Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit
Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit - # 2

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Viktoria-TV
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 16 im Thema

Beitrag von Viktoria-TV » Mo 18. Dez 2017, 20:44

Hallo,

nachdem ich das erste Mal erfolgreich einen Ausflug bestritten hatte, wollte ich das unbedingt wiederholen. Geplant war das ganze für den 18. November 2017 stattfinden. Leider fiel mein Ausflug ins Wasser, da sich kurzfristig ein familiärer Termin einschob. :(

Als nächstes fasste ich dann den 18. Dezember ins Auge. Mein Plan war erst shoppen zu gehen und dann in die Oper.

Geplant war dass ich um 12 Uhr bei meinem Vigasisten bin. Wenige Tage vor dem Termin, kam dann meine Frau an. Sie hätte am Samstag einen Termin der ihr persönlich wichtig ist und ob ich nicht später starten könne. Etwas wiederwillig stimmte ich zu und buchte alles um.

Je näher der Termin rückte, so nervöser wurde ich. Bereits zwei Nächte vorher schlief ich nicht mehr so gut. Das ich angespannt war, merkte ich deutlich, denn ich hab die Angewohnheit dann mit dem Kiefer zu knirschen. Um 14 Uhr startete ich von zuhause und fuhr zunächst nach Bochum. Im Auto war ich total hibbelig, denn wie beim ersten Ausflug, stellte ich mir die Frage, ob das eigentlich richtig ist, ob man mich erkennt etc. ...Eigentlich ist das ziemlich bescheuert, denn es ist ja nicht der erste Ausflug. Vor dem Shooting gabs auch schon ein paar heimliche und auch da ist nichts passiert. Naja diese Art Lampenfieber scheint irgendwie dazu zugehören.

Aus der halben Stunde laut Navi wurde natürlich eine, denn die Autobahnen im Ruhrgebiet waren natürlich voll. Zuhause hatte ich mich soweit fertig gemacht, dass ich nur Jacke und Schuhe drüber zu ziehen brauchte.

In Bochum angekommen, fand ich auch direkt vorm Haus einen Parkplatz. Die Nervosität stieg. Kami, mein Vigasist, zauberte mir dann ein wunderschönes Makeup. Allerdings war es inzwischen auch 16.30 Uhr. Nachdem er fertig war, wurden noch schnell Nägel aufgeklebt und die Perücke aufgesetzt und dann ging es los. Zuvor bat ich Kami noch schnell ein Foto zumachen.

Bild

Ich trug eine blaue Skinny Jeans, mein weiß-schwarzes Minikleid, welches auch gut als längerer Pullover taugt, meine schwarzen Pumps und meinen schwaren Trenchcoat.


Als ich den ersten Schritt zur Tür hinaus setzte, war es als hätte jemand den Schalter umgelegt. Tatata Vorhang auf, die Show beginnt...da war sie nun Viktoria. In dem Moment passte einfach alles. Die fast zwei Monate gut gehütete andere Seite durfte hinaus. Ich fühlte mich in dem Moment einfach rund um wohl, es hat einfach alles gepasst. Ich fuhr also mit dem Aufzug nach unten, trat auf die Straße raus und ging zu meinem Auto. Danach fuhr ich nach Essen.

Im Parkhaus tauschte ich meine "Männerschuhe" - Autofahren mit High Heels mach ich nicht - gegen meine Stiefel mit 10cm Absatz. Die wollte ich sowieso schon lange mal in der Öffentlichkeit tragen. Leider war es nun schon 17 Uhr, sodass nicht mehr viel Zeit zum Einkaufen verbleiben würde, da ich schon um 19.30 Uhr in Duisburg in der Oper sein musste.

Vom Parkhaus aus ging es in die Stadt. Und auch hier musste ich festellen, dass die Menschen die an mir vorbei liefen, mich zwar wahrnahmen, aber sich nicht weiter um mich sich kümmerten geschweige denn erkannten, dass ich quasi nicht "echt" bin. Dieses Gefühl tat echt gut. :)

Für den Tag habeich mir zur Aufgabe gestellt, eine neue Handtasche zu kaufen und einen schönen Rock (etwas anderes als schwarz) zu finden. Zudem hatte ich ein oder zwei Ringe zu kaufen. ... nimmt dieses Vorhaben als Massstab, dann habe ich jämerlich versagt, denn ich habe absolut nichts gekauft. Ich bin zwar durch einige Geschäfte, aber ich habe nichts gefunden was mir gefällt. Die Ringe bei Bijou Brigitte waren mir leider alle zu klein.

Um 18 Uhr hieß es daher schnell zurück zum Auto um in die Abendgarderobe zu schlüpfen.Ich hatte vor, dass gleiche Kleid (Bild 4 - weiter oben) zu tragen. Ich fand dann einen Ort zum Umziehen und schlüpfte in das Abendkleid. Im Auto zog ich dann die Stiefel aus und tauschte sie wieder wegen dem Fahren gegen die anderen Treter.

Gegen 18.45 Uhr traf ich dann an der Oper in Duisburg ein. Leider gab es weit und breit keinen Parkplatz mehr. Die Parkhäuser in der Innenstadt waren alle voll. Nach etwa 20 Minuten kurven fand ich dann einen Parkplatz. Hier hab sich schnell noch die Perücke getauscht und mir zwei Nägel, die sich gelöst haben, neu angeklebt. Dann gings los Richtung Opernhaus.

