Jazorina
Jazorina - # 3

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Antworten
Sycorax
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 133
Registriert: So 30. Jul 2017, 21:19
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Sachsen-Anhalt
Membersuche/Plz: 391
Hat sich bedankt: 161 Mal
Danksagung erhalten: 250 Mal
Gender:

Re: Jazorina

Post 31 im Thema

Beitrag von Sycorax » So 16. Sep 2018, 21:43

11. Vortrag

Für die Osterferien war der Bewerbungstest geplant. Vorher war aber noch Fasching. Ein Termin um den Simon sonst einen großen Bogen machte, aber jetzt hatte er eine Idee, die ich nicht mehr losließ. Warum nicht mal eine Fee sein. Mit den StiNo Jungenkostüme konnte und wollte er einfach nichts anfangen bzw. sich nicht identifizieren. Das passende Feenkleid hatte er schon im Ballettshop gesehen. Eine Kombination aus Balletttrikot mit passendem Rock und zusätzlichem Tülllagen mit eingewebten Pailletten und die Flügel nicht zu vergessen. Die Verkäuferin hatte ihm angeboten, die Sachen anzupassen. Eine Perücke hatte auch schon im Internet gefunden. Aber leider akzeptierte der Shop nur Kreditkarten als Zahlungsmittel und mit sowas laufen gewöhnlich Schüler nicht rum. Nach einigem Zögern vertraute er sich seiner Mutter an und hoffte, dass sie zustimmte. Trotz aller Unterstützung von ihr, hatte er sogar damit gerechnete, dass sie Nein sagt. Stattdessen gab sie Ihm sogar Tipps wie das Kostüm besser werden würde. Er müsse sich aber am Faschingstag viel Zeit zum Umziehen nehmen. Er legt sich also alle Sachen zurecht. Da das Trikot nur Spagetti-Träger hatte, zog er noch einen hautfarbenen Kurzarmbody unter. Das war eine Bedingung seiner Mutter, bevor sie einwilligt ihm zu helfen. Darüber kam dann die hautfarbe Ballettstumpfhose, das Trikot und Rock mit dem Tüll alles in violett. Dann rückte seine Mutter mit ihrem Schminkset an und schminkte sein Gesicht an den Schläfen zu den Augen hin wuchsen kleine Blätter und auch auf den Unterarmen kamen kleine grüne Ranken mit Blättern. Als das fertig war bekam er die Feen-Perücke mit violetten Haaren auf. Im Spiegel konnte er sich selbst nicht mehr erkennen. Auf ging es zur Tanzschule. Dort angekommen, zog die kleine Fee Satin-Ballettschuhe mit Satinbändern in champagner an. Das war das erst mal, dass ihm Fasching richtig Spaß machte.
Der Tag des Bewerbungstestes rückte näher und an diesem Morgen weckte die Mutter ihn sehr früh. „Was ist los? Es sind Ferien.“
„Du hast heute einen wichtigen Test, schon vergessen?“
Simon sprang wie eine Sprungfeder aus dem Bett und umarmte seine Mutter. „Mach dich fertig, ich wecke Florise. Und schreibe Luisa, dass wir kommen.“ Vor der Tür warte nach dem Frühstück der Mietwagen und eine Computerstimme fragt freundlich nach dem Ziel. Ehe die Mutter reagieren konnte rief Simon schon, „Zum Fähranleger am See. Wir fliegen über den See. Luisa holt uns mit dem Hover-Car ab. Dann sind wir in 30 Minuten dort.“ Als sie am Anleger ankamen schwebt gerade der Hover ein.
Luisa betrachtet Simon verwundert. Da er diesmal nur eine wenig mädchenhafte Jeans, T-Shirt und Turnschuhe trug. „Ich dachte Félicie will unbedingt den Test machen oder doch jetzt als Junge?“ „Warte ‘s ab. Geht schon mal rüber.“ Nach ein paar Minuten kam Félicie in ihrem Kleid und weißen Ballerinas raus. „Können los. Naja, Simon ist schon angemeldet aber Félicie macht den Test. Bei dem Workshop hat mich Frau Beljajew zu sich gerufen. Weißt du noch Luisa? Die Beule unter meinem Trikot war ihr unteranderem aufgefallen. Da habe ich ihr die ganze Geschichte gebeichtet. Ich glaube sie versteht mehr Spaß als wir immer denken. War wohl aber auch etwas sauer auf die Rektorin. Da die ihr nichts erzählt hatte. Da habe ich ihr auch erzählt, dass ich mich beworben habe. Sie fand die Idee zwar total irre, aber sie hat es erlaubt und ich kann den Test in dem Trikot machen. In der Schule ist dann Simon zum tanzen. Sie ist froh, wenn Sie jemand hat, der den männlichen Part freiwillig übernimmt. Damit kann ich gut leben.“ Sie lachte.
Sie hatten noch viel Zeit, so konnte Simons Mutter noch einige Formulare ausfüllen. Was der Hauptgrund war warum Luisa sie mit dem Hover-Car alleine abholen durfte. Es fiel ihr schwer statt nur Simon nun Simon - Félicie in die Anmeldung zu schreiben, darauf hatte er bestanden. Nach dem schriftlichen Test folgte das Probetanzen. Bei beiden hatte Simon ein gutes Gefühl. Jetzt mussten sie auf die Ergebnisse waren. Einige Tage später sollte eigentlich diese da sein, aber es kam nur eine E-Mail, dass Simon in der näheren Auswahl war, aber noch nichts entschieden. Da hieß es warten und die Zeit verging.
Bis zum Ende des Schuljahres musste jeder Schüler einen Vortrag über ein Thema seiner Wahl erstellen. Simon suchte sich das Thema, in dem er zeigen wollte, dass die Menschen nicht alle nur männlich oder weiblich, sondern auch viel dazwischen gibt und in jedem auch etwas vom anderen Geschlecht steckt. Er bat darum als letztes dran zu kommen und er brauchte noch etwas Vorbereitungszeit. Um seine Lehrerin davon zu überzeugen, erkläre er was vorhatte. Sie fand, dass er ein interessantes aber auch schweres Thema gewählt hat und es sehr mutig von ihm. Er solle sich aber im Klaren sein, dass andere kein Verständnis dafür haben werden und er echte Probleme bekommen könnte. Und so war er wirklich der letzte mit seinem Vortrag. Jeder Vortrag wurde anschließend von den Mitschülern gemeinsam ausgewertet. Simon war so aufgeregt, dass er gar nicht richtig zugehört hatte, aber Johns nicht ganz ernst gemeinten Vortrag über das Liebesleben der ostsibirischen Waldameise reizte ihn auch nicht wirklich. Als dieser sich setzte, nahm er einen Beutel aus seiner Tasche und ging damit in den Vorbereitungsraum. Dort zog er sich um. Die Jeans und Schuhe tauschte er gegen Luisas blauen Jumpsuit und die türkisenen Sandaletten. Seine Haare hatte er weiterwachsen lassen und konnte diese so zu einem kleinen Zopf zusammen machen. Als er reinkam, raunte es im Klassenraum aber auch Lachen war zu hören. Das überraschte ihn nicht weiter, es waren die Mitschüler, von denen er eh nichts anderes erwartet hatte. Die Diskussion über seinen Vortrag war sehr lebhaft und ging von totaler Ablehnung bis Zustimmung und Respekt vor seinem Auftreten.
„Ok, beenden wir jetzt die Diskussion. Simon du kannst dich jetzt wieder umziehen.“, forderte die Lehrerin ihn auf. „Wenn es ihm so gefällt, warum kann er es nicht anlassen?“ Simon war schon aufgestanden als dieser Satz aus der hintersten Reihe von Linus kam. Bisher hat er als einzige nichts zu seinem Vortrag gesagt. Linus hatte einen echt passenden Namen, er war der Computer-Nerd schlecht hin in der Klasse. Umso mehr überraschte es Simon von ihm diese Frage zu hören und es klang nicht so als wenn er sich über Simon lustig machen wollte.
„Ähm, ich ziehe mich lieber um.“ Meinte Simon und ging wieder in den Vorbereitungsraum.
Am Ende der Stunde packte Simon seine Sachen zusammen. Auf seiner Smart Watch blinkte eine neue Nachricht. Sie war von Linus und lautete nur „Respekt und Anerkennung“ Und ein Daumen-hoch-Sticker.
Sein ‚Lieblings-Mitschüler‘ warteten auf dem Schulhof ihn wollten handgreiflich werden. Dank dem Aikido-Training blamierten er sich aber vor allen anderen Schülern und mussten sich dann beim Schuldirektor dafür auch noch verantworten.
Liebe Grüße
Renée

Schließt sich eine Tür, öffnet sich wo anders eine andere.

Sycorax
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 133
Registriert: So 30. Jul 2017, 21:19
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Sachsen-Anhalt
Membersuche/Plz: 391
Hat sich bedankt: 161 Mal
Danksagung erhalten: 250 Mal
Gender:

Re: Jazorina

Post 32 im Thema

Beitrag von Sycorax » So 30. Sep 2018, 19:13

Hallo, es geht weiter.
Dank Ellys Hinweis (flo) , hier den letzten Satz aus dem vorhergehenden Kapitel, hoffentlich ohne Fehler, noch mal. :oops:

--------

Sein ‚Lieblings-Mitschüler‘ wartete auf dem Schulhof auf ihn und wollte handgreiflich werden. Dank dem Aikido-Training blamierte er sich aber vor allen anderen Schülern und mussten sich dann beim Schuldirektor dafür auch noch verantworten.

