TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes
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Anne-Mette
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TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

der TAGESSPIEGEL greift ein Thema auf, das in verschiedenen Gremien schon diskutiert wurde: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaf ... 46954.html

Gruß
Anne-Mette
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jelana
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 2 im Thema

Beitrag von jelana »

Die Überschrift des TAGESSPIEGELs ist reißerisch. Es geht um das Verbot von Konversationstherapien (die in besagtem Gesetz auch "Therapien gegen falsche Geschlechtsidentitäten" einschließen) und die Unterzeichnerinnen des offenen Briefs bringen ihre Bedenken zum Ausdruck, Transitionswünsche bei Kindern und Jugendlichen immer als Ausdruck einer Geschlechtsdysphorie zu sehen. Was sie auch lang und breit begründen und mit Quellennachweisen versehen.
Aus diesem Grund fordern sie in dem Gesetz die Streichung des Begriffs "Geschlechtsidentität". Wie man hieraus eine generelle "Transfeindlichkeit" von TdF konstruieren kann, ist mir schleierhaft.
Nebenbei bemerkt, haben die Beteiligten privat unterzeichnet. Es handelt sich also nicht um die offizielle Position von TdF.
Unseriöser Journalismus.

Der offene Brief: https://www.emma.de/sites/default/files ... erapie.pdf
Stellungnahme von TdF: https://www.frauenrechte.de/ueberuns/do ... 26-04-2020

JuliaS
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 3 im Thema

Beitrag von JuliaS »

Teile der Vorstandsfrauen als auch Teile der Mitfrauen von TERRE DES FEMMES sind zweifelsfrei TERFS. Eigene, schmerzhafte Erfahrung.
Der Inhalt des offenen Briefes ist eine bewusste Fehlauslegung des Gesetzes.
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jelana
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 4 im Thema

Beitrag von jelana »

JuliaS hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 15:37
Teile der Vorstandsfrauen als auch Teile der Mitfrauen von TERRE DES FEMMES sind zweifelsfrei TERFS. Eigene, schmerzhafte Erfahrung.
Kann ich nicht beurteilen. Hat aber nichts mit dem Thema zu tun.
JuliaS hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 15:37
Der Inhalt des offenen Briefes ist eine bewusste Fehlauslegung des Gesetzes.
Ist Ihre Behauptung. Ohne Beleg. Aber davon abgesehen: Hat ebenfalls nichts mit meinem Gesagten zu tun.

Anne-Mette
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Tag,
jelana hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 14:17
Nebenbei bemerkt, haben die Beteiligten privat unterzeichnet. Es handelt sich also nicht um die offizielle Position von TdF.
Da widerspreche ich.

Durch die Art der "Unterzeichnung" und Bezeichnung
(ich zitiere)
Prof. Dr. Godula Kosack (Vorsitzende TERRE DES FEMMES Menschenrechte für die Frau e. V., Leipzig)
Inge Bell (Stellv. Vorsitzende TERRE DES FEMMES Menschenrechte für die Frau e. V., München)


liegt es fast nahe, dass hier "im Namen" gesprochen wird und nicht "privat"; denn ansonsten hätten sie es bei Nennung des Namens und einer Berufsbezeichnung und bei der Erwähnung des Wohnortes belassen, wie es die anderen Unterzeichnerinnen gemacht haben.
So eine genannte Position in diesem Verein gibt Gewicht und Macht und lässt bei geneigten LeserInnen fast den Eindruck entstehen "im Auftrage" oder zumnindest "mit Wissen" oder "mit Billigung".

In wieweit diese Art und Weise für den Verein schädlich sein mag, wird dieser selbst beurteilen müssen.

Gruß
Anne-Mette
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 6 im Thema

Beitrag von Petra Sofie »

Auf jeden Fall erscheint mir der Verein Terre des Femmes doch recht suspekt zu sein.