Als ich das Foyer betrat wurde mir auch gleich die Richtung zu meinem Platz gewiesen. Durchs Treppenhaus gings nach oben zu den Rängen. Dort habe ich dann auch meine Jacke abgegeben und gewartet, bis man hinein konnte. Auch hier scheinen mich alle für eine echte Frau gehalten zu haben.

Gespielt wurde in Duisburg "Rheingold" von Richard Wagner. Das Stück war modern, aber sehr schön inzeniert. Leider war es viel zu schnell vorbei. Dann hieß es auch schon den Rückweg antreten. Zu gern hätte ich gern noch etwas gemacht, aber allein ist halt doof...also wer sich angesprochen fühlen sollte, ich bin gern für Unternehmungen zu haben :)

Mit meiner Frau war abgesprochen, dass ich sie informieren sollte, wenn ich komme, da sie mich nicht enfemme sehen wollte. Zuhause also ins Bad, abschmicken, duschen, aufräumen und schon war der schöne Zauber vorbei.

Was bleibt: Ein kurzer, aber toller Tag. Leider hat die Zeit zum Shoppen nicht gereicht. Eine Stunde war einfach zu knapp. Zudem müssen meine Stiefel zum Schuster, da ein Absatz abgegangen ist. Ein längerer Shoppingausflug war damit ohnehin nicht mehr möglich. Dennoch: Alles schreit nach Widerholung. Wann und was weiß ich noch nicht. Mal sehen das werd ich demnächst entscheiden. :)

Liebe Grüße
Viktoria
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YvonneTV
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 17 im Thema

Beitrag von YvonneTV » Mo 18. Dez 2017, 22:30

Hallo Viktoria (moin)

danke für Deinen schönen Bericht - ich sehe auf dem Pic einfach eine suuuuper schöne Frau !!! (ap)
Ich denke Du musst Dir da mal gar keine Sorgen machen, dass jemand komisch schaut (wenn Du Dich auch weiblich bewegst).
Positive Blicke überraschen mich mal allerdings gar nicht mit dem Look :D
Ganz liebe Grüsse - Yvi

Simone 65
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 18 im Thema

Beitrag von Simone 65 » Di 19. Dez 2017, 08:07

Hallo Viktoria. Wirklich schöne Bilder und auch schöne Berichte .
Ich habe etwas in deinem ersten Bericht gelesen. Rückblickend bist du traurig nicht 10 Jahre früher all das gemacht zu haben . Viktoria hätte eine Jugend gehabt . Bitte lass diese Gedanken nicht zu . Lebe Dich jetzt aus und geniesse.
Diese Gedanken ,, Warum nicht früher ?" haben hier wohl viele .
Und noch ein Wort zum Theaterbesuch , ich mache das auch , war erst vor zwei Wochen im Stück ,, Cabarrett " und vor 4 Wochen in ,, Spatz und Engel " in Frankfurt. Ich fühle mich dann ganz als Frau , als ein Mensch von Vielen, ich gehöre dazu.
Ich wünsche Dir noch viele schöne Ausflüge und auch Theaterbesuche als Viktoria.
Liebe Grüße Simone
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .

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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 19 im Thema

Beitrag von Nina_68 » Di 19. Dez 2017, 08:50

Hallo Viktoria,

das sieht Bombe aus. Das macht Lust auch mal zum Profi zu gehen.

LG Nina

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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 20 im Thema

Beitrag von Viktoria-TV » Mo 22. Jan 2018, 21:54

Hallo,

juhe...ich bin grad total glücklich, denn am Freitag Abend war Viktoria mal wieder aus. Davon möchte ich euch natürlich auch wieder berichten :)

Ich glaube, der Thread hier entwickelt sich nun langsam in Richtung Ausgehtagebuch: Auch wenn der ursprüngliche Titel damit nicht mehr stimmt, nutze ich diesen Thread weiter, weil ich dann a) alles gesammelt hab b) euch nicht mit verstreuten Threads nerve und c) wegen dem Ruf nach Freiheit, dem ich immer wieder nachgebe ;)


So nun zum Ausflug:

Zu Weihnachten hab ich von meinen Lieben eine Karte für L´âme Immortelle in Oberhausen geschenkt bekommen. Schon kurz nach Weihnachten beschloss ich, dass Viktoria gern tanzen gehen möchte. Da niemand aus meinem Freundeskreis mit wollte, war das die perfekte Gelegenheit für einen Ausflug "en femme".

Soweit zu vorhaben: Die Umsetzung gestaltete sich etwas schwieriger, denn a) hatte Frau "nichts" zum anziehen, b) stellte sich die Frage nachdem Make up.

