Valeries Welt
Valeries Welt - # 41

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Christiane04
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Re: Valeries Welt

Post 601 im Thema

Beitrag von Christiane04 » So 12. Mai 2019, 14:01

Hallo Valerie,

Das mit dem Machosack ist gemein und nicht richtig. Die Entwicklung der Geschichte und der Protagonistin beweisen deine Empathie u differenzierte Sichtweise auf Trans, aber auch auf Frauen und Männer.
Das machen alte Machosäcke nicht.
Interessant wäre gewesen welche Person, dir diesen Brocken hin geworfen hat. Frau, Txxxxx, Mann, ....
Bin in diesem Sinne ein solidarischer alter Machosack.
Mach weiter , wie du denkst, alles gut!

Lg Christiane😉
"Ein Mann kann anziehen, was er will, er bleibt doch nur ein Accessoire der Frau. " Coco Chanel

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 602 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » So 12. Mai 2019, 17:08

Danke Christiane für deinen Beistand. Natürlich mache ich weiter, keine Frage. Die Kritik kam von einer jungen Frau, Französin, die ich persönlich sehr mag, burschikoser Typ, junge Mutter von zwei Kindern, kaum halb so alt wie ich, niemand aus dem Forum, du kennst sie nicht. Ist auch egal, wer und warum. Normativer Wandel, neuartige Geschlechtersteotypen, das spricht sich halt überall rum in Europa, sogar auf dem Dorf bei uns. Jetzt kommt ein bisschen Soziologensprech, sorry aber das muss jetzt sein. Der Wertewandel, was die Frauenrolle in westlichen Gesellschaften im neuen Jahrtausend betrifft, sowie die überbordende Genderthematik ist mir bekannt, was aber nicht bedeutet, ich heiße diese Dinge auch gut. Dementsprechend schreibe ich meine Texte auch nicht in gendergerechter Sprache, sondern in allgemeinverständlichem Deutsch, und die Leitbilder und Wesenszüge, die ich meiner Romanfigur Valerie anhänge, bleiben eher old school, da kann ich nicht raus und möchte es auch überhaupt nicht. Ich will meine Figuren weiterhin persönlich mögen, aber das könnte ich dann nicht mehr, und sie wäre für mich nicht mehr Valerie, wenn sie jetzt damit anfangen würde, jedem neuen Trend nachzulaufen, nur weil die anderen das tun... Nochmals danke für dein Statement oben.

Lieben Gruß und weiterhin gute Unterhaltung in Valeries Welt.

Valerie :()b

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 603 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mi 15. Mai 2019, 09:55

Zwischenbemerkung zu Stilfragen. oder: "Führen und Verführen".

Ich möchte den Punkt mit dem angeblich veralteten Frauenbild, das Valerie in dieser Geschichte für manche Leser wohl verkörpert, aus meiner Sicht noch ein wenig weiter diskutieren.

Kritisiert wurde (und kritisieren darf man natürlich) ihre ganze ausgeprägte Gefühlswelt, besser gesagt, dass sie angeblich Sex und Liebe oft verwechselt, denn sie verliere dann wohl zu schnell quasi ihr ganze coolness und Übersicht, sobald ein starker und dominanter Mann in ihr Leben tritt, dann sei es meist nur noch ein ganz kurzer Weg, sie findet ihn sympathisch, hüpft mit ihm ins Bett, und dort treibt man es miteinander, voilà, mission completed.

Ganz so ist es natürlich nicht. Damit ist die Mission noch nicht beendet, keineswegs. Und Valerie ist überhaupt kein Leitbild, soll es auch nicht sein, schon gar nicht hier im Forum. Aber vielleicht existieren diese Gedanken und Motive, die unsere Protagonistin im Zusammenhang mit ihren Männergeschichten so stark bewegen, auch in der realen Welt, also auch bei den Lesern und Leserinnen hier im Forum.

