Valeries Welt
Valeries Welt - # 49

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 721 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mo 9. Sep 2019, 18:22

Teil 2 Kapitel 62.

Vergiftete Komplimente.

Eine Woche darauf hatte Valerie ihren Termin im Nagelstudio Kris ongles, sie ließ sich dort etwa zweieinhalb Stunden lang Gelnägel machen, die anschließend knallrot lackiert wurden. Zur Erklärung für diejenigen, die nicht wissen was Gelnägel sind: Unter die vorhandenen Nägel (sie dürfen allerdings nicht ganz kurz geschnitten sein) wird eine Schablone aus Plastik geschoben, die den Finger fast umschließt und nur das Nagelbett frei lässt. Dann tupft die Maniküre mit einem kleinen Pinsel so lange Gelmasse auf den Nagel, die sie während des Aushärtens dann nach vorne zieht. Nach dem Aushärten wird der Vorgang ein paarmal wiederholt bis vorne am Nagel tatsächlich ein künstlicher Nagelfortsatz entsteht, der oval geschnitten, zurechtgefeilt und lackiert werden kann.

Oval geschnittene Nägel fand Valerie passender für sich als eckig geschnittene Nägel. Fand sie einfach schöner.

Sie war wirklich frappiert, wieviel Nagellack-Farben und Styles heutzutage auf dem Markt sind. Zuhause auf ihrem Badezimmerregal besaß sie drei Nagellack-Fläschchen in pink, sowie einem hellen und einem dunkleren Rot für den Abend.

Genau diese Abstufungen pink, rosa und burgunderrot liebte sie, nebenbei gesagt, auch bei ihren Lippenstiften. Insofern war ihr Geschmack in dekorativer Kosmetik also ziemlich konservativ, wenn man es ehrlich betrachtet.

Aber als Aurelie, die Kosmetikerin jetzt mit Nagellack in schwarz, grün, gelb, blau und so weiter ankam, war Valerie doch überrascht oder sagen wir es offen: Valerie war überfordert.

Zwar war sie auch bislang nicht mit geschlossenen Augen durch die Welt gegangen und hatte schon auch wahrgenommen, dass heutzutage manche der jungen Mädchen gerne diese etwas provokativen, aber auf jeden Fall neuen und extravaganten Farben spazieren tragen, aber instinktiv hatte Valerie stets gezögert, bei diesen neuen Moden selbst mitzumachen.

„Non madame, merci, mais ecoutez, j‘ai trente-deux ans“
(nein danke, aber hören Sie mal, ich bin zweiunddreißig)

Valerie schüttelte energisch den Kopf und Aurelie, die Kosmetikerin lächelte verständnisvoll und stellte die jugendlichen Nagelstyles in grün und gelb wieder weg. Nicht aber ohne noch ein wenig zu protestieren, wobei sie noch ein kleines Kompliment loswurde:

„Mais vous etes encore jeune, madame“
(aber 32 Jahre ist doch noch kein Alter)

Ein vergiftetes Kompliment, wie sich später zeigen wird.

Nach etlichem Hin- und her und mehreren Farbversuchen in diversen Rottönen, die aber wieder verworfen wurden, einigte man sich auf ein knalliges Karmesinrot für ihre neuen Nägel. Eigentlich war es Valerie, die auf diesem Karmesin bestand. Sie handelte wie so oft nach dem Motto „wenn schon-denn schon“, und karmesinrot fand sie schon immer sehr sexy. Und sexy wollte sie sein. Für Thierry, wenn sie ehrlich war.

Beim Rückweg zum Auto bemerkte sie an sich selbst, wie sie ihre Finger leicht gespreizt hielt, als müssten die Nägel noch trocknen, was natürlich völlig unnötig war, aber man sieht daran, dass sie ein klein wenig aufgeregt sie war, sie fand sich und ihre neuen Hände wirklich schön und attraktiv.

Bisher hatte sie die Nägel immer recht kurz getragen, was auch absolut praktisch ist, wenn man wie Valerie berufstätig ist und viel draußen zu tun hat bei Hausbesichtigungen und oft im Auto unterwegs ist.

Es würde noch ein klein wenig dauern, bis sie sich an das neue Gefühl gewöhnt hatte.