Problem A war durch Shopping leicht zu beheben: Ich bestellte mir im Internet ein schwarzes Spitzentop und einen Rock im viktorianischen Stil. Einen solchen hab ich schon immer schick gefunden ;)

Etwas Schmuck kaufte ich ein paar Tage vorher noch bei Tedi. Der Rest konnte durch vorhandene Bestände ergänzt werden....by the way: Ich verstehe immer mehr warum Frauen so gern einkaufen gehen. Schließlich macht mir das auch Spaß ;)

Problem B hingegen war etwas schwieriger: Da an dem Tag aus familiären Gründen keine Zeit war einen Profi zu besuchen und dies auch wegen den Kosten nicht in Frage kam, entschloss ich mich selbst zu schminken. Zwar glaube ich, dass ich das schon recht gut kann, aber seitdem ich bei dem Fotoshooting im Oktober einige Tipps vom Profi erhalten hatte, hatte ich nicht mehr die Gelegenheit diese zu üben. Erschwerend kam hinzu, dass ich noch nie ein Gothic Make Up versucht hatte. Da ich in dieser Frage sehr perfektionistisch bin, hatte ich also einige Bedenken, ob ich das so umsetzen kann, wie ich mir das vorstellte.

Hinzu kam das Problem, wo ich mich schminken sollte. Meine Frau will das nicht sehen und mein Kind sollte das natürlich auch nicht sehen...die Wohnung schied damit aus. Schminken im Auto war auch nicht möglich, da dort abends zumindest das Licht zu schlecht ist. Das Problem habe ich durch Keller aufräumen gelöst. Ich hab mir da eine Art Schminkecke eingerichtet.

Da ich am 18.1.frei hatte, wollte ich an dem Tag, wenn Frau arbeiten und Kind im Kindergarten ist, die Zeit für eine "Generalprobe" nutzen und all die neuen Schmicktechniken ausprobieren, die mir Kami empfohlen hat. Ich hatte grad die Foundation drauf und mit dem Contouring begonnen, als das Telefon klingelte. Meine Frau, sie weiß natürlich von allem, rief an und teilte mir mit, dass ich doch bitte unseren Sohn aus dem Kindergarten abholen möge, da alle Kinder wegen dem Orkan Friedericke nach Hause müssten. Ok...also hab ich alles wieder runter gemacht. :(

Am nächsten Tag hatte ich glücklicherweise auch frei. Nachdem ich allein war, konnte die "Generalprobe" starten. Mit Stoppuhr bewaffnet, legte ich los, trug Schicht für Schicht auf, gestaltete die Augen und probierte verschiedene Perücken. Ich entschied mich dann für die dunkelblond gelockte. Nach etwa 2 Stunden saß dann alles.



Dann musste erstmal alles runter, da ich noch Dinge als Mann zu erledigen hatte. Nachdem meine Frau von Arbeit gekommen war, hatten wir noch ein kurzes Gespräch. Ich a) überhaupt keine Lust dann auf ein Konzert zu gehen, denn ich war hundemüde. b) hatte ich keine Lust den ganzen Aufwand noch mal zu treiben. c) meine Frau, dass Sie es ich nicht vorstellen könne, dass man nicht als Mann erkannt wird. Sie befürchtete, dass mich jemand erkennen könne. Da keiner von unseren Freunden Lust hatte mitzukommen, war ich ganz sicher, dass mich niemand erkennen würde. Meine Frau überließ es mir, ob ich einen Abend enfemme möchte oder so gehen soll. Sie drängte mich auch nicht in eine Richtung, und dass obwohl sie es natürlich am liebsten gesehen hätte, wenn ich als Mann rausgehen würde.

Ich entschied mich dann doch für einen Abend enfemme...ich wusste wenn ich jetzt feige wäre oder wegen mangelnder Lust kneifen würde, dann würde ich es spätestens morgen bereuen...letztlich war dies auch die richtige Entscheidung, denn Viktoria hatte einen schönen Abend :)

Ich ging also in den Keller an meine improvisierte Schminkecke und legte los. 2 Stunden später war ich fertig. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden: Das Contouring sah gut aus, die Lippen waren perfekt (es war quasi das erste mal, dass ich Lippen mit dem Pinsel optisch vergrößerte) lediglich die Augenpartie (weißer Kayal und schwarzer Kayal) waren etwas unsauber. Der Lidstrich war nicht perfekt aber gut, die Smokey eyes waren auch in Ordnung...im großen und ganzen konnte sich Viktoria also so sehen lassen.

Da es schon dunkel war, ging ich durch den Keller ins Auto. Im Auto kam dann noch die Perücke drauf und der Rock an. So ging’s also los Richtung Oberhausen. Nach der Parkplatzsuche wechselte ich noch meine männlichen Autofahrerschuhe in meine Stiefel mit 10cm Absatz.

Als ich aus dem Auto ausstieg, merkte ich quasi, wie im Kopf der Schalter umgelegt wurde: Im Vorfeld hatte ich mir so viel Gedanken gemacht, wegen der Warteschlage und dem Securitycheck am Veranstaltungsort. "Während des Warten wirst du doch sicherlich als Mann (nicht als Person) erkannt und du kannst nicht flüchten", sagte die Stimme im Kopf immer wieder. Als ich das Auto verließ, waren diese Sorgen wie weggeblasen. Ja Viktoria war jetzt am Steuer und sie hielt direkt auf den Eingang zu. Da es schon etwasspäter war und zumindest eine Vorband schon angefangen hatte, gab es auch keine Schlange mehr. Es gab auch keinen Securitycheck, sodass ich meine Karte vorzeigte und einfach rein bin.