Man muss aber eines sehen: Die Kritik an diesem oben angesprochenen "veralteten" Valerie-Leitbild kam nicht hier aus dem Forum, sondern von außerhalb, aus der realen Welt. Ich habe hier unten im Süden einen kleinen lockeren Kreis von Menschen um mich herum, nennt sie Freunde oder lockere Bekannte oder auch ehemalige Schüler aus Deutschkursen, die ich mal eine Zeitlang gemacht habe, alle Nationalitäten dabei, Europa tritt hier unten sehr gemischt auf, Ältere aber auch viele Junge, gerade auch Frauen. Frauen kommunizieren halt gerne, das ist schon so. Seltsamerweise ist die Geschichte von Valeries Welt, obwohl sie nur hier im Rahmen des Forums entsteht, inzwischen auch über Google im Internet zu lesen, man braucht also kein Forumsmitglied sein, um in die Story reinzuschauen. Da ist es also durchaus möglich, dass die eine oder andere Episode schon mal unkontrolliert durch die Welt geistert und von Hand zu Hand geht, auch außerhalb der Forumsgrenzen. Dagegen habe ich persönlich überhaupt nichts, im Gegenteil es gefällt mir. Jeder, der selbst schreibt, wird das verstehen.

Die Kritik ("Sichtweise eines alten Machos") kam von einer Französin, die weniger als halb so alt ist wie ich selbst und die im Forum niemand kennt. trotzdem muss man hier darauf eingehen, denn es geht um ein gesellschaftliches Leitbild. Darf eine Frau noch so sein?

Ich mache es mir nicht leicht und sage jetzt mal ganz frech: "Jeune femme avec grande geule" (junge Frau mit großer Klappe). Wäre mir jetzt zu einfach. Auch käme ich nicht auf die Idee, zu antworten, Roman ist Roman und Fiktion ist nicht Realität. Mir ist schon klar, ich kann also nicht alles schreiben, was ich will, denn ich schreibe ja für die Leser und nicht gegen sie. Und gegen neue Leitbilder anzuschreiben ginge schon mal gar nicht.

Jetzt geht es leider nicht weiter ohne ein wenig Soziologendeutsch, ich mache es aber kurz, keine Sorge. Natürlich habe ich als Autor schon mal darüber gehört, dass sich die Wertesysteme von Gesellschaften ändern, und zwar laufend ändern. Nichts bleibt stehen. Das ist überall so, nicht nur hier in Europa oder bei uns im Westen. Fast überall in der Welt, die von den neuen TV und Internetmedien erreicht werden, verändert sich gerade das Frauenbild. Hier im Westen wollen junge Frauen keine Püppchen mehr sein, mit den einzigen Lebensziel, einem Mann zu Gefallen zu sein. Sexy sein als Lebensziel? Wir leben doch nicht mehr in den Fünfzigern.

Gegen selbständige Frauen habe ich überhaupt also nichts. Was mir aber nicht gefällt, sind die gängigen Überzeichnungen und Übertreibungen, gerade in den Leitmedien wie z.B. den täglichen TV - und Kinofilmen. In fast jeder Szene treten dort junge Frauen heutzutage als super coole Typen auf, sehr taff und männlich, und oft sogar noch rambo-mäßiger als früher die Männer. Diese Mädels (die gängigen Leitbilder in den visuellen Medien heute) sind super taff und zeigen null Gefühle. Um zu verstehen was ich meine: schaut euch bloß mal die Polizistinnen und Kommissarinnen in den sonntäglichen TV- "Tatorten" an. Die reden heute nicht nur genauso cool und emotionslos wie die Männer, sie prügeln sich genauso wie Männer, und fuchteln mit ihren Revolvern herum fast wie früher der Horst Schimanski das gemacht hat.

Gefällt mir gar nicht, dieser Stil bei einer jungen Frau. Nicht dass ich was gegen Schimanski hätte, es gab nie einen besseren Typen in dem besagten Genre. Schimmi war der beste, aber er war ein Mann. Und das letzte Jahrhundert ist inzwischen ja auch Vergangenheit. Jetzt aber die Frage: Warum müssen jetzt die ganz jungen Mädels heute, im 21. Jahrhundert genauso auftreten wie Schimanski damals? Warum heute Thai Bo für Frauen? Warum ist Verführen angeblich heute altmodisch? Dürfen Frauen nicht mehr weiblich sein?

Mir persönlich als Autor käme es z.B. nie in den Sinn, ein solches (männliches) Verhalten, das eigentlich nichts anderes als ein machohaftes Rüpeltum ist (siehe die besagten Kommissarinnen), jetzt gutzuheißen und es einfach auf Frauen allgemein zu übertragen oder es an eine meiner Figuren in dieser Erzählung anzudichten. Also Valerie, die Protagonistin der Story, wird, was diese ganzen neuen Trends angeht, von mir nichts mitbekommen, nicht eine Spur wird sie davon mitbekommen.

