Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)
Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung) - # 6

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Dana X07
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 76 im Thema

Beitrag von Dana X07 » Di 24. Apr 2018, 20:15

Hallo Jessy ,
auch mein Beileid . ... Wir können warten und es gibt wichtigere Dinge
! ... Das ganze gut zu verarbeiten und dein Urlaub sind jetzt viel , viel wichtige . Erhole dich gut in Italien ...
LG Nicole ...
Im Alter wird man meißt schlauer , deswegen " ICH BIN ICH " . Das lasse ich mir auch nicht mehr nehmen .....

jessy83
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 77 im Thema

Beitrag von jessy83 » Di 8. Mai 2018, 19:42

Teil 23

Die Verwandtschaft erfährt es


Mitten in der Nacht trafen wir in unserem Städtchen ein. Meine Eltern waren aufgeblieben und hiessen uns willkommen. Meine Sachen wurden ausgeladen, ich bedankte mich bei Lauras Familie für die zwei schönen Wochen und verabschiedete sie. Laura bekam natürlich noch einen langen Kuss.

Wie ich mein Zimmer betrat erschrak ich zunächst einmal. Die Wände waren in einem zarten hellblau neu gestrichen, ein neues, grosses, französisches Bett stand da; und auch der Schrank, das Pult und die Deckenlampe waren neu, alles Mädchen-like ausgesucht. Ganz neu waren da noch eine kleine Wäschekommode, ein Schminktischchen und ein Schuhgestell. Eine riesige Freude machte sich in mir breit.
„Zieh dich um, schmeiss deine schmutzige Wäsche in den Wäschekorb und komm anschliessend ins Wohnzimmer. Wir sind gespannt, was du uns alles zu erzählen hast.“

Wie geheissen zog ich mich vollständig aus, um mir frische Sachen aus dem Schrank zu nehmen. Da war auch gar nichts mehr wie vorher. Kein einziges Jungenkleidungsstück habe ich mehr gefunden. Dafür hatte Mom meine Mädchengarderobe ziemlich erweitert. Die ganze Unterwäsche, von Slips, Höschen, BHs, Bustier, Socken, Söckchen, Strumpfhosen, Leggings und so weiter, war in der Kommode untergebracht. Ich bin aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen. Rasch zog ich ein Nachthemd an und rannte barfuss ins Wohnzimmer, wo ich Mom um den Hals fiel:
„Danke, Mom, danke.“ Mehr brachte ich nicht heraus, denn ich begann in den Armen von Mom zu heulen. Sie blieb ganz ruhig, bewunderte aber meine lackierten Zehen.
Auch Dad kam zu mir und umarmte mich.
„Ich freue mich für dich. Wir sind beide froh, dass dir dein neues Zimmer gefällt.“
„Ja, und wie. Danke.“

Wir sassen noch eine ganze Weile zusammen und ich erzählte, was sich in Senigallia alles zugetragen hatte. Oder zu mindestens fast alles!

Ziemlich müde ging’s dann ab ins Bett, wo ich sehr rasch eingeschlafen bin.

Erst gegen Mittag bin ich dann wieder wach geworden. Ich kniff mich in den Arm und schrie innerlich zu mir: „Es ist wahr, es ist kein Traum!“

„Mittagessen steht auf dem Tisch“, rief Mom aus der Küche. „Kommst du?“
„Ja, sofort. Ich dusche kurz und zieh mir was an.“

Ich betrat in ein T-Shirt und Leggings bekleidet barfuss das Esszimmer und musste zunächst einmal leer schlucken. Meine beiden älteren Schwestern mit ihren Männern waren auch zugegen, Mom hatte sie eingeweiht und eingeladen, denn sie sollten von meiner Verwandlung nicht hinten herum erfahren. Sie begrüssten mich aufs Allerherzlichste, ihre Ehemänner eher verhalten.

Ramona, meine älteste Schwester, meinte: „Bitte zieh dich um und mach dich hübsch. Wir wollen sehen, wie du als ‚richtiges‘ Mädchen daherkommst.“
„Ja, bitte“, bat auch Julia.

Ich ging in mein Zimmer zurück und schminkte mich auf die dezente Art. Die Haare band ich nach hinten. Dann zog ich Slip, BH, Spaghetti-Top und eines der neuen Kleider an, ein buntes, ärmelloses Stufenkleid. Dazu meine Ballerinas. Ohrschmuck, Tattoo-Halskettchen den Ring und die Armbanduhr hatte ich nach dem Duschen bereits wieder angezogen beziehungsweise anbehalten gehabt.

Wieder im Esszimmer musterten mich alle von oben bis unten. Meine beiden Schwestern fanden, dass ich sehr hübsch aussehen würde, ihre Männer gaben keinen Kommentar ab, nickten aber wenigstens wohlwollend. Paula gab mir noch ein paar Ratschläge, wie ich mein Äusseres noch verbessern könnte. Sie versprach mir, dabei behilflich zu sein.
„Super, danke.“

„Schau, Ramona und ich haben dir noch ein Geschenk mitgebracht. Mom hat uns mitgeteilt, dass du für den Sportunterricht in der Schule neue Sachen haben müsstest, weil sie die alten Turnhosen, den Trainingsanzug und die T-Shirts weggegeben hat.“
Sie überreichten mir ein grosses Paket. Ich riss die Verpackung richtiggehend weg und öffnete das Geschenk. Zum Vorschein kamen zwei Sportdresses in hellblau und zartrosa, die dazu passenden Turnhosen, ein dunkelblaues Gymnastikdress, zwei weisse Sport-BHs, ein Jogginganzug mit Kapuze von Adidas mit hellgrauer Jacke und hellpinkigen Streifen sowie einer hellpinkigen langen Hose, ein rosa Haarband, mehrere Söckchen und ein Paar Adidas-Turnschuhe in den Farben hellgrau/rosa.
„Geh und zieh das alles an!“, forderte mich Ramona auf.

In Windeseile schmiss ich mich in meinem Zimmer ins Sport Tenue und kehrte zurück, wo ich mich Model-like präsentierte.
„Es scheint dir zu gefallen?“, gab Ramona zum Besten.
„Ja, sieht super aus. Vielen, vielen Dank.“
„Passen die Turnschuhe in Grösse 39?“ – „Ja, die sind gerade richtig.“

Damit war beinahe die ganze Familie eingeweiht.
„Wissen eigentlich all meine Grosseltern davon?“, wollte ich von Mom wissen.
„Nein, denen haben wir noch nichts gesagt. Aber wir könnten sie doch nächste Woche besuchen gehen und sie einweihen. Du hast ja noch eine Woche Ferien.“
„Ja, das könnten wir machen“, und nach kurzem Nachdenken: „Einfach so überrumpeln? Wie werden sie wohl reagieren?“
„Hoffentlich positiv“, beantwortete Mom meine Frage. „Wir fahren zuerst zu den Eltern von Dad, die sind aufgeschlossener wie meine Eltern. Soll ich sie anrufen und uns für morgen ankündigen ohne noch etwas zu verraten?“
„Ja, mach das.“

Nach dem Mittagessen begleitete mich Paula in mein Zimmer, wo sie mir noch Tipps zum Schminken und zur Frisur gab. Wir durchstöberten auch noch den Kleiderschrank und die Wäschekommode; und sie zeigte mir welche Sachen sich gut kombinieren liessen.

