Krankenkasse wechseln?
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L0VEL0CKDOWN
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Krankenkasse wechseln?

Post 1 im Thema

Beitrag von L0VEL0CKDOWN » Sa 10. Feb 2018, 17:23

Guten Taaag,
das ist mein erster Beitrag hier, hab dementsprechend überhaupt keine Ahnung, ob ich das hier im richtigen Bereich poste, gibt ja so viele Unterforen...

Allerdings hätte ich eine Frage bezüglich Krankenkassen, die ich schonmal in einem anderen trans-Forum gestellt habe, allerdings habe ich jetzt nicht sonderlich viele Antworten erhalten und bin auch nur einen halben Schritt weiter.
Die Sache ist, dass ich einfach mit den strengen Richtlinien zur Kostenübernahme der GaOPs meiner momentanen Krankenkasse (AOK-Rheinland, falls das von Interesse ist) klarkomme, und ich auch schon ein paar erschreckende Stories gehört habe, die alle irgendwie immer die AOK spezifisch betreffen zu scheinen. Da muss es doch wohl ein paar transfreundlichere KKs geben, wenn auch nur ein wenig gelassener!
Da ich auch im Moment noch familienversichert aber auf Arbeitssuche bin, und mir dann sowieso die freie Qual der Wahl steht, wollte ich bevor ich meine medizinische Transition überhaupt angehe (hatte noch nicht ein Gespräch mit einem transerfahrenen Therapeuten) einfach mal in die Runde fragen, bei wem es denn recht zügig (in den Standards angegeben kann so eine GaOP bereits was, 6 Monate nach Anfangen der Hormontherapie eingeleitet werden? AOK machts aber wohl nur strikt nach mind. einem Jahr) geklappt hat, wo es gute Erfahrungen gab, wo man die Finger von weglassen soll? Mir ist auch das Ändern der Krankenkarte auf neue Anrede und Namen vor der rechtlichen VÄ/PÄ schon wichtig, denn wer weiss, wie lang sich das bei mir hinzieht... wer hat es da denn so geschafft? (Hatte auch vor, mir sofort einen Ergänzungsausweis zu holen)

Vielleicht ist die Frage unangebracht, ich weiß nicht, aber ich hoffe einfach mal auf ein paar Antworten damit ich nicht komplett unsicher am Anfang bin, schließlich sollte die KK einen bei sowas ja eher unterstützen, als unnötig Steine in den Weg legen.
Liebe Grüße!

Laura R
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Re: Krankenkasse wechseln?

Post 2 im Thema

Beitrag von Laura R » Sa 10. Feb 2018, 18:31

Moin,
nun ja die Richtlinien für die Kostenübernahme sind überall recht streng und auch an recht viele Kriterien müssen da erfüllt sein. Mit mal einfach beantragen wird das nichts.
Die GAOP hat auch nichts mit der VÄ/PÄ zu tun, das eine geht ohne das andere.
Solltest bei deiner Krankenkasse nachfragen was du erfüllen musst um die GAOP zu bekommen. In dem zur Zeit noch gültigen TSG steht auch was grade für die VÄ/PÄ erforderlich ist. Diese Bedingungen musst du erfüllen.
Die HET ist nur ein kleiner aber sehr wichtiger Teil vom ganzen. Wie schon gesagt, am besten die Infos direkt einholen damit bist am besten beraten und kannst es gegebenenfalls als Liste nehmen was zu erledigen oder zu machen ist.
Gruss
Laura
Eine Anmerkung noch:
Die GAOP sollte sehr gut überlegt sein und es ist keine Mal eben Sache, denn nach der Operation gibt es kein zurück mehr in den alten Zustand.
Ich bin wie ich bin und weiß wer ich bin. Das gut so!

Tatjana_59
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Re: Krankenkasse wechseln?

Post 3 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Sa 10. Feb 2018, 19:12

Ich denke die meisten Kassen ticken ähnlich.
Sie halten sich nach dem derzeitig gültigem TSG.
Du wirst immer eine Kasse finden die dir in der einen oder anderen Sache besser vorkommt wie eine andere.
Unter dem Strich sind die gesetzlichen zumindest sehr ähnlich.
Ob du mit neuem Namen schon eine Krankenkarte bekommst wage ich zu bezweifeln
Es tun sich schon Leute schwer die jahrelang in einer Kasse sind und dann ohne Vä/Pä den Namen ändern wollen. Manchmal klappt es.
Du kannst es nur versuchen.
Solltest dir aber schnell eine Kasse suchen, denn ohne kannst du den ganzen Weg beginnend mit Therapeuten vergessen.
Sechs Monate nach Beginn der Het wird dir kaum eine Kasse die Gaop genehmigen.
Geh es langsam an, überstürze nichts, sowie Laura schon schrieb. Die Gaop ist endgültig und nicht umkehrbar.

LG Tatjana

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Re: Krankenkasse wechseln?