Unterschiedliche Bewerbungen auf ein und die selbe Stellung. Die Bewerber haben aber offensichtlich unterschiedliche Qualifikationen. Was soll mit diesem Experiment bewiesen werden ???? Das ist reine Effekthascherei. Genauso wie mit dem Offenen-Brief.

https://www.watson.de/deutschland/femin ... eyperiment

LG
Petra Sofie

Anne-Mette
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

bei allem Respekt, aber mir ging es nicht um ein Schlechtmachen des Vereines und ich möchte darum bitten, dass (hier im Thema) nicht weitere Beiträge kommen, die Beispiele dafür sein sollen.
Lasst uns bitte beim Thema bleiben und möglichst OFFEN und an den Punkten diskutieren, die mit dem Themenstart und dem folgenden Beitrag angesprochen wurden.

Ich finde kaum einen Beleg für eine "reißerische Überschrift" des TAGESSPIEGEL; denn das ungeschickte Verhalten einiger Personen hat wohl hier zu einem komprimierten Ausdruck des Empfindens geführt, das beim TAGESSPIEGEL nach der Recherche entstanden sein wird.

Gruß
Anne-Mette

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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 8 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

da kann ich Anne-Mette nur zustimmen. Die Vorsitzende eines solchen Vereins ist in einem solchen Fall eben keine Privatperson. Und durch ihre Unterschrift und die Nennung ihrer Position in der Organisation hat sie auch versucht das Gewicht von Terre des Femmes in die Waagschale zu werfen. Da helfen auch keine nachträglichen Distanzierungsschreiben.

Liebe Grüße

Anke
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 9 im Thema

Beitrag von jelana »

Ich habe eigentlich nur kommentiert, weil ich zufällig beim Tagesspiegel nachgelesen habe und die Überschrift einfach irreführend fand. Warum, habe ich ja ausgeführt. Belege habe ich ebenfalls angefügt. In den Kommentaren beim Tagesspiegel findet man übrigens ebenfalls Beiträge, die das ähnlich kritisieren.
Abgesehen von TdF, halte ich es prinzipiell anstößig, von einer Einzelmeinung auf eine ganze Organisation zu schließen.
Angenommen, jemand schreibt hier "2000.- € Grundrente für alle Crossdresser!" und die BILD titelt am nächsten Tag "Crossdresser fordern 2000.- € Grundrente". Ist genauso unseriös.
Nur weil irgendwer im Internet behauptet, er habe schlechte Erfahrungen mit X gemacht, soll ich dies nun als Fakt hinnehmen?
Und mit dieser rhetorischen Frage klinke ich mich damit aus diesem Thread aus.

JuliaS
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 10 im Thema

Beitrag von JuliaS »

Ein Artikel von Chantal Louis in der Zeitschrift „EMMA“ führte zu einem wütendem Aufschrei nicht nur aus den Kreisen der Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung (Trans*, Intergeschlechtlich und nicht-binär). Es war nicht das erste Mal, dass es seitens dieses Periodikums zu unqualifizierten bis hin zu bösartigen Ausfällen gegen diese Menschen kam. Anlass war dieses Mal das Gesetz zum Schutz vor sog. Konversions“therapien“, welches maßgeblich durch die Aufklärungsarbeit der dgti um das Merkmal Geschlecht ergänzt worden ist.

Der Artikel beginnt schon mit zwei Fehlannahmen und Verdrehungen. Erstens meinen Menschen nicht, transsexuell zu sein, sie sind und bleiben es auch zu 99,55 %. 1 Zweitens bleibt die bisherige therapeutische Berufsausübung von diesem Gesetz unberührt. Auch das sehr euphemistisch umschriebene „gemeinsame Erforschen der Motive des Transitionswunsches“ ist weiterhin möglich. Wobei die Autorin scheinbar noch nie mit Betroffenen gesprochen zu haben scheint. Bevor Betroffene eine Transition beginnen, haben sie sich schon sehr intensiv und oftmals schmerzhaft mit ihrer Geschlechtszugehörigkeit auseinandergesetzt. Hier haben therapeutisch tätige Menschen nichts zu „erforschen“, sie haben zu begleiten und die Betroffenen zur Selbstreflexion zu animieren, eventuell noch Fehlannahmen aufzuzeigen. Nicht eine Therapie an sich, einzig und allein eine nicht ergebnisoffene Therapie, also das alleinige Aufzeigen des Verbleibens im zugewiesenen Geschlecht ist zukünftig untersagt. Da die Bundespsychotherapeutenkammer in ihrer Stellungnahme vom 5. März 20202 zu diesem Gesetz die im Beitrag angenommene Problematik nicht festgestellt hat, ist die Unterstellung, dass dies absichtlich durch die Verfasser_innen geschah, berechtigt.

