Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit
Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit - # 3

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Ulrike-Marisa
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte PersönlichkeitG

Post 31 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

wir sind einfach noch nicht da, wo eigentlich schon Friedrich der Große von Preußen sagte, jeder Mensch soll nach seiner Facon (auf seine Art) seelig werden, als Essenz des Zeitalters der Aufklärung. Es wäre alles so einfach, wenn denn dem einzelnen Menschen als Mitglied unserer Gesellschaft endlich zugestanden würde, über sich selbst zu bestimmen. Wer außer ich selbst kann wissen, wer oder was ich bin und wie ich mich fühle. Ich fühle mich von dieser Gesellschaft bevormundet und nicht anerkannt in dem wie ich bin. Die Würde des Menschen ist unantastbar, aber irgend welche staatlich beauftragte Psychologen sollen mich begutachten und herausfinden, wie ich mich fühle und wer ich bin. Das finde ich zutiefst erniedrigend. Was sollte z.B. für mich ein Alltagstest bedeuten, wenn ich seit Jahren im privaten gegengeschlechtlich lebe. Soll ich dem Gutachter zeigen, wie ich auf dem Rücken den BH schließen kann? Irgendwann steht zur Zeit leider wieder zu befürchten, dass ich als betroffener Mensch mit dem Prädikat des unwerten Lebens abgestempelt werde. Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft in der näheren Zukunft noch die Kurve kriegt.

Ich bin besorgt, Grüße, Ulrike-Marisa
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ExuserIn-2020-06-09
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 32 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-06-09 »

Moin,

Ich habe gerade in einem anderen Forum ein Dokument für das Medizinstudium gesehen, in dem Trans* als sexuelle Orientierung eingestuft wurde. Was bitte ist, wenn ich an einen Weißkittel mit einer solchen Ausbildung gerate, der vielleicht auch noch in einer konservativ geprägten Familie groß geworden ist. Da kann man mir doch nur noch gute Nacht wünschen. Da habe ich es ja mit meinem Psychiater noch richtig gut getroffen. Der war zwar nett und freundlich, hatte aber absolut keine Ahnung.

Also gehe ich jetzt den einfachsten Weg. Mein Körper wird nicht angeglichen, und auf dem Papier bleibe ich das männliche Arschloch gemäß Geburtsurkunde. Den Wert eines Schriftstücks messe ich sowieso in Joule oder Kilowattstunden - die Wärme, die bei dessen Verbrennung frei wird. Und wem das nicht passt, der kann mich .. . So stellt sich jetzt meine gefestigte Persönlichkeit dar.

Liebe Grüße und gute Nacht
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 33 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin Nicole,

drastische Worte, aber genau so ist es und so sehe ich es auch als bekanntermaßen gefestigte Persönlichkeit. :wink:
Andere Staaten sind bei der Thematik, wie wir wissen, deutlich weiter in der Anerkennung persönlicher Rechte z.B. Argentinien...
Ich bin das, was ich bin und nicht das, was andere in mir zu sehen glauben; mein Motto dazu.

Grüße, Ulrike-Marisa
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Astrid
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 34 im Thema

Beitrag von Astrid »

Moin zusammen,

ich bin der Überzeugung, daß das TSG mit Psychologen- und Gutachterpflicht in erster Linie nicht die/den betroffene/n Einzelne/n vor den Folgen einer vorschnellen, nicht "gefestigten" Entscheidung schützen soll, sondern eher die Sozialgesellschaft in ihrer bisherigen Form an sich.
"Geschlechtswechsler" sind doch sozialpolitisch gar nicht erwünscht. Schon gar nicht in Massen. Abweichler/innen sollen die Ausnahme bleiben. Deshalb setzt der Gesetzgeber die Hürden hoch. Der Abschreckungseffekt tut sein Übriges.

Es gibt im Leben doch etliche andere Entscheidungen eines Individuums, die viel weitreichendere (negative) Folgen haben können, sowohl für den/die Entscheider/in, als auch für die Gesellschaft als gesamtes. Für die Erteilung einer Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge wird vorher auch kein Gutachten über die gefestigte Persönlichkeit des/der Antragstellers/in erstellt, obwohl das an dieser Stelle eher Sinn machen würde. Da ist der Vertrauensvorschuss erstmal enorm hoch, dass die Entscheidung zum Führen eines Kraftfahrzeuges samt aller möglichen schwerwiegenden Folgen die richtige war. Alles andere würde als kolossaler Eingriff in die Persönlichkeitsrechte verstanden werden. Da sind sich dann plötzlich alle einig, Risiken hin oder her.

