Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)
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Michaela_mit_a
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Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 1 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Mo 20. Mai 2019, 08:33

Hallo,

ich habe eine Frage zu den Abhängigkeiten von Stationen, Personen und Institutionen rund um (m)eine Transition.
Hier in diesem Thread soll es nicht um die emotionale Seite gehen, dafür schreibe ich bereits in anderen Threads, hier geht es um die "sachliche" Betrachtung.
Nur so viel, ja, ich bin mir zu 100% sicher diesen Weg zu gehen. Persönliche Fragen, gern per PN an mich.

Mit ist noch immer nicht klar, welcher der "richtige" Weg ist (zumindest für mich), um:
a) möglichst zügig mit der HRT zu beginnen
b) möglichst den "korrekten" Weg zu gehen, um möglichst wenig Zeit zu verlieren und wenig selbst zahlen zu müssen

Bisher habe ich eine Therapeutin, mit der ich dachte den richtigen ersten Schritt gemacht zu haben.
Sie sagte mir allerdings, dass das ungewöhnlich wäre und die meisten bisherigen Patientinnen bereits in der laufenden HRT teils sogar schon die Namensänderung hinter sich haben, also viel "weiter" sind als ich.
Ist es so, dass sie als meine Therapeutin kein Gutachten erstellen darf? Muss ich drei Therapeuten aufsuchen, die mich alle näher kennen lernen wollen, um meine Indikation und die zwei Gutachten zu bekommen? Das wäre der zeitliche und logistische Horror und das kann ich mir nicht vorstellen ...

Nun habe ich mir eine Übersicht erstellt, mit Dingen, die ich glaube erledigen/abhaken zu müssen:

Was mir fehlt:
( ) Haarentfernung (Selbstzahlen, oder mit Gutachten zur KK?)
( ) Indikationsschreiben (nach einem Jahr ?)
( ) Termin Hausarzt
( ) Termin Urologe
( ) Termin Endokrinologe (erst nach Gutachten?)
( ) Adamsapfel abschleifen (Selbstzahlen, oder mit Gutachten zur KK?)
( ) FFS / Nasenkorrektur (Selbstzahlen, oder mit Gutachten zur KK?)
( ) Alltagstest (1Jahr ?)
( ) Gutachten 1
( ) Gutachten 2
( ) HRT (nach Alltagstest? Von wem? )
( ) Orchiektomie (statt Androcur / Sprionolacton)
( ) Namensänderung (nach einem Jahr ?)
( ) Personenstandsänderung (nach einem Jahr ?)
( ) GaOP (nach frühestens einem Jahr HRT ?)

Mir ist nur nicht klar, wer wann was macht, in welcher Reihenfolge und mit welchem Abstand?
Das Indikationsschreiben bekomme ich von meiner Therapeutin, aber erst nach einem Jahr? Danach der Alltagstest für ein Jahr? Und dann HRT mindestens ein Jahr zur GaOP?

Ich lese immer wieder von Transfrauen, die zu ihrem Hausarzt gehen und mit einem Rezept für Hormone wieder die Praxis verlassen.
Nach all den bisherigen Informationen ist das für mich mehr und mehr unvorstellbar.

Im Moment breitet sich bei mir das Gefühl aus, drei Jahre vergeudet zu haben, weil ich auf den Therapieplatz gewartet habe.
Was kann ich parallel starten und auf was muss ich warten für den nächsten Schritt?

Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
LG, Michaela

Marie-Elle
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 2 im Thema

Beitrag von Marie-Elle » Mo 20. Mai 2019, 09:08

Hallo Michaela,

hier kurz mein Weg. Ob ich jetzt alles richtig schreibe, bzw. vielleicht was vergessen habe, oder etwas unnötig war, kann ich jetzt nicht sagen.

Ich hatte Temine bei 2 Psychotherapeuten zugleich, die auch Gutachten schreiben können. Großer Abstand der Termine.
Bei einem erhielt ich nach einiger Zeit und einigen Gesprächen eine Überweisung zum Endokrinilogen, bei dem ich dann die HRT begann.
Dies war m.E. weniger als 1 Jahr nach Beginn der Besuche.