Den restlichen Nachmittag behielt ich die Sportsachen gleich an. Nachdem die Besucher gegangen waren, sagte ich zu meinen Eltern, dass ich in meinem neuen Outfit gleich mal eine Runde joggen gehen würde. Ungefähr eine dreiviertel Stunde bin ich draussen gewesen, ohne dass die Leute, denen ich begegnete etwas gesagt oder dumm geschaut hätten. Nur ein jüngeres Paar, das ich gekannt habe, fragte: „Daniel?“ Ich tat so, als ob ich die Frage nicht gehört hätte und rannte weiter.

Am nächsten Tag stand der Besuch bei den einen Grosseltern auf dem Programm.
Ich hatte mir über die Unterwäsche das Longshirt mit Tierprint aus Senigallia und einen Jeansrock angezogen. Dazu trug ich die schönen Flip-Flops. Finger- und Zehennägel hatte ich neu lackiert.
Wir läuteten, Oma machte auf und starrte mich leicht entsetzt an.
„Daniel, bis du das? Warum trägst du Mädchensachen?“
Bevor ich etwas erwidern konnte, sagte Mom: „Hallo, Mama, lass uns erst mal eintreten. Dann erklären wir dir alles.“
Wir gingen gemeinsam in die gute Stube, wo Opa am Zeitung lesen war.
„Opa“, so nannte meine Oma ihren Mann, „wir haben Besuch. Unsere Schwiegertochter und Daniel sind da.“
Opa legte die Zeitung beiseite, schaute auf und wollte wohl ‚Hallo‘ zurufen, aber es blieb im wohl im Halse stecken. Bevor meine Grosseltern auch nur etwas sagen konnten, begann Mom:
„Liebe Schwiegereltern. Ich muss euch etwas mitteilen. Euer Enkel Daniel weiss seit Jahren, dass er im falschen Körper geboren wurde und …“. Rund eine Viertelstunde erklärte sie ausführlich was in den vergangenen Monaten alles geschehen war.
„… und so ist aus Daniel nun eben Daniela geworden.“

Oma und Opa hatten die ganze Zeit ruhig zugehört, sich ab und zu entgeistert angeschaut, und konnten im ersten Moment gar nichts sagen. Wie sie den ersten ‚Schock‘ überwunden hatten, kamen Fragen über Fragen, die Mom oder ich so gut es ging beantworteten.

Plötzlich sagte Oma ganz bewundernd: „Du siehst als Mädchen wirklich sehr hübsch aus.“ Und Opa nickte zustimmend zu.
„Uff, diese Hürde haben wir genommen“, flüsterte ich zu Mom.
„Bekommen wir bei euch etwas zu Trinken?“ fragte Mom, um das Thema zu wechseln.
„Ja, was möchtet ihr? Tee? Ich habe auch noch Kuchen, den du so gerne magst, Dani.“ Sie nannte mich Dani wie immer.
Wir blieben noch rund eine Stunde bei ihnen und ich erzählte ausführlicher von Laura, dem Karneval und vom Italienurlaub.
Beim Abschied steckte mir Opa einen 50-Euroschein zu und meinte: „Kauf dir noch etwas Hübsches zum Anziehen.“ Darauf wandte sich Oma vorwurfsvoll an Opa und stauchte ihn ein wenig zusammen:
„Du hast keine Ahnung. Mit 50 Euro kann er, … äh sie doch nichts Gescheites kaufen“, und steckte mir weitere 50 Euro zu.
Ich bedankte mich bei beiden mit einer herzlichen Umarmung und einem Wangenkuss.

Mom beschwor ihre Schwiegereltern noch, dass sie Moms Eltern nichts verraten sollten. Sie versprachen es.

„Wann fahren wir zu deinen Eltern?“, fragte ich auf der Heimfahrt.
„Ich weiss es nicht, aber ich glaube, dass wir sie besser zu uns nach Hause einladen sollten. Ich werde sie noch heute anrufen.“

„Sie kommen am Mittwochnachmittag“, erfuhr ich von Mom nach besagtem Anruf.

Am Dienstag nach der Schule hatten Laura und ich eine Fahrradtour zu einem ungefähr 20 Kilometer entfernten Badeweiher geplant. So hoffte ich keinen Leuten zu begegnen, die mich kennen würden. Ich betrat den Raum, wo alle Fahrräder unseres Haus eingestellt waren. Doch, oh Schreck, mein Fahrrad war weg.
„Mom, mein Fahrrad wurde gestohlen“, rief ich als ich zurück in der Wohnung war. Mom lächelte und sagte: „Das glaube ich nicht, du hast nicht richtig oder nicht überall geschaut. Vielleicht steht es im Nachbarhaus. Wart mal, ich komme mit.“
„Da steht es doch!“ und zeigte auf ein hellblaues Mädchenrad mit orangen Leuchtstreifen. „Du kannst doch als Mädchen nicht mit einem Jungenrad herumfahren.“
Jetzt dämmerte es mir.
„Ihr habt als ich Italien war mein altes Fahrrad weggegeben und das neue gekauft.“
„Nein, stimmt nicht, wir haben dein altes Rad in Tausch gegen das Mädchenrad gegeben. Es ist aber kein neues Rad, sondern ein gebrauchtes, das aber noch sehr gut erhalten ist. Und wir mussten auch noch etwas draufzahlen.“
„Danke für das hübsche Rad. Gibt es noch mehr Überraschungen?“ – „Tja, das weiss man nie so genau!“

Damit stand der Radtour nichts mehr im Wege. Auf der Fahrt zu Laura konnte ich das 10-Gang-Rad so richtig testen, es war einiges besser und auch grösser als mein altes.

Laura staunte nicht schlecht, als ich ihr mein neues Rad vorführte. Sie kam sich im ihrem leuchtend roten Kinderrad, das nur 3 Gänge hatte, gleich etwas benachteiligt vor. Aber sie freute sich für mich.

„Hast du das Deutschbuch dabei, das wir über die Ferien lesen müssen?“, fragte sie mich. „Ja, haben wir doch so abgesprochen. Ich bin ja nicht doof“, antwortete ich leicht verärgert.
Den Tag verbrachten wir mit Baden, Federball spielen, Lesen, nicht nur im Buch (wir hatten auch noch ‚Bravos‘ mitgenommen), Musik hören, Herumschmusen und mit Essen der mitgebrachten Brötchen und Früchte. Nur die Getränke und ein Eis mussten wir am Kiosk am Badeweiher kaufen. Und wie uns Lauras Mutter eingebläut hatte, haben wir uns immer wieder gegenseitig mit Sonnencreme eingeschmiert.

Vor dem Besuch der Eltern von Mom, ich nannte sie Mummy und Daddy, hatte ich einen gewissen Bammel, der im Nachhinein betrachtet völlig unbegründet war. Das Coming-Out lief ähnlich wie bei Oma und Opa ab, mit einem Unterschied, von ihnen gab es keine Euros.