12. Unerwarteter Besuch

Zum Glück war es die letzte Stunde und er ging nach dem Mittagessen nach Hause. Dort zog er sich wie immer seine blaue Capri-Leggings und weiße Ballettschuhe zum T-Shirt aus der Schule an. Und daddelte am Laptop SimCity, leider hatte ein Kometenschauer am Vortag seine schöne Mars-Stadt verwüstet, gerade als der Space-Elevator fast fertig war, da Klingel es an der Tür, gleichzeitig ploppte auf seinem Monitor das Bild von der Eingangstür auf. Linus stand dort.
„Hi, Linus was gibt es?“
„Ich wollte dir etwas bringen. Du hast deine Federtasche auf dem Tisch liegen lassen. Ähm, ja und ich war gerade in der Gegend.“
Simon überlegt kurz. Normaler weise kommt von seinen Mitschülern keiner spontan vorbei. Er überlegte kurz ob er sich umziehen soll. Tat es aber nicht. Nach dem heutigen Tag war das egal. „‘ mach gleich auf.“, sagt er und ging zur Tür runter.
„Hi, kann ich kurz reinkommen?“
„Ähm, ja. Aber die Tasche hättest du mir auch morgen geben können.Danke.“, und nahm die Federtasche von Linus entgegen.
„Störe ich gerade?“
„Nein, ist schon ok.“
„Es sieht aus als ob du, gerade trainierst oder so.“
„Das ziehe ich zuhause immer an.“, sagte Simon etwas verlegen.
„Ich wollte dir nur sagen, dass ich das von dir vorhin total cool fand. Und ich glaub‘ einige andere sehen das auch so. Von der Vollpfostenabteilung mal abgesehen.“
„Wenn meinst du damit? Torsten und seine Bande?“
„Ja, ist doch wahr.“
Simon überlegte und sah Linus nun mit etwas anderen Augen.
„Lass uns in mein Zimmer gehen. Zu mir verläuft sich doch sonst keiner. was machst du hier?“
„‘ war mit dem Rad etwas unterwegs, und wollte mal sehen wie es hier so ist. Ich fahr gern mal einfach so rum, wenn ich mein Computer nicht mehr sehen kann.“
„Und ich dachte du hockst nur vor dem Computer.“, lachte Simon.
„Ja, das erzählen meine Eltern mir auch immer.“
Er schaute sich in dem Zimmer um und fand an der Wand ein Zeitungartikel. „Verschwundener Junge nach zwei Wochen wieder Zuhause.“
„Wie jetzt, warst du das? Das wusste ich nicht.“
„Wäre auch schön, wenn du es nicht rumerzählst. Ok? Geht die anderen nichts an.“
Linus nickte kurz. “Okidoki. Da steht aber nicht was da genau passiert ist, ich meine, man verliert ja nicht ohne Grund das Gedächtnis.“
„Gute Frage, nächste Frage. Ich weiß es bis heute nicht.“
„Wie jetzt. Du willst mich rollen. Die Straße hat an jeder Ecke Überwachungskameras und keiner will was gesehen haben?“
Simon zuckt nur mit den Schultern. „Das gesamte Netz hatte damals doch ´ne Meise. Die hatten alle was anders zu tun.“
„Ja, mein Vater muss jetzt noch die Schäden in der Stadtverwaltung beheben. Der war eine Woche lang nur damit beschäftigt die Server neu aufzusetzen.“
„Ach Mist. Jetzt habe ich nicht aufgepasst und die blöden Kometen haben wieder meine Stadt platt gemacht.“ ärgerte sich Simon als er auf seinen Laptop blickte, um zu sehen wie sich seine Stadt entwickelt.
„Die kommen doch erst, wenn du einen Space-Elevator baust. Hat das Rathaus schon eine Abteilung „42“ und eine Handtuchfabrik hast du wahrscheinlich auch nicht?“
„Nein. Warum?“
„Na, weil die Vogonen von der interstellaren Hyperstraßenbauabteilung gerade in der Gegend sind, und die verschwinden erst, wenn du die „Abteilung 42“ und eine Handtuchfabrik hast.“, grinste Linus. „Probiere es einfach aus, wenn du mir nicht glaubst. - Bürgermeisterin Félicie.“ Meint Linus und lachte. Simon erschrak. Auf dem Bildschirm waren auch verschieden Statusmeldungen zu sehen, welche für die Bürgermeisterin waren.
„Wir können auch online zusammenspielen, was meinst du? Such einfach nach ‚Ford Perfect‘.“ Simon nickt nur kurz.
„Kommst du noch mal als Mädchen in die Schule?“ Wollte Linus wissen etwas verlegen wissen.
„Das hatte ich eigentlich nicht vor. Warum fragst du?“
„Nur so. Wäre bestimmt witzig. Ich muss nach Hause. Meine Eltern fanden schon nach mir.“ Und zeigt auf seine SmartWatch auf dem ein Hologramm seiner Mutter aufgeregt blinkte.
Am Abend chattete er mit Luisa und erzählt ihr von seinem Vortrag und Linus‘ Besuch. Sie gratulierte Ihm zu seinem Mut und meinte noch, dass er in Linus vielleicht doch einen guten Freund in der Klasse gefunden hat. Das dachte er sich auch so, aber mal sehen.
Liebe Grüße
Renée

Schließt sich eine Tür, öffnet sich wo anders eine andere.

Sycorax
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 133
Registriert: So 30. Jul 2017, 21:19
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Sachsen-Anhalt
Membersuche/Plz: 391
Hat sich bedankt: 161 Mal
Danksagung erhalten: 250 Mal
Gender:

Re: Jazorina

Post 33 im Thema

Beitrag von Sycorax » Do 11. Okt 2018, 22:08

13. Ein Monolog

Zwei Tage nach dem Vortrag musste Simon zur stellvertretenden Direktorin. Der Direktor selbst war auf einer mehrtägigen Tagung. Mit einem ganz unguten Gefühl ging er zum Sekretariat. Als Lehrerin hatte die Frau in der gesamten Schule keinen guten Ruf. So stellte er sich einen Hausdrachen vor, nur das Feuerspucken fehlte noch.
Ohne viel Umschweife fing sie gleich an. „Simon, also so eine Aktion mit den Mädchenklamotten will ich hier nie wieder sehen oder hören. Mir ist egal welche Ausrede du dafür hast. Ich dulde das nicht. Sollte das noch mal passieren, werde ich dafür sorgen, dass du von der Schule fliegst. Haben wir uns verstand? Und die Note für den Vortrag ist gestrichen.“ Simon starrt sie nur an und wusste gar nicht wie ihm geschah. Er nickte nur kurz.
„Ok. Dann kannst du jetzt gehen.“ Sie wand sich ab und tat wieder ganz beschäftig am Computer-Terminal. Das Ganze dauerte keine 30 Sekunden. Beim Rausgehen hört er noch so was wie „Genderwahn“ konnte den Begriff aber nicht deuten. Für den Rest des Schultages war er total durch den Wind. Warum eigentlich, er war doch sowieso nächstes Jahr nicht mehr hier. Und über Noten wurde bei den Bewertungen am Ende jedes Vortrages auch nicht gesprochen. An diesem Tag stand noch eine Matheklausur an. Als die Zeit um war, war er sich sicher, den Test verhauen zu haben. Zu sehr bewegt ihn das Geschehen im Direktorat. Zuhause wartet er wie auf Kohlen auf seine Mutter. Sie hatte kaum ihre Sachen abgelegt, da belagerte er sie auch schon. Er erzählt von dem eigenartigen Gespräch mit der stellvertretenden Direktorin. Sie erklärte Ihm, dass bisher auch noch keine Zusage kam. Er wurde bleich im Gesicht. Seine Mutter hatte mehrfach in der Schule angerufen aber immer die gleiche Antwort bekommen - es sei noch keine Entscheidung gefallen.
Er ging auf sein Zimmer und war nun noch mehr durch den Wind. Er dachte an Luisa und die anderen im Internat. Warum ist er da nicht gleich draufgekommen? Er schrieb ihr eine Nachricht und bat sie bei der Rektorin auch nochmal nachzufragen, wie es nun aussieht. Wieder, wie auf Kohlen sitzend, wartete er auf eine Antwort. Doch die ließ auf sich warten.
Er wechselte seine Sachen welcher er in der Schule getragen hatte, gegen seine Leggings und ein weitgeschnittenes weinrotes Sportshirt. Betrachtet das Freundschaftsband von Luisa und ließ sich auf Bett fallen. Dabei fiel ihm der Beutel mit den Sachen für seinen Vortrag auf. Diesen hatte er noch nicht ausgepackt. Beim Wegpacken fiel ihm das Etikett auf. Vorher hatte er es nie beachtet. Im Gegenteil in der Regel schnitt er es gleich ab, es störte ihn einfach.
Natürlich wurde der Vorfall ausführlich beim Abendessen ausdiskutiert. Sein Vater setzte ein Beschwerde-Brief auf und wartet mit dem Absende bis zur Rückkehr des Direktors. Was sie aber nicht wussten, die Sekretärin fing die Mail ab.

