Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)
Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung) - # 8

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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jessy83
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 106 im Thema

Beitrag von jessy83 » Mi 15. Aug 2018, 21:24

Teil 35

Erster Weihnachtstag mit den Grosseltern

Zum 1. Weihnachtstag waren beide Grosselternpaare wieder einmal gemeinsam bei uns zum Mittagessen eingeladen. Ich trug dassselbe wie am Vorabend.
„In gut zwei Stunden kommen meine Eltern, zu früh wie immer“, war die Ansage von Mom.
So war es, sie kamen fast eine halbe Stunde vor der vereinbarten Zeit. Mom hatte dies aber eingerechnet und war mit allen Vorbereitungen fertig. Nur für sich selbst hatte sie noch keine Zeit gehabt. So verschwand sie nach der Begrüssung, um sich frisch zu machen und hübsch anzuziehen.
Wie meine Grosseltern mich sahen, staunten sie und sagten:
„Du bist aber ein hüsches Mädchen geworden. Und gross geworden bist du auch.“
„Das machen die Schuhe mit den hohen Absätzen aus“, meinte Mummy zu Daddy, und weiter:
„Kannst du überhaupt damit gehen?“
„Willst du mal sehen?“ Und ohne auf eine Antwort zu warten, legte ich einen perfekten Catwalk mit viel Hüftschwung hin.
„Fast nicht zu glauben.“ Mummy schüttelte bloss den Kopf.

Danach setzten wir uns ins Wohnzimmer. Meine Grosseltern wollten alles genau wissen, wie es mit meinem Mädchenwerden gewesen sei. In diesem Moment griff Dad ins Geschehen ein und erklärte, dass Dani bestimmt alles erzählen würde, aber erst wenn die anderen Grosseltern auch noch da seien, so müsse sie nicht alles zwei Mal erklären. Das wurde ohne Widerrede akzeptiert.

Kurz vor dem vereinbarten Zeitpunkt trafen auch Oma und Opa ein. Unterdessen hatte sich auch Mom hübsche Klamotten angezogen und kam rechtzeitig zur Begrüssung ihrer Schwiegereltern. Und wie Mummy und Daddy reagierten auch Oma und Opa und das Spielchen mit mir ging von vorne los.

Nachdem sich alle gesetzt hatten, legte Mummy los: „Dani, oder willst du lieber, dass wir dir Daniela sagen, erzähl jetzt, ich bin so gespannt.“
„Dani ist schon gut, aber Daniela gefällt mir besser.“
Dann erzählte ich über eine Viertelstunde lang, was ich alles im letzten halben Jahr erlebt hatte und wie es mir ergangen war.
Ich beantwortete anschliessend noch ein paar Fragen, ehe wir uns zum Esstisch begaben, wo Mom das gut bürgerliche Weihnachtsessen auftischte. Nach der Bouillon mit Einlage, gab es einen gemischten Salat. Als Hauptgang servierte Mom einen Sauerbraten mit Kartoffelpuffer und Möhren und als Nachspeise rundete ein Obstsalat, bei welchem ich geholfen hatte diesen zuzubereiten, das Mittagessen ab. Alle waren des Lobes voll für Mom.
Mummy und Oma halfen danach in der Küche und brachten diese wieder auf Vordermann.

Wie alle im Wohnzimmer versammelt waren, liess Dad die Jalousien runter, damit mit der Kerzenbeleuchtung eine festliche Stimmung aufkommen konnte. Dazu lief Weihnachtsmusik. Weil sich die Erwachsenen untereinander nichts schenkten, war ich die einzige, die Geschenke auspacken durfte.

Mummy übergab mir das mit viel Liebe eingefasste Geschenk, das ich vorsichtig öffnete. Darin kamen ein Briefumschlag mit 100 Euro und ein schönes, langes, eisblaues Nachthemd mit Fantasiedruck und langen Ärmeln zum Vorschein.
„Für den Winter“, meinte sie.
Ich bedankte mich herzlich.
Von Oma und Opa bekam ich sogar zwei Geschenke. Im ersten fand ich zwei 50-Euro-Scheine, der eine zu einer Bluse, der andere zu einer Hose gefaltet.
„Kauf dir etwas Schönes zum Anziehen“, sagte Oma als ich mich bei ihr und Opa bedankte.
Das zweite Geschenk überraschte mich sehr, denn die hellblaue Vintage Umhänge-Schultasche mit braunen Trägern und Einfassungen hatte ich mir schon ein paar Mal angeschaut und vorgenommen, diese mit dem Weihnachtsgeld kaufen zu gehen. Da musste Mom dahinter gesteckt haben.

Der Nachmittag neigte sich schon bald dem Ende entgegen, so dass die Grosseltern sich auf den Heimweg machen wollten, denn beide fuhren nicht gerne in der Dunkelheit Auto. Ich bedankte mich nochmals ganz herzlich für die schönen und grosszügigen Geschenke und verabschiedete alle mit Umarmung und Kuss. Oma konnte ihre Tränen nicht unterdrücken und sagte: „Ich wünsche dir alles Gute, mein Mädchen.“

„Wer möchte noch etwas zum Abendessen?“, fragte Mom, nachdem wir wieder allein waren.
„Kein Hunger mehr“, antworteten Dad und ich fast gleichzeitig.
„Den Obstsalat sollten wir aber noch zu Ende essen, der ist morgen nicht mehr so gut“, gab Mom zu bedenken.
„Ja, Obstsalat nehme ich noch ein wenig“, sagte ich. „Ich gehe mich aber zuerst umziehen.“
Mit dem neuen Nachthemd und Ballerinas bekleidet setzte ich mich an den Esstisch. Es gab für alle nochmals eine schöne Portion Obstsalat, diesmal ohne Schlagsahne.

Die Küche war dann rasch in Ordnung gebracht, so dass wir im Fernsehen noch den Film „Der kleine Lord“ anschauten, den ich zwar schon mehrmals gesehen hatte, der mich aber immer wieder zu Tränen rührte. Recht müde verabschiedete ich mich danach ins Bett.


