„Flensburg Wählen“: 33 Prozent der Stellen mit "Diversen" besetzen
„Flensburg Wählen“: 33 Prozent der Stellen mit "Diversen" besetzen

Informationen, Termine und Artikel zur Intersexualität und zur 3. Option
Forum-Diskussionen intersexueller Menschen; Peerberatung
Unterstützung der Forderung nach einem Operationsverbot für nicht aus med. Gründen erforderliche Operationen an intersexuellen Kindern.
Antworten
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 14516
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: Intersex-W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 856 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 6042 Mal
Gender:

„Flensburg Wählen“: 33 Prozent der Stellen mit "Diversen" besetzen

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 28. Aug 2019, 18:32

Mit anderen Worten:
Die Stadt Flensburg soll eine Quote für das dritte Geschlecht einführen – Quelle: https://www.shz.de/25335362 ©2019

(Leider "Bezahl- oderReg-schranke:
https://www.shz.de/lokales/flensburger- ... 35362.html

Auch wenn ich mich unbeliebt mache: ich sehe solche Forderung als ebenso schädlich an wie die Forderung nach "Toiletten für's dritte Geschlecht"
Dabei habe ich nichts gehen "Toiletten für alle Geschlechter" und ich trete auch dafür ein, "Diverse" gleichberechtigt bei Stellen zu berücksichtigen und sie sogar "gezielt zu fördern wegen bisheriger Benachteiligungen" - aber 33% halte ich persönlich für unrealistisch und die Forderung
wird nicht nur gegenüber "Flensburg Wählen" Unmut hervorrufen, sondern auch "uns" gegenüber.

Bisher sind laut Auskunft der Stadtverwaltung keine "Diversen" bekannt, die in Flensburg arbeiten und es ist auch nicht bekannt, ob sich in der Stadt jemand als "divers" hat eintragen lassen.

Gruß
Anne-Mette

Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 954
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: Enby
Pronomen: <Name, kein Pronome>
Wohnort (Name): Bremen
Membersuche/Plz: 28000
Hat sich bedankt: 156 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 1034 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: „Flensburg Wählen“: 33 Prozent der Stellen mit "Diversen" besetzen

Post 2 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mi 28. Aug 2019, 19:14

Also ich sehe das ganz ähnlich. Eine 33% Quote ist vollkommen unrealistisch. Und auch nicht zielführend. Viel wichtiger wäre für mich mehr Aufklärung, dass Menschen nicht nach Namen oder Aussehen zugeordnet werden, sondern ihre selbstbestimmte Ansage respektiert wird. Dass generell neutraler formuliert, inklusiver gedacht wird. Dass diese andauernde, größtenteils überflüssige Gendersegregation in Institutionen und Firmen zurückgefahren wird. Allen das Leben leichter gemacht wird. Statt immer mal wieder einzelne Gruppen ins Spotlight zu stellen eben einen ständigen Verbesserungsprozess in Richtung Diversität zu betreiben.

Wie viele Menschen den Personenstand auf eine der beiden neue(re)n Optionen haben ändern lassen, ist auch gar nicht so einfach zu erfahren. Wer in einem anderen Geburtenregister eingetragen ist, aber jetzt in FL lebt und arbeitet, müsste die Änderung aktiv überall mitteilen - ausser es wäre auch der Vorname geändert. Es wird sehr spannend sein, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt, denn aktuell zumindest ist viele eher lausig recherchierte Medienberichte mit dem "divers" ein körperliches Stigma verbunden. Von inter Personen aus meinem Umfeld höre ich, dass sie sehr zurückhaltend sind, das lange tabuisierte jetzt derart zu offenbaren.

Menalee
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 135
Registriert: Sa 7. Okt 2017, 14:14
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Bayern
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 133 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 141 Mal
Gender:

Re: „Flensburg Wählen“: 33 Prozent der Stellen mit "Diversen" besetzen

Post 3 im Thema

Beitrag von Menalee » Do 29. Aug 2019, 07:34

Persönlich halte ich nicht viel von Quotenregelungen. Bei mehr Akzeptanz bräuchte es meiner Meinung nach keine Quotenregelung.
Jaddy hat geschrieben:
Mi 28. Aug 2019, 19:14
.... Und auch nicht zielführend. Viel wichtiger wäre für mich mehr Aufklärung, dass Menschen nicht nach Namen oder Aussehen zugeordnet werden, sondern ihre selbstbestimmte Ansage respektiert wird. Dass generell neutraler formuliert, inklusiver gedacht wird. Dass diese andauernde, größtenteils überflüssige Gendersegregation in Institutionen und Firmen zurückgefahren wird. Allen das Leben leichter gemacht wird. Statt immer mal wieder einzelne Gruppen ins Spotlight zu stellen eben einen ständigen Verbesserungsprozess in Richtung Diversität zu betreiben.
............
Dein ganzer Post gefiel mir, aber am besten hat mir der obige Satz gefallen.
Ist denn Gleichberechtigung aller Menschen nur ein Traum, oder umsetzbar?
Jetzt möchte ich ein wenig abschweifen:
Ich hatte mir früher nie vorstellen können mit einer Frau zusammen zu leben. Oder das Menschen die sich zu gleichgeschlechtlichen Menschen hingezogen fühlen zu meinem Bekanntenkreis gehören. Dies mag an meiner Erziehung sowie an der Gesellschaft in meinem Geburtsort (Kleinstadt/Ostbayern) liegen. In meinem Beruf lernte ich sehr viel dazu. Fortan ging ich mit offeneren Augen durch die Welt. Die Vielfalt die ich kennenlernte, bereicherte mein Leben. Als ich dann mit meiner Jasmine lebte, wurde alles noch mehr auf den Kopf gestellt. Letztendlich war es eine sehr große Bereicherung für mein Leben. Heute ist das Leben mit meiner Jasmine und unseren Freunden wie der Spaziergang auf einem Regenbogen, umgeben von Schmetterlingen und der Sonne. Wer aber jetzt meint ich hätte eine rosarote Brille auf, sei zu sagen, es gibt ab und zu auch dunkle Wolken.
Menalee
Ich genieße das Leben mit meiner Jasmine

Michelle_Engelhardt
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4272
Registriert: Mi 27. Aug 2014, 14:15
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Dortmund
Membersuche/Plz: Ruhrgebiet
Hat sich bedankt: 3215 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 3920 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: „Flensburg Wählen“: 33 Prozent der Stellen mit "Diversen" besetzen

Post 4 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Do 29. Aug 2019, 07:36

Anscheinend hat man sich mit dem Thema nicht allzu sehr beschäftigt und ist hier mehr auf Stimmenfang bei den "Ahnungslosen". Mehreren Quellen nach leben in Deutschland 0,2 - 1% Diverse. Wie man da auf 1/3 m, 1/3 w und 1/3 d kommt, ist mir schleierhaft.

LG
Michelle
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

Mein Leben dreht sich um´s leben, nicht um trans.

twitch.tv/shellysplayground

Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2843
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 561 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 320 Mal

Re: „Flensburg Wählen“: 33 Prozent der Stellen mit "Diversen" besetzen

Post 5 im Thema

Beitrag von Inga » Do 29. Aug 2019, 08:59

Hallo, miteinander,

ich kann zwar auch nicht den ganzen Artikel lessen.

Sympathien zur deutlich sichtbaren Förderung der Beschäftigung von Diversen in der Arbeitswelt habe ich schon. Doch ich selber halte die Forderung nach einer so hohen Quote auch für übertrieben und sehe die Gefahr, dass sie unser Anliegen, in der Gesellschaft weniger Benachteiligungen ausgesetzt sein, eher lächerlich macht. Denn zum status Divers haben sich bis jetzt nur wenige bekannt und selbst bei weniger rigider Anwendung des Personenstandsrechts werden wir m. E. auf abseh bare Zeit eine Minderheit von wenigen Prozenten der Bevölkerung bleiben.

Daneben erinnert mich die Quote sehr an die Frauenquote, die ja auch dazu führt, dass mehr Frauen in die Bereiche der männerdominierten Arbeitswelt Zugang erhalten.

Besser als eine formale Quote fände ich eine Spachregelung, wie sie bei Schwerbehinderten selbstverständlich geworden ist. Etwa so: Bei gleicher Eignung mehrerer Bewerbende werden Diverse bevorzugt.

Solch ein potentieller Arbeitgeber würde es mir leichter machen meine Änderung des Personenstandes zu forcieren, mich dann auch offensiver zu bewerben und dafür ggbfs. nach Flensburg zu ziehen.

