gleichen Zug zieht sie mich an sich ran. „Genau das habe ich mir gewünscht“, haucht sie und wir küssen uns weiter. Ich ziehe nebenbei ihren Pullover aus und mache mich dann an ihre Jeans, während sie mir förmlich das Shirt vom Körper reißt. Dann ist auch meine Hose weg. „Nur diese Beflockung vom Luftbett stört ein wenig“, sagt Susanne. „Möchtest Du es lieber glatt?“ frage ich neckisch. „Gerne, aber wie willst Du das machen?“ fragt sie. „Dann lass mich mal kurz los“, sage ich grinsend. „Aber nur kurz“, sagt sie. Ich gehe zum Schrank und hole ein Spannbettlaken aus schwarzer PVC-Folie heraus. Susanne schaute erstaunt. Ich fange an es über die Ecken zu ziehen. Susanne fühlt das Material. Ihre Augen strahlen und sie sagt nur kurz: „Geil.“ „So dann wechsle mal auf die andere Seite“, fordere ich sie auf, was sie auch gleich tut. Sie legt sich auf den Rücken und lässt ihre Hände über die schwarze Folie streichen. „Meine Güte, bist Du eine sinnliche Frau“, sage ich zu ihr und ziehe das Laken über die letzte Ecke. Und „Schwupps!“ zieht sie mich wieder aufs Bett. Ungeniert führt sie ihre Hand zwischen meine Beine. Sie stutzt. „Was ist denn das?“ fragt sie erstaunt, „ein Pflaster, ein Verband und wo ist das übliche Equipment?“ „In Fachkreisen nennt man das „Tucking““, sage ich grinsend „damit man die Beule in der Hose nicht sieht.“ Ich habe das in diesem Fall mit Kinesiologie-Tape gemacht. „Also, so geht das aber nicht, das muss jetzt weg“, sagt sie forsch. „Ich bitte darum“, sage ich grinsend. „Also nee, Steffi, ich bin scharf wie eine Bombe und Du klebst Dich zu“, sagt sie scherzend. Vorsichtig löst sie das Tape und wird wieder stutzig. „Einfach dran ziehen, dann kommt er raus“, sage ich lachend, „warum das so ist weiß ich auch noch nicht genau.“ „OK“, sagt sie und macht es. Es dauert auch nur kurz und sie hat das was sie wollte in der Hand. „Ich möchte Dich in mir spüren“, sagt Susanne und setzt sich über mich. Gekonnt fädelt sie „ihn“ ein und fängt an sich auf und ab zu bewegen. Innerhalb von wenigen Minuten hat sie uns beide an den Rand des „Wahnsinns“ geritten.

Sie bleibt noch eine Weile auf mir liegen, dann rollt sie zur Seite und nimmt mich sofort wieder in die Arme. Nach einigen Minuten des Verschnaufens fragt Susanne: „Wie oft baust Du Dich denn so zurück?“ „Hm, ist unterschiedlich“, antworte ich, „das richtet sich meistens nach dem Zustand der Perücke.“ „Aha, Du nimmst sie nicht zum Schlafen ab?“ fragt sie weiter. „Wenn ich sie fest anbringe nicht“, antworte ich. „Da ist noch was, was mich neugierig macht“, sagt sie, „das mit dem Tape ist mir klar, dass das Gebaumel zwischen den Beinen keine Beule in der Hose macht. Aber wo bleibt denn dann Dein Penis.“ „Tja“, sage ich, „dadurch, dass ich auch noch mit einem, wenn auch unterentwickelten, weiblichen Geschlechtsteil unterwegs bin, sieht die Anatomie bei mir etwas anders aus, an der Stelle.“ „Darf ich mal gucken?“ fragt Susanne. Ich tue so, als würde ich mich zieren, was Susanne dazu bringt mit leicht süffisantem Unterton zu sagen: „Also, liegst mit mir hier nackend und lässt mich nicht nachschauen?“ Ich grinse. „Du machst es doch sowieso“, sage ich. „Aber so was von…“, antwortet sie und rutscht auf dem Bett etwas nach hinten, „so schön die Beine auseinander… .“ „Jawoll, Frau Doktor!“, sage ich. „Sieht interessant aus“, sagt Susanne, „im Prinzip, wie bei mir, nur ein paar Details fehlen.“ „Du hast auch so ein unbeschreiblichen Humor“, bemerke ich lachend. Sie grinst mich frech an.
„Ach so, eigentlich wollte ich ja wissen, wie Du den Pullermann versteckst“, sagt sie. „So ganz genau kann ich Dir das erst morgen sagen, wenn ich beim Arzt war. Da erfahre ich den Abschlussbericht vom MRT neulich“, antworte ich, „aber da unten ist so eine Art kleiner Zwischenraum, so eine Art Hauttasche“, erkläre ich weiter, „und da „verstaue“ ich „ihn“ dann.“ „Und was ist, wenn Du mal so richtig scharf wirst? Springt der dann raus?“ fragt Susanne weiter. „Ist mir noch nicht passiert“, sage ich lächelnd, „vielleicht erfahre ich das ja morgen dann auch.“ „Das musst Du mir aber unbedingt erklären“, sagt Susanne,“ meine Telefonnummer und Email hast Du ja.“ „Ich kann Dich aber auch gerne besuchen kommen, wenn Du magst“, sage ich, „ist ja jetzt nicht so weit weg.“ „Klar gerne“, sagt sie. Nach einigen Minuten frage ich sie: „ Zweite Runde?“ Sie schaut mich kurz an und sagt leicht gehaucht: „Ja!“ Dieses Mal gehen wir es ruhiger an. Danach bleiben wir noch lange eng umschlungen liegen und schlafen dann irgendwann ein.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 41 im Thema

