taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)
taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview) - # 3

Informationen, Termine und Artikel zu Transsexualität und Transidentität
Forum-Diskussionen transsexueller Menschen; Peerberatung
Unterstützung der Forderung: Verzicht auf die Zwangsgutachten!
Antworten
evacampelli
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 226
Registriert: Fr 16. Feb 2018, 15:29
Geschlecht: MuF
Pronomen: Du
Wohnort (Name): München
Membersuche/Plz: 81---
Hat sich bedankt: 69 Mal
Danksagung erhalten: 463 Mal
Gender:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 31 im Thema

Beitrag von evacampelli » Mo 6. Mai 2019, 19:55

lexes hat geschrieben:
Mo 6. Mai 2019, 18:17
Bei der aktuellen gesamtpolitischen Lage steht allerdings zu befürchten, dass wir den Zenit der Liberalität im Zusammenhang mit Geschlecht und Gender bereits überschritten haben.
Das ist ja zunächst einmal nur ein Behauptung bzw. Befürchtung ohne konkreten Beleg.
Woran kann man das denn festmachen?
Ich nehme das nämlich nicht so wahr.
Sicher es gab und gibt immer wieder negative Erlebnisse (persönlich) oder merkwürdige Beiträge in den Medien. Aber eine Tendenz zu mehr Intoleranz kann ich nicht erkennen.

Wie seht Ihr das?

Eva

Michelle_Engelhardt
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3971
Registriert: Mi 27. Aug 2014, 14:15
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Dortmund
Membersuche/Plz: Ruhrgebiet
Hat sich bedankt: 3006 Mal
Danksagung erhalten: 3649 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 32 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Mo 6. Mai 2019, 20:11

evacampelli hat geschrieben:
Mo 6. Mai 2019, 19:55
Aber eine Tendenz zu mehr Intoleranz kann ich nicht erkennen.
Ich auch nicht. Am Anfang war ich doch recht erstaunt, wie unbehelligt man durchs Leben gehen kann.
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

twitch.tv/shellysplayground

heike65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 174
Registriert: So 10. Feb 2019, 18:35
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Kappeln
Membersuche/Plz: 24376
Hat sich bedankt: 86 Mal
Danksagung erhalten: 52 Mal
Gender:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 33 im Thema

Beitrag von heike65 » Mo 6. Mai 2019, 21:28

dito, das geht wirklich entspannt

Marielle
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1638
Registriert: Do 11. Aug 2011, 10:52
Geschlecht: Mensch
Pronomen: ikke
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 132 Mal
Danksagung erhalten: 703 Mal

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 34 im Thema

Beitrag von Marielle » Mo 6. Mai 2019, 22:59

Guten Abend zusammen,

alle tatsächlich vorhandenen Fortschritte in der Gesellschaft sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Teilen der Gesellschaft und in Teilen der Politik eine Rückentwicklung von Toleranz und Respekt stattfindet. Ich halte es für gefährlich, sich in der eigenen Filterblase einzurichten und sich, vielleicht mangels Erfahrungen ausserhalb dieses Bereiches, einzureden, dass alles in bester Ordnung sei.

Auch wenn hier bei mir auf dem Dorf nach wie vor alles in ziemlich guter Ordnung ist, sieht meine persönliche Statistik insgesamt nicht grade rosig aus. Die Pöbeleien haben in manchen Bereichen deutlich zugenommen und das ein Staatssekretär des BMI und eine C-Parteivorsitzende via Funk und Presse Front gegen Transgender machen, hätte es vor ein paar Jahren auch noch nicht gegeben.

Es hat sich etwas verändert hier im Land. Die Basislinien des Diskurses wurden deutlich nach rechts-konservativ verschoben. Wer das nicht sehen kann oder will handelt m.E. naiv und/oder fahrlässig.