(Fortsetzung folgt, Jessy)

Lorelai74
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 107 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Mi 15. Aug 2018, 22:08

Ja ist denn heut schon Weihnachten 😉
Toller runder neuer Teil!
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

jessy83
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 108 im Thema

Beitrag von jessy83 » Mi 29. Aug 2018, 21:24

Teil 36

Zweiter Weihnachtstag


Auf den Stephanstag freute sich Mom besonders, denn an diesem Tag musste sie für einmal nicht in der Küche stehen, denn wir waren bei der Schwester von Mom, meiner Tante und Patin Heidrun, eingeladen. Auch mein Onkel Philipp mit seiner Familie war da. Mit allen Cousinen und Cousins gab das elf Personen.
Ich hatte ein bisschen Bammel vor diesem Tag, denn wie würden all die Verwandten auf meine Veränderung reagieren, vorallem die beiden Cousins, die fast gleich alt waren wie ich?

Mom wünschte sich, dass ich nicht zu sehr aufgetakelt an dieses Essen mitkommen solle. Artig wie ich (beinahe) immer war, entschied ich mich für meine edlen Jeans, eine hübsche, weisse Bluse und einen meiner Lieblingspullover, den fuchsiafarbenen mit Glitzergarn. Unter die Jeans zog ich mir hautfarbene Feinstrumpfhosen an, als Schuhe wählte ich die schwarzen Ballerinas, die ich aber erst vor Ort anziehen würde, damit ich nicht den ganzen Tag in den Winterstiefeln verbringen musste. Als Ohrschmuck wählte ich für diesen Tag nur die kleinen Ringe, Lauras Halskette und ein Armband. Geschminkt habe ich mich nur dezent, die Fingernägel lackierte ich blass rosa. Die Haare band ich wieder einmal zu einem Pferdeschwanz.

Mom gab ihr Ok, als ich mich ihr präsentierte. „Das hast du gut gemacht“, war ihr Kommentar. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.

Über zwei Stunden dauerte die Autofahrt, ehe wir bei Tante Heidrun ankamen. Wir waren die letzten, die ankamen, hatten aber auch die längste Anreise und viele Baustellen auf der Autobahn.
Mom läutete und trat ohne zu warten bis jemand kam um die Tür zu öffnen einfach ein. Dad und ich folgten. Im grossen Flur des Einfamilienhauses kam es zur grossen Begrüssung. Tante Heidrun, die mich als erste begrüssen wollte, stutzte und fragte etwas unsicher:
„Bist du das, Daniel? Was ist denn bloss mit dir geschehen. Du sieht ja sehr mädchenhaft aus.“
Da ergriff Mom das Wort, unterbrach das Begrüssungsszenario und erklärte:
„Wir, oder besser Dani, wird euch gleich alles erklären. Aber lasst uns erst mal eintreten und Platz nehmen.“
Wir entledigten uns der Mäntel und Schals, ich wechselte die Winterstiefel gegen die Ballerinas. Meine Cousinnen und Cousins, die alles ganz genau beobachteten, standen mit offenem Mund da und starrten mich völlig entsetzt an, wie wenn ein Alien vor ihnen stehen würde.
Tante Heidrun führte die ganze Gesellschaft ins riesige Wohnzimmer, wo alle Platz nahmen. Ich setzte mich etwas seitlich mit aneinandergelegten Beinen auf einen Hocker. Alle warteten gespannt darauf, dass ich etwas sagen würde. Tante Heidrun unterbrach die Stille und fragte in die Runde, wer was zum Apéritif trinken wolle und zählte auf, was sie alles anzubieten hätte.
Die Erwachsenen wählten einen alkoholischen Drink, wir Jugendlichen bekamen frisch gepressten Orangensaft. Greta, die Tochter von Heidrun, die zwei Jahre älter war als ich, half ihrer Mutter beim Ausschenken der Getränke.

Alle prosteten sich gegenseitig zu und wünschten sich Frohe Weihnachten. Als Mathegenie stellte ich dann folgende Frage in die Runde: „Wenn jeder mit jedem richtig angestossen hätte, wie oft hätten dann die Gläser geklirrt?“
Betretenes Schweigen und ratloses einander ansehen. Nur Cousin Torsten antwortete nach kurzem Überlegen: „110 Mal.“
Viele schauten Torsten verblüfft an und Onkel Benno, der Vater von Torsten, wollte wissen, wie er auf 110 gekommen sei.
Bevor Torsten antworten konnte, sagte ich: „110 ist nicht richtig, es sind 55“, und rechnete es den anderen vor: „11 Leute mal 11 minus 1 gleich 10 und das Ganze durch 2, also nochmals zum Mitschreiben: 11 mal 10 durch 2 gleich 55. Lernt man bei uns in der Schule“, ergänzte ich dann noch etwas schnippisch.
Torsten: „Da war ich auf dem richtigen Weg, das hatten wir bei uns auch.“
„Du hast bloss vergessen durch 2 zu dividieren, weil eine Person nicht mit sich selber anstossen kann.“

„Wir sind hier aber hier nicht in der Schule“, unterbrach Tante Renate die hochwissenschaftliche Unterhaltung. „Wir würden jetzt gerne wissen, warum du wie ein Mädchen daherkommst.“

Ja, und so begann ich ihnen meine Geschichte zu erzählen, wie es begonnen und im vergangenen Jahr immer mehr konkretisiert hatte. Mehr oder weniger ausführlich berichtete ich über den Karneval, die diversen Outings, die Termine in der Uniklinik, die Veränderungen an meinem Körper und wie es mir zurzeit so gehe. Laura und Flo erwähnte ich nur am Rande. Alle hörten gespannt zu, niemand unterbrach mich.
„Das wär’s, noch Fragen?“, beendete ich meine Ausführungen.

Greta ergriff das Wort und sagte, dass sie es schade fände, dass ich nicht mit Rock oder Kleid hierhergekommen sei, sie hätte gerne gesehen, wie ich darin aussähe.
„Ja, das würde mich auch interessieren“, ergänzte Tante Renate. „Hast du keine anderen Klamotten mitgebracht?“
„Nein, Mom meinte, dass ich mich nur ganz einfach kleiden sollte für heute. Das nächste Mal vielleicht.“

Eine angeregte Diskussion ging los und alle redeten wild durcheinander. Sophie, die 1 Jahr ältere Cousine, und Greta setzen sich zu mir und wollten noch viele Details wissen. Es war laut im Wohnzimmer.
„Mama, wann gibt’s das Mittagsessen? Können wir noch ein bisschen rauf in mein Zimmer?“
„Ja, geht nur. Es dauert noch gut eine Stunde bis wir essen können. Ich rufe euch, wenn es soweit ist.“
„Danke“, und wir drei Mädchen gingen hoch in Gretas Zimmer. Sie beiden Jungs verabschiedeten sich in Torstens Zimmer, um am Computer zu spielen.