Beitrag von Stephanie » Fr 5. Apr 2019, 11:38

Showdown im Abstellraum

Am frühen Morgen wache ich auf. Susanne liegt neben mir. Sie macht ihre Augen auf und lächelt mich an. „Gut geschlafen?“ frage ich. „Vorher oder hinterher?“ fragt sie feixend zurück. „Du nun wieder“, sage ich lachend. „OK, auf dem Luftbett habe ich super geschlafen und der Sex auf selbigen hat auch Spaß gemacht“, antwortet sie und gibt mir einen dicken Kuss. „Ich muss dann aber langsam rüber“, sagt sie nach einer Weile und zieht sich schnell an. Ich begleite sie zur Tür. Sie schaut mich noch mal an und sagt: „Danke Steffi.“ „Ich danke Dir auch“, sage ich und gebe ihr einen Kuss. „Ich melde mich bei Dir, wenn ich neues beim Arzt erfahre“ sage ich weiter. „Gerne“, sagt sie. Ich öffne vorsichtig die Tür. „Sie gut aus“, sage ich, „freie Bahn.“ „Tschüssi“, sagt sie noch schnell und schon ist sie die Treppe runter. Obwohl sie schon längst aus der Haustür raus ist, schaue ich verträumt in die Richtung. Dann rappele ich mich und gehe rein.
Ich überlege kurz, ob ich mich noch mal hinlegen. Dann entscheide ich mich ins Bad zu gehen und anschließend zu frühstücken. Beim Frühstück denke ich an die vergangene Nacht. „Unglaublich, wie offen Susanne ist“, denke ich mir, „ganz anders als meine Noch-Gattin.“ Ich weiß von Susanne, dass sie sich nicht binden will. Sie hatte mal eine langjährige Beziehung, die ist aber daran gescheitert, weil sie nicht heiraten wollte. Kinder will sie auch nicht. „Eigentlich ein schöner Status“, denke ich mir, „könnte mir als Steffi auch gefallen.“ So langsam muss ich dann auch los. Aufgebrezelt habe ich mich nicht, ich bin also mal im Mann-Modus unterwegs. Ich habe mir so einiges überlegt, was ich sage und tue, wenn ich auf meine Noch-Gattin treffe. „Aber wer weiß, was die so vorhat“, überlege ich. Ich gehe aus der Wohnung und wen treffe ich vor der Tür? Den Jochen! Etwas verdattert schaut er mich an. „Guten Morgen, wie geht’s?“ frage ich freundlich. „Äh, ja, geht so“, antwortet er, „äääh, ist deine… …äh Schwester auch da?“ Der hat das anscheinend noch gar nicht kapiert, dass ich Stefan und Stefanie in einer Person bin. Oder er will mich foppen. Egal ich lass mich drauf ein und sage: „Die Steffi ist kurz vor mir raus, oder warte mal.“ Ich mache die Tür nochmal auf und rufe hinein: „Schwesterherz, bist Du noch da?“ Natürlich kommt keine Antwort, was Jochen dazu veranlasst zu sagen: „Ist wohl doch schon weg.“ „Soll ich ihr was ausrichten?“ frage ich. Jochen druckst herum. „Ja, nee, hm“, bringt er heraus. Jetzt will ich es wissen und frage vorsichtig: „Du bist doch nicht etwa in diese leicht durchgeknallte Nudel verliebt?“ Er bringt nur ein unterdrücktes leises, aber leicht hysterisches Lachen heraus, sagt dann aber: „Eigentlich, …öhm, na ja, ein bisschen vielleicht, aber sag‘s ihr nicht, OK?“ Ich lächele. „OK, ich sag nichts“ verspreche ich, „jetzt muss ich aber los, mein Bus fährt gleich.“ „Mach es gut“, wünscht er mir noch. Auf dem Weg zur Bushaltestelle muss ich die ganze Zeit grinsen. „Oh Mann, den hat es wirklich erwischt“, denke ich mir, „mal sehen, wie ich ihm das beibringe. Und vor allem steht Stefanie ja eher auf Frauen.“

Ich steige in den Bus und bereite mich auf das vor, was gleich kommt. Und vor allem auf die Unberechenbarkeit meiner Gattin. Ich komme im Ort an und mache mich auf dem Weg zum Haus. Was recht fix geht, weil die Bushaltestelle in der Nähe ist. Ich lasse meinen Blick über den Parkplatz streichen, um zu schauen, wo das Auto steht. Auf den ersten Blick ist es nicht zu sehen. So betrete ich das Haus und fahre ins obere Geschoss. Aus dem Treppenhausfenster erkenne ich das Auto auch nicht. Also den Funkschlüssel betätigt und geschaut, wo evtl. das Auto blinkt. „Fehlanzeige“, denke ich mir, aber habe es auch irgendwie erwartet. Also gehe ich wieder runter. Unten treffe ich den Hausmeister. „Na, welch freundlicher Wind treibt Dich hierher?“ fragt er mich. „Na ich wollte die Sachen aus dem Trockenraum holen“, sage ich und versuche so ernst wie möglich zu sein. Der Hausmeister schaut mich etwas ratlos an. „Welche Sachen?“ fragt er. „Na die, die bis gestern Abend da raus sein sollten“, antworte ich, das hatte meine Noch-Ehefrau doch mit Dir abgesprochen.“ „Ich weiß davon aber nichts“, sagt er. „Hä? Wie jetzt?“ frage ich erstaunt. „Ich bin seit gestern erst wieder im Einsatz“, sagt er, „ich war über acht Wochen nicht da, Unfall Reha und so.“ „Aha“, sage ich perplex. Das habe ich jetzt so nicht erwartet. Aber na gut, Auto nicht da, also Handy raus und eine WhatsApp Nachricht an die Gattin geschrieben. „Wo steht das Auto?“ Nebenbei mit dem Hausmeister unterhalten. Im Minutentakt widerhole ich die Nachricht, aber keine Reaktion. Zwischendrin klingele ich an der Klingelanlage, aber auch da tut sich nichts. Ein Nachbar von ihr kommt aus dem Haus. Ich begrüße ihn und frage freundlich, ob er gesehen hat, wann sie das Haus verlassen hat. „Vor einer halben Stunde, mit den Kindern zusammen“, antwortet er, „sie hat die Kinder wohl zur Schule gefahren.“ Ich bedanke mich freundlich. „Ich glaube, ich weiß wo sie sein könnte“, sage ich. Der Hausmeister schaut mich an. „Wahrscheinlich bei dem Typen, mit dem sie mich damals schon beschissen hat“, sage ich. „Der Tischler?“ fragt der Hausmeister. Ich nicke. „Ist mittlerweile kein Gerücht mehr, was?“ frage ich grinsend. Er nickt zustimmend. „Na dann gehe ich auf gut Glück mal da hin“, sage ich und verabschiede mich vorerst.