Habt es gut

Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

heike65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 174
Registriert: So 10. Feb 2019, 18:35
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Kappeln
Membersuche/Plz: 24376
Hat sich bedankt: 86 Mal
Danksagung erhalten: 52 Mal
Gender:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 35 im Thema

Beitrag von heike65 » Di 7. Mai 2019, 00:50

Marielle hat geschrieben:
Mo 6. Mai 2019, 22:59
Guten Abend zusammen,

alle tatsächlich vorhandenen Fortschritte in der Gesellschaft sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Teilen der Gesellschaft und in Teilen der Politik eine Rückentwicklung von Toleranz und Respekt stattfindet. Ich halte es für gefährlich, sich in der eigenen Filterblase einzurichten und sich, vielleicht mangels Erfahrungen ausserhalb dieses Bereiches, einzureden, dass alles in bester Ordnung sei.

An welchen Beispielen machst du das fest ?

ich bin ja durchaus ab und an unterwegs, vielleicht nicht soviel wie du, dafür immer als Frau, vielleicht schreckt die Menschen etwas anderes ?

Vicky_Rose
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1899
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Geschlecht: m und f
Pronomen:
Membersuche/Plz: Raum Karlsruhe
Hat sich bedankt: 242 Mal
Danksagung erhalten: 1273 Mal

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 36 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Di 7. Mai 2019, 06:44

Ich stimme im Grundsatz Marielle zu. Es hat aber auch immer damit zu tun, in welcher Umgebung ich mich bewege. Im persönlichen Umfeld, in der Stadt etc. habe ich auch noch nie Probleme gehabt. Auch in den Niederladen, Schweden gibt es keine Probleme. Aber in vielen anderen Regionen sieht die Sache schon anders aus. Und vor allem darf man nicht vergessen, dass die Situation auch kippen kann, wenn die Brandstifter etwas zu sagen haben. Es gibt ganze Bevölkerungsgruppen oder Religionszugehörige, die über Jahrhunderte und länderübergreifend hinweg massive Beeinträchtigungen erfahren haben. Davor sind wir nicht gefeit, so tolerant mit uns heute auch umgegangen wird. Hier ist von uns Sensibilität ohne Hysterie gefragt.

Wir sind Seismografen für die freiheitliche Kultur in unserem Land. Wenn wir spüren, dass es für uns schwieriger wird, gibt es Tendenzen, die "normale" Menschen erst viel später wahrnehmen. Auch wenn wir uns frei bewegen können, die öffentlichen Aussagen, die von Teilen in der Politik geäußert werden, sind manchmal schon bedenklich. Ob mandas wahrnimmt, was wir äußern, weiß ich nicht, aber ich sehe wegen unserer besonderen Fähigkeiten es als eine unserer Aufgaben an, möglichst früh die Stimme zu erheben, auch wenn es nur Kassadra-Rufe sind ...
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.

Astrid
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 376
Registriert: Mi 22. Jan 2014, 17:58
Pronomen:
Membersuche/Plz: Ostwestfalen
Hat sich bedankt: 120 Mal
Danksagung erhalten: 236 Mal

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 37 im Thema

Beitrag von Astrid » Di 7. Mai 2019, 08:40

Marielle hat geschrieben:
Mo 6. Mai 2019, 22:59
...
und eine C-Parteivorsitzende via Funk und Presse Front gegen Transgender machen, hätte es vor ein paar Jahren auch noch nicht gegeben.

Es hat sich etwas verändert hier im Land. Die Basislinien des Diskurses wurden deutlich nach rechts-konservativ verschoben. Wer das nicht sehen kann oder will handelt m.E. naiv und/oder fahrlässig.
...
Moin,