Liebe Grüße
Inga

Mina_35
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 328
Registriert: Do 30. Aug 2018, 19:44
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Wohnort (Name): CW
Membersuche/Plz: 72200
Hat sich bedankt: 83 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 216 Mal
Gender:

Re: „Flensburg Wählen“: 33 Prozent der Stellen mit "Diversen" besetzen

Post 6 im Thema

Beitrag von Mina_35 » Do 29. Aug 2019, 09:31

Anne-Mette hat geschrieben:
Mi 28. Aug 2019, 18:32
Mit anderen Worten:
Die Stadt Flensburg soll eine Quote für das dritte Geschlecht einführen – Quelle: https://www.shz.de/25335362 ©2019

(Leider "Bezahl- oderReg-schranke:
https://www.shz.de/lokales/flensburger- ... 35362.html

Auch wenn ich mich unbeliebt mache: ich sehe solche Forderung als ebenso schädlich an wie die Forderung nach "Toiletten für's dritte Geschlecht"
Dabei habe ich nichts gehen "Toiletten für alle Geschlechter" und ich trete auch dafür ein, "Diverse" gleichberechtigt bei Stellen zu berücksichtigen und sie sogar "gezielt zu fördern wegen bisheriger Benachteiligungen" - aber 33% halte ich persönlich für unrealistisch und die Forderung
wird nicht nur gegenüber "Flensburg Wählen" Unmut hervorrufen, sondern auch "uns" gegenüber.

Bisher sind laut Auskunft der Stadtverwaltung keine "Diversen" bekannt, die in Flensburg arbeiten und es ist auch nicht bekannt, ob sich in der Stadt jemand als "divers" hat eintragen lassen.

Gruß
Anne-Mette
Ich stimme dir total zu, zumal man erstmal a) soviele Leute überhaupt finden muss (befinden sich die divers-Geschlechtlichen ins SH/D nicht sogar nur im unteren 2 oder 3 stelligen Bereich?) und b) die müssen auch erst soviele bei der Stadt (oder geht es hier um alle in FL ansässigen Unternehmen?) arbeiten wollen.
Das Toilettenthema ist ja auch so eins. Ich halte explizite Toiletten fürs dritte Geschlecht auch falsch und wie du schon sagst, sollte es eher, wenn dann, eine dritte Toilette für leute geben, die sich auf beiden anderen nicht wohlfühlen. Im Flugzeug hat sich bisher auch noch niemand beschwert, das dort eine Toilette für alle ist und nicht vorne gehen die Männer und hinten die Frauen oder umgekehrt. Auch in den USA war ich erstaunt, dort gibt es zumindestens in Florida (!!) in den größeren Malls auch zahlreiche Toiletten, die dann von außen zugänglich sind, wo es dann nur diese eine Kabine für alle gibt (es geht nicht um Barrierefreie Toiletten für Rollstuhlfahrer). Ich mein, es funktioniert, warum muss immer aus der Toilette so eine Religion gemacht werden.

Wie auch immer, diese extrawürste sind schön für PR, das man alle inkludieren will und niemanden ausschließen will, aber daraus eine (gesetzliche) offizielle Quote zu machen, ist dann über das Ziel hinausgeschossen. Ich bin die erste die dabei ist, alle gleich zu behandeln und alle einzuschließen und keine Unterschiede wegen irgendwelcher gesellschaftlichen Konstrukte zu machen :) Aber einfach machen und nicht ein riesen Brimborium draus machen..
Liebe Grüße Jasmin

P.S.: Ja, die Haare sind echt :D (weil ich inzwischen dauernd überall gefragt werde ;))

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 14516
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: Intersex-W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Membersuche/Plz: 24977
Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 856 Mal
Danksagung oder Lob erhalten: 6042 Mal
Gender:

Re: „Flensburg Wählen“: 33 Prozent der Stellen mit "Diversen" besetzen

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 29. Aug 2019, 10:32

Moin,

der Artikel befand sich heute auch "großflächig" in der Printausgabe.
Darunter kamen zwei Redakteure mit "Pro" und "Kontra" zu Wort.

Bei Kontra lautete ein Satz des stellvertretenden Leiters der Stadtredaktion: „Sie zeigen im Grunde nur auf, was Gendersternchen und Co. bedeuten, wenn man sie auch außerhalb des Papiers mit Leben füllt. Was für ein Irrsinn – auf Kosten des Steuerzahlers".

Damit wird genau das befeuert, was ich befürchtet habe; denn so werden "viele Leute" denken. Ich möchte mich nicht für solche Forderungen (33%) rechtfertigen.
Mein Leserbrief ist unterwegs.

Gruß
Anne-Mette

Antworten

Zurück zu „Intersexuelle Menschen, Intersexualität“