Auf die weiteren inhaltlichen Ausführungen, insbesondere von Herrn Dr. Korte, möchten wir hier nicht noch einmal eingehen, sondern verweisen auf den Fachaufsatz von Fr. Weitzel vom 24. Februar 2020.3 Vielmehr möchten wir auf die durchaus als verleumderisch und bösartigen zu verstehenden Unterstellungen in dem Artikel eingehen. Dass der hier thematisierte Eindruck, dass dieses Gesetz in die Therapiefreiheit eingreift, konstruiert werden kann, ist nicht der „in Teilen fanatisierten und ideologisierten Translobby“ anzulasten, sondern dem Unvermögen oder Unwillen des Gesetzgebers, auf die Expert*innen zu hören. Alle Sachverständigen in der Anhörung im Bundestag bemängelten die unscharfe und schwammige Formulierung des Verbotstatbestandes. Die dgti wies in ihrer Stellungnahme vom 2. März 20204 darauf hin, dass dieses aus den gleichen Gründen, wie dies für geschlechtsangleichende Maßnahmen geschah, auch für therapeutische Begleitungen erfolgen sollte. Es war allen Anwesenden in der Anhörung unwidersprochen bewusst, dass hier nur Handlungen untersagt werden, die nicht vom Berufs- und Standesrecht gedeckt sind. Nicht fehlen durften die Stellungnahme der DGSMTW (Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft) deren Mitglied Hr. Korte ist, und ein offener Brief der von Vorstandsfrauen von TERRE DES FEMMES (TDF) verfasst wurde, die allerdings Wert darauf legen, diesen als Privatmenschen und Psychotherapeutinnen geschrieben zu haben. Durch die Nennung der Funktion bei TDF fällt er trotzdem auf den Verein zurück und ist diesem als Meinungsäußerung zuzuordnen.

Da der offene Brief5 nicht ohne die Stellungnahme der DGSMTW zum Entwurf eines Gesetzes zum Schutz vor Behandlungen zur Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität6 verständlich ist, ein paar klärende Worte hierzu.

Der „Protest“ erreichte den Bundestag nie. Die DGSMTW nahm an der weiteren Beratungen zu diesem Gesetz nach der 2. Fachkonferenz im Bundesgesundheitsministerium nicht mehr teil und ihre Stellungnahme wird scheinbar nur durch die AfD und EMMA erwähnt. Nach den Seite 1 füllenden Präliminarien und Selbstlob beginnt die eigentliche Stellungnahme der DGSMTW ab Seite 2 wie folgt:

„Die sexuelle Orientierung ist Teil der Sexualpräferenz, die in dem Gesetzentwurf unsachgemäß mit Fragen der Geschlechtszugehörigkeit bzw. dem Geschlechtszugehörigkeits-Empfinden (Geschlechtsidentität) vermengt wird. Diese Vermengung muss aus klinisch-sexualwissenschaftlicher Perspektive zurückgewiesen werden!“

Dies ist eine Fehlannahme, die aber zum Aufbau der nachfolgenden Einlassungen essentiell ist. In dem dieser Behauptung zu Grunde liegenden § 1 Abs. 1 des angedachten Gesetzes heißt es:

„Dieses Gesetz gilt für alle am Menschen durchgeführten Behandlungen, die auf die Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität gerichtet sind (Konversionsbehandlung).“

Hier kann nur bei bewusster Fehlannahme eine Vermengung konstatiert werden. Es handelt sich um eine sehr wohl sachbezogene Verknüpfung. Das Gesetz behandelt die getrennten Felder der sexuellen Orientierung und der geäußerten Geschlechtszugehörigkeit vollkommen richtig.