Eine Angleichung des Geschlechts, und sei es nur auf dem Papier, wiegt also schwerer, als großes Leid mit jährlich tausenden von Toten?
Ok, wenn es so ist. Ich verstehe die Logik dahinter nicht.

LG Astrid
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Anja
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 35 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Astrid hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 09:27
Für die Erteilung einer Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge wird vorher auch kein Gutachten über die gefestigte Persönlichkeit des/der Antragstellers/in erstellt, obwohl das an dieser Stelle eher Sinn machen würde. Da ist der Vertrauensvorschuss erstmal enorm hoch, dass die Entscheidung zum Führen eines Kraftfahrzeuges samt aller möglichen schwerwiegenden Folgen die richtige war.
Oder, da fiel mir gleich noch was wesentlich schlimmeres ein, immerhin wird man für das Führen einen Kraftfahrzeugs theoretisch und praktisch geschult. Obwohl ich persönlich der Meinung bin, einen Wesenstest würde wohl die Hälfte der Autofahrer nicht bestehen. Viel zu agressiv um aggressiv um ein Kraftfahrzeug zu führen...

Ein Kind kann man einfach so bekommen. Das finde ich noch viel gruseliger.

Grüße
die Anja
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Lisa-Weber
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 36 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber »

Anja hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 11:27
Ein Kind kann man einfach so bekommen. Das finde ich noch viel gruseliger.
Wie soll es denn deiner Meinung nach gehen - Zuteilung....

Lisa
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Anja
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 37 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Lisa-Weber hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 11:32
Wie soll es denn deiner Meinung nach gehen - Zuteilung....
Quatsch. Ich meinte, ohne das eine Art Begutachtung, Überprüfung, Lehrgang oder was auch immer stattfindet.
Während ich für ein Auto theoretisch und praktisch geschult werde, bevor ich ein Auto fahren darf, kann ich ohne auch nur die geringste Ahnung von irgendwas zu haben, ein Kind bekommen...

Grüße
die Anja
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Lisa-Weber
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 38 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber »

Anja hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 11:37
Während ich für ein Auto theoretisch und praktisch geschult werde, bevor ich ein Auto fahren darf, kann ich ohne auch nur die geringste Ahnung von irgendwas zu haben, ein Kind bekommen...
Das mit Zuteilung war auch mehr provokant gemeint.
Ich verstehe dich gut - aber was will man wie überprüfen...
wer soll das entscheiden....
Denke das kann und wird so nicht funktionieren.
Da stelle ich mir eher gruselig vor wenn ich vor ein Gremium muss um nachzuweisen das ich für ein Kind bereit bin....

Lisa
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Anja
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 39 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Lisa-Weber hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 11:43
Ich verstehe dich gut - aber was will man wie überprüfen...
Überprüfen ist vielleicht das falsche Wort. Aber so eine Art Lehrgang mit den wichtigsten Dingen fände ich schon wichtig.
Eine Sache fällt mir da spontan zu ein.
Ich wollte meiner Tochter beim Klettern aufs Bett helfen und weil sie keinen Halt hatte hab ich ihre Hand festgehalten. So hat sie sich den Ellenbogen ausgekugelt, was mit ziemlichen Schmerzen einhergeht.
Da wir zu diesem Zeitpunkt in unserem Ferienhaus waren (jwd) wurde sie mit meiner Frau mit dem Hubschrauber abgeholt...
Im Krankenhaus meinte die Kinderärztin zu meiner Frau, das würde ständig passieren. Die Gelenke von kleinen Kindern sind noch nicht fest verwachsen und können sehr leicht auskugeln. Deswegen darf man auf keinen Fall mehr Zug auf den Arm aufbringen, als das Kind selbst mit seiner Kraft hinbekommt...
Dazu muss man wissen, meine Frau ist seit über 20 Jahren Erzieherin, besucht ständig irgendwelche Lehrgänge und Fortbildungen - und wusste das nicht.
Auch in dem Geburtsvorbereitungskurs wird sowas nicht erwähnt...
Da hab ich mir dann schon gedacht, warum gibt es keinen Lehrgang für werdende Eltern, wo so etwas kommuniziert wird?
Gerade wenn Verletzungen "ständig" auftreten, einfach wegen Unwissenheit...? Nur ein Beispiel aus unseren persönlichen Erfahrungen, es gibt sicher noch etliches mehr zu wissen.
Ich hielt uns eigentlich, durch die Berufserfahrung meiner Frau, für ganz gut vorbereitet.
Da frag ich mich dann, wie das ist, wenn beide Partner Null Ahnung haben.

