Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar
Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar - # 2

Informationen, Termine und Artikel zu Transsexualität und Transidentität
Forum-Diskussionen transsexueller Menschen; Peerberatung
Unterstützung der Forderung: Verzicht auf die Zwangsgutachten!
Antworten
Nicole Doll
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 562
Registriert: Mo 20. Mär 2017, 17:38
Geschlecht: gefühlt weiblich
Pronomen:
Membersuche/Plz: Simmern / Hunsrück
Hat sich bedankt: 331 Mal
Danksagung erhalten: 298 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 16 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Di 5. Jun 2018, 19:14

MichiWell hat geschrieben:
Di 5. Jun 2018, 00:37
Niemand muss "beweisen" (oder sich sonst irgendwie dafür rechtfertigen), dass er ein Mann ist oder sie eine Frau.
Warum also sollte ein trans* Mensch dies tun müssen?! :((a

Jeder Mensch hat das Recht, so zu sein, wie er sich fühlt ... und nichts anderes. Punkt.
.. Genauso denke ich auch. Mit der Möglichkeit eines Gehirn-Scans hätten wir jedenfalls die Grundlage für weitere neue Hürden. Da muss ich an diesen Mist hier denken. Freie Fahrt für die Neo-Liberalen und ewig Gestrigen! (ag)

LG Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

YvonneTV
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 706
Registriert: Mo 27. Jun 2016, 20:13
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: Mal Mann - mal Frau
Membersuche/Plz: 70xxx
Hat sich bedankt: 565 Mal
Danksagung erhalten: 676 Mal

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 17 im Thema

Beitrag von YvonneTV » Di 5. Jun 2018, 20:27

MichiWell hat geschrieben:
Di 5. Jun 2018, 00:37
Jeder Mensch hat das Recht, so zu sein, wie er sich fühlt ... und nichts anderes. Punkt.
Ja Michi !!!! Genau so sehe ich das auch (yes) (yes) (yes)

Das geht auch prima ohne die Wissenschaftlichen-Schubladen und Analysen .... (888)
Ganz liebe Grüsse - Yvi

Jasmine
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1235
Registriert: Di 16. Jul 2013, 08:25
Geschlecht: ????
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Bayern
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 1531 Mal
Danksagung erhalten: 598 Mal

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 18 im Thema

Beitrag von Jasmine » Mi 6. Jun 2018, 06:00

YvonneTV hat geschrieben:
Di 5. Jun 2018, 20:27
MichiWell hat geschrieben:
Di 5. Jun 2018, 00:37
Jeder Mensch hat das Recht, so zu sein, wie er sich fühlt ... und nichts anderes. Punkt.
Ja Michi !!!! Genau so sehe ich das auch (yes) (yes) (yes)

Das geht auch prima ohne die Wissenschaftlichen-Schubladen und Analysen .... (888)
Sehe ich genau so.
Übrigens mein Tattoo über dem linken Fuß sagt ja ganz klar etwas über mich aus.
K640_DSCN1192.JPG
Liebe Grüße Jasmine
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Ich bin wie ich bin --- Ich lebe meinen Traum

Christiane
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 260
Registriert: Sa 22. Okt 2016, 14:19
Geschlecht: m-w
Pronomen:
Wohnort (Name): Luzern
Membersuche/Plz: Luzern
Hat sich bedankt: 603 Mal
Danksagung erhalten: 165 Mal

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 19 im Thema

Beitrag von Christiane » Mi 6. Jun 2018, 07:52

Hallo Zusammen

Ich finde den letzten Satz gut.

Ich finde 160 "Labormäuse" etwas dürftig und sehe diese Studie schon sehr skeptisch.