„Dies möchten wir im Folgenden etwas näher erläutern. Im Gegensatz zur im Erwachsenenalter weitgehend stabilen Sexualpräferenz, inklusive der Achse der sexuellen Orientierung, stellt „Identität“ ein psychologisches Konstrukt dar, welches gerade nicht lebenslang unverändert bleibt, sondern lebenslang individuellen Änderungen und Anpassungen unterworfen ist.“

Dies ist ebenfalls eine Fehlannahme. Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung hadern nicht mit ihrer „Identität“ sondern mit dem Wissen, dass ihr Geschlecht nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen übereinstimmt. Auch ist dieses ebenfalls unveränderlich.7 Dessen ungeachtet ist diese Frage hier vollkommen ohne Bedeutung. Zum einen hat das Bundesverfassungsgericht (BVG) mit seinem Beschluss vom 15. August 1995 - 2 BvR 1833/94 – festgestellt, dass die individuelle Entscheidung über die Geschlechtszugehörigkeit zu respektieren ist.8 Weiterhin hat das BVG am 11. Januar 2011 – 1 BvR 3295/07 – das Auseinanderfallen des Wissens um die Geschlechtszugehörigkeit und der körperlichen Geschlechtsmerkmale anerkannt.9

Grundlage des Gesetzes ist somit keine Entscheidung über medizinisch-psychologische Fragen, sondern es leistet einer bestehenden Rechtslage Folge.
Wenn es dann in der Stellungnahme weiter heißt:

„‚Identitätsarbeit‘ ist nicht nur etwas, was von uns allen mehr oder weniger ein Leben lang geleistet wird, sondern ist meist auch etwas, was gerade in krisenhaften Situationen von vielen Menschen mit Hilfe Dritter angegangen wird. Arbeit an Identität/Persönlichkeit und deren Veränderung oder Anpassung ist integraler Bestandteil jedes lege artis durchgeführten psychotherapeutischen Behandlungsprozesses. Die Geschlechtsidentität und individuell gelebter sozialer Ausdruck ist Teil der allgemeinen personalen Identität.“,

so ist dies schon sehr nahe an einer Begründung für Veränderung und/oder Unterdrückung der geäußerten Geschlechtszugehörigkeit. Natürlich ist eine therapeutische Begleitung bei Identitätskrisen legitim und hilfreich. So wie es hier gemeint wird, aber nicht. Es geht nicht um ein Hadern mit der Identität, sondern wie bereits weiter oben ausgeführt, und das schmerzhafte Erleben des Auseinanderfallens des Wissens um die eigene Geschlechtszugehörigkeit und der Wahrnehmung des Körpers. Einer Fachgesellschaft sollte dieses bekannt sein, weshalb hier von bewusster und vorsätzlicher Fehlannahme auszugehen ist.

„Wenn eine Person unter einer Inkongruenz, also einer fehlenden Übereinstimmung zwischen ihrer selbstempfundenen geschlechtlichen Identität einerseits und ihrem realen körperlichen So-Sein bzw. den an sie herangetragenen sozialen Rollenerwartungen in klinisch relevantem Ausmaß leidet (sogenannte „Störung der Geschlechtsidentität“ oder aktueller: „Geschlechtsdysphorie“), dann ist es psychotherapeutisch indiziert und notwendig, dieses psychische Leiden vor allem psychotherapeutisch zu behandeln und zu versuchen, das psychische Leiden einer Person auf diese Weise zu lindern.“

Soweit richtig. Nur dass hier eine andere „Behandlung“ gemeint wird und nicht eine Begleitung auf dem Weg, das Wissen um die Geschlechtszugehörigkeit mit Leben zu erfüllen. Auf keinem Fall ist dies eine „Versöhnung“ mit den körperlichen Gegebenheiten. Entscheidend ist das Wissen um die Zugehörigkeit und nicht der körperliche Zustand.

