Valeries Welt
Valeries Welt - # 36

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Dwt-Lilo-SL
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Re: Valeries Welt

Post 526 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL » Mi 30. Jan 2019, 12:05

Hallo Mädels, Hallo Valerie,
es lebe die Vielfalt und die Toleranz,
Danke Valerie für die Fortsetzung der Geschichte lass dir Zeit
habe nächste Woche Urlaub und kann dann erst in KW 7 weiterlesen.
Wünsche dir noch eine Schaffens-zeit und viel Spaß im Ländl !
lg LILO-GINA
Seufzer gleiten die Seiten des Herbstes entlang,
Treffen mein Herz mit einem Schmerz dumpf und bang

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 527 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mi 30. Jan 2019, 16:44

Hallo Lilo,
Dir einen ganz schönen Urlaub und wir schreiben uns in der Woche 7 dann weiter, wenn du wieder online bist. Für die anderen geht es im normalen Rhythmus weiter mit Valeries Welt, also eine oder zwei Episoden pro Woche, ist das ok? Du kannst dann ja nachlesen.

Lieben Gruß, Valerie

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 528 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Fr 1. Feb 2019, 18:10

Hallo liebe Leser,
Die neue Episode (Kapitel 29) wird jetzt noch korrekturgelesen und geht danach online, hier in diesem Theater.

L.G. Valerie

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Re: Valeries Welt

Post 529 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Sa 2. Feb 2019, 10:39

Teil 2, Kapitel 29

In dieser Episode reden wir ein wenig über Valeries Sexleben, das heißt wir versuchen ein bisschen tiefer einzutauchen in dieses komplexe und verzwickte Thema, das nicht einfach zu beschreiben ist wie wir alle wissen und noch weniger leicht zu verstehen (was ganz generell zutrifft und nicht nur in Valeries speziellem Fall). Obzwar diese Thematik heute nicht mehr ganz und gar tabuisiert ist (wie früher), handelt es sich auch heutzutage noch weitestgehend um vermintes Gelände, sozusagen um ein Gebiet voller versteckter Fallstricke, denn im Handumdrehen hat man, kaum schneidet man das Thema an, irgendjemandem auf den Schlips getreten, ohne es zu wollen oder schlimmer noch - ohne es überhaupt zu wissen. Wem also die ganze Thematik sowieso quer im Magen liegt, der sollte die folgende Episode nicht lesen sondern überblättern, Dankeschön.

Valerie war zu der Zeit, in der die Geschichte angesiedelt ist, knapp über dreißig Jahre alt und hatte, weil sie organisch völlig gesund war, auch ein normal entwickeltes Sexualleben, d.h. sie hatte regelmäßig Sex. zwar nicht gerade häufig, was anfangs mit ihren körperlichen Besonderheiten zu tun hatte, aber ja doch, sie hatte Sex. Ganz früher, zu ihrer Anfangszeit als CD war das manchmal noch normaler Sex mit Frauen gewesen (ihr erinnert euch an eine der allerersten Episoden, damals mit Erica), aber seit ihrer partiellen körperlichen Verweiblichung und insbesondere seit sie sich später hatte Brüste implantieren lassen, hat sie dann auch mit Männern Sex gehabt (nie allerdings mit mehreren Männern gleichzeitig, also kein gangbang). Sie hatte dann, wie der regelmäßige Leser weiß, sogar einen festen Partner, der allerdings wenig später in der Heimat zurückblieb, danach wechselten die Partner dann öfter mal, und die Beziehungen wurden flüchtiger, dauerten kürzer, aber waren im Einzelfall keinesfalls weniger intensiv. Will sagen, Valerie ging in ihrem Selbstverständnis stets davon aus, sie habe noch etwas nachzuholen in Beziehung auf Sex mit Männern, also ließ sie nichts anbrennen, hielt die Augen offen, war eigentlich immer auf der Suche nach "dem" Mann und überlegte nie lange, wenn sich neue Gelegenheiten boten. Man kann es Libertinage nennen, ich nenne es einen Nachhol-Effekt.

