Helga goes shopping
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Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Helga
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Helga goes shopping

Post 1 im Thema

Beitrag von Helga » Mi 22. Mai 2019, 21:54

Helga goes Shopping 

Endlich hat die bereits angekündigte erste Shoppingtour als Helga stattgefunden (viewtopic.php?t=18008) . Statt Oldenburg oder Hamburg wurde es allerdings Minden.
Das kam so: Ich hatte mich zu einem mehrtägigen Kongress in Köln angemeldet. Um mehr Freiheiten zu haben hatte ich mein Zimmer nicht im Kongresshotel sondern in einem kleinen Hotel in der Altstadt gebucht. Mein männliches Gepäck hätte problemlos in eine Aktentasche gepasst, da ich noch einige Sachen zusätzlich mitnahm war ich allerdings mit einem ziemlich großen Rollkoffer unterwegs. Natürlich wollte ich die Gelegenheit nutzen und spielte mit dem Gedanken Köln zumindest teilweise als Frau zu erleben. Hierbei hatte ich jedoch nicht damit gerechnet, dass an der Rezeption Tag und Nacht ein Portier saß der ein unbemerktes Kommen und Gehen unmöglich machte zumal er auch noch die Zimmerschlüssel einkassierte. Dieser Torwächter erzeugte in dieser  Situation eine sehr große Hemmschwelle. Einige werden jetzt sicherlich sagen, dass man sich von Soetwas nicht beirren lassen darf (und haben vermutlich Recht damit), aber der Portier kannte meinen Namen und meine Adresse. Sollte ich mich hier vor einem Fremden outen? Da Köln auch für Männer einiges zu bieten hat zog ich also im Männermodus los, das Crossdressing fand anschließend heimlich im Hotelzimmer statt.
Auf dem Rückweg nach Hause machte ich bei einem alten Freund aus Studienzeiten im Westfälischen halt, wo ich eine allerdings nur noch kurze Nacht verbrachte.
Der kürzeste Weg nach Hause führte am nächsten Tag über die A2 bis nach Minden und von dort über die Bundesstraße nach Bremen. Die verpasste, oder eher verpatzte Gelegenheit in Köln frustrierte mich. Da der Koffer mit der gesamten Ausstattung im Kofferraum lag drängte sich der Gedanke auf dies noch schnell nachzuholen. Also steuerte ich kurz vor Minden einen einsam gelegenen Waldparkplatz an, bastelte mit einer Decke einen Sichtschutz in die Windschutzscheibe, setzte mich auf den Rücksitz und schminkte mich. Ist dies unter optimalen Bedingungen schon recht mühselig, stellt sich dies im Auto trotz des mitgeführten beleuchteten Schminkspiegels als noch schwieriger dar. Aber: Wer schön sein will muss leiden und nach etwa eineinhalb Stunden fühlte ich mich schön genug in die Öffentlichkeit zu gehen. Da ich noch nie zuvor in Minden gewesen bin befragte ich google, und fand die Adresse des Parkhauses Hagemeyer, die ich in das Navi eingab.
Dort angekommen fuhr ich auf die oberste Ebene wo nur 3 Fahrzeuge standen. Die ersten Schritte sind immer die schwersten. Nachdem mir auf der Treppe mehrere Leute entgegenkamen die mir keine Beachtung schenkten würde es leichter. Am Fuß der Treppe kam mir eine Frau entgegen, die möglicherweise auch eine männliche Vergangenheit hatte. Sicher war ich mir allerdings nicht.
Ich verließ das Parkhaus durch einen Hinterausgang und landete auf einer Straße, die von malerischen Fachwerkbauten gesäumt war. Ich trug einen hellbeigen Trenchcoat, darunter ein violettes Kleid italienischen Ursprungs mit raffiniertem Schnitt, der durch Stoffraffungen eine wunderbare Figur zaubert. Schwarze Spangenpumps mit 4cm Absätzen, graublonde Kurzhaarperücke und Sonnenbrille. Zum Glück hatten die Pumps keine Pfennigabsätze, dennoch war das Laufen auf dem Kopfsteinpflaster ziemlich holprig. Die eigentlich Fußgängerzone verlief parallel zu der kleinen Straße in der ich unterwegs war. Nachdem mir mehrere Laute begegnet waren fühlte ich mich reif für den Sturz in das Getümmel. 
In der Fußgängerzone würde ich dann doch von einigen Männern ziemlich unverhohlen angestarrt. Die Frauen waren in dieser Beziehung deutlich diskreter. Ich entschied jedoch ziemlich schnell dass mir dies völlig egal sein konnte. Mit Jeans, Turnschuhen und Bluse hätte ich vermutlich weniger Blicke auf mich gezogen als mit dem langen Mantel, doch wenn ich schonmal rauskomme möchte ich mich auch schick machen. An anderer Stelle im Forum wurde die kürzlich kontrovers diskutiert.