„Nur im Zuge einer solchen, grundsätzlich ausgangsoffenen, psychotherapeutischen Behandlung kann die betroffene Person Klarheit über die Notwendigkeit weiterer (organ-) medizinischer Behandlungsmaßnahmen, z. B. Hormonbehandlung oder körperverändernder Operationen, erlangen. Solche körperverändernden Maßnahmen können aus klinisch-sexualwissenschaftlicher Perspektive also ausschließlich als Ergebnis eines ausgangsoffnen, supportiven, psychotherapeutischen Begleitungs- und Behandlungsprozesses sein und stellen überhaupt regelmäßig bei nur einem kleinen Teil der betroffenen Personen („Transsexuelle“ in einem klinisch engeren Sinne) eine tatsächlich indizierte und damit notwendige Behandlungsmaßnahme dar.“

Hier wird die alte Mär der nach körperlicher Veränderung gierenden Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung kolportiert. Dies ist schon lange widerlegt und wird auch in der kommenden Behandlungsrichtlinie entsprechend berücksichtigt. Dessen ungeachtet ist es die Entscheidung der betroffenen Person, ob und welche körperlichen Anpassungen gewünscht und angebracht sind. Die unsachgemäße Bezeichnung als „körperverändernd“ an Stelle der tatsächlich richtigen als „körperanpassend“ zeigt die offensichtlich mangelnde Sachkompetenz.

„Der Gesetzesentwurf in seiner jetzigen Form würde das aktuelle sozialmedizinische Vorgehen einer begleitenden Psychotherapie bei Personen, die unter einer Geschlechtsdysphorie leiden, quasi unter Strafe stellen. Wir erlauben uns daher anzuregen folgende Änderung im Gesetzestext vorzunehmen:
§ 1 (2) Dieses Gesetz findet keine Anwendung, sofern die behandelte Person unter einer medizinisch anerkannten Störung der Sexualpräferenz oder einer medizinisch anerkannten Störung der Geschlechtsidentität leidet und die Behandlung hierauf gerichtet ist. Insoweit bleibt es bei den allgemeinen Regelungen zur Einwilligung in eine Behandlung.“

Dem ist nicht so. Sowohl aus der Gesetzesbegründung als auch dem Gesetzestext ist keine Unterbindung einer sachgerechten und fachlichen Begleitung während des Weges in ein Leben gemäß der gewussten Geschlechtszugehörigkeit zu finden. Hier kommt erneut die veraltete und falsche Auffassung zu Tage, dass Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung an einer therapiebedürftigen Störung leiden.10 Die gewünschte textliche Ergänzung würde in der Praxis den angedachten Schutz von Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung vollständig eliminieren.

„Des Weiteren bitten wir dringend darum, verschiedene medizinische Unkorrektheiten im Begründungstext des Gesetzes (z. B. Gleichsetzung von sexueller Identität, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Transsexualität und Intersexualität) zu korrigieren.“

Diese Unklarheiten wurden in den Stellungnahmen der Bundesärztekammer und der Bundespsychotherapeutenkammer weder gesehen noch bemängelt. Auch wir sehen keine Unkorrektheiten.

Zusammenfassend sehen wir in dieser Stellungnahme keinen sachdienlichen und zeitgemäßen Beitrag im Ringen um einen allumfassenden und bestmöglichen Schutz von Menschen, die dem unseligen Treiben sog. „Konversionshandlungen“ ausgesetzt sind. Vielmehr erscheint sie uns als letztes Aufbäumen einer überholten und nicht mehr vertretbaren Haltung zu diesem Themenkomplex, um einer Minderheitenmeinung eine ihr nicht zustehende Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Die weiter in dem sich hierauf stützenden offenen Brief aufgeworfene Fragestellung, ob es die im Gesetz unter Strafe gestellten Unternehmungen überhaupt in Deutschland durchgeführt werden, muss mit einem klaren: „Ja, leider“ beantwortet werden. Alleine unter unseren Mitgliedern sind zwei Fälle bekannt, welche dies erleiden mussten. Ebenfalls ist uns mindestens ein Handelnder aus dem medizinischen Bereich bekannt, der zumindest in auffällig verdächtiger Nähe zur Justiziabilität agiert. Da dieses Tun jedoch noch nicht strafbedroht ist, können wir es noch nicht offenlegen und einer gerichtlichen Klärung zuführen.
Wie bereits auch hier ausgeführt, beruht die explizite Ausnahme der geschlechtsangleichenden, medizinischen Gesundheitsleistung nicht auf dem Wunsch unseres Verbandes, sondern der medizinischen Fachgesellschaften - aus unserer Sicht war dies nie zweifelhaft. Auch die immer wieder vorgehaltene Unterstellung, dass die Transition der einfachere Weg sei, mit seiner sexuellen, insbesondere homosexuellen Orientierung umzugehen, ist so alt wie falsch. Auch Homosexualität ist zwar den uns wohlvertrauten Anfeindungen und einem Änderungsdruck ausgesetzt, aber sie wird nicht grundsätzlich, auch nicht staatlich, angezweifelt.