14. Des Rätsels Lösung

Einige Tage später kam Linus zu ihm und erzählte, dass sein Vater möglicherweise die Überwachungsvideos vom Tag des Unfalls noch aus dem Archiv holen könnte, aber dazu noch ein paar Informationen brauchte. So gingen Sie nach der letzten Stunde zur Verkehrsmanagment-Zentrale der Stadtverwaltung wo schon Linus‘ Vater schon wartet. „Hi Linus, auch und du bist Simon. Linus hat doch tatsächlich was aus der Schule erzählt. Du musst ihn aber mächtig beeindruckt haben. Sonst müssen wir Ihm immer alles aus der Nase ziehen. Also du willst wissen was zwei Tag vor der Zeugnisausgabe in der Seelandstraße passiert ist?“
„Ja, können Sie das?“ frage Simon aufgeregt.
„Das werden wir sehen. Es würde einfacher, wenn ich wüsste wann und in etwa wo ich suchen soll.“
Simon erzählte an was er sich erinnerte und Linus‘ Vater suchte die infrage kommenden Überwachungskameras in der Datenbank.
„Wie kommt es, dass die Videos noch da sind? Ich denke die werden nach 7 Tagen gelöscht?“
„Stimmte, aber bei diesen ist durch den Serverausfall damals nie das Lösch-Flag gesetzt wurden. Sie werden von der Löschrutine sozusagen übersehen. Und da sich niemand die Zeit nimmt die Archive zu kontrollieren, könnte sie theoretisch bis auf ewig erhalten bleiben.“ Sie tastet sich von einer Kamera zur nächsten und fanden Simon irgendwann, wie er die Straße langging. Es waren auch diverse Autos zu sehen, die deutlich langsamer waren als der restliche Verkehr. Bis zu einem kleinen autonomen Lieferwagen der sogar Schlangenlinien fuhr, als wäre der Fahrer besoffen und dann auf Simons Höhe sogar auf den Gehweg raste. Leider verdeckte er dadurch auch den Jungen. Danach sah man nur wie dieser an einer Straßenlaterne zusammenbrach und der Lieferwagen einfach weiterfuhr, um dann 100 Meter weiter endgültig zum Stehen zu kommen.
„Autsch“ schrien Simon und Linus wie aus einem Mund. Sie sahen wie gebannt auf die Scene, wobei das Video weiterlief. Zwei Minuten Später tauchten zwei Jugendliche aus einer Nebenstraße auf und ging auf Simon zu um ihm dann den Rucksack und Uhr abnahmen und davon schlendert als sein nichts gewesen. Einigen Minuten später kam ein Passant der Simon fand und offensichtlich telefoniert. Während die Jungs noch das Überwachungsvideo schauten ging Linus‘ Vater an einem anderen Terminal und öffnete mehrere Programme.
„Was machst du jetzt?“ Frage Linus.
„Der Lieferwagen war von den Stadtwerken und ich suche das Logfile dazu. Hier ist nur die Notabschaltung registriert, von einem Zusammenstoß steht hier nicht. Ich werde das mal bei den Kollegen besprechen, vielleicht haben die noch eine Idee. Aber als nächstes wird das Video für die Polizei kopiert. Vielleicht kriegen die ja die beiden Verbrecher noch dran, auch wenn es schon ein Jahr her ist.“
„Was waren in dem Rucksack?“ Wollte Linus‘ Vater wissen.
„Schulsachen, meine Pads für den Unterricht und sowas halt. Meine Schülerkarte noch. War nicht ganz billig den Kram neu zukaufen. Ok, die neue Uhr hat mir mein Opa geschenkt, dafür habe ich aber auch lange nach einem Model gesucht was mir wirklich gut gefällt.“ Und zeigt auf seine Uhr, ein seltenes Modell, nicht so gigantisch wie die Uhren anderer Jungs aber auch nicht zu feminin. Sehr flach und das Armband hatte er ausgetauscht gegen ein hellblaues Gewebearmband. Ein echtes Unikat. Das war aber allen egal. Meine Family war einfach nur froh, dass ich wieder da.“
Somit wusste Simon wenigstens was ihn ausgeknockt hatte. Was aber die eigentliche Ursache für die verrückte Technik war, darüber stritten sich immer noch die Wissenschaftler und die Verschwörung-Theoretiker hatten diverse Erklärungen parat.
z.B.
Gordon Shumway, mittlerweile auch nicht mehr der Jüngste, experimentiert mit seinem abgestürzten Raumschiff, dabei verband sich dessen Computersystem mit dem billig smart home System von William Tenner. Die terrestrische Computertechnik wurde dabei als Virus deklariert und die Schiffs KI versucht das Internet zu löschen.
oder
Zaphod Beeblebrox spielt mit Slartibartfaß Shufflepuck Cafe und bei der Zahl 23.0815.42 , die nur erreicht wurde, weil Zaphod mal wieder schummelte, wurde ein Programm-Fehler des super Computers Erde wirksam und löscht das Internet.
oder
Die künstliche Intelligenz ändert das Programm der Matrix, dabei kam es zu beabsichtigen Systemausfälle um Neo daran zu hindern, auf die Nebukadnezzar zurückzukehren.
Oder
Cyberangriff zw. den aktuellen Großmächten
oder
Die ungewöhnlich großen Sonnenprotuberanzen und daraus folgende magnetische Stürme beeinflussten die Computertechnik in diesen Tagen mehr als bisher erwartet.


An diesem Abend kam auch der lang erwartet Rückruf aus der Internats-Schule. Seine SmartWatch zeigt einen eingehenden Video-Anruf. Es dauerte eine Weile bis er begriff, wer ihn anrief.
„Hallo Simon.“
„Guten Tag Frau Navarro.“, antwortet er überrascht und war ganz aufgeregt, was jetzt folgt.
„Entschuldige bitte, dass ich dich erst jetzt zurückrufen kann. Jetzt erzähle mal was beim dir los ist! Luisa war völlig aufgelöst.“ Er sprach über seinen Vortrag und dessen Folgen davon. Die Rektorin hörte aufmerksam zu.
„Also dich kann so schnell niemand aus dieser Schule werfen und schon gar nicht diese Lehrerin und nur weil du dich kleidest wie es dir gefällt. Mit welchem Recht auch? Und selbst wenn, du stehst bei mir eindeutig auf der Schülerliste der nächsten 7b.“
Simon fiel ein Stein vom Herz, „Aber bis jetzt haben wir immer nur gehört, es gäbe noch keine Entscheidung.“
Die Rektorin sah erstaunt aus und schien in ihrem Terminal etwas ein zu geben, „Die Zusage ging schon vor vier Wochen raus, aber ohne Eingangsbestätigung. Ich sende sie euch nochmal zu. Ok. Wir hatten leider einige Probleme mit der Schulverwaltung und dem Elternkuratorium. Deshalb wurde die Schulerweiterung zeitweise gestoppt und ich hatte in den letzten Tagen viel zu tun. Daher hat Luisa mir auch erst gestern von deiner Nachricht berichtet. Du kommst aber in eine bestehende Klasse. - Frau Clemens kenne ich übrigens, sie hatte sich hier bei uns auch schon beworben. Ihre Ansichten schienen mir, vorsichtig ausgedrückt, extrem konservativ. Also keine Panik, wir sehen uns hier im September. Und jetzt muss ich Luisa beruhigen. Sie freut sich schon sehr darauf, mit dir zusammen zur Schule gehen können und kann sich schon so schwer genug auf die Klausuren konzentrieren. Bis dann.“
Er verabschiedet sich noch schnell und lies sich erleichtert auf sein Bett fallen nur um kurz darauf wieder aufzuspringen und seiner Familie von dem Anruf zu erzählen.
Liebe Grüße
Renée

Schließt sich eine Tür, öffnet sich wo anders eine andere.

cora
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 73
Registriert: Mo 17. Jul 2017, 10:09
Geschlecht: meist Mann
Pronomen:
Wohnort (Name): Wien
Membersuche/Plz: Wien
Hat sich bedankt: 24 Mal
Danksagung erhalten: 30 Mal
Gender:

Re: Jazorina

Post 34 im Thema

Beitrag von cora » Fr 12. Okt 2018, 13:50

klingt nach einer ganz fiesen Schlange, die Ersatz- Direktorin und das Sekretariat auch

mach ruhig weiter ;)

Sycorax
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 133
Registriert: So 30. Jul 2017, 21:19
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Sachsen-Anhalt
Membersuche/Plz: 391
Hat sich bedankt: 161 Mal
Danksagung erhalten: 250 Mal
Gender:

Re: Jazorina

Post 35 im Thema

Beitrag von Sycorax » Fr 12. Okt 2018, 21:44

15. Der letzte Schultag

Die restliche Schulzeit achtete er darauf möglichst unauffällige Sache in der Schule zu tragen mit passenden kleinen schwarzen Scheiben als Ohrsteckern. Der letzte Schultag näherte sich und Simon wurde immer nervöser, nicht wegen des Zeugnisses, da machte er sich keine Gedanken. Das letzte Jahr war besser gelaufen als er je gedacht hatte. Er überlegt die ganze Zeit was er am letzten Schultag anziehen könnte. Viele Sachen waren ihm mittlerweile zu klein geworden. Auf der letzten Einkaufstour hatte er aber ein Kombi aus weißer Capri-Leggings und violettem Long Shirt mit einem kleinen Schmetterling an der Seite gefunden. Passende schwarze Riemchen- Ballerinas gab es gleich dazu. Das sollte es sein.
Linus wartet in der Nähe der Schule. Seit sie bei Linus‘ Vater waren, waren die beiden gut Freunde geworden. Dieser staunte nicht schlecht als er diesen so sah und bekam die den Mund nicht wieder zu. „Hi Linus. Mund zu, Milchzähne werden sauer.“
„Ich dachte du wollest nicht mehr so kommen, vor allem nach dem Vorfall mit Clementine?“
Simon grinste nur, „hab `s mir anders überlegt. Warum soll ich mir von der Frau den Tag versauen lassen. Außerdem ist das doch eh mein letzter hier.“ Ganz so gelassen wie er gerade redete, war er aber innerlich doch nicht. Da war es ihm recht, dass es sich so ergeben hatte und sie sich in der letzten Zeit immer hier trafen um gemeinsam zur Schule zu gehen.
Linus mustere ihn von oben und unten und Simon sah ihm an wie er überlegt, „Was ist?“
„An den Anblick muss sich mich erst gewöhnen. Entschuldig bitte, ist nicht böse gemeint. Ich hätte echt nicht gedacht, dass du das noch mal machst. Und wieso ist das dein letzter Tag?“
„Hab eine andere Schule gefunden, wo es mir besser gefällt.“ Mehr wollte er nicht verraten.
„Mensch du siehst echt aus wie ein …“ Mädchen konnte Linus nicht über die Lippen bringen. Und wurde darüber einfach nicht fertig. „Wenn ich dich nicht kennen würde, ich würde es dir echt abnehmen. Bin gespannt wie die anderen reagieren.“ Und lachte. „Du bist echt crazy.”
„Sind wir nicht alle etwas Bluna?“, kam es nur von Simon der grinste und froh war, dass Linus weiter sein Kumpel war.
Die Zeugnisausgabe war um 10 Uhr geplant, vorher wurden in der Aula die Abiturienten verabschiedet. Die Schüler strömten danach wieder in die Klasse. In den letzten Tagen hatte sich Simon zu Linus in die letzte Reihe gesetzt. Die beiden verstanden sich gut und da schmerze es Simon doch ein wenig die Klasse zu verlassen. Simons Outfit hatte am Morgen einige Aufregung verursacht, aber mittelweile gab es nur ein Thema, die kommenden Giftblätter. Nur gelegentlich bemerkt er ein paar verstohlene Blicke seiner Mitschüler. Nach einander wurden alle Schüler alphabetisch aufgerufen und bekamen mit einer kleinen persönlichen Ansprache ihr Zeugnisse übergeben. Dann war er an der Reihe.
„Nun Simon zu Dir.“, setzte die Lehrerin. Er stand auf und ging nach vorne. „Ich denke von allen, hast du dieses Jahr die größten Veränderungen gemacht. Und damit meine ich nicht nur deine Leistungen. Offensichtlich hat sich dein Selbstbewusstsein auch erheblich gesteigert. Was auch die guten Noten hervorgebracht hat, denke ich. Ich gratuliere dir. Du kannst stolz sein. Und wünsche dir viel Erfolg in deinen neuen Lebensweg.“ Und zur Klasse gerichtet sagt sie, „Simon wird im nächsten Jahr nicht mehr hier in der Klasse sein und an eine andere Schule gehen. Und wahrscheinlich ist es auch der Grund warum du heute so unkonventionell gekleidet bis. Mal ein Farbtupfer zu dem Schlabberlook denn deine Mitschüler heute wieder an den Tag legen.“ Nun war es raus. Das Geheimnis hatte er bis zum letzten Tag gehütet. Schon ging das allgemeine Getuschel los. Simon ging grinsend an seinen Platz zurück. Nur Linus er hatte es kurz vorher anvertraut. Am Platz angekommen gaben sich die beiden High Five. Nicht lange dann forderte die Lehrerin wieder Ruhe und die letzten Mitschüler bekamen ihre Zeugnisse.
„So, nun habe ich auch noch etwas an zu kündigen. Auch ich werde im nächsten Jahr nicht mehr hier sein und eine andere Schule wechseln. Bedankt euch bei unserer heiß geliebten Frau Clemens. Sie hat verhindert, dass mein Vertrag verlängert wird.“ Bei den meisten Schülern war sie beliebt und so war auch erstmal Ruhe. Sie beendete die Stunde und damit begannen die Sommerferien. Als krönender Abschluss des Tages lief ihnen auch noch Frau Clemens über den Weg. Als sie Simon erkannte, konnte man meine, sie fängt gleich an zu hyperventilieren oder war es Schnappatmung. Er grinst sie nur an und wollte an ihr vorbeigehen. Da hielt sie ihn doch noch an, „Halt, was habe ich dir letztens gesagt?“
„Das ich nicht mehr in Mädchenklamotten auftauchen soll oder so was?“
„Und du wagst es trotz dem?“
„Ähm, wieso? Steht ‚Boys and Girls‘ auf dem Etikett. Wollen Sie sehen?“
„Das ist mir egal. Ich werde deine Eltern vorladen. Hätte ich den Beschwerdebrief nicht heute erst gelesen, wäre das schon früher geschehen.“
„Is‘ Ok.“, meinte Simon nur völlig entspannt und ging weiter.
„Was hat das Outfit gekostet?“, fragte Linus.
„Weiß nicht mehr, aber Clementines Gesicht ist unbezahlbar. Und scheinbar ist sie nicht auf dem Laufenden. Da kann sie Briefe schreiben bis sie schwarz wird.“ Und beide prusten los.
Sie gingen weiter Richtung Fahrradständer um Simons Fahrrad zu holen.
Linus schaute Simon nachdenklich an. "Sag mal bis jetzt eigentlich Transzendent oder so was.? Naja, so als Jung in Mädchenkleidung?"
"Nein, also transzendent ist es bestimmt nicht. Und außerdem, ich komme gerade aus einer Ecke, ich habe keinen Bock in die nächste geschoben zu werden. Ich bin ich. Egal wieviel zutreffende Beschreibung es gibt, dafür wie ich mich kleide. OK?"
Linus zückte sein Tablet, "Hey Cortana, was ist transzendent?"
"Transzendent bedeutet metaphysisch, übernatürlich, übersinnlich“
„Übersinnlich klingt gut, aber das war es wohl nicht.“
Mit einem Schlag war die Gute Laune dahin. Von hinten nährte sich die Gang um Simons Lieblingsmitschüler mit lautstarken Beleidigungen an die beiden gerichtet. Simon drehte sich langsam um, aber Linus wollte ihn weiterziehen. Doch der schaffte es nicht. Simon kochte innerlich.
„Mensch, Simon komm.“
„Ich dachte lernen durch Schmerz wäre eine sichere Methode.“ meinte dieser nur.
„Nur jetzt hat er Verstärkung. Los lass uns verschwinden.“
Die anderen nährten sich langsam. Simon musste einsehen, dass er dies Mal wohl besser den Rückzug antreten sollte. Kampftraining hin oder her. Also ging beider weiter. Sie überlegten wie sie am besten wegkamen. Doch da donnerte eine tiefe Stimme „Torsten kum bei mich sonst knalls.“ Die Stimme gehörte einem zwei Meter Hünen, der gerade durch das Tor der Schule kam.
Geschockt blieben alle stehen. Torsten wurde zu dem kreide bleich.
„Jeht‘s noch? Fünwe jejen din halb‘n Hahn und de kleen Deern. Ick glob bie dich hacks.“
„Aber Onkel Ralf das ist kein Mädchen.“
„Nuu klaaa und de Erde is ne Kugel. Red keen Mist un‘ kum. Deen Vadder wardet uf dicke, damite din jeschrott‘n Mofa wiide richs.“ Der Hüne schnappte sich Torsten und schob diesen ohne Federlesen zu seinem Transporter.
Linus drückte Simon auch zum Tor hinaus. Simon sprang auf das Rad und Linus stellte sich hinten auf die Achse.
Als sie aus Sichtweite der Schule waren, stoppte Simon vollkommen außer Atem.
„Ich habe echt gedacht, wir kommen da nicht heile wieder raus. Und du bist auch noch stehen geblieben.“
„Ich hatte es halt satt mich von dem Typen tyrannisieren zu lassen.“
„Aber Mädchen prügeln sich normalerweise nicht.“
„Was ist schon normal? Es hat mich einfach total wütend gemacht, als er mich als Transe dich als schwul bezeichnete.“
„Las gut sein. Aber jetzt weiß ich wieder welchen Begriff ich vorhin gesucht habe.“
„Wenn der mit T anfängt will ich es erst gar nicht hören.“
„Nein mit C – wie Crossdresser.“, Linus machte einen Schritt zu Seite um nicht die Reichweite von Simons Arm zu kommen.
„Klingt besser. Damit musst du aber auch nicht in meiner Gegenwart um dich werfen. So und nun las uns ein transzendentes Eis essen.“
Linus schaute ihn fragend.
„Na, ein überirdisch große natürlich. Ich gebe einen aus.“ Sie bogen in eine kleine Siedlungsstraße und holten sich am Eiscafe Roseneck jeder ein riesiges Eis.
„Weißt du was ich komisch finde? Dich in dem Outfit mit "Simon" anzureden. Das finde ich total verwirrend.“
„Wie jetzt?“ Simon-Félicie schaut ihn überrascht an und lachte dann über das ganze Gesicht und wunderte sich das Linus noch nicht eins und eins zusammengezählt hatte.
Linus schaute ihn erst ratlos an, dann an ihm vorbei, um dann in seinem Sitz immer kleiner zu werden, als wolle er unter dem Tisch verschwinden. Doch es schien aussichtslos zu sein. Hinter der Hecke kam ein etwa 15 bis 16-jähriges Mädchen mit kurzen dunklen Haaren zum Vorschein.
„Hey, Linus heute nicht am Computer ein paar Monster schlachten? Ach, siehe da, mein Cousin hat eine Freundin. Kannst du mit so viel real World überhaupt umgehen? Ich bin Mag und du.“
„Hey, ich bin Félicie.“
„Ein Tipp Süße gib ihm nie, niiiiiie dein Handy. Der kleine Cyberterrorist hat meins schon mal geschrotet.“
„Bis dann. Wir sehen uns am Wochenende. Kannst sie ja mitbringen. Dann bin ich nicht so allein zwischen den ganzen Kerlen.“
Simon-Félicie meinte nur dass sie von der Party nichts wüsste, aber auch schon was vorhatte. Sie wollte Linus irgendwie nicht in die Bredouille bringen. Und dann war Mag auch schon wieder verschwunden.
„Sag mal wer ist die Cortana die du da andauernd fragst?“
„Das war mal die KI von Winzigweich. Bis die sie in die digitale Rundablage verband haben und ihre Patente der Open Source Gemeine vermachte. Die Linux- Community hat den Code dann weiterentwickelt. Winzigweich hat einfach die Angewohnheit super Sachen zu erfinden und dann geht ihnen die Luft aus.“
„WTF ist Winzigweich? – Waren das nicht die Typen mit den Fenstern?“
„Japp, jetzt sind die aber weg vom Fenster- die leben jetzt nur noch in Wolken.“
Sie verabschiedeten sich und Simon fuhr mit super Laune nach Haus. Wer ihn-sie nicht kannte hielt ihn in diesem Outfit offensichtlich erstmal für ein Mädchen. Wenn das nichts fürs Selbstbewusstsein ist, was dann? Leider waren transzendente sieben Kugel Eis dann doch zu viel des Guten und der Abend endet über der Kloschüssel.
Am Wochenende begann der Urlaub und diesmal fuhr die ganze Familie wirklich an die Ostsee.
Liebe Grüße
Renée

Schließt sich eine Tür, öffnet sich wo anders eine andere.

Sycorax
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 133
Registriert: So 30. Jul 2017, 21:19
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Sachsen-Anhalt
Membersuche/Plz: 391
Hat sich bedankt: 161 Mal
Danksagung erhalten: 250 Mal
Gender:

Re: Jazorina

Post 36 im Thema

Beitrag von Sycorax » So 21. Okt 2018, 22:00

Meine Geschichte nährt sich dem Ende.
Und jetzt hatte ich mit diesem Kapitel so meine Probleme bezüglich Pronomen für Simon-Félicie. Ich denke beim lesen wird es deutlich worauf ich hinaus will. Bisher war es immer klar welche Seite sichtbar war Simon oder Félicie. Jetzt verschwimmt das ganze. Ich hoffe also es ist nicht all zu verwirrend geworden.