Post 4 im Thema

Beitrag von L0VEL0CKDOWN » Sa 10. Feb 2018, 20:30

Okay, vielleicht hätte ich meine Situation vorher genauer erläutern sollen:
Ich weiß seit 7 Jahren (mit 12), dass ich trans bin in dem Sinne, dass ich dann gelernt habe, was transgender überhaupt ist, und konnte mich dem sofort problemlos zuordnen. Seit dem Coming-Out mit 14 habe ich null Support von meinen Eltern bekommen und hatte auch 5 verschiedene Therapeuten abgeklappert, die alle nicht erfahren waren, nichts damit zutun haben wollten, und generell war alles Katastrophe.

Dieses Jahr habe ich mir dann endlich vorgenommen, selbst ohne Unterstützung und unter dem Dach meiner transphoben Eltern (wo ich eventuell auch bald rausziehe, bin im Moment mit dem Jugendamt dran, aber das ist nebensächlich...) drauf zu scheissen und es einfach durchzuziehen, da ich die Schule abgebrochen habe (und da die wenigen Leute denen ich es da mit 14 schon erzählt habe sich über mich lustig gemacht haben, ich dort niemals einfach plötzlich anders erscheinen könnte) und weil ich nicht mehr kann. Dieses Jahr steht viel bevor für mich, natürlich habe ich Angst und mit meinen Krankheiten und Behinderung auch noch zu kämpfen und das alles wird sehr schwer für mich, aber ich hatte jetzt eine ganze Jugend quasi rumgegammelt, und muss jetzt einfach mich ins Zeug legen :)

Ich muss einfach anfangen, weil ich aufgrund meiner extrem starken Dysphorie (sowie anderes, aber alles hängt mit dem Trans-Sein irgendwie zusammen) Suizidgedanken und auch Versuche bereits unternommen habe. Wenn ich Ewigkeiten warten muss dann gebe ich die Hoffnung auf, habe sie nach sieben Jahren Depression auch jetzt kaum. Mastektomie und Hysterektomie müssen einfach so schnell wie es geht geschehen sein, und ja, ich bleibe da schon realistisch, aber die SoC geben ganz eindeutig einen Zeitrahmen an, es ist ja nicht jeder trans Mensch gleich, und ich habe bereits vor Situation gehört, in der es in Rekordzeit ging, dabei bin ich mir schon bewusst, dass dazu eine große Portion Glück gehört. Die AOK selbst legt ihre Vorraussetzungen allerdings an den Rand der obersten Grenze, für jeden, ausnahmslos? und so muss das doch nicht sein.

Desweitern bekam ich mit 14 eine Diagnose für GIS, die ich vorzeigen wollte und weswegen ich eventuell in der Annahme war, dass ich nicht ALLES bei dem Therapeuten mühsam aufarbeiten und mich "beweisen", es stellt sich bei mir ja eher weniger die Frage, ob ich mir sicher bin, und was ich will und brauche. Ich bin mir 100% sicher, ich weiß was ich will, und ich habe einen Plan für die Zukunft für den ich auch arbeiten werde. Meine ganze Jugend habe ich praktisch damit verbracht Infos über diese OPs und zur HET zu recherchieren, ich kenne die guten und schlechten Seiten und die Risiken etc etc etc. Hatte ja genug Vorbereitungszeit. :?

Deswegen also die Frage. Ich kann einfach mein Leben nicht uneingeschränkt leben, bevor das nicht getan ist, ich fühle mich nicht frei. Der Hass auf meinen Körper ist so ernorm groß, ich will niemand zu nahe an mich ranlassen (selbst, wenn es nur emotional und komplett auf platonischer Eben ist) aber naja, das Thema ist eher für den Therapeuten und nicht für hier :lol:
Ich weiß, ich bin noch jung, jünger als die meisten, die ihre Transition angehen, und vielleicht klinge ich etwas unreif und ungeduldig/privilegiert, aber das ist absolut nicht meine Absicht, dafür entschuldige ich mich (ich weiß nicht so recht, wie ich mich auf die Schnelle schöner ausdrücken könnte). Ich hoffe, man kann meine Situation trotzdem stückweit verstehen und nachvollziehen, und mir vielleicht konkret mit eigenen Erfahrungen weiterhelfen :?:

Laura R
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Re: Krankenkasse wechseln?

Post 5 im Thema

Beitrag von Laura R » Sa 10. Feb 2018, 21:19

Wie ich schon bemerkte sind auch die Krankenkassen an gesetzliche Vorgaben gebunden, gleiches gilt natürlich auch für die VÄ/PÄ. Ist nun leider so. Das beste ist du schreibst deine Krankenkasse direkt an und fragst nach einer Beratung. Die werden dir bestimmt weiterhelfen, so habe ich das damals gemacht. Ich selber bin bei der Techniker Krankenkasse freiwillig gesetzlich versichert und habe gute Erfahrungen da gemacht.
Liebe Grüße
Laura
Ich bin wie ich bin und weiß wer ich bin. Das gut so!