Da es ganz schön voll war, blieb ich etwas weiter hinten stehen und schaute mir die erste Band an. Nebenbei beobachtete ich die Leute an den Tischen um mich rum. Die sprachen ganz normal miteinander oder hörten zu. Jedenfalls hatte ich nicht den Eindruck, dass mich jemand als Mann identifiziert hätte. Ich konnte jedenfalls keine Reaktion nach dem Motto registrieren: "Eh guck ma, da drüben steht ne Transe". Das bestärkte mich in meinem Auftritt.

Nachdem die erste Band vorbei war, erkannte ich etwas weiter vorn eine Arbeitskollegin. Gott sei dank war ich nach der ersten halben Stunde innerlich so gefestigt, dass ich nicht schreiend weglief. Meine Arbeitskollegin war mit einer Gruppe da. Sie standen etwa 2m entfernt von mir an der Bar. Später änderten Sie Ihre Position und Sie stand direkt hinter bzw. seitlich von mir in etwa einen Meter Abstand. Ich hab sie zwar noch nicht wieder gesehen, aber ich bin mir sicher sie hat mich nicht erkannt.;)

Später nutzte ich einen Ausflug zur Toilette um mir einen anderen Platz zu suchen. Die Band versus spielte als zweites. Bei einem Lied riefen sie zur Toleranz für LBGT-Menschen auf und hissten eine Regenbogenfahne. Ich fand das ein tolles und freute mich innerlich.

Die Hauptband, wegen der ich eigentlich da war, war auch super. Nach drei Stunden stehen, begannen mir auch die Füße in meinen Stiefeln weh zu tun und ich hatte Durst. Dummerweise hab ich mich wieder nicht getraut etwas zu bestellen oder mit jemanden zu sprechen, denn an der Stimme würde man ja erkennen, dass ich nicht "echt" bin. Halb eins war Schluss. Da ich am nächsten Tag arbeiten musste, hieß es nun leider gehen. Auf die eine Art war schön, denn endlich bekamen die Füße etwas Bewegung, auf der anderen Seite nicht, denn ich wäre gern noch geblieben.

Am Ausgang gab es wie immer Gedränge, da man am Ausgang seine Getränke zahlen musste. Es hat etwa 15 Minuten gedauert, bis ich raus war. Auch während dieser Zeit auf engem Raum hatte ich nicht den Eindruck, dass ich "enttarnt" worden wäre. Insofern lief Abend perfekt :)


Fazit:

1. Alles in allem scheint es, dass ich wohl als Frau durchgegangen bin und niemand erkannt zu haben scheint, dass ich nicht "echt" bin. Nur einmal hab ich mit bekommen, dass über mich gesprochen wurde: soweit ich das wahrgenommen habe ging es aber um meine Stiefel, eine Frau, die mit Ihrem Mann/Freund etwa 2m an der Bar stand, hat auf meine Stiefel gezeigt. So wie ich das wahrgenommen habe, hat sie ihm wohl gesagt, dass sie schick seien. Die Situation erledigte sich auch ganz schnell, danach wurde ich von denen nicht mehr beachtet. Auch hier hatte ich nicht den Eindruck, dass ich erkannt worden wäre.

2. Make Up üben: mein Perfektionismus sagt mir, dass das Augenmakup verbessert werden kann. Vor allem der Kayal die Smokeyes sowie die Abdeckung der Augenbrauen. Hier hilft nur üben üben üben...Objektiv gesehen war das gut und ausreichend, aber ich bin sicher das geht besser ;)

3. Mein Eyeliner muss ersetzt werden: Das mag jetzt banal klingen. Bisher hab ich nur zugekauft und musste noch nie was ersetzen. Das wird das erste werden, was ersetzt werden muss.

4. Bilder....hmm... die Kamera meine Telefons ist definitiv mist. Hier muss ich mal überlegen, was man machen kann. Die Bilder sind pixelig und verwackeln leicht. Mehr als unscharfe Selfis im Spiegel sind nicht drin. Natürlich hätte ich gern ein paar bessere Fotos.

5. Beleuchtung im Keller ändern: Zwar war es hell genug zum Schmicken, aber insgesamt zudunkel oder das Licht war im falschen Winkel platziert. Insgesamt war es sehr anstrengend bei den Lichtverhältnissen ein akzeptables Ergebnis zu erzielen.

6. Wiederholung dringend geboten ... es war definitiv die richtige Entscheidung den geplanten Ausflug durchzuziehen, auch wenn ich nicht wirklich getanzt habe. Das kann ich schon als Mann nicht. Jedenfalls möchte ich das unbedingt widerholen :)

edit: oben ein Bild von unterwegs, unten von der Probe
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 21 im Thema

Beitrag von Kerstin » Di 23. Jan 2018, 00:13


Simone 65
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 22 im Thema

Beitrag von Simone 65 » Di 23. Jan 2018, 00:17

Hallo Viktoria. Schön von Dir zu lesen . Wenn ich so lese , habe ich den Verdacht , es wird immer mehr ( wird es zur Sucht ? ). Make Up üben , ja das wird nie enden . Es gibt immer was neues . Und dann zu einem Anlass Schminken, das kann ich auch noch nicht .
Schön das Du mehr machst , als nur um den Block . Es doch schön von anderen Menschen bewundert zu werden .
Tanzen als Mädchen , ich schreibe bewusst Mädchen . Denn es so schön zu tanzen . Im MM tanze ich nicht . Ich wurde letztens von einem Mann zum Tanzen geführt . Das war schön geführt werden .
Wenn Du weiter rausgehst, wirst Du viele schöne Sachen erleben . Und je öfters Du das machst , kommt eine Lockerheit .
Viel Spass , liebe Grüße Simone.
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 23 im Thema