So war auch ihre Beziehung zu Erica und Michael von Anfang an durch eine gewisse Offenheit oder Libertinage gekennzeichnet, das blieb auch so. Man könnte auch sagen, Valerie wurde im Lauf der Jahre fast süchtig nach solchen Erlebnissen, und auch die Freundin und besonders der Mann, Michael, waren niemals abgeneigt. Kein trio infernale, aber libertin waren sie alle drei, ohne Ausnahme.

Wegen ihrer Unerfahrenheit war Valerie Anfangs noch die Zurückhaltendste der Drei gewesen, wie man schon beim allerersten Erlebnis damals in Ericas Wohnung in Bad Cannstatt deutlich sehen konnte. (Stichwort CARMEN Opernabend, Teil 1 der Geschichte)

Inzwischen war etwas Zeit Vergangen und die Verhältnisse hatten sich geändert, Michael war jetzt Valeries Chef, man arbeitete eigentlich gut zusammen, die Rollenverteilung war klar, sie hatte seinen Anweisungen nachzukommen, die private Beziehung trat in den Hintergrund. Über die Geschehnisse das damaligen Abends wurde erst einmal der Mantel des Vergessens gebreitet.

Weil nun aber in der Vermittlungssache Roquebrune (Dr. Engel) der Besuch ihres Chefs in Narbonne anstand und damit wohl auch einige Tage (und auch Abende) enger und engster Zusammenarbeit bevorstanden, war Valerie daran gelegen, hier Klarheit ins gegenseitige Verhältnis reinzukriegen. Sagen wir wie es ist: Sie wollte wissen, ob er noch auf sie steht.

Weil Erica damals dabei war und hier niemand besser Bescheid wusste als Erica, sprach sie die Freundin auf den damaligen Abend an. Diese erinnerte sich sofort. Ja, ja, Cannstatt, nach diesem bewussten Opernabend mit Carmen. Und danach zu dritt in Ericas neuem Appartement in Bad Cannstatt. Man war ein bisschen betrunken gewesen und hatte dann Sex gehabt, nicht viel, aber immerhin, ja ein Fick zu dritt und ja, der Michael war damals mit der Tür ins Haus gefallen, indem er die kleine Valerie zu einem deepthroat verführen wollte, und sie hatte damals noch gar nicht genau gewusst, wie das ging. Und er war dann auch abgeblitzt bei ihr, Erica wusste alles noch genau.

"Ja, ja, sicher... Da hat er sich noch nicht geändert. Er will immer noch Oralsex, und ab und zu mache ich es ihm auch, ich blase ihm einen, damit er wider mal für eine Weile Ruhe gibt..."

sagte sie und setzte seufzend hinzu:

"Obwohl ich eigentlich nie verstanden habe, was er eigentlich daran findet".

Beide verzogen das Gesicht. Bei Erica beruhte die Grimasse offenbar auf echtem Abscheu und Ekel, denn sie dachte in erster Linie an das unvermeidliche Schlucken, während es bei Valerie allerdings eher ein fake war, d.h. sie tat nur so, als ekle sie sich, umd Solidarität zu demonstrieren zu Erica. Denn im Grunde mochte Valerie diese oralen Techniken für sich selbst ziemlich gerne, d.h. sie konnte inzwischen einen Mann richtig gut blasen, denn einerseits hatte sie aufgrund der Besonderheit ihres Körpers, der ja untenrum immer noch männlich war, ja nicht sehr viele Möglichkeiten einen Mann heiß zu machen. Und auf der anderen Seite hatte sie in den vergangenen Monaten ziemlich geübt in bestimmten Techniken, einen Mann gut zu fellationieren bis er zum Höhepunkt kommt, und hatte gute Routinen darin entwickelt, zur Freude ihrer Partner. Aber sie hatte auch selbst Freude daran, wenn sie es schaffte, dass ein Kerl so abging.

Valerie blickte Erica tief in die Augen.

