Der Freitag: "Die Angst vor der Normalität"
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Anne-Mette
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Der Freitag: "Die Angst vor der Normalität"

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Di 18. Dez 2018, 09:53

Moin,

der Beitrag geht auf die schon diskutierten Mängel der Neufassung der "in das Geburtenregister einzutragenden Angaben" ein:

https://www.freitag.de/autoren/elisanow ... ormalitaet

Gruß
Anne-Mette

MichiWell
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Re: Der Freitag: "Die Angst vor der Normalität"

Post 2 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 18. Dez 2018, 21:57

Zitat aus dem Artikel:
... wenn das Geschlecht einzig auf die Funktion der Fortpflanzung reduziert wird, entmenschlicht der Mensch sich selbst.
Das unterschreibe ich sofort.
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

Vicky_Rose
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Re: Der Freitag: "Die Angst vor der Normalität"

Post 3 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 19. Dez 2018, 06:54

Ich finde es gut, wenn in den unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen das Thema behandelt wird, aber ich habe etwas dagegen, politisch vereinnahmt zu werden. Hier wird wieder einmal eine Frage der Würde, denn nichts anderes ist die Frage der geschlechtlichen Selbstbestimmung mit in diesem Fall einer "Klassenfrage" überschrieben wird. Zumal sich die Autorin mMn selber wiederspricht, wenn er zunächst schreibt:
Das binäre Bild der Geschlechter ignoriert die Existenz der Diversitäten und Individualitäten, es ist im Kern eine bürgerliche Klassenpolitik.
um dann festzustellen:
... denn formal ist die Vielfalt der Geschlechter eine jahrhundertealte Tatsache.
Entweder ist die Ausbildung eines bipolares Geschlechterbilds eine bürgeliche Klassenpolitik oder sie existiert seit Jahrhunderten. Jedenfalls ist die bürgerliche Klassenpolitik noch keine "Jahrhunderte" alt.


Und was sollen solche Sätze ?
Die vormalige Gleichsetzung verkam zur Ausbildung einer Hierarchie, die nie vergangen war.
Neue Hierachie vs. bestehende Hierachie ?
Die sogenannte sexuelle Revolution Westeuropas und Nordamerikas sollte das binäre Bild zum Wanken bringen,
Das wäre mir neu...
Von der Weltgeschichte fast nicht wahrgenommen, wurde in den 1920er Jahren bereits ein Versuch gestartet, das binäre Geschlechtssystem zu überwinden.
Und in der Folge wird die Homosexualität eines sowjetrussischen Außenministers heran gezogen. Seit wann hat Homosexualität mit Geschlechtervielfalt zu tun ? Gerade von Transmenschen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es unter ihnen nicht mehr Homosexualität gibt, als in der übrigen Bevölkerung.

In dem Artikel werden die verschiedensten Aspekte mit politischen Zielen verbunden, die m.E. nicht zusammen gehören. Das nützt nicht den betroffenen Menschen sondern einer politischen Idee, die per se nichts bis wenig mit dem Mensch als Individuum zu tun hat. Der Nutzen ist, vorsichtig formuliert, aus meiner Sicht begrenzt. Ich fühle mich dadurch wider meinen Willen vereinnahmt...


Edit: Ich habe noch ein wenig beim "Zwitterparagraf" in Wikipedia gegooglet. Dort steht zum preußischen Landrecht:
㤠19. Wenn Zwitter geboren werden, so bestimmen die Eltern, zu welchem Geschlecht sie erzogen werden sollen.
§ 20. Jedoch steht einem solchen Menschen nach zurückgelegtem achtzehnten Jahr die Wahl frei, zu welchem Geschlecht er sich halten wolle.
§ 21. Nach dieser Wahl werden seine Rechte künftig beurteilt.
§ 22. Sind aber Rechte eines Dritten von dem Geschlechte eines vermeintlichen Zwitters abhängig, so kann ersterer auf Untersuchung durch Sachverständige antragen.
§ 23. Der Befund der Sachverständigen entscheidet, auch gegen die Wahl des Zwitters und seiner Eltern.“

...