wenn die Rechten von der AfD solche Sprüche ablassen ist das zwar schon schlimm genug, aber es ist erwartbar.
Hier aber handelt es sich um die Vertreterin einer Partei, die sich selbst großspurig "Volkspartei" nennt. Unter einer Volkspartei verstehe ich nicht zuletzt eine Partei, die zum übergeordneten Ziel hat, das Volk zu einen. Diese Frau aber spaltet. Ganz bewußt und mit eisigem Kalkül opfert sie die über Jahrzehnte mühsam errungenen Freiheiten von Menschen mit LSBTTI-Hintergrund. Dabei wäre es als Vertreterin einer "Volkspartei" mit Kanzleramtsambitionen ihre Pflicht, diese Errungenschaften schützend zu erhalten und sogar noch auszubauen.
Daß aber gerade diese Frau, die einerseits die technischen 4.0-Innovationen und 5G für überlebenswichtig für diesen Staat ansieht, aber in sozialen Bereichen plötzlich wieder völlig mutlos und dämlich/dümmlich das Rad der Zeit zurückdrehen möchte, sich noch wärmstens für das höchste politische Amt in diesem Staat empfiehlt, empfinde ich völlig absurd.
Anscheinend hat sie wohl vergessen, daß es erst viele, viele mutige Vorkämpferinnen in der sozialen Geschichte ermöglicht haben, daß für sie heute überhaupt erst die Möglichkeit besteht, als Frau auf dem Kanzlersessel Platz nehmen zu können.

Nein, diese Frau wird nicht gut für dieses Land sein, dessen bin ich überzeugt.

Liebe Grüße - Astrid

Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 836
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: Enby
Pronomen: <Name, kein Pronome>
Wohnort (Name): Bremen
Membersuche/Plz: 28000
Hat sich bedankt: 127 Mal
Danksagung erhalten: 921 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 38 im Thema

Beitrag von Jaddy » Di 7. Mai 2019, 11:34

Astrid hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 08:40
Daß aber gerade diese Frau, die einerseits die technischen 4.0-Innovationen und 5G für überlebenswichtig für diesen Staat ansieht, aber in sozialen Bereichen plötzlich wieder völlig mutlos und dämlich/dümmlich das Rad der Zeit zurückdrehen möchte, sich noch wärmstens für das höchste politische Amt in diesem Staat empfiehlt, empfinde ich völlig absurd.
Das passt auf eine gewisse Art und Weise schon zusammen. Konservative Einstellungen sind in der Regel von Angst vor Veränderungen getrieben. Diese Menschen sind neophob. Sie befürchten, durch Veränderungen etwas zu verlieren - und sei es die emotionale Sicherheit zu wissen, wie "die Welt funktioniert". Dazu gab es Studien, mindestens in USA. Müsste ich raussuchen, findet eins aber auch im Netz.

Veränderungen werden von neophoben Menschen nur akzeptiert, wenn sie vor noch größerer Angst schützen sollen. Im Fall technischer Fortschritte z.B. die Angst, von anderen großen Spielern wirtschaftlich abgehängt zu werden. Aktuell "CHINA!!!11elf!!". Vor 35 Jahren war es Japan ("wir müssen jetzt alle wie die Japaner arbeiten"), davor USA (Reaganismus, Thatcherismus, Neoliberalismus). Oder die Angst vor militärischer Übermacht. Deshalb stecken Konservative so viel in die Militärtechnik bis hin zum Unsinn (SDI).

Wirklich innovativ sind die Konservativen nicht. Das Internet ist bei ihnen nicht soziales Forum und Möglichkeit für alle, sondern Vertriebskanal und Wirtschaftsraum. Deshalb geht es ihnen um die Kontrolle über Großfirmen, während Graswurzel-Formen, nicht-kommerzielle und wirtschaftlihch subversive Strömungen marginalisiert und klein gehalten werden.

Neophobie findet sich aber nicht nur bei Menschen ab Mitte-rechts im Spektrum. Es lohnt sich auch bei anderen, auf die Ängste zu schauen. Der größte Fehler von neophilen Initiativen von der Umwelt- und Friedensbewegung bis zu den techno-gesellschaftlichen Ideen der Piraten war immer, die anderen emotional nicht mitzunehmen. Ebenso die EU-Politik von €, Lissabon-Vertrag, Schengen-Raum, usw.

Es ist witzlos, einem phobischen Menschen zu sagen "Du schaffst das" - oder wie Merkel "Wir schaffen das". Die Ängste machen irrational und empfänglich für irrationale Ideen bis hin zur Menschenfeindlichkeit, aggressiver Religiosität, Abschottung um jeden Preis, Verschwörungsmythen, Eso-Kram, usw.

