Nicoles Galaxie
Nicoles Galaxie - # 8

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Nicole Doll
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Re: Nicoles Galaxie

Post 106 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mo 29. Okt 2018, 14:37

Kapitel 18; Nicole dreht am Rad

Was nun folgt, gab es schon einmal recht ausführlich in einem anderen Forum, wo ich mich mit zwei MusikerInnen austauschen konnte. Hier meinte ich, dass dieses Thema wie schon meine Schreiberei auf wenig Interesse stoßen würde. Außer einigen PN mit Laila-Sarah, die sich mit Musik beschäftigt, gab es dazu in diesem Forum noch nichts. Dann geriet ich mit dem Admin des anderen Forums immer wieder aneinander, bis der mir wegen einer dummen Kleinigkeit vorläufig den Zugang sperrte. Und damit war es für mich endgültig vorbei mit diesem Forum.

Worüber ich jetzt berichte, begann mit dem alten Stinkstiefel in mir, der wieder einmal der Realität entfliehen musste. Auslöser war ein Interview mit der Gruppe Faun bei Youtube, in dem die Musiker behaupteten, im frühen Mittelalter habe die Musik mit der Naturtonleiter ganz anders geklungen als heute. Es folgte zunächst eine theoretisch-mathematische Untersuchung der Brüche bei der Wellenlänge der Naturtöne im Vergleich zur heute verwendeten temperierten Stimmung. Nach einigen PN mit Laila-Sarah installierte ich dann auf dem Computer eine Software, mit der ich das hörbar machen kann. Ergebnis: Der Unterschied zwischen Naturtönen und temperierter Stimmung ist gering und für die meisten kaum oder gar nicht hörbar.

Inzwischen stöberte ich bei Youtube nach Mittelalter-Musik, oder vielleicht eher das, was man sich so darunter vorstellt, herum (Beispiel: Saltatio Mortis). Dabei kam der Wunsch auf, die Naturtöne nicht elektronisch, sondern mit einem der früheren Zeit entsprechenden akustischen Instrument zu erzeugen. Ich experimentierte mit PVC-Rohren herum um daraus eine Flöte zu basteln. Dabei musste ich feststellen, dass es viel Aufwand bedeutet dabei die richtige Größe und Position der Löcher zu bestimmen. Da war es einfacher eine Flöte für 25 € zu kaufen.

Schließlich faszinierte mich als altes Instrument eine Drehleier.

Bild

Ich schaute mich bei Ebay um. Da werden einfache gebrauchte Drehleiern, die neu für etwa 600 € zu bekommen sind, für um die 800 € ersteigert. Bei solchem Unsinn mache ich nicht mit. Und für ein einigermaßen anspruchsvolles Instrument muss man 2000 bis 3000 € ausgeben. Also erwachte der Modellbauer in mir. Es sollte nun eine Drehleier selbst gebaut werden.

Ich erinnerte mich an die Laute, die meine Mutter früher einmal gespielt hatte. Deren aus dem Leim gegangener Resonanzkörper hat genau die richtige Größe. Trotz der Spalten im Holz, mit denen ein richtiges Stimmen nicht mehr möglich war, konnte man den früher einmal recht guten Klang der Laute noch erahnen. Also sollte die Laute zur Drehleier umgebaut werden. Ich nahm erst einmal den defekten Resonanzkörper auseinander.

DCFC0008_1.jpg

Nun sammelte ich alles, was ich im Netz über Drehleiern, deren Bau und dem Spielen darauf finden konnte. Mir wurde schnell klar, dass sich der Korpus der Laute für eine Drehleier wenig eignete. Da gibt es viel mehr Saiten, die dazu noch weit vom Korpus entfernt angebracht sind. Die erzeugen große Kräfte, die alles verbiegen wollen. Eine Drehleier muss also viel stabiler gebaut sein als die Laute.

Ich entschied mich also die Drehleier komplett neu zu bauen und Leimte den Korpus der Laute wieder zusammen. Die kann jetzt wieder gespielt werden, und gibt hoffentlich einen Eindruck von dem Klang, den der im Maßstab 1:1 nachgebaute Korpus der Drehleier einmal haben wird.

DCFC0045_1.jpg

Bei den Informationen aus dem Netz fand ich auch etwas zu Naturtönen bei einer Drehleier. Mit dem immer gleichen Ton der Bordun-Saiten (ähnlich wie bei den Bordun-Pfeifen eines Dudelsacks) ergibt sich ein Problem mit der temperierten Stimmung. Etliche Töne der Tonleiter reiben sich mit dem Bordun-Ton und es klingt unsauber. Abhilfe wäre eine reine (Naturton-)Stimmung, die aber beim Zusammenspiel mit einem Klavier, einem Keyboard oder einer Gitarre nicht funktioniert. Solo oder zusammen mit Streichern wie Violine oder Cello bietet sich dagegen die reine Stimmung für eine Drehleier an. Damit soll sie erheblich sauberer und harmonischer klingen. Was die Sache nun kompliziert macht, ist dass eine Drehleier chromatisch mit allen 12 Halbtönen gestimmt ist, was mit der alten 7-stufigen Naturtonleiter zunächst einmal nicht zusammen passt.