Bevor sie den Aufzug hinunter zur Tiefgarage an der Markthalle nahm, machte sie noch kurz Halt am Straßencafé „Estagnol“, um dort einen kleinen Kaffee zu trinken. Sie schlürfte ihren Espresso, der tiefschwarz war, sehr klein und sehr heiß, betrachtete dabei ihre Hände und kam ins Sinnieren.
Was hatte Aurelie, die Kosmetikerin gesagt?

"Sie sind doch noch jung, Madame?" Nur Frauen können solch vergiftete Komplimente abgeben.

Was Aurelie aber sagen wollte war dieses: Eine neue Mädchengeneration hat die Nägel jetzt in buntem Design, wußten Sie das nicht? Blau und weiß und mit Rand und so weiter. Rot ist out, so etwas von out... Alles neu macht der Mai.

Valerie begann zu rechnen.

Wie lange war sie jetzt eigentlich schon in der Öffentlichkeit en femme unterwegs? Wie lange stylte sie sich jetzt als Frau?

Waren das jetzt schon drei Jahre, dass sie fest in Narbonne lebte? Und vorher in Deutschland? Wie lange war das her, dass sie sich hatte Brüste implantieren lassen? Lange war das her, sehr lange und im Einzelnen kaum mehr erinnerlich. Und noch davor? Die Zeit in der Marketingabteilung bei der Autofirma? Die alten Kollegen? Ihr outing in der Firma? Das kam ihr schon fast vor wie die ganz graue Vorzeit.

Sie rechnete erneut nach und korrigierte sich. Wenn man richtig überlegte, war sie jetzt vielleicht sechs Jahre oder etwas mehr als Valerie unterwegs, was konkret heißt: täglich 24 Stunden im Frauenmodus.

Und jetzt, mit ihren zweiunddreißig gehörte sie also nicht mehr zu den Jungen, was heißt, da draußen gab es schon eine neue Generation, und die machte sich die Nägel anders, malte sich die Lippen anders, und trug auch noch Hosen?

Allein der Gedanke an Hosen machte Valerie schaudern. Niemals würde sie Hosen tragen, no way, never, jamais, jamais, jamais..


Fortsetzung in etwa einer Woche.

Lieben Gruß,

Valerie :()b

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 722 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mo 9. Sep 2019, 21:49

"Niemals Hosen".... eine steile Behauptung. Eines ist sicher: Jeans meinte sie damit nicht. Jeans liebte sie, Jeans hatte sie viele.

L. G. Valerie

Christiane04
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Re: Valeries Welt

Post 723 im Thema

Beitrag von Christiane04 » Di 10. Sep 2019, 15:26

Hallo Valerie
Würde mich also durchaus freuen, gelegentlich wieder von euch Leserinnen und Lesern zu hören. Das müssen keine ausgefeilten Rezensionen oder kluge Analysen sein, kleine Bemerkungen genügen, wenn sie von Herzen kommen, von solchen Statements habe ich immer am meisten gelernt...
Ich gebe gerne mal wieder einen Gedankenanstoß....
Wie wäre es, wenn die Protagonistin auch mal ein bisschen nagende Selbstzweifel plagen würden, so wie viele von uns! Gerade das herauf ziehende Thierry tete a tete könnte doch so etwas befördern ? Und Frauen zweifeln doch ständig an sich selbst, mindestens an ihrem Aussehen. Tatsächlich fände ich dann aber auch eine dauerhafte Beziehung zur Überraschung aller anderen Personen in deiner Geschichte auch sehr schön. :wink: Oder so wie du es gestaltest u es dir gefällt!
Weiter so - sehr schön.

Lg Christiane
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Re: Valeries Welt

Post 724 im Thema

Beitrag von Diva » Di 10. Sep 2019, 17:00

Valerie Bellegarde hat geschrieben:
Mo 2. Sep 2019, 19:15
Liebe Leserinnen und Leser,
...
Natürlich lebt jeder, der schreibt, von den Rückmeldungen aus dem Publikum.
...
Das müssen keine ausgefeilten Rezensionen oder kluge Analysen sein, kleine Bemerkungen genügen, wenn sie von Herzen kommen, von solchen Statements habe ich immer am meisten gelernt...