16. Back to the roots

Die Ferien gingen zu Ende, und eine große Tasche wurde gepackt. Simon atmete tief durch. Nach seinem Outing vor der alten Klasse hatte Simon beschlossen seinen persönlichen Kleidungsstil irgendwo zwischen Junge und Mädchen von Anfang an in der neuen Schule zu tragen. In den Ferien hatte er damit schon angefangen. Bei der Ankunft erhielt er ein silbernes Armband wie es auch Luisa schon besaß. Luisa hatte ihr Armband noch mit kleinen Anhängern geschmückt, einem kleinen Herz, ein Schmetterling mit Glitzersteinen in den Flügeln und ein kleines Kreuz. Er sollte erst ein schwarzes bekommen, doch er diskutierte so lange mit der Sekretärin bis er das silberne bekam. Es war ein Schlüssel für das Schulgelände, das Zimmer und den Schrank. Dazu war es zu gleich Messenger mit dem man im Notfall das Sekretariat anrufen oder gerufen werden konnte. Was Ihm gar nicht gefiel war, dass dort auch immer die Schulleitung nachsehen konnte, wer wo ist und es eine Meldung gab, wenn jemand das Schulgelände unerlaubt verlies. Als Junge durfte er nicht im gleichen Zimmer wohnen wie Luisa, aber in der gleichen Wohneinheit im Nachbarzimmer. Da der Ansturm auf die neuen Klassen bescheiden ausfiel und nur eine komplette gemischte Eingangsklasse zusätzlich gebildet wurde, verteilte die Schulleitung die einzelnen neuen Schülerinnen und nur wenige Schüler auf die bisherigen Klassen. Simon kam, mit ein wenig Mithilfe der Rektorin in Luisas Klasse, zusammen mit Yuan einem Jungen aus seinem Tanzverein, in dem er seit einem Jahr war.
Jetzt büffelt er mit Yuan und 20 Mädchen sechs bis sieben Stunden pro Tag alles was so in einer 7. Klasse so gelernt wird, nur statt Sport stand Ballett auf dem Stundenplan. Was auch dazu beitrug, dass sich nur wenige Jungen für die Schule interessierten.
Am ersten Schultag lief ihm auch Antonia über den Weg. Wie alle trug sie ein weißes Poloshirt mit dem kleinen Wappen und einen dunkelblauen Rock. Es war eine Art Dress-Code für besondere Anlässe, der erste Schultag gehört dazu. Er erinnerte sich noch daran wie seine Mutter ihm, mit gespielter Entrüstung, die Liste vorlas, welche Schulsachen mitzubringen waren. Darunter waren dann auch der knielange Rock und dunkler Schuhe ohne Absatz. „Félicie wird es sicher freuen aber die Jungs wahrscheinlich nicht.“ Er schaute sie kurz verwirrt und antwortet, „Mist jetzt wird das wieder nichts mit dem Mini und den High Heels.“ Es stellte sich später heraus, die Vorlage war einfach nicht auf die neuen Gegebenheiten angepasst wurden. An diesem ersten Schultag gewann, wie zu erwartet, die weibliche Seite und Félicie stand wie die meisten anderen Schülerinnen in dem weißen Poloshirt und einem dunkelblauen Rock auf dem Gang dazu die Ballerinas vom letzten Schultag.
Antonia war sichtlich erfreut, als sie ihr entgegenkam, „Hey Félicie schön dich wieder zu sehen, oder soll ich lieber Simon sagen?“
„Hey Antonia, ähm?“, Félicie war überrascht. „Woher weißt du das, mit Simon mein ich?“
„Seitdem Stromausfall. Aber seit ich dich das erstmal gesehen habe, ahnte ich, dass bei dir etwas nicht ins Bild passt. Aber das sich hinter der hübschen Félicie ein Junge verbirgt, das war ein echter Knaller und dafür hast du dich echt gut geschlagen. Also Simon oder Félicie?“
--
Sie dachte an die Sturmnacht im letzten Jahr. Leise klopfte sie an die Wohnungstür der Rektorin, diese immer noch in ihrem Business Overall. Sie war gekommen, weil zwei der größeren Mädchen sich laut und erbittert stritten, so dass Antonia nicht weiterwusste und die Rektorin zu Hilfe holte. Normalerweise ist in der Nacht noch eine Erzieherin im Internat, aber durch das Unwetter konnte diese nicht zur Schule kommen. Als Antonia in die Wohnung kam, merkte sie, wie beunruhigt die Rektorin war, weil Félicie sich immer wieder hin und her warf. Das Mädchen schluchzte leise im Schlaf. Sie setzt sich an die Couch und streichelte Félicies Haare
„Haben die beiden nicht besseres zu tun?“, fragte die Rektorin rhetorisch, nach dem Antonia ihr das Problem schilderte. „Ok. Ich gehe, du musst aber hierbleiben. Versuch Si.. Versuche Félicie zu beruhigen.“
„Was ist mit ihr? Hat Sie Angst, aber Sie schläft, Träumt sie schlecht?“
„Heimweh.“ Kam nur die kurze Antwort. „Warte hier. Falls sie aufwacht, soll sie nicht allein sein. Ich komme gleich wieder.“
Antonia setzte sich zu Félicie und sprach leise zu ihr. „Hey was ist los? Du bist hier nicht allein.“ Félicie blinzelte mit den nassen Augen.
„Hast du schlecht geträumt? Ich bin Antonia und soll hier auf euch aufpassen, bis Frau Navarro wiederkommt. Rutsch ein Stück dann kannst du dich an mich ankuscheln, wenn du magst.“
Félicie rutschte etwas zu Seite und legte den Kopf auf Antonia Schoß. Nicht lange und sie schlief wieder ein, diesmal aber ruhiger.
„Schön du hast es geschafft, sie zu beruhigen.“, stellte die Rektorin fest nachdem sie erfolgreich die beiden Streithähne getrennt hatte. „Danke.“
„Was ist mit ihr? Sie wirkte sonst so tough. Hier sieht sie so zerbrechlich aus.“
„Sie, nein, er weiß gerade nicht woher hingehört. Und ich kann ihm nicht helfen, solange seine Eltern ihn nicht finden oder er sich erinnert, wer er ist und wo er hingehört. Ich hoffe, ich habe keinen schrecklichen Fehler gemacht, als ich ihn aus dem Krankenhaus hierhergeholt habe und ihm die Sachen von Luisa gab. Und jetzt liegt hier Félicie.“
Antonia starte sie mit großen Augen an.
„Entschuldige jetzt belaste ich dich auch noch damit. Komm, geh schlafen. Wenn die beiden noch mal Ärger machen, haben sie den Rest der Ferien Küchendienst. Die Drohung sollte helfen.“
„Gern geschehen. Das wird schon wieder. Sie schläft jetzt. Das ist wirklich ein Junge?“, fragte Antonia ungläubig, bevor sie ging. Der Rest der Nachte verlief ruhig.
--
„Simon-Félicie.“, antwortet sie nachdenklich, und riss so Antonia aus den Gedanken. Mit beiden Namen hat sie/ihn aber noch niemand angeredet.
„Is‘ mir zu lang, für mich bist du Fé. Für meine Freunde bin ich Tonia. Also, bis dann.“, verabschiedete sie sich schnell und huschte ihren Klassenkameradinnen hinterher.
Nur Simon/Félicie wusste nicht so recht was davon zu halten war. Aber der Tag hatte noch eine Überraschung auf Lager. Die 7b sollte eine neue Klassenlehrerin bekommen. Die vorhergehende Lehrerin ging letztes Jahr in Rente. Alle waren schon im Klassenraum und warteten gespannt, wer kommen würde. Nur eins war sicher, es war jemand ganz neues.
„Guten Morgen.“ begrüßte sie die neue Lehrerin. Und Simon blieb die Luft weg, so erstaunt war er.
„Hallo ich bin Frau Alaien und bin eure neue Klassenlehrerin und werde euch in Ethik und Deutsch unterrichten. Ich hoffe, wir werden gut mit einander auskommen, wenn es Problem oder Fragen gibt dann immer raus damit.“ Sie stellte sich noch kurz weiter vor und dann rief sie jeden einzeln auf um alle kennen zu lernen.
„Simon, schön dich wieder zu sehen.“ Und zur Klasse sagt sie, “Ich kenne Simon“, sie stockte kurz und schaute ihn an, “Félicie (?) schon aus meiner alten Schule und war dort auch seine Lehrerin. Aber nur unter dem Namen Simon. Wie kommst du zu Félicie? Hattest du den Namen schon immer.“
„Ähm nein, erst seit einem Jahr, aber hier ist es offiziell.“, antwortet sie stockend.
„Verrätst du uns auch warum? Simon hat letztes Jahr einen schönen Vortrag gehalten und ich dachte, er macht sich einen Spaß zum letzten Schultag, aber es sieht so aus als ob es das ganz und gar nicht war.“
Alle Augen waren auf Félicie gerichtet und warteten gespannt was jetzt kam. Marie funkelt sie böse an. Chiara wurde dagegen schon von Luisa vor einiger Zeit eingeweiht. Für den Rest der Klasse war sie/er sowieso neu. Sie schwieg und bekam von Luisa einen Ellenbogen-Check.
„Irgendwann wirst du es sowieso erklären müssen.“, flüstert sie zu.
Sie erkläre also kurz was vor einem Jahr passierte. Und endet mit, „Und seitdem suche ich mir das besten aus beiden Welten raus. Daher finde ich auch beide Namen passend für mich. Aber ‚Simon‘ alleine ist auch ok.“
„Oder kurz Fé“, ergänzte Luisa kichernd.
„Das ist sehr interessant. Ich hoffe du kommst klar damit und machst dort weiter wo du letztes Jahr aufgehört hast und die Tuschelei mit Luisa wird nicht zum Standard. Mir ist aber auch klar, dass ich hier ein Haufen Kichererbsen vor mir haben.“, meinte sie scherzhaft. Wie um das zu bestätigen kichert alle los.
Eine neue Schülerin fehlte noch. Am folgenden Montag stellte sich Irina sehr kurz angebunden vor. Mit Krücken und den rechten Fuß in einer Orthese. Bei den Trainings, wenn sie denn da war, wirkte sie noch trauriger als sonst. Einige versuchten an sie heranzukommen, blitzten aber ab.
Bei den vielen Mädchen war aber der Zickenkrieg unausweichlich. Damit konnte Simon allerdings besser umgehen als mit den Mobbing-Attacken seiner alten Mitschüler. In den ersten Wochen saßen Luisa und Simon noch zusammen, doch dann setzte ihre Klassenlehrerin sie auseinander. Da beide gute Leistungen im Unterricht hatten, sollten sie anderen Mittschülerinnen helfen, statt sich zu langeweilen, weil sie mal wieder schneller fertig waren. So saß Simon dann bei Merle. Eine tolle Tänzerin und mit den Sprachen kam sie auch gut klar, nur mit dem Rest hatte Sie echt zu kämpfen. Und Luisa kam zu Babett. So sollten sich neu Lerngruppen bilden und sich gegenseitig unterstützen.
Den Namen Fé wurde er in der Schule nicht wieder los, egal wie er aussah oder sich fühlte.
Meist fuhr er am Wochenende nachhause und da Luisas zu Hause zu weit weg war, kam sie auch mit. Dafür nahm sie ihn in den Ferien mit zu ihren Eltern, wenn diese mal wieder in ihrem Ferienhaus waren. Mit Linus chatte er auch gelegentlich oder sie trafen sich am Wochenende. Mit der Zeit erweiterte sich Simons Garderobe auf mehr Mädchen-Sachen ohne komplett Félicie zu werden. Es gab Zeiten da war Simon einfach Simon und das aus voller Überzeugung. Nur beim Tanzen kam Ihm/ihr wirkliche Zweifel.
Nach einem viertel Jahr konnte Irina ihren Fuß wieder voll bewegen und fing mit kurzen Trainings an. Damit verbesserte sich auch ihre Laune. Die Lehrerin beobachtet sie ganz genau und musste sie oft ermahnen es nicht zu übertreiben. Luisa und Chiara schafften es endlich, dass sie sich öffnete und damit auch Simon gegenüber.
„Bei dir sieht das immer so leicht aus. Frau Beljajew sagt etwas und du setzt es um ohne einen Fehler. Wie lange machst du das schon?“
„Ich tanze, seit ich drei bin. Das meiste kenne ich einfach schon. Hier gibt es vier Stunden pro Woche, früher hatte ich das an einem Tag. - Heißt du wirklich Fé.“ Fragte Irina.
„Nein, eigentlich heißt Er Simon.“, antwortet Luisa stattdessen.
„Aber, selbst die Lehrer nennen dich so.“
Simon grinst nur. „Dafür hat Luisa gesorgt. Fé kommt von Félicie.“
„Die Ballerina – aus dem Film?“
Alle schauten sie ahnungslos an. „Wie ihr kennt diesen Film nicht? Der ist großartig. Einmal in Paris auf der Bühne stehen oder im Bolschoi. Naja, ich denke dann bin ich eher Odette. Mit einem kaputten Fuß kann ich mir das abschminken.“
„Was ist passiert?“ Jetzt waren alle Augen und Ohren auf Irina gerichtet. Sie erzählte wie von dem harten Training. Nichts Ungewöhnliches, wenn man den Berufswunsch Tänzerin hat. Aber alles hat seine Grenzen. Und der Wille weiter zu tanzen war stärker als die Schmerzen, bis zum Zusammenbruch. Ihre Sehnen und Muskeln wollten nicht mehr. Vorsichtig konnte sie wieder anfangen aber kein Leistungssport mehr. Zu Hause wollte sie nicht zur Schule gehen. Hier am Internat konnte sie wieder anfangen zu Tanzen ohne hohen Leistungsdruck dabei. Da schien aber noch mehr zu sein, was ihr auf der Seele lag. Die neue Vier-Clique war aber nicht das einzige Grüppchen in der Klasse. Auch um Marie sammelten sich einige Mädchen.
Da Marie gern so tat, als könnten alle anderen ihr nicht das Wasser reichen, war es Irina eine Freude jeden einzelnen ihrer Tanzschritte zu sezieren und jeden noch so kleinen Fehler zu kommentieren. Mit ihrer gelegentlichen Direktheit musste man einfach umgehen können. Das bekam auch Simon zu spüren, nur mit dem Unterschied, dass sie für ihre Freunde immer einen hilfreichen Tipp hatte oder mit scheinbar endloser Geduld Schrittfolgen mit ihnen probte und korrigierte.