"Und sag' mal, wie ist es bei Michael mit deepthroaten?"

Sie erinnerte sich an Michaels spezielle Wünsche in dieser Richtung.

"Nöö" antwortete Erica. "Das mache ich nicht. Und ich schlucke auch nicht, nein."

"Das mache ich ihm sicher nicht". Sie schaute Valerie an. "Aber klar, er will es immer noch, da ist mein Mann immer noch der Alte geblieben".

Und dann setzte sie noch etwas hinzu, was wiederum typisch war für sie und auch ihre ganze Libertinage offen zeigte, oder man könnte es auch ihre Lebenserfahrung als verheiratete Frau nennen.

"Das kann er sich bei anderen holen, von mir aus, aber nicht bei mir".

In der Art, wie Erica ihr dabei in die Augen blickte, verstand Valerie sofort, wie die Bemerkung gemeint war. Sie hatte zwar nicht gesagt: das kann er sich BEI DIR holen, aber gedacht hatte sie es schon, die Erica. Der Gedanke stand im Raum, war ja auch ziemlich naheliegend, denn schließlich hatten sie sich diesen Mann schon einmal geteilt, also war es wohl auch so gemeint. Man plauderte noch eine weile über dieses und jenes, und bald danach verabschiedete sich Valerie und legte den Hörer auf. Sie wusste jetzt, was Sache war, ihr war klar geworden, was da auf sie zukommen würde.


Liebe Grüße,
Valerie :()b

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Re: Valeries Welt

Post 530 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Sa 2. Feb 2019, 13:42

Freut mich, dass es dir gefallen hat, Susi :()b

Lieben Gruß,
Valerie

Svenja80
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Re: Valeries Welt

Post 531 im Thema

Beitrag von Svenja80 » Sa 2. Feb 2019, 14:42

Ähm, was mir weiter oben schon aufgefallen ist, seit wann nimmt sie eigentlich Hormone und wo hat sie die her?

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 532 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Sa 2. Feb 2019, 16:18

Also das war der Dr. Hornbacher (Böblingen) der ihr die Brüste gemacht hat, diese Hormongaben waren als begleitende Therapie gedacht. Von ihm hat sie erst mal eine Jahrespackung mitbekommen. Details irgendwo in den ersten Kapiteln des Teils 2. Frag mich jetzt aber bitte nicht mehr nach dem Hersteller bitte, hab ich vergessen.

bisous, Valerie

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Re: Valeries Welt

Post 533 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mi 6. Feb 2019, 20:40

Teil 2 Kap. 30: Vide grenier (Flohmarkt)

Die beiden Wörter heißen wörtlich auf deutsch übersetzt "leere Bühne" (süddeutsch) oder "leerer Speicher" (dasselbe auf norddeutsch). Der passende Begriff in unserer Sprache ist wohl Flohmarkt, aber ich finde den nicht so schön, denn wer von uns möchte schon Flöhe haben? Man sagt doch auch nicht Wanzenmarkt? Oder Läusemarkt?

Aber was soll's, bleiben wir bei Flohmarkt. Auf französischen Flohmärkten findet man alles, was schon seit Opas und Omas Zeiten auf der Bühne, dem Speicher oder Keller vor sich hingammelt und eigentlich schon seit Ewigkeiten raus müsste aus dem Haus. Aber was soll man tun, wenn es die gestrengen Kommunalbeamten beim Sperrmüll nicht annehmen? Recycling und sortenreine Annahme ist auch auf französischen Müllplätzen inzwischen zur strengen Regel geworden, da passen die ganz streng auf. Was macht man also, wenn man alte Sachen loswerden will? Man bietet es anderen zum Verkauf an, früher war das mehr in den Kleinanzeigen, aber heute eher auf dem vide grenier, und wenn man Glück hat, kann man auch noch zehn, fünfzehn Euro daran verdienen, und man ist den alten Krempel los.