Es sind nur 10 Minuten Fußweg, dann bin ich auch schon in der Straße. Und tatsächlich, da steht auch das Auto, zwar nicht direkt vor der Tür, aber egal. Schnell gehe ich hin, steige ein und fahre zurück zum Haus. Beim Aussteigen fällt mir ein dicker Kratzer auf dem rechten Kotflügel auf. „Na super“, denke ich mir. Ich hol mein Handy raus und fotografiere den Kratzer. Und natürlich habe ich noch keine Rückmeldung von ihr. „Na dann ruf ich mal an“, beschließe ich. Natürlich nur die Sprachbox dran. Ich gehe ins Haus und fahr in die Etage, wo ich neulich schon die Sachen abgeholt habe. Tür aufgeschlossen und reingegangen. Genauso wie ich den Raum verlassen hatte. Ich höre Schritte vom Treppenhaus. Der Hausmeister macht seinen Rundgang und schaut bei mir rein. „Hier soll das gestanden haben?“ „Ja“, antworte ich kurz. Ich nehme wieder das Telefon und sehe, dass Madame zumindest die Nachrichten gesehen haben muss. Also rufe ich an. Nach dem dritten Bimmeln geht sie tatsächlich ran und keift gleich los: „Hat Du Langeweile? 1000 Nachrichten schreiben?“ „Tja“, antworte ich lapidar, „wenn Du Dich nicht an Absprachen hältst.“ „Ich habe die Kinder zur Schule gebracht“, keift sie weiter. „Ach? Die Schule ist in den Waldweg gezogen?“ frage ich naiv. „Wieso?“ fragt sie aufgebracht. „Na, weil ich da grade das Auto weggeholt habe“, antworte ich frech. Am anderen Ende Stille. „Und jetzt stehe ich im Trockenraum und finde da die Sachen nicht, die Du da hingestellt hast!“ Immer noch Stille am anderen Ende. „Und noch was“, fahre ich fort, „den Kratzer am Kotflügel, den musst Du mir mal genau erklären.“ Keine Antwort. „Du machst jetzt folgendes“, sage ich, „Du ziehst Dich an und machst Dich sofort auf den Weg hierher. Du hast genau 15 Minuten Zeit.“ Mit zitternder Stimme sagt sie: „Und wenn ich nicht komme?“ „Dann gehe ich zur Polizei und scheiß Dich an! Zeit läuft!“ sage ich barsch und lege auf.

In der Zwischenzeit unterhalte ich mich mit dem Hausmeister im Treppenhaus über belanglose Dinge. Nach ca. 10 Minuten fährt ein Auto auf den Parkplatz vorm Haus und meine Gattin nebst vermutlichen Lover steigen aus. „Na der ist ja mutig“, sage ich halblaut. „Du willst dem doch nicht was antun?“ fragt der Hausmeister. „Ach was, aber ein Spruch wird ja wohl erlaubt sein“, antworte ich grinsend und gehe zurück in den Abstellraum. Der Fahrstuhl kommt hoch, die beiden steigen aus und kommen auch in den Abstellraum. Meine Noch-Ehefrau hat die finsterste Miene drauf. Ich grinse nur und begrüße beide: „Guten Morgen. Schön, dass ich bei der Gelegenheit auch mal mein „Lochschwager“ kennenlerne!“ Meine Madame wird kreidebleich, während ihr Lover vor Scham Knallrot wird. Ich nehme den Faden gleich wieder auf: „Wo sind die Sachen die hier angeblich stehen sollten? Und vor allem, was stand hier?“ Madame, immer noch kreidebleich, schaut nur ungläubig im Raum herum. „Und mit dem Hausmeister war das auch nicht abgesprochen“, führe ich weiter fort, „er hat mir vorhin gesagt, dass er seit gestern erst wieder im Einsatz ist.“ Madame stammelt irgendwas unverständliches. „Dann sammele Dich und schreib auf, was hier alles verloren gegangen ist“, fordere ich barsch. Sie nickt nur still. „Und dann hätte ich gerne gewusst, wie der Kratzer an das Auto gekommen ist“, sage ich weiter. Das Auto ist ein Leasingfahrzeug, deshalb muss man jeden noch so kleinen Schaden melden. Meine Gattin schweigt. „Hallo, ich muss das melden und dann wahrscheinlich zum Gutachter“, sage ich ärgerlich, „so wie jedes Jahr, weil Du nicht geradeaus fahren kannst.“ „Ich weiß nicht, wie der da reingekommen ist“, sagt sie leise. „Warst Du bei der Polizei und hast eine Anzeige gemacht?“ frage ich. Sie schüttelt den Kopf. „Ich glaube der Kratzer war schon drin“, versucht sie sich rauszureden. „Auf keinen Fall, ich habe Fotos von allen Seiten gemacht, als ich den Wagen hier am Montag abgestellt habe“, sage ich, „als Vorsichtsmaßnahme.“ Sie steht immer noch kreidebleich da und ihr Lover ist auch keine Hilfe für sie. „Irgendwas ist doch da oberfaul an der Sache“, denke ich mir. Da es hier irgendwie nicht weitergeht sage ich schließlich: „Dann gib mir bitte den Autoschlüssel, den Du noch hast.“ Entsetzt schaut sie mich an. „Ich muss den sowieso in vier Wochen abgeben“, sage ich weiter. „Ich brauch aber ab und zu das Auto“, sagt sie leise. „Tja, aber nicht mehr von mir“, sage ich flapsig, „außerdem hast Du ja da Deinen Fahrdienst“, indem ich auf ihren Lover zeige. Zögernd gibt sie mir ihren Schlüssel. Ich nehme ihn. „Für mich war es das jetzt hier“, sage ich und verlasse den Raum. „Und was machst du jetzt wegen dem Kratzer?“ fragt sie leise. „Ich muss zu Polizei deswegen, Anzeige gegen unbekannt“, sage ich, „bringt wahrscheinlich nichts, aber die Leasinggesellschaft verlangt das so.“ Sie schaut weg. Ich dreh mich um, gehe zum Treppenhaus und gehe die Treppe runter. Unten treffe ich den Hausmeister nochmal. Der grinst mich an. „Das war ja mal ein Spruch“, sagt er lachend, „ich musste echt schnell runter vor Lachen. „Lochschwager“, das habe ich ja noch nie gehört.“ „Tja nun“, sage ich, „irgendwie muss ich ja auch damit klarkommen.“ Ich verabschiede mich und gehe zum Auto. Grade als sich losfahren will, sehe ich, wie meine Dame mit ihrem Kerl das Haus verlässt und sie schnell in Richtung sein Auto gehen. Egal, ich fahr derweil zur Polizei, auch wenn das meinen gesamten Ablauf über den Haufen wirft. „Hauptsache ich komme nachher rechtzeitig zum Arzt“, denke ich mir.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

cora
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 80
Registriert: Mo 17. Jul 2017, 10:09
Geschlecht: meist Mann
Pronomen:
Wohnort (Name): Wien
Membersuche/Plz: Wien
Hat sich bedankt: 32 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 31 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 42 im Thema

Beitrag von cora » Di 9. Apr 2019, 08:28

lochschwager is scho a bissal geil ;)

