Blutengel
Blutengel - # 2

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Hexemelina
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Re: Blutengel

Post 16 im Thema

Beitrag von Hexemelina » Mo 4. Mär 2019, 14:46

Stimmt aber einen dermaßen auf die Folter spannen Respekt das kannst du gut grina

LG die Hexemelina
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Zottelhexe
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Re: Blutengel

Post 17 im Thema

Beitrag von Zottelhexe » Mo 4. Mär 2019, 19:52

Was für eine spannende Geschichte, und so toll erzählt. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht :)

Stephanie
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Re: Blutengel

Post 18 im Thema

Beitrag von Stephanie » Di 5. Mär 2019, 12:36

Völlig runtergezogen


Auf dem Weg zur Bushaltestelle liegt eine Apotheke. Dort gebe ich mein Rezept ab und bekomme meine Salbe. Dann gehe ich zur Haltestelle, nach ein paar Minuten kommt dann auch schon der Bus. Drei Stationen weiter steige ich in die Straßenbahn um. Beim Einstigen fällt mir ein Typ auf der mich von oben bis unten abscannt. Ich setze mich hin und nach wenigen Sekunden bin ich schon voll in Gedanken versunken. Man gut, dass ich bis zu Endhaltestelle durchfahren muss, ich würde sonst das Aussteigen vergessen. Ich lasse den Tag Revue passieren und kann es eigentlich noch gar nicht fassen, was ich heute so erlebt habe. Mein Blick lasse ich ins Endlose schweifen und eine Träne rinnt langsam über meine Wange. Ich kriege es auch absolut nicht mit, als sich jemand auf der anderen Seite vom Gang hinsetzt und mich anspricht. Irgendwie höre ich zwar die ganze Zeit jemand reden, aber ich realisier gar nicht, dass der mich meint. Erst als jemand „Tschüß“ sagt, werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Völlig durcheinander schaue ich mich um. „Wo sind wir grade?“ frage ich. Die Dame die hinter mir sitzt sagt: „Lincolnsiedlung.“ Was ich mit einem „Aha“ kommentiere. „Haben Sie denn gar nicht mitbekommen, dass der Herr der eben ausgestiegen ist, Sie angesprochen hat?“ fragt die Dame weiter. „Was, wie? Herr? Nöö!“ antworte ich. Die Dame sagt noch irgendwas, aber da war ich schon wieder tief in meinen Gedanken.
„Endhaltestelle, vielen Dank für ihre Fahrt mit der Braunschweiger Verkehrs GmbH“, höre ich auf einmal. Bedröppelt stehe ich auf, steige aus und gehe nach Hause. Es ist zum Glück nicht weit. Ich wohne gleich neben der Haltestelle. Die Tränen laufen mir immer noch über die Wangen, auch als ich die Haustür aufschließe. Im Treppenhaus brennt das Licht und als ich die Tür ganz aufdrücke sehe ich Grete auf dem Treppenabsatz stehen, Willy ist auf dem Weg in den Keller und Tarzan kommt grade die Kellertreppe hoch. Als der mich sieht, sagt der: „Na endlich sehe ich auch mal Stefans hübsche Schwester!“ Alle schauen ihn an. Ich gehe langsam an ihnen vorbei und schaue einen nach dem anderen mit meinem verheulten Gesicht an. Auf einmal sind sie alle still. Ich gehe langsam zu meiner Wohnung hoch, schließe die Tür auf gehe hinein und schließe die Tür wieder unverzüglich. Ich schaffe es noch Mantel und Stiefel auszuziehen, dann breche ich heulend zusammen.

Nach einer gefühlten endlosen Zeit des Weinens setze ich mich gegenüber des bodenlangen Flurspiegels und betrachte mich. So habe ich mich lange nicht mehr gesehen. Das letzte Mal war es vor fünf Jahren, als ich mich das erste Mal so richtig zurechtgemacht hatte. Das erste Mal ein Kleid getragen, das erste Mal ein gutes Makeup angelegt hatte. Ich hatte damals echte Probleme damit, mich abzuschminken und wieder in den nervigen „Mann-Modus“ zu begeben. Aber das heute ist um Längen heftiger. Nach einiger Zeit fällt mir der kleine Bildschirm an der Tür wieder auf. Ich schaue hin und natürlich stehen die lieben Nachbarn draußen. Ich stehe auf und schleife mich in die Küche, immer wieder durchgerüttelt von Weinattacken. „Ein Tee wär jetzt das richtige“, sage ich halblaut vor mich hin, fülle den Wasserkocher und schalte ihn ein. Dann brühe ich mir einen Darjeeling auf. Ich nehme mir die Kanne und eine Tasse und gehe auf den Balkon. Ein bisschen frische Luft tut jetzt mal ganz gut.

Tatsächlich kann ich einigermaßen klare Gedanken fassen. Ich frage mich was auf einmal los ist und lasse den Tag noch mal Revue passieren. Morgens gehe ich zum Arzt, weil ich eine komische Stelle zwischen den Beinen habe und jetzt stehe ich hier und realisiere so langsam, dass ich so eine Art Zwitter bin? Und die nächste Frage, die ich mir stelle, welchen Weg gehe ich??? Es wird mir langsam kühl und ich gehe wieder rein. Außerdem bin ich todmüde. Ich setz mich aufs Sofa und nehme die Fernbedienung vom Fernseher in die Hand. Bevor ich den Fernseher einschalten kann bin ich auch schon eingenickert. Ich träume irgendein durcheinander gewirbelten Kram und wache plötzlich schreiend und zitternd auf. Nach ein paar Minuten fasse ich mich und versuche rauszukriegen was das war, was ich da träumte. Es gelingt mir aber nicht. Bald werde ich wieder müde und schlafe wieder auf dem Sofa ein. Das gleiche nochmal, wieder fiese Träume. Dieses Mal werde ich wach, als ich vom Sofa falle und unsanft auf dem Boden knalle. Und wieder kann ich mich nicht dran erinnern, was ich da eben für ein Mist geträumt habe. Das geht etliche Male so weiter, bis ich morgens um halb Vier drauf und dran bin mich selbst ins Krankenhaus einliefern zu lassen. Ich schlafe dennoch wieder ein und wache irgendwann am Samstagvormittag schweißgebadet und zitternd wieder auf. Dieses Mal kann ich mich an Fetzen erinnern. Irgendwie sah ich ein kleines Mädchen an der Hand eines Engels. Der Engel hatte ein weißes Gewand an und große weiße Flügel. Er drehte sich um und ging mit dem kleinen Mädchen an der Hand weg. Beim Weggehen verfärbten sich das Gewand und die Flügel des Engel langsam in ein helles Rot. „Was soll das denn jetzt wieder heißen?“ schreie ich einfach so hinaus, während sich die Tränendrüsen wieder öffnen. Und wieder schlafe ich ein. Ich erwachte am späten Nachmittag. Dieses Mal hatte ich nichts fieses geträumt. Aber der Traum mit dem Engel beschäftigt mich immer noch. „Will mir mein Körper damit irgendwas signalisieren?“ frage ich mich leise selbst. „Kann es sein, dass ich mich grade dran erinnere, wie ich meinen Zwilling im frühen Zustand im Mutterleib vereinnahmt habe?“ denke ich weiter, „boah, nee, scheiß Vorstellung.“ Oder ist es die „nur“ Reaktion auf die Aussage , die der Arzt im Röntgenzentrum von sich gab? Ob ich das jemals rauskriege?