Damit fehlten in der Verwandtschaft nur noch meine Tanten, mein Onkel und die Cousinnen und Cousins, die noch eingeweiht werden mussten, bevor sie es hintenherum erfahren würden. Die Grosseltern hatten von Mom und Dad Schweigepflicht erhalten, denn wir wollten es den anderen selber erzählen. Weil sie aber alle weit weg wohnten, entschieden wir uns, das Coming-Out auf Weihnachten oder Silvester zu verschieben.

Am Donnerstag war ein weiterer Termin in der Uniklinik. Ein Gespräch mit Herrn Dr. Schneider und Frau Dr. Roth über die vergangenen Wochen, die nächste Hormonspritze und eine Blutprobe standen auf dem Programm.

Freitag, die Schulferien waren schon so gut wie zu Ende, rief mein Klassenlehrer, Herr Lehmann, bei uns zu Hause an und wollte wissen, ob er einen Besuch machen könnte. Wir luden ihn zu Kaffee und Kuchen auf den Nachmittag ein.

Am Morgen ging ich mit Laura joggen. Ich trug die Sportsachen, die von meinen Schwestern geschenkt bekommen hatte. Weil es recht warm war, liess ich den Jogginganzug aber zu Hause.
Peggy durfte auch mit und hatte grosse Freude am Laufen, denn meistens konnte sie nur spazierenderweise Gassi gehen. Im nahegelegenen Wald schlugen wir uns für eine Weile ins Gebüsch, um uns zu küssen und zu umarmen.

Herr Lehmann war auf die Minute pünktlich. Nach der Begrüssung setzten wir uns an den Tisch im Esszimmer und Mom tischte Kaffee, Tee und Kuchen auf.
Herr Lehmann redete nicht lange um den Brei herum und eröffnete uns, wie er sich den 1. Schultag nach den Ferien vorstellen würde. Er hätte sich da einen neuen Ablauf überlegt.
„Mit der Schulleitung habe ich bereits abgesprochen, dass meine Klasse die ersten drei Lektionen am Montag bei mir ist. Du, Dani, kommst auf die 2. Lektion in die Schule und meldest dich bei der Schulleiterin, Frau Vahrenfeld, wo du wartest, bist du abgeholt wirst. So kann dich im Vorfeld niemand sehen und du musst keine Angst haben, gehänselt zu werden.“
Weiter erklärte er, dass er mit der Klasse in der 1. Stunde zwei Filme über Trans-Kinder anschauen werde, um die Klasse auf das Thema einzustimmen.

„Ich habe die VHS-Kassette mitgebracht. Wenn du willst, schauen wir uns die beiden Dokumentarberichte nachher zusammen an.“

Nach dem Betrachten der Filme würde er Laura auftragen, die ja in mein Geheimnis eingeweiht sei, mich in der Schulleitung abzuholen und in die Klasse zu begleiten. Frau Vahrenfeld werde auch mitkommen.

„Wenn du dann da bist, sage ich ein paar Worte. Danach wirst du dein Coming-Out haben und die Klasse in Kenntnis setzen. Die anderen Lehrkräfte werden von der Schulleiterin vor Schulbeginn am Morgen über dich informiert, wenn sich alle Lehrer im Lehrerzimmer treffen werden.“

Herr Lehmann sprach dann noch darüber wie er sich zwei Sachen vorstellen würde, die er zum Teil bereits mit der Schulleitung abgesprochen hätte.
Auf Toilette gehen könne ich auf das Lehrer-WC, zu welchem ich einen Schlüssel bekommen würde. Für den Sportunterricht dürfe ich mich im Sanitätszimmer umziehen, das der Sportlehrer jeweils aufschliessen müsse. Dort könne ich auch duschen, wenn ich das wolle.
Nur etwas wird aus rechtlichen Dingen noch nicht möglich sein. In deiner Schulakte, deinen Zeugnissen und amtlichen Dokumenten wird weiterhin der Name Daniel stehen müssen. Das wird man erst ändern können, wenn die offizielle Namensänderung bei den Behörden durch ist. Dies wird aber erst möglich sein, wenn du 16 oder 18 bist. Das müsste noch genau abgeklärt werden.

Ich konnte mir diesen Ablauf gut vorstellen und bedankte mich. Auch Mom war voller Lob für die Ausführungen meines Lehrers.

Zu guter Letzt schauten wir die beiden Filme an. Der erste „Ich bin Nina“ handelte von einem 11-jährigen holländischen Jungen namens Guido, der schon von klein an wusste, dass er eigentlich ein Mädchen sei. Guido erzählt wie er schon mit 2 oder 3 lieber mit Puppen und Mädchensachen gespielt habe und wie er mit seinen 11 Jahren zur Schule und zum Reiten immer Jungenkleidung trägt, weil seine Mutter Angst hat, dass er schikaniert oder geärgert werde. Nur zu Hause und am Wochenende zieht er Mädchensachen an.
Im Film wird gezeigt, wie er mit seiner Mutter zum Einkaufen eines lilafarbenen Kleides und dazu passendem Top sowie schwarzen Strumpfhosen unterwegs ist und wie er sich für den Sportunterricht in der Schule immer in der Jungengarderobe umzieht. Dann sieht man Guido, der Nina genannt werden möchte, wie er/sie sich für eine Geburtstagsparty bei einer Klassenkameradin zu Recht macht. Sie zieht sich die schwarze Strumpfhosen, das Top und das neue Kleid an. Ihre schulterlangen, blonden Haare bindet sie zu einem Wuschelknopf hoch. Am Schluss lackiert sie sich noch die Fingernägel mit farblosem Lack. So geht sie im Regen zu ihrer Freundin zur Party, wo sie als einziges Mädchen nicht Hosen trägt. Ihre Kolleginnen, die sie schon lange kennen, haben sich noch nicht ganz an den Namen Nina gewöhnt und nennen sie oft noch Guido.
Im Schlussgespräch des Films erzählt Nina, dass sie später ganz und gar ein Mädchen sein und mit 18 Jahren die Operation machen wolle, wovor sie allerdings etwas Angst habe. Sie ist aber ganz sicher, dass sie ein Mädchen sein will. Ihr Traumberuf ist Reitlehrerin.