Auf Flohmärkten gibt es buchstäblich alles, Kleidung, Schuhe (interessant für uns Crossdresser), aber auch Bücher oder Bilder und und Kunst jeder Art für die Kulturinteressierten, Möbel aus allen Jahrhunderten, Spielsachen für die Kinder, Antiquitäten, Orden, Militaria und alte Waffen für die ganz speziellen Wünsche der Anhänger der Madame Le Pen, Küchengeräte, alte Werkzeuge aus Opas Kruschtelkiste oder Werkstatt, es gibt eigentlich nichts was es nicht gibt, es sind Warenhäuser in freier Luft, Steuern führt niemand ab (unüblich im Süden), man zahlt lediglich das Standgeld (dafür sorgt der lokale Gendarm) und vor Sonnenuntergang wird alles wieder abgebaut.

Alle paar Wochen ist fast überall in Frankreich Flohmarkt, der geht einen Tag lang von neun bis sechs am Abend. Meistens ist das auf dem Dorfplatz, ganz romantisch unter Platanen oder bei der Dorflinde, oder eben auf dem nächsten Intermarché-Parkplatz (wenn du in der Stadt wohnst). Was ist zu tun, um dort mitzubieten? Du gehst also zum Rathaus und mietest dir dort einen Platz. Du zahlst deine 10 Euro und hast damit das Recht, dort z.B. einen Tapeziertisch aufzustellen um deine Waren schön in angenehmer Griffhöhe zu präsentieren. Opas Ohrensessel, echtes Louis seize, mit Holzwurm, nur 15 Euro, Omas Tanzschuhe, Stilettos aus den Vierziger Jahren in sündigem schwarz-silber mit 12 cm hohen talons hauts, kaum gebraucht und 50 Jahre alt, heute für 10 Euro, solche Sachen.

Dann musst du nur noch den Lieferwagen deines Nachbarn auszuleihen, du schmeisst die Sachen auf die Pritsche, baust an Ort und Stelle alles auf, und dann hast du nichts anderes zu tun, also dort halt ein paar Stunden dort abzusitzen, Profis organisieren sich deswegen bequeme Campingstühle, das ist sehr wichtig, und dazu einen Sonnenschirm, zumindest einen großen Strohhut gegen die Sonne, denn man ist ja im Süden.

Valerie hatte noch nie einen eigenen Flohmarktstand organisiert, aber besucht hatte sie schon viele, wie gesagt hat fast jedes Dorf und nahezu jeder Stadtteil an festen Plätzen eigene Märkte, die drei- viermal im Jahr für einen Tag aufgebaut werden und der Gegend einen bunten Farbfleck bescheren, am nächsten Tag ist dort dann alles wieder so triste wie immer.

Heute wollte sie ihrer Freundin Delphine beim Aufbau und Verkauf helfen. Sie hatte sich den Samstag frei genommen, sie brauchte dafür weder einen Antrag noch die Genehmigung des Chefs, denn sie war als freelancer ja ihr eigener Chef, wie wir wissen. Die Termine beim Notar in Narbonne waren organisiert, und ihr Chef würde deshalb in der folgenden Woche ebenfalls hier in Narbonne sein, um sich ihr "Projekt Engel" (eben der Dr. Engel, der sein Haus in Roquebrune verkaufen wollte) mal genau in Augenschein zu nehmen. Die Terminvereinbarung mit dem Maitre Elouard war ganz problemlos gelaufen, er hatte sich am Telefon sofort erinnert an sie:

"Ahh, Sie sind das, die junge Kollegin aus Deutschland...wir haben doch schon zusammen Tango getanzt".

Die Bemerkung hatte ihr Blut zwar nicht in Wallung gebracht, das kann man nicht sagen, aber ein wenig Herzklopfen hatte sie schon bei dem Anruf, allerdings blieb das weitere Gespräch danach ganz businessmäßig, man machte den Termin aus, wünschte sich noch einen gute Woche, und das war's dann auch. Trotzdem freute sie sich auf das kommende Wiedersehen.