„Du hast vorhin gesagt, dass dich die meisten Dani rufen würden. Mir gefällt aber Daniela viel besser“, war das erste, was Sophie in Gretas Zimmer sagte.
„Mir auch, aber es ist mir eigentlich egal. Ich finde es aber schön, wenn du mich Daniela nennst.“
„Was trägst du denn so in der Schule und in der Freizeit?“, wollte Greta wissen.
Ich zählte meine Outfits auf, die mir gerade in den Sinn kamen.
Sophie: „Darfst du auch Schuhe mit Absätzen tragen?“
„Ja, aber nicht in die Schule.“
„Meine Mama hat es mir verboten. Ich habe nur eine Sandelette mit einem 1-cm-Absatz. Wie du liebe ich Ballerinas. Davon habe ich mehrere in verschiedenen Farben. Meistens trage ich aber Turnschuhe oder Sneakers“, plauderte Sophie munter drauf los.
„Und du, Greta?“
„Ich habe zwei Paar mit hohen Absätzen“, ging zur Schuhkommode und holte die Dinger hervor. Ich erkannte beim näheren Betrachten, dass sie Grösse 39 hatten.
„Ich habe auch Grösse 39“, sagte ich.
„Oh, gut, … los zieh die ganz hohen einmal an und zeig uns, wie du darin gehen kannst!“
Ich liess mich nicht zwei Mal bitten, schlüpfte in die Pumps mit etwa 8-cm-Absatz und stolzierte im Zimmer hin und her.
Sophie staunte nur und wollte die Pumps auch mal anprobieren. Sie waren ihr aber zu gross, so dass sie darin nicht richtig gehen konnte.
Da kam Greta in den Sinn, dass sie im Keller noch ein altes Paar für die Schuhsammlung liegen hätte, Grösse 37, die Sophie passen müssten. Sagte es und ging sie holen.
Die alten Pumps mit Blockabsatz waren ‚nur‘ etwa 6 cm hoch. Sophie gefielen sie aber auch so, zog sie an und ging im Zimmer auf und ab.
„Du kannst das aber schon sehr gut“, sagte ich bewundernd zu ihr.
„Ich übe manchmal mit den Schuhen von Mama, wenn niemand zu Hause ist“, und lächelte verschmitzt. „Sie hat Grösse 38 und mit Socken geht’s.“
Greta sah, dass Sophie richtig aufblühte. „Wenn du willst, kannst du sie behalten.“
„Das wird Mama nicht erlauben.“
„Weisst du was, behalte sie an wenn wir runter zum Essen gehen. Dann schauen wir mal, was deine Eltern sagen.“
Sophie lachte und strahlte.
„Und dich will ich in einem Kleid sehen!“, wendete sich Greta nun zu mir. Sie öffnete ihren Kleiderschrank und sagte: „Da hast du freie Auswahl. Irgendeines, das dir gefällt, wird dir schon passen.“
Es war eine wahre Freude den Schrank zu durchstöbern. Greta hatte nicht allzu viele Kleider, denn sie hätte meistens Hosen an, wie sie uns erklärte. Aber zwei, drei Kleider gefielen mir schon. Ich entschied mich für ein türkisblaues Kleid mit Puffärmeln und abgestuftem Rockteil, ein Teil wie ich es selber nicht hatte.
Raus aus dem Pulli, der Bluse und der Hose und schon stand ich in Unterwäsche vor meinen Cousinen. Greta staunte, dass unten fast nichts zu sehen sei und dass ich bereits einen so grossen Busen hätte. Ich zeigte ihr dann die BH-Einlagen, so dass die beiden sehen konnten, dass die Brüste noch sehr klein, aber schon deutlich erkennbar waren.
Ich zog mir das Kleid über, betrachtete mich im Spiegel und sagte: „Mit schwarzer Strumpfhosen sähe es besser aus.“
„Kein Problem.“ Greta holte eine schwarze Feinstrumpfhose aus einer Schublade und gab sie mir. „Los, zieh diese an!“
Ich zog das Kleid nochmals aus, schlüpfte aus meiner Strumpfhose und streifte mir äusserst gekonnte die schwarze über. Bewundernde Blicke konnte ich bei meinen Cousinen ausmachen.
Mit dem Kleid und den Pumps sah das wirklich super aus, wie ich im Spiegel sehen konnte.

Da Sophie und Greta bereits Kleider trugen, rundete ich das Bild nun ab.
„Kommst du so zum Essen?“, wollte Sophie wissen.
„Nein, kann ich nicht, der rosafarbene Haargummi passt nicht“, erwiderte ich scherzend. Ohne ein Wort zu sagen, klaubte Greta aus ihrer Sammlung ein türkisfarbenes Haarband heraus und gab es mir kommentarlos.“
„Ja, so geht es“, sagte ich triumphierend, nachdem ich getauscht hatte.
Dann motzte Greta: „Aber mit rosafarbenen Fingernägeln wird das nichts“, und holte türkisfarbenen Nagellack hervor.
„Reicht denn die Zeit bis zum Essen?“, wollte ich wissen, „die müssen doch richtig trocknen.“
Greta öffnete die Tür und schrie ins Wohnzimmer runter: „Wie lange haben wir noch Zeit bis zum Essen?“
„Noch eine gute halbe Stunde“, rief Tante Heidrun hinauf.
„Das reicht.“ Gerda bemalte meine Fingernägel links, Sophie die rechts.