Ich gehe in die Küche. Seit locker 24 Stunden habe ich nichts mehr gegessen. Ich habe zwar keinen Appetit, aber dennoch habe ich Hunger. Ich schaue in den Kühlschrank und stelle fest, dass ich jetzt nicht mehr so viel zu futtern habe. Eigentlich müsste ich nochmal einkaufen gehen, bevor die Läden zu machen. Ich frage mich , ob es in meinem Zustand Sinn macht jetzt loszugehen. Andererseits wär das mal eine Ablenkung, bevor ich hier völlig durchdrehe. Ich steuere das Bad an und schaue ob ich denn überhaupt noch irgendwas an meinem Aussehen verbessern kann. „Alter Schwede“, sage ich, als ich mein Spiegelbild sehe, „du sahst schon mal besser aus, Stefanie!“
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
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Re: Blutengel

Post 19 im Thema

Beitrag von Stephanie » Do 7. Mär 2019, 10:28

Beim Einkaufen

Irgendwie habe ich es dann hinbekommen mein verheultes und völlig übernächtigtes Gesicht aufzuhübschen. Schnell noch etwas frisch gemacht und die Klamotten gewechselt. Statt eines Rocks ziehe ich eine Röhrenjeans an, dazu dunkelblaue Chelsea Boots und wie die Tage üblich, meinen blauen Steppmantel. Schnell noch einen passenden Loopschal umgelegt und die roten Locken in Form gezupft. Schnell noch ein Blick auf den Bildschirm an der Tür. Alles ruhig im Treppenhaus, aber ich kenn ja meine Pappenheimer. Man kann ja eine Tür leise aufschließen, aber ich mache dabei ordentlich Krach, als ich den Schlüssel zweimal herumdrehe. Nur die Tür mache ich nicht auf. Dafür geht die gegenüber auf und Betty erscheint. Etwas verwirrt steht sie in ihrer Tür und schaut auf meine. Genauso hab ich mir das gedacht. Trotz meiner derzeitigen Situation muss ich grinsen. Betty schließt ihre Tür wieder. „Die hängt doch jetzt hinter ihrer Tür“, denke ich mir und schließe meine von innen wieder laut ab. Und „Zack“ geht die Tür drüben wieder auf. Betty kommt wieder raus guckt links und rechts und geht wieder rein. Das Ganze funktioniert dann noch zweimal, dann gibt sie wohl auf. Ich gehe raus und tatsächlich, gegenüber regt sich nichts. Jetzt schnell die Treppe runter und raus. Als ich grade durch die Haustür raus bin höre ich Willis Tür aufgehen. „Tja, Pech gehabt, war ich schneller“, denke ich mir. Ich gehe zum Auto und entschließe mich zu dem großen real-Markt zu fahren, die haben wenigsten bis zehn offen.

Im Laden bin ich erstmal abgelenkt. Ich habe mir zwar keinen Zettel geschrieben, aber trotzdem gehe ich zielstrebig durch die Regale. In der Obst und Gemüseabteilung lasse ich mir etwas Zeit. Beim Durchschauen der Auslagen fällt mir plötzlich ein Mann auf, der mich wohl schon eine Weile beobachtet. Ich schaue genauer hin, was ihn veranlasst wegzuschauen. „Den kenne ich doch“, denke ich mir, „das ist doch Egon.“ Ein früherer Kollege, aus meiner Zeit in der im Maschinenbau, wir waren damals ein richtig gutes Zweierteam.
Während ich mir verschiedene Gemüsesorten einpacke, versuche ich in seine Nähe zu kommen, aber er weicht immer aus. „Ja ja, so kenne ich Dich“, denke ich weiter, „erstmal um die Mädels rumschleichen. Na gut, dann konzentrier ich mich wieder auf das Einkaufen.“ Nachdem ich alles an Lebensmittel im Wagen habe, steuere ich noch die Kosmetikabteilung an. Ist schon lustig, wieviel Zeit ich hier verbringe. Früher bin ich zielorientiert in so eine Abteilung rein, schnell ein zwei Dinge geschnappt und dann wieder raus und das meistens im Mann-Modus. Und nun stehe ich hier und probiere in alle Ruhe einiger Tester durch. Aus den Augenwinkeln sehe ich meinen früheren Kollegen, wie er ein paar Regale weitersteht und versucht mich „ganz unauffällig“ zu beobachten. Nachdem ich alles zusammen habe, gehe ich entschlossen in seine Richtung, was ihn veranlasst auch weiterzugehen. „Na dann eben nicht“, sage ich mir leise. Ich mache mich auf den Weg in Richtung Kasse und komme dabei an den Strumpfhosen vorbei. Was heißt vorbei? Natürlich bleibe ich stehen. „Größe „L“, mal sehen“, sage ich halblaut vor mich hin. Eine Verkäuferin gesellt sich dazu. „Suchen sie etwas bestimmtes?“ fragt sie. „Ich hatte im Prospekt die „wohlig warm“ von Nur Die gesehen“, antworte ich. Sie schaut mich mit großen Augen an, dann sagt sie: „Sie haben ja eine schöne, samtige dunkle Stimme.“ Ich werde leicht verlegen und sage: „Danke.“ Dann sehe ich, dass die Verkäuferin einen Einkaufswagen im Schlepp hat. „Greifen Sie zu“, sagt sie lächelnd. Ich staune: „Toll, in blau, grau, grün, schwarz.“ „Welche Größe brauchen sie?“ fragt sie. „L“, antworte ich. Sie hilft mir beim raussuchen. Ich bedanke mich freundlich, als ich alle Farben zusammen habe.

Jetzt geht’s aber zur Kasse. Vor mir sind noch zwei Leute dran. Ich schaue mich gedankenverloren um, da sehe ich an der Nachbarkasse meinen Kollegen. Er hat mich wohl schon gesehen und versucht angestrengt nicht zu mir herüber zu schauen. Ich schaue ihn dagegen die ganze Zeit an. Ist ihm wohl peinlich. Nach hinten kommt er auch nicht mehr weg, weil sich dort schon jemand angestellt hat. Scheint wirklich eine unangenehme Situation zu sein. Ich feixe mir derweil einen und lege meine Sachen aufs Band. Nach dem Bezahlen gehe ich langsam Richtung Ausgang und kontrolliere meinen Beleg. Im Augenwinkel sehe ich meinen Kollegen schnellen Schrittes vorbeigehen. „Schönes Wochenende, Egon“, wünsche ich ihm. Er schaut mich erstaunt an, murmelt ein „Danke“ und geht aber zügig weiter. „Na warte“, denke ich mir grinsend, „falls ich nachher noch gut drauf bin, dann schreibe ich Dir eine E-Mail.“ Ich gehe zum Auto und verstaue meine Sachen. Ich schau auf die Uhr. „Verdammt! Schon halb Neun, jetzt noch zu Hause Abendbrot machen? Ist eigentlich zu spät“, sage ich halblaut vor mich hin.