Namens- und Personenstandänderung lief mehr oder weniger unabhängig von allem anderen. Ich reichte beim Amtsgricht einen Antrag ein.
Dort konnte man auch 2 Gutachter vorschlagen, auf die das Gericht dann bei mir eingegangen ist. Dies waren die beiden Psychotherapeuten,
bei denen ich schon Termine hatte. Sie schrieben dann die Gutachten, die fürs Gericht nötig war. Gerichtstermin war ein Klacks.
Gutachten zbd Gericht muss man selbst zahlen. Gibt aber wohl Prozessbeihilfe oder so (keine Erfahrung).
Kurzes Gespräch (5min?) mit einem Richter (?) an einem Schreibtisch, nicht so, wie man sich eine Gerichtsverhandlung im Fernsehen vorstellt.
Zeitraum Antrag bis alles durch bei mir etwa 5 Monate.
Dann ging die ganze Lauferei los, mit neue Geburtsurkunde beantragen, Ausweis-Änderungen, Führerschein, Bankkarten, Versicherungen, ...

Für die GaOP musst du einen Antrag für Kostenübernahme bei der Krankenkasse stellen, die dies dann an den MDK abgeben zur Beurteilung.
Hier musste man 18 Monate Therapie/Begleitung nachweisen (wirklich (letzter Termin - erster Termin) >= 18 Monate!!!).
Hier auch Indikationsschreiben, was einer der Gutachter/Psychotherapeuten schreiben muss. Musste 2 Vorlegen...
Brauchte hier mehrere (2,5) Runden bis ich die Kostenübernahme erhalten hatte, weil sich KK vor Kosten drücken will.
(Vorgang gesetzliche Krankenkasse, kann bei privat anders laufen, dies hat mir bisher die meisten Nerven gekostet...)

Orchiektomie hab ich nie als Zwischenschritt in Betracht bezogen. Keine Erfahrung.

Haarentfernung (Bart) hab ich immer selbst gezahlt. Kann ich nix dazu sagen, wie es mit Beantragen und Erfolgsaussichten, Höhe der Bezahlung aussieht.

Hausarzt spielte bei mir keine Rolle, auch wenn ich mal dort war und meinen Werdegang berichtet habe.

Adamsapfel abschleifen / FFS / Nasenkorrektur -> keine Erfahrung

Schöne Grüße,
Marie

VanessaL
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 3 im Thema

Beitrag von VanessaL » Mo 20. Mai 2019, 09:10

Hallo Michaela,

ließ doch bitte die MDK und die neue S3 Richtlinie

https://www.mds-ev.de/fileadmin/dokumen ... x_2009.pdf

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/138-001.html

Damit kannst Du Dir die meisten Fragen selbst beantworten und weißt auch gleich, worauf Du Dich beziehen kannst, wenn mal was nicht klappt.

Liebe Grüße
Vanessa
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Marie-Elle
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 4 im Thema

Beitrag von Marie-Elle » Mo 20. Mai 2019, 09:26

@VenessaL: Guter Hinweis!

Laut Seite https://www.qz-ts-muc.de/aktuelles/

Zitat:

"Mitteilung des MDK Bayern

Der MDK Bayern teilt auf Anfrage des Qualitätszirkels mit, dass bei Kostenübernahme-Anträgen für geschlechtsangleichende Behandlungen auch nach Veröffentlichung der AWMF-S3-Behandlungsleitlinie "Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit: Diagnostik, Beratung, Behandlung" vorerst weiterhin die MDS-Begutachtungsanleitung (2009) zu Grunde gelegt wird. Eine Änderung der Begutachtungspraxis ist nicht auf regionaler Ebene erreichbar, sondern der Einführung einer neuen Begutachtungsanleitung durch die zuständigen übergeordneten Stellen vorbehalten.

24.11.2018 Werner Ettmeier"

Aber dies kann, wenn es noch etwas hin ist, bis mögliche Wartezeiten erfüllt sind, schon anders sein...

VanessaL
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 5 im Thema

Beitrag von VanessaL » Mo 20. Mai 2019, 09:39

Marie-Elle hat geschrieben:
Mo 20. Mai 2019, 09:26
Aber dies kann, wenn es noch etwas hin ist, bis mögliche Wartezeiten erfüllt sind, schon anders sein...
Man muss unterscheiden, was der MDK macht und auf welcher Grundlage er arbeitet und welche Arbeitsgrundlage der begleitende Psychologe anwendet.