Irgendwann findet man das verantwortliche Gen, entwickelt dazu den Schnelltest - und schon sind wir zum Aussterben verdammt, weil abgetrieben...…. . :mrgreen:
Sollte man aber die Erklärungsversuche nicht doch in gewissem Rahmen positiv sehen?
O.k. - die Intention, die dahinter steht ist meist unklar.
Es wird immer wieder Studien geben, die uns eine Macke beweisen wollen, bzw. das Ganze auf die Gene schieben wollen, usw. .
Aber, vielleicht findet ja mal so ein Weißkittel unseren "Defekt"?
Abweichungen im "Normverhalten" bei Menschen - schon immer Grund für zum Teil haarsträubende und das Individuum verachtende Forschungen + Versuche.

Im Mittelalter hätte man uns als Hexen/Hexer verbrannt
Wenig später wären wir bestimmt der Inquisition zum Opfer gefallen
Oder wir wären am Pranger gelandet
Oder die Familie hätte uns stillschweigend beseitigt?
Und in der jüngeren Vergangenheit wären dann Elektroschocks - geschlossene Anstalten - chem.-pharm.-Versuche - gezielte Beseitigung dazu gekommen.

Ey! Uns geht's doch eigentlich momentan ganz gut - oder nicht? (flo)
Klar - verbesserungsfähig ist es immer noch! (yes)

Ist mir aber eigentlich egal - bei mir ist es doch eh schon zu spät. Meine Kleider und Pumps geb ich nicht mehr her!!!! :mrgreen: :mrgreen:

Ich für mich persönlich möchte diese zweite "Persönlichkeit" in mir nicht mehr missen.
Wir sind wie Ying und Yang - und ich kann manchmal nicht sagen, wer der Gute Teil ist. :wink:
Christiane macht mein Leben bunter und zeigt mir immer wieder die kleinen Glücksmomente im Leben und sei es nur eine zarte Blüte, oder der kleine halbfertige Spatz der wild seine Eltern um Futter anbettelt, der Sonnenaufgang am Wochenende auf dem Balkon, während alle anderen noch schlafen, und, und, und.
Ich könnte Euch da noch viele andere Momente nennen - aber die kennt Ihr doch alle bestimmt selbst.
Im nur-MM könnte ich das vielleicht gar nicht wahrnehmen, weil mir die Antenne dazu fehlt (Christiane)?

Wir haben im Vergleich zu den CIS-Männern bestimmt ein schwereres Leben - aber durch unsere weibliche Seite, haben wir garantiert das BUNTERE und Gepflegtere! :mrgreen:
Da nehme ich die Selbstzweifel gerne in Kauf.
Und dies werde ich mir jetzt Mantra-mäßig jeden Tag vorsagen. :wink:

Und jetzt vertragt Euch wieder. (ki) (ki) (ki)
Ganz liebe Grüße
Christiane
Fairness - ist die Kunst - sich in den Haaren zu liegen - OHNE die Frisur zu zerstören. Gekl. bei G.Bronner

Jenina
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 333
Registriert: Sa 26. Aug 2017, 10:45
Geschlecht: männlich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Jena
Membersuche/Plz: Jena
Hat sich bedankt: 56 Mal
Danksagung erhalten: 316 Mal
Gender:

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 20 im Thema

Beitrag von Jenina » Mi 6. Jun 2018, 07:53

Hallo,

Wissenschaft ist das, was man draus macht. Man kann das verantwortungsvoll tun und damit helfen, man kann die Erkenntnisse aber auch missbrauchen. Vor allem wichtig ist: VORSICHT! Das heisst, keine vorschnellen Urteile zu fällen. Nun kann so eine Studie auch in ihrer Beschränktheit nicht der Beweis sein für die Tatsache, die man damit offenbar beweisen wollte. Man müsste sie wirklich lesen, aber der Artikel kommt mir so vor als hätte man sich da eine selbsterfüllende Prophezeiung als Studienziel gesetzt. Auf jeden Fall braucht es die Verifikation von anderen Wissenschaftlern.

Vor allem Was soll es? Will man helfen? Wem will man helfen? Den TS, die unsicher sind? Da könnte für einige klappen, genauso wie die ständigen Thesen vom "falschen Körper" oder "schon immer Frau". Das hilft durchaus für die eigenen Selbstfindung, für die eher esoterischen die letzteren Formulierungen, für die eher wissenschaftsgläubigen die harte medizinische Diagnose.