Da ich sowieso nicht unbedingt vor habe mit anderen zusammen zu spielen, soll meine Eigenbau-Drehleier die reine Naturton-Stimmung erhalten. Damit hätte ich genau das, was ich mir am Anfang vorgestellt habe. Mit der bei einer Drehleier üblichen verstellbaren Tastenmechanik ist zudem auch, falls gewünscht, die temperierte Stimmung möglich. Es sind dann „nur” 29 * 3 = 87 Tangenten für die drei Melodiesaiten neu zu justieren. Hier noch mein erster Entwurf für die geplante Drehleier:

DCFC0023_1.jpg

So viel erst einmal zu meinem neuesten Projekt, bei dem Nicole bald mit der Kurbel am Rad einer Drehleier drehen wird.

Eure Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 107 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mi 3. Apr 2019, 14:05

Hallo Forum,

an anderer Stelle wies mich EmmiMarie darauf hin, dass ich offensichtlich nicht wegen meiner Rolle als Mann, sondern wegen meiner Über-Mutter in die Einsamkeit abgerutscht bin. Auf einem Einwand der Starterin des Threads hin, dass dies vom Thema weg führt, habe ich meine Antwort hier hin verschoben.

Hier also meine Antwort:


Hallo Marie,

es ist vollkommen richtig, dass Du hier geantwortet hast - also kurz eine Antwort off topic (vielleicht ist es ja für noch jemanden interessant - sonst hätte ich eine PN geschickt).

Es war meine Mutter, die ständig dafür sorgte, dass ich nie so etwas wie Selbstwertgefühl entwickelte. Und wenn da kein Selbst ist, für das man bereit ist sich in dieser brutalen Gesellschaft durch zu setzten, wird diese ganze lästige Mühe irgendwann sinnlos. Am Anfang hatte ich noch Kraft für einen Hochschulabschluss, am Ende für überhaupt nichts mehr.

Dann starb meine Mutter und mit ihr auch ihr kleines dummes Muttersöhnchen, dem immer mit logisch plausiblen Argumenten klar gemacht wurde, dass alles, wovon es träumt oder was es liebt, völliger Schwachsinn ist. Also lebte ich diese Dinge nur in meinen Hobbys und meiner Freizeit alleine für mich aus, und nicht im richtigen Leben, wo ich versuchte den starken Mann zu spielen. Ich nehme an, Mama wollte damit erreichen, dass ich sie liebte - aber ich hasste sie, brauchte sie aber auch als Zuflucht in meiner Einsamkeit. Nach ihrem Tod entsorgte ich sie sachgerecht und war sein dem nicht wieder am Grab.

Mit meinen Partnerinnen telefonierte meine Mutter andauernd. Sie instruierte ihnen wohl, dass sie mir die Flausen austreiben sollten, weil es ihr selbst ja nicht wirklich gelang. Wenn ich dann versuchte über meine Träume und Wünsche zu sprechen, stieß ich immer nur auf Unverständnis - bis es nicht mehr ging.

Und wenn ich jetzt eine Partnerin suche, ist sicherlich meine Mutter nicht wirklich tot. Sobald ich also bei einer Frau Eigenschaften entdecke, die mich an meine Mutter erinnern, was ja bei einer Frau zu erwarten ist, heißt es in meinem Kopf "ALARM, antreten, Panzer aufrüsten, Marsch, Marsch!" - Schwul sein wäre da vielleicht einfacher.

So viel zu dem, wie jetzt mein Verstand diese Dinge bewertet. Soweit ist es logisch und sollte sich auch ändern lassen. Nur die Gefühle kennen keine Logik.

Du hast mich jetzt dazu angeregt, meinen Versuch so etwas ähnliches wie ein Tagebuch zu schreiben weiter zu führen und meine Über-Mutter in "Nicoles Galaxie" aufzuarbeiten. Da mich dieses Thema stark belastet, verdränge ich es jedoch möglichst. Also wenn mehr zu diesem (meinem eigenen) Thema kommt, dann dort.

LG Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 108 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Fr 10. Mai 2019, 15:03

Kapitel 19; zweiter Versuch außerhalb des Internet gesellschaftlich aktiv zu werden

das Trübe Wetter im Winter und nicht zuletzt die Notwendigkeit mich zwecks Sicherung meiner Existenz bei Jobcenter zu melden, hat mich in ein tiefes Depressions-Loch gestürzt. Und das hat bei mir - oder besser bei dem alten Stinkstiefel - "traditionell" die Folge, dass ich über alles, was irgendwie damit zusammen hängt, möglichst kein einziges Wort verliere. Dazu kam dann noch das Scheitern der Selbsthilfegruppe, was mir nun Ärger mit Queer Mittelrhein eingebracht hat. Das Drehleier-Projekt war mir in meinem Loch auch ziemlich egal, weshalb ich immer wieder Gründe fand mit dem Bau des Instruments noch nicht anzufangen. Da waren noch Fragen offen, die ich hätte klären müssen, wozu ich mich aber nicht aufraffen konnte.