Sophie war die einzige, die die Fingernägel nicht lackiert hatte.
„Willst du deine auch lackiert bekommen?“
„Ja, gerne.“
Sophie trug ein bordeauxrotes Kleidchen, Greta fand den passenden Nagellack dazu und lackierte ihrer jüngeren Cousine die Fingernägel.
„Darfst du sie dir nie lackieren?“, fragte ich Sophie.
„Doch, aber nicht für die Schule. Nur in den Ferien.“
„Da wird deine Mama schön staunen, lackierte Fingernägel und hohe Schuhe.“
„Ich bin ganz aufgeregt, was sie sagen wird. Hoffentlich ist sie mir nicht böse.“
„Keine Angst, da holen wir dich schon raus“, beruhigte ich Sophie, die in ihrem Kleid, den weissen Strumpfhosen und den Pumps wie eine kleine Prinzessin aussah.

Die Fingernägel waren getrocknet als von unten gerufen wurde: „Kinder, runter kommen, Essen steht auf dem Tisch.“
Wir warteten bis Torsten und Ruben sich nach unten begeben hatten, damit wir die uneingeschränkte Aufmerksamkeit bekommen würden. Und so schritten wir ganz schön stolz und majestätisch die Treppe hinunter.
Anerkennende Blicke waren uns sicher, nur Renate, die Mama von Sophie, verzog ein bisschen ihr Gesicht, bequemte sich dann aber doch noch zu einem aufmunternden Lächeln wie sie ihre Tochter so glücklich auftreten sah.
Greta nahm Renate allen Wind aus den Segeln als sie zu ihr bemerkte: „Renate, lass Sophie heute doch diesen Spass. Sie wird bestimmt keine bleibenden Schäden davontragen.“
Sophies Papa, Onkel Kurt, auch mein Patenonkel, nahm seine Tochter in den Arm und sagte aufmunternd zu ihr: „Wunderschön siehst du aus, mein Schatz. Wo hast du mit hohen Absätzen so gut gehen gelernt?“
„Sie übt zu Hause mit den meinigen!“, antwortete Renate bevor Sophie den Mund aufmachen konnte, schaute ihre Tochter an und sagte: „Meinst du, ich hätte es nicht gemerkt?“
„Mama, Greta hat mir diese Pumps geschenkt, weil sie ihr zu klein geworden sind. Darf ich sie behalten?“
„Ja, mein Engelchen, aber du musst versprechen, sie nicht zur Schule und nur zu besonderen Anlässen anzuziehen.“
„Versprochen, Mama, danke.“ Sophie ging auf ihre Mama zu und umarmte sie.
Die Situation war für Sophie gerettet.
Das Interesse galt nun mir, im türkisfarbenen Kleid. Heidrun war die erste, die ihre Meinung loswurde: „Dani, mir fehlen die Worte, du siehst entzückend aus.“
Weitere Komplimente folgten, nur die beiden Cousins sagten keinen Ton.

Die sechs Erwachsenen sassen am grossen Esszimmertisch, wir fünf Kinder am Gartentisch, der aufgestellt worden war, aber nicht minder schön dekoriert war.
Greta bekam einen grossen Applaus als ihre Mutter bekannt gab, dass Greta die Tischdeko ganz alleine aufgebaut und die Tische gedeckt hatte.

Immer wenn wir zu Weihnachten bei Tante Heidrun und Onkel Benno eingeladen waren, gab es traditionsgemäss als Hauptgang Gans mit Rotkohl und Klössen. Eine Tomatensuppe und ein Crevettensalat waren diesmal die Vorspeisen, eine Eistorte das Dessert.

An diesem Familientreffen schenkte man sich gegenseitig nichts, nur die Patenkinder bekamen vom jeweiligen Paten ihr Geschenk. Kurt, mein Patenonkel, überreichte mir nach dem Essen auch im Namen von Tante Renate ein grosses Weihnachtspaket. Im Vorfeld hatte sich Renate bei Mom erkundigt, was sie mir schenken könnten, wie ich im Nachhinein erfahren habe. Weil Mom natürlich nichts verraten wollte, empfahl sie Renate mir einen iPod zu kaufen.
Ich öffnete das Geschenk und freute mich über den iPod. Ich ging auf Kurt und Renate zu, umarmte diese und bedankte mich ganz herzlich.

Auch die anderen Kinder bekamen ihre Geschenke. Mom, die die Patin von Greta war, schenkte ihrem Patenkind, den Pullover, den sie sich gewünscht hatte und 100 Euro.

Nach der Bescherung spielte Greta noch zwei Stücke auf der Geige und Torsten zwei Weihnachtslieder auf dem Klavier.

Der Nachmittag klang mit Kaffee oder Tee und Kuchen langsam aus. Beim Eindunkeln löste sich das Familientreffen allmählich auf und man versprach sich (wie jedes Jahr), dass man sich mal unter dem Jahr treffen könnte, was dann aber fast immer nie der Fall war, wohnten die Familien einfach zu weit auseinander.

Vor der Verabschiedung bat ich Greta mit mir in ihr Zimmer zu kommen, damit ich mich umziehen könne. „Das Kleid kannst du behalten, mir ist es eh ein bisschen zu eng geworden, die Heels musst du aber hier lassen.“
Mit einem herzhaften Kuss auf die Lippe bedankte ich mich bei meiner Cousine und rannte rasch hinauf in ihr Zimmer, um die Schuhe zu wechseln und meine Bluse, den Pulli und die Hose zu holen. In der Garderobe wechselte ich die Schuhe nochmals und zog die warmen Winterstiefel an. Greta gab mir noch eine grosse Papiertüte, in der ich meine Klamotten verstauen konnte.

Kurz und schmerzlos war die gegenseitige Verabschiedung, bei welcher man noch vereinbarte, dass das Essen im kommenden Jahr bei Renate und Kurt stattfinden würde.


(Fortsetzung, wahrscheinlich die zweiletzte, folgt; Jessy)

Lorelai74
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 109 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Fr 31. Aug 2018, 12:18

Sehr sehr schön!
Alle guten Geschichten haben ja mal ein Ende
Ich bin gespannt wie es ausgeht.
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 110 im Thema

Beitrag von jessy83 » Mi 5. Sep 2018, 09:53

Teil 37

Silvester

Die restlichen Tage bis Silvester verbrachte ich meistens mit Laura, sei es auf der Eisbahn oder bei ihr oder mir zu Hause. Zwei Mal traf ich mich auch mit Flo, dem ich beim Besuch bei ihm meine beiden Weihnachtsgeschenke überbrachte. Er freute sich sehr über das T-Shirt und das 5er-Set Duschgel, etwas was Fussballer immer brauchen würden. Von ihm erhielt ich eine grosse Tasse mit dem Aufdruck ‚Glück ist eine Freundin wie dich zu haben‘ und ein kleines Fläschchen Parfüm.