In der Nähe ist eine Pizzeria, die Pizza im Steinofen macht. Da war ich früher öfter. Ich merke, solange wie ich was zu tun habe ist meine Traurigkeit wie weggeblasen. Also fahre ich zur Pizzeria. Die hat eher den Charakter eines Imbisses, viele Leute bestellen telefonisch und holen dann ab. Es gibt aber auch ein paar Tische, an den man sitzen kann. Als ich den Laden betrete, werde ich freundlich begrüßt. Auf der großen Tafel an der Wand suche ich mir eine Pizza aus. „Was darf es denn sein?“ fragt mich einer der Pizzabäcker. „Ich glaube, es muss eine Thunfischpizza sein“, antworte ich. Er notiert sich das und fragt freundlich: „Ich kenne sie irgendwoher.“ Ich nicke und antworte lächelnd: „Ja ich war früher oft und gerne hier.“ Ich sehe ihm an, das er etwas irritiert ist. „Hm, früher war ein Herr hier, der ihnen sehr ähnlich sieht, vielleicht Ihr Bruder?“ fragt er. Ich überlege kurz, wie ich antworte und sage schließlich: „Ich bin, bzw. war der Bruder.“ Er macht große Augen, auch seine beiden Kollegen staunen, wobei der eine, der den Ofen bedient sich schnell fasst und sagt.“ Ja! Ich erinnere mich. Ich bin ja angenehm überrascht.“ Ich setze mich direkt an den Tresen und werde erstmal ausgefragt. Die drei sind ziemlich locker drauf und wir haben einigen Spaß. Nach einiger Zeit bekomme ich meine Pizza. „Mhh, einfach nur lecker“, sage ich, „das ist Balsam für die Seele.“ Bis zum Ladenschluss um Zehn bleibe ich noch da und unterhalte mich mit den dreien und auch mit einigen Gästen, die auch mal eine neugierige Frage in meine Richtung haben. Dann fahre ich nach Hause. Dort angekommen, fahre ich das Auto in die Garage, hole die Einkaufstaschen aus dem Kofferraum und gehe zum Haus.
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Stephanie
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Re: Blutengel

Post 20 im Thema

Beitrag von Stephanie » Fr 8. Mär 2019, 15:58

Die lieben Nachbarn Teil 2

Da man von der Vorderseite des Hauses den Garagenhof sieht, bin ich der festen Überzeugung, dass meine lieben Nachbarn einen Späher abbestellt haben, um zu schauen, wann ich zurückkomme. Die müssen auch vor Neugier beinahe platzen, nach alldem, was sie bisher von mir als Stefanie mitbekommen haben. Tatsächlich sehe ich beim Näherkommen, wie sich bei Willi und Grete die Küchengardine bewegt, obwohl das Fenster zu ist. „Es ist halb Elf und die haben echt nichts Besseres zu tun“, denke ich mit leicht verärgert. Ich schließe die Haustür auf und gehe hinein. Und natürlich, die Tür bei Willi geht auf, allerdings erscheint Grete in der Tür. Unverfroren plappert sie auch gleich los: „Ich habe da mal eine Frage!“ Ich erwidere: „Tut mir leid, es ist schon spät. Ich habe leider keine Sprechstunde mehr!“ Beim Treppe hochgehen drehe ich mich noch mal um und zucke mit den Schultern. Grete steht da, wie ein begossener Pudel, das Gesicht unbezahlbar. Was mich allerdings wundert, als ich an meiner Tür ankomme, tut sich gegenüber nichts. Die Tür von Betty bleibt zu. Ich schließe meine auf und gehe in die Wohnung. Kurz nachdem ich meine Türe geschlossen habe, geht die gegenüber auf und Betty kommt raus. Sie geht schnurstracks auf meine Tür zu und versucht wieder einmal durch den vermeintlichen Spion zu schauen. „So Mädel, jetzt biste dran“, denke ich mir und öffne die Tür. Ein ordentlicher Schreck fährt ihr förmlich durch die Glieder. Ich grinse sie frech an und sage während ich drauf zeige: „Da ist eine Kamera drin, deswegen kann man da nicht durchgucken.“ Dann wünsche ich noch einen schönen Abend und schließe die Tür. Natürlich schaue ich auf dem Bildschirm, was sie macht. Sie steht immer noch vom Donner gerührt da, als ihr Gatte in der Tür erscheint. Sie stammelt noch irgendetwas, was ich aber nicht verstehe. Dann verschwinden beide in ihrer Wohnung. Ich staune derweil wieder über diese fast schon unerträgliche Neugier dieser beiden Paare.

Nun ist es aber an der Zeit, dass ich meine Einkäufe verstaue. Nachdem ich damit fertig bin, gehe ich ins Wohnzimmer. Eigentlich müsste ich langsam ins Bett, aber müde bin ich noch nicht. Ich setz mich auf das Sofa und versuch mal an Gar nichts zu denken. Was allerdings nicht möglich ist, weil Tarzan über mir wohl grade wieder einen wilden Ritt im Dschungel macht. Anscheinend hat er wieder mal eine Neue. Die Dame ist bisher die lauteste, die ich hier gehört habe. In ihrer Ekstase schreit sie das halbe Haus zusammen. Das ist ein Grund, weswegen ich mein Schlafzimmer mit dem Kinderzimmer getauscht habe. Aber selbst hier höre ich die Beiden noch. Also gehe ich in die Küche und nehme mir vor, einen Tee kochen. Auf dem Weg in die Küche, komme ich an der Wohnungstür vorbei. Der Bildschirm ist an und Willi und Grete stehen mit Bert und Betty vor der Tür. Sie sind wild am Diskutieren. Es geht dabei um Tarzan und seine Liebschaft. Ich setze derweil Wasser auf und entscheide mich für einen „Gute Nacht Tee“.

„Herje, das ist je besonders laut heute“, denke ich mir. Selbst in der Küche höre ich das Stöhnen. Die Wohnungen hier sind schon ganz gut lärmgedämmt und ich habe beim Renovieren auch nochmal Lärmschutz eingebaut. Aber das ist echt zuviel heute. „Ich glaube ich geh mal hoch und bitte drum, die Lautstärke zu senken“, entschließe ich mich. In der Zeit in der der Tee zieht, tausche ich die Röhrenjeans gegen eine schwarze blickdichte Strumpfhose und einen Rot/Schwarz karierten kurzen Skaterrock. Dazu ziehe ich meine roten 10 Zentimeter hohen Lack-Stillettos an. Dann nehme ich mir noch Lärmschutzstöpsel für die Ohren. Da habe ich immer einen Vorrat von da. Anschließend öffne ich die Tür. Die Vier stehen da immer noch und schauen mich an, als wär ich grade aus einem UFO ausgestiegen. Keiner sagt was, als ich langsam an ihnen vorbei gehe. „Ganz schön laut hier, was?“ sage ich, als ich die ersten Stufe nach oben gehe. Im Hochgehen stecke ich mir die Stöpsel in die Ohren. Oben angekommen sehe ich, wie die Vier unten an der Treppe gespannt nach oben schauen. „Is‘ ja wie im Ohnsorg-Theater hier“, sage ich halblaut.