Valerie bleibt Valerie, sie führt nicht, sondern sie zögert, so ist sie halt. Vielleicht reagiert sie öfters mal auf Signale von Männern und wenn sich Gelegenheit ergibt, dann versucht sie auch, den Betreffenden zu verführen. Und sie wird dort auch noch viel lernen müssen, das ist klar. Valerie bleibt aber eine neugierige Frau, und sie lernt schnell. Ihren eigenen Stil wird sie nicht ändern, schon gar nicht weil das jetzt gerade Mode ist, dass Mädels Männer spielen, und sie wird es sicherlich niemals lernen sich einen Mann zu nehmen wie man einen Apfel vom Baum pflückt. Sie bleibt eine Zögernde und Suchende, sie wird weiterhin höchstens ab und an mal ihre kleinen Tricks versuchen und sich dann, wenn er ihr gefällt, sich von einem Mann nehmen lassen, wie Frauen das immer getan haben.

Noch war nicht Gelegenheit, alle Wesenszüge Valeries anzusprechen. Es gibt da auch noch diesen Thierry, ihr erinnert euch, den Notar, den Tangotänzer. Sie werden sich noch öfter treffen, sie werden sich beide besser kennenlernen, und sie werden auch mal zusammen verreisen, nach Portugal, Lissabon. Stichworte sind Saudade, kleine Pinten mit trauriger Fado-Musik, diese Sachen. Valerie bleibt kompliziert.


Nächstes mal (Kap. 45) geht es erst einmal mit Michaels Besuch in Narbonne weiter. Geschäftsabschlüsse stehen an. Aber sie weiß ja, dass da sonst auch noch gewisse Wünsche offen sind, seinerseits. Denkbar, dass sie mitmachen wird, dass es dann wieder zur Sache geht, mal sehen...

L.G. Eure Valerie :()b
Zuletzt geändert von Valerie Bellegarde am Mi 15. Mai 2019, 19:00, insgesamt 3-mal geändert.

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 604 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mi 15. Mai 2019, 14:42

Die Geschichte geht weiter mit der neuen Episode (Kap. 45) am kommenden Samstag, 18. Mai.

L.G. Valerie

Elizabeth
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Re: Valeries Welt

Post 605 im Thema

Beitrag von Elizabeth » Mi 15. Mai 2019, 23:16

Glückwunsch zum 1000. "Danke"
LG Elly

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Re: Valeries Welt

Post 606 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Do 16. Mai 2019, 12:03

Schön dass du es bemerkt hast, Elly. Ich bin ganz gerührt :()b

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Re: Valeries Welt

Post 607 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL » Do 16. Mai 2019, 12:23

Hallo Valerie,
dann werden ich Tag warten bis zum lesen der neuen Episode und freue mich am Anfang der Woche
diese zu lesen. Ein wenig erkenne ich mich dort wieder bei Valerie.
lg LILO-GINA
Seufzer gleiten die Seiten des Herbstes entlang,
Treffen mein Herz mit einem Schmerz dumpf und bang

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Re: Valeries Welt

Post 608 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » So 19. Mai 2019, 20:05

Hallo liebe Leserinnen, liebe Leser,
Es ist Sonntagabend, und ich plane meine nächsten Tage. Eigentlich habe ich euch für morgen, Montag eine neue Valeries Welt - Episode versprochen. Es ist seither aber einiges an Problemchen dazwischengekommen, Nein, eigentlich keine Probleme, aber Dinge und kleinere Arbeiten, die erledigt werden müssen. Außerdem ergibt sich gerade für morgen für mich eine günstige Gelegenheit, sich mal wieder ein wenig aufzubrezeln und en femme ins Städtchen zu gehen. Also, was soll ich tun? Der auferlegten Pflicht folgen, im Kämmerchen sitzen und das versprochene Kapitel schreiben? Oder darf sich Valerie frei nehmen und sich mal wieder im Städtchen zeigen? Helft mir bitte... :()b

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Re: Valeries Welt

Post 609 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mo 20. Mai 2019, 13:08