Nun kommen aber Frühlingsgefühle bei mir auf. Und heute startete ich einen neuen Anlauf. Ich schickte folgende Nachricht zum Ortsverband der SPD in Simmern - Mal sehen, was dabei heraus kommt.
Hallo Genoss*innen,

Ich würde mich gerne als Gast bei den Aktivitäten der SPD in Simmern einbringen. Mir geht es dabei vor allem um die ökologische und soziale Katastrophe (Überbevölkerung, Klimawandel, Artensterben, ...), auf die weltweit unsere Regierungen zu steuern. Da haben viele offensichtlich immer noch nicht begriffen, wie Demokratie funktioniert - oder sie wollen es einfach nicht begreifen. Des weiteren geht es mir auch um eine Kritik an am aktuellen Entwurf zur Änderung des TSG und die aktuelle Fassung des PSTG 45b. Mehr über mich gibt es hier: https://www.facebook.com/nicole.doll.1804
oder hier: https://www.bookrix.de/_ebook-nicole-do ... s-bin-ich/.

Als Autor*in Nikolai Fritz /(*_?) Nicole Doll habe ich mich mit meiner Parawissenschaft immer wieder mit Verschwörungstheorien auseinander setzten müssen. Da werden durchaus nachweislich bedrohliche Fakten (wie beispielsweise die Daten zum Klimawandel) als Anlass genommen mit kühnen Behauptungen ohne jeden Beweis dafür die abenteuerlichsten Theorien aufzustellen. Die Folge ist, dass die wahren Hintergründe für viele, die wegen der Belastung aus Arbeit und Familie keine Zeit finden sich umfassend zu informieren, ins Lächerliche gezogen werden. Hier suche ich jetzt die Diskussion mit "ganz normalen" Menschen und nicht wieder einmal in einer gut getarnten Echokammer im Internet (zu denen auch leider nicht selten Transgender-Plattformen zählen).

Ich bin wie viele (Ex?)-Genoss*innen über den Kurs der Bundes-SPD zutiefst enttäuscht und habe mehrfach aus Protest und um eine GroKo zu schwächen die Linke gewählt. Deshalb ist auch aktuell eine Mitgliedschaft keine Option für mich. Trotzdem bin ich immer noch im Geiste Sozialdemokrat*in.

Liebe Grüße
Nicole Doll
Anmerkung: Was ich da zu Transgender-Plattformen anbringe, bezieht sich natürlich nicht auf dieses Forum. (moin)

Eure Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 109 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Fr 20. Sep 2019, 08:55

Hallo allerseits,

ich melde mich hier nur kurz zu meinem irgendwie stecken gebliebenen "Tagebuch". Es haben mich in der letzten Zeit Dinge beschäftigt und grauenhaft genervt, (Ärger mit dem Jobcenter) über die ich hier nicht schreiben möchte. Auf die vorstehende Nachricht an die SPD habe ich bis heute keine Antwort erhalten. Offensichtlich können die mit Kritik nicht umgehen - und ich dann eben nicht mit der SPD. Und so brauchen die sich auch nicht zu wundern, warum sie kaum jemand noch wählt.

Zum Thema Drehleier hat sich in letzter Zeit einiges bewegt. Darüber sollte ich vielleicht hier berichten. Dann geht mir schon lange das Thema Sozialisation - hier speziell im Zusammenhang mit meiner Übermutter - durch den Kopf. Soll ich dazu ein eigenes Thema aufmachen, oder passt es besser hier hin? - Vielleicht passt es besser hier. Es ist ja schon meine eigene Geschichte.

So viel erst einmal.

LG Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 110 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 20. Sep 2019, 09:54

Moinsen (moin)
Nicole Doll hat geschrieben:
Fr 20. Sep 2019, 08:55
Dann geht mir schon lange das Thema Sozialisation - hier speziell im Zusammenhang mit meiner Übermutter
Oha, da bin ich ja gespannt! Sozialisation ist für mich ja auch ein sehr interessantes Thema.
Aber vermutlich meinst du nicht die weibliche, sondern die durch deine Mutter, also deine männliche Sozialisation?

Grüße
die Anja
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Re: Nicoles Galaxie

Post 111 im Thema

Beitrag von Joe95 » Fr 20. Sep 2019, 15:37

Ich denke es ist hier sehr gut aufgehoben, da es ja doch deine ganz eigene Geschichte ist.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

Nicole Doll
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Re: Nicoles Galaxie

Post 112 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Fr 20. Sep 2019, 20:38

Hallo Anja,

ich brauche erst einmal so eine Art Konzept oder Stichpunkt-Liste um überhaupt so etwas ähnliches wie Ordnung in das Thema Sozialisation zu bekommen. Da gibt es ganz viele Aspekte aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Ich habe da überhaupt noch keinen Überblick.