Dann klingele ich bei Tarzan an der Tür. Ein bisschen mulmig ist mir schon, aber irgendwie habe ich heute ja wieder einen Schalk im Nacken. Auf das Klingeln reagiert er nicht. Also, nochmal geklingelt und nochmal und nochmal, … . Nach dem gefühlte zehnten Klingeln ebbt das Gestöhne ab. Langsam geht die Tür auf. Tarzan hat sich ein Handtuch umgehängt und schaut genervt. Dann fällt sein Blick zuerst auf meine High Heels, dann wandert sein Blick langsam an meinem Körper hoch. Das habe ich auch so erwartet, bzw. provoziert. Sein Gesichtsausdruck wandelt sich von genervt in ein ekstatisches Lächeln. Provokant nehme ich die Ohrstöpsel heraus und frage ihn mit einer leicht samtigen Stimme: „Geht es denn vielleicht ein wenig leiser. Meine geschundene Seele leidet etwas unter eurem Krawall.“ Tarzan ist wohl völlig von der Rolle, er stammelt irgendwas. Er steht da wie vom Donner gerührt. Im Hintergrund hört man seine Liebschaft rufen: „Jochen, was ist da los? Komm jetzt endlich!“ Jochen reagiert aber nicht und starrt mich weiter an. „Ein bisschen leiser, ja?“ frage ich mit übertrieben lieber Stimme. In dem Moment schaut Jochens Liebschaft hinten um die Ecke. „Was ist denn?“ fragt sie schnippisch. „Ein wenig zu laut ist es“, antworte ich. „‘Tschuldigung“, murmelt die Dame. Jochen schaut mich immer noch völlig sprachlos an. „Ich geh‘ dann mal wieder“, sage ich und drehe mich Richtung Treppe, „schönen Abend noch.“

Langsam gehe ich die Stufen runter und lasse dabei die Absätze klackern (was ehrlich gesagt bei zehn Zentimetern nicht ganz einfach ist). Auf dem halben Treppenabsatz sehe ich, das er mir immer noch hinterher starrt. „Meine Güte, bei dem hat aber der Blitz eingeschlagen“, denke ich mir, während ich weiter die Treppe runtergehe. „Kommst Du jetzt wieder rein und hörst auf, dieser Lady hinterherzugaffen“, höre ich Jochens Date etwas energischer sagen. Ich stehe mittlerweile wieder vor meiner Tür, als ich oben die Tür von Jochen ins Schloss fallen höre. Im nächsten Moment fängt seine Dame an zu keifen. Betty, Grete Bert und Willi stehen ebenfalls noch draußen und schauen mich an. „Ich glaube, ich habe denen das Date versaut“, sage ich zu den Herrschaften. „Wenigsten ist jetzt Ruhe“, sagt Betty, „aber sagen Sie mal, wer sind Sie den jetzt eigentlich?“ „Gegenfrage“, sage ich, „seit wann Duzen wir uns wieder? Wir waren doch gleich alle auf Du, als ich hier mit dem Renovieren anfing.“ Es schon interessant anzusehen, wenn vier Münder gleichzeitig runterklappen. „Nehmt es mir nicht übel, aber ich ich gehe wieder rein“, sage ich, „ich muss auch erst noch damit klarkommen, das ich jetzt ein Mädel bin.“ Ich öffne meine Tür, gehe hinein und wünsche den erstaunten Nachbarn eine gute Nacht.

In der Küche wartet noch mein Tee. Ich nehme den Teebeutel raus, nehme die Tasse und gehe auf den Balkon. Bei Jochen oben ist auch die Balkontür auf. Von wildem Sex ist nichts mehr wahrzunehmen, stattdessen zoffen sie sich und das nicht grade leise. In dem Moment wo ich mich selber frage, ob ich da nicht zu weit gegangen bin höre ich vom Nachbarbalkon eine Frauenstimme in meine Richtung rufen.
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Diana.65
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Re: Blutengel

Post 21 im Thema

Beitrag von Diana.65 » Fr 8. Mär 2019, 16:33

Hallo Stephanie.

Eine tolle Story und in so kurzer Zeit schon so viele Fortsetzungen.
Ich danke dir dafür und freue mich schon und bin gespannt auf die nächsten Teile.

Liebe Grüße,
Diana.
Ich bin und bleibe ich.
Was andere von mir denken, wenn ich immer mehr meine neue, weibliche, Seite zeige, ist mir zwar nicht egal, aber ich komme immer mehr damit zurecht.

Hexemelina
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Re: Blutengel

Post 22 im Thema

Beitrag von Hexemelina » Fr 8. Mär 2019, 19:04

Ich kann mir da ein grinsen nicht verkneifen super geschrieben bin ja echt gespannt was die Nachbarin da zu melden hat

LG die gespannte und grinsende Hexemelina
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Re: Blutengel

Post 23 im Thema

Beitrag von Stephanie » Mo 11. Mär 2019, 16:15

Susanne

„Hallo, wissen Sie, was da los ist“, fragt die Stimme, die mir bekannt vorkommt. Ich drehe mich hin. „Hallo Susanne, bist Du auch mal wieder im Lande?“ frage ich höflich. Susanne schaut etwas irritiert. „Äh, seit wann kennen wir uns?“ fragt sie. „Seit etwa drei Monaten, solange ich hier wohne“, antworte ich. „Stefan… „, fragt sie erstaunt. „Mit „ie“ bitte“, sage ich lächelnd. Aus ihrer Wohnung fällt Licht auf sie, so dass ich ihr Staunen sehen kann. „Das ist ja, also …, ich ääh“, stammelt sie, dann fasst sie sich, „darf ich rüberkommen?“ „Ja gerne“, antworte ich.
Susanne hat die Wohnung neben mir, die man durch den anderen Hauseingang erreicht. Sie wohnt hier eher sporadisch weil sie oft das Haus ihrer Eltern behütet, wenn diese auf Dienstreise sind. Sie ist eine recht hübsche Frau mit dunkelblonden langen Haaren. In den ersten Wochen in den ich hier wohnte hatten wir uns angefreundet und auf einem Stadteilfest hatten wir auch mal ein wildes Geknutsche in Alkohollaune. Da ist allerdings nicht mehr draus geworden.
Ich gehe derweil zur Wohnungstür. Meine leergetrunkene Tasse stelle ich in der Küche ab. Dann öffne ich die Wohnungstür, lehne mich an den Rahmen und warte, dass Susanne kommt. Betty steht auch in ihrer Tür. „Na? Findeste keine Ruhe?“ frage ich. „Nein. Sowas wie heute habe ich noch nicht erlebt“, antwortet sie und deutet nach oben. „Und Du?“ fragt sie zurück. „ich bekomme gleich noch Besuch von nebenan“, antworte ich. „Doch nicht etwa Herrenbesuch?“ fragt sie etwas besorgt. „Nein, so weit bin ich dann auch noch nicht“, antworte ich lächelnd, „ich muss mich erstmal selber finden.“ Wenn man sich mit Betty mal alleine unterhalten kann, ist sie eigentlich eine nette Person. Sie ist eine Lehrerin im Ruhestand und dementsprechend sehr gebildet, intelligent und auch sehr aufgeschlossen. „Du bist so aber viel frecher, als Dein männliches Pendant“, sagt sie und versucht das Gespräch im Gang zu halten. Ich lege die Stirn in Runzel und antworte: „Eigentlich bin ich immer so, nur im Mann-Modus bin ich eher verklemmt.“ „Aha, und so wie Du jetzt bist, lässt Du dein Inneres oder Dein wahres Gesicht heraus“, bemerkt sie. „So ist es“, sage ich grinsend, da müsst ihr jetzt mit leben.“ Gut zu wissen“, sagt sie lachend.