Und was ist mit dem Missbrauch? Ein TSG mit einer Zwangsuntersuchung im MRT? Um Kosten zu sparen wird die Diagnose "Sie sind keine TS" dann ganz hart gestellt.

Was soll also der ganze Blödsinn? Da es noch nicht mal ein eindeutiges biologisches Geschlecht gibt und schon gar kein wertfreies und kulturfreies soziales Geschlecht, ist das immer, ich betone immer, eine ganz individuelle und persönliche Angelegenheit wie man seine Identität benennt und auslebt. Das kann nur der Betroffene selbst bestimmen und sich allenfalls von der Medizin helfen lassen. Nur diese Richtung ist diejenige, die in die Köpfe der gesamten Gesellschaft gehört und meinetwegen auch in Gesetze für selbstbestimmtes Leben.

Jenina
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

Lorelai74
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 372
Registriert: So 7. Jan 2018, 21:14
Geschlecht: Abgeschafft
Pronomen:
Wohnort (Name): Stuttgart-Pforzheim-Sifi
Membersuche/Plz: z.Zt. ------
Hat sich bedankt: 403 Mal
Danksagung erhalten: 197 Mal
Gender:

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 21 im Thema

Beitrag von Lorelai74 » Mi 6. Jun 2018, 10:17

Hallo ihr,

hier 2 etwas differenziertere Artikel zur Studie der Universität Sao Paulo:
https://psychcentral.com/news/2018/03/1 ... 33802.html
https://medicalxpress.com/news/2018-03- ... eople.html
Die Publikation in Nature im Januar 2018
https://www.nature.com/articles/s41598-017-17563-z

Die Studie ist also noch sehr neu , was erklärt warum es noch keine weiteren Studien zum Thema gibt.

Das mal die "Fakten" der Studie.
Jenina bringt es gut auf den Punkt
Jenina hat geschrieben:
Mi 6. Jun 2018, 07:53
Vor allem Was soll es? Will man helfen? Wem will man helfen? Den TS, die unsicher sind? Da könnte für einige klappen, genauso wie die ständigen Thesen vom "falschen Körper" oder "schon immer Frau".
Es liegt an jederm einzelnerm was wir daraus machen.
Für die einen mag es Bestätigung sein, für die anderen Rechtfertigung.


Grundsätzlich ist es nicht falsch solche Zusammenhänge zu untersuchen, aber es birgt auch immer Gefahren mehr zu wissen.
Das ist halt die Büchse der Pandora die die Wissenschaft manchmal öffnet. Und auch vor Missbrauch ist nichts gefeit.

Man kann ein Messer in der Küche oft gut gebrauchen aber man kann damit auch jemanden umbringen.

Soll man den Wissenschaftsbetrieb deswegen einstellen und nicht mehr weiter forschen?
Ich denke nein, man sollte weiter forschen.
Aber man muss wachsam sein was mit den Ergebnissen passiert und wie sie z.B. Politik beeinflusst.

VLG
Lorelai
Viele liebe Grüße
Lorelai

Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.
H. Ford

Jaddy
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 440
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: Enby
Pronomen: <Name>/d'/hen
Wohnort (Name): Bremen
Membersuche/Plz: 28000
Hat sich bedankt: 54 Mal
Danksagung erhalten: 383 Mal
Gender:

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 22 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mi 6. Jun 2018, 11:40

Jenina hat geschrieben:
Mi 6. Jun 2018, 07:53
Wissenschaft ist das, was man draus macht.
[...]
Und was ist mit dem Missbrauch? Ein TSG mit einer Zwangsuntersuchung im MRT? Um Kosten zu sparen wird die Diagnose "Sie sind keine TS" dann ganz hart gestellt.