Ebenfalls noch eine gute Woche an alle Leserinnen und Leser

Valerie :()b

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Re: Valeries Welt

Post 534 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Fr 8. Feb 2019, 15:25

Teil 2, Kap. 30/2: Standdienst in Cabezac.

Valerie war für den Sonntag zum Standdienst im Flohmarkt verdonnert worden. Alain und Delphine, ihre beiden Freunde, hatten sie darum gebeten und natürlich wollte sie gerne helfen. Die beiden Franzosen waren die Inhaber dieses kleinen Narbonner Immo-Verkaufsbüros, in dem sie zwischenzeitig Unterschlupf gefunden hatte, und weil an diesem Wochenende (am Samstag und Sonntag) der ganz bekannte Flohmarkt in Cabezac stattfand, hatten sie sich dort einen provisorischen Verkaufsstand angemietet, um dort ein paar Möbel und Hausrat aus ihrer Privatwohnung zu verkaufen, dazu kamen alte Sachen aus dem Büro, die man dort nicht mehr brauchte.

Der Markt in Cabezac hatte einen gewissen Ruf bei den Einheimischen, aber auch viele Touristen gingen dort hin. Er fand in einem schön gelegenen Schlosspark statt, und die Stände lagen auf einer wunderbar grünen Wiese und zum Teil sogar im Schatten alter Bäume. "Schloss" ist vielleicht zu viel gesagt für die große Gebäudefront, die den Park zur Landstraße hin abgrenzte, denn im Grunde handelte es sich dabei nur noch um die Reste eines ehemaligen gräflichen Landschlosses, aber zumindest die Frontseite war noch gut erhalten und bildete mit dem Park und seinen alten Bäumen zusammen eine hübsche Kulisse für diesen Markt, der seit einigen Jahren regelmäßig ein paar mal während des Sommers an Wochenenden stattfand und wie gesagt, einen gewisse Attraktion in der Gegend darstellte.

Die beiden Mädels hatten den Stand am Morgen des Sonntags gemeinsam aufgebaut und warteten nun zusammen mit den anderen auf Kunden. Sie hatten vereinbart, dass Delphine noch bis cirka um die Mittagszeit bei ihr bleiben würde, danach müsste sie aber zurück in die Stadt, dannach würde Valerie allein am Stand sein. Beide Mädels hatten sich abgesprochen, dass sie sich an diesem Tag etwas Hübsches anziehen wollten, denn beide waren lange genug im Verkauf tätig, um zu wissen, wie wichtig dort eine nette Präsentation sein kann, dazu gehört natürlich auch gut aussehendes Verkaufspersonal. Beide hatten blaue Jeans und weiße Tennisschuhe an, oben ein recht knapp geschnittenes farbiges Top , und Valerie hatte natürlich nicht vergessen, ihre mittelgroßen Pads in den BH einzulegen, was ihrem Busen wirklich guttat, so dass sie einen ansehnlichen Ausschnitt in ihrem Top präsentieren konnte. Delphine, die Freundin war kräftiger gebaut als sie und hatte dieses künstlichen Hilfsmittel nicht notwendig.

Das Auffälligste an den beiden war aber, dass beide einen breitkrempigen Strohhut trugen, der nicht nur als guter Sonnenschutz diente, sondern den beiden von vorneherein einen gewissen erhöhten Aufmerksamkeitswert bescherte. Sie gaben wirklich ein hübsches Bild ab: Zwei attraktive junge Frauen um die Dreißig, Valerie, die Blondine mit ihren schulterlangen dunkelblonden Locken und Delphine mit ihren dunklen Pferdeschwanz unter dem Strohhut.

