Zum Hören: SWR2 Forum - Jenseits von Mann und Frau
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Informationen, Termine und Artikel zur Intersexualität und zur 3. Option
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Anne-Mette
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Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 19. Nov 2017, 00:26

Es diskutieren:
Prof. Dr. Stefan Hirschauer, Soziologe, Universität Mainz
Dr. Oliver Tolmein, Fachanwalt für Medizinrecht, Hamburg
Lucie Veith, Verein Intersexuelle Menschen, Schortens bei Wilhelmshaven
Gesprächsleitung: Michael Risel

https://www.swr.de/swr2/programm/sendun ... index.html

Gruß
Anne-Mette

MichiWell
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Re: Zum Hören: SWR2 Forum - Jenseits von Mann und Frau

Post 2 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 19. Nov 2017, 14:33

Vielen Dank.

Eine höchst interessante Diskussion, auch Pro und Contra Geschlechtseintrag im Geburtenregister bzw. Abschaffung der Kategorie Geschlecht.

Für alle, die sich nicht die Zeit nehmen wollen oder können, und als Einstieg in eine Diskussion hier mal eine kurze Zusammenfassung der vorgebrachten Argumente (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) und der Vesuch einer Einordnung:

Pro Kategorie Geschlecht und/oder 3. Option "Inter"
  • Wunsch nach Sichtbarmachung und Anerkennung der Andersartigkeit von Intersexuellen.
  • Starker Wunsch der Mehrheit nach geschlechtlicher Einordnung.
  • Zwangszuweisung Intersexueller in die Kategorie Mann oder Frau entfällt.
  • Rechtssystem baut grundsätzlich auf Geschlechtskategorien auf.
  • Probleme mit dem Grundgesetz befürchtet, wenn Geschlecht als Kategorie abgeschafft wird.
  • Geschlechtseintrag wird gebraucht, um gegen Diskriminierung vorzugehen.
  • Geschlechtseintrag ist eine rechtlich gefestigte Bastion für die "Wahrnehmung der Gesellschaft" (Was auch immer diese sein mag.)
  • Die Sozialversicherungsnummer hängt am Geschlecht, ebenso ein Eintrag Krankenkassenkarte, und damit der Zugang zu medizinischen Leistungen.
Contra Kategorie Geschlecht und/oder 3. Option "Inter"
  • Jede Kategorisierung erzeugt automatisch einen Rest.
  • Festigung der Normierung und die Zuweisung/Zuschreibung starrer Geschlechtskategorien.
  • Fortsetzung der Ausgrenzung von Menschen und Minderheiten, die sich in keine der dann 3 Kategorien einordnen können oder wollen.
  • Geschlechtskategorien im Rechtssystem immer weniger gebraucht.
  • Grundgesetz muss sowieso geändert werden, wenn es nicht mehr nur Mann und Frau gibt. Also kann man auch Formulierungen finden, die ohne einen expliziten Geschlechtsbezug sind.
  • Staatliche verordnete Sichtbarmachung des Geschlechts durch Benennung in amtlichen Dokumenten verhindert Diskriminierung nicht, sondern kann sie sogar verstärken.
  • Was geht es den Staat an, welches Geschlecht man hat, wenn es doch in den allermeisten Fällen irrelevant ist.
  • Privilegierung eines Geschlechts im Recht muss auch allen anderen zugestanden werden. Also ist die Unterscheidung überflüssig.
  • Geschlecht ist keine Kategorie, die objektiv festgestellt werden kann.
Allgemeine Verbesserungen und Gedanken
  • Beseitigung von bestehendem Unrecht.
  • Hoffnung auf Beendigung der faktisch immer noch geübten Praxis geschlechtsangleichender Operationen bei intersexuellen Säuglingen und Kindern.
  • Gleichheit ist ein Muss, und dahinter führt auch kein Weg zurück.
Ganz explizit möchte ich die Beseitigung eines weiteren Teils bisher erhalten gebliebenen Unrechts aus der Zeit des Nationalsozialismus hervorheben. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viel Schlechtes doch aus der NS-Zeit bis in unsere heutige Gesellschaft überlebt hat, ohne das bisher groß daran Anstoß genommen wurde.
Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen. (Ernst Ferstl)

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie. (Aldous Huxley)

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