Was man auf jeden Fall braucht, ist das Indikationsschreiben. Damit stehen und fallen die weiteren Behandlungsschritte. Es muss die Diagnose und die erforderlichen Maßnahmen enthalten. Wenn es gut formuliert ist, kann es für die Hormontherapie und für andere geschlechtsangleichende Maßnahmen genutzt werden. Mit einer Bescheinigung vom Endo oder einem anderen Arzt ist dann auch der Antrag auf Kostenübernahme der Haarentfernung möglich. Notwendige Begründungen und Fristen finden sich in der Regel in den genannten Dokumenten. Übersichtlich sind auch die Prüf-/Ablauffließbilder .... da weiß man, wie die Uhr tickt ...

Liebe Grüße
Vanessa
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 6 im Thema

Beitrag von Diva » Mo 20. Mai 2019, 10:19

Hallo,

ich staune, dass bislang niemand voller Enthusiasmus deinen Punktekatalog beantwortet hat ... Spaß beiseite - aus den genannten Quellen kannst du bereits vieles herauslesen, Praxiserfahrungen sind hier im Forum in div. Threads zur Erlangung von Hormonen und zum Alltagstest in epischer Breite zusammengetragen worden. Da gibt es die unterschiedlichsten Geschichten über die Herangehensweise.

Ich mag nur ein paar Dinge nennen, die du a.a.O. vermutlich nicht findest.
Michaela_mit_a hat geschrieben:
Mo 20. Mai 2019, 08:33
Muss ich drei Therapeuten aufsuchen, die mich alle näher kennen lernen wollen, um meine Indikation und die zwei Gutachten zu bekommen? Das wäre der zeitliche und logistische Horror und das kann ich mir nicht vorstellen ...
Michaela_mit_a hat geschrieben:
Mo 20. Mai 2019, 08:33
( ) Gutachten 1
( ) Gutachten 2
Grundsätzlich halte ich es für riskant, sich bereits vorm gerichtlichen Antrag auf zwei Therapeuten festzulegen. Wenn du gut bist, erkundigst du dich zuvor, ob diese jeweils beim zuständigen AG, das deinen Antrag VÄ / PÄ bearbeitet, als Gutachter zugelassen sind. Ist das der Fall, verbleibt dennoch das Rest-Risiko, dass eine Ablehnung durchs Gericht wegen 'Befangenheit' erfolgt. Ist alles schon passiert, hängt vom Menschen ab, der dort sitzt und über dein Schicksal entscheidet.
Du kannst im Antrag gerne Vorschläge machen, aber die sind fürs Gericht absolut nicht bindend.
Michaela_mit_a hat geschrieben:
Mo 20. Mai 2019, 08:33
( ) Namensänderung (nach einem Jahr ?)
( ) Personenstandsänderung (nach einem Jahr ?)
Eine explizite Frist für die VÄ / PÄ gibt es m.E. nicht. Doch die überwiegende Anzahl der im Web kursierenden Musterschreiben enthält nicht umsonst die Erwähnung von Indikationen, Diagnosen, Dauer des bereits absolvierten Alltagstests usw. Das Gericht muss von dir überzeugt sein - von der 'Unumkehrbarkeit des Wunsches, im anderen Geschlecht leben zu wollen', ebenso wie die ZwangsgutachterInnen, sonst sieht es finster aus.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass einige AmtsrichterInnen ihre ganz eigene Methodik bei Trans* anwenden, sodass es im Fall der mangelnden Überzeugung sehr, sehr schwer werden kann. Details bei Bedarf nur per PN, mag keinen Ärger bekommen. Diese Abgründe sind nirgends nachzulesen und der Schrecken sitzt tief, was in diesem demokratischen Lande so möglich ist.

Deshalb: Nimm den "transsexuellen Lebenslauf", der u.U. gefordert wird, wirklich ernst, besorge dir mindestens eine gesicherte Diagnose und sei selbstbewusst und sicher im Auftreten als äußere Frau, denn das wirst du brauchen, wenn du zur Fleischbeschauung bei Euer Ehren Audienz bekommst.