Teil 2, Kapitel 44: Der Chef kommt zu Besuch

Valerie und Michael kamen sich geografisch immer näher. Während der Chef aber in mindestens 1000 Metern Höhe ganz locker und entspannt an Bord eines Air France Jets saß und sich ungezwungenen Betrachtungen hingeben konnte (vor seinem inneren, dem geistigen Auge immer noch der kleine knackige Po der hübschen jungen Stewardess), während dieser Zeit saß sie weit unter ihm, fast ganz auf Meereshöhe im Auto, war ein wenig aufgeregt und hatte es eilig, obwohl sie schon kurz vor dem Flughafen war. Warum aufgeregt? Weil große Dinge immer näher rückten, sie würde bald ihren Chef wiedersehen, und möglicherweise käme auch bald ihr erstes großes Projekt zum Abschluss, das alles ließ sie nicht ungerührt, da konnte sie nicht ruhig bleiben. Sie kam immer noch gut voran. Es war kaum Verkehr auf der Autobahn, die Stadt näherte sich, man erkannte es an den plötzlich auftauchenden Tempolimits.

Oben im Flieger war die Landung zwar angekündigt, aber trotzdem geschah minutenlang nichts. Die Maschine hielt ihre Höhe. Während AF 416 auf Landeerlaubnis wartete und scheinbar ganz ungerührt weiterhin hübsche Kreise und Warteschleifen über dem tiefblauen Meer zog (die Franzosen sagen dazu "le Grand Bleu"), um dann weiter Zeit zu vertrödeln im Sinkflug über dem über dem schier unendlich breiten goldbraunen Sandstrand, der Montpellier vom Mittelmeer trennte, dann wieder mehrmals die Vororte von Montpellier überflog, um so die Zeit bis zur Landeerlaubnis zu überbrücken, während also all dieses (nämlich gar nichts außer Warten) geschah, hatte inzwischen Valerie das breite Band der Autobahn A9 verlassen und steuerte den ganz in der Nähe liegenden Flughafen "Méditerranée" an. Jetzt war alles einfach. Sie brauchte dann nur noch der Beschilderung mit dem kleinen Flugzeug-Symbol zu folgen, passierte ein paar Kreisverkehre und konnte gleich darauf links vorne den Schriftzug "Aéroport Montpellier Méditerannée" auf dem Dach des Flughafengebäudes erkennen.

Kurzer Halt an der Parkplatzschranke, die elektrische Seitenscheibe surrte runter, Bankkarte in den Automaten rein, das Parkticket abziehen, diese Kurzzeitparkplätze für Abholer sind wirklich eine ganz feine Sache. Eines fand sie dann allerdings plötzlich ziemlich störend: Als sie die Bankkarte wieder in ihrem Geldbeutel verstauen wollte, fiel ihr auf: Sie hatte sich die Fingernägel nicht lackiert. Überhaupt nichts, kein Klarlack, kein roter Karmesin... uff. Oh jeemine, Valerie, wie konnte sie das bloß vergessen?

Hätte sie das tun sollen? Ein wenig Nagellack? Konnte sie das noch irgendwo nachholen? Rote Fingernägel war früher eigentlich ihr Standard gewesen. Jetzt, wo sie ihren Chef nach ziemlich langer Zeit wiedersah? War das nicht eigentlich ein Muss? Aber irgendwie war ihr die Nagelpflege in der letzten Zeit etwas aus dem Blickfeld geraten. Genauso, wie sie sich neuerdings nicht mehr täglich schminkte. Also, keine roten Nägel, hmmm… Nicht, dass ihre Hände jetzt etwa ungepflegt gewirkt hätten, schließlich hatte sie einen Büroberuf und arbeitete nicht als Gärtnerin.

Aber inzwischen dachte sie wirklich nicht mehr ständig an ihr Makeup, Lippenstift und Nagellack, früher wäre ihr das nicht passiert. Sie stutzte, fühlte sich ein wenig ertappt. War ihr die Frauenrolle so normal und alltäglich geworden? War sie jetzt an ihre Rolle als Frau so sehr angepasst und gewohnt, dass sie Lippenstift oder Kosmetik schon mal wegließ, oder handelt es sich etwa bereits um eine kleine Nachlässigkeit? Sei es wie es sei, jetzt war sowieso nichts mehr zu ändern, in wenigen Minuten würde sie ihrem Chef gegenüberstehen und zwar so, wie sie eben war, nämlich ganz ohne Kriegsbemalung. Er kannte sie anders, früher war sie nie ungeschminkt aus dem Haus gegangen. Aber jetzt war wohl nichts mehr daran zu ändern.