De-Transitionen kommen vor, sie haben vielfältige Gründe und sind mehr als ärgerlich, da objektiv im Vorfeld der Transition etwas suboptimal geschehen ist. Sie sind aber nicht so häufig, wie neuerdings allenthalben behauptet wird. Alle uns bekannten Zahlen, auch aus eigener Erhebung, zeigen, dass sie 0,45 %, auf jeden Fall unter 1 % der transitionierten Fälle darstellen. Unsere Beratungen und Begleitungen sind explizit De-trans* inkludierend. Transition wird hier nicht als geradliniger Prozess verstanden. Abbrüche und Pausen sind ausdrücklich erwünscht, denn nichts ist fataler, als wenn von therapeutischer Seite binäre Transitionen eingefordert und forciert werden.11 Übrigens verdoppelt sich das Suizidrisiko für De-trans*, wenn sie wieder in ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht leben. Die Rate von Suizidversuchen in der 12-Monatsprävalenz erhöht sich auf fast 12 Prozent, verglichen mit 6,7 Prozent derjenigen, die keine „De-Transition“ durchgeführt haben 12

Die seit Jahren ansteigende Zahl von Transitionen haben vielfältige Gründe. Diese liegen zwar auch in gesellschaftlichen Gegebenheiten, aber vor allem in den sich in den letzten Jahren veränderten rechtlichen Bestimmungen. Auch gab es historisch Unterschiede in den Bedingungen für trans*männliche und trans*weibliche Menschen, die zu unterschiedlichen Zahlen führten. Zudem ist nicht zu vergessen, dass die in diesem Zusammenhang von ihnen üblicherweise herangezogenen Studien sich auf ausländische Verhältnisse beziehen. Auf Deutschland sind diese nicht immer anwendbar. Nicht außer Acht gelassen werden dürfen die in den letzten Jahren leichter und breiter verfügbaren Informationen, auch für Jugendliche, die zu einem früheren Beginn der Transition führen. Um es erneut klar zu formulieren: kein uns bekannter Verband wirbt für eine Transition oder ist auch nur irgendwie geneigt, einem Jugendlichen eine Transition einzureden. Wir verteidigen allerdings das Recht von Jugendlichen in einem strukturierten, reflektierten und begleiteten Rahmen, selbstbestimmt die rechtliche Geschlechtszugehörigkeit und daraus folgend den Vornamen berichtigen zu lassen. Dies schließt auch die Möglichkeit ein, geschlechtsangleichende, medizinische Gesundheitsleistungen in Anspruch zu nehmen. Es handelt sich dabei vor allem um Hormonblocker als Vorstufe der gegengeschlechtlichen Hormontherapie, um das Erleben der als falsch wahrgenommenen körperlichen Veränderungen zu ersparen, und nicht in erster Linie um chirurgische Eingriffe, da diese ohnehin wegen des noch nicht voll ausgebildeten Körpers keinen Sinn ergeben würden. Die Richtlinien für diese Interventionen sind sehr rigide und die Vorbedingungen werden auch durchgehend sehr stringent eingefordert. Abschließend sei noch bemerkt, dass wir keine rein trans*-affirmative Begleitungen, insbesondere Therapien, sondern eine trans*-akzeptierende und nicht-exkludierende Begleitung fordern.

Die im weiteren Verlauf von Ihnen genannten Risiken sind uns alle bekannt und bewusst. Wir sind aber durchaus in der Lage, diese verantwortungsvoll zu berücksichtigen. Wir verneinen nicht, dass es gesellschaftliche Missstände und Strukturen gibt, die verändert werden müssen. Aber dass Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung und unser Verband diese untermauern und stützen, ist absurd. Gerade wir brechen diese Grenzen und Rollenklischees auf und hinterfragen sie. Die Folgen einer Transition zeigen sich auch darin, dass diese dazu führt, mit einer Wahrscheinlichkeit von über 20 %. arbeitslos zu werden. Die von Ihnen angewandte rein und ausschließlich frauenrechtliche Betrachtung ist zu kurz gedacht und unangemessen.