Der Besucherandrang auf dem Markt war überschaubar. Wobei man natürlich wissen muss, dass die meisten Besucher solcher Märkte, und ganz besonders in den frühen Vormittagsstunden, eigentlich eher Einheimische sind, die so einen Markt nur besuchen um zu sehen, was es dort gibt, und weil ihnen sonst langweilig ist und sie sonst nicht wissen, wohin am Sonntagmorgen, man geht heutzutage ja nicht mehr in die Kirche. Für die beiden hieß das viele Gespräche, das war aber meistens eher solches unverbindliches Geplauder mit Besuchern, und natürlich waren da leider auch immer diese zudringlichen Männer um die Fünfzig oder älter, die zwar nichts kauften aber nur quatschen wollten und ein paar wollten auch mehr. Natürlich ohne etwas zu sagen, aber eine Frau bemerkt so etwas, und Valerie war diesbezüglich ganz Frau.

Etwa um die Mittagszeit herum hatten die beiden dann allerdings bereits einen gebrauchten aber gut erhaltenen Autokindersitz an eine junge Familie verkauft (Delphine hatte selbst keine Kinder, sondern sie hatte den von irgendjemand ihrer Familie als Kommission übernommen), für unglaubliche 15 Euro. Dazu noch ein paar kleinere Artikel aus Delphines Haushalt, für ein paar Euro das Stück, kaum der Rede Wert. Jedenfalls war schon etwas Klimpergeld in der Kasse, als Delphine sich verabschiedete und Valerie allein am Stand zurückließ.

Es gibt in diesen Märkten keinen eigentlich verantwortlichen Veranstalter und auch keine Security, d.h. die einzelnen Verkäufer müssen sich selbst organisieren und sich gegenseitig helfen, wenn irgendetwas zu regeln ist oder ein Problem ansteht. Nur ab und zu schaut ein örtlicher Policier vorbei (ein Gendarm oder der örtliche Büttel), um nach dem rechten zu schauen. Insofern war Valerie auch ziemlich frappiert, als sie merkte, dass sich der Mann, der sich seit einiger Zeit vor ihrem Verkaufsstand herumdrückte, sich weniger für die gebrauchten Bürogeräte interessierte, die noch auf dem Tisch standen. Anders gesagt: Der Mensch interessierte sich mehr für sie.

"Très belle" sagte der Kerl und lächelte süffisant. (sehr schön)

Er sagte es so, dass wirklich niemand auf die Idee kommen konnte, er meinte jetzt den Epson Drucker auf dem Tapeziertisch zwischen den beiden.

"Oui bien sur, Monsieur, c'est une belle imprimatrice à petit prix, dix Euros seulement" (oh ja... ein schöner Drucker, kostet fast nichts, nur zehn Euro)

antwortete Valerie und blieb ganz cool. Trotzdem, irgendetwas passte nicht. Sie fragte sich, was so ein Typ wohl mit einem Bürogerät anfangen wollte. Der Typ grinste ihr unverschämt ins Gesicht. Ein dunkler Typ, ganz jung, sicher jünger als sie, langes ungepflegtes Haar, Lederjacke, ein Rockertyp. Eher kein Franzose, mehr so der katalanische Typ, vielleicht Spanier.




Wem es bisher gefallen hat, der darf sich gerne bedanken.

Fortsetzung bald, wenn erwünscht, wie immer hier in diesem Theater.

Lieben Gruß, Valerie :()b
Zuletzt geändert von Valerie Bellegarde am Fr 8. Feb 2019, 16:49, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Valeries Welt

Post 535 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL » Fr 8. Feb 2019, 16:44

DANKE mache bitte weiter so, DANKE DANKE
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Re: Valeries Welt

Post 536 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Fr 8. Feb 2019, 16:52

danke Lilo, ich hab unten noch was dazugeschrieben, was das für ein Typ war. Ich stelle mir den Typen ähnlich vor wie der junge Spanier, der in dem Film "Belle de Jour" die Cathérine Deneuve angemacht hat. Ich denke, das war ein Gitano. Erinnerst du dich an den Film und an den Typen?

Valerie

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Re: Valeries Welt

Post 537 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Sa 9. Feb 2019, 10:14

Was ich noch vergaß zu fragen: Wie war es in deinem Urlaub?