Marielle
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1638
Registriert: Do 11. Aug 2011, 10:52
Geschlecht: Mensch
Pronomen: ikke
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 132 Mal
Danksagung erhalten: 703 Mal

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 39 im Thema

Beitrag von Marielle » Di 7. Mai 2019, 14:28

Hallo Heike, Hallo zusammen,
heike65 hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 00:50
An welchen Beispielen machst du das fest ?
An den schon genannten und weiteren: Krings, Karrenbauer, Ott, Henrichmann, Amthor, Kuban usw. usf..

Aber das war wohl nicht die Kernfrage.

heike65 hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 00:50
ich bin ja durchaus ab und an unterwegs, vielleicht nicht soviel wie du, dafür immer als Frau, vielleicht schreckt die Menschen etwas anderes ?
Das ist gut möglich. Schliesslich macht es für die Konservativen einen Unterschied, ob man aktiv für individuelle Freiheit und Respekt -d.h. gegen ihre gestrigen Vorstellungen von 'Ordnung'- streitet oder ob man eine tolerierte Position innerhalb ihrer Konventionen anstrebt.

Die Pöbler, denen man auf den Bahnhöfen und Plätzen der Republik begegnen kann, sind weniger fein in ihren Unterscheidungen. Denen reicht es, wenn in ihren Biotopen etwas sichtbar wird, das irgendwie nicht ihrer simplen Weltsicht entspricht. Deren Standpunkt zum Thema Sichtbarkeit und Passing werde ich mir bestimmt nicht zu Eigen machen; und schon gar nicht zum Maßstab für Respekt und Freiheit.

Hab es gut

Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

Silke61
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 123
Registriert: So 21. Mai 2017, 21:25
Geschlecht: Bi-Gender
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Köln
Membersuche/Plz: Köln
Hat sich bedankt: 42 Mal
Danksagung erhalten: 98 Mal
Gender:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 40 im Thema

Beitrag von Silke61 » Di 7. Mai 2019, 14:31

Ich stimme im Grundsatz zu, möchte aber den Fokus etwas anders legen.
Die genannten Phänomene haben ja ihre Ursache(n). D.h. für mich ist das primäre Problem nicht, was irgendwelche Politiker sagen oder gegen welche Neuerungen gerade die Stimmung geht, sondern wie entsprechende Bewegungen Zulauf bekommen.
Das sind ganz konkrete und reale Ängste: wirtschaftlich vor sozialem Abstieg, bei viel Zuwanderung Angst, ob noch eine bezahlbare Wohnung für mich übrig bleibt, bei zu vielen fremden Gesichtern (dazu gehören neben den Zuwanderern vermutlich auch wir) der Verlust an Vertrautheit und des damit verbundenen Gefühls der Sicherheit.

Deshalb bringt es meiner Meinung auch nichts, gegen die AfD, Trump usw. zu wettern. Diese Leute werden immer ihre Anhänger finden, wenn die Verhältnisse so sind, wie gerade beschrieben.
Das einzige, was wirklich hilft ist (in plakativen Beispielen) Forschung zu fördern, damit wir Vertrauen in unsere wirtschaftliche Stärke wiederfinden, Wohnungen bauen, so daß jeder die Zuversicht hat, schon eine bezahlbare zu finden und XXL-Nachbarschafts- was auch immer-Treffen zu veranstalten, um ein neues Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaffen.
Man muß dem Neuen seine Bedrohlichkeit nehmen, dann verschwindet die Angst davor schon von allein. Sonst wird der Ruf, die Auslöser der Angst zu verteufeln übermächtig und in Demokratien auch gewählt, ob es uns gefällt oder nicht.
Die Ängste selbst als irrational hinzustellen hilft eben nicht, dann fühlen sich die Leute nicht ernst genommen und wählen umso entschlossener AfD.