Minden stand ganz im Zeichen der Europawahl. Die AfD hatte einen Stand aufgebaut, Passanten wurden angesprochen. Mich sprach leider niemand an, ich hätte gerne gefragt was die AfD bereit wäre für Menschen wie mich zu tun. Dafür kam mir ein anderer Mann freundlich lächelnd entgegen und sagte: "Die SPD schenkt Ihnen eine Tüte Gummibärchen!" Das war doch mal ein netter Zug. Ich bedankte mich höflich mit leiser, abgerundeter Männerstimme. 
Ermutigt machte ich mich daran die Fußgängerzone zu erkunden. Ich hatte mir 4 Punkte vorgenommen: Etwas anprobieren, etwas kaufen einen Cappuccino trinken und die Damentoilette zu benutzen. Für den Beginn erschien mir C&A am geeignetsten. Ich spielte mit dem Gedanken mir ein langes Sommerkleid zuzulegen und fand eines das halbwegs passabel aussah. Die Umkleidekabine stellte eine gewisse Erleichterung dar, da ich mich endlich unbeobachtet fühlen könnte. Das Kleid war jedoch ein Reinfall. Es war so tief ausgeschnitten dass nicht nur mein unrasiertes Dekolleté sondern auch der BH sichtbar wurde. Im großen Spiegel könnte ich immerhin Make-up und Outfit kontrollieren und beschloss den Mantel aufgrund der hohen Temperaturen offen zu tragen.
Nach Verlassen der Kabine fiel mein Blick auf die Ständer mit Unterwäsche. Als Mann traue ich mich nicht in BHs und Schlüpfern zu kramen (ich stamme halt noch aus einem anderen Jahrhundert), als Frau war dies nach ganz kurzem Zögern und trotz der Verkäuferin die dort Wäre einordnete kein Problem. Da mein 95B zu weit geworden war wollte ich mir eine Nr. kleiner zulegen. Ein passendes Exemplar in bevorzugtem schwarz war schnell gefunden, jedoch konnte ich keine Kasse erspähen. Einfach die Verkäuferin gefragt, die mich freundlich auf "direkt vor der roten Wand" hinwies. Angestellt, bezahlt und freundliche Worte gewechselt. Einkaufen ist so einfach.
Meine Blase forderte mich auf den vierten und vermutlich heikelsten Punkt meiner to do Liste jetzt möglichst zeitnah in Angriff zu nehmen. Bei C&A konnte ich keinen Hinweis auf eine Kundentoilette entdecken, daher verließ ich das Gebäude und wandte mich in Richtung des Kaufhauses Hagemeyer. Direkt hinter dem Eingang war ein Ständer mit netten Sommerkleidern, allerdings alle ohne Verschlüsse, das heißt zum über den Kopf ziehen, was ich unpraktisch finde da ich mich vor dem Anziehen schminke. Die Kundentoilette befand sich im 4.OG. Zielstrebig die Tür mit dem Damen- Symbol angesteuert und eine Kabine aufgesucht. Zum Händewaschen wie selbstverständlich neben zwei anderen Frauen platziert. Keine nahm Anstoß.