Es ist so, dass es bei mir eine männliche Sozialisation nie wirklich gegeben hat, und um eine weibliche mogele ich mich ja herum, indem ich mich als Enby definiere. Ein Selbst, dass sich als Mann dem sozialen Gefüge zugehörig fühlte, gab es nie. Da war nur das ständige Bemühen im Rahmen der Vorgaben und Klischees als Mann zu funktionieren. Also gab es eine Rolle, und das Selbst verkümmerte. Ein echtes Selbstwertgefühl konnte sich so nicht aufbauen.

Ich möchte diese Problematik, wie sie bei mir durch die Übermutter und einen an meiner Sozialisation weitgehend unbeteiligten Vater darstellt, möglichst unabhängig vom Trans*-Thema betrachten. Es betrifft letztlich jeden, der irgendwie seinen Platz in der Gesellschaft nicht finden kann und zum Außenseiter wird.

So viel erst einmal. Mal sehen, wie ich mit dem Thema voran komme. Ich denke, ich mache erst einmal das Konzept und stelle dann die Kapitel nach und nach hier hinein sobald sie fertig sind.

@Joe: Du hast recht. Es ist mein persönliches Thema, und deshalb gehört es hier hin.

LG Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 113 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Sa 21. Sep 2019, 10:40

Kapitel 20; Kettensäge, Drehleier und Hrabne die Barbardin

Sozialisation? Ja, darum geht es auch, ganz allgemein und speziell die von Nicole als Enby, aber ein Konzept finde ich irgendwie nicht. Also erzähle ich jetzt einfach:

Beginnen wir mit der Kettensäge. Ich bin ja, wie ich bereits schrieb, eine lebende Gummipuppe. Und mein neuer Nachbar ist eine lebende Kettensäge - an den Armen „reichsdeutsche” Tätowierungen, Böhse-Onkelz-T-Shirt, und wenn die Kettensäge nicht gerade lärmt, dröhnt immer wieder Hardrock im Stil von Rammstein oder Metallica herüber. Er ist immer zuhause, während seine Frau täglich zur Arbeit fährt. Sein Hobby ist neben der Kettensäge ein schwerer Geländewagen der Marke Lada.

Nun, was erwarte ich als Transgender oder Enby von ihm - doch wohl am ehesten: „hau ab du perverse Schwuchtel, so etwas wie dich sollte man ... .” Dann kam es aber ganz anders. Es war der Abend vor dem Samstag, an dem ich wegen meines Drehleier-Projektes zum Mittelalter-Markt nach Ebernburg wollte. Ich brachte gerade, wie jeden Abend, meinem Cousin das Essen rüber, da kam er: „Hallo Nicole, ich möchte gerne ein Bier mit dir trinken und mit dir reden ... .” Konnte ich jetzt diese Einladung abschmettern?

Also ließ ich das Essen für mich stehen und ging rüber. Bei einem Bier blieb es nicht, es wurden mehrere, dazu kam noch Wodka und eine Zigarette, obwohl ich schon ewig nicht mehr rauche. Er erzählte und erzähle und umarmte mich dabei immer wieder, wie das Männer als Kumpels so machen. Politisch steht er, wie auch ich, eher links und hat wohl außer den Onkelz mit der rechten Szene nichts am Hut. Also weinte er sich darüber aus, dass ihn hier alle als Nazi ächten. Dabei musste er mir natürlich stolz seinen dicken Geländewagen vorführen und anpreisen. Warum ich jetzt Nicole bin, konnte er nicht begreifen. Ich sei doch ein richtiger Kerl. - Irgendwann mitten in der Nacht kroch ich dann stockbesoffen ins Bett.

Nun zum Thema Sozialisation: Wie wirkte ich wohl früher die ganze Zeit, als ich den starken Mann spielte. Ich zeigte doch genauso falsche Signale wie mein Nachbar. Offensichtlich ist er, wie auch ich immer, sehr einsam, trotz seiner Frau. Hatte er mal in der rechten Szene Freunde gesucht und dabei versucht mit den Tätowierungen irgendwie dazu zu gehören? Ein verzweifelter Versuch einen Weg aus der Einsamkeit zu finden? Irgendwie so ähnlich muss es doch wohl sein.

Am nächsten Morgen signalisierte mein Wecker Nato-Alarm. Statt der Uniform zog ich mein Hexen-Kostüm an, und statt den Panzer aufzurüsten versuchte in die Haare irgendwie zu bändigen und ein wenig Makeup aufzutragen. Dann machte ich mich im Halbschlaf auf den Weg nach Ebernburg zum Mittelalter-Markt. Irgendwie schaffte ich es dann auch in Bad Kreuznach den Bus nach Ebernburg zu finden. Es ist dort wie heute fast überall in unserem Land: ganz viel Bahnhof und wenig ÖPNV.