Die fortdauernden Anfeindungen und Unterstellungen durch EMMA und insbesondere diese Autorin sind unerträglich. Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung sind die geborenen Mitstreitenden im Ringen um die wirksame Durchsetzung von Menschenrechten. Die dgti ist gerne bereit, dies auch mit Frauenrechtsverbänden gemeinsam zu tun, aber nicht um jeden Preis. Und erst Recht nicht unter Aufgabe unserer ureigensten Anliegen. Die letzten beiden Absätze des offenen Briefes von TERRE DES FEMMES lassen uns jedoch an dieser Zusammenarbeit zweifeln, da diese in einer verdächtigen Nähe zum Werben für eine Unterdrückung der geäußerten Geschlechtszugehörigkeit stehen. Auch die bösartigen Ausfälle mit expliziten als auch impliziten Unterstellungen sind nicht förderlich. Die dgti ist nicht Teil einer fanatisierten und ideologisierten Translobby, wir nehmen lediglich am öffentlichen Diskurs zu gesellschaftspolitischen Fragen teil. Ein Teil dieser Beteiligung ist auch die Vertretung im politischen Diskurs.

Eine Zusammenarbeit der dgti, auch mit Frauenrechtsverbänden und die Haltung zu EMMA hängen für uns von eigentlich selbstverständlichen Bedingungen ab.
  • Geschlecht ist immer die geäußerte Geschlechtszugehörigkeit. Diese kann weiblich, männlich, offen oder die Bandbreite des Eintrages „divers“ sein. Hierbei ist es unerheblich, ob bei Geburt zugeschrieben oder nachträglich berichtigt - auf keinen Fall jedoch durch körperliche Gegebenheiten begründet.
  • Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung (Trans*, Intergeschlechtlich und nicht-binär) sind nicht in ein Geschlecht eingewandert noch haben sie dieses gewechselt oder umgewandelt. Sie wurden schlicht bei der Geburt falsch zugeordnet.
  • Sowohl der EMMA-Artikel als auch der offene Brief von TERRE DES FEMMES müssen öffentlich, als auf Fehlannahmen beruhende Falschaussagen, zurückgenommen werden.
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Wally (So 24. Mai 2020, 04:13)
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 11 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

jelana hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 17:18
Abgesehen von TdF, halte ich es prinzipiell anstößig, von einer Einzelmeinung auf eine ganze Organisation zu schließen.
Ich dachte, das wäre deutlich genug gewesen; denn es ist keine "Einzelmeinung".
Insofern ist eine Bewertung mit "anstößig" unangebracht.
jelana hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 17:18
Und mit dieser rhetorischen Frage klinke ich mich damit aus diesem Thread aus.
... und was soll denn der Kurzauftritt? Im Thema kommen wir damit nicht weiter.

Gruß
Anne-Mette
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 12 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

dann mal zurück zum eigentlichen Thema.

Interessant finde ich das Argument, dass es an wissenschaftlichen Beweisen für Transsexualität fehle.

Wo ist da der Unterschied zur Homosexualität? Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass das bei Homosexualität anders ist. Gibt es da einen neuen medizinischen Test, der das vielleicht sogar schon bei der Geburt nachweist? Das wäre mir neu.

Die Menschen sagen nur, dass sie das gleiche Geschlecht lieben. Und diese Aussage sollte auch genügen, auch im Fall der Transsexualität.

Liebe Grüße

Anke
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 13 im Thema

Beitrag von Marielle »

Namd zusammen,
Anke hat geschrieben:
Sa 23. Mai 2020, 19:17
Interessant finde ich das Argument, dass es an wissenschaftlichen Beweisen für Transsexualität fehle.
Darüber war ich auch gestolpert. Es ist ein ziemlich sinnloses Argument, wenn man bedenkt, das die Existenz einer männlichen oder weiblichen geschlechtlichen Identität, die vom Körper determiniert ist, auch nicht bewiesen ist. Es ist wohl eine Frage des Glaubens, wie vieles andere auch. Und wie so oft, wird der eigene Glauben von einigen zur reinen Wahrheit erhoben und mit unangemessenen Forderungen oder gar dem Anspruch auf die Unfehlbarkeit der eigenen Sicht auf die Dinge vereinigt.