Direkt vor dem Kaufhaus war ein Straßencafé mittig in der Fußgängerzone platziert. Um niemandem zu dicht auf die Pelle zu rücken, der möglicherweise an meiner Nähe Anstoß nehmen könnte, nahm ich an einem freien Tisch in der Ecke Platz. Zu den nächsten besetzten Tischen war jeweils ein Tisch frei. Der südländische Kellner kam und nahm die noch freien Stühle von meinem Tisch weg ohne sich zu erkundigen ob ich noch jemanden erwarte. Dann ging er wieder. Während ich mir überlegte, ob ich aus diesem handeln irgendwelche Schlüsse ziehen sollte, füllten sich die freien Tische neben mir. Der Sicherheitsabstand war völlig unbegründet. Der Kellner kehrte zurück und nahm als erstes meine Bestellung auf bevor die Nebentische dran waren, also waren auch diese Bedenken unbegründet. Vorsichtig schlürfend um mit dem Milchschaum nicht die Schminke auf meiner Oberlippe zu verschmieren trank ich meinen Cappuccino. Der Lippenstift hinterließ ziemliche Suren auf der Tasse. Ich winkte dem Kellner und rundete die 2,40 auf 3€ auf.

Damit hatte ich die selbstgestellten Aufgaben erfüllt. Ich würde etwas lockerer, hatte mich in der Mindener Fußgängerzone akklimatisiert und wurde in meiner Rolle sicherer. Ich schlenderte durch die Einkaufsstraßen, durchsuchte die rausgestellten Sonderangebote vor den Damenbekleidungsgeschäften (in der Regel zu klein) und machte in einer ruhigen Seitenstraße Bilder von mir selbst.
Bei H&M probierte ich noch zwei Sommerkleider an. Das eine saß wie ein Futtersack das andere hatte wieder einen viel zu tiefen Ausschnitt. Das schönste Kleid im Laden lag neben mir auf dem Stuhl in der Umkleidekabine.
Ich ging noch ein Stück an der Weser spazieren, machte mich dann aber auf den Weg zum Parkhaus da ich (als Mann) zuhause erwartet wurde. 
Ich wollte mir eigentlich einen ruhigen Waldweg für die Demaskierung suchen, aber irgendwie war es wohl so, dass ich das Frausein möglichst lange auskosten wollte. Ich fuhr an sämtlichen Parkplätze und Abzweigungen vorbei. Schließlich erreichte ich das Weichbild von Bremen. Mit meiner Sporttasche in der Hand ging ich in den IKEA Markt. Diesmal steuerte ich zielstrebig die Herrentoilette an und schloss mich in der King-Size Kabine ein. Nach ca. 10 Minuten war ein für die Familie vorzeigbarer Zustand wieder hergestellt, ich machte mich auf den Weg nach Hause.

Ich bin mit meiner ersten richtigen Shoppingtour sehr zufrieden. Es gibt sicher noch einiges am Passing zu verbessern aber man möchte sich ja auch weiterentwickeln.

Aus dieser Tour nehme ich folgende Erkenntnis mit: Die Menschen sehen in mir die Frau, erkennen aber den Mann dahinter. Wenn mir dies bewusst ist muss ich keine Angst vor "Entdeckung" haben und kann mich sehr viel freier bewegen.

Liebe Grüße
Helga
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Re: Helga goes shopping