Bei dem Mittelalter-Spektakel suchte ich gezielt nach Musikern und dabei speziell einen Drehleierspieler. Auf den stieß ich dann bei der Spielleuten „Spectaculatius”. Und „Grinsegreis der Schalk” war auch tatsächlich bereit mir seine wertvolle Hilsmann-Drehleier in die Hand zu geben, sodass ich sie einmal anspielen konnte. Hier ein Foto von dem Instrument:

DCFC0162_1.jpg

Nun hatte ich eigentlich das erledigt, was ich in Ebernburg wollte. Und so richtig nüchtern wurde ich nicht. Es war sehr warm und ich hatte Durst. Und gegen den gab es Bier. Schon als „Spectaculatius” sangen und spielten, war mir eine sehr hübsche junge Frau in einem recht knappen Lederkleid im Mittelalter-Stil aufgefallen, die mit Kindern vor den Bühne einen Tanz aufführte. Als ich mir dann etwas zu essen holte, bat sie mich zu sich an den Tisch. Sie stellte sich als „Hrabne die Barbardin” (*) vor und lud mich ein beim Auftritt der Band „WIR” mit zu machen. Vorher wollte sie aber noch an einen Stand Percussion-Instrumente für alle die besorgen, die spontan mitmachen wollten.

Ich meinte dann „für mich brauchst du kein Instrument zu besorgen”, holte meine Flöte heraus und spielte sie kurz an (ich hatte zuhause noch überlegt, ob ich meine Gitarrenlaute mit nehmen sollte, aber die Flöte braucht weniger Platz). So hatten Hrabne und ich etwas gemeinsames. Und bei dem Mann in mir hat es wieder einmal „gefunkt” - aber wie immer: viel zu jung und fest vergeben. Na ja, wenigstens bleibt sie mir als FB-Freundin erhalten.

Nach meinen Bemerkungen zur wohl eher nicht so optimalen Sozialisation meines Nachbarn waren das Nicoles aktuelle Bemühungen sich als Enby zu sozialisieren. Und das ging jetzt ganz ohne eine Gliederung oder ein Konzept. Aber da ist meine akademische Ausbildung und die analytische Logik eines Ingenieurs, die mich immer wieder davon abhält einfach so drauf los zu schreiben. Oder hat das was mit Asperger zu tun? - Je mehr sich jetzt Nicole zeigt, desto weniger glaube ich das.

LG Nicole

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lexes
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Re: Nicoles Galaxie

Post 114 im Thema

Beitrag von lexes » Mo 23. Sep 2019, 09:45

Nicole Doll hat geschrieben:
Sa 21. Sep 2019, 10:40
Kapitel 20; Kettensäge, Drehleier und Hrabne die Barbardin

Sozialisation? Ja, darum geht es auch, ganz allgemein und speziell die von Nicole als Enby, aber ein Konzept finde ich irgendwie nicht. Also erzähle ich jetzt einfach:

Beginnen wir mit der Kettensäge. Ich bin ja, wie ich bereits schrieb, eine lebende Gummipuppe. Und mein neuer Nachbar ist eine lebende Kettensäge - an den Armen „reichsdeutsche” Tätowierungen, Böhse-Onkelz-T-Shirt, und wenn die Kettensäge nicht gerade lärmt, dröhnt immer wieder Hardrock im Stil von Rammstein oder Metallica herüber. Er ist immer zuhause, während seine Frau täglich zur Arbeit fährt. Sein Hobby ist neben der Kettensäge ein schwerer Geländewagen der Marke Lada.

Nun, was erwarte ich als Transgender oder Enby von ihm - doch wohl am ehesten: „hau ab du perverse Schwuchtel, so etwas wie dich sollte man ... .” Dann kam es aber ganz anders. Es war der Abend vor dem Samstag, an dem ich wegen meines Drehleier-Projektes zum Mittelalter-Markt nach Ebernburg wollte. Ich brachte gerade, wie jeden Abend, meinem Cousin das Essen rüber, da kam er: „Hallo Nicole, ich möchte gerne ein Bier mit dir trinken und mit dir reden ... .” Konnte ich jetzt diese Einladung abschmettern?

Also ließ ich das Essen für mich stehen und ging rüber. Bei einem Bier blieb es nicht, es wurden mehrere, dazu kam noch Wodka und eine Zigarette, obwohl ich schon ewig nicht mehr rauche. Er erzählte und erzähle und umarmte mich dabei immer wieder, wie das Männer als Kumpels so machen. Politisch steht er, wie auch ich, eher links und hat wohl außer den Onkelz mit der rechten Szene nichts am Hut. Also weinte er sich darüber aus, dass ihn hier alle als Nazi ächten. Dabei musste er mir natürlich stolz seinen dicken Geländewagen vorführen und anpreisen. Warum ich jetzt Nicole bin, konnte er nicht begreifen. Ich sei doch ein richtiger Kerl. - Irgendwann mitten in der Nacht kroch ich dann stockbesoffen ins Bett.

Nun zum Thema Sozialisation: Wie wirkte ich wohl früher die ganze Zeit, als ich den starken Mann spielte. Ich zeigte doch genauso falsche Signale wie mein Nachbar. Offensichtlich ist er, wie auch ich immer, sehr einsam, trotz seiner Frau. Hatte er mal in der rechten Szene Freunde gesucht und dabei versucht mit den Tätowierungen irgendwie dazu zu gehören? Ein verzweifelter Versuch einen Weg aus der Einsamkeit zu finden? Irgendwie so ähnlich muss es doch wohl sein.

