Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern
Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

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Unterstützung der Forderung nach einem Operationsverbot für nicht aus med. Gründen erforderliche Operationen an intersexuellen Kindern.
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Anne-Mette
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Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Recht und Verbraucherschutz/Kleine Anfrage

Der Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums zum Verbot geschlechtsverändernder operativer Eingriffe an Kindern ist Thema einer Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion (19/23351). Vor dem Hintergrund der Kritik von Ärzteverbänden fragen die Abgeordneten die Bundesregierung unter anderem, warum sie davon ausgehe, dass Operationen zu einer "Änderung des angeborenen biologischen Geschlechts" führen können und ob sie der Darstellung der Bundesärztekammer widerspricht, dass das angeborene biologische Geschlecht unveränderlich sei und Operationen daher nur die "Morphologie" verändern könnten. Ferner wollen sie wissen, ob die Bundesregierung Erkenntnisse darüber besitzt, dass immer noch geschlechtsverändernde Operationen bei intergeschlechtlichen Kindern vorgenommen werden, die medizinisch nicht notwendig sind, wie es im Referentenentwurf heiße. Schließlich fragen sie, wie die Bundesregierung sicherstellen will, dass Familienrichter über die erforderlichen Fachkompetenzen für die Therapie intergeschlechtlicher Kinder verfügen, um Ausnahmen vom grundsätzlichen Operationsverbot genehmigen zu können.
Wally
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 2 im Thema

Beitrag von Wally »

Dieser Referentenentwurf ist ein typisches Beispiel für den schlampigen Aktionismus, mit dem Gesetze in den letzten Jahrzehnten (quer durch alle Parteien!) zunehmend hingerotzt werden: bar jeden Sachverstands, schon in der Formulierung missverständlich und/oder widersprüchlich, ohne jeden Gedanken an die Praktikabilität, und oft genug gar auch noch verfassungswidrig: über die Rechtswirksamkeit entscheidet dann Jahre später das BVG, ohne dass man sich vorher überhaupt Gedanken darum gemacht hat.

Herzliche Grüße
Wally
Ralf-Marlene
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 3 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene »

Ich stimme zu, dass ich die Wortwahl "geschlechtsverändernde Operation" im Zusammenhang mit intersexuellen Erscheinungsformen auch missverständlich finde. "Geschlechtsbestimmender" wäre hier passender wenn Überhaupt ein Begriff gefunden werden muss.

Ich persönlich plädiere für ein Verbot jeder nicht medizinisch oder religiös begründeten Operation an Kindern. Bei den religiös begründeten Operationen muss es einen engen Rahmen geben und die gesundheitlichen (psychische und pysiche) Folgen müssen auch hier offen diskutiert werden.

Das in die Diskussion geworfene Adrenogenitales Syndrom ist durch reine Hormongabe und nicht durch Operation zu behandeln. Hier geht es um die Vermeidung von Wasser- und Salzverlust als lebensbedrohend. https://de.wikipedia.org/wiki/Adrenogenitales_Syndrom

Im weiteren Verlauf wird die Bestimmungshoheit der Eltern als dem Wohl des Kindes dienlicher als ein Beschluss eines sich auf fachliche Expertise stützendes Familiengerichtsurteil behauptet.

Es wird dem Gesetzgeber eine Pauschalverurteilung von Kinderärzten vorgeworfen.

Diese oft wiederholten Vorwürfe und Behauptungen sind für mich nicht stichhaltig. Wenn auch nur ein Fall von unnötigen und falscher Geschlechtsnormierungm durch ein Gesetz, dass zusammen mit Fachärzten und Juristen ausgearbeitet sein sollte, durch ein unabhängiges Gericht in einem transparenten Verfahren verhindert würde wäre dieses Gesetz notwendig. Dies ist keine Schuldzuweisung an wohlwollende Ärzte sondern der Schutz einer wenig wahrgenommenen Personengruppe.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
lexes
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 4 im Thema

Beitrag von lexes »

Anne-Mette hat geschrieben: Di 20. Okt 2020, 19:29 Recht und Verbraucherschutz/Kleine Anfrage