Solange größeren Bevölkerungsgruppen ein stabiles Grundvertrauen abgeht, wird es Zulauf zu Populisten jeder Richtung und die Suche nach Sündenböcken (meist Minderheiten wie wir auch) geben.
Die Populisten werden dadurch nicht entschuldigt, sie sind aber nur noch Symptom und nicht die Ursache.

Und zurück auf unser Thema gewendet: Je mehr Erfahrung unsere Mitmenschen mit uns als ganz normale (meist) Frauen haben, mit denen man genauso ein Pläuschchen halten kann, wie mit jeder anderen Nachbarin, umso unproblematischer wird das Outing. Je mehr noch Ängste in den Köpfen stecken, wir seien Freaks, Perverse, o.ä. umso schwerer wird es. Auch da hilft einzig, über konkretes Erleben/Begegnung die Ängste zu nehmen und nicht eine Verurteilung erlebter Intolleranz.

Vicky_Rose
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1899
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Geschlecht: m und f
Pronomen:
Membersuche/Plz: Raum Karlsruhe
Hat sich bedankt: 242 Mal
Danksagung erhalten: 1273 Mal

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 41 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Di 7. Mai 2019, 15:00

Silke61 hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 14:31
als ganz normale (meist) Frauen haben,
Wieso meist (Trans-)Frauen ? Nach https://www.trans-ident.de/informatione ... eutschland gibt es auf Basis der Ergänzungsausweise Zahlen. Ich habe sie einmal in einem Diagramm dargestellt:

Bild

Generell würde ich das Verhältnis eher als ausgewogen bezeichnen. Für den Zeitraum zeigt sich gerade in letzter Zeit eine deutliche Steigerung. D.h. die Menschen trauen sich mehr als früher. Besonders bei den Jüngeren ist das deutlich.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.

Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 836
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: Enby
Pronomen: <Name, kein Pronome>
Wohnort (Name): Bremen
Membersuche/Plz: 28000
Hat sich bedankt: 127 Mal
Danksagung erhalten: 921 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 42 im Thema

Beitrag von Jaddy » Di 7. Mai 2019, 15:12

Silke61 hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 14:31
Das einzige, was wirklich hilft ist (in plakativen Beispielen) Forschung zu fördern, damit wir Vertrauen in unsere wirtschaftliche Stärke wiederfinden, Wohnungen bauen, so daß jeder die Zuversicht hat, schon eine bezahlbare zu finden und XXL-Nachbarschafts- was auch immer-Treffen zu veranstalten, um ein neues Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaffen.
Da bin ich voll auf Deiner Seite. Dem entgegen steht aber eine Voraussetzung der aktuellen Wirtschaftsideologie, die künstliche Verknappung (engl. artificial scarcity, gutes Suchwort). Nur knappe Ding sind wirtschaftlich nutzbar, und die neoliberale Idee von der totalen Merkantilisierung des Lebens will alles diesem Prinzip unterwerfen. Auch wohnen, Gesundheit, Wasser, Mobilität, Erholung, Altersversorgung, etc. Die Hölle wäre für Neoliberale, wenn quasi alle zufrieden sind, niemand im Elend, keins Angst vor sozialem Abstieg hat.

Silke61
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 123
Registriert: So 21. Mai 2017, 21:25
Geschlecht: Bi-Gender
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Köln
Membersuche/Plz: Köln
Hat sich bedankt: 42 Mal
Danksagung erhalten: 98 Mal
Gender:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 43 im Thema

Beitrag von Silke61 » Di 7. Mai 2019, 21:20

Vicky_Rose hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 15:00
Wieso meist (Trans-)Frauen ?
Zwei Gruende:
- Hier im Forum scheinen fast nur (Trans-)Frauen unterwegs zu sein. Mein Beitrag sollte sich ja auf uns beziehen.
- Die Heftigkeit zu erwartender Reaktionen auf ein Outing scheint mir nicht vergleichbar. Jedenfalls beziehen sich alls enschlägigen Schimpfworte, die ich kenne (z.B. "Tunte") nur auf Trans-Frauen und auch von Gewalt habe ich bisher nur gegen Trans-Frauen gehört. Ich will aber nicht ausschliessen, daß ich die Schwierigkeit die ein Trans-Mann empfindet, wenn es um sein Outing geht, unterschätze.