Abzuwägen war zwischen dem Schutz des Rechtsverkehrs und dem Selbstbestimmungsrecht des „Zwitters“. Im Zweifel entschied ein medizinischer Sachverständiger.
Gerade der § 23 zeigt doch die sehr eingeschränkten Möglichkeiten. Weiterhin heißt es bei Wikipedia:
Nach zeitgenössischer medizinischer Ansicht gab es „nach Theorie und Erfahrung keine wahre Zwitterbildung“
Toleranz sieht mMn anders aus. Es geht im Kern nicht um den Mensch, sondern um den "Rechtsverkehr". Aber es war ja schon ein interessanter Ansatz. Nur schade, dass man dies nicht im Sinne der Menschen weiter entwickelt hat. Wozu braucht man einen heute Personenstandseintrag, wenn doch Gleichberechtigung herrschen soll ? Aus Rechtssicht ist das m.E. unerheblich.
Viele Grüße
Vicky

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Jenina
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Re: Der Freitag: "Die Angst vor der Normalität"

Post 4 im Thema

Beitrag von Jenina » Mi 19. Dez 2018, 07:47

Vicky_Rose hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 06:54
Ich finde es gut, wenn in den unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen das Thema behandelt wird, aber ich habe etwas dagegen, politisch vereinnahmt zu werden. Hier wird wieder einmal eine Frage der Würde, denn nichts anderes ist die Frage der geschlechtlichen Selbstbestimmung mit in diesem Fall einer "Klassenfrage" überschrieben wird.
...
Vicky, siehste mal, ich sehe das genau anders herum.

Ich sehe nicht dass da etwas "politisch vereinnahmt" wird. Denn da ist nichts politisch. Hier wird lediglich etwas in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt und mit einer bestimmten philosophischen Methode betrachtet. Und die hat nichts mit Politik zu tun, sondern eben mit Philosophie, einer Geisteswissenschaft, die man ruhig öfter mal betrachten sollte. Denn sie kann durchaus auch Antworten geben die dann wiederum auf konkrete Politik zurück.

Und wenn Du, wie auch ein paar andere hier, bei solchen Worten wie "Klassenfrage" gleich ihre Allergien auspacken sollte man das auch mal behandeln lassen.

Ich sags nochmal, ich finde den Artikel gerade wegen der dialektischen Betrachtungsweise und das Beachten des gesellschaftlichen Kontextes der aktuellen Klassengesellschaft sehr gut geschrieben. Denn Macht und Herrschaft fallen nicht vom Himmel. Und Geschlechterpolitik ist eben auch Machtpolitik.

Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Simone de Beauvoir und Judith Butler.
Hinweis an Allergiker: Das Lesen dieser Autoren kann Spuren von Genderwissenschaft enthalten.

Jenina
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

Vicky_Rose
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Re: Der Freitag: "Die Angst vor der Normalität"

Post 5 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 19. Dez 2018, 09:00

Jenina hat geschrieben:
Mi 19. Dez 2018, 07:47
Und wenn Du, wie auch ein paar andere hier, bei solchen Worten wie "Klassenfrage" gleich ihre Allergien auspacken sollte man das auch mal behandeln lassen.
Aber das mache ich doch gerne. Doch das ist leider wie bei er Krätze. Erfolgreiche Mittel sind dünn gesät ... Stringenz wäre eines, aber genau die vermisse ich hier ... :)p :wink:

Ich habe kein Problem mit dem Betrachten des gesellschaftlichen Kontextes. Nur ist die Beschreibung von einer individuellen Sichtweisen überprägt, die die Anwendung einer wissenschaftlichen Methode zweifelhaft macht. Die dort angewandte Dialektik ist m.E. nicht geeignet, neues Wissen zu schaffen, sondern das Transthema in den Rahmen einer politischen Anschauung zu pressen.

Das ist mein Problem oder wie Du es formulierst "Allergie". Wenn der Rahmen wichtiger wird als die Inhalte, tritt der Mensch hinter eine Form zurück. Das ist schade, denn viele Anliegen, die formuliert werden, sind für die Menschen wichtig. Ich denke, da sind wir uns einig.

Übrigens, es gibt noch mehr Menschen, die "Allergien" aufweisen. Es schadet nicht, gelegentlich einmal bei sich selber zu schauen ... (dr) )))(:

Ich wünsche Dir schöne Weihnachten. Wir feiern übrigens ohne kapitalistische Geschenke. Du auch ? :lol:
Viele Grüße
Vicky

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