Der Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums zum Verbot geschlechtsverändernder operativer Eingriffe an Kindern ist Thema einer Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion (19/23351). Vor dem Hintergrund der Kritik von Ärzteverbänden fragen die Abgeordneten die Bundesregierung unter anderem, warum sie davon ausgehe, dass Operationen zu einer "Änderung des angeborenen biologischen Geschlechts" führen können und ob sie der Darstellung der Bundesärztekammer widerspricht, dass das angeborene biologische Geschlecht unveränderlich sei und Operationen daher nur die "Morphologie" verändern könnten. Ferner wollen sie wissen, ob die Bundesregierung Erkenntnisse darüber besitzt, dass immer noch geschlechtsverändernde Operationen bei intergeschlechtlichen Kindern vorgenommen werden, die medizinisch nicht notwendig sind, wie es im Referentenentwurf heiße. Schließlich fragen sie, wie die Bundesregierung sicherstellen will, dass Familienrichter über die erforderlichen Fachkompetenzen für die Therapie intergeschlechtlicher Kinder verfügen, um Ausnahmen vom grundsätzlichen Operationsverbot genehmigen zu können.
Schön , das DU dabei immer so korrekt und neutral bleiben kannst ..... Mir platzt dabei der Kragen .. weiß gar nicht wo ich da anfangen soll.
MichiWell
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 5 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Mi 21. Okt 2020, 10:42 Ich persönlich plädiere für ein Verbot jeder nicht medizinisch oder religiös begründeten Operation an Kindern. Bei den religiös begründeten Operationen muss es einen engen Rahmen geben und die gesundheitlichen (psychische und pysiche) Folgen müssen auch hier offen diskutiert werden.
Liebe Marlene,

ich stimme dir zu, bis auf den zitierten Abschnitt.

Wir diskutieren hier über medizinisch nicht notwendiges, fremdbestimmtes Herumschnippeln an Kindern, mit dem Hintergedanken, diese entsprechend der Vorstellungen der Eltern und des Umfeldes / der Gesellschaft zu normieren.

Religiös motivierte Operationen sind nichts anderes, und ich sehe da rein gar nichts, was irgendwelche Sonderrechte begründet!
:((a

Liebe Grüße
Michi
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Ralf-Marlene
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 6 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene »

MichiWell hat geschrieben: Mi 21. Okt 2020, 12:13 ...
Religiös motivierte Operationen sind nichts anderes, und ich sehe da rein gar nichts, was irgendwelche Sonderrechte begründet!
:((a

Liebe Grüße
Michi
Liebe Michi,
ich stimme vom Grundsatz her mit Dir überein. Ich denke aber wir können geschichtliche Aspekte und Glaubensfragen nicht so einfach ohne Diskussion außen vor lassen. Zuerst müsste die Trennung von Staat und Glauben auf anderen Ebenen, zum Beispiel dem Steuerrecht, durchgeführt werden. Alle anderen Fragen können wir für uns persönlich so beurteilen, aber der Staat muss abwägen zwischen dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und der Religionsfreiheit. Aber dies ist eine Frage, die wir hier ja nicht lösen müssen.

Liebe Grüße zurück

Marlene
Marlene

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Anne-Mette
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

es tut mir leid; aber da bin ich kompromisslos! Es darf doch nicht aus "religiösen Gründen" an Kindern herumgeschnippelt werden!
Da gibt es für mich auch kein "vielleicht" oder "erstmal müsste...".

NEIN ist NEIN

Gruß
Anne-Mette
Ralf-Marlene
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 8 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene »

Anne-Mette hat geschrieben: Mi 21. Okt 2020, 12:40 Moin,

es tut mir leid; aber da bin ich kompromisslos! Es darf doch nicht aus "religiösen Gründen" an Kindern herumgeschnippelt werden!
Da gibt es für mich auch kein "vielleicht" oder "erstmal müsste...".

NEIN ist NEIN

Gruß
Anne-Mette
...und trotzdem hat dieses Thema große Sprengkraft. Die Geschichte der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Deutschland lässt hier keine einfachen Antworten zu ohne die heute hier lebenden Juden einzubeziehen. Ich sage ja nur, dass unser Staat bei dieser Frage, unabhängig von unserer und meiner Haltung, einem Problem gegenüber steht. Ich bin froh, dass ich diese Frage nicht beantworten muss.