L.G. Valerie

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Re: Valeries Welt

Post 538 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » So 10. Feb 2019, 09:26

Re: Post 537. Die Frage ging natürlich an Lilo, sorry, hatte ich vergessen hinzuschreiben.

Valerie

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Re: Valeries Welt

Post 539 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mo 11. Feb 2019, 19:06

Kap. 31: Le gitane (der Zigeuner)

Während ich den Titel dieses Kapitels schreibe, muss ich das Lesepublikum schon um Verzeihung für die Wortwahl bitten, denn man sagt heute nicht mehr Zigeuner sondern Roma, und was in Frankreich früher "les gitanes" waren, sind heutzutage "les gens de voyage", also "die Reisenden". So ist der heute korrekte Sprachgebrauch. Das hat sich alles geändert, in Deutschland genauso wie auch in Frankreich.

Da die Geschichte der jungen Valerie aber nicht heute angesiedelt ist sondern in einer vergangenen Zeit, die jetzt bestimmt vierzig Jahre vorbei ist, möge man mir die Freiheit erlauben, die Dinge bei dem Namen zu nennen, den sie damals hatten. Also, es gab dort diesen Gitano (Zigeuner), er stand dort auf dem Trödelmarkt von Cabezac vor ihr und machte sie an.

Er grinste und pöbelte.

Eindeutig sexistisch, würde man diese Verhalten heute nennen, aber wie gesagt, es war vor 40 Jahren...

"Que tu es belle" (bist aber 'ne sexy Braut)

sagte er ihr und grinste ihr breit mitten ins Gesicht. Was er danach noch sagte, verstand sie nicht mehr so genau, aber es könnte so etwas ähnliches gewesen sein wie ...

"je veux te baiser..." oder eine ähnliche Unverschämtheit,

man muss das nicht übersetzen, aber jeder sollte wissen, dass dieses Verb "baiser" in Frankreich sowohl "küssen" wie auch "ficken" bedeuten kann. Und so, wie der Typ aussah, würde der sich bestimmt nicht lange mit küssen aufhalten.

Nach wie vor grinste er sie schief an, man konnte deutlich sehen, dass ihm einer der vorderen Schneidezähne fehlte, was seine Artikulation nicht besser machte. Bestimmt hat er den bei einer Schlägerei verloren, bestimmt ein Gangster, ein Rocker, ein Gitano, ging es ihr durch den Kopf. Sie war frappiert, was eigentlich sonst nicht ihre Art ist. Aber nun ja, es stimmt schon, sie hatte sich nun mal ein bisschen frech angezogen für diesen Samstagmorgen, der Ausschnitt ihres rosa Tops war gewagt um nicht zu sagen frech, ließ sozusagen tief blicken, aber die Sache hatte ja auch ihren guten Grund, weil sie und Delphine ja wirklich vorhatten, ein paar der mitgebrachten Sachen auch zu verkaufen, anstatt sie abends wieder zurück nach Hause zu schleppen, also stylt man sich als Frau bei so einem Anlass schon ein wenig. Man will den Käufern ja auch etwas bieten fürs Auge, die sollen ja was haben zum Gucken, die sollen gut aufgelegt sein, dann rollt auch der Rubel und alle sind zufrieden.

Es war in der Situation jetzt nicht etwa so, dass sie besonders Angst gehabt hätte, nein, ihr Eindruck war eher zwiespältig. Dieser junge Gitano sah zwar ein bisschen verwegen aus mit seinen ungepflegten langen schwarzen Haaren, aber (eine Frau sieht das auch) er war auch schlank, deutlich jünger als Valerie, knapp zwanzig, er war gut gebaut, schmale Hüften, sportlich, und irgendwie wirkte er auch attraktiv auf sie.

Das alles ging ihr in Sekundenschnelle durch den Kopf, während ihr Auge ihn abscannte. Sie war wieder mal in einem Zustand, der man gemeinhin als Hin- und hergerissen bezeichnet. Verstehe einer die Frauen, aber so sind sie, und die Männer lieben sie dafür...