Lieben Gruß

Valerie Bellegarde :()b
Liebe Valerie,

da du um Feedback bittest, nur ein paar Kleinigkeiten, weder klug noch ausgefeilt - lach:
Valerie Bellegarde hat geschrieben:
Do 15. Aug 2019, 14:08
Teil 2, Kapitel 57 …. „Je nachdem, wie man es betrachtet“….

...
„Und warum steht dann hier ertwas von einem öffentliches Ärgernis?“ kam aber sofort die Rückfrage.
...
„Wir haben ein wenig herumgeknutscht, Erwin und ich“ gab Valerie zu.
...
„Die Wohnhäuser sind auf der anderen Seite des Kanals und über die Straße“ warf Valerie ein.

„Das sind mindestens 100 Meter“ fügte sie hinzu.
Wenn hier überall noch ein Komma nach dem letzten Anführungszeichen zur Abgrenzung des Inquits gesetzt wird, ist es perfekt ;-) Das sollte auch gelten, wenn deutsche Übersetzungen in Klammern folgen und danach ein Inquit.

z.B.
„Das sind mindestens 100 Meter“, fügte sie hinzu.
Valerie Bellegarde hat geschrieben:
Mo 9. Sep 2019, 18:22
Teil 2 Kapitel 62.

Vergiftete Komplimente.

Eine Woche darauf hatte Valerie ihren Termin im Nagelstudio Kris ongles, sie ließ sich dort etwa zweieinhalb Stunden lang Gelnägel machen, die anschließend knallrot lackiert wurden.
...
Beim Rückweg zum Auto bemerkte sie an sich selbst, wie sie ihre Finger leicht gespreizt hielt, als müssten die Nägel noch trocknen, was natürlich völlig unnötig war, aber man sieht daran, dass sie ein klein wenig aufgeregt sie war, sie fand sich und ihre neuen Hände wirklich schön und attraktiv.
Schachtelsätze sind als Häufung vielleicht nicht soo super chic. Inbesondere dann, wenn man verkürzen kann, indem einfach das Komma durch einen Punkt ersetzt wird. Das verschafft Leser*Innen eine Atempause:

z.B.
Eine Woche darauf hatte Valerie ihren Termin im Nagelstudio Kris ongles. Sie ließ sich dort etwa zweieinhalb Stunden lang Gelnägel machen, die anschließend knallrot lackiert wurden.

Oder die Entflechtung erfolgt durch eine kleine Wortumstellung:

z.B.
Beim Rückweg zum Auto bemerkte sie an sich selbst, wie sie ihre Finger leicht gespreizt hielt, als müssten die Nägel noch trocknen. Das war jedoch völlig unnötig, aber man sieht daran, dass sie ein klein wenig aufgeregt sie war, sie fand sich und ihre neuen Hände wirklich schön und attraktiv.

Mark Twain war ja derart extremistisch, dass er zur "Tötung" aller Adjektive aufrief. Leider fällt mir niemand ein, der das den Schachtelsätzen androhte.

LG
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Re: Valeries Welt

Post 725 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Di 10. Sep 2019, 19:21

Liebe Diva,

Vielen Dank für deine beiden Anmerkungen, zum inquit und zu den Schachtelsätzen. Ich bin wirklich geschmeichelt, so professionell gelesen und beraten zu werden und freue mich, dass du dich so genau mit meiner Schreibe beschäftigst. Ist ja fast schon ein Lektorat (grins).

Du magst formal Recht haben, was die Kommasetzung angeht, allerdings gibt es zum Thema inquit auch andere Meinungen, dass es z.B. als Stilmittel weggelassen werden kann. (s. Wiki).

Was diese Schachtelsätze angeht, so werde ich das wahrscheinlich kaum oder nie ändern oder mich hier auch nur abbremsen können, denn das ist nun mal wirklich mein gewöhnlicher und eingefahrener Schreibstil, es fließt mir beim Schreiben so aus dem Finger in die Tastatur und du wirst z.B. sicher auch schon bemerkt haben, dass ich manche Dinge zweimal, dreimal sage, aber jeweils in einer anderen Formulierung, ich mag das einfach, diese langen Sätze, das ist Valeries Schreibe. Dass dann auch mal Kommas einfach unter den Tisch fallen, ist lässlich. Es kommt sogar vor, dass ich Sätze, die einmal geschrieben sind und beim Durchlesen eh' schon lang und gewunden wirken, durch die nachträgliche Einfügung eines Gedankens noch einmal verlängere.