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 43 im Thema

Beitrag von Stephanie » Do 11. Apr 2019, 09:33

Überraschung beim Arzt Teil 3

Bei der Polizei geht es ziemlich schnell. Anzeige erstellt, kurz draußen die Schadstelle begutachtet und fotografiert. Und fertig. Schnell noch einen kleinen Schnack gehalten, weil auf dem Dorf kennt man sich ja und dann bin ich auch schon wieder nach Hause aufgebrochen. Unterwegs lasse ich die Sache mit meiner Frau noch mal durch den Kopf gehen. Da sind so ein paar Dinge, die ich einfach nicht kapiere, vor allem, weil sie mir das Auto nicht wiedergeben wollte. Egal, das nächste darf ich ihr dann sowieso nicht mehr geben. Ich lasse demnächst meinen Hauptwohnsitz ändern und da sie dann nicht mehr zu meinem Haushalt gehört, darf sie den Wagen auch nicht mehr benutzen. Das ist so seitens der Leasinggesellschaft so vorgeschrieben.
Zu Hause angekommen bereite ich mich so langsam auf den Arzttermin vor. Als erstes wird die Steffi wieder „hergestellt“. Es bereitet mir immer wieder Freude, wenn ich mir zuschaue, wie das Mädel im Spiegel immer mehr Gestalt annimmt. OK, das Makeup ist stimmig. Jetzt noch die Perücke. Ich nehme die frisch gereinigte. Die fixiere ich diesmal nicht, weil ich für die Party morgen eine andere vorgesehen habe. Und dann mache ich mich auf den Weg zur Praxis. Ich fahre auch dieses Mal wieder mit Bahn und Bus. Überpünktlich erscheine ich in der Praxis. An der Anmeldung werde ich freundlich begrüßt. „Hallo Frau Steffi“, freut sich die Martina. Ich darf nochmal kurz im Wartezimmer Platz nehmen. Für die Uhrzeit ist es erstaunlicherweise ziemlich voll. „Guten Tag“, wünsche ich freundlich und setze mich. Ein älterer Herr beobachtet mich die ganze Zeit. Als ich mir eine Zeitschrift vom Tisch in der Mitte hole, spricht mich der Herr an. Mit einem leicht abfälligen Tonfall sagt er: „Was sollen Sie denn bitteschön darstellen?“ Ich sage nichts und schaue ihn ärgerlich an. Langsam gehe ich zu meinem Platz zurück, ihn fixiere ich dabei. Als ich sitze, antworte ich höflich: „Ich verstehe ihre Frage nicht! Was meinen Sie denn jetzt genau?“ Irritiert schaut er weg und brummelt irgendwas unverständliches. Ich lasse jetzt nicht locker und frage noch mal: „Was meinen Sie nun mit „bitte darstellen“?“ Als er immer noch nicht antwortet sagt eine junge Frau: „Das möchte ich jetzt aber auch wissen.“ Ich zwinkere ihr zu. Genervt schaut der Herr an die Decke. Die anderen Wartenden schauen gespannt von einem zum anderen. Die Sprechstundenhilfe kommt und sagt: „Herr von Soundso, kommen Sie bitte mit?“ Der Herr steht auf und geht mit. „Manchmal ist es wohl besser sich vorher zu überlegen was man sagen will“, sagt eine andere Frau. „Er hätte ja nur anders fragen müssen“, sage ich, „dann hätte er auch eine richtige Antwort bekommen.“ „Was … … wäre denn die richtige Antwort gewesen?“ fragt die junge Frau. Ich lächele und antworte: „Die Richtige Antwort wäre gewesen: ich weiß es nicht, deshalb bin ich ja hier beim Arzt!“

Im Wartezimmer wird es wieder ruhig und ich kann meine Zeitschrift lesen. Eine Frau betritt das Wartezimmer und grüßt freundlich. Ich grüße zurück, ohne meine Augen von der Zeitschrift zu nehmen, aber habe irgendwie das Gefühl, dass mich jemand die ganze Zeit anschaut. Als ich den Artikel fertig gelesen habe, schaue ich hoch. Die Frau, die grade reinkam schaut mich tatsächlich die ganze Zeit an und ich kenne sie auch von irgendwo her. In dem Moment kommt Martina rein und sagt: „Stefanie, kommst Du bitte mit?“ „Gerne“, antworte ich, stehe auf und lege die Zeitschrift zurück. Beim Rausgehen fällt mir ein, woher ich die zuletzt hereingekommene Frau kenne und zwar sehe ich sie oft Mittags in der Kantine.
Peer ist schon im Behandlungszimmer und begrüßt mich. Er bittet mich Platz zu nehmen und macht hinter mir die Tür zu. Dann setzt er sich mir gegenüber hin. „So, der Abschlussbericht ist da!“, sagt Peer. OK, dann weiß ich ja gleich genau was ich „darstelle““, sage ich grinsend. Peer schaut etwas irritiert. „Da war eben ein Herr im Wartezimmer, der mich genau das so gefragt hat“, kläre ich ihn auf. „OK, ich weiß schon, wen Du meinst“, sagt Peer grinsend, „ der ist immer so.“ „Na dann… „, sage ich. „Also, es leicht zu machen ist nicht so Dein Ding?“, sagt Peer fragend. Ich mache große Augen und frage „Warum“. „Du weißt was Hermaphroditismus ist?“ fragt er. „Ja, weiß ich, hab mich mal schlau gemacht“, antworte ich. „Dann weißt Du auch, was Pseudohermaphroditismus ist?“, fragt er weiter. „Ja auch das weiß ich“, antworte ich wieder, „Du machst es aber auch spannend.“ „Wird noch spannender“, sagt Peer, „du hast keins von beiden zu 100%.“ „Öh, wie jetzt?“ frage ich verwundert. „Also erstmal hast Du ja Deine männlichen Geschlechtsorgane“, sagt Peer, „aber Du musst schon immer eine relativ gut ausgebildete Vagina haben. Aber warum die sich erst in den letzten Jahren bemerkbar macht, ist ein Rätsel. Die restlichen dazugehörigen Organe sind eher verkümmert.“ Ich schau mir mit ihm zusammen den Befund an. Der ist natürlich vollgeballert mit lateinischen Fachbegriffen, die Peer mir verständlich übersetzt. „Dann haben wir Dein Blut untersuchen lassen“, sagt Peer, „ist alles unauffällig. Klar, dass sich in deinem Körper beiderlei Hormone tummeln, aber keinerlei Hinweise auf Anomalien.“ „Sowas“, sage ich staunend. „Dann hatte Jürgen ja noch was von der Flüssigkeit, die beim Entfernen des „Häutchens“ auslief, aufgefangen und eingeschickt. Die Zusammensetzung ist sehr ähnlich, derjenigen, wie sie bei Frauen in der Vagina vorkommt.“ Ich komme aus dem Staunen nicht heraus. „Das heißt, sie ist penetrierbar?“ frage ich völlig erstaunt. „Ja“, antwortet Peer, "hast Du es noch nicht ausprobiert?“ „Nee, das ist am Anfang schon sehr empfindlich“, antworte ich, „das habe ich beim Auftragen der Wundsalbe schon gemerkt.“ „OK, war ja auch lange im Ruhemodus“, sagt Peer lächelnd. „Ich werde es mal gaaaanz vorsichtig versuchen“, sage ich.
In der Zwischenzeit ist auch Heike dazu gekommen. „Wie geht es Dir seitdem letzten Mal?“ fragt sie mich. „Na ja, die ersten Nächte danach waren schon heftig“, antworte ich, „wobei die erste am schlimmsten war!“ Ich erzähle von dem Alpträumen und vor allem von dem Engel mit dem kleinen Mädchen an der Hand und vom Gewand des Engels, das sich von Weiß in Rot verwandelte. Meine Augen werden immer noch feucht, wenn ich davon erzähle. „Ich kenne eine Psychologin, die auch Traumdeutung macht“, sagt Heike. „Ich habe schon mal im Internet gesucht, was ein Engel bedeuten kann, der im Traum auftaucht“, sage ich, „aber etwas über so ein „Blutengel“ habe ich nicht gefunden. Du kannst mir gerne mal die Adresse der Psychologin geben.“ „Mach ich gerne“, sagt Heike.
„Es gibt noch eine Empfehlung in dem Befund“, sagt Peer, „und zwar empfehlen sie Dir, sich für das eine oder andere Geschlecht zu entscheiden.“ Ich lege die Stirn in Runzeln und schüttle leicht den Kopf. Auch Heike macht keinen zusagenden Gesichtsausdruck. „Auf keinen Fall“, sage ich, „solange es so gut geht, mache ich da gar nichts.“ „Ich weiß auch nicht, wie die darauf kommen“, sagt Peer. „Die kennen wahrscheinlich die anderen beiden Untersuchungen nicht“, sage ich. Peer und Heike nicken. „Ich würde mich aber an Deiner Stelle regelmäßig untersuchen lassen“, sagt Heike und fügt grinsend hinzu: „Ich kenne da eine Frauenärztin.“ „Ich glaube ich kenne die auch“, sage ich feixend, „aber das mit der regelmäßigen Untersuchung werde ich machen.“ „Und wenn irgendetwas unerwartetes auftritt, dann bitte sofort zu uns oder einen anderen Arzt“, bittet Peer, „nicht abwarten. Das was Du hast, ist so was von selten, fast einzigartig.“ „Einzig, nicht artig“, feixe ich. „Ach Du nun wieder“, sagt Heike lächelnd, „Hauptsache, Du verlierst Deinen Humor nicht.“ Ich lächele die Beiden an. „OK, Steffi, dann wäre es das für Heute“, sagt Peer. „Heike verabschiedet sich auch. „Wir hören von Dir?“ fragt sie. „Na klar“, antworte ich. Peer begleitet uns zur Tür und öffnet sie. „Tschüss, bis zum nächsten Mal“ sagt er.