Am nächsten Morgen signalisierte mein Wecker Nato-Alarm. Statt der Uniform zog ich mein Hexen-Kostüm an, und statt den Panzer aufzurüsten versuchte in die Haare irgendwie zu bändigen und ein wenig Makeup aufzutragen. Dann machte ich mich im Halbschlaf auf den Weg nach Ebernburg zum Mittelalter-Markt. Irgendwie schaffte ich es dann auch in Bad Kreuznach den Bus nach Ebernburg zu finden. Es ist dort wie heute fast überall in unserem Land: ganz viel Bahnhof und wenig ÖPNV.

Bei dem Mittelalter-Spektakel suchte ich gezielt nach Musikern und dabei speziell einen Drehleierspieler. Auf den stieß ich dann bei der Spielleuten „Spectaculatius”. Und „Grinsegreis der Schalk” war auch tatsächlich bereit mir seine wertvolle Hilsmann-Drehleier in die Hand zu geben, sodass ich sie einmal anspielen konnte. Hier ein Foto von dem Instrument:


DCFC0162_1.jpg


Nun hatte ich eigentlich das erledigt, was ich in Ebernburg wollte. Und so richtig nüchtern wurde ich nicht. Es war sehr warm und ich hatte Durst. Und gegen den gab es Bier. Schon als „Spectaculatius” sangen und spielten, war mir eine sehr hübsche junge Frau in einem recht knappen Lederkleid im Mittelalter-Stil aufgefallen, die mit Kindern vor den Bühne einen Tanz aufführte. Als ich mir dann etwas zu essen holte, bat sie mich zu sich an den Tisch. Sie stellte sich als „Hrabne die Barbardin” (*) vor und lud mich ein beim Auftritt der Band „WIR” mit zu machen. Vorher wollte sie aber noch an einen Stand Percussion-Instrumente für alle die besorgen, die spontan mitmachen wollten.

Ich meinte dann „für mich brauchst du kein Instrument zu besorgen”, holte meine Flöte heraus und spielte sie kurz an (ich hatte zuhause noch überlegt, ob ich meine Gitarrenlaute mit nehmen sollte, aber die Flöte braucht weniger Platz). So hatten Hrabne und ich etwas gemeinsames. Und bei dem Mann in mir hat es wieder einmal „gefunkt” - aber wie immer: viel zu jung und fest vergeben. Na ja, wenigstens bleibt sie mir als FB-Freundin erhalten.

Nach meinen Bemerkungen zur wohl eher nicht so optimalen Sozialisation meines Nachbarn waren das Nicoles aktuelle Bemühungen sich als Enby zu sozialisieren. Und das ging jetzt ganz ohne eine Gliederung oder ein Konzept. Aber da ist meine akademische Ausbildung und die analytische Logik eines Ingenieurs, die mich immer wieder davon abhält einfach so drauf los zu schreiben. Oder hat das was mit Asperger zu tun? - Je mehr sich jetzt Nicole zeigt, desto weniger glaube ich das.

LG Nicole

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Das ist ja mal cool ...

Wie man sich doch in Menschen täuschen kann ..

Wir sind doch allen manchmal sehr oberflächlich ( und in diesen-unseren Kreisen sicher schon sehr viel weniger )

Die Sache mit dem Mittelaltermarkt finde ich generell super. Die Leut´s sind mal sehr entspannt und tolerant.
Macht Sinn weil sie ja auch alle eher non-konform unterwegs sind und auf tolerantes Verhalten angewiesen sind ..
Viele Menschen dieser Art ( auch wenn man selbst mit der Philosophie dahinter nix anfangen kann ) sind dann eine ziemlich kugelsichere & glücklich bunte Gesellschaft in der man sich sicher ungehemmter bewegen kann als auf der Düsseldorfer Kö

Alle anders als der Ottonormalbürger
Mehr "andere" als "normale" vor Ort ( man drehe mir jetzt BITTE KEINEN Stick aus den Formulierungen anders & normal => ich hab's gerade etwas eilig )
Und weil so viele un-konform (im Mittelalteroutfit) da rumlaufen als wär's normal ( was es ja auch sein sollte ) ist "anders-unkonform" (Mittelalter-Enby-Nicky) kein Problem. Ich verstehe gut warum solche Feste und Orte so attraktiv für alle sind, die mit Jeans und Turnschuh jetzt nicht unbedingt viel anfangen können

Ich würde jetzt hier keine direkten Parallelen zum CSD ziehen wollen aber Ihr wisst was ich meine.