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Re: Krankenkasse wechseln?

Post 6 im Thema

Beitrag von Britt » So 11. Feb 2018, 10:05

Hallo,
also bei der Genehmigung von gegengeschlechtlichen Eingriffen halten sich alle gesetzlichen Krankenkassen üblicherweise an den Richtlinien des MDK. Das sind im wesentlichem:
6 Monate HRT + 18 Monate Therapie für die GaOP
6 Monate HRT + 12 Monate Therapie für die Epilation
24 Monate HRT für den Brustaufbau.

Einen Unterschied gibt es vor allem bei der Kostenübernahme der Epilation. Einige Krankenkassen beharren darauf das diese von einem Arzt durchgeführt wird, andere übernehmen gleich die Kosten bei einer Elektrologistin. Hier fragst du am besten mal die anderen Mädels in deiner Gegend, welche Erfahrung sie gemacht haben.

Medikamente, also Hormone darf die jeder Arzt „ohne weiteres“ verschreiben. Viele Ärzte wollen jedoch einen Schrieb vom Therapeuten sehen.

Meier Erfahrung nach ist es einfacher/besser, wenn man die Krankenkasse nicht fragt. Also erst die erforderlichen Unterlagen (wie sie der MDK haben will) sammeln, dann den Antrag bei der Krankenkasse (über den MDK) stellen. Krankenkasse sind verpflichtet Kosten zu sparen. Dies bedeutet üblicherweise erst einmal alles ablehnen.

Den Namen auf meiner Krankenkarte zu ändern, das hatte ich nicht versucht. Ich wurde auch so bei allen Ärzten wo ich Stammgast war als Frau aufgerufen.

Für den Anfang ist diese Seite als Informationsquelle gut

http://hormonmaedchen.de/

Liebe Grüße,
Britt

Sunny
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Re: Krankenkasse wechseln?

Post 7 im Thema

Beitrag von Sunny » So 11. Feb 2018, 11:59

Hallo,

ich finde es toll, dass so ausführliche Informationen geteilt werden, aber eine Kleinigkeit fällt mir dabei auf: Mastektomie und Hysterektomie lassen mich darauf schließen, dass statt Epilation eher der erste Rasierer fürs Gesicht sehnsüchtig erwartet wird ;-)

LG
Sunny
Frankas glückliche und stolze Bio-Ehefrau

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Re: Krankenkasse wechseln?

Post 8 im Thema

Beitrag von Britt » So 11. Feb 2018, 15:19

Sunny hat geschrieben:
So 11. Feb 2018, 11:59
Hallo,

ich finde es toll, dass so ausführliche Informationen geteilt werden, aber eine Kleinigkeit fällt mir dabei auf: Mastektomie und Hysterektomie lassen mich darauf schließen, dass statt Epilation eher der erste Rasierer fürs Gesicht sehnsüchtig erwartet wird ;-)

LG
Sunny
Oops,
da hast du allerdings recht. Ich muss zugeben, das ich über die beiden Wörter nicht nachgedacht habe. Das MDK Problem ist jedoch in der anderen Richtung genauso vorhanden

Sorry,
Britt

Andrea aus Sachsen
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Re: Krankenkasse wechseln?

Post 9 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen » So 11. Feb 2018, 20:26

.
Hallo … (wie sollen wir dich eigentlich ansprechen?),
die gesetzlichen Krankenkassen „ticken“ im Großen und Ganzen alle gleich. Sie wollen Kosten sparen und neigen deshalb dazu, genehmigungspflichtige Leistungen erst einmal abzulehnen. Lass dich also dadurch nicht entmutigen!
Ein Beispiel, wo es mal besser funktioniert hat, ist nicht unbedingt verallgemeinerbar. Deshalb wird dir hier niemand einen sicheren Tipp bezüglich einer geeigneten KK geben können.
Da du sowieso einen Wechsel vorhast, würde ich an deiner Stelle dorthin gehen, wo dein neuer (noch nicht amtlicher) Name von Anfang an akzeptiert wird. Grundsätzlich ist es Krankenkassen und anderen Einrichtungen nicht verboten, vorab den neuen Namen zu verwenden, verpflichtet sind sie dazu allerdings nicht.
Meine Krankenkasse (BKK) hatte sich anfangs diesbezüglich auch geweigert, weil sie es angeblich nicht dürften. Erst als ich sie aufforderte, mir die konkrete Vorschrift zu nennen, auf welcher diese Entscheidung basiert, lenkten sie ein – eben, weil es eine solche Vorschrift nicht gibt. Inzwischen habe ich eine Versichertenkarte, die meinem äußeren Erscheinungsbild entspricht.
Dir wünsche ich viel Erfolg auf deinem Weg!
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

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