Wieder oben im Flieger: Eine dunkle seriöse Männerstimme meldet sich über den Kabinenlautsprecher:

"Messieurdames c'est le capitaine qui parle…

...blah blah blah... Landefreigabe erteilt.

...on va aterrir à Montpellier aéroport dans deux minutes…"

Es war der Flugkapitän, der die unmittelbar bevorstehende Landung ankündigte, um dann noch wie üblich die Uhrzeit und Temperaturen vor Ort durchzugeben. Es war kurz nach Mittag, draußen vierundzwanzig Grad, Sonnenschein und kaum Wind. Kaum war das Capitaine mit seiner Ansage durch, und die diversen standardmäßigen Dankesformeln abgespult, ("Wir bedanken und dass sie mir Air France geflogen sind"), dann hatte der Jet auch schon aufgesetzt, sie waren ganz sanft unten angekommen, und die Maschine rollte aus.

Michael sah sie sofort inmitten einer Gruppe von Abholern stehen, die vor der Gepäckausgabe warteten. Sie war groß, nicht sehr viel größer als die anderen Leute um sie herum, nicht dass sie jetzt ausgesprochen aus ihrer Umgebung herausragte, aber sie war schon ein etwas anderer Frauentyp, eher der nordeuropäische Typus. Ihre blonden langen Haare hatte er an ihr noch nicht gesehen, aber was ihm gleich auffiel, sie war schmal geworden, er hatte sie kräftiger in Erinnerung. Sie sah ihn auch sofort. Er nahm sie spontan in die Arme, sie tauschten routiniert zwei Wangenküsse, er musste sich etwas herunterbeugen zu ihr.

"Du machst das schon ganz wie ein Franzose" lachte Valerie, und gleich war die Stimmung entspannt. Beide freuten sich, einander zu sehen.

Valerie und Michael kannten sich quasi schon ewig, und während sie gemeinsam an der Gepäckausgabe warteten, quasselte sie in einer Tour, erzählte sie ihm pausenlos alles mögliche über ihre tägliche Arbeit, wie gut sie zurechtkäme in dem halb angemieteten Büro bei Delphine und Alain, wie gut sich die Sache mit dem Notar entwickelt hatte, dass sie Monsieur Elouard, der das Geschäft ja dann wohl später beurkunden würde, quasi beinahe privat kennen würde, das fand er sehr interessant.

"Ist bestimmt hilfreich, wenn du schon einen Draht zu den offiziellen Stellen hast" sagte Michael.

"Zumindest haben wir Tango getanzt zusammen" sagte Valerie und lächelte Michael ganz spitzbübisch an.

Es ist absolut kein Schaden, dachte sie, wenn sie Michael gleich zu Beginn in ein paar wichtige Details einweihen würde, also wenn er wüßte, wer ist wer und wer kann mit wem, somit wäre auf einem Gebiet schon mal etwas mehr Klarheit hergestellt. Ihr eigenes persönliches Verhältnis zu Michael war dagegen noch ziemlich ungeklärt. Natürlich war er ihr Chef. Aber er war auch ein Mann, und zwar einer, zu dem sie aufsah. Nicht nur, dass sie ihn als Immobilienfachmann schätzte und viel von ihm gelernt hatte. Nein, auch als Mensch, sagen wir es genauer: Als Mann fand sie ihn - nennen wir es mal so: sie fand ihn interessant. Ein gutaussehender, großer und attraktiver Mann, ja das war er, bestimmt.