In dem Fall, dass Zwangsgutachten#1 gegen Zwangsgutachten#2 steht, entscheidet das Gericht. Falls das ohnehin schon eher negativ reagiert hat, könnte das spätestens beim Patt auch in einer Ablehnung münden.

Viel Erfolg!

-Diva
Jeder neue Tag ist die Bestrafung dafür, noch immer am Leben zu sein.

!EmmiMarie!
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 7 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » Mo 20. Mai 2019, 10:45

Hi Michaela,

ich gebe Vanessa Recht, die verlinkten Dokumente geben eine Vorstellung über das was wann.

Wie und wann andere bei deiner Thera ankommen ist denk ich eher der Ausnahmefall, denn eben,
irgendwo muss ja vorher die Indikation für die HRT hergekommen sein und auch die Gutachten für die VÄ/PÄ.
Hmm ist sie eher eine Spezialistin für die Betreuung in der fortgeschrittenen Phase?

Nun ja, ich habe bereits vor der offiziellen Indikation mit der HRT begonnen und Rezepte von einer Fachärztin für
Psychosomatik bekommen, die ich wegen einer ganz anderen Angelegenheit aufgesucht hatte.
Davor habe ich auch ein bisschen mit Phytohormonen experimentiert..

Spannend finde ich, das es bei mir mit den Therapeutinnen und Gutachterinnen ganz genau so ist wie bei Marie-Elle.
Es sind die gleichen, beide Theras sind auch hier im AG mit dem Thema betraut.
Ich brauchte auch 2 voneinander unabhängige Indikationen für meinen jetzigen Endo. Daher hat sich das Ganze super
ergänzt. Bis ich die Zusage hatte, das beide mich auch positiv im Gutachten unterstützen werden, hat es Ende April
bis Anfang Dezember gedauert. Bei einer davon waren es 2 Termine...

Zum Thema Orchiektomie-den Gedanken hatte ich auch.
Nur zählt die Orchiektomie genau wie die "grosse" GaOP als geschlechtsangleichende Massnahme wenn keine medizinische
Indikation (wie z.B. Hodenkrebs) gegeben ist. Und nein, nur weil du mal Schmerzen in den Hoden haben wirst aufgrund der HRT
ist das kein Grund-ich habs versucht.
Sprich, die Orchiektomie folgt dem normalen Antragsweg oder du musst einen Arzt finden, bei dem du selbst bezahlen kannst
wie -Alexandra- zum Beispiel.

Nicht auf deiner Liste ist die Logopädie-ist kein Muss, aber ich machs gerne und Logopädie ist eines meiner Steckenpferde
inzwischen..einfach eine schöne und entspannte dreiviertel Stunde pro Woche..ich könnte mir Logopädie für die Zukunft
sogar als neuen Beruf vorstellen..

Alltagstest..das ist einfach das Leben, nicht mehr oder weniger, wenn du das Frausein ausfüllst wird niemand danach fragen.
Sei ein normales Mädchen...

Was fällt mir noch ein? Es gibt vieles was du parallel machen kannst, die Termine bei den Theras. Zeichnet sich ab das du die
Indikation bekommst, frühzeitig Termin beim Endo machen, das kann schon mal 2 -3 Monate Wartezeit dafür bedeuten.
Klar, Epi erst mal auf eigene Verantwortung starten und mehrere Institute / Kosmetikerinnen antesten.
Oder Hautarzt, die sind da auch involviert und schreiben unter Umständen etwas für die KK oder machen auch Behandlungen.

Was du aber nie und auf keinen Fall machen solltest ist dich selbst unter Druck setzen. Du bist wie du im Moment bist und
da hat niemand Kritik dran zu üben. Nur das ist richtig-früher sah ich das anders, da habe ich eine Überfrau sein wollen
wie meine Liebste sagte...