Die zweite Dokumentation zeigte den Werdegang eines deutschen Jungen aus Norddeutschland, der zum Mädchen wurde. Im Kindergarten war er noch ein Junge mit recht langen Haaren, der aber lieber mit den Mädchen und mit Puppen spielte. Die Eltern suchten sich psychologische Hilfe und medizinische Beratung. Es wurde beschlossen, dass der Junge mit dem Schuleintritt als Mädchen zur Schule gehen und sich mit dem Mädchennamen Gesche anreden lassen solle, den er sich gewünscht hatte. Fotos zeigten, dass sie sich am 1. Schultag nicht getraute im Kleid zur Schule zu gehen, auf Drängen von der Mutter und dem Psychologen musste sie dann aber ab dem 2. Schultag äusserlich deutlich als Mädchen erkennbar zur Schule gehen. Die Doku zeigt dann, wie Gesche, die eine Zahnspange trägt, mit 12 Jahren mit grauer Jacke und schwarzer Weste und roter, kragenloser Bluse sowie dunkelgrauem Jeans-Minirock, hautfarbener Feinstrumpfhose und schwarzen Sneakers von ihrer Mutter begleitet in die Klinik geht und wie die medizinischen Untersuchungen ablaufen. Der Arzt betrachtet auch ihre Brüste, die bereits etwas zu spriessen begonnen hatten, weil die Hormontherapie schon gut zwei Jahre durchgeführt wurde. Zum Schluss freut sich Gesche in einem der vielen Interviews auf die geschlechtsangleichende Operation, die sie aber erst mit 18 Jahren machen lassen kann.

„Was meinst du zu diesen Filmen, Dani?“, fragte mich Herr Lehmann.
„Ich finde sie gut und ich habe auch ein paar Dinge dabei mitbekommen, die ich noch nicht gewusst habe. Und wenn die Klasse diese Filme gesehen hat, werden mich hoffentlich auch die Jungs der Klasse verstehen und nicht anpöbeln.“

Und zu Mom hinüber fragte ich: „Sollten wir nicht auch zu einem Zahnarzt und uns erkundigen, ob ich eine Zahnspange brauche, damit ich ein schönes Gebiss bekomme?“
Mom und Herr Lehmann schmunzelten. Mom antwortete: „Schaun wir mal.“

Letztendlich plauderten wir noch eine ganze Weile über die Schule allgemein und andere Themen. Dann brach Herr Lehmann auf und verabschiedete sich mit den Worten:
„Danke für Kaffee und Kuchen. Dann sehen wir uns am Montag wie abgemacht. Ist das für Sie und dich in Ordnung?“
Wir antworteten beinahe im Chor mit „Ja, danke!“

Das regnerische Wochenende verbrachte ich zu Hause, las das Deutschbuch zu Ende, probierte alle meine Klamotten, um die besten Kombinationen herauszubekommen, spielte am Computer, mistete meine alten Spielsachen und Zeitschriften aus und schaute fern. Vor dem TV schauen lackierte ich mir die Finger- und Zehennägel mit hellblauem Lack.


(Fortsetzung folgt, Jessy)

JanaH
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 78 im Thema

Beitrag von JanaH » Di 8. Mai 2018, 20:29

hach, wie schön. *Tränchen verdrück*
Danke dafür (ap)

Dana X07
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 79 im Thema

Beitrag von Dana X07 » Di 8. Mai 2018, 21:08

Sehr, sehr schön ... wieder einmal richtig toll und so schön Emotional . Da muss man ja ein Taschentuch in der Nähe haben ....
Im Alter wird man meißt schlauer , deswegen " ICH BIN ICH " . Das lasse ich mir auch nicht mehr nehmen .....

Lorelai74
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 80 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Di 8. Mai 2018, 22:29

WOW
du hast uns ja mit einer Megafolge verwöhnt!!!

Vielen vielen lieben Dank fürs schreiben

VLG
Lorelai
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

ExuserIn-2018-07-10

Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 81 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-07-10 » Do 10. Mai 2018, 08:27

Hallo Jessy.
Vielen Dank für die wundervolle Fortsetzung der Geschichte. Das comming out ist bisher gut gelaufen.
Wie wird es in die Schule gehen? Herr Lehmann hat alles gut vorbereitet.
Ich warte gespannt wie es weiter geht.
Liebe Grüsse José

jessy83
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 82 im Thema

Beitrag von jessy83 » Di 15. Mai 2018, 09:50

Teil 24

Der erste Schultag als Mädchen

Ich hatte mir lange überlegt, was ich am ersten Schultag anziehen würde und hatte mich für ein sommerliches Outfit und Sandalen entschieden. Doch Petrus machte mir einen Strich durch die Rechnung, denn es regnete Montag immer noch und es war recht kühl geworden. Es blieb mir also nichts anderes übrig als klamottenmässig umzuwählen.

Nach dem Duschen hatte ich nur wenig Make-up aufgetragen. Die Haare hatte ich einmal mehr als Pferdeschwanz zusammengebunden. Als Schmuck trug ich die beiden Perlstecker und am linken Ohr eine Creole und rechts das Herzchen von Laura. Das Tattoo-Halsband und den Freundschaftsring hatte ich eh Tag und Nacht an. An den rechten Arm kam noch die Armbanduhr.
Mir kam Gesche vom Film in den Sinn und so zog ich einen weissen BH, ein trägerloses, zartrosafarbenes Top, rosa Höschen und hautfarbene Feinstrumpfhosen unter den blauen Jeans-Mini ohne Leggings darunter und eine weisse Kurzarmbluse an. Schuhe, die sich fürs Regenwetter geeignet und gepasst hätten, besass ich keine, so dass ich mich für die schwarzen Ballerinas entscheiden musste. Nur kurz gings durch den Regen, denn Mom hatte mich zur Schule gefahren. Natürlich trug ich noch meine Regenjacke und hatte den Schirm dabei. Als Schultasche diente die Umhängetasche vom Markt in Senigallia.

Ich meldete mich umgehend bei der Schulleiterin, die mich herzlich begrüsste. Sie wollte noch ein paar Dinge von mir wissen, ehe wir dann Richtung meines Klassenraums loszogen. Frau Vahrenfeld klopfte an der Türe und wir traten ohne auf ein ‚Herein‘ zu warten in den Raum.

Totenstille.

Die Schülerinnen und Schüler musterten mich von oben bis unten, waren teils erfreut, teils aber auch etwas vor den Kopf gestossen, wie ich aus ihrer Mimik herauslesen konnte.

Herr Lehmann kam auf mich zu und schüttelte mir zur Begrüssung die Hand. Dann sagte er:
„Die Klasse ist auf dein Coming-Out vorbereitet. Jetzt kannst du noch ein paar Worte an deine Kameradinnen und Kameraden richten.“

„Hallo zusammen. Ich freue mich, euch wiederzusehen. Wie ihr von Herrn Lehmann bereits vernommen habt, habe ich mich entschieden, endgültig ein Mädchen zu sein. Innerlich war ich dies eigentlich immer schon, aber ich hatte bis vor den Sommerferien nicht den Mut, dies auch äusserlich zu sein. Nur am Karneval war ich Mädchen, keine Verkleidung oder Maskerade, ich war endlich ich. An der Uniklinik bin ich in Therapie und erhalte Hormonspritzen, die die männliche Pubertät verhindern. So bekomme ich nicht den Stimmbruch, dafür wird mein Körper weiblicher. Auch einen Busen werde ich bekommen, aber das dauert noch mindestens ein halbes Jahr. Ich hoffe, dass ihr mich nun als eure Klassenkameradin und Freundin akzeptiert und dass wir es weiterhin so gut miteinander haben werden wie wir es schon im letzten Schuljahr zusammen hatten. Einen neuen Namen braucht ihr euch ja auch nicht zu merken, denn Dani ging für Daniel und geht nun für Daniela. Danke.
Wenn ihr noch Fragen habt, dann will ich die gerne beantworten.“
Applaus von allen.