Post 2 im Thema

Beitrag von Diva » Do 23. Mai 2019, 11:28

Hallo Helga,

danke für den unterhaltsamen Bericht! Bei einigen Passagen schwelge ich in Erinnerungen und kann mir Kommentare nicht verkneifen:
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Hierbei hatte ich jedoch nicht damit gerechnet, dass an der Rezeption Tag und Nacht ein Portier saß der ein unbemerktes Kommen und Gehen unmöglich machte zumal er auch noch die Zimmerschlüssel einkassierte. Dieser Torwächter erzeugte in dieser  Situation eine sehr große Hemmschwelle.
Manchmal ist der Torwächter das einzig Schlimme und nicht das, was dahinter liegt ...
Ist mit der Hölle vielleicht ebenso - lach.
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Ist dies unter optimalen Bedingungen schon recht mühselig, stellt sich dies im Auto trotz des mitgeführten beleuchteten Schminkspiegels als noch schwieriger dar. Aber: Wer schön sein will muss leiden und nach etwa eineinhalb Stunden fühlte ich mich schön genug in die Öffentlichkeit zu gehen.
Glückwunsch - 1,5 Stunden für alles unter diesen Bedingungen sind gut! Zur Zeit meines Doppellebens, das zum Glück schon nach knapp einem halben Jahr der VZF wich, zog ich mich am Rande einer einsamen Holperstraße im Auto um und ergänzte Lippenstift und Mascara. Den Rest hatte ich noch zu Hause aufgetragen. Das war recht unauffällig, auch wenn ich auf dem Weg von der Haustür zum Auto manchmal der Hälfte der Dorfbevölkerung begegnete.
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Mit Jeans, Turnschuhen und Bluse hätte ich vermutlich weniger Blicke auf mich gezogen als mit dem langen Mantel, doch wenn ich schonmal rauskomme möchte ich mich auch schick machen.
Genauso ist es! Und weil ich mich jeden Tag schick machen will, ziehe ich eben jeden Tag die Blicke auf mich. Die wenige verbleibende Zeit mag ich nicht 'schlumpi' sein. Sogar in der Stadt ist Frau inzwischen bereits 'auffällig', wenn sie sich schminkt und Lipstick trägt. Es ist ein Jammer. Ich freu mich über jede Dame, die ein ordentliches Make-up hat und vielleicht noch eine zu den Schuhen passende Handtasche trägt. Das geschieht leider nur alle paar Wochen.
Wer unauffällig sein will, wählt Jeans, ausgeleiertes Shirt und abgelatschte Turnschuhe. Aber dieser Look begeistert eben doch nicht alle ...
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Minden stand ganz im Zeichen der Europawahl. Die AfD hatte einen Stand aufgebaut, Passanten wurden angesprochen. Mich sprach leider niemand an, ich hätte gerne gefragt was die AfD bereit wäre für Menschen wie mich zu tun.
Schade! Der AfD-Fritze wäre vermutlich sprachlos geworden, ohne Vorwarnung einem fleischgewordenen 'Feindbild' gegenüberzustehen. Ob der überhaupt zu einer Diskussion fähig gewesen wäre?
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Dafür kam mir ein anderer Mann freundlich lächelnd entgegen und sagte: "Die SPD schenkt Ihnen eine Tüte Gummibärchen!" Das war doch mal ein netter Zug. Ich bedankte mich höflich mit leiser, abgerundeter Männerstimme. 
Früher haben böse Männer kleine Kinder mit derlei Tricks in finstere Keller gelockt - heute lockt die ehemalige 'Volkspartei' ihr potentielles 'Stimmvieh' - rührend!
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Ermutigt machte ich mich daran die Fußgängerzone zu erkunden. Ich hatte mir 4 Punkte vorgenommen: Etwas anprobieren, etwas kaufen einen Cappuccino trinken und die Damentoilette zu benutzen.
Herrlich, dein 4-Punkte-Plan! Aber Frau braucht schließlich auch klar definierte Ziele, um nicht vom rechten Weg abzukommen ... Handtasche Steuerbord, Schuh-Sonderangebot Backbord und schon fehlt die Zeit für Toilette und / oder Cappuccino.
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Nach Verlassen der Kabine fiel mein Blick auf die Ständer mit Unterwäsche. Als Mann traue ich mich nicht in BHs und Schlüpfern zu kramen (ich stamme halt noch aus einem anderen Jahrhundert), als Frau war dies nach ganz kurzem Zögern und trotz der Verkäuferin die dort Wäre einordnete kein Problem.