Was soll also der ganze Blödsinn? Da es noch nicht mal ein eindeutiges biologisches Geschlecht gibt und schon gar kein wertfreies und kulturfreies soziales Geschlecht, ist das immer, ich betone immer, eine ganz individuelle und persönliche Angelegenheit wie man seine Identität benennt und auslebt. Das kann nur der Betroffene selbst bestimmen und sich allenfalls von der Medizin helfen lassen. Nur diese Richtung ist diejenige, die in die Köpfe der gesamten Gesellschaft gehört und meinetwegen auch in Gesetze für selbstbestimmtes Leben.
So ist das.

Der Knackpunkt für die neoliberalen und Geldfixierten liegt mE in der Einsicht, dass Repression und Ausgrenzung letztlich mehr kosten, als eine relativ freizügige Behandlung. Selbst wenn man OPs mit einberechnet. Die psychologische Begleitung dürfte über die Jahre das teuerste sein, und die soll ja in den meisten Fällen die Konflikte auflösen und bearbeiten zwischen eigenem Gefühl und Anforderungen der Umgebung, Erziehung, etc.

Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten einer transfeindlichen, repressiven Politik? Jede Menge psychisch gebrochene Menschen mit den üblichen Folgen: Gescheiterte Familien, abgestürzte Jobsituation, Suchterkrankungen, Gewalt (auch gegen Transpersonen) - und in der Folge Krankheitskosten für physische und vor allem psychische Erkrankungen, zusammen mit dem wirtschaftlichen und sozialen Ausfall der Betroffenen und ihres direkten Umfelds. Ach, hey, ist ja aktuell in vielen Fällen so...

Also selbst wirtschaftlich gerechnet ist es meiner Ansicht nach billiger, den Leuten Angleichungen und (relativ billige) Medikation zu zahlen, damit sie sich um ihr eigentliches Leben kümmern können, als lebenslang Behandlung und Folgekosten von unnötig künstlich erzeugtem Leiden zu finanzieren. Und da sind Menschenwürde und -rechte noch nicht mal einbezogen.

Jaddy
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 440
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: Enby
Pronomen: <Name>/d'/hen
Wohnort (Name): Bremen
Membersuche/Plz: 28000
Hat sich bedankt: 54 Mal
Danksagung erhalten: 383 Mal
Gender:

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 23 im Thema

Beitrag von Jaddy » Mi 6. Jun 2018, 12:40

Christiane hat geschrieben:
Mi 6. Jun 2018, 07:52
Irgendwann findet man das verantwortliche Gen, entwickelt dazu den Schnelltest - und schon sind wir zum Aussterben verdammt, weil abgetrieben...….
Wenn's denn ein Gen wäre (was ich für extrem unwahrscheinlich halte, weil es für kaum irgendwas derart komplexes und kulturell geprägtes genau _ein_ Gen gibt).

Selbst wenn man bei transidenten Menschen tatsächlich relativ zuverlässig Unterschiede im Hirn finden könnte, bleibt die Frage, wann sich diese Unterschiede entwickeln.

Da gibt es erstens die Idee der hormonellen Schwankung während der Entwicklung des Fötus. Das ist ziemlich unkontrollierbar. Das Großhirn ist während der ganzen Schwangerschaft in der Entwicklung. Ein Haufen Neuronen werden erst gebildet und später wieder abgebaut. Wenn sich die "Transbereiche" erst später entwicklen (weil höhere Hirnfunktion): Abtreibung kurz vor oder nach der Geburt? Frag da mal die Eltern.

Zweitens die Plastizität des Gehirns. Das Hirn eines Neugeborenen ist ungefähr auf dem Niveau eines Welpen. Alle komplexeren Funktionen wrden gelernt. Wenn latente "Transbereiche" sich nachgeburtlich entweder verstärken oder abschwächen durch organische oder Umwelteinflüsse, bringt einem diese Erkenntnis gar nichts.

