Neue MDS Leitlinie verfügbar
Neue MDS Leitlinie verfügbar - # 2

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Patricia_cgn
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 16 im Thema

Beitrag von Patricia_cgn »

Guten Morgen Mädels,
So wir sind jetzt berühmt 🤣
https://www.pinknews.co.uk/2020/11/27/g ... enverband/

Es wird genau auf den Thread hier verwiesen.

Liebe Grüße
Patricia
Engelchen
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 17 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Patricia_cgn hat geschrieben: Mo 30. Nov 2020, 07:34 Guten Morgen Mädels,
So wir sind jetzt berühmt
https://www.pinknews.co.uk/2020/11/27/g ... enverband/

Es wird genau auf den Thread hier verwiesen.
Sieht nicht jede*r so.....
Könnte gern darauf verzichten...
Lisa
Liebe geben und offen sein für Neues
Patricia_cgn
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 18 im Thema

Beitrag von Patricia_cgn »

Lisa-Weber hat geschrieben: Mo 30. Nov 2020, 08:36
Patricia_cgn hat geschrieben: Mo 30. Nov 2020, 07:34 Guten Morgen Mädels,
So wir sind jetzt berühmt
https://www.pinknews.co.uk/2020/11/27/g ... enverband/

Es wird genau auf den Thread hier verwiesen.
Sieht nicht jede*r so.....
Könnte gern darauf verzichten...
Lisa
Hallo Lisa, deswegen habe ich darauf hingewiesen. War nur .meine doofe Art es zu formulieren. Galgenhumor
Caro aus unserer FB-Gruppe hat mich darauf hingewiesen

LG
Patricia.
nicole.f
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 19 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Ist ja spannend, da kann aber jemensch auf der Insel gut Deutsch und verfolgt auch hier das Forum - Grüße nach UK :-)

Mit dem NHS haben es trans* Menschen dort auch nicht gerade leicht. Wenn ich mich recht erinnere sind die Wartezeiten enorm und es gibt nur zwei Zentren dafür (oder wenn es hoch kommt maximal eine Hand voll), d.h. alle trans* Menschen müssen dorthin und zuvor erstmal einen Termin dort bekommen. Wie die Richtlinien in UK sind, weiß ich allerdings nicht. Ich hatte mal mit ein paar Behandler_innen vor einigen Jahren bei der EPATH gesprochen, doch das ist jetzt vier bis fünf Jahre her...

Wenn ich es zeitlich schaffe, werde ich mal versuchen queer.de anzuschreiben, dass die auch etwas bringen.

Liebe Grüße
nicole
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 20 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Der MDS hat mir einen offiziellen Link geschickt:

https://www.mds-ev.de/richtlinien-publi ... htung.html

Und in der Tat Stand jetzt sind auch die neuen RL dort zu finden:

https://www.mds-ev.de/fileadmin/dokumen ... 201113.pdf

Angeblich seit 13.11., doch ich bin mir sicher, dass die am Freitag noch nicht dort lagen.

Liebe Grüße
nicole
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 21 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Patricia_cgn hat geschrieben: Mo 30. Nov 2020, 07:34 Es wird genau auf den Thread hier verwiesen.
... und wie bist Du darauf gekommen? Liest Du da öfter, oder war das ein Zufallsfund?

Gruß
Anne-Mette
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 22 im Thema

Beitrag von Patricia_cgn »

Anne-Mette hat geschrieben: Mo 30. Nov 2020, 17:14 Moin,
Patricia_cgn hat geschrieben: Mo 30. Nov 2020, 07:34 Es wird genau auf den Thread hier verwiesen.
... und wie bist Du darauf gekommen? Liest Du da öfter, oder war das ein Zufallsfund?

Gruß
Anne-Mette
Eine Freundin die ich persönlich kenne, hat mich heute morgen darauf hingewiesen.

LG
Patricia
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 23 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Ich habe mal versucht ein wenig inhaltliche Kritik aufzuschreiben und auch etwas mit Belegen zu hinterlegen...