Anschliessend löcherte mich die Klasse mit Fragen. Wo ich zur Toilette gehe, in welcher Garderobe ich mich umziehe, ob ich zu Hause auch nur noch Mädchensachen trage, ob ich überhaupt noch Jungenkleider besässe, wie meine Verwandten darauf reagiert hätten, ob es Laura schon länger gewusst hätte, wie es mit uns zwei jetzt weitergehe, ob ich eine Operation machen würde, ob ich dann auch Kinder kriegen könnte, ob die Hormonspritzen weh täten und so weiter und so fort.

Als sich die Fragen erschöpft hatten, ergriff Frau Vahrenfeld das Wort und wünschte mir und der Klasse eine gute Zeit und verliess das Klassenzimmer.

Zu Beginn eines neuen Schuljahres durften wir jeweils die Plätze tauschen. Und so hatte Laura den Platz neben sich in der zweiten Reihe mir mich frei gehalten. Ich nahm Platz und Herr Lehmann übernahm wieder das ‚Kommando‘. Es gab einiges an administrativem Kram zu erledigen, so dass die Stunde rasch vorbei war.

Mit Beginn des neuen Schuljahres kamen auch zwei neue in die Klasse, ein Junge und ein Mädchen. Sie hiess Anna, er Florian.
Bisher hatte ich meine Augen nie gross auf Jungs gerichtet, aber dieser Florian hatte es mir doch angetan. Etwas grösser als ich, mittelbraune, kurze Haare und schick angezogen fiel er mir schon am 1. Schultag auf. Wie ich bemerken konnte, hatte aber auch Laura ein Auge auf ihn geworfen.

In der Pause bat ich die anderen, dass sie mich mit Laura alleine liessen. Wir steuerten zu unserem Plätzchen und begrüssten uns mit Küsschen. Aber irgendwie war es anders wie noch vor und in den Sommerferien. Laura wirkte distanzierter. Wir plauderten über das Coming-Out. Sie meinte, dass Herr Lehmann das super gemacht hätte mit den Filmen und die Klasse gut vorbereiten konnte und dass ich mich hervorragend präsentiert hätte.

Ich nahm die Initiative an mich und ging voll in den Angriff: „Gefällt dir Florian?“
Laura war ob dieser Frage sehr überrascht. „Wieso willst du das wissen?“
„Mann, Laura, ich habe dich doch beobachtet, wie du immer wieder zu ihm rübergeschaut und ein entspanntes Lächeln drauf hattest.“
„Ok, ja, er wäre mein schon mein Typ. Dich möchte ich natürlich nicht verlieren. Aber wie soll das mit uns weitergehen. Wir können doch nicht als Paar weitermachen, sonst werden wir bald einmal als Lesben abgestempelt. Ich will dich aber unbedingt als beste Freundin behalten. Was denkst du?“
„Diese Frage hat mich auch ein paar Stunden Schlaf gekostet und ich sehe es genau so. Wenn du also willst, mach dich an Florian ran. Meinen ‚Segen‘ hast du, obschon er mir auch gut gefallen würde“, ergänzte ich zum Schluss. Laura schmunzelte. Die Schulglocke hatte geläutet, wir mussten ins Klassenzimmer zurückkehren.

Mein Coming-Out hatte sich in Windeseile herumgesprochen, so dass ich in der grossen Pause nicht zur Ruhe kam, von Jungs und Mädchen aus anderen Klassen umringt wurde und wieder und wieder Fragen beantworten musste. Dumme Sprüche und abschätzige Bemerkungen habe ich nur ganz vereinzelte wahrgenommen. Damit musste ich leben.

Die Schulleitung, meine Lehrer und meinen Eltern erkundigten sich in den kommenden zwei, drei Wochen, wie es in der Schule und in der Freizeit gelaufen sei. Ich konnte alle mehr oder weniger beruhigen, es gab praktisch keine ‚Anfeindungen‘. Natürlich spürte ich ständig die Blicke der anderen und es kostete manchmal schon etwas Überwindung und Mut sich den Menschen zu präsentieren und zu wissen, dass einige negativ reagieren könnten.
Körperliche Gewalt musste ich eigentlich keine einstecken, aber verbale Gewalt gab es immer wieder einmal, die manchmal schon recht Weh getan hat, weshalb ich auch oft weinen musste.
Mit der Zeit hatte ich gelernt, mich immer besser zu schützen.

Laura blitzte bei Florian ab, als sie mit ihm anbändeln wollte, weil er ihr zu verstehen gab, dass er bereits mit einem Mädchen befreundet sei.
Immer weniger Mädchen in meinem Alter trugen noch Röcke oder Kleider. Alle hatten sie Jeans an. Weil ich nicht unbedingt das einzige Mädchen im Rock oder im Kleid sein wollte, habe ich auch auf Jeans umgestellt.

Anlässlich der nächsten Hormonspritze sind Mom und ich weitere Anziehsachen kaufen gegangen. Eine ganz normale graue Jeans und eine denim-blue Skinny-Jeans. Schuhe für regnerisches Wetter brauchte ich noch. Ich bekam schwarze Stiefeletten mit 2-cm-Absatz mit seitlichem Reissverschluss. Ein weiteres Paar Sneaker wünschte ich mir auch, musste diese aber selber berappen; hellgraue Sneaker mit rosa Nike-Symbol und Schnürsenkeln. Und als Mädchen kann man natürlich nicht genug Dinge zum Schminken brauchen. Mom hatte aber kein Musikgehör mehr und meinte:
„Das kannst du dir zum Geburtstag wünschen oder mit dem Geld, das du bekommst, selber kaufen.“

Lange hatte ich mir überlegt, ob ich zu meinem Geburtstag eine Party schmeissen sollte. Mom bestärkte mich darin, eine kleine Feier zu veranstalten.

„Ich möchte an meinem Geburtstag, dass alles weiss ist, die Gäste, die Deko und so weiter.“
„Ja, das ist eine gute Idee.“
„Kann ich mir noch ein weisses Kleid, weisse Schuhe und noch ein paar Kleinigkeiten kaufen? Du bekommst das Geld zu Hause zurück.“

Einkaufstour, Teil 2! Das kurze, ärmellose, weisse Kleid mit V-Ausschnitt war schnell gefunden und im Ausverkauf sehr günstig, denn die Läden begannen Ende Sommer all ihre Sommersachen unter dem Preis zu verkaufen. Ich kaufte mir noch bilige, weisse, spiralförmige Ohrhänger, weissen Nagellack und noch einen weissen BH. Zu guter Letzt steuerten wir nochmals das Schuhgeschäft an, in welchem wir an diesem Nachmittag schon einmal waren und suchten für mich ein schönes Paar weisse Ballerinas aus. Am liebsten hätte ich wieder Lack-Ballerinas mit Riemchen gehabt, aber Mom meinte, dass ich diese kaum für den Alltag tragen könnte. So entschied ich mich für ein ganz schlichtes Paar mit Riemchen um den Knöchel in Grösse 39, das auch schultauglich war.