Letzten Endes wird nach meiner Erwartung herauskommen, dass Transidentität genau wie sexuelle Präferenzen, Lieblingsfarben und Geschmack ein Mischmasch aus organischen und psychischen Faktoren ist, die 1) durchaus spät während der Entwicklung zusammenwirken, 2) nicht wirklch kontrollierbar sind und siach damit 3) nicht wirklich eindämmen lassen, sondern einfach natürliche Varianten sind. Selbst geklonte Katzen haben trotz identischer DNA unterschiedliche Fellzeichnung. Hinreichend komplexe Organismen sind eben keine identisch zusammengebaute Maschinen. Und bei Menschen kommt sehr sehr viel Software hinzu, die nach der Geburt durch die Umgebung "geladen" wird.

Die schlauere Lösung wäre also, aus der Varianz das beste zu machen, statt mit aller Gewalt und Aufwand eine Monokultur züchten zu wollen.

Christiane
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 260
Registriert: Sa 22. Okt 2016, 14:19
Geschlecht: m-w
Pronomen:
Wohnort (Name): Luzern
Membersuche/Plz: Luzern
Hat sich bedankt: 603 Mal
Danksagung erhalten: 165 Mal

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 24 im Thema

Beitrag von Christiane » Mi 6. Jun 2018, 17:18

Jaddy hat geschrieben:
Mi 6. Jun 2018, 12:40
Christiane hat geschrieben:
Mi 6. Jun 2018, 07:52
Irgendwann findet man das verantwortliche Gen, entwickelt dazu den Schnelltest - und schon sind wir zum Aussterben verdammt, weil abgetrieben...….
Wenn's denn ein Gen wäre (was ich für extrem unwahrscheinlich halte, weil es für kaum irgendwas derart komplexes und kulturell geprägtes genau _ein_ Gen gibt).
Hallo Jaddy

Dies war eigentlich nicht sooo ganz ernst gemeint. (smili)
Dann könnte man ja auch den zukünftigen Alkoholmissbrauch, Nikotin- und Drogenkonsum und Anderes an einem Gen festmachen.
Dies wollten ja auch schon einige "Institute" bewiesen haben. :roll:

Liebe Grüße
Christiane
Fairness - ist die Kunst - sich in den Haaren zu liegen - OHNE die Frisur zu zerstören. Gekl. bei G.Bronner

Vicky_Rose
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1303
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Geschlecht: m und f
Pronomen:
Membersuche/Plz: Raum Karlsruhe
Hat sich bedankt: 108 Mal
Danksagung erhalten: 664 Mal

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 25 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 7. Jun 2018, 09:34

In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen Befund (also das, was man tatsächlich beobachtet) und der Interpretation. Das sollte man auch bei der Kommentierung beachten. Ein Unterschied im Gehirn sagt nichts über die Ursache aus. Leider wird Wissenschaft an dieser Stelle gelegentlich missbraucht.

Wissenschaft hat gegenüber den Gefühlen einen wesentlichen Vorteil und zwei wesentliche Nachteile. Der Vorteil ist, dass sie im Vergleich zu Emotionen fundiert fortschreitet (verantwortlicher Umgang damit voraus gesetzt). Nachteilig ist erstens die Langsamkeit (was wir emotional erkennen, muss sie erst noch beweisen) sowie die Begrenztheit der Erkenntnis. Sie ist auf Messbares angewiesen. Selbst statistische Aussagen sind nur begrenzt tragfähig.

Unterschiedlich kategorisierte Gehirne weisen darauf hin, dass es Kategorien gibt. Sie sagen aber nichts über die Kategorien aus. Und hier wird es sehr schwammig. Viele kennen die Untersuchung von Taxifahrern in London (https://www.welt.de/wissenschaft/articl ... ellen.html). Sind das nun Taxifahrer geworden, weil sie ein solches Gehirn haben oder hat die Tätigkeit die Gehirne geformt ?

Ähnlich würde ich das bei uns sehen. Die Plastizität des Gehirns ist ja schon genannt worden. Jeder Einfluss von außen und jeder Denkvorgang verändert unser Gehirn. Wenn nun also unsere Lebensweise Kategorien aufweist, ist es da ein Wunder, wenn wir Kategorien auf der Basis von Gehirnscans finden ?