Kritik MDS Begutachtungsanletung (aka MDS Richtlinie, MDS Leitlinie)

0. "Transsexualismus F64.0"
Es wird an der varalteten und psychopathologischen und stigmatisierenden Diagnose "Transsexualismus" festgehalten und versucht dies über Sozialgesetzgebung und den ICD-10GM zu begründen. Mit etwas mehr Willen, wäre dies auch sicherlich vermeidbar.
Das Beharren auf ICD-10GM sowie die diagnostischen Leitlinien des ICD-10 stellt einen Verstoß gegen SGB-V §2 (1) dar: "...Qualität und Wirksamkeit der Leistungen haben dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse zu entsprechen und den medizinischen Fortschritt zu berücksichtigen."
Maßgebliche internationale und nationale Regelwerke spiegeln aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Behandlugsnmethoden wieder, wie DSM-5 (2013), WPATH SOC v7 (2011), ICD-11 (2019) und die AWMF-S3 Leitlinie (2019) - die ICD-10 stammt aus dem Jahr 1990, "The ICD-10 Classification of Mental and Behavioural Disorders" von 1993.

1. ausschließlich trans* binär
Non-binary wird explizit ausgeschlossen (2.5.1, S. 14)
Mit binärer Geschlechtsidentität ist die in unserer Gesellschaft übliche Zweiteilung in männlich und weiblich gemeint. Non-binäre Geschlechtsidentität meint, dass diese Zweiteilung nicht streng verortet ist. In letzteren Fällen besteht kein Transsexualismus i.S. dieser BGA.
2. ausschließlich Erwachsene
KiJu wird nicht erfasst, sogar ausdrücklich ausgeschlossen (S. 7)
Gegenstand dieser Begutachtungsanleitung sind nicht
...
- die Begutachtung von geschlechtsangleichenden Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen,
3. starre Fristen
weiterhin wird eine "Kurzzeittherapie" (KZT, 12 Sitzung à 50 min innerhalb von mindestens 6 Monaten) als Mindestmaß für psychotherapeutische Sitzung zur Anamnese, Diagnose und Indikationsstellung vorgeschrieben (2.5.5, S. 19)
In Bezug auf den zeitlichen Umfang psychiatrischer und psychotherapeutischer Mittel zur Behandlung
des krankheitswertigen Leidensdruckes wird dieser Umfang einer KZT als mindestens erforderlich
angesehen,
Zusätzlich werden mindestens 12 Monate psychotherapeutisch begleiteter "Alltagserfahrung in allen Lebensbereichen" vorausgesetzt, sowie, aus den WPATH "Standards of Care" abgeleitet, bestehen der "Transsexualität" seit mindestens 24 Monaten.

4. regelhafter Versuch zur "psychotherapeutischen Linderung des Leidensdrucks"
dies kommt einem Trans* Heilungsversuch durch Psychotherapie gleich! (2.5.5, S. 18,19)
, um zu klären, dass der krankheitswertige Leidensdruck durch psychiatrische und psychotherapeutische Mittel nicht ausreichend gelindert werden konnte.
S. 35
Im psychiatrisch/psychotherapeutischen Befundbericht muss nachvollziehbar und konkret dargelegt sein,
- mit welchen Maßnahmen der Leidensdruck konkret behandelt wurde,
- welche Änderungen sich im Behandlungsverlauf bzgl. der Auswirkungen auf soziale, berufliche oder andere wichtige Funktionsbereiche ergeben haben,
- in welchem Zeitraum und Umfang die Behandlung erfolgte,
- dass trotz psychiatrischer/psychotherapeutischer Behandlung weiterhin ein krankheitswertiger Leidensdruck besteht.
Dr. Hagen Löwenberg: "Psychotherapie ist im Kern ein emanzipatorischer Prozess. Verordnete psychotherapeutische Maßnahmen zu applizieren, setzt eine antitherapeutische Grundhaltung voraus. Für einen solchen Behandlungsansatz stehe ich als Psychotherapeut nicht zur Verfügung."