Darin sehe ich einen ganz wesentlichen Teil des Problems, um das es hier geht.

Habt es gut

Marielle
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As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
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But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

Anke
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 14 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

jetzt habe ich mir diesen Brief noch einmal genauer angesehen. Darin gibt es eine ganze Reihe von Problemen. Hauptproblem ist, dass versucht wird einem persönlichen Standpunkt einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben, der jeglicher Grundlage entbehrt.

Zum Beispiel wird argumentiert, dass es keine gemeldeten Fälle von Konversionstherapien bei Transsexuellen gibt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es das nicht gibt. Die Versuche transsexuelle Menschen mit zweifelhaften Therapien zu „heilen“ sind sehr gut dokumentiert. Hier wurde großes Leid zugefügt und es ist gut, dass das verboten wird.

Auch das Argument zur geschlechtlichen Identität sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Wissenschaft war bisher nicht in der Lage, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Also wird einfach behauptet, dass es das gar nicht gibt.

Aber wie kann es sein, dass die Mehrzahl der Menschen ein deutliches Empfinden für diese angeblich nichtexistierende geschlechtliche Identität besitzt? Wie kann es sein, dass wir uns instinktiv (egal ob cis oder trans) einem Geschlecht zugehörig empfinden?

Mir kommt das so vor, als würde jemand behaupten, dass es außerhalb der Erde im Universum kein weiteres Leben gibt, nur weil wir derzeit nicht in der Lage sind, das zu erforschen. Die Unfähigkeit wird zum Argument. Das ist sehr fragwürdig!

Genau wie das Universum ist die geschlechtliche Identität ein äußerst komplexes Phänomen, das nur durch übergreifende Zusammenarbeit von Wissenschaftszweigen wie Psychologie, Biologie und Soziologie ergründet werden kann. Leider gibt es diese Zusammenarbeit nur in Ausnahmefällen und viele Vertreter dieser Wissenschaften neigen dazu, die jeweils andere anzugreifen und zu diskreditieren. Schade!

So ordne ich auch diesen Brief ein. Er erinnert mich an die Versuche der katholischen Kirche die Erkenntnisse und Ideen großer Wissenschaftler (z.B. Galileo) zu unterdrücken. Da passt etwas nicht in das eigene Weltbild, also muss es falsch sein.

Die Unterzeichner des Briefes haben sich in meinen Augen als Wissenschaftler disqualifiziert.

Liebe Grüße

Anke
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Anne-Mette
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Re: TAGESSPIEGEL: Kritik an Transfeindlichkeit von Terre des Femmes

Post 15 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

das in meinen Augen unredliche Vorgehen der "Gruppe um Kontaktperson: Dipl.-Psych. Stefanie Bode" sorgt dafür, dass wieder einmal eine
thematische Auseinandersetzung erschwert oder sogar unmöglich gemacht wird.

Das ist um so bedauerlicher, weil in dem "offenen Brief" unter Vorspielung einer "geballten Fachkompetenz" und unter Zuhilfenahme eines etablierten Vereines
(möglicherweise ohne dessen Wissen und Auftrag) einseitig Politik gemacht werden soll.
Nicht nur "zwischen den Zeilen" sondern offen wird gegen transsexuelle und transidente Menschen "Stimmung gemacht".
Fälschlicherweise könnte bei den angeschriebenen PolitikerInnen der Eindruck einer Plausibilität der Argumente entstehen und zu der Schlussfolgerung führen: "und wenn das auch noch von denen kommt oder gutgeheißen wird", dann wird das schon stimmen.

Eine zügige Aufarbeitung der Angelegenheit halte ich für angebracht.
Insofern war der Artikel des TAGESSPIEGEL nicht reißerisch, sondern notwendig.

Gruß
Anne-Mette
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