Bis zum Nachtessen, zu dem ich bleiben durfte, vertrieben Flo und ich die Zeit in seinem Zimmer, redeten, hörten Musik und schmusten ein bisschen herum. Das Prickeln, das ich jeweils bei Laura bekam, wollte mit Flo aber einfach nicht aufkommen.

Während des Nachtessens eröffnete Flo seinen Eltern mit meiner Zustimmung, dass ich Transgender sei und erzählte, was er von mir wusste. Etwas bestürzt reagierten sie schon und meinten, dass man mir das aber nicht ansehen würde. Innerlich schüttelte ich bloss den Kopf und dachte mir ‚So eine naive Vorstellung von einem Transmenschen‘. Es folgten noch ein paar doofe Fragen, die ich aber ganz brav beantwortete.

Als ich mich von Flo und seinen Eltern verabschiedete, wusste ich noch nicht, dass dies das letzte Mal war, dass ich bei Flo zu Hause war, denn zu Beginn des neuen Jahres kam Flo auf der Eisbahn zu mir und eröffnete mir, dass er die Freundschaft mit mir beenden wolle. Einen Grund konnte oder wollte er aber nicht nennen. Ich denke, dass auch seine Eltern dahintersteckten. Auf jeden Fall trauerte ich ihm keine Sekunde nach. Wir blieben aber immerhin noch gute Schulkollegen.

Zu Silvester war noch der letzte Familienschlauch angesagt. Wir fuhren zur Schwester von Dad, zu Petra, die auch meine Patin war, und ihrem Mann Philipp und deren Sohn Max, der gleich alt war wie ich. Ich freute mich auch auf den Hund von Max, Dackeldame Kira.

Auf der wiederum fast 2-stündigen Autofahrt hörte ich Musik mit meinem neuen iPod.
Ich hatte mich praktisch gleich wie am 2. Weihnachtstag gekleidet.

Zur Silvesterparty war auch noch die Familie vom Bruder von Onkel Philipp eingeladen, Isabel und Vinzenz mit ihren 9-jährigen Zwillingen Charlotte und Melanie, die man kaum voneinander unterscheiden konnte. Sie sahen einfach zum Knuddeln süss aus mit ihren zwei seitlichen Zöpfen in den Matrosenkleidchen, den weissen Strümpfen und den weissen Ballerinas.

Bevor wir zum Nachtessen schritten, ‚durfte‘ ich wieder einmal meine Geschichte erzählen. Besonders die Zwillinge und Max schauten mich gespannt und mit offenem Mund an, als ich von mir berichtete.

Petra hatte sich wieder in Arbeit gestürzt gehabt, den Tisch wunderbar mit Kerzen, farbigen Girlanden und Konfetti dekoriert und ein wunderbares Silvestermahl vorbereitet. Zur Vorspeise gab es eine selbstgemachte Kalbsterrine, dann einen gemischten Salat, als Hauptgang Beinschinken mit Kartoffelsalat und Blattspinat und als Nachspeise ein Orangen-Tiramisu. Zwischen den Gängen halfen wir drei Mädchen Tante Petra in der Küche. Zum Glück hatte auch sie eine Abwaschmaschine, so dass die Küche immer rasch wieder ganz ordentlich aussah.

Vor dem Nachtisch gab es noch die Patengeschenke. Von meiner Patin Petra bekam ich hellblaues Frotée-Set und einen weissen Bademantel, so wie es Mom ihrer Schwägerin ‚eingeflüstert‘ gehabt hatte, ohne dass sie etwas vom Outing hatte verraten müssen.
Im Namen von Dad, dem Paten von Max, hatte Mom ein Compterspiel organisieren müssen, irgendein Autorennspiel, das sich Max gewünscht hatte.
Philipp, der Pate von Meli ist, schenkte der Leseratte ein paar Bücher, die sie sich ausgesucht hatte. Damit Lotte nicht leer ausging, hatte ihr Petra ein Federmäppchen als Geschenk gemacht, auf welchem ein Delfin abgebildet war.
So waren alle zufrieden, freuten sich sehr und bedankten sich auch ganz artig.

Nach dem Essen bat ich Max, dass wir mit Kira ein bisschen Spazieren gehen könnten. Zu viert drehten wir mit Kira eine grosse Runde im Wohnviertel von Max. Er und ich überliessen den Zwillingen das Führen des Hundes an der Leine. Nur das Häufchen von Kira durfte Max selber aufnehmen.
Charlotte, kurz Lotte genannt, zupfte mich mal am Mantel und fragte mich ganz leise: „Und du hast ein Zipfelchen wie alle Jungs, siehst aber wie ein Mädchen aus?“
Wir liessen uns ein paar Meter zurückfallen und ich erklärte ihr, dass das tatsächlich so ist und dass ich mich mit 18 oder 19 Jahren operieren lassen würde, damit ich auch unten rum eine Frau sei.
„Kannst du dann auch Kinder bekommen?“, wollte sie weiter wissen.
„Nein, das ist leider unmöglich. Wenn ich aber einen Mann finde, der mich so nimmt wie ich bin, können wir Kinder adoptieren.“
„Ich finde dich süss.“
„Oh, danke, ich dich und Melanie auch.“
„Hast du einen Freund, Lotte?“, wollte ich dann wissen.
„Nein, und Meli auch nicht. Die Jungs an unserer Schule sind alle doof. Und du?“
„Ja, ich habe einen, Flo heisst er, das kommt von Florian.“
„Weiss der, dass du eigentlich noch ein Junge bist?“
„Ja, das weiss er?“
„Habt ihr euch schon einmal geküsst.“
„Ja, schon oft. Und weil ich äusserlich hundert Prozent wie ein Mädchen aussehe, stört sich auch niemand mehr daran. Am Anfang musste sich Flo einige dumme Sprüche anhören, von wegen ‚schwul‘ und so.“
Lottes Wissensdurst war gestillt und wir schauten, dass wir die anderen beiden wieder einholten.