(Fortsetzung folgt, Jessy)

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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

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Beitrag von Lorelai74 » Di 15. Mai 2018, 20:33

...
und Florian wird auch eingeladen...
Hihi.
Das wird spannend...
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

JanaH
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 84 im Thema

Beitrag von JanaH » Di 15. Mai 2018, 20:46

Lorelai74 hat geschrieben:
Di 15. Mai 2018, 20:33
...
und Florian wird auch eingeladen...
Hihi.
Das wird spannend...
Yep, jetzt wirds langsam echt spannend, welcher Geburtstag war das noch gleich? *hüstel*

jessy83
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 85 im Thema

Beitrag von jessy83 » Mi 23. Mai 2018, 17:15

Teil 25

Geburtstagsparty

Wen einladen? Sicher ein paar von der Klasse, Jungs und Mädchen, und den einen und die andere aus der Nachbarschaft. Handgeschriebene Einladungen für eine „ALL IN WHITE“-Geburtstagsparty am Freitag ab 1600 Uhr habe ich verfasst und alle persönlich verteilt. Die Verwandtschaft hatte Mom für das Mittagessen am Samstag aufgeboten.

Nach Schulschluss am Freitag kam Laura zu mir nach Hause, sie wollte auch über Nacht bei mir bleiben, um mir und Mom beim Dekorieren und Aufräumen zu helfen. Möglichst vieles sollte natürlich weiss sein. Mom war extra noch Einkaufen und brachte weisse Luftballons und Girlanden, weisse Kerzen, weisse Amaryllis und vieles mehr mit. Ein weisses Tischtuch war vorhanden. Mom hatte aus zeitlichen Gründen beim Bäcker eine grosse Torte mit weissem Zuckerguss bestellt und abgeholt. Zum Essen wollte uns Mom mit Spaghetti Carbonara überraschen.

Nachdem alles vorbereitet war verschwanden Laura und ich in meinem Zimmer und begannen uns für die Party zu Recht zu machen. Zunächst schminkten wir uns. Weisse Augenlider und weisse Wimpern- und Augenbrauentusche liessen uns etwas fade wirken. Wir verzichteten auf den weissen Lippenstift und nahmen einen rosaroten. Auch die Wangen bekamen ein wenig Rouge. Ich steckte mir noch die beiden Ohrhänger ein und band die Haare mit einem weissen Haargummi zu einem tiefen Pferdeschwanz. Laura hatte ihre Frisur mit weissen Haarspangen hochgesteckt.
Und wirklich zufällig hatten wir beide fast dieselbe Garderobe. Weisse Slips und weissen BH, dazu ein weisses Kleid, sie mit, ich ohne Ärmel. Laura hatte weisse Sandalen angezogen, ich meine weissen Ballerinas. Wir betrachteten uns im Spiegel und fanden uns spitzenmässig, was auch Mom bestätigte, als wir uns ihr in der Küche zeigten.

Pünktlich um 16 Uhr trudelten die ersten Gäste ein. Praktisch alle hatten weisse Klamotten an. Kleider oder Bluse und Jupe bei den vier Mädchen, Laura nicht mitgezählt, T-Shirt oder Hemd mit langer oder kurzer Hose bei den drei Jungs. Weisse Sneaker oder gewöhnliche Turnschuhe waren die Regel, aber um Melissas weisse Heels mit etwa 6-cm-Absatz beneidete ich sie.

Zur Begrüssung gab es eine fruchtige, alkoholfreie Bowle und ein paar Snacks. Und ich durfte die mitgebrachten Geschenke auspacken: ein Text-Marker-Set als Nagellack-Fläschchen ‚getarnt‘, ein Badeblüten-Set, ein Parfüm, eine Duftkerze, eine beleuchtete Badeente, ein goldenes Fusskettchen (von Laura), eine Tasse mit dem Aufdruck ‚Yor are WOW‘ (von Florian!), einen Gutschein fürs lokale Kino, einen Gutschein von der Eisdiele und eine Schachtel Pralinen.

Mit Umarmungen und Küsschen auf Wangen und Mund bedankte ich mich bei allen für die netten Überraschungen. Wir hörten anschliessend Musik und tanzten dazu. Mehrmals hat mich dabei Florian zum Tanzen aufgefordert. Ihm gefiel es, mit mir zu langsamen Liedern eng umschlungen zu tanzen. Wie ich einmal Laura einen Blick zuwarf, zwinkerte sie mit den Augen zurück und hob den Daumen.
Wie ich dann eimal mit Melissa tanzte, fragte ich sie: „Darf ich mal deine Heels anziehen?“ – „Ja.“
Und so tauschten wir die Schuhe. Zum Glück hatten wir beide in etwa die gleiche Schuhgrösse. Es war einfach ein erhabenes Gefühl in diesen Heels zu tanzen. Beinahe gleich gross wie Florian war ich dadurch auch. Flüchtig tauschten wir ein paar Wangenküsse aus.

Die Zeit verflog und schon stand das Essen auf dem Tisch. 9 Leute um einen normal grossen Tisch, es wurde etwas eng. Aber wir waren ja alle noch schlank und rank, und so machte es niemandem etwas aus, dass nicht so viel Platz da war.
Links von mir hatte Laura Platz genommen, denjenigen rechts von mir erkämpfte sich Florian, der Melissa höflich bat einen Sitz weiterzurutschen. Sie tat ihm den Gefallen, denn sie hatte uns beim Tanzen beobachtet.

Die Spaghetti fanden mega Anklang. Mom bekam dafür einen riesigen Applaus. Zwei der Girls anerboten sich nach dem Essen, Mom in der Küche behilflich zu sein, was sie dankend annahm. Melissa war froh, dass sie in meinen Ballerinas helfen konnte und nicht in ihren Heels. Danach tasuchten wir aber wieder.

Als es dann draussen endlich langsam dunkel wurde, brachte Mom die Geburtstagstorte an den Esstisch. In einem Aufwisch schaffte ich es alle 14 Kerzen auszublasen. Und es wurde ‚Happy Birthday‘ gesungen. Die Kalorienbombe war im Nu vertilgt.

Inzwischen war auch Dad nach Hause gekommen. Er begrüsste die Geburtstagsrunde, ehe er sich zusammen mit Mom ins Kino verabschiedete, damit wir noch ein wenig ‚sturmfrei‘ hätten.

Am Tag zuvor war ich bei allen Nachbarn oben, neben und unter uns, um meine Party anzukündigen, die bei allen auf grosses Verständnis stiess.

Dabei wurde es gar nicht laut, denn wir hatten uns entschieden, Videos zu schauen. Als ersten Film legten wir ‚Dirty Dancing‘ ein, ein Film den alle schon mindestens ein Mal gesehen hatten. Dennoch freuten sich alle auf die schöne Musik und die tollen Tanzszenen.