Alles Liebe Marie (flo)
Zuletzt geändert von !EmmiMarie! am Mo 20. Mai 2019, 11:29, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 8 im Thema

Beitrag von Anja » Mo 20. Mai 2019, 10:49

Moinsen,

der juristische Weg (VÄ/PÄ) ist vollkommen unabhängig vom medizinischen Weg.
Für das Gericht sind lediglich die 2 Gutachten von zwei unabhängigen Psychologen ausschlaggebend, aufgrund dieser dann dein neuer Name und Personenstand beschlossen wird. Deswegen darf dein behandelder Psychologe auch nicht zu einem Gutachten herangezogen werden.
Ich habe das mit den Gutachtern aus dem Grund umgekehrt gemacht. Erst die Gutachten und dann hab ich bei einem von beiden die Begleitung angefangen...
Für die VÄ/PÄ brauchst du auch keinen Alltagstest oder eine bestimmte Wartezeit / Frist einhalten. Dafür müssen die Gutachter nur bestätigen, das das Bestreben im anderen Geschlecht zu leben schon 3 Jahre oder länger besteht und sich das vermutlich auch nicht mehr ändern wird....

Grüße
die Anja
Zuletzt geändert von Anja am Mo 20. Mai 2019, 10:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 9 im Thema

Beitrag von Anja » Mo 20. Mai 2019, 10:55

Moinsen,
!EmmiMarie! hat geschrieben:
Mo 20. Mai 2019, 10:45
Ich brauchte auch 2 voneinander unabhängige Indikationen für meinen jetzigen Endo.
Hm, also davon höre ich zum ersten Mal. Die Indikation für die "gegengeschlechtliche Hormontherapie" bekommst du von deinem begleitenden Psychologen. Da hast du in der Regel nur einen von 🤔

Grüße
die Anja
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 10 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » Mo 20. Mai 2019, 11:05

Anja hat geschrieben:
Mo 20. Mai 2019, 10:55
Moinsen,
!EmmiMarie! hat geschrieben:
Mo 20. Mai 2019, 10:45
Ich brauchte auch 2 voneinander unabhängige Indikationen für meinen jetzigen Endo.
Hm, also davon höre ich zum ersten Mal. Die Indikation für die "gegengeschlechtliche Hormontherapie" bekommst du von deinem begleitenden Psychologen. Da hast du in der Regel nur einen von 🤔

Grüße
die Anja
Hi Anja,

es ist nicht überall gleich und mein Endo hier in der Frauenklinik wollte 2 Indikationen, da war ich hier auch nicht die Erste..
Ich hatte eine Terminanfrage per Mail gesendet und als Anforderung kam das mit den 2 Indikationen zurück.
Stimmt, ich habe eine Thera für die Begleittherapie, aber wegen der Indikationssache habe gleich noch eine der Gutachterinnen
kennen gelernt-das heisst 2te Indikation und Zusage für ein positives Gutachten in einem Aufwisch..

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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 11 im Thema

Beitrag von Anja » Mo 20. Mai 2019, 11:49

Moinsen,

Hm, dann scheint das die Ausnahme zu sein.
Wie gesagt, ich habe davon bisher noch nicht gehört. Aber es gibt ja auch Gerichte, die 3 Gutachten für die VÄ/PÄ anfordern...
Schon merkwürdig, wie manches nach Nase "geregelt" wird. Wenn ein Psychologe diese Therapie empfiehlt, wer ist dann der Endo, das er an der Indikation zweifelt? Finde ich ziemlich anmaßend...

Grüße
die Anja
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 12 im Thema

Beitrag von Mina_35 » Mo 20. Mai 2019, 12:04

Michaela_mit_a hat geschrieben:
Mo 20. Mai 2019, 08:33
Was mir fehlt:
( ) Haarentfernung (Selbstzahlen, oder mit Gutachten zur KK?)
( ) Indikationsschreiben (nach einem Jahr ?)
( ) Termin Hausarzt
( ) Termin Urologe
( ) Termin Endokrinologe (erst nach Gutachten?)
( ) Adamsapfel abschleifen (Selbstzahlen, oder mit Gutachten zur KK?)
( ) FFS / Nasenkorrektur (Selbstzahlen, oder mit Gutachten zur KK?)
( ) Alltagstest (1Jahr ?)
( ) Gutachten 1
( ) Gutachten 2
( ) HRT (nach Alltagstest? Von wem? )
( ) Orchiektomie (statt Androcur / Sprionolacton)
( ) Namensänderung (nach einem Jahr ?)
( ) Personenstandsänderung (nach einem Jahr ?)
( ) GaOP (nach frühestens einem Jahr HRT ?)
Hi Michaela,