Um auch mit Meli ein paar Worte gewechselt zu haben, fragte ich sie: „Wie kann man euch zwei unterscheiden?“
„Ich habe ein bisschen ein schmaleres Gesicht und Lotte hat eine kleine Narbe an der linken Hand.“
„Schlüpft ihr manchmal in die Rolle der anderen?“
„Ja, vorallem in der Schule. Zum Beispiel im Sport. Lotte ist besser im Geräteturnen und turnt dann für beide, wenn bewertet wird. Oder im Schwimmunterricht bin ich die bessere Taucherin.“
„Das hat noch niemand bemerkt?“
„Nö.“
„Auch die anderen aus der Klasse nicht?“
„Wenn wir es geschickt anstellen nicht. Blöde ist jeweils, wenn der Sportlehrer uns direkt hintereinander aufruft, dann wird’s schwierig.“
„Aber die Eltern könnt ihr nicht mehr täuschen, oder?“
„Mami, nicht mehr, aber Papi schon“, Meli lachte über beiden Wangen.
„Zieht ihr euch denn immer genau gleich an?“
„Ja, das wollen wir auch so.“

Es war erst kurz nach halb zehn Uhr, als wir wieder zurück im Haus waren. Max schlug vor, dass wir in seinem Zimmer noch irgendein Spiel machen könnten.

Rasch einigten wir uns auf ‚Mensch ärgere dich nicht‘, das aber nach zwei Runden zu langeweilig wurde. Wir stöberten in Max‘ Spielesammlung und entschieden uns, ‚Cluedo‘ zu spielen, ein spannendes Krimispiel, wo man den Mörder, das Mordwerkzeug und den Mordraum durch gegenseitiges Fragen und Kartenaustauschen erraten muss. Die Zeit verflog wie im Fluge, schon hiess man uns für den Jahreswechsel ins Wohnzimmer zu kommen.

Die Erwachsenen liessen punkt Mitternacht eine Flasche Champagner knallen, wir Kinder bekamen Rimus-Party. Wie sich alle ein gutes neues Jahr gewünscht hatten, bat ich Dad vom Champagner probieren zu dürfen. Ich fand diesen nicht wirklich schmackhaft.
Nach dem Anstossen durften wir noch je eine Tischbombe knallen lassen, um uns danach mit den Dingen daraus zu bewerfen.

Ein paar Minuten später holte ich mein Handy und telefonierte mit Laura, um auch ihr ein gutes Jahr zu wünschen. Sie erzählte mir dann noch nebenbei, dass sie am Nachmittag mit Michael Schluss gemacht hätte und versprach am Neujahrstag im Laufe des Nachmittags bei mir vorbeizukommen.
Ich liess sie noch ihre Eltern von mir und meinen Eltern grüssen.
„Danke, sie grüssen dich und deine Eltern ebenso und wünschen euch allen ein gutes neues Jahr.“

Flo rief ich nicht an, weil ich der Meinung war, dass er mich hätte anrufen können, was er aber nicht getan hat.

Alle halfen noch die allgemeine Ordnung wieder herzustellen, ehe wir uns verabschiedeten und die lange Heimreise antraten, die ich allerdings verschlief.


(Fortsetzung = Schlussteil folgt, wird aber etwas dauern, da ich noch unschlüssig bin, wie ich den Schluss gestalten soll; Jessy)

Lotte
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Post 111 im Thema

Beitrag von Lotte » So 30. Sep 2018, 23:00

Hallo Jessy.

Ich bin neu hier und habe gestern dein Geschichte entdeckt. Habe alles gelesen und ich soll sagen dass Du wirklich erzählen (schreiben) kannst.
Nur Komplimente!!
Schade das deine Geschichte fast vorbei ist. :cry: :(

Liebe Grüsse
Lotte.
"Het leven begint op het moment waarop je je niets meer aantrekt van wat andere mensen over je denken"
(Godfried Bomans)

Hexemelina
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 112 im Thema

Beitrag von Hexemelina » Mo 23. Mär 2020, 14:27

jessy83 hat geschrieben:
Mi 5. Sep 2018, 09:53
(Fortsetzung = Schlussteil folgt, wird aber etwas dauern, da ich noch unschlüssig bin, wie ich den Schluss gestalten soll; Jessy)
hallo jessy habe wieder mal die geschichte gelesen und frage mich wo der schluss bleibt?

mit fragendem blick
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 113 im Thema

Beitrag von jessy83 » Do 26. Mär 2020, 11:37

Tja, das weiss ich auch nicht. Es fehlen ein wenig die Einfälle, was noch alles passieren könnte.

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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 114 im Thema

Beitrag von Hexemelina » Do 26. Mär 2020, 13:53

so wie ich dich kenne wird dir sicherlich noch was einfallen
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 115 im Thema

Beitrag von jessy83 » Sa 4. Apr 2020, 15:39

Teil 38

Zurück im Alltag

Weil der Dreikönigstag auf einen Montag fiel, begann das neue Jahr mit gut einer Woche Urlaub, den ich wiederum am meisten mit Laura verbrachte, auf der Eisbahn, bei Spaziergängen mit Peggy, bei ihr oder bei mir zu Hause. Je zwei Mal durfte ich bei Laura übernachten und sie bei mir. Besonders aufregend und zärtlich verlief die Nacht, nachdem Flo am Nachmittag mit mir auf der Eisbahn Schluss gemacht hatte. Beide wieder solo, beschlossen Laura und ich, uns vorläufig auf keine neuen ,Männerfreundschaften‘ einzulassen.

Am Dienstag, 7. Januar war wieder Schule angesagt. Zuerst wünschten sich die meisten gegenseitig ein gutes neues Jahr. Herr Lehmann, der bei uns in der ersten Stunde Unterricht hatte, war sehr gut gelaunt und meinte, dass man doch etwas von den Weihnachtsferien erzählen solle.