Der empfohlene Behandlungsansatz kann als Konversionsversuch gewertet werden. Therapeut*innen, die sich danach richtenm könnten sich nach §3 KonvBehSchG strafbar machen:
§ 3 Verbot der Werbung, des Anbietens und des Vermittelns
Es ist untersagt, für eine Konversionsbehandlung zu werben oder diese anzubieten oder zu vermitteln.
5. Alltagstest
nach wie vor regelhafte Vorschrift zur "Alltagserprobung" in allen Lebensbereichen (aka "Alltagstest") (S. 21)
Aus sozialmedizinischer Sicht wird daher vor geschlechtsangleichenden Maßnahmen i.d.R. eine therapeutisch begleitete Alltagserfahrung in der angestrebten Geschlechtsrolle kontinuierlich und in allen Lebensbereichen über einen ausreichend langen Zeitraum als erforderlich angesehen.
Möglicher Verstoß gegen Yogyakarta Prinzipien? Diskriminierungsfreier Zugang zur Gesundheitsversorgung, aber Alltagstest kann, gerade für trans* weibliche Menschen, zu Diskriminierungserfahrungen führen.
WPATH SOC: sozialverträglich und nur in Absprache mit Klient_in, keine Verpflichtung
AWMF S3: _kann_ hilfreich sein, aber soll keine Pflicht sein

6. diskriminierende Differentialdiagnostik Homosexualität
es wird explizit verlangt, eine mögliche Homosexualität als Grund auszuschließen
Wesentliche Überlegungen zur Differentialdiagnostik und Komorbidität betreffen daher:
...
Geschlechtsidentitätsprobleme, die in der Ablehnung einer homosexuellen Orientierung begründet sind,
Für diese Behauptung gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Eher im Gegenteil zeigen Studien (Quellen!), dass sich bei dem überwiegenden Teil der trans* Menschen ihre sexuelle Orientierung im Rahmen der Transition nicht verändert und diese mehrheitlich nach erfolgter Transition in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, was einer internalisierten Homofeindlichkeit deutlich widerspricht.

7. diskriminierende Differentialdiagnostik "Transvestitismus"
es wird explizit verlangt, möglichen "Transvestitismus" als Ursache auszuschließen. Dies betrifft de facto vor allem trans* weibliche Menschen und muss als trans* misogyn interpretiert werden:
Wesentliche Überlegungen zur Differentialdiagnostik und Komorbidität betreffen daher:
...
Transvestitismus (F64.1, F65.1) im Gegensatz zu einem dauerhaften und tiefen Wunsch nach körperlicher und sozialer Angleichung an das andere Geschlecht.
8. diskriminierende Differentialdiagnostik "Schizophrenie" (S. 45)
Wissenschaftlich widerlegt, Schizophrenie kann nicht Auslöser von Trans* sein. Dies ist eine alte Fehleinschätzung und eine psychopathologische trans* feindliche Unterstellung! (Film "Das Schweigen der Lämmer")
darf nicht ein Symptom einer anderen psychischen Störung, wie z.B. einer Schizophrenie, sein.
Davon abgesehen ist die Formulierung schrecklich "darf nicht ein Symptom einer anderen psychischen Störung...sein", "andere psychischen Störung" heißt also soviel wie als noch eine andere, außer der bereits vorhandenen psychischen Störung Transsexualität - pfuij!