zu der Liste sag ich gleich was, aber dennoch möchte ich einmal feststellen, das so eine Liste bevor man mit irgendwas angefangen hat vielleicht nicht optimalste ist oder anders gesagt, deine erwartungen scheinen astronomisch zu sein und anstatt in einer Liste von Punkt zu Punkt so schnell wie möglich zu gehen, solltest du einen gang runterschalten und Dinge "passieren" lassen, als sie zu erzwingen, das geht oft nach hinten los und was passiert, wenn du mit deiner Liste fertig bist? Auch kann man doch gar nicht sagen, ob man wirklich das eine oder andere sicher braucht.

Naja zur Liste: Du musst erstmal wissen was du willst und wie wichtig es dir ist. Mir war die Bartentfernung das wichtigste erstmal, da es auch völlig unabhängig von meinem weiteren Weg war, das hab ich selbstgezahlt, bzw zahl es selber, da ich eine Laserbehandlung durchführe und es mir persönlich so wichtig ist, das ich nicht auf die Gnade der KK warten will.
Indikationsschreiben kommt immer drauf an, kann sein das du es nach 4-6 Sitzungen oder nach 12-18 Sitzungen oder noch später bekommst, das hängt davon ab, wie weit du bist und wie du es deinem Therapeuten klar machen kannst. Authetisch zu sein hilft unwahrscheinlich und dazu gehört auch auf sich selber zu hören und selbstkritisch zu bleiben und nicht mit so einer "effektivitätsliste" dort aufzutauchen. Es geht auch nicht immer unbedingt darum Zeit zu verlieren, sondern eher viel mehr darum Zeit für sich selber zu gewinnen.

Termin beim Hausarzt und Urologen kannst du dir erstmal sparen, hatte ich z.b. auch nicht, abgesehen vom Konsiliarbericht für den Therapeuten, das hängt aber eher mit dem Termin für den Therapeuten zusammen, selbst hat man nur den Einfluss, das man möglichst schnell in Therapie geht und dann nimmt das meiste seinen Gang ohne das man es groß beschleunigen kann.

Alltagstest, ist ein Test für dich, wie du in der neuen Rolle klarkommst. Hier was zu überstürzen wird dir selber Probleme bringen, die dir nicht helfen werden.

Sich gedanken um Termine für FFS und Adamsapfel abschleifen, bevor man irgendwas gemacht hat, ist auch etwas zu überstürzt. Das wird aber so ziemlich aufs Selbstzahlen hinauslaufen, denke ich.

Den Termin beim Endokrinologen kannst du machen, wenn langsam absehbar ist, das dein Therapeut bereits sein wird dir die Indikation auszustellen, auch das hängt von deinem Fortschritt ab. HRT bekommst du vom Endokrinologen verschrieben, nach dem Blutergebnis.
Wenn du eine GaOP machen willst, KÖNNTE eine Orchiektomie hinderlich sein, manche Operateure weigern sich dort weiterzumachen. Sollte man mit GaOP Operateueren klären.

VÄ/PÄ kannst du jeder Zeit beantragen bei Gericht, dann werden dir Gutachter zugeteilt und das nimmt seinen Lauf. So wie ich gelesen habe, musst du 2000€ dafür bei Gericht für die Kosten hinterlegen. Die Gutachten können bis zu 3000€ kosten, musst du selbst zahlen.

GaOP hat einige Voraussetzungen, die wurden hier ja schon verlinkt.

Nochmals: Es geht nicht darum Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen, sondern sein Leben zu finden, alles wird stattfinden, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Allein die HRT wird recht lange dauern, bis Ergebnisse zu sehen sind, in der Zwischenzeit nimmt man sich die Zeit sich selber zu finden, sein neues Leben zu finden, an sich zu arbeiten, z.b. an der Stimme, an den Make-Up skills, am Klamottenstil, wie man geht, wie man sich verhält usw usw. Es ist ein laaaaanger Prozess und das meiste kommt wenn die Zeit reif ist. Frag mal die anderen. :)

Joe95
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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 13 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 20. Mai 2019, 12:10

Wie es "richtig" geht wissen andere viel besser als ich, aber ich kann dir meinen bisherigen Weg schildern, der vllt. auch für andere interessant sein könnte.