Herr Lehmann machte den Anfang und erzählte von seinem Winterurlaub in Österreich, wo er sich zum ersten Mal auf ein Snowboard gewagt hätte, aber mehr am Boden gesessen sei wie herumzufahren. Gelächter in der Klasse. Reihum berichteten fast alle, was sie in der Weihnachtszeit erlebt und wie sie diese verbracht hatten.

Fürs neue Schuljahr motivierten Laura und ich uns gegenseitig, möglichst gute Zensuren zu bekommen, weil wir in drei Jahren unbedingt das Abi bestehen wollten. Natürlich blieb auch noch genügend Freiraum für diverse Freizeitaktivitäten.

Eine unserer Lieblingsbeschäftigungen war Shoppen und Stylen. Jedes Mal, wenn ich zur Hormontherapie in die Stadt fahren musste, kam Laura mit. Auf diese Ausflüge durften wir beide die Schuhe mit den mehr oder weniger hohen Absätzen tragen. Mom und Sandra wechselten sich mit Fahren ab, aber manchmal kamen auch beide mit, damit auch sie gemeinsam auf Einkaufstour gehen konnten. Super war jeweils, wenn wir zu viert unterwegs waren, denn dann bezahlten unsere Mütter das eine oder andere Kleidungsteil oder Schmuckstück.

Wenn ich zu Hause alleine war, drehten sich meine Gedanken vielfach dahingehend, wie es mit mir weitergehen solle …

* * *

Teil 39

Katarina

Anfang Februar hatte ich wie jedes Jahr die jährliche Kontrolle bei der Dentalhygienikerin. Weil ich meine Zähne regelmässig pflegte, waren meine diese in sehr gutem Zustand und nicht kariös.

Zum Termin bei der DH trug ich die engen Jeans, darunter eine Feinstrumpfhose. Über den BH zog ich mir eine Bluse und einen gestreiften Pullover an. Winterjacke, Winterstiefel und eine warme Mütze gehörten an diesem kalten Nachmittag auch dazu. Ich hatte mich auch noch dezent geschminkt, die Fingernägel lackiert und trug die Creolen, die Perlenstecker, ein Hals- und ein Armkettchen.
Frau Hahn, die DH war sichtlich erstaunt, so ein hübsches Mädchen begrüssen zu können, denn eigentlich hatte sie einen Jungen, Daniel, erwartet.
„Ich bin Daniel, nenne mich aber jetzt Daniela.“
In kurzen Zügen erzählte ich ihr, was sich im letzten Jahr zugetragen hatte. Nach der rund ¾-stündigen Behandlung wollte sie, dass der Zahnarzt noch einen Blick auf das Gebiss werfen sollte, weil sie eine kleine Fehlstellung bei den Schneide- und Eckzähnen erkennen konnte. Der Zahnarzt, Herr Dr. Jürgen Fischer, sah sich das ganze an und empfahl, dass ich eine festsitzende Multiband-Spange bekommen solle, mit der die Zahnkorrektur in zwei bis drei Jahren abgeschlossen sein würde. „Damit wir diese Spange einsetzen können, brauchen wir noch das Einverständnis deiner Eltern. Im Sekretariat bekommst du ein Formular, dass deine Eltern unterzeichnen müssen, wenn sie mit der Behandlung einverstanden sind.“

Zu Hause angekommen, erzählte ich meiner Mom, was sich in der Zahnarztpraxis alles zugetragen hatte. Sie meinte, dass sie natürlich mit der Zahnspange einverstanden sei, dass wir am Abend noch Dad um seine Zustimmung bitten müssten, was dann wie erwartet kein Problem war.

Am nächsten Morgen zeigte ich in einer Pause Laura meine Zähne und erklärte ihr, dass ich eine Zahnspange bekommen würde, eine feste und keine herausnehmbare.
„Deine Zähne sind doch schön. Warum brauchst du eine Zahnspange?“
„Weil es hier eine kleine Fehlstellung hat, die sich verschlimmern könnte. Und vorbeugend erhalte ich eben eine Spange.“
Nun durfte ich noch ihr Gebiss betrachten und beurteilen, ob sie auch eine Spange brauchen würde.
„Ich bin doch kein Zahnarzt. Wann gehst du nächstes Mal zur Kontrolle?“
„Immer im April. Ja, dann frag ich mal.“
„Komm, wir gehen noch zu Katarina in der Parallelklasse. Die trägt doch schon eine Zahnspange.“
„Gute Idee, nimmt mich Wunder, wie sie damit zu Recht kommt.“
Elena war aber nirgends zu sehen, so dass wir die grosse Pause abwarten mussten.

Kaum war die nächste Schulstunde vorbei, rannten wir auf den Schulhof, um Katarina ja nicht zu verpassen. Laura erblickte sie zuerst. Wir steuerten schnurstracks auf sie zu.

Katarina war ein bildhübsches Girl mit langem, dunkelblondem Haar, meistens zu einem Pony gebunden, ungefähr einen halben Kopf kleiner wie ich. Sie war wie immer sehr modisch gekleidet, trug meistens die neuesten Trends und Farben. An diesem Tag konnte man aber nicht sehen, was sie unter dem altrosafarbenen Wintermantel mit Fellkragen und -bordüren trug. Nur die Jeans mit Blumendruck und die Winterstiefeletten, die zum Mantel passten, liessen so manches erahnen. Sie hatte zwei mittelgrosse Creolen in den Ohren und ein kleines Pearcing am rechten Nasenflügel. Sie galt bei den Jungs als eines der begehrtesten Mädchen an unserer Schule. Aber bisher hatte es noch keiner geschafft, sie zur Freundin zu bekommen, alle liess sie mehr oder weniger charmant abblitzen.

Nach der kurzen herzlichen Begrüssung quetschten wir Katarina zur Zahnspange aus.
„Kein Problem. Eine gute Zahnhygiene ist aber wichtig. Ja, und am Anfang wirst du etwas Mühe beim Essen haben und immer mit der Zunge an der Spange herumspielen.“

„Übrigens, Daniela. Was ich dir schon lange einmal sagen wollte. Du bist immer so chic angezogen. Einige, sorry, richtige Mädchen könnten sich dich als Vorbild nehmen und weniger schlampig daherkommen.“
Leider war die Pause wieder einmal viel zu schnell vorüber, so dass wir uns für nach der Schule verabredeten, um uns noch über dies und das zu unterhalten. Wir verabredeten uns auf der Eisbahn.