Liebe Grüße

Marlene
Marlene

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lexes
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 9 im Thema

Beitrag von lexes »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Mi 21. Okt 2020, 12:51 ...und trotzdem hat dieses Thema große Sprengkraft. Die Geschichte der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Deutschland lässt hier keine einfachen Antworten zu ohne die heute hier lebenden Juden einzubeziehen. Ich sage ja nur, dass unser Staat bei dieser Frage, unabhängig von unserer und meiner Haltung, einem Problem gegenüber steht. Ich bin froh, dass ich diese Frage nicht beantworten muss.
Liebe Grüße
Marlene
Anne-Mette hat geschrieben: Mi 21. Okt 2020, 12:40 Moin,
es tut mir leid; aber da bin ich kompromisslos! Es darf doch nicht aus "religiösen Gründen" an Kindern herumgeschnippelt werden!
Da gibt es für mich auch kein "vielleicht" oder "erstmal müsste...".
NEIN ist NEIN
Gruß
Anne-Mette


Das geht sogar noch weiter .. ( verlässt aber den Rahmen der Diskussion )

Wer seinem Kind vor der Selbstbestimmung eine Religion aufs Auge drückt ( nur weil es die eigenen Eltern mit einem selbst gemacht haben ) der macht etwas falsch.

Da muss nicht geschnippelt werden .. es reicht ein Kind zu taufen ... Was können die Kinder dafür das der eine evangelische Eltern , der andere streng-gläubige Moslems und der dritte Atheisten als Erziehungsberechtigte hat ?? NICHTS

Gar nichts .. trotzdem hat diese Tatsache einen fundamentalen Einfluss auf das Ganze Leben ..

Mein Spross ist 5 und NICHT getauft .. wenn er alt genug ist werde ich mit ihm in jede Kirche / jede Moschee und jeden Hindu-Tempel gehen, den er sehen will und DANN soll er sich eine Religion aussuchen oder sagen : DAs habe ich nicht nötig...

Das ist wie mit der Ernährung .. ich bin schon ewig Vegetarier und ich würde meinem Sohn NIEMALS den Burger / die Chicken Nuggets oder das Stück Wurst an der Theke im Supermarkt verwehren, nur weil es nicht zu MEINER Überzeugung passt.

Und wenn ich ( und das als Vegetarier ) dann höre das manche Eltern sagen " mein Sohn darf im Kindergarten aber kein Schweinefleisch essen weit er Moslem ist " . dann geht mir der Blutdruck hoch... ich bin dann ganz still und gehe .. aber ich würde solchen rückwärtsgewandten Hinterwäldler-Pappnasen sehr gerne mal das Weltbild geraderücken

Dinge aus einem über-1000-Jahre alten Buch 1zu1 in die Jetzt-Zeit übersetzen ( wo Frauen vor 130 in Deutschland nicht wählen durften und heute alle über die Vorstellung lachen ) Das ist alles so unfassbar verbohrt und dumm...

Und ich sage nicht das Religionen schlecht sind .. nur das man sie sich selbst aussuchen sollte und nicht von den Eltern schon als Kind Zwängen ausgesetzt werden muss, die in einem seeeeeehr staubigen Buch stehen ....

Rumschnippeln aus religiösen Gründen ... da hört dann auch jegliche Toleranz auf .... Wobei ich weiß das ich als Theoretiker an einer Uralten Praxis rumlamentiere

Ich mach´mir jetzt nen Tee mit Schnaps ...

Sorry das ich hier so weit vom Thema abgekommen bin

Lexi ... ärgerlich-verstimmt
Ulrike-Marisa
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 10 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...ich bin dafür, dass an Kindern gar nicht rumgeschnippelt wird auch aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen nicht, es sei denn es liegt eine wirkliche medizinische Indikation vor; und das können im Einzelfall nur Fachleute also Ärzte beurteilen. Handlungsrichtlinien benötigen diese allerdings vermutlich auch und darum geht es ja in diesem Fall. Religiöse Fragen spielen da sicher auch mit rein - Traditionen, die ansonsten nicht medizinisch begründbar sind. Das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit des einzelnen Menschen sollte hier der Maßstab sein und nicht die z.T. abwegigen Geschehnisse in unserer Geschichte. Das gilt m.E. nach weltweit.
Gut, ich muss es nicht selbst entscheiden, aber die Volksvertreter sind aufgerufen, sich damit zu beschäftigen und akzeptierbare Lösungen zu finden und auch durchzusetzen. Wir als Wähler müssen dann entscheiden und akzeptieren, was die Mehrheit möchte.