Ob Gitarrenlaute der Flöte .. da kann ich nicht mitreden .. ich spiele maximal die singende Säge oder eine ziemlich passable Maultrommel :-)

Jetzt brauchen wir natürlich einen YouTube-Link zur musizierenden Nicky

P.S. beim ersten Überfliegen des Kommentars hatte ich die Drehleier von Grinsegreis dem Schalk für ein hölzernes RC-Boot gehalten ... da ist das simple Denken wieder ..

kenn ich => Schublade => rein und zu => fertig

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Re: Nicoles Galaxie

Post 115 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mo 23. Sep 2019, 10:48

lexes hat geschrieben:
Mo 23. Sep 2019, 09:45
Jetzt brauchen wir natürlich einen YouTube-Link zur musizierenden Nicky
Hallo Lexi,

das gestaltet sich jetzt etwas schwierig. Wenn ich das Stativ aufstelle, die Kamera ausrichte, Probeaufnahmen zum Bildausschnitt mache und alles vorbereite und einstelle, bin ich danach immer so nervös, dass ich keinen Ton mehr treffe. Und mein Cousin als Kameramann hat irgendwie nie Zeit oder Lust, wenn ich ein Musikvideo aufnehmen möchte. Und dann habe ich auch keine Lust mehr.

Ich habe ihn quasi schon zu einem Titanc-Panik-Video (My Heart Will Go On) am Deutschen Eck in Koblenz - mit Rhein und Mosel als Ersatz-Kulisse für den Atlantik - überredet, aber es gab irgendwie noch keine Gelegenheit.

LG Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 116 im Thema

Beitrag von lexes » Mo 23. Sep 2019, 10:52

wir haben Zeit :-)

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Re: Nicoles Galaxie

Post 117 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Sa 28. Sep 2019, 11:40

Kapitel 21; Container-Chaos, Rettungsgasse und Experten-Einsatz

Ich liege am Freitag morgens im Bett. Draußen dröhnt und rumpelt es. Müllabfuhr? - Kann nicht sein: Die machen nicht solchen Krach. Wird etwas angeliefert? Egal. Weiter schlafen.

Ich mache mir eine Kanne Kaffee und frühstücke. Die Fensterläden hatte ich schon auf gemacht und dabei gar nicht richtig raus geschaut - trübe und Nieselregen. Dann zum Briefkasten. Vor mir steht eine Wand, ein riesiger Container.

Ich schaue vorsichtig um den Container herum. Dabei möchte ich mich nicht unbedingt zeigen, da ich nur ein Nachthemd trage. Mein Nachbar, die „lebende Kettensäge” macht sich gerade an einem großen Haufen Grünzeug in seiner Einfahrt zu schaffen. Im Container liegt auch schon einiges davon.

Ich gehe zurück ins Haus. Einen Moment später klingelt es. Ich - immer noch im Nachthemd - öffne das Fenster. Und da ist er, mein Nachbar:
„Nicole, ich brauch dich jetzt. Der Container muss bis Montag oder Dienstag voll werden. Ich helfe dir mit deinem ganzen Baumschnitt. Und du hast ja noch Holz. Damit machen wir dann halbe-halbe. - Komm, wir trinken ein Bier zusammen.”
„Jetzt ein Bier?. Ich habe mir gerade einen Kaffee gemacht, damit ich wach werde.”
„Wie Kaffee? Das schmeckt doch nicht ..”

Also hole ich zwei Falschen Bier und wir besprechen, wie es weiter gehen soll. Also den Container gemeinsam voll machen, und von dem Holz kann es dann auch etwas ab bekommen. Darum ging es ja wohl letztlich. Am Samstag morgen soll es - für mich „mitten in der Nacht” - um acht Uhr los gehen.

Der Nachbar ist gegangen. Ich ziehe mich an - mein „Hauskleid” für den Küchendienst. Dann gehe ich rüber zu meinem Cousin. Der ist gerade dabei seinen Computer für die neueste Spiele-Generation fit zu machen. Also hat er noch nichts gemerkt. Ich begrüße ihn:
„.. du bekommst hier wohl nichts mehr mit - Da ist gerade vor meinen Haus ein UFO gelandet.”
„wie UFO?”
„na dann komm mal raus.”

Wir gehen raus, und ich erzähle meinem Cousin, was da nun abgehen soll. Der sagt nur:
„Dann macht mal schön, ihr beiden, ich habe Rücken.”

-----------

Heute morgen macht der Wecker Alarm. Also erst einmal wieder eine Kanne Kaffee und ein Brötchen mit Nutella. Dann die alten Männerklamotten zusammen suchen und anziehen. Um acht bin ich draußen. Von meinem Nachbarn keine Spur. Dafür ist das ganze Grünzeug im Container gleichmäßig über den Boden Verteilt. Wie soll man den so eigentlich voll bekommen? Nicole hat da im Halbschlaf zunächst keine Idee. Also erst einmal rüber zum Cousin und die Schubkarre holen.

Ich fahre die Schubkarre an den Zaun um von meinem Grünschnitt etwas aufzuladen, da kommt mein Cousin hinterher. Ich frage:
„Hast du schon mal in den Container geschaut?”
„Nee.”
„Dann komm mal mit”
Wir gehen rüber. Er ist entsetzt:
„Was ist denn das? Dämlicher geht es wohl nicht mehr!”