Meinst du wirklich, es sind - nur - Hemmungen? Ich war nie als äußerer Kerl Damensachen shoppen, weil es einfach so keinen Spaß machte.
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Direkt hinter dem Eingang war ein Ständer mit netten Sommerkleidern, allerdings alle ohne Verschlüsse, das heißt zum über den Kopf ziehen, was ich unpraktisch finde da ich mich vor dem Anziehen schminke.
Ja, stimme ich dir zu. Und was wäre, das Kleid von unten nach oben anzuziehen? Mach ich mit vielen meiner 'Diva'-Kleider, weil die nur einen langen Rückenverschluss haben, den ich alleine nicht bedienen kann, wenn ich erst mal 'drin' bin. Also schlüpfe ich wie eine Schlangenfrau bei geschlossenem Reißverschluss rein. Das Ausziehen geht dann merkwürdiger Weise meist nur über Kopf. Deshalb sag ich immer, selbst der Satan persönlich könnte mich vor dem abendlichen Abschminken nicht dazu bewegen, so ein Kleid auszuziehen!
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Direkt vor dem Kaufhaus war ein Straßencafé mittig in der Fußgängerzone platziert.
Das mach ich auch gerne nach erfolgreicher Shopping-Beute und nenne das 'Cis-Leute-Kucken'. Wenn sie uns ankucken können, können wir das umgekehrt nicht minder gut - erst recht bei einer Tasse Café.
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Der südländische Kellner kam
Sei dir sicher, dass er dich 'erkannt' hat, noch bevor du den Mund aufgemacht hast. Das haben diese Leute im Urin.
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Vorsichtig schlürfend um mit dem Milchschaum nicht die Schminke auf meiner Oberlippe zu verschmieren trank ich meinen Cappuccino. Der Lippenstift hinterließ ziemliche Suren auf der Tasse.
Die Diva führt zu diesen Zwecken stets ein kleines Sortiment Trinkhalme in unterschiedlicher Länge in der Handtasche mit sich. Im Restaurant 'meines' Sport-Clubs wird mir inzwischen jedes Getränk mit Trinkhalm serviert ...
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Bei H&M probierte ich noch zwei Sommerkleider an. Das eine saß wie ein Futtersack das andere hatte wieder einen viel zu tiefen Ausschnitt.
H&M fährt einen m.E. sehr üblen Kurs: Such dir die schönsten Sachen online aus und du wirst feststellen, dass ausgerechnet diese den grauenhaften Vermerk 'Nicht im Geschäft erhältlich' tragen! Ich kaufe viel lieber direkt im Laden, aber diese Firma zwingt direkt zum Onlinekauf. Und ich mag das überhaupt nicht, wenn ich zu etwas gezwungen werde.
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Das schönste Kleid im Laden lag neben mir auf dem Stuhl in der Umkleidekabine.
Ich ging noch ein Stück an der Weser spazieren, machte mich dann aber auf den Weg zum Parkhaus da ich (als Mann) zuhause erwartet wurde. 
Ob du als Frau dann auch noch erwartet werden würdest, ist eine Frage, die einer gewissen Dramatik nicht entbehrt.
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Schließlich erreichte ich das Weichbild von Bremen.
Jetzt steh ich auf dem Schlauch. Was ist das 'Weichbild'? Das Bildnis des größten Bremer Weicheis?
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Nach ca. 10 Minuten war ein für die Familie vorzeigbarer Zustand wieder hergestellt, ich machte mich auf den Weg nach Hause.
Das ist eine top Zeit! Alleine Eyeliner und Mascara wirklich lupenrein abzukriegen ... und die Foundation mit Concealer & Co porentief zu entfernen! Gerade kleine Kinder bemerken wirklich alles; falls du solche im Hause hast.
Helga hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 21:54
Aus dieser Tour nehme ich folgende Erkenntnis mit: Die Menschen sehen in mir die Frau, erkennen aber den Mann dahinter. Wenn mir dies bewusst ist muss ich keine Angst vor "Entdeckung" haben und kann mich sehr viel freier bewegen.
Hm, da bin ich intellektuell ganz klar abgehängt. Wer einen Mann erkennt, kann nach meiner Auffassung keine Frau sehen. Oder? Bitte entschuldige meine Begriffsstutzigkeit.