„Du hast einen schönen Kleidungsstil“, lobt mich Heike, „Rock in A-Linie, ist ein Skater Rock?“ Ich nicke. „Und Deine Beine sind echt beneidenswert“, sagt sie weiter. Ich bedanke mich freundlich und gehe zum Kleiderständer, an dem meine Jacke hängt. Dabei fällt mir die Frau auf, die mich vorhin im Wartezimmer so beobachtete. Sie sitzt mittlerweile im Gang. Dort sitzt man meistens, wenn man zur Blutabnahme muss. Sie schaut mich wieder die ganze Zeit an und ich meine ein leichtes Lächeln bei ihr zu erkennen. Ich schaue sie ebenfalls die ganze Zeit an, während ich meine Jacke anziehe und mir das Tuch umhänge. Dann gehe ich zur Tür. Als ich an ihr vorbeigehe, zwinkere ich ihr zu und sage: „Bis Montag dann.“ „Woher kennen wir uns?“ fragt sie. „Aus der Kantine“, antworte ich und verlasse die Praxis. „Meine Güte ist das eine schöne Frau“, sage ich draußen zu mir selber, „von nah dran sieht sie echt atemberaubend aus.“
Ich gehe zur Bushaltestelle und warte auf den Bus. Beim Umsteigen später in die Bahn, entscheide ich mich, noch mal in die Innenstadt zu fahren. Als ich im Zentrum aussteige, fällt mir die Leuchtanzeige einer bekannten Erotikshop-Kette auf. Das Grinsen, was mir grade über das Gesicht huscht, hätte ich gerne im Spiegel gesehen. „Da gehste jetzt rein“, sage ich halblaut vor mich hin und gehe in die Richtung.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 44 im Thema

Beitrag von Stephanie » Mi 24. Apr 2019, 15:47

Ein bisschen Shopping

Ich betrete den Shop. Eine Verkäuferin begrüßt mich freundlich und fragt: „Möchten Sie nur schauen oder kann ich behilflich sein?“ Ich nehme ihre Hilfe gerne an und schildere ihr mein Anliegen. Meine Idee dabei ist, mittels eines Dildos mein neu entdecktes Organ zu erkunden/kennenlernen. Die Verkäuferin hört gespannt zu. „Das klingt ja spannend, so jemanden habe ich noch nie kennengelernt“, sagt sie erfreut, nachdem ich es ihr erklärt habe. Wir gehen in die dementsprechende Ecke des Ladens und sie zeigt mir einige in Frage kommenden Teile. Letztendlich entscheide ich mich für zwei, mit unterschiedlichen Durchmessern. Ich bezahle und werde freundlich verabschiedet. Beim Verlassen des Ladens fallen mir zwei Jungs auf, vielleicht 7 – 8 Jahre alt. Die beiden stehen ein paar Meter neben dem Laden. Der Eine sagt: „Das ist der Laden, wo sie aufblasbare Menschen haben. Ich habe so einen bei meinem Papi im Schrank gefunden.“ Ich gehe schnell weiter, damit ich nicht vor den beiden anfange zu lachen. Aber die sind ja echt zu drollig . Kindermund halt.