In den späten sechziger Jahren gab es einen Kinofilm des Regisseurs Luis de Bunuel mit dem Titel "Belle de Jour", darin treten als Hauptdarsteller die junge Cathérine Deneuve auf und Michel Piccoli. Die Deneuve spielt eine sexuell frustrierte junge Arztfrau, die ihre Frigidität überwindet, indem sie sich in einem Luxusbordell Männern für Geld hingibt, dabei lernt sie diesen jungen hübschen Gitano kennen mit Namen Marcel, der zuerst ihr Kunde ist, aber sich später dann in sie verliebt und sie im weiteren Verlauf der Geschichte dann als sein persönliches Eigentum betrachtet (Spanier, Zigeuner!), was zu ein paar Konflikten führt, was man sich denken kann, aber das muss jetzt nicht weiter ausgeführt zu werden. Der Film war damals ein Welterfolg und lief unter seinem französischen Titel auch in Deutschland.

Auf jeden Fall sah der junge Marcel, der Gitano in diesem Film genau so aus wie der Typ, der Valerie anmachte, dort auf dem Trödelmarkt. Ein wenig gefährlich, verwegen, aber schön.

Was war zu tun in dieser Lage? Sie beschloss ganz schnell und intuitiv, eine Art De-Eskalationsstrategie zu fahren. Erst mal die Lage etwas entspannen. Natürlich hatte er sie beleidigt (sexual harrassement würde man das heute nennen) und streng genommen hätte sie dem Dorfpolizisten Bescheid geben können, der in der Nähe sichtbar war, aber so weit wollte sie nun auch wieder nicht gehen, denn, ehrlich gesprochen, der Typ war ihr nicht einmal so furchtbar unangenehm, denn gut sah er schon aus, der Junge.

Was tun Mädel in so einem Fall? Sie wenden die Waffen der Frauen an.

Valerie lächelte hinreißend.

"Das ist hier mein Verkaufsstand, und ich bin hier um diesen Drucker zu verkaufen, und ein paar Disketten, wenn du die brauchen kannst. Nichts sonst. Überhaupt nichts anderes. Punkt."

Er ignorierte ihren Einwand, ganz souverän, und tatsächlich, er konnte auch sympathisch sein. Sogar ausgesprochen sympathisch. Man kam ins Gespräch. Er sei mit seiner Familie hier auf dem Campingplatz, ja eigentlich mehrere Familien. Camping Cars, Wohnwagen, Mercedes, verstehst du. Ja, wir kommen von Spanien, aus der Gegend von Barcelona und ja, wir sind auf der Durchreise. Wir reisen immer. Und wir verkaufen auch alles mögliche, hier auf diesem Trödelmarkt. Und auch auf anderen Vide Greniers in der Gegend. Komm einfach rüber zu uns, dann zeige ich dir alles. Gibt auch was zu essen bei uns...



Soviel für heute. Fortsetzung in dieser Woche, gegen Ende der Woche 7

Wie immer: Bei Gefallen kann gerne ein "Like" angeklickt werden, das hebt den Autor ungemein

Liebe Grüße, Valerie :()b

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Re: Valeries Welt

Post 540 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mo 11. Feb 2019, 21:34

Nachbemerkung:
Die Mehrheit der Volksgruppe der Gitanos lebt in Südspanien, in der Provinz Andalusien. Die Kultur der Gitanos ist in der Vergangenheit für Andalusien prägend gewesen. Man denke nur an den Flamenco. Ein Teil der spanischen Gitanos reist permanent im südeuropäischen Raum. In Frankreich nannte man diese Menschen früher "gitanes", (genau wie die Zigarette, die wohl jeder kennt). Heute werden die Roma Familien offiziell als "gens de voyage" ("Reiseleute") bezeichnet. Als Reisende sind sie in die fest ansässige Wohnbevölkerung selten richtig integriert, und auch ihre Zahl ist statistisch kaum erfasst. Verlässliche Daten fehlen weitgehend.

Valerie

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