Grüße, Ulrike-Marisa
Ralf-Marlene
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 11 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene »

Oh je, da habe ich eine Diskussion los getreten...

Aber ja, auch die muss geführt werden. Ich bin hier trotzdem die Spielverderberin, obwohl Lexis Worte und die all der anderen auch meine sein könnten. Können wir so eine Frage wirklich per Mehrheitsvotum entscheiden? Lebt eine Demokratie nicht auch vom Schutz der Minderheiten?

Ich weiß allerdings auch, dass es bei nicht orthodoxen Juden und gemäßigten Muslimen symbolische Beschneidungen gibt und Beschneidungen teilweise erst bei jungen erwachsenen Männern durchgeführt werden. Einig sind wir ja wohl alle bei der Körperverletzung durch jegliche Beschneidung von Frauen.

Noch einmal ganz deutlich gesagt: Ich bin auch dafür, dass jegliche nicht medizinsch nötige Operation verboten sein sollte, sehe aber hier die gesellschaftliche Sprengkraft. Alle Religionsgemeinschaften müssen hier berücksichtigt werden, auch wenn ich weder Jüdin noch Muslima bin... aber ich bin nicht besser, weil meine Eltern mal Christen waren... ich habe unter dem christlichen Weltbild als Schwuler Mann und als trans Frau ziemlich gelitten und die sind keinen Deut besser als andere...
Marlene

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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 12 im Thema

Beitrag von lexes »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Do 22. Okt 2020, 15:13 Oh je, da habe ich eine Diskussion los getreten...

Aber ja, auch die muss geführt werden. Ich bin hier trotzdem die Spielverderberin, obwohl Lexis Worte und die all der anderen auch meine sein könnten. Können wir so eine Frage wirklich per Mehrheitsvotum entscheiden? Lebt eine Demokratie nicht auch vom Schutz der Minderheiten?

Ich weiß allerdings auch, dass es bei nicht orthodoxen Juden und gemäßigten Muslimen symbolische Beschneidungen gibt und Beschneidungen teilweise erst bei jungen erwachsenen Männern durchgeführt werden. Einig sind wir ja wohl alle bei der Körperverletzung durch jegliche Beschneidung von Frauen.

Noch einmal ganz deutlich gesagt: Ich bin auch dafür, dass jegliche nicht medizinsch nötige Operation verboten sein sollte, sehe aber hier die gesellschaftliche Sprengkraft. Alle Religionsgemeinschaften müssen hier berücksichtigt werden, auch wenn ich weder Jüdin noch Muslima bin... aber ich bin nicht besser, weil meine Eltern mal Christen waren... ich habe unter dem christlichen Weltbild als Schwuler Mann und als trans Frau ziemlich gelitten und die sind keinen Deut besser als andere...
Dankeschön ..

So ist das leider oft .. Religion enthält leider zu oft ein Werk von Regeln und Soll-Vorstellungen.

Und ( leider mehr als oft ) : Die sind mal eben 1000 Jahre alt.. werden aber vollumfänglich umgesetzt ,...

In diesem Kontext ist der folgende Brief aus dem Netz einfach nur pures Gold und kann IMMER wieder in eine derartige Diskussion eingebracht werden :



:


Brief an Dr. Laura

Jeden Satz der Bibel wörtlich nehmen − Fragen an Fundamentalisten

Der folgende Text kursiert seit Mai 2000 im Internet. Er stammt aus den USA, wo die Radiomoderatorin Dr. Laura Schlessinger Leuten, die in ihrer Sendung anrufen, Ratschläge erteilt. Auch wenn der Text einen eher humorvollen Charakter hat und eine ernsthafte theologische Auseinandersetzung nicht ersetzen will, macht er doch auf ein inhärentes Problem einer fundamentalistischen Bibelauslegung aufmerksam: Wenn manche Stellen der Bibel als wörtlich verbindlich akzeptiert werden, warum dann nicht alle? Und wie trifft man die Auswahl; hat das nicht doch mit eigenen Vorurteilen zu tun?