Es klingelt. Ich drücke den Türöffner. Susanne kommt die Treppe hoch. „Boah! Im Hellen siehst Du ja noch besser aus“, sagt sie. Und Betty fügt hinzu: „Eine richtig schöne Frau.“ „Menno, jetzt macht ihr mich aber richtig verlegen“, sage ich darauf. Von oben kommt grade wieder ein Gezeter. „Sind die immer noch nicht fertig?“ fragt Betty. „Was ist denn da los?“ fragt Susanne. „Na ja, die haben sich sehr laut geliebt und hier massiv den Hausfrieden gestört“, antwortet Betty süffisant, „und dann ist Stefanie hochgegangen und hat mal freundlich gefragt, ob es bitte leiser geht.“ Susanne grinst. „In dem Outfit, mit dem kurzen Rock?“ fragt sie. „Und mit diesen unauffälligen Schuhen“, sage ich und hole die roten Lackpumps hinter der Tür hervor. „Boah! Darauf kannst Du laufen?“ fragt Susanne erstaunt. Ich nicke und Betty meint: „Sehr gut sogar.“ „Na ja, seitdem ich da oben war, haben die beiden Zoff“, sage ich, „als er die Tür öffnete und mich gesehen hat, müssen seine Hormone im Blut Blasen geschlagen haben.“ Susanne und Betty grinsen. „Zieh mal an die Schuhe“, sagt Susanne, „das möchte ich mal sehen.“ Ich ziehe sie an und gehe ein wenig im Flur hin und her. „Diese Beine, da kann frau ja richtig neidisch werden!“, sagt Susanne verzückt. In diesem Moment geht oben die Tür auf und wutentbrannt kommt Jochens Liebschaft heraus. „Du kannst mich mal“, schleudert sie in seine Richtung. Wir drei sagen gar nichts. Die Dame kommt die Treppe runter, sieht uns und giftet mich an: „Du kannst jetzt hochgehen, das Bett ist noch warm!“ Susanne und Betty schauen entsetzt während ich der Dame noch hinterherrufe: „ Nee lass mal, ich bin lesbisch!“ Sie hält kurz inne, schaut mich entgeistert an und verschwindet dann endgültig. „Weißt Du, wovor ich ein wenig „Angst“ habe?“ fragt mich Betty lächelnd. Ich schüttele den Kopf. „Deine Schlagfertigkeit“, sagt sie, „habe ich ja nun auch schon ein paarmal erlebt.“ Ich grinse. „So jetzt gehe ich aber ins Bett“, sagte Betty, „gute Nacht ihr beiden.“ „Gute Nacht“ sagen Susanne und ich gleichzeitig. „Und Du musst mir jetzt aber mal einiges erzählen“, sagt Susanne. „Na dann komm rein“, bitte ich sie.

„Magst Du was trinken?“, frage ich sie und zähle ein paar Getränke auf. Nachdem wir beide uns beide auf „Mädchenbrause“ (Sekt) geeinigt haben fragt sie mich: „Wie kommt denn jetzt plötzlich dieser Wandel zustande?“ „Plötzlich ist das nicht passiert“, antworte ich, „das hat sich über lange Zeit entwickelt. Aber gefestigt hat sich das gestern.“ Ich erzähle ihr von dem Arzttermin und den Erkenntnissen, die sich daraus ergeben haben. Und so langsam bekomme ich auch wieder feuchte Augen. Susanne stellt sich dabei als gute Trösterin heraus. Sie kann mich sehr gut auffangen. „Wenn Du Hilfe brauchst, dann klingle mich einfach raus“, sagt sie, „auch nachts.“ „Gerne“, antworte ich ihr, „aber umgedreht genauso.“ Wir unterhalten uns noch über alles Mögliche. Als wir merken, dass die Sektflasche leer ist, fällt uns auf, dass es schon nach drei Uhr morgens ist. „Jetzt muss ich aber los“, sagt Susanne, so langsam bin ich todmüde.“ „Nicht nur Du“, sage ich und begleite sie zur Tür. Ein „Tschüss“ und ein Bussi, dann geht sie die Treppe runter. Ich warte noch, bis sie aus der Haustüre geht.

Ich mache mich Bettfertig. Schnell abschminken, und dabei bloß nicht in den Spiegel schauen. Nur die Perücke bleibt drauf, weil die einerseits mit den restlichen Haaren verknüpft ist, andererseits mit Klebestreifen auf der Kopfhaut fixiert ist. Dann gehe ich ins Schlafzimmer. Ich setz mich auf Bett, streife meine Ballerinas von den Füßen und schwinge mich auf die Matratze. „Kracks“ macht es. „Mist, war wohl zu schwungvoll, wieder eine Latte durch“, denke ich mir. War eh nur zum Übergang, dieses Bett. Aber liegen kann ich hier nicht vernünftig, ich hänge irgendwie durch. Also wieder raus aus dem Bett, Matratze rausgenommen und das Bett auseinander genommen; morgen um kurz vor Vier! Gottseidank ist das Bett nur gesteckt und schnell demontiert. Schnell alles an die Seite gestellt, Matratze auf den Boden gelegt und wieder hingelegt. „Nee, auch scheiße“, denke ich mir. Wieder hoch und die Matratze zum auseinandergebauten Bettrahmen gestellt. Aber aufs Sofa, dazu habe ich auch keine Lust. „Moment, ich habe doch noch das Luftbett, mit der eingebauten Pumpe“, sage ich leise vor mich hin und hole es aus dem anderen Zimmer. Innerhalb von wenigen Minuten ist es aufgeblasen. Bettzeug drauf und mich hingelegt. Es dauert nicht und ich bin eingeschlafen. Zu meiner Überraschung träume ich dieses Mal nicht so fiese Sachen wie in der Nacht davor. Am Morgen kann ich mich aber auch nur lückenhaft dran erinnern. Was heißt „Morgen“, es ist kurz vorm Mittag. Erstaunlicherweise habe ich auf dem Luftbett sehr gut geschlafen, das merke ich als ich aufstehe. Ich gehe in das Badezimmer und mache mich für den Tag zurecht. Mal sehen was heute los ist. Ich lasse es mal auf mich zukommen.
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Re: Blutengel

Post 24 im Thema

Beitrag von Hexemelina » Mo 11. Mär 2019, 16:50

Stephanie hat geschrieben:
Mo 11. Mär 2019, 16:15
ie Dame kommt die Treppe runter, sieht uns und giftet mich an: „Du kannst jetzt hochgehen, das Bett ist noch warm!“ Susanne und Betty schauen entsetzt während ich der Dame noch hinterherrufe: „ Nee lass mal, ich bin lesbisch!“ Sie hält kurz inne, schaut mich entgeistert an und verschwindet dann endgültig
gröööhhhlll zu geil
wird immer besser ein lobgesang der künstlerin
mfg die Hexemelina
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JanaH
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Re: Blutengel

Post 25 im Thema

Beitrag von JanaH » Mo 11. Mär 2019, 17:04

Stephanie, einfach nur toll!