Natürlich dachte sie auch an das, was früher mal gewesen war zwischen den beiden. Die Sache in der Oper Stuttgart, damals an diesem Abend, und danach das Besäufnis in Ericas Wohnung, als sie alle drei ziemlich betrunken waren und er sie damals beinahe genommen hätte, hätte sie das damals zugelassen. Und sie erinnerte sich auch, dass Erica ihr quasi zugestanden hatte, sich diesen Mann auch mal zu nehmen, will sagen, sie konnte jederzeit Sex mit ihm haben, böte sich jemals wieder die Gelegenheit. Erica hätte dagegen überhaupt nichts. Erica und Michael führten in dieser Beziehung eine ganz offene Beziehung. Valerie erinnerte auch speziell seine Vorliebe für bestimmte Sexpraktiken (Deep throat). Und dass Erica ihr damals erzählt hatte, sie und Michael würden das manchmal so machen zusammen aber sie habe nie verstanden, was Männer eigentlich an der Sache gut finden. Ja die Männer. Valerie sinnierte, als sie neben ihm in der Warteschlange stand, die sich vor einem der Automaten gebildet hatte, wo das Parkticket zu bezahlen war. War das Thema inzwischen in Vergessenheit geraten? Möglicherweise ja, möglicherweise aber auch nicht. Sie würde es herausfinden.

Nein, durch die räumliche Trennung und die neue Rollenverteilung zwischen Michael und Valerie, er als ihr Chef der Firma mit Sitz in Stuttgart und sie als seine freie Mitarbeiterin in Narbonne waren auch hier einige neue Facts entstanden, ihre Beziehung hatte eine neue Form angenommen, und auch das Verhältnis zu Michael als Mann hatte in neue Bahnen gefunden. Das bedeutete, auch das Private musste jetzt neu geordnet werden zwischen den beiden. Valerie dachte an die paar Tage, die vor den beiden lagen, und allerlei unzusammenhängendes Zeugs ging durch ihren Kopf, als sie gemeinsam zum Auto gingen, er zog seinen Rollkoffer an einer Hand, sie fischte die Autoschlüssel aus ihrer Handtasche, zahlte am Automaten und sie stiegen ins Auto.

Ihr enger Rock war beim Einsteigen hochgerutscht und sie sah aus dem Augenwinkel, wie er es vom Nebensitz aus gleich bemerkt hatte. Sie hob etwas den Po vom Sitz und wollte aus alten Gewohnheit den Rock runterziehen, überlegte einen ganz kleinen Moment lang, kam dann aber zu dem Schluss, den Rocksaum so zu lassen wie er war, eine Handbreit über dem Knie. Es war ihr überhaupt nicht unangenehm, dass seine Augen auf ihren Knien waren. Sollte er ruhig was sehen. Ihre Beine waren nicht schlecht, das wusste sie.


Soviel erstmal für heute.

Lieben Gruß an alle Leserinnen und Leser. Fortsetzung gegen Ende der Woche.

Eure Valerie :()b

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Re: Valeries Welt

Post 610 im Thema

Beitrag von Dwt-Lilo-SL » Mi 22. Mai 2019, 09:14

ist doch schön deine Erzählung ich schwärme zu gerne in der Geschiche, DANKE Valerie
lieben Gruß aus dem verregneten Nordern der Republik
von
LILO-GINA
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Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 611 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Mi 22. Mai 2019, 19:54

danke Lilo, wenn es dir gefällt hier. Ich jedenfalls gebe mir weiterhin Mühe mit der Geschichte der kleinen Valerie.

Lieben Gruß

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 612 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Sa 25. Mai 2019, 19:49

Betr: Kapitel 45

Diese neue Episode war für morgen, Sonntag angekündigt. Da ich am Sonntag aber einen Standdienst im Vide Grenier von Chateau Seriège übernommen habe, schrieb ich diese Episode 45 schon heute Nachmittag. Geht bis ca. 22.00 Uhr heute auf Sendung, eventuell kurz später.

L.G. Valerie

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Re: Valeries Welt

Post 613 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Sa 25. Mai 2019, 21:32

Teil 2 Kapitel 45: Immo-Geschäfte können ganz schön aufregend sein.

Das Immo-Business, wozu im Allgemeinen das Vermakeln von Immobilien, also der Kauf oder Verkauf von Häusern gezählt wird, aber auch das Vermieten von Wohnung oder Ferienwohnungen usw., dieses ganze Geschäft und sein Umfeld hat in der breiten Bevölkerung eigentlich keinen besonders guten Ruf. Valeries und Michaels Branche, der Handel mit Immobilien wird deshalb in den Medien häufig als ziemlich unseriös dargestellt, und wenn schon mal was Konkretes berichtet wird, dann vielleicht über die bösen Machenschaften von "Miethaien", was immer das sein mag, jedenfalls gilt die Branche als moralisch etwas anstößig oder unsauber.