Auf allen sitz- und liegebaren Sachen kuschelten wir uns um den Fernseher. Es konnte kein Zufall sein, dass ausgerechnet Florian neben mir auf dem Sofa sass. Es war eng und bequem zum Sitzen, so dass ich bald einmal in mein Zimmer ging und den Sitzsack holte, den mir Julia geschenkt hatte. Als ich zurückkam, nahm mir Florian diesen ab und stellte ihn vor sich hin. Ich setzte mich, mein Körper lag zwischen seinen Beinen und wir schauten weiter den Film. Bald einmal legte Florian seine Hände um meinen Hals und begann mich zu streicheln und durch die Haare zu streichen. Es war schon ein wenig merkwürdiges Gefühl als Noch-Junge von einem Jungen liebkost zu werden. Dass er wusste, dass ich ein Transjunge war, musste er wissen, denn er war doch am 1. Schultag bei meinem Coming-Out dabei.

Mitten im Film legten wir eine kleine Pause ein, damit man etwas trinken und bei Bedarf auf Toilette gehen konnte.

Der Film wurde fortgesetzt, Florian hatte das Kissen, das er als Nackenstütze verwendet hatte, auf den Sitzsack gelegt, so dass ich nun höher zu sitzen kam. Oder besser gesagt zu liegen kam, denn auf gleicher Höhe kam mein Rücken auf seinen Bauch zu liegen. Er legte seine Hände wieder auf mich und streichelte durch das Kleid den Brust- und Bauchbereich, was in mir ein Wohlgefühl heraufbeschwor. An meinem Gesäss bemerkte ich durch das Kleid und seine Jeans hindurch, dass sich bei ihm etwas regte und hart wurde. Er küsste mich nun in den Hals, so dass ein oder mehrere Knutschflecken das Resultat sein musste.

Wenig später war der Film zu Ende. Einige wollten nun nach Hause, andere noch ein weiteres Video schauen. Nun waren wir noch zu fünft. Laura, Melissa, Florian, Michael aus dem Nachbarhaus und ich konnten uns rasch auf ‚Beethoven 2‘ einigen. Während des Films konnte ich feststellen, dass sich auch Laura und Michael nahe gekommen waren, was mich sehr erfreute, weil ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen wegen Florian hatte, denn Laura ja auch gut fand.

Die Schmuserei zwischen Florian und mir ging auch während des zweiten Films weiter und gipfelte in Zungenküssen wie ich sie damals auch mit Laura erlebt hatte. Zum Glück kannte ich den Film, denn nicht immer schaute ich auf die Mattscheibe.

Mittlerweilen waren auch meine Eltern wieder zu Hause und verabschiedeten sich gleich zum Schlafen, nachdem ich ihnen versprochen hatte, dass ich die Küche noch in Ordnung bringen würde. Wir schauten noch den Film zu Ende. Danach halfen alle noch in der Küche, die so null Komma nichts auf Vordermann gebracht war.

Beim Abschied von Melissa, Michael und Florian tauschten wir noch ein paar herzhafte Küsse aus, dann waren Laura und ich alleine.

Wir gingen in mein Schlafzimmer, zogen unsere Nachthemden an, verschwanden kurz ins Badezimmer, um uns abzuschminken und die Zähne zu putzen, und stiegen ins grosse Bett. Und nun gab es sehr viel zu erzählen und zu besprechen.
„Der Florian hat sich aber ganz schön an dich rangemacht für das, dass er eine Freundin hat, wie er mir vor Wochen erklärt hat.“
„Darüber haben wir nicht gesprochen, aber ich werde ihn bei Gelegenheit danach fragen. Und dir, gefällt dir Michael?“
„Ja, schon. Ich hoffe, du bist mir nicht böse.“
„Aber warum denn, das haben wir doch besprochen, dass wir nicht ein Paar bleiben könnten, aber beste Freundinnen.“
Ich erzählte Laura, was Florian im Dunkeln alles mit mir angestellt hatte, dass ich seinen eregierten Pipimann gespürt hatte und zeigte ihr auch meinen Hals.
„Oh, das gibt schöne Knutschflecken“, meinte sie bloss und lächelte.
„Und was habt ihr miteinander getrieben?“, wollte ich wissen.
„Eigentlich nicht so viel. Zuerst haben wir Händchen gehalten und uns dann umarmt und geküsst.“
Wir waren müde geworden, löschten das Licht, gaben uns noch einen Gute-Nacht-Kuss und versanken im Land der Träume, wo sich bei mir alles um Florian drehte. Wie es den Anschein machte, hatte ich mich schon wieder verliebt. Ich war mir aber nicht so sicher, wie das bei den anderen in der Schule ankommen würde, wenn diese erfahren täten, dass Florian und ich zusammen sind.

Am nächsten Tag rief mich Florian an und fragte, ob ich ihn treffen könnte. Weil der Samstag für meinen Geburtstag mit der Verwandtschaft reserviert war, musste ich ihm absagen, schlug aber vor, dass wir uns am Sonntagnachmittag treffen könnten.
Er war einverstanden und wir verabredeten uns um 15 Uhr in der Eisdiele.

Der Samstag mit meinen Schwestern und den Grosseltern verlief ziemlich ereignislos. Das Beste waren natürlich die Geschenke, die ich bekam. Julia hatte mir ein Paar Häschen-Pantoffeln mitgebracht.
„Du kannst doch für Daheim richtige Pantoffeln“, meinte sie als ich das Geschenk ausgepackt hatte.
Die einen Grosseltern schenkten mir eine goldene Halskette, die anderen gaben mir Geld, mit dem ich bei Mom meine Schulden bezahlen konnte. Und von meiner ältesten Schwester Ramona bekam ich einen Einkaufsgutschein von einer der Kleiderboutiquen in der Landeshauptstadt. Mit meinen Eltern hatte ich im Voraus gesprochen, dass der Zimmerumbau und die neue Garderobe vorgezogene Geburtstagsgeschenke gewesen seien.


(Fortsetzung folgt, Jessy)

Stephan
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 86 im Thema

Beitrag von Stephan » Mi 23. Mai 2018, 17:38

Sehr schön - weiter so.

Diana.65
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 87 im Thema

Beitrag von Diana.65 » Do 24. Mai 2018, 00:29

Hallo Jessy.

Danke für die schöne Geschichte. Ich freue mich schon auf die nächste Fortsetzung.

GlG, Diana.
Ich bin ich. Und was die Anderen von mir denken wird mir immer mehr egal.

ExuserIn-2018-07-10

Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 88 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-07-10 » Do 24. Mai 2018, 07:52

Hallo Jessy.

Wieder eine wunderbare Fortsetzung der Geschichte.
Ich hoffe schnell zu lesen wie es weiter geht.