Musste ich jetzt mal loswerden... (he)

Stephanie
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Re: Blutengel

Post 26 im Thema

Beitrag von Stephanie » Do 14. Mär 2019, 09:11

Kaffeeklatsch

Das Wetter draußen sieht eigentlich ganz passabel aus und ich entschließe mich, eine Runde spazieren zu gehen. Als ich mir überlege, ob ich nun Hose oder Rock anziehe, fallen mir plötzlich meine Inline-Skater auf, die im sogenannten Kinderzimmer neben den Eisenbahnmodulen stehen. „Au ja, das ist’s. Inliner fahren“, denke ich mir. Und das Outfit habe ich auch schon im Kopf. Schwarze Thermostumpfhose, natürlich den Skater-Rock von gestern Abend, schwarzes Sweatshirt und eine rote Steppweste mit Fellkapuze. Dazu noch einen Rucksack, für die Utensilien, die Frau so braucht und für die Turnschuhe die ich jetzt anziehe, damit ich nicht umständlich mit den Inlinern die Treppe runter muss. Auf dem Treppenabsatz unten wechsele ich die Turnschuhe gegen die Inliner und rolle aus der Haustür. Ich bin zwar länger nicht mehr mit den Dingern gelaufen, aber sofort wieder sicher dabei. „Ich könnt ja mal Richtung Arbeit fahren“, denke ich mir, „mal sehen wie lange das dauert. Ist doch mal eine Alternative.“ Der Fuß- und Radweg den ich fahre geht direkt an der Straßenbahn entlang und ist der gleiche, den ich auch sonst mit dem Rad befahre, wenn ich zur Arbeit oder in die Innenstadt will. Unterwegs werde ich von einigen Leuten angeschaut, manche schauen mir sogar hinterher. Na gut, bei meiner Größe von 1,86 m und den Inlinern unter den Füßen komme ich wahrscheinlich als Riesin um die Ecke. Ich habe mein Spaß dabei. Nach zehn Minuten bin ich auch schon vor den Toren meiner Arbeitsstätte. Ich drehe noch mal eine Runde um die Gebäude der auf demselben Grundstück liegenden Bank unseres Unternehmens. Ist natürlich nicht viel los auf einem Sonntag. Also rollere ich wieder zurück.

Auf der Brücke über die A2 halte ich kurz und schaue dem Verkehr zu, wie er so unter mir durchrauscht. Der Weg hinunter läuft in einem „S“-Bogen. Als ich zur Hälfte runter bin sehe ich am Anfang der Brücke Susanne mit einer anderen Frau. Ich bremse ab und komme vor den beiden zum Stehen. „Hey Steffi“, begrüßt mich Susanne lächelnd. Ihre Begleitung stellt sie mir als ihre Schwester Sabine vor. „Ich habe sie schon eingeweiht“, sagt Susanne, „wir haben Dich vorhin gesehen, als Du losgefahren bist.“ „Respekt“, sagt Sabine zu mir, „Du bist ja locker drauf.“ „Danke“, sage ich freundlich. Susanne will grade etwas sagen, da hören wir eine Fahrradklingel. „Hä? Ist doch genug Platz zum vorbeifahren“, sage ich. In dem Moment rast ein Radler sehr schnell an uns vorbei, kriegt die eigentlich langgezogene Kurve nicht so ganz, kommt vom Weg ab und fährt auf dem Gras neben dem Weg weiter. Da es dort nicht mehr so ganz grade ist, kommt er ins straucheln, verliert das Gleichgewicht und fällt schließlich hin. „Geiler Stunt, kann ich den nochmal sehen?“ frage ich in die Runde. Die beiden Mädels grinsen. Der Radler steht auf, klopft Gras und Schmutz ab. „Ist Ihnen was passiert?“ ruft Sabine. „Alles in Ordnung“, ruft der Radler, schwingt sich wieder auf sein Rad und fährt weiter. „Das war doch…“, fange ich an. „Jochen“, vervollständigt Susanne, „der ist vorhin kurz nach Dir losgefahren.“ „Interessant“, bemerke ich grinsend. „Na ja, wir gehen dann nochmal ein bisschen weiter“, sagt Susanne und wir verabschieden uns.

Ich fahr derweil zurück nach Hause. „Was war denn das für eine Nummer?“ frage ich mich selber, in Bezug auf die Aktion eben grade von Jochen, „lauert der mich jetzt auf oder verfolgt der mich?“ Auf dem Rückweg sehe ich ihn aber nirgends. Kurz darauf rolle ich auch schon wieder vor dem Haus. Ich setze mich auf den Hausstein, ziehe meine Inliner aus und die Turnschuhe an. Dann gehe ich rein und gehe die Treppe hoch. Oben angekommen, ist bei Bert und Betty die Wohnungstür auf und Willi und Grete sind wohl grade reingekommen. Betty sieht mich und fragt freundlich: „Hallo Steffi, magst Du vielleicht zum Kaffeetrinken rüberkommen? Kuchen gibt es auch.“ „Klar gerne“, sage ich, „ich bring nur die Sachen hier weg, dann komme ich rüber.“ „Super. Bis gleich“, sagt Betty. „Hm, in dem Sweatshirt und dem kurzen Rock gehe ich da aber nicht rüber“, denke ich mir. Ich hatte gesehen, dass Betty und Grete auch Röcke trugen, aber bis zum Knie. „Ist ja schließlich Sonntag“, sage ich mir halblaut und entscheide mich für ein schwarzes Langarmkleid mit Blumendruck, welches ebenfalls das Knie umspielt. Dazu schlichte schwarze Ballerinas. Dann suche ich noch eine Kleinigkeit zum Mitbringen. Ich habe immer ein paar Naschereien da und entscheide mich für eine kleine Pralinenschachtel. Noch ein kleines Schleifchen drum und dann gehe ich rüber. Ich klingele an der Tür.

Betty öffnet und bittet mich herein. „Du hättest Dich aber nicht umziehen brauchen“, sagt sie lächelnd. „Na ja, Rollschuhlook war mir dann doch zu rustikal“, antworte ich. „OK, stimmt schon, sieht gut aus an dir, das Kleid“, lobt sie mich, was mich mal wieder leicht verlegen macht. Sie führt mich in den Raum, wo die anderen schon sitzen. Unsere Wohnungen sind gleich groß und haben den gleichen Grundriss. Und so sitzen wir im Kinderzimmer, was ich bei mir drüben als Schlafzimmer nutze. Ich begrüße die die anderen Drei und überreiche mein Mitbringsel. Grete lobt mich auch gleich, während die beiden Herren etwas unsicher sind. „Nun zier Dich nicht, Willi“, sagt Grete zu ihrem Mann, „Du bist doch sonst immer aus dem Häuschen, wenn Du eine junge Frau siehst.“ „Hm, ja“, stammelt Willi, „ist aber diesmal irgendwie anders.“ „Ihr könnt mir gerne Fragen stellen“, sage ich freundlich, „es gibt auf alles eine Erklärung. Ich habe auch keine Geheimnisse.“ Aber erstmal gibt’s Kaffee und lecker Kuchen, natürlich selbstgebacken. Im Laufe des Gesprächs bekomme ich dann auch mit wie sie sich untereinander ansprechen. Ich hatte ihnen bisher ausgedachte Spitznamen gegeben. Der einzige davon der Übereinstimmung hat ist Willi, Herbert (Bert) wird mit vollem Namen angeredet, während die beiden Damen entweder mit ihrem vollen Namen angesprochen werden oder Elisabeth (Betty) mit Lisa oder Lisbeth und zu Annegret (Grete) sagen sie Anne.