„Ich brauch ja noch eine kurze Jacke für morgen“, überlege ich mir. Für die Party bei Jens und Bernie morgen Abend will ich mein schwarzes, mit Rosen gemustertes Petticoat Kleid anziehen. Da es schulterfrei ist, brauche ich halt noch eine Jacke. Ich steure dazu die Einkaufsmeile im Schloss an. „Kann ich Ihnen helfen?“ werde ich schon beim Betreten des Ladens freundlich von einer Verkäuferin gefragt. „Gerne“, antworte ich „ich brauche für ein Petticoat Kleid eine kurze Jacke in schwarz.“ „Ein Bild vom Kleid haben sie zufälligerweise nicht dabei?“ fragt sie. „Hm, vielleicht auf dem Handy“, antworte ich. Ich hol mein Handy raus, tatsächlich finde ich ein Foto und zeige es der Verkäuferin. „Oh, das ist ja ein schönes Kleid“, sagt sie erfreut, „ich glaube ich habe da etwas für Sie.“ Sie zeigt mir mehrere Jacken aus verschiedenen Stoffen. Am meisten sagt mir eine schwarze, kurze Jeansjacke zu. „Die steht Ihnen ziemlich gut, passt zu Ihnen“, stellt die Verkäuferin fest, „sie müsste nur unten in der Taille ein wenig enger sein.“ „Hm, das ist die Krux bei meiner Anatomie“, sage ich. „Na ja, die Schultern sind viel breiter, als die Taille“, sagt sie, bei der Gelegenheit, darf ich mal was fragen?“ Ich muss schmunzeln, weil ich vermute welche Frage gleich kommt. Sie sieht das und muss selber schmunzeln. „OK, Sie kennen die Frage bestimmt schon“, sagt sie. Ich nicke freundlich. „Sind Sie ein Mann oder eine Frau?“ fragt sie dann. „Bingo“, sage ich, „aber nehmen Sie es mir nicht übel, die Antwort ist ehrlich. Ich bin beides.“ „OK“, sagt sie lächelnd.
„Ich würde diese Jacke gerne nehmen“, sage ich. „Wenn Sie möchten, würden wir sie in unserer Änderungsschneiderei an ihre Figur anpassen.“ „Hm, das wäre toll“, sage ich, „wie lange würde es dauern?“ „Na ja, wann brauchen sie sie denn?“ fragt die Verkäuferin. „Morgen Nachmittag“, antworte ich. Sie schaut kurz in eine Liste, dann sagt sie: „16:00 Uhr, das schaffen wir bis dahin.“ Super, dann kann ich sie auf dem Weg zur Party gleich abholen“, sage ich. „Gut dann ziehen sie die Jacke noch mal an, ich stecke das mit Nadeln ab“, sagt sie freundlich. Nachdem alles passt gibt sie mir noch eine Karte mit ihrem Namen. „Ich bin morgen Nachmittag auch wieder hier, fragen sie einfach an der Kasse nach mir“, sagt sie wieder. „Gerne vielen Dank“, sage ich und verabschiede mich.

Als nächste Station laufe ich einen Kosmetik Laden an. Ein bisschen höherwertiges Makeup darf es nun so langsam auch mal sein, sonst habe ich mir meistens Makeup im Supermarkt gekauft. Auch hier werde ich wieder freundlich beraten und es kommt natürlich, nach vorherigen, vorsichtigen Anfragen die Frage, ob ich Mann oder Frau bin. Und auch hier erfahre ich ein kleines Lob. Nachdem ich das Makeup komplett zusammen habe, fragt mich die Verkäuferin: „Wo ich grade ihre Fingernägel sehe, wie wäre es noch mit einem passenden Nagellack?“ „Hm, da fehlt mir ehrlich gesagt noch die Erfahrung“, antworte ich etwas zurückhaltend. „Haben Sie noch etwas Zeit?“ fragt sie weiter. „Ja eigentlich schon“, antworte ich. „Dann würde ich es Ihnen gerne zeigen“, sagt sie, „und ein paar Tipps und Kniffe dazu geben.“ „Gerne“, antworte ich. Sie führt mich zu einem Tisch, an dem wir gegenüber Platz nehmen. Sie schaut sich die Fingernägel an. „Sieht sehr gleichmäßig aus“, bemerkt sie, „aber sie sind ziemlich kurz. Sind die Nägel brüchig?“ „Nein, ich schneide sie absichtlich so kurz, weil ich Gitarre spiele“, antworte ich, „aber ich hätte sie auch gerne länger.“ „OK“, antwortet sie. Sie trägt den Lack auf. „Schönes Rot“, sage ich, „ passt zum Lippenstift.“ Nach dem sie fertig ist und ich eine Menge dazugelernt habe, schaue ich mir das Ergebnis an. „Heiß! Richtig toll“, lobe ich sie. „Danke“, sagt die Verkäuferin, „so fühlt man sich wieder ein Stück weiter vollkommen.“ Ich lächele sie an. „Genau das habe ich mir auch grade gedacht“, antworte ich. Daraufhin wähle ich noch einen dunkleren Rotton, mit dem dazu passenden Lippenstift. „Vielen Dank für die tolle Beratung“, sage ich, nachdem ich bezahlt habe und sie mir die Tasche mit den Einkäufen gibt. Beschwingt und richtig happy verlasse ich den Laden.

„Jetzt zum Abschluss noch einen Kaffee“, denke ich mir, steuere ich auf ein Coffee-Shop zu und bestelle mir ein Latte Macchiato. Dann suche ich mir einen freien Platz, am Fenster finde ich einen. Ich schaue raus und beobachte die Leute draußen. Ein Mann geht ziemlich dicht am Fenster vorbei und schaut dabei rein. Als er mich sieht, bleibt er wie vom Blitz getroffen stehen und schaut mich an. Einige Sekunden später geht er langsam weiter. „Hm, da muss ich mich wohl langsam dran gewöhnen, das mich die Typen anschauen“, denke ich mir und schaue weiter raus. Nebenbei trinke ich meinen Kaffee. „Entschuldigung, darf ich mich zu Ihnen setzen“, fragt mich eine dunkle Stimme. Ich schaue hin. Da steht der Typ von eben neben mir, mit einem Kaffee in der Hand. Das Café ist ziemlich voll und ich sage: „Ja klar.“ Er setzt sich und ich schaue wieder aus dem Fenster. Nach einiger Zeit fragt er mich sehr vorsichtig: „Was gibt es da draußen denn zu sehen?“ „Ach ist so eine Art Zeitvertreib“, antworte ich, „außerdem schaue ich mir so den ein oder anderen Look ab.“ „OK“, sagt er, anscheinend gibt er sich damit zufrieden. Nach einer Weile sagt er, wieder ganz vorsichtig: „Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich habe sie eben von draußen gesehen und musste einfach stehen bleiben.“ „Ist OK“, sage ich. „Sie sind wirklich sehr hübsch“, sagt er dann, was mich total verlegen werden lässt. Das ist mir bisher so noch nicht passiert. So oft habe ich mich vorher nicht unter die Leute getraut und bisher bin ich auch nicht so nett angesprochen worden. „Danke“, sage ich immer noch leicht verlegen.