Beitrag von Viktoria-TV » Di 23. Jan 2018, 22:14

@ Kerstin
vielen Dank für die Links. Meine Frau hat irgendwo ne Canon Kamera rum liegen. Die werd ich mal reaktivien und mals schauen was rauskommt

@Simone
ja es ist eine Sucht *lach* jedes Mal wenn ich von einem Ausflug zurück komme, bin ich die nächsten Tage so in Hochstimmung, dass ich am liebsten gleich wieder los würde :D Ich bin dann immer auch besessen und überlege mir die nächsten Tage was ich als nächstes machen könnte...im Moment schau ich grad wann mal wieder ne Band spielt die mich interessiert ;)
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 24 im Thema

Beitrag von Viktoria-TV » Di 6. Feb 2018, 10:16

Nachtrag:

Hier noch ein Foto vom letzten Ausflug. Anfangs wollte ich es nicht hochladen, da es mirnicht gefallen hat. Inzwischen finde ich es nicht schlecht, auch wenn es kein Meisterwerk ist.
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 25 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Di 6. Feb 2018, 17:37

Danke für die tollen Schilderungen und tollen Bilder!
Da kann man sich direkt was anschauen an Schminktechnik

Vlg
Lorelai
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 26 im Thema

Beitrag von Viktoria-TV » Mo 19. Feb 2018, 21:44

Hallo,

am Samstag war wieder Mädchentag. Diesmal hatte ich mir vorgenommen, in Essen shoppen zu gehen. Abends sollte es dann in die Oper gehen.

Nach dem ich mich zurechtgemacht hatte, bin ich nach Essen gefahren. Diesmal war es eine besonderer Ausflug. Zum ersten Mal war es ein Ausflug bei Tageslicht - die anderen waren in den frühen Abendstunden, da war es bereits dunkel - und diesmal hatte ich keinen Vigasisten gebucht. Also musste ich mich um alles selbst kümmern.

In Essen ging es dann in der Innenstadt shoppen. Ziel war hier das hiesige Primark, welches viel Make Up für kleines Geld bieten sollte. Gekauft hab ich am Ende einen Lippenstift, Nagelkleber und Nagellackentferner. Letzter war ein Fehlgriff, eigentlich wollte ich einen Remover für Nagelkleber. Ferner braucht Frau auch neue Handtasche.

Nun stand da Frau im Einkaufsparadies...hier das Primark nebenan Deichmann, H&M,C&A, kleinere Läden und soviel Auswahl....Gedanken schossen mir durch den Kopf:

Folgender Dialog könnte sich in etwa so abgespielt haben (arg) ;)

Weibliche Hirnhälfte: "Passt die Handtasche nun besser zu dem oder zudem Outfit?"
Männliche Hirnhälfte: "Kauf eine die zu allen passt....am besten unifarben schwarz, ist billiger"
Vernunft: "Ätsch...Männliche Hälfte hat recht"

Weibliche Hirnhälfte: "Es gibt so schöne Schuhe"
Männliche Hirnhälfte: "Du hast ein paar Pumps und ein paar Stiefel...die passen fast überall dazu. Zu diesen Schuhen hast du gar nix was passt"
Vernunft: "Ätsch...Männliche Hälfte hat recht"

Weibliche Hirnhälfte: "Du könntest noch Schmuck gebrauchen"
Männliche Hirnhälfte: "Ja stimmt, kauf aber nur was dir gefällt...das Internet gibt’s auch noch...es wäre schade, wenn du was kaufst, was dir gar nicht richtig gefällt"
Vernunft: "Ätsch...Männliche Hälfte hat recht"

Weibliche Hirnhälfte: "Der Lederrock ist aber schön"
Männliche Hirnhälfte: "Ja stimmt, könnte dann aber mit deinen hohen Schuhen zu nuttig aussehen"
Vernunft: "Ätsch...Männliche Hälfte hat recht"

Es war einfach nur zum Schreien, die totale Überforderung....und immer wieder siegte die männliche Hirnhälfte.

Nach fast drei Stunden bummeln, taten mir zwar die Füße weh, aber es kam nicht viel rum. Insgesamt war es allerdings eine schöne Erfahrung. Der ein oder andere hat zwar gerätselt ob ich ein Mann/Transe bin, aber es war mir egal. Zwei junge Frauen haben den Stimmtest gemacht und gegrüßt. Den Gefallen hab ich Ihnen natürlich getan. Negative Reaktionen gab es wie bisher auch keine.

Dann ging es zurück ins Auto um mich für Teil zwei vorzubereiten. Also hab ich die Rock und Oberteil gegen mein Opernkleid getauscht. Eigentlich wollte ich auch noch die Strümpfe wechseln, aber ich bin mit den künstlichen Fingernägeln nicht klargekommen. Also hab ich die Schwarzen angelassen.