LG
-Diva
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Re: Helga goes shopping

Post 3 im Thema

Beitrag von Helga » Do 23. Mai 2019, 17:29

Hallo Diva,
vielen Dank für deine heiteren Kommentare.
Es gelingt mir leider nicht einzelne Textpassagen zu zitieren, ich bekomme leider immer nur den gesamten Text in das Zitat. Liegt vielleicht daran dass ich meist auf dem Handy schreibe. Daher versuche ich mal die Punkte die du aufgeworfen hast der Reihe nach abzuarbeiten.
Hemmungen beim Einkauf von Damenunterwaesche. Ja tatsächlich steckt da immer noch eine Prägung aus Kindertagen im Kopf. Und du hast natürlich recht, Spaß macht es auch nicht.
Das mit den Trinkhalme ist ein guter Tipp. Wird zwar für die Umsitzenden merkwürdig aussehen aber besser als sich den Bartschatten frei zu wischen.
H&M und C&A fand ich recht enttäuschend. Online ist natürlich immer eine Wundertuete. Gerade die Damengroessen werden oftmals recht unterschiedlich interpretiert. Ich muss allerdings zugeben dass mein lieblings Shoppingcenter eBay-Kleinanzeige ist. Teilweise werden die schönsten Sachen ungetragen für wenig Geld abgegeben. Hier kann man wirklich von den Kaufraeuschen anderer profitieren.
Der Begriff Weichbild ist etwas altmodisch und wird mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt. Ich verstehe darunter die ersten Siedlungsstrukuren die der Stadt direkt oder indirekt zugeordnet werden können. In diesem Fall ein Gewerbegebiet dass sich an die Bremer Stadtgrenze anlagert aber noch zum Bundesland Niedersachsen gehört.
Demaskierung mag vielleicht auch eine Viertelstunde gewesen sein. Die Methode zum Abschminken ist allerdings nicht wirklich Lady-Like. Das gesamte Gesicht dick mit Melkfett einreiben, im Bereich der Augen nochmals einmassieren und anschließend mit der groben Seite von Küchentuechern abwischen. Zur Not an den Liedern und merkwürdigerweise meist an der Nasenspitze nochmal nachfetten. Damit verschwindet alles, Tücher gleich im WC versenkt. Ist bei täglicher Anwendung sicher nicht das Mittel der Wahl, erscheint mir alle zwei Wochen aber vertretbar.
Mit dem Mann hinter der Frau wollte ich eigentlich sagen das ich im Kopf haben muss, dass egal was ich tue mich jeder bei genauem Hinsehen als Mann erkennen kann. Wenn ich davon ausgehe dass ich sowieso enttarnt werde muss ich keine Angst mehr davor haben und kann mich ungezwungener verhalten.
Liebe Grüße
Helga
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Re: Helga goes shopping

Post 4 im Thema

Beitrag von sbsr » Fr 24. Mai 2019, 08:54

Helga hat geschrieben:
Do 23. Mai 2019, 17:29
Das gesamte Gesicht dick mit Melkfett einreiben, im Bereich der Augen nochmals einmassieren und anschließend mit der groben Seite von Küchentuechern abwischen.
Da empfehle ich doch Abschminktücher, gibt's für wenig Geld in jedem Drogeriemarkt. Hat den Vorteil, dass auch Augenmakeup relativ gut abgeht.

Helga hat geschrieben:
Do 23. Mai 2019, 17:29
Mit dem Mann hinter der Frau wollte ich eigentlich sagen das ich im Kopf haben muss, dass egal was ich tue mich jeder bei genauem Hinsehen als Mann erkennen kann. Wenn ich davon ausgehe dass ich sowieso enttarnt werde muss ich keine Angst mehr davor haben und kann mich ungezwungener verhalten.
Die Einstellung finde ich gold richtig. Ich dachte anfangs auch, ich muss unbedingt perfekt als Frau durchgehen, sonst ist das ja ultra peinlich. Mir wurde schnell klar, dass das eh nicht klappt, und anstatt mich jedes mal zu grämen, was denn dieser oder jener Blick wohl zu bedeuten hatte, lächle ich inzwischen einfach zurück wenn ich schief angeschaut werde.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