„Sind Sie öfter hier?“ fragt er mich nach einer Weile. „Ab und zu“, antworte ich höflich. Eigentlich bin ich schon sehr oft hier gewesen, aber dann halt nicht als Stefanie, von daher untertreibe ich einfach mal ein wenig. „Sie sind mir heute das erste Mal aufgefallen“, sagt er weiter. Er spricht mit einer ruhigen Stimme, ist dabei sehr höflich und zurückhaltend. Ich würde ihn glatt als Gentleman einstufen. „Sind Sie den auch oft hier? frage ich zurück. „Eigentlich fast jeden Tag“, antwortet er, „ich arbeite in der Nähe und trinke hier gerne meinen „Feierabend-Kaffee““, antwortet er mir. „Hier schmeckt der Kaffee aber auch super“, sage ich. „Das stimmt“, bestätigt er. Er trinkt sein Kaffee aus und sagt dann: „Ich muss dann mal weiter, ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend.“ „Das wünsche ich Ihnen auch“, sage ich lächelnd. „Vielleicht sehen wir uns ja mal wieder hier“, sagt er. „Bestimmt“, antworte ich. Dann verabschiedet er sich.

„Das war ja mal eine angenehme Begegnung“, denke ich mir. Ich trinke mein Kaffee aus und mache mich auf den Weg nach Hause. Bisher haben mich die Menschen, mit denen ich zu tun hatte, sehr nett behandelt, mal abgesehen, von denen, die einen begaffen und beim Vorbeigehen blöd hinterherschauen.Ich gehe zur Straßenbahnhaltestelle. Die Bahn kommt dann auch bald. Die Fahrt verläuft ruhig. An der Endhaltestelle steige ich aus und gehe zum Haus. Als ich um die Ecke biegen sehe ich ein Taxi vor der Tür stehen und Willi trägt einen Koffer und eine Tasche ins Haus. „Na? Warst Du unterwegs?“ frage ich flaxend, „habe gar nicht gemerkt, dass Du weg warst.“ Willi grinst mich an, dann ruft er durch die offene Haustür: „Halt Dich mal gut fest, Überraschung.“ Und dann sagt er zu mir etwas leiser: „Der Weltenbummler macht mal wieder Halt in Braunschweig-Nord!“ Ich kann mir schon was denken. Als ich vor der offenen Haustür stehe, sehe ich, dass Eberhard wieder zurück ist. „Ebi ist wieder im Lande“, sage ich erfreut. Der ist erstmal vom Donner gerührt. „Ups, habt ihr ihm gar nicht Bescheid gesagt?“ frage ich. „Wie denn?“ fragt Ebi erstaunt, „ich bin ja erst seit ein paar Minuten da!“ Ich grinse. „Woher kennen wir uns denn eigentlich?“ fragt Ebi. „Ach so, Entschuldigung“, sage ich und reiche ihm meine Hand, „Stefanie Boe, mein Name.“ „Nee, also, nee, das gibt’s doch nicht“, sagt Ebi und ist völlig von der Rolle.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 721
Registriert: Mo 31. Mär 2014, 18:05
Geschlecht: d
Pronomen: die da
Wohnort (Name): Meine
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 267 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 557 Mal
Gender:

Re: Blutengel

Post 45 im Thema

Beitrag von Stephanie » Do 2. Mai 2019, 16:53

Am Bahndamm

„Also, ich muss jetzt erstmal hier ankommen“, sagt Ebi, „dann komme ich später mal hoch. Ich habe da wohl einiges verpasst.“ Ich nicke grinsend. „Na dann bis später“, sage ich und gehe die Treppe hoch. In meiner Wohnung angekommen, mache ich mir ein paar Scheiben Brot als Abendbrot zurecht. Nebenbei lasse ich meine Eisenbahn laufen. Dann setzte ich mich zur Anlage und schaue, wie die Züge ihre Runden drehen. Nach einiger Zeit schaue ich in die Kiste mit den Waggons. „Ach herrje, den hab ich ja fast vergessen“, denke ich, als ich die Waggons vom Erz-Zug sehe. Das war mal ein Anfall von Geldausgeben. Ich hatte irgendwie eine Sonderzahlung in 25 Erz-Waggons umgesetzt. Da die Anlage seit vielen Jahren nicht mehr aufgebaut war, haben diese Wagen noch keinen Zentimeter zurückgelegt. „Eigentlich müssten dann auch noch zwei passende Lokomotiven dabei sein“, denke ich. Ich stelle einen Waggon nach dem anderen auf das Gleis. So langsam leert sich die Kiste und die beiden Loks kommen zum Vorschein. „Ha! Mir war doch so“, sage ich leise. Zwei große E-Loks der Baureihe 151 stelle ich vor die Waggons. Dann noch am Steuerpult die beiden Loks zur Doppeltraktion zusammen geführt und dann auf die Reise geschickt. „Boah, ist ja fast wie in echt“, denke ich. Das große Vorbild habe ich früher oft gesehen, wenn es die Stahlwerke in Salzgitter mit Erz beliefert. Während ich dem langsam dahin fahrenden Zug hinterherschaue, klingelts an der Tür.

„Wird dann wohl Ebi sein“, denke ich und gehe zu Tür. Da steht aber Herbert. Er bringt Werkzeug zurück, was er sich vor ein paar Tagen ausgeliehen hat. „Hast Du es wieder dicht bekommen?“ frage ich. „Ja, aber dafür läuft es jetzt bei Dir, oder was rauscht da?“ fragt er zurück. „Haste kurz Zeit?“ frage ich wieder, „ich könnte es Dir sagen, aber das muss man einfach sehen.“ „Na ein paar Minuten habe ich schon“, sagt er und kommt rein. Als er in das Zimmer tritt, bleibt er mit Staunen in den Augen in der Tür stehen. „Was ist denn das geniales?“ fragt er staunend. Langsam geht er in das Zimmer. „Meine Güte, ist das eine riesige Anlage. Wann hast Du die den gebaut?“ fragt er. „Hm, bestimmt seit den letzten 20 – 25 Jahren“, antworte ich, „immer ein Modul nach dem anderen.“ „Genial“, staunt Herbert immer noch. Ich erklär im nebenbei die Technik. Es klingelt. „Das wird jetzt aber Ebi sein“, sage ich, aber es steht Willi vor der Tür. „Ist Herbert bei Dir?“ fragt er, „ich brauche mal eine Info von ihm.“ „Ja der ist hier“, antworte ich. Ehe ich weiterrede fragt Willi: „Was rauscht denn da so?“ Ich grinse und sage: „Komm rein und schau nach.“ Willi kommt rein und bleibt mit offenen Mund staunend in der Tür stehen. „Was die Steffi so alles kann“, sagt Herbert grinsend. „Das ist ja unglaublich“, sagt Willi. Auch ihm erkläre ich die Anlage, und wie lange ich schon dran baue.