In der Oper war auch eine Premiere geplant. Bei meinen bisherigen Ausflügen habe ich meistens Plätze am Rand gebucht. Meist jene wo der Nachbarsitz nicht vergeben war. Diesmal habe ich einen Platz mitten drin gebucht. Die älteren Herrschaften um mich rum haben mich auch nicht sonderlich beachtet.


Nach der Oper wollte ich eigentlich noch einen Club in Mülheim tanzen gehen. Diesen Plan verwarf ich kurzfristig, da mir meine Füße wehtaten und ich garantiert nicht noch weitere zwei drei Stunden auf 10cm Absätzen aushalten würde. Also bin ich nach hause gefahren. Vollkommen erledigt und glücklich über den erfolgreichen Mädchentag, fiel ich, nachdem ich mich abgeschminkt hatte, ins Bett. Schlafen konnte ich jedoch nicht sofort, dafür waren die Eindrücke des Tages zu stark.

LG
Viktoria
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 27 im Thema

Beitrag von Gaby Bergmann » Mo 19. Feb 2018, 22:41

Hallo Viktoria,

schöner Bericht, danke. So Mädchentage sind was tolles, oder? (ap)

Zu dem Shopping kann ich Dich beruhigen. Früher hat mein Boyfriend auch immer gesagt, kauf was nicht so teures, und nimm was, das zu allem passt. Das legt sich aber mit der Zeit, irgendwann wirst Du Dich gegen ihn durchsetzen.
Dann läuft das so: die Tasche ist aber sooo schön, ich will sie haben. - Aber Du hast doch gar nichts, was dazu passt. - Ich will sie aber trotzdem, unbedingt. - Na gut, dann nimm halt mein Portemonnaie und kauf sie Dir, wenn Du dann glücklich bist. (ki)

Und beim nächsten Mal: ich hab da ja so eine Tasche, und gar nichts passendes dazu... - Na gut, dann nimm mal mein Portemonnaie und... (he)

So läuft das "bei uns" mittlerweile auch. Und ich bin sehr zufrieden damit.

Liebe Grüsse,
die Gaby. (moin)

PS. schönes Outfit. (888)
* ich mach' ein glückliches Mädchen aus mir *

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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 28 im Thema

Beitrag von Simone 65 » Mo 19. Feb 2018, 23:35

Victoria . Ein schöner Bericht . Kennst du das , es glitzert KAUF ICH .
In einer Oper war ich noch nicht . Muss ich , will ich . Aber nur mit einem schönen Kleid .
Deine Füsse taten weh . Zum Tanzen , da tun mir die Füsse nie weh . Ich habe immer Schmerztabletten dabei . 😕 Habe ich aber noch nicht gebraucht.
Ich wünsche Dir noch viele schöne Ausflüge.
Über mein ganz tolles Wochenende will ich noch schreiben.
Liebe Grüße Simone.
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .

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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 29 im Thema

Beitrag von Satinxsilk » Mo 19. Feb 2018, 23:58

Viktoria-TV hat geschrieben:
Mo 22. Jan 2018, 21:54
Hallo,

juhe...ich bin grad total glücklich, denn am Freitag Abend war Viktoria mal wieder aus. Davon möchte ich euch natürlich auch wieder berichten :)

Ich glaube, der Thread hier entwickelt sich nun langsam in Richtung Ausgehtagebuch: Auch wenn der ursprüngliche Titel damit nicht mehr stimmt, nutze ich diesen Thread weiter, weil ich dann a) alles gesammelt hab b) euch nicht mit verstreuten Threads nerve und c) wegen dem Ruf nach Freiheit, dem ich immer wieder nachgebe ;)


So nun zum Ausflug:

Zu Weihnachten hab ich von meinen Lieben eine Karte für L´âme Immortelle in Oberhausen geschenkt bekommen. Schon kurz nach Weihnachten beschloss ich, dass Viktoria gern tanzen gehen möchte. Da niemand aus meinem Freundeskreis mit wollte, war das die perfekte Gelegenheit für einen Ausflug "en femme".

Soweit zu vorhaben: Die Umsetzung gestaltete sich etwas schwieriger, denn a) hatte Frau "nichts" zum anziehen, b) stellte sich die Frage nachdem Make up.

Problem A war durch Shopping leicht zu beheben: Ich bestellte mir im Internet ein schwarzes Spitzentop und einen Rock im viktorianischen Stil. Einen solchen hab ich schon immer schick gefunden ;)

Etwas Schmuck kaufte ich ein paar Tage vorher noch bei Tedi. Der Rest konnte durch vorhandene Bestände ergänzt werden....by the way: Ich verstehe immer mehr warum Frauen so gern einkaufen gehen. Schließlich macht mir das auch Spaß ;)

Problem B hingegen war etwas schwieriger: Da an dem Tag aus familiären Gründen keine Zeit war einen Profi zu besuchen und dies auch wegen den Kosten nicht in Frage kam, entschloss ich mich selbst zu schminken. Zwar glaube ich, dass ich das schon recht gut kann, aber seitdem ich bei dem Fotoshooting im Oktober einige Tipps vom Profi erhalten hatte, hatte ich nicht mehr die Gelegenheit diese zu üben. Erschwerend kam hinzu, dass ich noch nie ein Gothic Make Up versucht hatte. Da ich in dieser Frage sehr perfektionistisch bin, hatte ich also einige Bedenken, ob ich das so umsetzen kann, wie ich mir das vorstellte.