Offener Brief an Dr. Laura aus den USA

Dr. Laura SchlessingerDr. Laura Schlessinger (Foto: Phil Konstantin, CC BY-SA 3.0)
Liebe Dr. Laura,

vielen Dank, dass Sie sich so aufopfernd bemühen, den Menschen die Gesetze Gottes näher zu bringen. Ich habe einiges durch Ihre Sendung gelernt und versuche das Wissen mit so vielen anderen wie nur möglich zu teilen. Wenn etwa jemand versucht, seinen homosexuellen Lebenswandel zu verteidigen, erinnere ich ihn einfach an Lev 18,22, wo klargestellt wird, dass es sich dabei um ein Gräuel handelt. Ende der Debatte.

Ich benötige allerdings ein paar Ratschläge von Ihnen im Hinblick auf einige der speziellen Gesetze und wie sie zu befolgen sind:

Wenn ich am Altar einen Stier als Brandopfer darbiete, weiß ich, dass dies für den Herrn einen lieblichen Geruch erzeugt (Lev 1,9). Das Problem sind meine Nachbar*innen. Sie behaupten, der Geruch sei nicht lieblich für sie. Soll ich sie niederstrecken?
Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Ex 21,7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für sie?
Ich weiß, dass ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev 15,19–24). Das Problem ist, wie kann ich das wissen? Ich hab versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.
Lev 25,44 stellt fest, dass ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe. Einer meiner Freunde meint, dass würde auf Mexikaner*innen zutreffen, aber nicht auf Kanadier*innen. Können Sie das klären? Warum darf ich keine Kanadier*innen besitzen?
Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Ex 35,2 stellt deutlich fest, dass er getötet werden muss. Allerdings: Bin ich moralisch verpflichtet, ihn eigenhändig zu töten?
Ein Freund von mir meint, obwohl das Essen von Schalentieren – wie Muscheln oder Hummer – ein Gräuel darstellt (Lev 11,10), sei es ein geringeres Gräuel als Homosexualität. Ich stimme dem nicht zu. Könnten Sie das klarstellen?
In Lev 21,20 wird dargelegt, dass ich mich dem Altar Gottes nicht nähern darf, wenn meine Augen von einer Krankheit befallen sind. Ich muss zugeben, dass ich Lesebrillen trage. Muss meine Sehkraft perfekt sein oder gibt's hier ein wenig Spielraum?
Die meisten meiner Freunde lassen sich ihre Haupt- und Barthaare schneiden, inklusive der Haare ihrer Schläfen, obwohl das eindeutig durch Lev 19,27 verboten wird. Wie sollen sie sterben?
Ich weiß aus Lev 11,7–8, dass das Berühren der Haut eines toten Schweines mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fußball spielen, wenn ich dabei Handschuhe anziehe?
Mein Onkel hat einen Bauernhof. Er verstößt gegen Lev 19,19, weil er zwei verschiedene Saaten auf ein und demselben Feld anpflanzt. Darüberhinaus trägt seine Frau Kleider, die aus zwei verschiedenen Stoffen gemacht sind (Baumwolle/Polyester). Er flucht und lästert außerdem recht oft. Ist es wirklich notwendig, dass wir den ganzen Aufwand betreiben, das komplette Dorf zusammenzuholen, um sie zu steinigen (Lev 24,10–16)? Genügt es nicht, wenn wir sie in einer kleinen familiären Zeremonie verbrennen, wie man es ja auch mit Leuten macht, die mit ihren Schwiegermüttern schlafen (Lev 20,14)?


Ich weiß, dass Sie sich mit diesen Dingen ausführlich beschäftigt haben, daher bin ich auch zuversichtlich, das Sie uns behilflich sein können. Und vielen Dank nochmals dafür, dass Sie uns daran erinnern, dass Gottes Wort ewig und unabänderlich ist.

Ihr ergebener Jünger und bewundernder Fan
MichiWell
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Re: Bundestag: Verbot geschlechtsverändernder Operationen an Kindern

Post 13 im Thema

Beitrag von MichiWell »

lexes hat geschrieben: Mo 26. Okt 2020, 08:21 In diesem Kontext ist der folgende Brief aus dem Netz einfach nur pures Gold und kann IMMER wieder in eine derartige Diskussion eingebracht werden
Zwar schon alt, aber immer wieder schön zu lesen. :mrgreen:
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