Ich habe mich in letzter Zeit damit beholfen, dass ich beim Durchlesen nachträglich Absätze einfüge, das macht das Ganze leichter lesbar.

Ebenso die Adjektive. Schön, an Mark Twain gemessen zu werden. Aber ich liebe Adjektive wirklich, und weil sie so schön sind, streue ich sie reichlich in einen Text ein.

Überhaupt ist das Schreiben für mich eine sehr emotionale und intensive Angelegenheit, und wenn ich in gelöster Stimmung bin, fließt es mir halt quasi ungebremst aus der Feder und die deutsche Rechtschreibung fällt kurz ab und zu auch mal unter den Tisch. Natürlich hebe ich sie von dort auch wieder auf.

Lieben Gruß,

Valerie

Dann

Bitte um

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Re: Valeries Welt

Post 726 im Thema

Beitrag von Diva » Di 10. Sep 2019, 21:08

Valerie Bellegarde hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 19:21
Liebe Diva,

Vielen Dank für deine beiden Anmerkungen, zum inquit und zu den Schachtelsätzen. Ich bin wirklich geschmeichelt, so professionell gelesen und beraten zu werden und freue mich, dass du dich so genau mit meiner Schreibe beschäftigst. Ist ja fast schon ein Lektorat (grins).
Liebe Valerie,

mit dem "Lektorat" liegst du beinahe richtig. Wobei es in deinem Fall nur ansatzweise ein Korrektorat war. Ich hab jahrelang zig Prosa-Manuskripte unterschiedlicher Genre korrigiert und lektoriert. Deshalb sehe ich solche Dinge auf Anhieb, ohne mich wirklich genau mit einer Schreibe zu beschäftigen. Ich hoffe, dich jetzt nicht zu enttäuschen, denn inhaltlich hab ich keinen Schimmer von deinen Texten und kein einziges Kapitel in Gänze gelesen.
Valerie Bellegarde hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 19:21
Du magst formal Recht haben, was die Kommasetzung angeht, allerdings gibt es zum Thema inquit auch andere Meinungen, dass es z.B. als Stilmittel weggelassen werden kann. (s. Wiki).
Hm, andere Meinungen gibt es mehr als Menschen mit Meinungen, aber ich richte mich immer nach den geltenden Regeln. Die Autoren, für die ich damals arbeitete, haben alle ihr Zeug veröffentlicht und mussten sich den Regeln beugen. Wer formelle Fehler als "Stilmittel" rechtfertigen mag, hat auf dem Buchmarkt keine Chance, es sei denn, er / sie führt bereits einen bekannten Namen mit Stammleserschaft.