Hinzu kam das Problem, wo ich mich schminken sollte. Meine Frau will das nicht sehen und mein Kind sollte das natürlich auch nicht sehen...die Wohnung schied damit aus. Schminken im Auto war auch nicht möglich, da dort abends zumindest das Licht zu schlecht ist. Das Problem habe ich durch Keller aufräumen gelöst. Ich hab mir da eine Art Schminkecke eingerichtet.

Da ich am 18.1.frei hatte, wollte ich an dem Tag, wenn Frau arbeiten und Kind im Kindergarten ist, die Zeit für eine "Generalprobe" nutzen und all die neuen Schmicktechniken ausprobieren, die mir Kami empfohlen hat. Ich hatte grad die Foundation drauf und mit dem Contouring begonnen, als das Telefon klingelte. Meine Frau, sie weiß natürlich von allem, rief an und teilte mir mit, dass ich doch bitte unseren Sohn aus dem Kindergarten abholen möge, da alle Kinder wegen dem Orkan Friedericke nach Hause müssten. Ok...also hab ich alles wieder runter gemacht. :(

Am nächsten Tag hatte ich glücklicherweise auch frei. Nachdem ich allein war, konnte die "Generalprobe" starten. Mit Stoppuhr bewaffnet, legte ich los, trug Schicht für Schicht auf, gestaltete die Augen und probierte verschiedene Perücken. Ich entschied mich dann für die dunkelblond gelockte. Nach etwa 2 Stunden saß dann alles.



Dann musste erstmal alles runter, da ich noch Dinge als Mann zu erledigen hatte. Nachdem meine Frau von Arbeit gekommen war, hatten wir noch ein kurzes Gespräch. Ich a) überhaupt keine Lust dann auf ein Konzert zu gehen, denn ich war hundemüde. b) hatte ich keine Lust den ganzen Aufwand noch mal zu treiben. c) meine Frau, dass Sie es ich nicht vorstellen könne, dass man nicht als Mann erkannt wird. Sie befürchtete, dass mich jemand erkennen könne. Da keiner von unseren Freunden Lust hatte mitzukommen, war ich ganz sicher, dass mich niemand erkennen würde. Meine Frau überließ es mir, ob ich einen Abend enfemme möchte oder so gehen soll. Sie drängte mich auch nicht in eine Richtung, und dass obwohl sie es natürlich am liebsten gesehen hätte, wenn ich als Mann rausgehen würde.

Ich entschied mich dann doch für einen Abend enfemme...ich wusste wenn ich jetzt feige wäre oder wegen mangelnder Lust kneifen würde, dann würde ich es spätestens morgen bereuen...letztlich war dies auch die richtige Entscheidung, denn Viktoria hatte einen schönen Abend :)

Ich ging also in den Keller an meine improvisierte Schminkecke und legte los. 2 Stunden später war ich fertig. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden: Das Contouring sah gut aus, die Lippen waren perfekt (es war quasi das erste mal, dass ich Lippen mit dem Pinsel optisch vergrößerte) lediglich die Augenpartie (weißer Kayal und schwarzer Kayal) waren etwas unsauber. Der Lidstrich war nicht perfekt aber gut, die Smokey eyes waren auch in Ordnung...im großen und ganzen konnte sich Viktoria also so sehen lassen.

Da es schon dunkel war, ging ich durch den Keller ins Auto. Im Auto kam dann noch die Perücke drauf und der Rock an. So ging’s also los Richtung Oberhausen. Nach der Parkplatzsuche wechselte ich noch meine männlichen Autofahrerschuhe in meine Stiefel mit 10cm Absatz.

Als ich aus dem Auto ausstieg, merkte ich quasi, wie im Kopf der Schalter umgelegt wurde: Im Vorfeld hatte ich mir so viel Gedanken gemacht, wegen der Warteschlage und dem Securitycheck am Veranstaltungsort. "Während des Warten wirst du doch sicherlich als Mann (nicht als Person) erkannt und du kannst nicht flüchten", sagte die Stimme im Kopf immer wieder. Als ich das Auto verließ, waren diese Sorgen wie weggeblasen. Ja Viktoria war jetzt am Steuer und sie hielt direkt auf den Eingang zu. Da es schon etwasspäter war und zumindest eine Vorband schon angefangen hatte, gab es auch keine Schlange mehr. Es gab auch keinen Securitycheck, sodass ich meine Karte vorzeigte und einfach rein bin.

Da es ganz schön voll war, blieb ich etwas weiter hinten stehen und schaute mir die erste Band an. Nebenbei beobachtete ich die Leute an den Tischen um mich rum. Die sprachen ganz normal miteinander oder hörten zu. Jedenfalls hatte ich nicht den Eindruck, dass mich jemand als Mann identifiziert hätte. Ich konnte jedenfalls keine Reaktion nach dem Motto registrieren: "Eh guck ma, da drüben steht ne Transe". Das bestärkte mich in meinem Auftritt.