Jedenfalls habe ich mich nicht auf absolute Zahlen bezogen. Was die angeht, vertraue ich Deiner Recherche voll und ganz.

Silke61
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 123
Registriert: So 21. Mai 2017, 21:25
Geschlecht: Bi-Gender
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Köln
Membersuche/Plz: Köln
Hat sich bedankt: 42 Mal
Danksagung erhalten: 98 Mal
Gender:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 44 im Thema

Beitrag von Silke61 » Di 7. Mai 2019, 22:07

Jaddy hat geschrieben:
Di 7. Mai 2019, 15:12
Da bin ich voll auf Deiner Seite. Dem entgegen steht aber eine Voraussetzung der aktuellen Wirtschaftsideologie, die künstliche Verknappung (engl. artificial scarcity, gutes Suchwort). Nur knappe Ding sind wirtschaftlich nutzbar, und die neoliberale Idee von der totalen Merkantilisierung des Lebens will alles diesem Prinzip unterwerfen. Auch wohnen, Gesundheit, Wasser, Mobilität, Erholung, Altersversorgung, etc. Die Hölle wäre für Neoliberale, wenn quasi alle zufrieden sind, niemand im Elend, keins Angst vor sozialem Abstieg hat.
Da bin ich allerdings gar nicht mehr bei Dir, möchte an dieser Stelle aber auch keine Diskussion um grundlegende politische Überzeugungen führen.
Mein Punkt war ja gerade, daß die politischen Überzeugungen nicht primär sind, sondern Folge realer Not oder zumindest der Angst diese Not zukünftig erleben zu müssen, wenn man jetzt nicht aktiv wird. Das gilt für AfD-Wähler genauso wie für Friday-for-Future-Aktivisten auch wenn die sonst sicher nicht viel gemeinsam haben.
Deshalb finde ich es so wichtig, die Ängste (und Hoffnungen) wahr- und ernst zu nehmen, aus denen politisches Engagement erwächst. Der ideologische Überbau, der der dann entsteht finde ich selten überzeugend.

Wieder zu uns: Wenn ich mich für Toleranz einsetze und mich entsprechend engagiere, mache ich das, weil ich Angst habe, daß es sonst in irgend einer Form bedrohlich werden könnte.
Wenn ein Rechter gegen Toleranz kämpft, dann hat er Angst, daß ihm die wenigen Gewißheiten, die er zu haben glaubt, zerrinnen und er irgendwann vollkommen orientierungslos da steht.
Beides sind ernst zu nehmende Ängste und die überwinden wir nicht mit Ideologie, sondern mit Gespräch und Verständnis (eben nicht für die Ideologie, aber für die Ängste, die zur Annahme der Ideologie geführt haben).

heike65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 174
Registriert: So 10. Feb 2019, 18:35
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Kappeln
Membersuche/Plz: 24376
Hat sich bedankt: 86 Mal
Danksagung erhalten: 52 Mal
Gender:

Re: taz: „Viele trans Menschen trauen sich nicht, sich zu outen“ (Interview)

Post 45 im Thema

Beitrag von heike65 » Mi 8. Mai 2019, 00:25

Wenn ein Rechter gegen Toleranz kämpft, dann hat er Angst, daß ihm die wenigen Gewißheiten, die er zu haben glaubt, zerrinnen und er irgendwann vollkommen orientierungslos da steht.
Beides sind ernst zu nehmende Ängste und die überwinden wir nicht mit Ideologie, sondern mit Gespräch und Verständnis (eben nicht für die Ideologie, aber für die Ängste, die zur Annahme der Ideologie geführt haben)
ich bin nun wahrlich nicht rechts, aber das liest sich nun sehr oberlehrerhaft, mag sein das es für manche zutrifft

Antworten

Zurück zu „Transsexuelle Menschen: Transsexualität - Transidentität“