Aus dem Wiki ist mir nur Folgendes bekannt und dort entsprechen die Beispiele meinen Anmerkungen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Direkte_Rede
Valerie Bellegarde hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 19:21
Was diese Schachtelsätze angeht, so werde ich das wahrscheinlich kaum oder nie ändern oder mich hier auch nur abbremsen können, denn das ist nun mal wirklich mein gewöhnlicher und eingefahrener Schreibstil, es fließt mir beim Schreiben so aus dem Finger in die Tastatur und du wirst z.B. sicher auch schon bemerkt haben, dass ich manche Dinge zweimal, dreimal sage, aber jeweils in einer anderen Formulierung, ich mag das einfach, diese langen Sätze, das ist Valeries Schreibe. Dass dann auch mal Kommas einfach unter den Tisch fallen, ist lässlich. Es kommt sogar vor, dass ich Sätze, die einmal geschrieben sind und beim Durchlesen eh' schon lang und gewunden wirken, durch die nachträgliche Einfügung eines Gedankens noch einmal verlängere.
Ich versetze mich einfach in die Rolle einer Vorleserin und wenn mir die Puste zwischendurch ausgeht, ist der Satz zu lang. Eine Vorleserin mit Schnappatmung wäre bei einer Lesung keine schöne Vorstellung. Aber das ist reine Ansichtssache. Allerdings kann ich aus Erfahrung sagen, dass meine damaligen Kollegen ebenso korrigiert haben. Das Gehirn verarbeitet kurze prägnante Sätze besser. Eine ständige Konzentration darauf, den besagten Faden nicht zu verlieren, strengt Leser und Zuhörer gleichermaßen an. Das ist bei etlichen Fernsehaufzeichnungen gut zu beobachten.
Valerie Bellegarde hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 19:21
Ebenso die Adjektive. Schön, an Mark Twain gemessen zu werden. Aber ich liebe Adjektive wirklich, und weil sie so schön sind, streue ich sie reichlich in einen Text ein.
Das ist ein Missverständnis. Ich habe dich nicht an Mark Twain gemessen, sondern lediglich bedauert, dass mir in Bezug auf Schachtelsätze kein prominenter Kritiker einfällt. Adjektive sind m.E. gar nicht dein Problem, sondern eher Massen von Füllwörtern. Aber soweit wollte ich nicht gehen.
Valerie Bellegarde hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 19:21
Überhaupt ist das Schreiben für mich eine sehr emotionale und intensive Angelegenheit, und wenn ich in gelöster Stimmung bin, fließt es mir halt quasi ungebremst aus der Feder und die deutsche Rechtschreibung fällt kurz ab und zu auch mal unter den Tisch. Natürlich hebe ich sie von dort auch wieder auf.
Klar, das ist es für alle am Anfang. Aber wer die Sache ernsthafter betreiben will und z.B. veröffentlicht, kommt schnell dahinter, dass die Schreiberei harte Arbeit darstellt, falls der Text einem breiten Publikum zugemutet werden soll. Auch wird man nicht ohne Fremd-Lektorat auskommen, weil man für eigene Fehler meist blind ist.
Du kannst das locker sehen, wenn du keine solchen Ambitionen hegst, und musst keine professionalen Maßstäbe anlegen. Dem Stress braucht sich keine Hobby-Schreiberin auszusetzen. Das wäre ja so, als würde man beim Golf von Anfang an mit PRO-Handycap spielen und von ganz hinten abschlagen - lach. Also: Alles im grünen Bereich!

LG
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Re: Valeries Welt

Post 727 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Fr 13. Sep 2019, 11:43

Hallo, Ankündigung !
Die neue Episode aus Valeries Welt heißt "Retrospektive Maillol / Rodin und geht demnächst raus, spätestens aber am kommenden WE.

FF … Valerie

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 728 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Sa 14. Sep 2019, 14:20

Teil 2 Kapitel 63:

Total Immersion

In der französischen Stadt Perpignan, die etwa eine halbe Autostunde südlich von Narbonne und unweit der spanischen Grenze gelegen ist, gibt es das regional gut bekannte Kunstmuseum Rigaud, eine halb von der Stadt und einem privaten Sponsor unterhaltene Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Werke von bildenden Künstlern auszustellen, die in der Region gearbeitet haben und die es auch heute noch reichlich gibt hier unten im französischen Süden.

Aktuell sind dort im Musée Rigaud auf mehreren Etagen einige schöne Arbeiten der Bildhauer Maillol und Rodin ausgestellt. Das Konzept der Ausstellung ist spektakulär, denn jeder Figur von Maillol steht etwas Entsprechendes von Rodin gegenüber, also ein Portrait einem Portrait, eine liegende Figur einer liegenden Figur, und eine Gruppe von Rodin einer anderen Gruppe von Figuren, wie sie Maillol darstellt. Dieses Konzept macht die Sache für den Betrachter außerordentlich interessant.