„Macht ihr das eigentlich oft, dass ihr zusammen Kaffeekränzchen macht?“ frage ich in die Runde. „Einmal im Monat machen wir das“, antwortet Anne, „dabei wechseln wir uns ab. Manchmal ist auch Eberhard dabei, wenn er denn im Lande ist. Der kann auch sehr gut backen.“ „ Und wie siehts bei Dir aus?“ fragt Willi, „kannst Du auch backen.“ „Ja, kann ich ganz gut“, antworte ich, „ich habe mir viel bei meiner Mutter abgeschaut. Wenn ich drüben dann mal mit der Wohnung fertig bin kann ich auch gerne mal einladen.“ „Oh, das hört sich ja gut an“, sagt Lisa. „Und was ist mit den anderen beiden Bewohnern?“ frage ich in die Runde. Herbert grinst. „Na ja, was der Jochen gut kann“, sagt er lachend, „wissen wir ja jetzt.“ Wir lachen zustimmend. „Früher hatten wir mal Kontakt mit den Krankenschwestern“, sagt Anne, „aber die letzten Jahre haben sie sich zurückgezogen.“ „Ich vermute ja, dass sie keinen richtigen Geschwister sind“, sagt Willi. „Nee ne, die sehen sich überhaupt nicht ähnlich“, bemerke ich. „Aber nett sind sie, wenn man sie mal sieht“, sagt Anne. Danach haben die beiden Herren etwas Mut gefasst und fragen mich, warum ich denn jetzt so bin. Ich beantworte brav alle Fragen und versuche dabei auch etwas Hintergrundwissen zu vermitteln. Auch erzähle ich ihnen was am Freitag passiert ist und warum ich da so verheult reinkam. Lisa lobt mich und sagt: „Danke, dass Du uns das so offen erzählst.“ „Es ist mir so lieber, ich glaube schon, dass bald ringsherum über mich erzählt wird“, sage ich, „und wenn man euch fragt, dann könnt ihr das auch so weitergeben.“ „Danke, Steffi“, sagt Anne und hat eine kleine Träne im Auge, „Du bist ehrlich, das gefällt mir.“
Möchte noch jemand Kuchen?“ fragt Lisa nach einiger Zeit in die Runde. Wir anderen winken alle ab. „Ich bin genudelt“, sage ich grinsend. Lisa fängt an abzuräumen, Anne hilft ihr dabei. Als ich meine Hilfe anbiete sagt Lisa: „Du bist heute Ehrengast, bleib ruhig sitzen.“ Und dann sagt sie zu Herbert: „Du kannst ja mal fragen, ob jemand ein Likörchen haben möchte.“ Die Augen der beiden Herren fangen an zu glänzen, was mich zum Grinsen bringt. „Jetzt beginnt der entspannte Teil des Nachmittages“, sagt Willi lächelnd und geht zu einem Schränkchen. Er holt ein Tablett raus, auf dem mehrere Flaschen mit unterschiedlich farblichen Flüssigkeiten stehen. „Das sieht ja schon mal spannend aus“, sage ich erfreut. Lisa und Anne sind noch nicht zurück. Willi fragt mich leise: „Kommst Du denn trotzdem noch ab und zu mal in meinen Kellerraum?“ „Du meinst in Bezug auf mein leicht verändertes Äußeres?“ Willi nickt. „Na gerne doch“, antworte ich. Willi hat in seinem Kellerraum eine ziemlich raffinierte Zapfanlage stehen. Weil seine Anne was dagegen hat, wenn er in der Wohnung Bier trinkt, hat er „heimlich“ in seinem Keller eben diese Anlage stehen. Und jeder der im Keller was zu tun hat, schaut dann eben mal bei Willi auf ein Bier vorbei.

Herbert hat zwischenzeitlich noch Gläser geholt und stellt seine Liköre vor: „Der hellrote ist Himbeere, der dunklere Rote Brombeere, der Grüne Waldmeister, Gelb ist Zitrone, der Hellgrüne Limette, alles selbstaufgesetzte. Und die Farben sind natürlich.“ „Respekt“, sage ich anerkennend, „was empfiehlst Du?“ „Am besten mal alles durchtesten“, antwortet er. Willi und ich müssen laut loslachen, was Lisa veranlasst aus der Küche zu rufen: „He da, nicht ohne uns anfangen.“ Kurz danach kommen die beiden Frauen aus der Küche. Herbert verteilt die Likörchen nach Ansage, ich habe mir fürs erste Waldmeister ausgesucht. „Prost!“ sagt Herbert. „Holla“, bemerke ich, als ich meinen trinke, „der hat ja ordentlich Dampf!“ „Als Basis nehme ich Wodka“, sagt Herbert, „aber nicht den Billigsten.“ Den einen oder anderen teste ich dann auch noch. Zum Glück bin ich einigermaßen trinkfest. Zwischendrin unterhalten wir uns locker weiter. Die beiden Paare reden auch über sich. Der Nachmittag geht ruckzuck vorbei. „Ups, schon halb sieben“, bemerke ich. „Musst Du noch weg heute?“ fragt Anne. „Nein das nicht, nur wo ist die Zeit geblieben?“, antworte ich erstaunt. „Habt ihr schon wieder Hunger?“ fragt Lisa, „ich mach uns ein paar Schnitten Brot.“ Sagt es und steht auf, dass wir anderen kaum antworten können. Nach einiger Zeit kommt sie mit einem großen Teller voller belegten Broten zurück. „Jetzt kann man auch nicht mehr „Nein“ sagen“, sagt Anne grinsend.

„Jetzt habe ich nochmal eine Frage“, sage ich, während wir essen. „Schieß los“, sagt Herbert. „Und zwar geht es um diesen jungen Mann, der sich von meinen Vormietern und auch einmal von mir die Garage gemietet hat.“ „Ja, dieser mit den hellen Haaren?“ fragt Willi. „Genau den meine ich“, antworte ich. „Hm der ist geheimnisvoll“, sagt Herbert. „Wie oft war der denn so hier?“ frage ich weiter. „Das ging so über 5 Jahre“, sagt Willi, „und 3 – 5 Mal im Jahr.“ Kommt hin“, sagt Anne. „Habt ihr zufällig gesehen, was der in die Garage gestellt hat?“, frage ich weiter. „Das waren meist Kartons, so Umzugkartons, wie beim letzten Mal auch“, antwortet Herbert. „Einmal hatte ich gesehen, dass da so silberne verschweißte Tüten drin waren, so wie bei Kaffee oder Tee“, sagt Willi. „Ob der mit so was handelt?“ fragt Anne. „Das frage ich mich auch“, sage ich, „na mal sehen, ob er noch mal wieder auftaucht.“ „Jedenfalls wird er sich wundern, wenn er dann wieder bei Dir klingelt“, sagt Herbert. „Sehe ich denn so anders aus?“ frage ich mit Unschuldsmiene, was uns zum Lachen bringt.
Ich verkleide mich nicht, ich bin so!

Stephanie
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Re: Blutengel

Post 27 im Thema

Beitrag von Stephanie » Fr 15. Mär 2019, 16:34

Sonntagabend

„Vielen Dank für die Einladung“, sage ich zu Lisa und Herbert, als ich dann zusammen mit Anne und Willi die Wohnung verlasse, „schön, dass wir uns dann mal richtig kennenlernen konnten.“ „Gerne, bist ein gern gesehener Gast“, sagt Lisa. Dann verabschiede ich mich auch von Anne und Willi und schließe meine Wohnungstür auf. Drinnen fällt mir auf, dass meine Sprachbox blinkt. Die erste, ziemlich grantige Nachricht ist von meiner „Noch-Gattin“: „Ich brauche das Auto, ab morgen bis Mittwochabend!“ Wir haben nur ein Auto und das ist auf meinen Namen geleast. Die zweite Nachricht, ebenfalls von ihr: „Wir haben noch ein paar Sachen von Dir gefunden und in den Trockenraum gestellt, die dürfen nach Aussage des Hausmeisters bis Mittwochabend (!) da stehen bleiben, danach werden sie entsorgt!“ Das ist wieder typisch für sie. „Ich glaube ich muss Dir mal wieder eine Lektion erteilen“, denke ich mir. Ich stoppe die Sprachbox und rufe sie an. Erwartungsgemäß geht ihre Sprachbox dran. „Das Auto kannst Du Dir ab heute Abend abholen“, spreche ich auf die Box, „ich hole es dann am Dienstagabend wieder ab und nehme gleich meine Sachen mit.“ Wenn die das abhört, klebt sie sowieso wieder vor Ärger unter der Decke.