----
zwei Kapitel habe ich noch.
Liebe Grüße
Renée

Schließt sich eine Tür, öffnet sich wo anders eine andere.

Drachenwind
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 64
Registriert: Do 19. Jan 2012, 15:50
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 68 Mal
Danksagung erhalten: 11 Mal

Re: Jazorina

Post 37 im Thema

Beitrag von Drachenwind » So 21. Okt 2018, 23:36

Sycorax hat geschrieben:
So 21. Okt 2018, 22:00

----
zwei Kapitel habe ich noch.
Dann schreib schnell Weitere so gut. (ap)


LG
Drachenwind

Sycorax
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 133
Registriert: So 30. Jul 2017, 21:19
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Sachsen-Anhalt
Membersuche/Plz: 391
Hat sich bedankt: 161 Mal
Danksagung erhalten: 250 Mal
Gender:

Re: Jazorina

Post 38 im Thema

Beitrag von Sycorax » Do 25. Okt 2018, 16:12

17. Eine Hochzeit

Am folgenden Wochenende war Besuch angekündigt. Jacky, die jüngere Schwester des Vaters Tillmann, mit ihrer Lebensgefährtin Manuela kamen vorbei. Sie verkündeten, dass sie demnächst heiraten würden. Dabei kamen sie irgendwie auch auf Simon und Félicie. Jacky war begeistert und schlug vor neben ihrer Tochter Hanna und Florise auch Félice als Blumenmädchen einzuspannen. Jacky sprühte bei der Idee geradezu vor Begeisterung. Von Manuela kam dazu kein Wort. In der folgenden Nacht kann Simon vor Aufregung gar nicht schlafen und stellt sich ein schönes weißes Kleid für Félicie vor.
Leider rief am nächsten Abend Manuela an und erklärt der Mutter kurz, dass es ihr nicht recht ist, wenn Simon als Félicie zur Hochzeit kommt. Als Junge ja und von ihr aus auch Blumen streuen aber bloß nicht als Mädchen. Das machte Simon verständlicher Weise sehr wütend, wenn Manuela es ihm wenigstens persönlich gesagte hätte. Somit beschloss er, wenn sie an diesem Tag einen Jungen haben wollen, dann bekommt Manuela auch einen Jungen als Gast.
Die Familie machte sich für die Hochzeit fertig. Mit Widerwillen zog Simon den geliehenen Anzug an. Ida versucht ihn zu beschwichtigen und erklärte ihm wie wichtig seinem Vater es war, wieder eine gute Beziehung zu seiner Schwester zu haben. Simon soll das bitte nicht torpedieren. Seinem Vater zu liebe, änderte er seinen Plan und beschloss einfach nur den bockigen Teenager zu geben, was für ihn kein Problem darstellt. Er war einfach stinkig. Ihn erst mit der Blumenmädchen-Nummer heiß machen und dann kalt abduschen. Wäre dieser Umstand nicht gewesen, hätte er sich mit dem Anzug arrangieren können. Dabei war die Vorstellung schon klar wie das Kleid aussehen sollte. Florise versucht ihn zu trösten aber es half nicht. Im Gegenteil als er seine Schwester in dem weißen voluminösen Kleid mit rosa Gürtel und breiten Spitzenträgern und Blumenschmuck im Haar sah, wurde ihm noch trauriger ums Herz.
So standen alle im großen Saal des Standesamts. Alle Plätze waren besetzt und die übrigen Gäste standen hinten. Manuela wartet schon im Saal als Jacky von ihrem Vater, zum zweiten Mal, zum Altar geführt wurde. Manuela war in einem dunklen Hosenanzug, Jacky dagegen in einem beigen enggeschnitten Kleid mit langen Ärmeln gekleidet. Auffällig war, während Jacky Schuhe mit kleinem Absatz trug, konnten Manuals Schuhe offensichtlich nicht hoch genug sein. Die beiden Frauen gaben sich das Ja –Wort und nach vielen Fotos ging es zur großen Außentreppe. Von seiner Mutter wurde er dorthin geschoben und bekam ein Körbchen mit Blumenblättern in die Hand gedrückt. Sein Plan war es eigentlich das Ding einfach hochzuwerfen und zu schauen was passiert, aber er überlegte sich den Korb einfach seiner Cousine weiterzugeben. Sie hatte das gleiche Outfit wie Florise an, schien aber auch nicht sonderlich erpicht auf den Job zu sein und verteile lieblos die Blumen auf der Treppe, mit einem Gesicht, welches einer Kriegerklärung glich. Da entdeckte er ein kleines Mädchen zwischen den Gästen auf der Treppe. Er deutet der Mutter des Mädchens an, dass sie den Korb haben können. Die Kleine schaute ihn fragen an und dann ihre Mutter. Simon zeigte ihr, wie sie die Blumen verstreuen soll. Sichtlich verwirrt schaute diese ihre Mutter wieder an nahm ein paar Blätter und lies sie fallen. Kontrollblick. Darf ich das jetzt wirklich? Sonst schimpft diese immer, wenn die Kleine was einfach fallen lässt und heute darf sie das einfach. Simon sah wie die Kleine strahlte und fröhlich Blumen verteilte, um dann kurzen Prozess zu machen und den Korb einfach auskippte. Dabei tippelt sie vor Freude von auf einem Fuß auf den anderen und strahlte nur so vor kindlicher Freude in ihrem weißen mit violetten Glitzerfäden durchwebten Kleidchen mit violetten Blütenblättern.
Simon setze sich so oft es ging von der Feier ab und spielte auf seinem Gamepad. Nicht lange und seine Cousine Hanna, kam zu ihm und setzte sich auch auf die Stufen zum Strand des kleinen Baggersees, an dem gefeiert wurde.
“Hi, Simon. Stimmt es, du wolltest auch ein Blumenmädchen sein, aber du bist doch ein Junge?”
Er nickte nur kurz und schaute sie forschend an. Er erklärte ihr kurz, dass er halt gerne als Mädchen unterwegs sei.
“Und warum machst du es dann nicht? Ist das ein Manuela-Problem? Das ist eine echte Zicke. Hat immer und überall was auszusetzen. Mach dies, mach jenes. Jetzt ist sie auch noch mit meiner Mutter verheiratet. Man, warum ist sie nicht bei Papa geblieben. Und eine kleine Schwester bekomme ich jetzt auch nicht mehr. Echt Doooooof.“
Simon bewunderte das Kleid und träumte.
„Ich muss aus diesem Ding raus. Ständig heißt es, setz dich nicht dahin dort, es ist schmutzig, pass auf das Kleid auf.“, lies sie ihren Unmut freien Lauf. „Was schaust du so?“
„Ich schaue mir dein Kleid an, es ist wunderschön.“ Dabei grinste er, wie ein Jung der etwas ausheckt. „Du willst also das Kleid loswerden.“ Dabei schaute er sie von oben bis unten an.
„Ja, aber ich habe nichts mit.“, sie sah ihn an, es dämmerte ihr etwas. „Bist du verrückt? Die Zicke lässt mich zur Strafe nie wieder zu meinem Papa oder dann vielleicht erst recht.“ Sie überlegt.
„Die Größe müsste passen. Du müsstest halt meinen Anzug tragen.“ Sie schüttelte den Kopf und ging. Eine halbe Stunde später kam sie wieder.
„Hab `s mir überlegt, lass uns tauschen. Wie kann man nur so eklig sein, ich darf noch nicht mal auf das Hochzeitsfoto drauf.“ Sie suchten sich ein ruhiges Plätzchen. Auf dem Weg durch die Gästeschar kam Simon eine weitere Idee. Für die Hochzeitsfotos war neben einem Fotografen auch eine Visagistin dabei um die Brautleute richtig auf zu stylen. Der Schminkkoffer dazu stand unbeobachtet im Flur. Seine Mutter hat ihm ein paar Sachen erklärt was Frau bzw. Mädchen so braucht. Das Umziehen dauerte nicht lange. Einzig die Schuhe passten nicht. Hanna behielt ihre weißen Sandaletten an und Félicie ging erstmal barfuß. Sie wusste, im Auto waren noch die Tanzsachen mit ein Paar selten genutzten weißen Tanzschläppchen. Der Schminkkoffer war gut sortiert so fand Simon bzw. jetzt Félicie schnell was gebraucht wurde. Einen Lippenstift und etwas Puder und etwas um die Augenbrauen etwas zu verstärken und Haarspray. Hanna stand daneben, staunte nicht schlecht und konnte sich das Lachen fast nicht verkneifen. Als Félicie fertig war, machte Hanna einfach nur Daumen hoch. Hand in Hand schlenderten sie beide zur Party zurück. Der Koffer tauchte unauffällig in einer anderen Ecke des Flures wieder auf. Die Visagistin war schon auf der Suche nach ihm. Wären Hannas dunkle und längere Haare nicht gewesen, wäre der Rollentausch wohl länger nicht aufgefallen. Ida bemerkte die Kinder als erstes. Konnte aber gerade nicht unauffällig weg. Beide gingen, als wäre nichts gewesen zur Bar und holten sich jeder einen riesigen alkoholfreie Cocktail um dann aus einer Nische heraus das Treiben zu beobachten. Félicie fühlte sich in dem Kleid pudelwohl, fand es aber etwas schade, dass die einzige die es bis jetzt sah, Hanna war. Florise war es am Kindertisch zu langweilig geworden und suchte nun ihnen Bruder. Sie setze sich zu ihnen und gemeinsam werteten sie die Feier aus und futterten sich quer durch das Buffet. Die Erwachsenen waren froh, dass die Kinder sich selbstbeschäftigten. So waren sie ungestört. Bis zu fortgeschrittener Stunde es Manuela in den Sinn kam eine Festrede zuhalten. Dafür wollte sie ausgerechnet jetzt auch Hanna dabeihaben. Sie rief nach ihr. Als der Ton drängender wurde und schon alle suchend nach dieser Ausschau hielten, wurden sie in ihrer Ecke entdeckt. Beide erwartet ein Donnerwetter, aber Manuela war so in anderen Sphären, dass sie Félicie mit sich zog ohne zu merken, dass es gar nicht Hanna war. So stand diese nun neben Jacky, die den Schwindel längst bemerkt hatte, und Manuela. Diese schwadronierte etwas über tolle Familie und Zusammenhalt. So genau hörte Félicie nicht hin. Aus Manuelas Mund klang das ganze hohl und nichts sagend. Aber irgendwann bemerkte auch Manuela die verwirrten Gesichter der Gäste und schaute sich um. Zwischen den Reihen sah sie nun Hanna, schaute dann Félicie an und erstarrte kurz. Jacky zuckt nur mit den Schultern. Hanna wurde von den Gästen nach vorne gedrängt. Jacky gab dabei Félicie mit einem Wink zu verstehen zu ihren Eltern zu gehen. Vollkommen aus dem Konzept gebrachte, bedankte sich Manuela bei den Gästen.
Mit dem Lächeln einer Furie, dreht sie sich zu Jacky um. Ehe beide etwas sagen konnten, kam Ida auch schon. „Ich denke wir gehen jetzt besser, es ist spät und die Kinder müssen ins Bett.“
„Ja, ich denke auch das ist besser.“, meinte Manuela mit stark übertrieben und aufgesetztem Lächeln. „Vielleicht nehmt ihr Hanna gleich mit? Hanna und dein Sohn scheinen sich ja prächtig amüsiert zu haben.“
„Wäre das möglich, Ida?“, lenkte Jacky ein, die ihre Tochter erstmal aus der Schusslinie nehmen wollte. So fuhren alle fünf schweigend nach Hause. Nach einer kurzen Standpauke von Ida, dass sie das nicht gut fand, schwiegen die Eltern auf der Fahrt. Félicie und Hanna grinsten in sich hinein und bissen sich auf die Zunge um sich das Lachen zu verkneifen. Florise schlief dagegen im Auto schnell ein und ließ sich einfach vom Vater ins Bett tragen.
Die Mutter forderte die Kinder auf ins Wohnzimmer zu kommen. Sie hielt ein Smartphone in der Hand und statt ernst zu sein, lächelte sie nun über das ganze Gesicht. Schaute sich die Kinder an und fotografierte. Sie wollte wissen wer auf die Idee gekommen war, die Kleider zu tauschen. Félicie nahm alle Schuld auf sich um Hanna zu schützen und endschuldigte sich artig. Ida fing an zu lachen, denn eigentlich konnte und wollte sie ihrem Kind nicht böse sein. Simon-Félicie hat sich an die Abmachung gehalten. Die Kinder haben sich einfach ihren eigenen kleinen Spaß gemacht, dass manche Erwachsen mit sowas nicht umgehen können, sollte ihnen keiner vorwerfen. Félicie machte im Wohnzimmer Musik an und fing an zu tanzen und die anderen machten mit. Sie genoss es einfach sich in dem Kleid zu bewegen. Am nächsten Morgen ließ sie es sich nehmen, so lange wie Hanna noch da war, das Kleid anzuziehen.
Später stellte sich heraus, dass Manuela und Jacky einen kolossalen Streit hatten. Im Laufe des folgenden Jahres weigerte sich Hanna zu ihrer Mutter kommen und blieb bei ihrem Vater.
---
Liebe Grüße
Renée