Valerie besaß einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und schöne Dinge. Sie wohnte ja nun schon eine Weile in der Stadt, also kannte in der Region bereits ein paar Museen und hatte auch das Geburtshaus von Maillol in der Nähe des Dorfes Colliure bereits einmal besucht, das heute ebenfalls Museum ist, unter anderem hat sich der Künstler in seinem eigenen Garten begraben lassen, damals war das wohl noch möglich, aber vielleicht ist es damals auch nur eine zeitweilige Mode gewesen in diesen Kreisen oder eine persönliche Macke der Künstler, denn auch der große Salvador Dali ruht ja nicht auf dem städtischen Friedhof, sondern mitten im Zentrum seiner geschäftigen Heimatstadt Figueres (Catalunya) unter einem Sarkophag, der unten im Keller des nach ihm benannten Museums steht und ebenfalls zu besichtigen ist.

Inzwischen hatte Valerie das Sprachtraining für deutsche Konversation mit der Narbonner Rathausdelegation erfolgreich hinter sich gebracht. Die Damen und Herren Stadträte hatten sich reichlich Mühe gegeben, ihr in der Schule erworbenes-Deutsch aufzupolieren, was natürlich nicht jedem gleichgut gelang, zu lange lag der Schulunterricht für die meisten zurück. Valerie ihrerseits hatte nicht die geringste Ahnung von Fremdsprachen-Didaktik und auch keinerlei Ehrgeiz als Deutschlehrerin, also zog sie die Konversationsabende nach ihrer persönlichen Methode durch: Total immersion.

Total immersion wurde von der Sprachschule Berlitz erfunden und bedeutet auf Deutsch so etwas wie „völliges Eintauchen“. Es wurde also von Anfang bis zum Ende der Stunde nur die Fremdsprache Deutsch gesprochen, eine für die französischsprachigen Teilnehmer recht anstrengende Lehrmethode. Man könnte diese didaktische Methode, so brutal, wie sie von Valerie angewendet wurde, auch bezeichnen als die Methode „Friß, Vogel, der stirb“. Das klingt weniger nett aber trifft den Kern der Sache recht genau. Jedenfalls kam ihre Art, den Kurs durchzuziehen ihrer Persönlichkeit am nächsten, denn sie ist immer ins kalte Wasser gesprungen ohne viel zu planen und zu überlegen, und hat sich neue Dinge immer selbst erarbeitet. Das Gleiche erwartete sie auch von anderen.

Thierry Elouard war übrigens an keinem einzigen der Konversations-Abende anwesend gewesen. Eigentlich hatte sie es auch nicht erwartet, denn als Notar war er zwar Kommunalbeamter, gehörte aber nicht zum Gemeinderat. Trotzdem, auch wenn es unlogisch war, irgendwie rechnete sie schon damit, ihrem Thierry dort im Rathaus irgendwie, irgendwann über den Weg zu laufen, allerdings erfüllt sich diese Hoffnung nicht.

Im Grunde war es also völlig unnötig gewesen, sich für den Kurs aufzuhübschen und sich für fast hundert Euro bei Aurelie, der Maniküre, schöne lange Gelnägel machen zu lassen. Auch ihre neue Business-Hochsteckfrisur, die sich eigens für die Einsätze im Narbonner Rathaus beim Friseur hatte machen lassen, schien auf den ersten Blick rausgeschmissenes Geld zu sein, so blieb zu befürchten. Trotzdem trug sie ihre neue Hochsteckfrisur im Geschäft noch weiter, denn die Mädels im Büro fanden ihren neuen hairstyle toll und absolut businesslike, und auch und auch ihre Freundin Delphine sparte nicht mit Komplimenten, als sie Valeries neue Haare zum ersten Mal sah.

Allmählich schien er dann wieder einzukehren in Valeries Leben, der gleichförmige Büroalltag. Wenn Termine für Kundenbesuche in ihrem Kalender vermerkt waren, musste sie oft längere Strecken mit dem Auto zurücklegen, die Nachmittage und Abende verbrachte sie dann meistens allein am Schreibtisch, um das abzuarbeiten, was ihr die Mädels auf den Tisch gepackt hatten.

Dann, als sie eigentlich nicht mehr ständig daran dachte, kam er aber doch, der Anruf aus dem städtischen Notariat. Thierry lud sie zu dieser Retrospektive Maillol / Rodin nach Perpignan ein und hatte sich sogar den ganzen kommenden Sonntag dafür reserviert, man könnte ja eventuell später noch gemeinsam Essen gehen in Perpignan, ob sie dafür wohl Zeit und Lust hätte, also zuerst Kunstmuseum und dann Restaurantbesuch, nur sie beide?