Nach langen Jahren als CD (oder so) stellte ich fest dass es mir immer schwerer fiel ohne Bh und Prothesen herumzulaufen.
Das war für mich der Zeitpunkt mir professionelle Hilfe zu suchen und damit auch der Beginn meiner Transition.

Ich ging zu meinem Hausarzt und erklärte das ich ein Problem mit meiner Rolle als Mann habe.
Dabei konnte er mir aber garnicht helfen, ich bekam nur die Nr. eines Urologen und Psychotherapeuten und eine Überweisung.
Dieser betreute mich etwa ein Jahr lang als Therapeut. In diesem Jahr reifte bei mir die Erkenntnis weiblich zu sein, was aber auch bedeutete dass er mir nicht weiter helfen konnte, was wohl wiederum mit seinen fehlenden Erfahrungen zu tun hat (die Begründung blieb mir immer etwas unklar).
Von ihm bekam ich dann noch die Überweisungen für Therapie und Endokrinologie.
Beide habe ich mir dann im Netz gesucht und per Mail angeschrieben.
Während der nächstmögliche Termin beim Endokrinologen noch Monate dauerte bekam ich recht kurzfristig einen bei einem Therapeuten, der auch Psychiater ist.
Die Indikation für die Hormontherapie bekam ich von meinem Therapeuten als er mich ausreichend gefestigt sah.
So etwas wie ein Alltagstest war nie Thema, vermutlich weil ich die "Männerrolle" ausser zum Broterwerb eh nicht ausfülle. Es wäre also kein Unterschied zum bisherigen Alltag.
Eine GaOp möchte ich lieber heute als morgen, allerdings sehe ich da noch Probleme und Verzögerungen. Daher werde ich versuchen eine Orchiektomie machen zu lassen.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 14 im Thema

Beitrag von heike65 » Mo 20. Mai 2019, 12:16

Anja hat geschrieben:
Mo 20. Mai 2019, 10:49
Moinsen,

der juristische Weg (VÄ/PÄ) ist vollkommen unabhängig vom medizinischen Weg.
Für das Gericht sind lediglich die 2 Gutachten von zwei unabhängigen Psychologen ausschlaggebend, aufgrund dieser dann dein neuer Name und Personenstand beschlossen wird. Deswegen darf dein behandelder Psychologe auch nicht zu einem Gutachten herangezogen werden.
Ich habe das mit den Gutachtern aus dem Grund umgekehrt gemacht. Erst die Gutachten und dann hab ich bei einem von beiden die Begleitung angefangen...
Für die VÄ/PÄ brauchst du auch keinen Alltagstest oder eine bestimmte Wartezeit / Frist einhalten. Dafür müssen die Gutachter nur bestätigen, das das Bestreben im anderen Geschlecht zu leben schon 3 Jahre oder länger besteht und sich das vermutlich auch nicht mehr ändern wird....

Grüße
die Anja
Das kommt ganz auf das Gericht an.
Die Richterin am Amtsgericht Flensburg wählt meist den begleitenden Therapeuten als ersten Gutachter aus, es ist unüblich, aber so wird das hier gehandhabt.

Liebe Grüße

Heike

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Re: Transition: Fragen zu Abhängigkeiten (Transfrau)

Post 15 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 20. Mai 2019, 12:23

Nachtrag zu meinem Beitrag von vorhin:
Über Vä/Pä hab ich mir noch keine großartigen Gedanken gemacht, ist mir auch nicht wichtig.
Im Gegenteil, die zu erwartenden Probleme (beruflich und familiär) übersteigen aus meiner Sicht den Nutzen (ich darf mich "Frau" nennen lassen) bei weitem.

Das mein Weg so verläuft liegt wohl daran, dass ich zwar körperliche Probleme habe, es mir aber nicht wirklich wichtig wie die korrekte Anrede nun lautet.
Bei anderen ist das sicher anders, weshalb sich andere Wege von meinem drastisch unterscheiden können.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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