Schließt sich eine Tür, öffnet sich wo anders eine andere.

Sycorax
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 133
Registriert: So 30. Jul 2017, 21:19
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Sachsen-Anhalt
Membersuche/Plz: 391
Hat sich bedankt: 161 Mal
Danksagung erhalten: 250 Mal
Gender:

Re: Jazorina

Post 39 im Thema

Beitrag von Sycorax » Mi 7. Nov 2018, 09:58

18. Luisa

Simon war gerade 15 geworden und mitten in der Teenager-Phase mit ständigen Stimmungsschwankungen und mieser Laune. Hinzu kam, dass Luisa in diesem Halbjahr nicht mehr an der Schule war. Ihre Eltern, welche bisher bei einer Hilfsorganisation ständig auf Reisen waren, hatten sich entschlossen eine Arztpraxis übernehmen. Damit brauchte auch Luisa nicht mehr auf das Internat. Aber halt auch weg von Ihrem gewohnten Umfeld und Freunden. Simon fühlte sich dort auch wohl und hatte viele Freunde nur eine Schulzeit ohne Luisa, das war einfach nicht das gleiche. Florise, seine kleine Schwester, hatte darunter besonders zu leiden und stritt sich ständig mit ihm, wenn er Zuhause war. Irgendwann stellte sie ihn zur Rede. „Hey Simon, du nervst jetzt echt richtig. Las deine miese Laune nicht ständig an mir aus. Ok! Weißt du was mir aufgefallen ist? Seite du mehr Simon als Félicie bist, geht das schon so. Früher hatten wir echt mehr Spaß. Kann Fé nicht mal wieder vorbeikommen. Die ist echt entspannter.“ Simon überlegte kurz und ging wortlos an ihr vorbei in sein Zimmer, wo er die Tür mit Karacho zu schlug.
„So leicht entkommst du mir nicht.“, kam Florise ihm hinter her und sah wie er die Augen verleierte. „Ok, dann versuche ich anders.“ Sie ging an seinen Schrank und kramt zwischen den Sachen und sucht ein blaues Kleid raus und packte es Ihm aufs Bett.
„Och nee, dafür ist es doch viel zu kalt. Und Lust habe ich auch nicht.“
„Na dann noch eine Strumpfhose drunter. Du sollst jetzt auch nicht damit rausgehen. Los mach jetzt. Vorher wirst du mich nicht los. Oder such‘ dir was anderes raus, aber leg diesen neuen Schlabberlook wieder ab. Is‘ ja echt Grufti.“
Simon überlegt und war kurz davor Florise aus dem Zimmer zu schieben. Und woher kannte sie Gruftis? Aber sie hatte leider Recht. „Ok, aber dann ein anderes Kleid und Florise dann gibt du mir noch deine Ohrringe, die du neulich gekauft hast und von denen Mama nicht wissen sollte. Ok?“ Florise schluckte, das sollte auch Simon nicht mitbekommen. „Woher weißt du davon?“
„Dein Schmuckkästchen lag letztes offen rum. Da hab‘ ich sie gesehen, sehen gut aus. Also was ist? Soll Félicie herkommen? Und du hast dir oft genug auch was bei mir ausgeliehen. Ist ja nicht so, dass ich das nicht bekommen, Schwesterchen.“
„Das ist Erpressung.“, seufzte sie und ging in ihr Zimmer die Ohrringe holen.
Und Simon begann sich umzuziehen. „Danke, nun aber jetzt raus hier. OK? Ich verspreche dir in einer Stunde ist Félicie wieder da.“
„Dankst wohl ich guck dir was weg?“, kichert die kleine Schwester.
Er holte ein weißes Kleid mir Blumenmuster und breiten Trägern raus und einen speziellen BH um seine, logischer nicht vorhandene, Oberweite etwas zu vergrößern, aber nicht viel. Dabei hatte er einige Mädels seiner Klasse vor Augen und die waren glücklicherweise obenrum auch nicht so üppig. Das gefiel ihm. Das Balletttraining hatte bei den meisten wie auch bei ihm für eine schlanke, grazile Figur gesorgt. Darüber zog er eine Strumpfhose an und silberne Sandaletten mit einem Keilabsatz und dünnen Riemchen.
Als sie fertig war, rief sie Florise rein.
„Fertig.“
Diese schaute unzufrieden, wollte aber erstmal was anderes loswerden. „Weißt du was mir noch aufgefallen ist? Jungs können einfach nicht heulen, selbst wenn ihnen danach zu Mute ist. Stimmst oder habe ich Recht? Und ich glaub das brauchst deine Seele gerade.“
„Wie kommst du darauf?“
„Naja, ich habe mich gestern bei Mami ausgeheult, weil du in letzter Zeit so gemein zu mir warst und da hat sie so was gesagt. Mir ging‘s danach jedenfalls besser.“
„Möglich. Und jetzt sollte ich ins Kissen heulen oder was?“ fragte sie genervt.
„Naja kannst dich vorher auch gern bei mir auskotzten. Nur sei nicht mehr so gemein zu mir. Ok? Und im Augenblicke sehe ich Fé sowieso nicht. Die Frisur ist echt daneben. Komm lass mich mal ran. Und meine Ohrringe hast du auch nicht drin.“ Sie holte eine Bürste und frisierte die Haare.
„Danke. Entschuldige bitte. Du warst wohl nur ein Blitzableiter für mich. Du bist echt ‘ne super kleine Schwester.“
„Schön, dass du wieder da bist Félicie. Darf ich dich noch etwas Schminken?“
„Nee, lass mal. Dann versaue ich mir das Kissen.“ Und war offensichtlich den Tränen nah. „Geh bitte, ich brauch‘ ein paar Minuten für mich allein. Sag Bescheid, wenn es Abendessen gibt! Ok?“
Aber eine Stunde später stand Félicie bei Florise sichtlich verheult in der Tür. „Hey, steht das Angebot noch mit dem Schminken?“ Diese mochte es andere zu schminken und hatte echtes Talent darin entwickelt. Und wenn Félicie geschminkt war, dann konnten Ihre Eltern wenig dagegen einwenden, wenn Sie sich auch etwas schminkte. Bei den Augenringen hatte sie aber einiges zu tun. „Und jetzt besser?“, fragte die kleine Schwester.
„Naja geht so. Den Grufti habe ich erstmal wieder zurückgeschickt.“ und lachte leise. „Warum ziehst du dir nicht auch was Schöneres an? Das Kleid vom Sommerfest zum Beispiel. Dann können wir gemeinsam festlich zum Abendessen runtergehen.“ Die Idee fand Florise gut und zog sich schnell um.
Ihre Mutter schaute vorbei, weil hier in der letzten Zeit verdächtig ruhig war. „Oh schön, dass du mal wieder da bist Félicie. Ich bin echt froh dich zu sehen. Hoffentlich bleibt der Miesepeter erstmal weg. Habt ihr beide noch was vor heute?“
„Nee. Warum?“ Antworteten sie gleichzeitig.
„Na, so schick wie ihr beiden ausseht, scheint ihr noch was vor zu haben von dem wir Eltern noch nichts wissen oder wissen sollten.“
„Nein, eigentlich nicht. Florise hatte nur die Idee, dass ich mich schicke anziehe, um auf andere Gedanken zu kommen.“
„Schön, das scheint ja geklappt zu haben. Ok, wenn Ihr euch schon rausgeputzt habt, wie wäre es, wenn wir alle Pizza essen gehen?“
„Cool.“ Riefen die Kinder.
Ida bestellte über Alexa ein Uber-Taxi und einen Tisch im „Il Castello“ in der Stadt. Eine halbe Stunde später waren sie dort. Der Kellner machten Komplimente wie hübsch die Mädchen angezogen waren und fragte ob es bestimmten Anlass gebe. „Nein. Wir wollten einfach nur mal unsere Kleider ausführen.“ Meinte Félicie und konnte sich das Lachen kaum verkneifen. „Ich glaub‘ die Italiener sind einfach so.“ sagte die Mutter ohne zu merken, dass der Geschäftsführer neben ihr stand. Er korrigiert in leicht hörbarem Akzent „Juri kommt aber aus der Ukraine. Was kann ich Ihnen zu trinken bringen?“ Ida lief rot an und bestellte Glas trockenen Weißwein. Als alle ihre Essen bestellt hatten, kamen weitere Gäste und Félicie erkannte Linus mit seinen Eltern und einem Mädchen. Simon-Félicie und Linus stand immer noch in Kontakt aber in letzter Zeit war es ruhig geworden. Und Sie wusste jetzt warum. Sie winkte zu Linus herüber aber dieser hat nur Augen für das Mädchen an seiner Seite. Diese bemerkte die Geste aber und schaute nur grimmig herüber.