Bestenfalls galt das, was sie beruflich tat, noch als undurchsichtig und geheimnisvoll, was bedeutet, niemand wusste so ganz genau, was sie eigentlich machte für ihr Geld, und jeder konnte etwas anderes dahinter vermuten, und seltsame Vermutungen gab es allerdings viele. Valerie wusste das mit dem schlechten Berufs-Image wohl, aber es war ihr eigentlich egal. Sie war inzwischen recht gut darin, sie verstand es, mit ihren Kunden umzugehen, sie hatte inzwischen auch ein paar Methoden drauf, manche sagen Tricks und Winkelzüge dazu, ich nenne es Berufskenntnisse. Kurz gesagt, Valerie machte ihr Ding. Heute oder morgen spätestens würden sie mit diesem Dr. Engel zu Potte kommen, darüber war sie sich ziemlich sicher, sie hatte das im Gespür. Er war ihr Kunde, es gab ein Vertrauensverhältnis zwischen ihnen. Und sie meinte, ihn inzwischen so weit zu kennen, dass er den Verkaufs-Auftrag an Michaels Firma unterschreiben würde, spätestens morgen, wie gesagt.

Es war früher Nachmittag, als Valerie und Michael nach etwa einer Stunde Autofahrt die Ausfahrt "Narbonne Zentrum" fast erreicht hatten. Sie zahlte ihre Autobahngebühr am Automaten im Vorbeifahren, und nach einem kurzen Halt an der Autobahnraststätte für einen schnellen Imbiss (sie aß nur einen kleinen Salat, er ein Schinken-Käse-Sandwich), brachte sie Michael gleich in sein Hotel in der Innenstadt. Sie wartete unten im Wagen, während er dort eincheckte und und sein Zimmer bezog. Keine fünfzehn Minuten später kam er bereits wieder aus der Drehtüre des Mercure Hotels heraus, im kurzärmeligen Hemd und ohne Jackett und eine Aktentasche in der Hand, und als sie ihn so sah, dachte sie unwillkürlich wie gut er doch aussah, ihr Chef, schlank und groß, ein attraktiver Mann. Er stieg ein, sie fuhren ins Büro, sie ließ das Auto wie üblich an ihrem Firmenplatz in der Tiefgarage, und der Mann an der Kasse verzichtete diesmal auf jegliche Bemerkung über Valeries Aussehen, was wohl der Tatsache geschuldet war, dass sie in männlicher Begleitung war, denn eigentlich sah auch sie selbst heute ganz reizend aus, zwar nicht aufgebrezelt, wie ihre Freundin Delphine wohl sagen würde, das Schandmaul, aber doch ganz niedlich und sexy in Rock, Bluse und mit offenem Blondhaar. Erwähnte ich schon, dass sie neuerdings mit ihrer Haarfarbe variierte? Naturblond war es auf jeden Fall nicht, ihr Haar.

Kaum in ihrem Büro, stürzten sich beide auf das Engel-Projekt. Alain und Delphine waren ausgeflogen, also hatten beide Ruhe zum Arbeiten, Valerie setzte nur die Kaffeemaschine in Betrieb und zeigte ihrem Chef dann die Pläne der Liegenschaften, um die es ging. Sie hatte eine große Flurkarte an die Wand des Büros gepinnt, das Engel-Grundstück war darin mit gelbem Marker hervorgehoben. Sie informierte Michael zunächst über die Grundzüge wer ist wer und wer möchte was von wem, dann aber wurde über alle relevanten Details des Projekts geredet, und wie immer war sie gut vorbereitet, er stellte nur ab und zu kurze Zwischenfragen, sie kamen gut voran. So entwickelten sie Schritt für Schritt eine Strategie, wie sie vorgehen würden.

Michael hatte für das Engel-Objekt bereits ein paar Interessenten in der Hinterhand, jedenfalls schätzte er diese Interessenten als ernsthaft ein, und wie sie ihren Chef kannte, war seine Meinung fundiert und kein bloßes blah blah. Also, wenn alles weiterhin gut ginge, dann wäre das Grundstück dieses pensionierten Apothekers in Prat-de-Cest in den nächsten drei Monaten verkauft, spätestens aber in einem halben Jahr. Aber vorher hätte Valerie natürlich noch eine Menge Arbeit mit den Kundenbesuchen vor Ort, denn bekanntlich käme auf den Einen der schlussendlich wirklich kaufe, so seufzte Michael, immer zehn andere, die es genauso wichtig haben im Vorgespräch und bei der Besichtigung, aber schlussendlich nur so tun als ob sie kaufen wollten. dann aber doch noch den Rückzieher machen, aus irgendwelchen Gründen oder Scheingründen.