Ich höre den Rest der Sprachbox ab. „Hallo, hier ist Jens, es gibt vage Neuigkeiten von Torben“, sagt er, „er hat sich bei einem Bekannten von Katja gemeldet. Der wiederum hat sich an Katja gewendet und sie hat uns hier Bescheid gesagt. Ruf bitte mal zurück.“ Das mache ich auch gleich. Es tutet ein paarmal, dann meldet sich Bernie. „ Hi, hier ist Steffi, ich sollte zurückrufen“, sage ich. „Ja super“, sagt Bernie, „ich gebe Dich mal weiter an Jens.“ „Hallo Steffi“, höre ich Jens, „schön, dass Du anrufst, kannst Du im Laufe der Woche vorbeikommen?“ „Klar, warum nicht“, antworte ich. „Ich könnte es dir zwar auch am Telefon erzählen, aber das ist schon wieder um so viele Ecken, typisch Torben halt.“ „Kein Problem“, sage ich, „eilt es? Ich habe die Woche noch einiges vor der Nase. Am Freitag hätte ich auf alle Fälle Zeit.“ „Oh ja, Freitag wäre es schön, Dich hier zu haben“, sagt er, was mich stutzig macht. „Warum?“ frage ich. „Wir haben hier am Freitag einen Motto-Abend, mit Live-Musik und Karaoke“, sagt er und ich erahne sein Grinsen. Ich überlege kurz. „Hört sich gut an“, sage ich, „bin dabei. Gibt’s einen Dresscode?“ „Nein, einen Dresscode gibt es nicht. Komm wie Du magst“, antwortet er, „ das Motto heißt Beachparty. Was aber nicht zwangsläufig Bikini heißt.“ „OK, ich freu mich schon“, sage ich, „bis dann.“ Ja Steffi, bis dahin“, sagt er zur Verabschiedung.

Meine Sprachbox blinkt schon wieder. Die Noch-Gattin wieder. Ich überlege, ob ich die Nachricht abhöre. „Ach was soll‘s, die Laune verdirbt sie mir sowieso heute nicht mehr.“ „Ich weiß nicht wie ich am Sonntag dahin kommen soll“, höre ich ihre sehr gereizte Stimme, „stell mir das Auto vor die Tür, heute noch!“ Ich rufe wieder zurück. „Nöö, heute nicht mehr, wegen Dir setz ich meinen Lappen nicht auf’s Spiel“, sage ich, „ich hatte einen netten Kennenlern-Nachmittag bei meinen Nachbarn.“ Es dauert nicht lange, da bimmelt mein Telefon wieder. Sie wieder. Diesmal gehe ich ran. „Ohne „bitte“ geht hier Garnichts“, fauche ich sie an. Klack! Aufgelegt. Ups, hat sie wohl nicht mit gerechnet. Ein paar Minuten vergehen, dann bimmelt es wieder. „Ja“, melde ich mich knapp. Mit leicht verheulter Stimme sagt sie: „Ich brauche das Auto aber wirklich. Ich muss zu einigen Ärzten.“ „Sag das doch gleich“, sage ich ärgerlich, „und vor allem nicht so abwertend.“ „Kriege ich das heute noch?“ fragt sie wieder. „Habe ich doch vorhin gesagt, ich fahr heute nicht mehr“, antworte ich, „ich stelle Dir die Karre morgen früh vor die Tür und fahr dann mit Bus oder Bahn zurück.“ „Ja ist OK“, kommt es verheult zurück. Ich lege auf.

In weiser Voraussicht hatte ich mir außer letztem Freitag auch noch bis Mittwoch Urlaub genommen. Ich überlege mir, auch noch die restlichen Tage frei zu nehmen, genug zu tun hätte ich ja. Eigentlich brauche ich ja auch das Auto, mein schrottiges Bett will ich entsorgen, und das Sofa wollte ich auch rausschmeißen. Ich habe dafür zwar noch kein Ersatz, aber nerven tut es mich trotzdem. Aber mein Auto ist da zu klein zu. Ich rufe einfach mal meinen Onkel an. Der geht auch gleich ran. „Hallo Neffe“, sagt er, „oder sollte ich Neffin sagen?“ „Nanu?“ Spricht sich ja schnell rum“, sage ich. „Na ja meine Schwester, welche Deine Mutter ist, hat es mir neulich gesagt.“ „Aha, OK“, antworte ich grinsend. „Was kann ich denn für Dich tun?“ fragt er. „Ich müsste noch mal ein paar Sachen aus meinem alten Domizil holen, die Gattin hat noch was gefunden“, antworte ich, „und deshalb wollte ich mir noch mal Deinen Sprinter ausleihen.“ Kein Problem, den hattest Du ja auch beim Umzug damals“, sagt er, „aber kannst Du den denn als Mädchen auch fahren?“ „Ich musste alle Führerscheine neu machen“, flaxe ich zurück. „Dann ist ja gut“, sagt er lachend. „Also, der Sprinter steht wie immer in der alten Spedition“, fährt er fort, „der Schlüssel für den Eingang zum Büro, den Du hast ist immer noch der selbe. Kannst Du dir holen.“ Super“, sage ich. „Lässt Du dein Auto dann da stehen?“ fragt er. „Nee, das hat meine „werte Gattin“ für ein paar Tage“, antworte ich, „ich fahre dann mit dem Fahrrad hin.“ „Pass auf, dann ruf an, wenn Du den Sprinter zurück bringst“, sagt er, „dann hole ich Dich an der Spedition ab, ich würde gerne ein paar Sachen mit Dir besprechen. Außerdem möchte ich Dich auch mal „Live“ sehen.“ „OK, so machen wir das“, sage ich lachend.
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Re: Blutengel

Post 28 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene » Fr 15. Mär 2019, 17:17

Liebe Staphanie,
ich mag Deine Art zu schreiben. Danke (flow)
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.

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Re: Blutengel

Post 29 im Thema

Beitrag von Frl_Astrid » Sa 16. Mär 2019, 06:28

huhu Stephanie ,nun bin ich beim hoffentlich vorerst letzten Teil angekommen und freu mich auf weitere.
Es ist eine wunderschöne Geschichte (he)
mit lieben Grüssen Astrid

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Re: Blutengel

Post 30 im Thema

Beitrag von Stephanie » Sa 16. Mär 2019, 11:49

Oooch, meine Hauptdarstellerin Stefanie Boe hat noch so einiges auf Lager. :wink: Und sie hat auch noch jede Menge Flausen im Kopf. (888)

Vielen lieben Dank für euren Zuspruch bis hierher.
Es freut mich dass es euch gefällt.

Nochmal vielen Dank und liebe Grüße
Stephanie
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