So eine Art Elternführerschein, jetzt mal ganz ohne Witz, fände ich durchaus angebracht. Wo man einfach grundlegende Dinge über die Bedürfnisse eines Babies / Kindes lernt.
Was ist zu tun, wenn... Szenarien durchspielen usw. Und eben auch Aufklärung, wie man häufige Verletzungen bei Kindern vermeidet...
Was wir zum Beispiel auch sehr schnell gelernt haben, Tischdecken sind generell keine gute Idee :lol:

Grüße
die Anja
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Lisa-Weber
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 40 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber »

Anja hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 12:04
So eine Art Elternführerschein,
Da stimme ich dir durchaus zu
Lisa
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ExuserIn-2020-06-09
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 41 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-06-09 »

Anja hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 12:04
So eine Art Elternführerschein
Ich dachte immer, man lernt so etwas von seinen Eltern - also Eltern bilden zukünftige Eltern aus. Gut. Hat bei mir schon mal nicht funktioniert. Mein Vater kümmerte sich überhaupt nicht um meine Belange, und als Tochter hätte ich nur lernen können eine narzisstische Übermutter zu sein. Ich hätte gerne meinem Kind als Vater etwas mit gegeben, aber da gab es irgenwie nichts - also besser kein Kind als ein unglückliches Kind.

Aber ein Elternführerschein? - Wenn ich mir anschaue, wie viele rücksichtslos, aggressiv und grob fahrlässig mit einem Kraftfahrzeug unterwegs sind, frage ich wie man die charakterliche Eignung als Eltern prüfen will. Man könnte doch nur so etwas wie korrektes Windeln oder Stillen eines Babys abfragen. Und wer den Fragebogen dann gut auswendig lernt, hat den Schein.

LG Nicole

Ulrike-Marisa
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 42 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...also es ist überliefert, dass der Altbundeskanzler Adenauer mal gesagt hat, dass Familien keine Förderung für Kinder brauchen, die täten sie von alleine bekommen. Ja so war das damals in den 50-ziger Jahren. Da sollten wir uns aber gesellschaftlich weiter entwickelt haben. Früher haben zumindest die Mädchen in der Volksschule noch Hauswirtschaft und Kinderpflege, so will ich es mal nennen, in Grundlagen vermittelt bekommen. Die Jungs hatten auch oftmals im Sommer weniger Unterricht, da sie ja auf dem Feld und in den Werkstätten helfen sollten. Heute fehlt ein ganzer Teil dieses Feldes in der allgemeinen Wissensvermittlung. Da wäre eine flächendeckende Unterrichtung aller Schüler/innen doch m.E. von Nöten. Das täte aber Geld kosten und solche Ausgaben werden gerne gescheut, da die Sichtweise von Politikern eher kurzfristig ist und bisher niemand mehr den Nutzen solcher allgemeinen Bildungsinhalte mehr anerkennen will. Da ist ein weites Feld an Aufgaben wieder zu bestellen...Lebensgrundbildung, Elterngrundbildung...wie auch immer zu benennen...

Grüße, Ulrike-Marisa

Cybill
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 43 im Thema

Beitrag von Cybill »

Ich weiß, dass ich an dieser Stelle eine kontroverse Meinung vertrete, aber ich halte eine psychologische Begutachtung und Begleitung nicht nur für sinnvoll, sondern für eine nicht geringe Anzahl der Betroffenen für überlebenswichtig.

Im sozialen Aspekt ist die Transition definitiv kein Spaziergang. Die psychischen Belastungen durch Verlust/Wechsel des Freundeskreises, des Arbeitsumfeldes und/oder familiäre Probleme sind extrem. Dazu kommt die persönliche Präsenz in der Öffentlichkeit und die damit einhergehenden Kränkungen. Auch die HET hat einen großen Einfluss auf das Erleben und Verhalten der Transitionierenden. Das wird von den Verfechtern der allumfassenden Wahlfreiheit völlig ignoriert.
Wir beklagen eine hohe Selbstmordrate unter Trans*Menschen. Gerade in der Phase der Transition ist das Risiko sehr hoch.