Auf der anderen Seite scheint mir eine Reduktion der Unterscheidung nur auf Zeugung und Gebären sehr kurz zu greifen. Ich würde die These aufstellen, dass die Menschen im maoistischen China mit ihrer Einheitskleidung hinsichtlich der geschlechtlichen Selbstdarstellung nicht immer zufrieden waren.

Für mich ist die entscheidende Frage eine ethische: Wie wollen wir als Gesellschaft mit dem Thema umgehen ? Hier ist die Wissenschaft nur sehr bedingt hilfreich. Gesetzt den Fall, wir fänden einen Knopf, an dem wir Trans* oder Homosexualität abstellen könnten, was würden wir als Gesellschaft damit anfangen ? Das wäre ökonomisch vielleicht auch interessant. Doch was nutzt die Ökonomie an dieser Stelle, eine Ökonomie, die nur auf ein Mehr abzielt ? Was können wir mit dem Mehr anfangen ? Jaddy schrieb:
Die schlauere Lösung wäre also, aus der Varianz das beste zu machen, statt mit aller Gewalt und Aufwand eine Monokultur züchten zu wollen.
Bleibt für mich die Frage, was denn "das beste" denn ist ? Für mich ist das soziale Anerkennung und Respekt. Egal, ob ich Trans*, Geflüchteter oder Mitglied des Bundestags bin. Jede unserer Tätigkeiten beeinflusst andere Menschen, aber wie viel Beeinflussung durch andere Menschen ist statthaft. Im Extremfall wie genannt in China oder bei uns zu Zeiten des dritten Reichs ist offensichtlich ungesund. Hier wurden die Respektgrenzen weit überschritten. Totale Liberalität funktioniert auch nicht. Letztlich wurde auch hier versucht, in die Lebensweise anderer Menschen einzugreifen, in dem man Vorgaben machte.

Individualität und Gesellschaft bilden also ein Spannungsfeld, das immer wieder neu definiert werden muss. Die Kunst ist eigentlich beide Bereiche in einer Synthese zusammen zu führen, statt sie als Antipoden zu betrachten. Wissenschaft kann dabei einen Beitrag leisten, in dem es Determinierbares von Definierbarem trennt.
Viele Grüße
Vicky

ab08
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2152
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Membersuche/Plz: 90480
Hat sich bedankt: 1970 Mal
Danksagung erhalten: 1147 Mal
Gender:

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 26 im Thema

Beitrag von ab08 » So 10. Jun 2018, 18:16

Danke, liebe Lorelai,

für Deine Links. --> Es gibt Forschungen mehr nicht. Konkrete Ergebnisse werden noch dauern.
Ich möchte nur einen interessanten Satz aus dem ersten, von Dir verlinkten, Dokument frei übersetzen:

Spizzirri explains that “there’s no such thing as a typically female or male brain.” “There are slight structural differences, which are far more subtle than the difference in genitals, for example. Brain structures vary greatly among individuals,” he noted.

Spizzirri erläutert, "so etwas wie ein typisch weibliches oder typisch männliches Gehirn gibt es nicht." "Es gibt schwache strukturelle Unterschiede, die aber viel geringer sind, als z.B. die Unterschiede bei den Genitalien. Die Strukturen des Gehirns variieren stark zwischen den einzelnen Individuen," merkt er an.