Auf der Toilette trafen beide aufeinander.
„Warum schaust du andauernd zu uns herüber?“, fragt das Mädchen.
„Linus ging mal in meine Klasse und ich dacht er schaut mal rüber, aber er hat ja nur Augen für dich.“
„Linus gehört mir, ist das klar?“, meinte das Mädchen ernst.
Da fing Félicie an zu lachen. „Du denkst, ich will dir Linus ausspannen. Danke das ist echt ‘n Kompliment. Keine Angst, ich steh nicht auf Linus.“ Versuchte sich das Lachen zu verkneifen, dass sie nur leise vor sich hin kichert. „Bestelle Ihm ein schon Gruß von Fé.“ Rief sie noch zurück und ging noch grazilerer als sonst zu ihrer Familie zurück.
„Du freust dich ja so, was ist so lustig?“, fragte die Mutter.
„Ach nichts. Ich bin halt gut drauf.“ Aber sie konnte sich einfach nicht beruhigen und so bohrte die Familie weiter. „Leute, ich werde echt schwach. Das Mädel dort glaubt tatsächlich ich wollte Linus anbaggern. Wie geil ist das denn?“ Und beruhigte sich langsam wieder.
Nachdem Luisa die Schule verlassen hatte, baggerte ihn dafür Chiara an. Sie ließ aber durchblicken, dass sie es lieber sah, wenn Félicie nicht da ist. Ihr zu liebe war er einige Zeit nur Simon. Doch lange hielt er es nicht durch. Und so trennten sie sich. Er bemerkte aber die ganze Zeit wie Irina sie beobachtete und bezog dies auf sich.
Wie es der Zufall so will, überraschte Simon Chiara und Irina wie sie sich küssten und Hand in Hand im Zimmer verschwanden. Simon fragte Chiara irgendwann warum er dann nicht bei ihr Félicie sein konnte. Sie schwieg eine Weile verlegen. „Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich auf Mädchen stehe. Und als wir miteinander schliefen, hatte ich das Gefühl, dass etwas falsch lief. Bitte nicht falsch verstehen. Ich mag dich wirklich, nur halt auf einer anderen Ebene.“ Simon überlegte, war aber einfach sprachlos und beide schwiegen sich so an. Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange und verschwand in ihrem Zimmer.
Um sich abzulenken stürzte er sich freiwillig in eine recht umfangreiche Projektarbeit. So rückte das Ende des Schuljahres immer näher. Der Kontakt zu Luisa wurde mit der Zeit immer weniger. Sie ließ aber immer mal durchblicken, dass ihr mit dem Internat und der Schule dort etwas fehlte. Auch in den Ferien sahen sie nur einmal am Wochenende. Den Rest der Zeit war sie im Ausland zu einem Praktikum.
Nach den Ferien normalisiert sich die Freundschaft zu Chiara und Irina wieder etwas. Kurz vor den Herbstferien kam Chiara zu ihm mit dem Hinweis mal Luisa anzurufen und sah dabei sehr besorgt aus. Sie konnte oder wollte aber nicht erklären worum es geht.
Als er sie anrief, bemerkte er sofort wie ausgelöst Luisa war. Am Anfang war es in der neuen Schule in Ordnung und sie dachte sie würde sich schnell dort einfinden. Doch sie fand dort einfach keinen Anschluss, hinzu kam ganz andere Leistungsanforderungen. Eine Projektarbeit jagte die andere, ohne Unterlass. Sie empfand das ganze nur als Horror. In den ganzen Stress hatte sie kaum mehr Zeit für ihre Freude, weswegen sie sich auch so selten meldete. In den Herbstferien war im Internat wieder ein Workshop angesetzt. Somit konnten sich die Freunde erst zur Vorführung am Sonnabend wiedersehen. Und Luisa saß zu erstmal nur als Zuschauer im Saal. Nach der Vorführung gratulierte sie Chiara, Irina und Simon zu dem gelungen Auftritt. Als Simon sich umzog, wartet Luisa schon in seinem Zimmer auf ihn. Es schien ihm, dass sie nur darauf gewartet hat endlich mit ihm alle reden zu können.
Nach etwas Small Talk, drängte er sie endlich auf den Punkt zu kommen. „Chiara hat mir zu verstehen gegeben, dass sie eine Beziehung hat? Nur mit wem nicht. Weißt du was davon?“ Sie schaute ihn verzweifelt an. „Sie ist mit Irina zusammen. Ich dachte, sie hätte es dir erzählt.“ Sie blickte ihn überrascht an. „Nein, Ich dachte… Ich dachte - du und Chiara….“ Er überlegte kurz was er dazu sagen sollte. „Nur kurz. Zwei Monate. Vielleicht. Aber du hattest dich auf meine Nachrichten auch nicht mehr gemeldet. Irgendwie hatte ich das Gefühl du hättest mich vergessen. Dann baggerte sie mich an um dann festzustelle, ich bin doch nicht ihr Typ.“ Diese Aussage schien sie zu beruhigen. „Ich habe dich nicht vergessen. Ich wollte es, aber ich konnte es nicht. Dafür bist du einfach zu verrückt, auf deine Art, liebenswert verrückt. Was denkst du, ist in eurer Clique noch ein Platz für mich?“ Dabei stand sie auf und legte die Arme um ihn. „Für dich immer. Es wäre echt super, wenn du wieder da wärst.“ Er zog sie behutsam an sich und küsste sie. „Und du wandelst immer noch zwischen Simon und Félicie?“ „Mich gibt es nur so. In der Zeit nach dem du weg warst und ich mit Chiara zusammen, war ich ungenießbar - für mich selbst und andere. Frag Florise! So willst du mich nicht haben.“
Sie lächelte und meinte, „Gut zu wissen. Von den Sti-No-Kerlen habe ich jetzt genug.“
In der Zwischenzeit hatte sich Simon-Félicie ein weinrotes Longshirt und eine dicke beige Strumpfhose angezogen und verschwand im Bad. Um dort mit etwas Make-up komplett in Félicie aufzugehen. Mit gekonnten Handgriffen wurden die Haare noch geflochten. Fertig war das Outfit.
„Mach bitte die Augen zu!“ Sie schaute vorsichtig um die Ecke ob Luisa der Aufforderung nachgekommen war. Félicie ging an den Schrank und kramte dort etwas heraus.
„Du kannst die Augen wieder aufmachen. Happy Birthday, nachträglich alles Gute zum Geburtstag meine liebe Luisa“, und übereichte das Geschenk mit einer riesigen roten Schleife. Luisa strahlte vor Überraschung und machte vorsichtig die Schleife und das Papier ab. Zum Vorschein kamen ein kleines Kästchen und eine große herzförmige Schokoladenbox. Ihre Augen wurden immer größer und leuchten mit den kleinen Glitzersteinen in den Ohrhängern um die Wette. Sie bedanke sich mit einem langen Kuss. Bevor sie zu den Eltern gingen, tauschte sie die Ohrringe noch gegen ihre neuen.


Ende
Liebe Grüße
Renée

Schließt sich eine Tür, öffnet sich wo anders eine andere.

Bea Magdalena
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 572
Registriert: Sa 30. Dez 2017, 19:27
Geschlecht: gefühlt weiblich
Pronomen: Am liebsten sie
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 1126 Mal
Danksagung erhalten: 337 Mal
Gender:

Re: Jazorina

Post 40 im Thema

Beitrag von Bea Magdalena » Do 8. Nov 2018, 02:37

Hallo Renée,

eine sehr schöne Geschichte, die Du geschrieben hast. Hab sie mit Begeisterung gelesen.
Vielen lieben Dank dafür!

Liebe Grüße
Bea
future is female

Antworten

Zurück zu „(Eigene) Berichte und Geschichten“