Valerie freute sich wirklich, man konnte es am Klang ihrer Stimme bemerken, aber auch an ihrer Herzschlagfrequenz, die sich sofort erhöht hatte, nachdem Josette, ihre Sekretärin, den Anruf aus der Rue Gambetta durchgestellt hatte.

„Ohhh… ja, dort wollte ich sowieso schon immer mal hin, in diese Ausstellung“, sagte sie.

„Gut, dann passt das ja“, antwortete er am anderen Ende der Leitung. „Und vergiss nicht, es in deinem Kalender einzutragen, 10.00 Uhr am kommenden Sonntag, ich hole dich mit dem Auto ab“, setzte er noch hinzu.

„Ist gebongt“, antwortete Valerie.

Er würde sie dann also zuhause abholen. Aber… so fiel es ihr dann ein…. Wußte er überhaupt wo sie wohnte? Hatte er eigentlich ihre Adresse?



Fortsetzung demnächst, hier in diesem Theater.

Lieben Gruß

Valerie :()b

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Re: Valeries Welt

Post 729 im Thema

Beitrag von Christiane04 » Sa 14. Sep 2019, 19:14

Hallo Valerie,

Schöne Folge mit einem netten Cliffhanger. Bemerkungen zur Satzgestaltung fände ich jetzt nicht nötig :D
Bitte weiter so, ich mag unheimlich die detaillierten Umgebungsbeschreibungen und die französischen
Einsprengsel. Gerne mehr davon!

Danke Christiane
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Re: Valeries Welt

Post 730 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » So 15. Sep 2019, 07:55

hallo Christiane,
Lieben Dank für deine Anmerkungen. Ich nehme jede Leserreaktion auf, egal ob zu Form oder Inhalt, denn schließlich schreibe ich für euch, meine Leserinnen und Leser. Schönen Sonntag noch.

Valerie

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Re: Valeries Welt

Post 731 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL » Mo 16. Sep 2019, 12:16

(ki) Danke Valerie, (ki)
für die schöne Fortsetzung, ich bin wieder mal
gespannt wie es bei diese Geschichte weitergeht,
Hat sich V... so schön zurecht gemacht ist der Thierry, garnicht beim Deutsch-Kursus.
Aber dann diese Wendung mit Museum und Essen gehen, mal schauen wie es da am Sonntag
weitergeht.
in freudiger Erwartung
lg von LILO-GINA (ki) (ki)
Seufzer gleiten die Seiten des Herbstes entlang,
Treffen mein Herz mit einem Schmerz dumpf und bang

Valerie Bellegarde
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Post 732 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mo 16. Sep 2019, 14:01

Hi Lilo,
das hätte sie sich aber auch denken können, Notare sind eben keine Gemeinderäte. Trotzdem, die neue Frisur gefällt allgemein gut. Passt auch besser zu einer Geschäftsfrau als vorher, als sie das Haar noch einfach lang wachsen ließ (ohne Schnitt). Damals hat sie es auch tagsüber meistens offen getragen, oder auch mal als Pferdeschwanz oder einen kleinen Dutt mit Stirnfransen nach vorne. Heute ist ihr glattes Naturhaar mehr als schulterlang und sie färbt es weizenblond. Sie macht sich die Hochsteckfrisur jeden Morgen selbst, nämlich gründlich durchkämmen, ein bisschen bürsten, kurz toupieren, dann den Pferdeschwanz machen, dabei ins Haargummi ziemlich weit unten im Nacken ansetzen, den restlichen Schwanz knoten (eine Schnecke machen), den Rest einstecken und mit Haarnadeln oder Klammer festmachen. Ist keine Hexerei, Frau will halt schön sein, aber sie hat ein Auge dafür und auch ein Händchen...

L.G. Valerie

Ach so und die Sache mit Thierry dem Notar? Ach weißt du, der ist ja schon älter und nimmt sich mehr Zeit als ein Junger, er ist auch nicht mehr so stürmisch, claro ? Mal sehen, wie es mit Thierry so weitergeht ("alles kann, nichts muß" ) ... warst du das, der das mal sagte hier?

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