Wenn ich dann immer wieder davon lese, dass die psychologische Begutachtung und Begleitung als "Gatekeeping" verunglimpft wird, dann kriege ich ob solcher Ignoranz und Arroganz Schnappatmung, denn diese Leute haben nichts, aber auch gar nichts davon verstanden, ,worum es dabei geht, nämlich Menschen vom Schaden durch sich und andere zu bewahren.

Vielleicht erkennen diese Leute endlich mal, dass nicht die Transsexualität mit der Begutachtung pathologisiert wird, sondern es sich um eine präventive Maßnahme zur Verhinderung von unerwünschten Nebeneffekten handelt.

Ich gehe mal davon aus, dass es jedem klar sein dürfte, dass der Tod oder seelische Leiden einer transitionierenden Person durchaus unerwünschte Nebenwirkungen sind.

Schönes Wochenende!

Cybill
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 44 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Was eine kompetente Hilfe, Beratung und Begleitung von Menschen mit (u.a.) Problemen mit sich und anderen bzgl ihres Zuschreibungsgeschlechts angeht bin ich komplett deiner Ansicht: Die sollte so kompetent, verfügbar und hilfreich wie möglich sein. Da geht es aber um Bewältigung genau der Belastungen, die vom Rest der Gesellschaft ausgehen. Und genau das ist auch echte Suizid-Prävention.

Der Begriff Gatekeeping hingegen bezieht sich auf Dinge wie Alltagstests (ohne Unterstützung wie Epi, Binder, etc.), verzögerte Indikationen (weil sich Klient kein Hemd anzieht oder Klientin keinen Rock), Gutachten nach TSG oder für den MDK (Seelenstrip und Genderstereotype). D.h. das sind zusätzliche Belastungen für Menschen, die in eine Transition gehen wollen oder schon sind. Abgesehen von einigen echt unterirdischen Begleittherapeut•innen sind das ganz andere Personen.

Meiner Wahrnehmung nach sind wir aktuell noch reichlich davon entfernt, dass Menschen mit einer Idee von Transidentität von kompetenten Therapeut•innen im Sinne von "helfen, begleiten, individuell unterstützen" betreut werden, also so wie ich die neue Leitlinie und Studien zum Thema verstanden habe. Was aber auf jeden Fall gilt sind Regelungen, die Transition und geschlechtliche Varianz jeglicher Art als Ausnahmen und ultima ratio behandeln und daher nur Personen gewähren, die quasi "hinreichend leiden". Ob zur Aufrechterhaltung eines cis-het-normativen Gesellschaftsbilds, zum Schutz von cis-Menschen vor ungewohntem oder Kostenersparnis ist erst mal egal und aus meiner Sicht gleich verwerflich.

Dieses zusätzliche Leid ist ein nicht unerheblicher Anteil zur hohen Suizidrate - und es geht zwar von Dritten aus (Standesamt, MDK, KK), aber es werden Therapeut•innen zu Ausführenden gemacht.

Also noch mal in Kurz: Ja, Transition ist Belastung. Aber vor allem durch unfaire und menschenfeindliche Behandlung durch andere. Und ohne Transition leiden trans Personen auch an genau dem gleichen System. Therapeut•innen sollten auf Seiten der Klient•innen stehen und nicht zusätzliche Belastung sein.
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Re: Transsexualität, "Geschlechterwechsel" und gefestigte Persönlichkeit

Post 45 im Thema

Beitrag von Cybill »

Ja Jaddy, das sollten sie. Aber das Problem liegt darin, dass es zu wenige gibt, die sich mit der Trans Problematik beschäftigen wollen.
Aufgrund der oft mit Anpassungsstörungen behafteten Vergangenheit der Betroffenen und den damit entwickelten Persönlichkeitsstörungen sind Transsexuelle nicht unbedingt die Wunschklienten der Psychotherapeuten.
Aber auch hier gilt, dass die Transsexualität der Betroffenen nicht unmittelbar eine Ursache für die Störung des Erlebens und Verhaltens ist. Erst die Erlebnisse von Ablehnung, Verächtlichmachung, allgemeinen Bullying etc... führen zu den Störungen.
Dazu kommt die hohe Suizidalität, die Transpersonen als Klienten unattraktiv macht.

Es ist daher kein Wunder, dass es zu wenige gute Psychotherapeuten für die Betreuung in der Transition gibt.

Cybill
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