Nachdem die erste Band vorbei war, erkannte ich etwas weiter vorn eine Arbeitskollegin. Gott sei dank war ich nach der ersten halben Stunde innerlich so gefestigt, dass ich nicht schreiend weglief. Meine Arbeitskollegin war mit einer Gruppe da. Sie standen etwa 2m entfernt von mir an der Bar. Später änderten Sie Ihre Position und Sie stand direkt hinter bzw. seitlich von mir in etwa einen Meter Abstand. Ich hab sie zwar noch nicht wieder gesehen, aber ich bin mir sicher sie hat mich nicht erkannt.;)

Später nutzte ich einen Ausflug zur Toilette um mir einen anderen Platz zu suchen. Die Band versus spielte als zweites. Bei einem Lied riefen sie zur Toleranz für LBGT-Menschen auf und hissten eine Regenbogenfahne. Ich fand das ein tolles und freute mich innerlich.

Die Hauptband, wegen der ich eigentlich da war, war auch super. Nach drei Stunden stehen, begannen mir auch die Füße in meinen Stiefeln weh zu tun und ich hatte Durst. Dummerweise hab ich mich wieder nicht getraut etwas zu bestellen oder mit jemanden zu sprechen, denn an der Stimme würde man ja erkennen, dass ich nicht "echt" bin. Halb eins war Schluss. Da ich am nächsten Tag arbeiten musste, hieß es nun leider gehen. Auf die eine Art war schön, denn endlich bekamen die Füße etwas Bewegung, auf der anderen Seite nicht, denn ich wäre gern noch geblieben.

Am Ausgang gab es wie immer Gedränge, da man am Ausgang seine Getränke zahlen musste. Es hat etwa 15 Minuten gedauert, bis ich raus war. Auch während dieser Zeit auf engem Raum hatte ich nicht den Eindruck, dass ich "enttarnt" worden wäre. Insofern lief Abend perfekt :)


Fazit:

1. Alles in allem scheint es, dass ich wohl als Frau durchgegangen bin und niemand erkannt zu haben scheint, dass ich nicht "echt" bin. Nur einmal hab ich mit bekommen, dass über mich gesprochen wurde: soweit ich das wahrgenommen habe ging es aber um meine Stiefel, eine Frau, die mit Ihrem Mann/Freund etwa 2m an der Bar stand, hat auf meine Stiefel gezeigt. So wie ich das wahrgenommen habe, hat sie ihm wohl gesagt, dass sie schick seien. Die Situation erledigte sich auch ganz schnell, danach wurde ich von denen nicht mehr beachtet. Auch hier hatte ich nicht den Eindruck, dass ich erkannt worden wäre.

2. Make Up üben: mein Perfektionismus sagt mir, dass das Augenmakup verbessert werden kann. Vor allem der Kayal die Smokeyes sowie die Abdeckung der Augenbrauen. Hier hilft nur üben üben üben...Objektiv gesehen war das gut und ausreichend, aber ich bin sicher das geht besser ;)

3. Mein Eyeliner muss ersetzt werden: Das mag jetzt banal klingen. Bisher hab ich nur zugekauft und musste noch nie was ersetzen. Das wird das erste werden, was ersetzt werden muss.

4. Bilder....hmm... die Kamera meine Telefons ist definitiv mist. Hier muss ich mal überlegen, was man machen kann. Die Bilder sind pixelig und verwackeln leicht. Mehr als unscharfe Selfis im Spiegel sind nicht drin. Natürlich hätte ich gern ein paar bessere Fotos.

5. Beleuchtung im Keller ändern: Zwar war es hell genug zum Schmicken, aber insgesamt zudunkel oder das Licht war im falschen Winkel platziert. Insgesamt war es sehr anstrengend bei den Lichtverhältnissen ein akzeptables Ergebnis zu erzielen.

6. Wiederholung dringend geboten ... es war definitiv die richtige Entscheidung den geplanten Ausflug durchzuziehen, auch wenn ich nicht wirklich getanzt habe. Das kann ich schon als Mann nicht. Jedenfalls möchte ich das unbedingt widerholen :)

edit: oben ein Bild von unterwegs, unten von der Probe


Hallo Viktoria
Ich bin selbst in der Gothic Szene heimisch und zuerst einmal lame immortel ich wäre sofort mit gegangen. ^^ Dein Outfit und die ganze Erscheinung sind sehr weiblich aber selbst wenn dich jemand als Mann erkannt haben sollte wäre es egal. Bei uns in der Szene heißt es doch soll jeder das anziehen und machen womit er sich wohlfühlt. Freut mich das du einen schönen Abend dort verbracht hast.

Tatjana_59
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Re: Fotoshooting, Theaterbesuch und der Ruf der Freiheit

Post 30 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Di 20. Feb 2018, 07:19

Hallo Satinxsilk,

ich komme gewissermaßen ja auch aus der Gothicszene.
Ich bin mir sicher ohne die Szene hätte ich meinen Weg nie beginnen können. Die Toleranz und Akzeptanz ist dort größer wie in allen anderen mir bekannten Bereichen.

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Hallo Victoria,

ich habe jetzt erst deinen ganzen Thread gelesen.
Ich freue mich richtig für dich und mit dir.
Du scheint angekommen zu sein. Genieße jeden Tag Freiheit, es ist so schön.
Gratulation auch zu deinen Bildern, du siehst toll aus.

LG Tatjana

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