Liebe Grüsse
José

jessy83
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 89 im Thema

Beitrag von jessy83 » Do 31. Mai 2018, 07:45

Teil 26

Florian

Für das Date in der Eisdiele zog ich die neuen engen Jeans, ein weiss-gelbes T-Shirt, die Lack-Pumps und hautfarbene Slippers an. Die Lack-Pumps waren mir allerdings langsam zu eng geworden und taten beim Gehen etwas weh. Als Ohrschmuck trug ich meine grossen Creolen und die beiden Perlen-Stecker. Ein wenig Make-up musste auch sein, die Haare trug ich offen und die Umhängetasche musste auch mit.
Auf die Minute genau fuhr ich auf meinem Rad an der Eisdiele vor. Florian war schon da und hatte sich an einen sonnigen Platz im Freien gesetzt.
„Hallo Florian“, rief ich ihm zur Begrüssung zu. „Wartest du schon lange?“
„Hallo Dani, nein, nein, ich bin eben erst angekommen, keine Minute ist es her. Und übrigens kannst du mich Flo nennen. So haben mich meine Freunde in der alten Schule auch gerufen.“
„Ja, Flo gefällt mir sogar sehr gut.“
„Möchtest du ein Eis oder etwas zu Trinken? Ich übernehme das.“
„Zuerst nehmen wir ein Eis, danach bezahle ich uns noch ein Getränk.“

Schokolade, Banane und Caramel waren meine drei Sorten, er bestellte Mokka, Haselnuss und Vanille. Wir probierten gegenseitig die verschiedenen Aromen. Mokka war und blieb aber definitiv nicht meine Eissorte.
„Trinkst du Kaffee?“, wollte ich wissen, weil er Mokkaeis bestellt hatte.
„Ja, gelegentlich zum Frühstück, wenn meine Mutter gerade welchen gemacht hat.“
„Ich habe Kaffee nicht gerne, ich trinke Tee oder einen Fruchtsaft am Morgen.“

„Flo, darf ich dich mal etwas ganz Privates fragen?“
„Ja, frag doch.“
„Als Laura mit dir anbandeln wollte, hast du ihr doch gesagt, dass du schon eine Freundin hättest. Aber an meinem Geburtstag hast du dich so richtig an mich rangemacht. Wie soll ich das nun verstehen?“
„Also, es ist so, ganz ehrlich. Wie ich dich am 1. Schultag gesehen habe als du ins Zimmer getreten bist, wusste ich, dass du mein Typ Mädchen verkörperst, obwohl ich dann zur Kenntnis nehmen musste, dass du noch kein richtiges Mädchen bist. Aber äusserlich stimmt einfach alles, wirklich.“
„Danke.“
„Es stimmte schon, dass ich eine Freundin am alten Wohnort hatte, aber diese Freundschaft habe ich inzwischen beendet, weil wir uns nicht mehr gross gesehen hätten und zu weit auseinander wohnen, und du bist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen.“

„Wie bin ich eigentlich dazu gekommen, dass ich zu deinem Geburtstag eingeladen worden bin? Du kanntest mich doch gar nicht.“
„Es war Lauras Idee, denn sie war ja in dich verknallt.“
„Und du?“
„Mir bist du schon auch aufgefallen und hast mir auf Anhieb gefallen, aber ich wollte meiner besten Freundin nicht im Wege stehen und ich hatte echt Hemmungen, mich in einen Jungen zu verlieben, denn was würden wohl die anderen denken?“, gab ich zu Bedenken.
„Aber nun sind deine Zweifel beiseite geräumt?“
„Ja, nach dem Freitagabend schon. Laura blieb zum Schlafen bei mir und wir haben über alles gesprochen. Weil sie sich selber in Michael verschaut hat, war das mit uns auch kein Problem mehr.“
„Du könntest dir also vorstellen, dass wir miteinander gehen?“, wollte Flo genauer wissen.
„Ja, ich denke schon. Und du, hast du keine Probleme mit allfälligen dummen Sprüchen und Beleidigungen?“
„Nein, ich werde mich zu wehren wissen, ohne natürlich handgreiflich zu werden.“

Wir bestellten noch ein Getränk, erzählten uns von den Familien, wie es bisher in der Schule gelaufen ist und anderes mehr.

„Gehen wir noch in den Park?“, fragte Flo nachdem er die ganze Zeche übernommen hatte.
„Die Getränke wollte ich doch übernehmen.“
„Du kannst dann ein anderes Mal bezahlen.“

„Wie bist du hierher gekommen? Ich bin mit dem Fahrrad da.“
„Ich bin zu Fuss da. Hast du ein Schloss, damit wir dein Fahrrad irgendwo sichern können?“
„Klar, lass es uns dort am Zaun befestigen.“

Händchenhaltend schlenderten wir in den Park und setzen uns abseits der grossen Gehwege auf eine Bank.
„Willst du meine Freundin sein?“, fragte Flo ohne Umschweife.
„Ja, wenn du mich so wie ich bin akzeptierst.“
„Das ist für mich kein Problem“, und ergänzte scherzend „Dass du keine Kinder bekommen kannst ist mir schon klar. So müssen wir nie verhüten. Und Kinder könnten wir ja adoptieren.“

Es folgten ein sehr, sehr langer Zungenkuss und eine innige Umarmung, gefühlte fünf Minuten.

„Was treibst du eigentlich in deiner Freizeit? Hast du Hobbys?“, wolle Flo noch wissen.
„Bis letztes Jahr war ich im Turnverein und habe dort mit der Leichtathletik-Gruppe trainiert, denn Laufen ist meine Leidenschaft. Da gehöre ich in der Klasse zu den Besten. Und du?“

„Am alten Ort war ich im Fussballclub. Hier werde ich nächstens mal in einem Training vorbei schauen. Michael ist in der Mannschaft, in die auch käme.“
Und nach kurzer Pause:
„Und warum hast du mit Leichtathletik aufgehört?“
„Irgendwie waren dort nicht die Leute, die ich mir gewünscht hatte. Und der Trainer war mir etwas suspekt, hat er doch uns Jungs, damals war ich ja noch einer, öfters durchs Haar gestrichen und getätschelt, etwas dass er mit den Mädchen nicht getan hat. Ich erzählte es meiner Mom, die mir dann verbot, nochmals dahin zu gehen.“
„Warum habt ihr euch nicht an den Vorstand des Vereins gerichtet und denen davon erzählt? Der wäre dann hochkant rausgeflogen oder es wäre sogar zu einer Anzeige gekommen.“
„Er ist der Sohn des Bürgermeisters. Und meine Eltern wollten keinen Skandal heraufbeschwören, um dann am Ende vielleicht selber blöd da zu stehen.“
„Ja, das verstehe ich.“
„Ab und zu gehe ich alleine zum Joggen. Und wie ich noch richtig mit Laura zusammen war, sind wir öfters gemeinsam Laufen gegangen und haben Peggy, Lauras Hund, mitgenommen.
„Joggen ist nicht so mein Ding, aber ich werde dich schon mal begleiten. Wahrscheinlich wirst du mich aber sehr schnell abhängen, denn ich bin eher der Kurzstreckenläufer, Fussballer halt.“
„Ok, das machen wir.“

Wir redeten noch eine ganze Weile weiter, küssten und streichelten uns und versprachen uns die Freundschaft.

Flo begleitete mich noch zu meinem Fahrrad. Wir verabschiedeten uns mit einem langen Kuss, ehe sich unsere Wege trennten.


(Fortsetzung folgt, Jessy)

Lorelai74
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 90 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Do 31. Mai 2018, 09:19

Wow ... so Schön!!

😍
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

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