Katarina war bereits da, wie Laura und ich bei der Eisbahn aufkreuzten. Sie trug immer noch die gleichen Klamotten wie schon am Vormittag in der Schule. Um genug warm zu haben, hatte sie noch eine beigebraune Wollmütze und die dazu passenden Wollhandschuhe übergezogen.

„Hallo Katarina!“ begrüssten wie sie mit Wangenküsschen links und rechts. „Hey, hallo ihr zwei Hübschen! Auch schon da?“

In der Garderobe zogen wir die Schlittschuhe an und begaben uns schnurstracks aufs Eisfeld, wo an diesem frühen Nachmittag fast niemand da war. Wegen Laura hatten wir uns früh treffen müssen, weil sie nur etwas mehr als eine Stunde Zeit hatte, weil sie noch zum Training mit ihrer Tanzgarde musste, stand der Karneval schon bald wieder vor der Tür.

Wir drehten gemütlich händchenhaltend unsere Runden zu dritt, Katarina in der Mitte. Wir plauderten über die Schule, Freizeitaktivitäten, Familie und vieles andere mehr. Dabei verriet uns Katarina, dass sie in der Orientierungslaufgesellschaft der grossen Nachbarstadt sei und bald einmal die ersten Wettkämpfe auf dem Programm standen. Deshalb müsse sie viel Joggen gehen und Ausdauer trainieren, ehe dann im Frühling wieder vermehrt das Kartenlesen an der Reihe sein werde. Ich erzählte ihr, dass ich auch sehr viel Joggen gehe, aber meistens alleine. So verabredeten wir uns, ab und zu mal gemeinsam eine Runde zu drehen. Ich schaute dabei fragend zu Laura, die aber offensichtlich nichts dagegen hatte, denn Joggen war nicht gerade ihr Ding, und sie war sicher froh, dass sie nun nicht mehr so oft mit mir zum Waldlauf kommen müsste. Wahrscheinlich würde nur Peggy traurig sein, dass die Runden im Wald weniger werden würden. Auch ich fand es schade, denn Lauras Hund war mir schon echt ans Herz gewachsen. Laura erriet offenbar meine Gedanken und meinte:
„Wenn du Peggy mal mitnehmen willst, kannst du sie gerne bei uns abholen.“
„Gute Idee. Danke.“

Bevor Laura zum Training weg musste, setzten wir uns noch in das kleine Eisbahnrestaurant und tranken einen heissen Orangenpunsch.

Mit Katarina alleine, fragte ich sie noch zum Orientierungslauf aus. Sie erklärte mir alles ausführlich und klar verständlich.
„Meinst du, ich könnte einmal zum Training mitkommen?“
„Ja, klar, das fände ich super. Ich werde dir morgen den Trainingsplan in die Schule mitbringen. Meine Mama fährt mich dann jeweils zum Training, manchmal nehme ich aber auch den Bus. Nur nach dem Training ist jeweils immer jemand von meinen Eltern da, um mich abzuholen, weil sie nicht wollen, dass ich abends alleine noch mit dem Bus unterwegs bin.“

Während ihren Erläuterungen schaute ich Katarina sehr konzentriert an, sah ihr auch tief in die Augen, was sie natürlich sofort bemerkt hatte, näher zu mir rückte, ihre Hand auf die meine legte und dabei liebevoll lächelte. Und völlig überraschend gab sie mir einen Wangenkuss, der in mir einiges bewegte. Ich fühlte etwas ganz Spezielles in mir, lächelte herzhaft zurück und küsste sie kurz auf ihren Mund.

Wir begaben uns dann wieder auf die Eisbahn, wo wir noch ein paar kleine Pirouetten und Sprünge übten. Fiel eines aufs Eis, halfen wir uns gegenseitig hoch, umarmten uns und kamen einander immer näher. Am Rand des Eisfeldes an der Bande stehend passierte es dann, wir gaben uns einen Zungenkuss. Mich durchzog ein wohliges Beben, ein Gefühl, das ich am Anfang mit Laura auch gehabt hatte. Liebe eben.
Wir sahen uns tief in die Augen, diejenigen von Katarina funkelten richtiggehend. Noch ein herzhafter, längerer Zungenkuss, worauf sie schwärmte:
„Weisst du Daniela, dass ich mich gerade richtiggehend in dich verliebt habe? Dieses Gefühl hatte ich bisher noch nie erlebt, mit Jungs sowieso nicht und ein anderes Mädchen habe ich bisher nicht kennengelernt wie es mit dir nun geschehen ist.“
„Aber du weisst schon, dass ich kein richtiges Mädchen bin?“
„Ja, schon, aber daran habe ich keine Sekunde gedacht. Du bist und siehst doch wie ein perfektes Mädchen aus. Ich habe dich schon oft auf dem Pausenhof beobachtet, bewundert und immer gewünscht, dich einmal näher kennen zu lernen.“
„Das freut mich, dass du das so gesagt hast. Danke. Warum hast du mich nie angesprochen?“
„Du und Laura, dachte ich. Da ist nichts zu machen.“

Wir kurvten noch ein bisschen herum, ehe es uns dann doch zu langweilig wurde, so dass wir zur Umkleide gingen, um den Nachhauseweg anzutreten.
„Kommst du noch auf einen Sprung zu mir?“ fragte Katarina so lieb, dass ich nicht nein sagen konnte.
„Hast du Geschwister?“ wollte ich dann noch von ihr wissen.
„Ja einen älteren Bruder, Manuel, der eine Berufslehre zum Automechaniker macht. Und du?“
„Ich habe leider keine Geschwister.“
Bei der Frage nach einem Haustier mussten wir beide passen.


(Fortsetzung folgt, Jessy)

Lotte
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Re: Meine ersten Lackschuhe mit 14 (Fortsetzung)

Post 116 im Thema

Beitrag von Lotte » Sa 4. Apr 2020, 16:45

Hallo Jessy.

Zum Glück hast du wieder angefangen zu schreiben und wie ... (ki)
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Liebe Grüsse
Lotte
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(Godfried Bomans)

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