Wir laden die Schubkarre voll, schieben das Grünzeug rüber, und ich versuche den Container auf der daran befindlichen Leiter stehend von oben zu befüllen, während mein Cousin mir die Äste einzeln anreicht - eine mühsame Tat. Dabei erwachen meine Lebensgeister so langsam. Ich habe eine Idee. Im Container muss eine „Rettungsgasse” geschaffen werden, in der man die Schubkarre nach vorne bringen kann.

Wir machen uns also an die Arbeit. Vom Nachbarn ist immer noch nichts zu sehen und zu hören. Als die Gasse fertig ist, hole ich für uns beide je eine Flasche Bier. Dann zweites Frühstück mit flüssigen Brot.

Wir schauen um den Container herum. Ein Auto ist angekommen und zwei Männer in Arbeitskleidung steigen aus. Sie sprechen mich an:
„.. die drei Bäume da drüben sollen weg.”
„Dann gehen sie mal da rüber und klingeln die raus. Mich haben sie um acht Uhr hier hin bestellt zum Container beladen und nichts tut sich. - Und das Auto bleibt schön da mitten auf der Straße stehen. Dann komme ich nämlich mit der Schubkarre nicht vorbei und kann nichts mehr machen.

Die beiden Männer haben Profi-Gerät dabei: Schutzkleidung und zwei große Kettensägen. Nur einen Baum gefällt haben sie offensichtlich noch nicht, so wie sie die Situation einschätzen. Ich erkläre ihnen, wie sie das am besten machen sollen, aber man nimmt mich nicht ernst. Bald ist auch der Nachbar draußen. Ich gehe ins Haus in „Deckung” und beginne diesen Beitrag zu schreiben.

Ich schreibe also so vor mich hin, da kracht es draußen. Ich gehe raus. Einer der Bäume hängt quer über die Straße in der Krone meines Walnussbaums. Eine solche Situation hatte ich schon letztes Jahr bei meinem Sturmschaden. Das wird jetzt eine hässliche Viecherei den Baum da oben aus der Krone des anderen heraus zu bekommen. Wenn ich ihn gefällt hätte, wäre er mit einem sauberen Keilschnitt längs auf die Straße gefallen, aber „echte” Experten machen es wohl anders.

Für mich es es - trotz der morgendlichen Enttäuschung - ein schöner Tag, an dem es bestimmt nicht langweilig wird. Und mein Nachbar bekommt jetzt ganz bestimmt kein Brennholz mehr von mir.

LG Nicole

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Re: Nicoles Galaxie

Post 118 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Sa 28. Sep 2019, 12:36

Nachtrag zum Baum Fällen der Experten

Es wurde ein Keilschnitt durchgeführt, so wie ich es vorgeschlagen hatte, aber auf der gegenüber liegenden Seite entgegen der Schrägstellung. Ich hätte es anders herum gemacht. Dann fiel der Baum entgegen dem Keil schräg in meinen Walnussbaum.

LG Nicole

Und so sieht das da jetzt aus:

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Re: Nicoles Galaxie

Post 119 im Thema

Beitrag von Anja » Mo 30. Sep 2019, 09:44

Moinsen Nicole (moin)

mal ein sehr unterhaltsamer Beitrag von dir. Konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Von daher hab ich nix dagegen, wenn häufiger mal ein Ufo in deiner Straße landet :wink:

Grüße
die Anja
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Re: Nicoles Galaxie

Post 120 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Mo 30. Sep 2019, 10:33

Nachtrag zwei zu den Experten

Der Ober-Experte war der Chef einer Firma zum Bäume Fällen, der üblicherweise alles von seinen Mitarbeitern machen lässt und selbst nur den Bürokram macht. Nun war er dabei, und der Chef hat bekanntlich immer recht. Sein Mitarbeiter schüttelte also immer nur mit dem Kopf, aber widersprach nicht.

Beim ersten Baum machte der Chef den Schnitt hoch oben auf einer Leiter stehend, bis die Kettensäge fest klemmte. Ohne festen Stand ist es mit so einen Ding lebensgefährlich. Dann gab es eine lange Hampelei um die Säge frei zu bekommen. Als der erste Baum gefällt war, kam der zweite mit dem Keilschnitt auf der falschen Seite dran - mit Landung im Nussbaum.

Dann sollte der dritte Baum fallen. Der steht aber sehr schräg fast in Richtung zu meinem Haus. Also rief ich:
"Halt. Den säge ich selbst um."
Darauf meinte der Mitarbeiter:
"Wenn der nicht exakt fällt, schlägt der das Dach kaputt. Und wenn sie selbst fällen, zahlt keine Versicherung."
Ich fragte:
"Und zahlt die Versicherung, wenn sie den jetzt auf das Dach fallen lassen?"
Etwas zögerlich kam:
"Nein."

Klar: Hilfeleistung unter Freunden und kein Auftrag. Also blieb der dritte Baum stehen. Wenn der Wind ihn jetzt umwerfen sollte, zahlt die Hausratversicherung des Nachbarn.

So viel also zu dieser Aktion zum Bäume Fällen.

LG Nicole
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