Wieder klingelt es. Diesmal ist es Ebi. Auch er stellt beim Reinkommen die Frage was da rauscht. „Kein Wasser“, sage ich. Da er auch begeisterter Modelleisenbahner ist, sagt er: „Dann kann das ja nur Deine Eisenbahn sein.“ Ich nicke. Ich bitte ihn durchzugehen, was er natürlich neugierig tut. „Na ihr beiden, so sieht man sich wieder“, sagt er grinsend zu Willi und Herbert. Ebi tastet mir seinen Augen die Anlage Zentimeter für Zentimeter ab. „Meine Güte, die ist ja riesig“, staunt er, „so übereinander gebaut machste natürlich Strecke.“ Ebi geht zum Steuerpult. „OK, Du fährst Digital“, sagt er, als er die Digitalsteuerung sieht. Und wieder klingelts an der Tür. Diesmal ist es Lisa. „Na Steffi, was machste denn mit den Männern hier?“ fragt sie grinsend. „Verführen“, antworte ich auch grinsend, „mit einem typischen Männerspielzeug.“ Sie lacht. „Kann mir bei dem Rauschen denken was das ist“ sagt sie. Sie schaut kurz rein. Dann sagt sie zu Herbert: „Genug geschaut, Abendbrot ist fertig.“ Herbert ist ein wenig missmutig. „Ich lasse die Anlage noch ein paar Tage stehen“, sage ich tröstend, „Gründonnerstage.“ „OK“, sagt er lachend. Willi geht auch gleich mit. Ebi hat sich in der Zwischenzeit etwas mit der Steuerung vertraut gemacht. „Steffi, das ist ja wirklich ein Kracher“, sagt er, „aber erkläre mir mal zwei Sachen.“ „Und die wären?“ frage ich. „Also, einmal die Anlage, und dann „die Steffi““, antwortet er. „Gerne“, sage ich grinsend. Ich fange mit der Anlage an und erzähle ihm, wie den anderen beiden die Technik und den Werdegang. „Bevor ich mit dem „Steffi-Werdegang“ anfange, brauch ich was zu trinken“, sage ich, „hab‘ ‘ne ganz trockene Kehle vom Erklären. Magst auch was?“ „Ja gerne, eine heimische Hopfenkaltschale“, antwortet er grinsend. Nachdem ich uns zwei davon geholt habe, erkläre ich ihm die „Steffi“. „Respekt“, sagt er lobend, nachdem ich fertig bin, „sieht auch echt „Echt“ aus.“

Wir schauen noch eine Weile den Zügen zu, dann sagt Ebi: „Ich habe noch ein paar Sachen wegzuräumen. Ich gehe dann mal. Aber hast Du vielleicht morgen nochmal Zeit, dass wir uns noch mal treffen könnten? „Hm morgen ist schlecht, ich bin abends auf einer Party“, antworte ich, „und da das etwas weiter draußen ist, werde ich da auch übernachten.“ „OK. Darf ich frage wo Du bist?“ fragt er. Ich grinse. „In einer Kneipe in Dingensrode am Harz“, antworte ich. „Ha! Die kenne ich von früher“, sagt Ebi, „vor meinem Unfall war ich öfter da.“ Oho, das lässt ja tief blicken“, sage ich grinsend. „Das kann ich Dir gerne mal ein anderes Mal erklären“, sagt Ebi ebenfalls grinsend, aber mit einem der beiden Besitzer bin ich zur Schule gegangen.“ Ich mache große Augen. „Echt? Mit wem denn?“ frage ich erstaunt. „Mit Bernie, damals in Wolfenbüttel“, antwortet er. „Is‘ ja heiß“, sage ich. „Und wie kommst Du dazu?“ fragt Ebi, „hat das mit deinem „neuen ICH“ zu tun?“ „Eigentlich garnicht“, antworte ich, „das hat mit dem Typen zu tun, der sich von meinen Vor-Bewohnern gelegentlich die Garage gemietet hat.“ Jetzt ist Ebi völlig erstaunt. „Der mit den hellblonden Haaren? Was hat der den mit der Kneipe und Bernie zu tun. Ich grinse frech und lasse Ebi etwas zappeln. „Och Steffi, nu sag schon“, sagt Ebi. „Er heißt Torben und ist der Sohn von Bernies Lebensgefährten Jens“, erkläre ich. „Das ist ja ein Ding“, staunt Ebi, „das wusste ich garnicht.“ „Ja, aber zwischen Vater und Sohn herrscht Funkstille“, erkläre ich weiter. Ich erkläre Ebi dann noch was es weiter mit dieser Geschichte auf sich hat. „Na dann halt mich auf dem laufenden“, sagt Ebi, „und grüß mir Bernie und Jens dann morgen.“ „Gerne“, sage ich.

Ich begleite Ebi zur Tür. „Da fällt mir noch eine Frage ein“, sage ich, „hast Du eventuell gesehen, was der da immer in die Garage gestellt hat?“ „Nicht nur gesehen, ich hab auch mal genauer geschaut, als er mal vergessen hat, die Garage ganz zuzumachen“, antwortet Ebi, „ich bin freiberuflicher Journalist und damit die neugierigste Person auf dem Planeten.“ Ich lache. „Also, das sind immer große Kartons gewesen“, fährt Ebi fort, Darin waren vakuumverpackte Tüten, ähnlich wie bei Kaffee. Und eine der Tüten war mal offen.“ „Was war da drin?“ frage ich. „Kräuter“, antwortet Ebi, „es roch wie Majoran oder Oregano.“ „Hm, und deswegen macht er so eine Heimlichtuerei?“ wundere ich mich, „wegen Küchenkräutern? Da kriege ich ja einen anderen Verdacht.“ Ebi nickt. „Das habe ich mir auch gedacht“, sagt er grinsend. „Na ja, das kriege ich schon raus“, sage ich, „ich bin nämlich die zweitneugierigste Person auf dem Planeten.“ Ebi lacht. „Na dann gute Nacht, schönes Frollein“, sagt er. „Danke Dir auch“, sage ich, soll ich Dir noch runterhelfen?“ Ebi ist nach seinem Unfall vor ein paar Jahren etwas in der Bewegung eingeschränkt. „Nee ist OK, ich schaffe das schon“, antwortet er. Ich warte noch kurz an der Tür, bis er unten seine Wohnungstür aufschließt. Dann gehe ich zurück in meine Wohnung. Ich schalte meine Eisenbahn ab und überlege, wie ich den morgigen Tag plane. Die Sache mit Torben und seinen „Tüten“ geht mir dabei nicht aus dem Kopf.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Antworten

Zurück zu „(Eigene) Berichte und Geschichten“