9. Erhöhter Dokumentationsaufwand durch Behandler_innen
aufwändige Dokumentation auch durch somatische Behanlder_innen (S. 23)
Die Stellung der Indikation für eine geschlechtsangleichende Maßnahme erfolgt in zwei Schritten: die psychiatrische/psychotherapeutische Indikationsstellung und die somatisch-ärztliche Indikationsstellung durch die Ärztin/den Arzt, die/der die Maßnahme durchführen soll.
...
„Beinhalten soll es:
1. die der Behandlung zugrundeliegende Diagnose
2. eine Aussage zu den ggfs. begleitenden psychischen Störungen
3. die jeweils empfohlene Behandlung
4. die Informiertheit des Behandlungssuchenden über Diagnose und
5. die Informiertheit des Behandlungssuchenden über alternative Optionen der Behandlung(en).“
...
ergänzend zu den o.g. Punkten Informationen enthalten über:
- eine ausreichende psychosoziale Stabilität,
- die Fähigkeit der Person zur realistischen Einschätzung der Möglichkeiten und Grenzen der geplanten Maßnahme,
- die Zweckmäßigkeit der geplanten Maßnahme,
- eine geplante transitionsbegleitende Nachsorge aus psychosozialer Sicht.
Zur Begutachtung beim MDK mindestens vorzulegen (S. 32,33):
- Ausführlicher psychiatrisch/psychotherapeutischer Befund- und Verlaufsbericht mit Angaben zu
* Anamnese,
* Diagnose und differentialdiagnostische Überlegungen,
* begleitenden psychischen Störungen,
* krankheitswertigem Leidensdruck,
* Behandlung des Leidensdruckes,
* Behandlung der Komorbiditäten (falls vorhanden),
* Begleitung der Alltagserfahrungen,
- Befundberichte zu somatischen Untersuchungsergebnissen (z.B. gynäkologisch, andrologisch, urologisch, endokrinologisch),
- Psychiatrisch/psychotherapeutische Indikationsstellung zur medizinischen Notwendigkeit der beantragten geschlechtsangleichenden Maßnahme,
- Somatisch-ärztliche Indikationsstellung durch die/den die beantragte geschlechtsangleichende Maßnahme durchführende Ärztin/Arzt inkl. Nachweis der Aufklärung,
- Leistungsauszug der Krankenkasse der letzten fünf Jahre.
Optional
- Ein biografischer Bericht der Versicherten zum transsexuellen Werdegang, den bisherigen Behandlungsmaßnahmen und der bisherigen Alltagserfahrung sowie zur aktuellen Lebenssituation,
- Gerichtsgutachten, sofern bereits eine gerichtliche Vornamens- / Personenstandsänderung nach dem Transsexuellengesetz durchgeführt wurde.
10. Allgemein
In der Einleitung wird mehrfach auf die Deutsche Rechtslage sowie den noch gültigen ICD-10GM zur Begründung der Kriterien verwiesen, in der Folge wird aber immer wieder, wo es dem MDS passend erscheint, doch auf den für Deutschland nicht relevanten DSM-5 verwiesen. Das passt nicht zusammen.

Dr. Hagen Löwenberg: "Es ist in diesem Zusammenhang aber darauf zu verweisen, dass es für die von der S3-Leitlinie abweichenden Empfehlungen der MDS-Anleitung überhaupt keine wissenschaftliche Evidenz und auch keinen Expertenkonsens gibt."


Ich stehe mit BVT* und in NRW mit dem NGVT* in Kontakt zur Erarbeitung von Verbands-Stellungnahmen. Weitere Kritikpunkte oder Kommentare zu den zuvor genannten wären dafür super hilfreich! Dann kann dies dort noch einfließen.

Liebe Grüße
nicole
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 24 im Thema

Beitrag von NikolaAusR »

Liebe Nicole,

erst einmal danke ich Dir von ganzem Herzen für dein unermüdliches Engagement in Sachen trans* (flow)

Hinsichtlich des Ausschusses von Kindern / Jugendlichen ist's möglicherweise ja so, dass die in Arbeit befindliche entsprechende Leitlinie abgewartet wird.
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ ... 8-014.html

Ansonsten bin ich bei den Argumenten, die schon genannt sind.

Liebe Grüße

Nikola

PS
Im Zusammenhang mit der restriktiven Haltung des Spitzenverband sollten wir hellwach sein, was sie aus der Leitlinie für die GaOP machen.
Eine Kostenübernahme nur für genau die beschriebene Methode scheint möglich :o
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ ... 3-052.html
„Wer richtig urteilen will, muss vollständig ablassen können von jeder Glaubensgewohnheit,
die er von Kindheit an in sich aufgenommen.
Die allgemeine Meinung ist nicht immer die wahrste.“

Klar definier ich mich binär :-)
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Re: Neue MDS Leitlinie verfügbar

Post 25 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Liebe Nikola,
danke Dir :-)

Eine AWMF Leitlinie für KiJu ist sicherlich hilfreich, doch hat das erstmal nichts mit dem MDS zu tun. Bei den KVen werden auch KiJu Anträge stellen, die dann beim MDK landen. Mit denen müssen sie irgendwie umgehen. Wenn es keine RL gibt, dann müssen es die MDKen individuell entscheiden, was es nicht besser macht. Oder anders gesagt, nur weil es keine RL gibt bedeutet das nicht, das alles pauschal abgelehnt wird. Das können sie nicht. Nur ist es dann für jeden einzelnen Fall eine individuelle Entscheidung, was Betroffene einer größeren Beliebigkeit aussetzt.