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Re: Helga goes shopping

Post 5 im Thema

Beitrag von Diva » Fr 24. Mai 2019, 09:19

Hallo Helga,

o weh,das Getippsel auf dem Handy wäre mir zu anstrengend. Erst recht, wenn dann im Browser nicht alles funktioniert.
Helga hat geschrieben:
Do 23. Mai 2019, 17:29
Das mit den Trinkhalme ist ein guter Tipp. Wird zwar für die Umsitzenden merkwürdig aussehen aber besser als sich den Bartschatten frei zu wischen.
Es wird doch ohnehin 'gekuckt'. Die Umsitzenden dürfen denken, was sie wollen. Wer dazu auch noch nachdenkt, findet sicher sogar die Lösung für derlei 'Extravaganz'. Bei mir passt das sogar eher ins Gesamtbild, als wenn ich mich schlürfend und wischend gebärden würde.
Helga hat geschrieben:
Do 23. Mai 2019, 17:29
H&M und C&A fand ich recht enttäuschend. Online ist natürlich immer eine Wundertuete. Gerade die Damengroessen werden oftmals recht unterschiedlich interpretiert. Ich muss allerdings zugeben dass mein lieblings Shoppingcenter eBay-Kleinanzeige ist. Teilweise werden die schönsten Sachen ungetragen für wenig Geld abgegeben. Hier kann man wirklich von den Kaufraeuschen anderer profitieren.
Allerdings stelle ich mir das bei Privatkäufen wesentlich komplizierter vor mit dem Umtausch, wenn was nicht passt. Ich hab nur sehr wenig von Privat gekauft. A&V hatte ich mal versucht, sogar einen großen, stilvollen Retrostyle-Laden ... Hab mich dann aber geekelt, weil ich ständig dran denken musste, dass die meisten Menschen, die diese Klamotten mal trugen, inzwischen von Würmern zerfressen werden. Ich würde quasi den Tod auf der Haut tragen. Mir reicht es schon, dass ich den Tod ständig in meiner Seele trage ...
Helga hat geschrieben:
Do 23. Mai 2019, 17:29
Der Begriff Weichbild ist etwas altmodisch und wird mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt. Ich verstehe darunter die ersten Siedlungsstrukuren die der Stadt direkt oder indirekt zugeordnet werden können. In diesem Fall ein Gewerbegebiet dass sich an die Bremer Stadtgrenze anlagert aber noch zum Bundesland Niedersachsen gehört.
Super - wieder was gelernt. So ganz blöd werde ich demnach nicht sterben. Danke für die Erklärung!
Helga hat geschrieben:
Do 23. Mai 2019, 17:29
Mit dem Mann hinter der Frau wollte ich eigentlich sagen das ich im Kopf haben muss, dass egal was ich tue mich jeder bei genauem Hinsehen als Mann erkennen kann. Wenn ich davon ausgehe dass ich sowieso enttarnt werde muss ich keine Angst mehr davor haben und kann mich ungezwungener verhalten.
sbsr hat geschrieben:
Fr 24. Mai 2019, 08:54
Die Einstellung finde ich gold richtig. Ich dachte anfangs auch, ich muss unbedingt perfekt als Frau durchgehen, sonst ist das ja ultra peinlich. Mir wurde schnell klar, dass das eh nicht klappt, und anstatt mich jedes mal zu grämen, was denn dieser oder jener Blick wohl zu bedeuten hatte, lächle ich inzwischen einfach zurück wenn ich schief angeschaut werde.
Okay, jetzt begreife ich deine Worte. Es ist in der Tat entspannter, auf diese Art an die Sache ranzugehen. Ich kenne ja nicht eure Ansprüche, aber ich bin nach einem Jahr VZF darüber hinausgewachsen. Anfangs konnte ich mich selbst als 'besondere' Frau akzeptieren. Das ging dann nicht mehr. Ich habe die Ansprüche an mich selbst ständig höher geschraubt. Die Quittung dafür kassiere ich regelmäßig, wie ich in meinem Thread 'Frühlingsherz' schrieb.
Insoweit kann ich euch zu dieser Einstellung nur gratulieren und hoffe, dass ihr dem Hamsterrad, in dem ich mich drehe, dadurch entkommt.

LG
-Diva
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