"Weißt du, was das Blöde dabei ist?" fragte Michael.

"Das Blöde dabei ist, ich weiß vorher nie, wer derjenige ist, der dann wirklich zuschlägt, man sieht es den Leuten nicht an der Nase an, es kann der Allererste sein oder aber auch der Letzte. Man weiß nie was der nächste Tag bringt, auch wenn wir schon wochenlang Interessenten durchgeschleust haben durch das Objekt."

Michael legte die Stirne in Falten, aber die Besorgnis war nur gespielt, denn was die Engel-Sache anging, waren beide optimistisch und besonders Valerie wusste es ganz innen bei sich ganz genau: Sie hatte diesen Kerl "im Sack", wie sie es bei sich selbst nannte. Dr. Engel würde unterschreiben, sie sah das schon vor ihrem inneren Auge. Verkaufs-Auftrag, und davon später 5 Prozent des Verkaufserlöses für die Maklerfirma.

Er streckte sich in seinem Bürostuhl, machte die Beine lang und die Atmosphäre begann sich irgendwann auch zu entspannen. Er erzählte ihr von seiner Arbeit zuhause, wie die Geschäfte in Stuttgart liefen, und offenbar liefen sie hervorragend, mit Vermietungen von Ferienwohnungen habe das Büro in der Königstrasse immer gut zu tun, natürlich gibt es hin und wieder auch mal Ärger mit Mietern, Beschädigungen am Mobiliar, Geschirr das kaputtgeht, Sachen die fehlen wenn der Mieter ausgezogen ist, solche Sachen halt.

"Kenne ich" sagte Valerie.

"Wir regeln das hier so dass wir solche Schäden von der Kaution abziehen, bevor wir sie zurückzahlen" sagte Valerie und Michael nickte.

Das ist klar, das machen seine Leute im Stuttgarter Büro genauso. Bloß, er habe den Eindruck, die deutschen Kunden seien in den letzten Jahren etwas aufmüpfiger geworden. Anspruchsvoller, beschweren sich immer öfter. Man streite halt gerne. Aber trotzdem, doch... wirklich ein sehr gutes Geschäft, die Immo-Branche, und ein einträgliches dazu.

Valerie hatte den Eindruck, als wolle er noch etwas anderes dazu sagen, aber er schwieg dann doch, und es entstand eine kleine Pause.

"Und was machen wir heute Abend?" fragte sie dann

"Gehen wir essen zusammen, zu Viert, wir beide und Alain und Delphine?"

Er wehrte spontan ab.

"Das machen wir lieber erst morgen Abend" setzte er dann hinzu und sie verstand sofort.

Natürlich hatte er Recht, sie hätte es wissen müssen. Der morgige Tag war zu wichtig. beide müssten dann ganz fit sein und hundertprozentig auf dem qui-vive, also null Alkohol am Abend vorher, kein open end, keine vorgezogene Siegesfeier, noch nicht. Nicht, ehe die Katze im Sack war.

Er erhob sich, ging ans Fenster und schaute eine Weile hinaus. Drehte sich dann um zu Valerie und schaute ihr ins Gesicht.

"Ich wollte da noch was mit dir besprechen..."

"Uhhh… echt jetzt? … was denn?"

fragte sie dann zurück, hatte die Augenbrauen etwas angehoben, weil sie nicht ganz sicher war, was er meinte.

Er lächelte.

"Es ist nichts Schlimmes, im Gegenteil", sagte er.




Fortsetzung am nächsten Wochenende, hiermit versprochen.

Lieben Gruße an euch alle.

Valerie :()b

Maria T
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Re: Valeries Welt

Post 614 im Thema

Beitrag von Maria T » So 26. Mai 2019, 08:16

Hallo Valerie,
Spannung, was hat Michael wohl zu besprechen?
Einfach ist am schwersten.

Valerie Bellegarde
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Re: Valeries Welt

Post 615 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » So 26. Mai 2019, 12:35

Maria, bleib ruhig, lies nochmal den letzten Satz oben. :P

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