ESPE 2019 in Wien: "Klitorisoperationen bei 231 (92%) durchgeführt"
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Unterstützung der Forderung nach einem Operationsverbot für nicht aus med. Gründen erforderliche Operationen an intersexuellen Kindern.
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Anne-Mette
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ESPE 2019 in Wien: "Klitorisoperationen bei 231 (92%) durchgeführt"

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 19. Sep 2019, 17:36

Zwischengeschlecht.org teilt mit:

"Aktueller chirurgischer Ansatz bei CAH 46XX - Ergebnisse aus den I-DSD/I-CAH Registern"
Präsentation @ 58. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Endokrinologie ESPE, die heute in Wien (Österreich) beginnt (siehe Abstract Book (PDF), S. 96):

"Genitalchirurgie wurde bei 251 (76%) durchgeführt. Klitorisoperationen wurden bei 231 (92%), Vaginaloperationen bei 204 (81%) und eine Kombination aus Klitoris- und Vaginaloperationen bei 186 (74%) durchgeführt. Von den 251 operierten Personen hatten 18 (7%) eine vaginale, aber keine klitorale Operation, während 42 (17%) eine klitorale, aber keine vaginale Operation hatten. Das Durchschnittsalter bei der ersten Operation betrug 2,5 Jahre (0-15), mit Klitorischirurgie und Vaginalchirurgie bei 2,6 Jahren (Bereich) bzw. 3,2 Jahren (Bereich). In einem logistischen Regressionsmodell konnte gezeigt werden, dass es im Laufe der Zeit einen negativen Trend für die Chirurgie gab. Darüber hinaus gab es einen signifikanten Trend zur Operation vor 24 Monaten im Laufe der Zeit. Allerdings gab es signifikante geografische Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit/Inzidenz von Genitaloperationen: Europa 64%, Asien 97%, Südamerika 89%. Das Chicago Consensus Statement über DSD (Vergleich der Daten vor und nach 2006) hatte keinen wesentlichen Einfluss auf den Zeitpunkt oder die Wahrscheinlichkeit einer Operation."

Natürlich sind solche Zahlen weder neu noch unerwartet. Tatsächlich zeigte eine Präsentation 2 Jahre zuvor durch teilweise dieselben österreichischen IGM-MedizynerInnen, "Aktuelle chirurgische Praxis bei DSD", ähnliche Zahlen und die gleichen Tendenzen.

Die diesjährige ESPE bietet besonders viele und besonders hässliche D$D-Präsentationen (siehe Programm).

StopIGM.org organisierte gewaltfreie Intersex-Proteste gegen die ESPE-Jahrestreffen 2012, 2013, 2014 und 2016, dank lokaler Solidarität und Unterstützung. Als wir die österreichischen Intersex-Organisationen anfragten, sagten sie leider, sie könnten keine praktische Unterstützung leisten. Da StopIGM.org über keine Finanzierung verfügt und diese Woche auch die 82. CRC-Sitzung in Genf stattfindet, an der der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes IGM in Portugal prüfen wird, werden die ESPE-GenitalabschneiderInnen leider in der Lage sein, ihr Business unangefochten zu vermarkten.

Die Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org fordert ein Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen mit "atypischen" körperlichen Geschlechtsmerkmalen sowie "Menschenrechte auch für Zwitter!".

Betroffene sollen später selber darüber entscheiden, ob sie Operationen wollen oder nicht, und wenn ja, welche. Verjährungsfristen müssen so angepasst werden, dass erwachsene IGM-Betroffene später klagen können.

Freundliche Grüße

Daniela "Nella" Truffer, Markus Bauer
Gründungsmitglieder Menschenrechtsgruppe Zwischengeschlecht.org

NikolaAusR
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Re: ESPE 2019 in Wien: "Klitorisoperationen bei 231 (92%) durchgeführt"

Post 2 im Thema

Beitrag von NikolaAusR » Do 19. Sep 2019, 19:43

.... frau bleibt fassungslos

Die Empfehlungen des dt. Ethikrates und die Öffentlichkeit, die das Thema 2012 hatte, sind ja leider völlig in's Leere gelaufen (ko)
„Wer richtig urteilen will, muss vollständig ablassen können von jeder Glaubensgewohnheit,
die er von Kindheit an in sich aufgenommen.
Die allgemeine Meinung ist nicht immer die wahrste.“

Giordano Bruno
gest. im Jahre 1600 UZR, Scheiterhaufen

Elizabeth
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Re: ESPE 2019 in Wien: "Klitorisoperationen bei 231 (92%) durchgeführt"

Post 3 im Thema

Beitrag von Elizabeth » Fr 20. Sep 2019, 18:22

Die Studie umfaßt Fälle der Geburtsjahre 1955 -2016, also auch sehr viele Altfälle aus Zeiten, wo man es nicht besser wußte.
Von den 555 erfaßten Fällen wurden 330 in die Studie aufgenommen - diese 330 sind die "100%"
Operiert wurden davon 251 - dies sind die 76%
"Klitorisoperation bei 92% durchgeführt" ist daher etwas verkürzt dargestellt

In der Einführung steht bereits, daß es keinen Konsens gibt, ob, wie und wann OPs erfolgen sollten.
Am Schluß: Es gibt einen Trend OPs zu vermeiden, insbes. in Europa.
Jede unnötige OP an Kindern ist und bleibt natürlich eine zuviel.

LG Elly

Original-Textabschnitte:

Introduction: Congenital adrenal hyperplasia (CAH) is the
most common genetic condition in the spectrum of differences of
sex development (DSD). Surgery in DSD is a controversial topic
and there is no consensus if to perform surgery, how to perform
surgery, and when to perform surgery. The current study was designed
to evaluate the current practice in CAH related surgical
practice in girls.
Patients and Methods: All cases that had been classified in
the I-DSD and I-CAH registries as 46XX CAH born prior to 2017
were identified (555 participants in 41 centres, born 1953-2016).
Centres were approached to obtain additional information in each
eligible case on factors that influenced the option of performing
surgery, timing and type of surgery. 330 participants were suitable
for analysis.

Discussion: This is the largest international study to analyse
the current surgical approach towards CAH. There are geographic
and sociocultural differences. There is a trend towards avoiding/
postponing surgery, especially in Europe. Moreover, there is a significant
trend towards surgery before 24 months of life.

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