Die Befürchtung, dass eine AWMF Leitlinie zu chirurgischen Maßnahmen zu einer Art Einschränkung bei Kostenübernahmen führen könnte, sehe ich nicht wirklich. Die AWMF hat zunächst einmal keinen Einfluß auf die Kostenträger. Die AWMF schreibt auf unterschiedlichen Niveaus medizinische Standards als Leitlinien auf. Die Niveaus der Leitlinien entsprechen der Tiefe und nötigem Konsens. Die unterste Stufe S1 ist nicht viel mehr als eine Zusammenfassung von Veröffentlichungen. Die höchste Stufe S3 legt ein hohes Maß an Recherche und Konsensfindung sowie Einbeziehung von anderen Gruppen fest. Das Resultat ist die Feststellung, wie eine medizinische Behandlung eines bestimmten Erkrankungsbildes oder anderer medizinisch behandlungsbedürftigen Zustände aussehen sollte. Das bedeutet aber nicht, dass es ab dann immer nur noch und genau so durchgeführt werden darf. Ärzt_innen handeln auch eigenverantwortlich und passen die Behandlung individuell an. Eine Leitlinie legt sozusagen eher die untere Latte fest. Abweichungen sind absolut möglich, müssen nur ggf. dann individuell begründet werden. Eine AWMF Leitlinie zu geschlechtangleichenden OPs soll eher verhindern, dass ein Zahnarzt solche OPs im Hinterzimmer durchführt (wir kennen hier im Forum auch einige Ärzt_innen namentlich, die besser nie hätten operieren sollen und denen man mit solchen Leitlinien zumindest ein wenig einen Riegel vorschieben könnte). In der Regel werden bei Antrag an die Kassen und in der Folge an den MDK auch die konkrete OP Methode gar nicht dargestellt, daher sehe ich hier auch keine Gefahr, dass dies ein Ablehnungsgrund sein sollte. Die konkrete Leitlinie ist von Julia Bohr und Jochen Hess initiiert. Ich kenne beide, vor allem Frau Dr. Bohr, und denke, dass das sicherlich ordentlich werden wird und hoffentlich einigen Unfug verhindern helfen wird und eher nicht zu irgendwelchen Nachteilen für uns. Und mit dem BVT* ist auch eine Organisation bei der Entwicklung dabei, die unsere Interessen ganz sicher gut vertritt. (Was ich mal auch zum Anlass nehmen werde, beim BVT* nachzufragen, wie denn da der Stand ist, schließlich soll die im Oktober veröffentlicht werden, d.h. die müsste so gut wie fertig sein...)


Noch einmal auf die konkrete MDS RL zurückkommend, im Großen und Ganzen ist diese neue RL nicht wirlich eine Verschlechterung. Eher im Gegenteil könnte man argumentieren, dass einige Fristen etwas kürzer sind und der Rest, nuja, in der Praxis wird sich vermutlich ersteinmal nicht wirklich viel verändern. Konkrete Auswirkungen wird es eher wenige haben, denke ich, außer das vielleicht die Diagnose und Indikationsstellung etwas umfangreicher wird. Die seltsame "Linderung des Leidensdrucks mit psychotherapeutischen Mitteln" wird kein halbwegs verständiger Therapeut wirklich machen.

ABER was mich wirklich wütend macht, ist der Ton und die Haltung dieser RL, die alles das wieder aus der Versenkung der Geschichte holt, was wir eigentlich in den 20 oder 30 Jahren trans* Aktivismus mühselig und auch recht erfolgreich bekämpft haben. Doch der MDS wischt das alles kurzerhand beiseite und postuliert und verbreitet wieder Ansichten aus den 1970er Jahren. Das an sich ist schon schlimm. Noch schlimmer ist allerdings, dass dies ganz sicher auch wieder von anderen als Quelle benutzte werden wird, bspw. bei der Diskussion um rechtliche geschlechtliche Selbstbestimmung - ja, hat eigentlich nichts miteinander zu tun, trotzdem nutzen unsere Widersacher jeden Strohhalm und hier liefert der MDS gleich eine ganz Packung. Das wird uns ganz sicher noch mehr und länger verfolgen.

Liebe Grüße
nicole

PS: Ich sehe gerade, dass ich ja im Dezember 10 jähriges hier im Forum hatte, uijuijuij :-) Wie die Zeit vergeht, meine Güte...
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