Persönliche Anmerkung dazu: Es ist ähnlich wie bei menschlichen Genen. Dort sind die Unterschiede zwischen zwei Deutschen oft größer, als die Unterschiede zwischen einem Schweizer und einem Chinesen.
Die Strukturen im Gehirn unterscheiden sich offenbar bei zwei Männern häufig stärker, als zwischen einem Mann und einer Frau.
Aber, dessen ungeachtet gilt, wie in anderen Bereichen, die Forschungen bleiben interessant. Forschung lässt sich auch nicht aufhalten.
(Die Büchse der Pandora lässt sich, wenn sie mal geöffnet wurde, nicht mehr schließen.) :wink:

Liebe Grüße
Andrea

Nachtrag: Ich möchte nur noch mal den Satz vom Ende meines letzten Beitrags wiederholen:
--> Einen exakten Nachweis der Transsexualität halte ich übrigens auch nicht für erstrebenswert.
und ergänze: Aufgrund obiger Ergebnisse erwarte ich auch nicht, dass es in absehbarer Zukunft dazu kommt!
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Vicky_Rose
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1303
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Geschlecht: m und f
Pronomen:
Membersuche/Plz: Raum Karlsruhe
Hat sich bedankt: 108 Mal
Danksagung erhalten: 664 Mal

Re: Mal (schon) wieder: Transsexualität im Gehirn erkennbar

Post 27 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 11. Jun 2018, 07:37

Moin,
Da es noch nicht mal ein eindeutiges biologisches Geschlecht gibt
[Provokation] Wieso gibt es das nicht ? Es gibt gebährfähige und zeugungsfähige Menschen sowie Menschen, die aus verschiedenen Gründen weder das Eine noch das Andere können (Kinder, Menschen nach er Menopause, unfruchtbare, unfruchtbar gemachte Menschen, etc.). Was ist daran schwierig ? [/Provokation]

Wenn es um das Thema Geschlecht geht, fallen wir sehr häufig doch sofort in ein binäres Geschlechtsdenken. Geschlecht ist nicht gleich Geschlechtsrolle. Hier werden immer wieder Dinge durcheinander gebracht, was für sehr viel Verwirrung sorgt.

Was gibt es denn ?

- der Pass, eine verwaltungsmäßige Zuordnung auf Basis von Genitalien (2 Möglichkeiten, demnächst 3)
- ein emotionales Empfinden, das völlig unabhängig sein kann, von körperlichen Merkmalen (? Möglichkeiten)
- ein im biologischen Sinn zu verstehendes Geschlecht, wie ich es oben skizziert habe (3 Möglichkeiten)
- noch mehr ?

Diese Möglichkeiten werden alle mit "Geschlecht" beschrieben, können aber nicht in Übereinstimmung gebracht werden. Ist die Verwirrung da ein Wunder ? Wenn drei Menschen über Geschlecht reden und jeweils eine andere Sicht auf den Begriff haben, ist eine Verständigung nicht möglich. Ich denke, die Diskussion muss anders begonnen werden, wenn man weiter kommen will. Die Gehirnforschung ist dabei nur ein schwaches Hilfsmittel. Einerseits gibt es enorme Unterschiede im Empfinden, aber nur schwache Unterschiede im Gehirn in der Struktur. Gehe ich davon aus, dass das Empfinden auch im Gehirn verortet ist, müsste es also eher in der "Gehirnverschaltung" innerhalb Areale liegen. Und die ist sehr flexibel. Lernen wir also "Geschlecht" ? Aber was ist dann mit den Untersuchungen zum Neugeborenen, die Unterschiede zeigen ? Oder liegt das Empfinden gar nicht im Gehirn, sondern im Darm mit seinen Nervenzellen (enterisches Nervensystem). Oder ist es eine gegenseitige Beeinflussung ?

Aber jenseits aller Wissenschaft, ist das, was wir wollen nicht etwas ganz anderes ? Ist es nicht einfach Respekt und Anerkennung ? Hilft uns die Wissenschaft dabei ? Ich denke es kann ein Baustein sein. Denn wenn die Wissenschaft einen Befund zeigt, ist es der, dass es keine einfache Eindeutigkeit zu erkennen gibt. Aber wesentlicher ist, dass jeder Mensch als Mensch zunächst Respekt und Anerkennung verdient. Dabei ist Menschsein nicht zu verwechseln mit seinen Taten. Das sind auch zwei verschiedene Dinge.
Viele Grüße
Vicky

Antworten

Zurück zu „Transsexuelle Menschen: Transsexualität - Transidentität“