Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg
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Anne-Mette
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Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 4. Nov 2017, 20:44

Moin,

nach Krankheit und Reha soll meine Frau etwas für ihre Fitness tun.
In der Zeitung entdeckte sie vor ein paar Tagen einen Bericht über ein Studio in Flensburg (Balance Feminin), das auf seine Jubiläumsangebote hingewiesen hat.
Da wir gerne etwas zusammen machen wollen und allein das tägliche Fahrradfahren für eine ältere Dame wie mich wohl zu wenig Sport und Bewegung ist, wurde der Beschluss gefasst: da fahren wir mal hin, um uns zu informieren.

Wir wurden auch sehr schneidig und freundlich willkommen geheißen und herumgeführt.
Dann ging es mit der Servicekraft in einen abgeschlossenen Besprechungsraum, wo über die näheren Einzelheiten gesprochen werden sollte.
Andere Interessentinnen durfte allerdings in einem offenen Bereich an kleinen Tischen ihre Informationen bekommen - und sicherlich den einen oder anderen Vertrag unterzeichnen.
Neben allgemeinen Informationen und der mehrmals geäußerten Lobeshymne auf das eigene Studio meinte die Frau, wir müssten noch etwas besprechen, guckte mich mehr oder weniger von oben bis unten an und sagte, ich könnte mir schon denken...

Meine Krankenkassenkarte und weitere Auskünfte über mein Geschlecht waren ihr nicht genug. Sie wollte tatsächlich wissen, "wie ich denn ausgezogen im Vergleich mit meiner Frau aussehen würde".
Sie meinte, da wäre dann noch einiges abzuklären mit der Chefin wegen der "ausländischen Sporttreibenden" und wollte sich später telefonisch melden.
Ich bat allerdings um eine Email und gab ihr meine Karte, wohl wissend, dass ich erst einmal nicht telefonisch erreichbar war.

Allerdings gab sie uns als Empfehlung mit auf den Weg, ein anderes Studio (ohne "feminin") zu wählen, das wäre auch ganz toll und würde auch zur Firma gehören.
Durch die Blume gab sie uns zu verstehen, dass wir aber doch zuhause duschen könnten/sollten.

Mit dieser Behandlung bin ich nicht besonders zufrieden*; einiges, was die Frau sagte und fragte, fand ich sogar völlig unpassend und übergriffig.
Ihr Verhalten brachte meine Frau später richtig in Rage, wir sind aber im Studio höflich geblieben und ich habe sie auch nicht gefragt, wie sie denn ausgezogen aussieht.

Da lobe ich gern einmal wieder den bisher sehr freundlichen Umgang, der von den Betreibern des Schwimmbades in Glücksburg gepflegt wird.
Da habe ich bisher immer ein offenes Ohr gefunden - und da gibt es sogar eine "neutrale Toilette" (smili)

Ach ja - eine Email vom Fitness-Studio ist bisher noch nicht gekommen )))(:

Gruß
Anne-Mette

*sehr milde ausgedrückt

MichiWell
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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 2 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 4. Nov 2017, 21:46

Anne-Mette hat geschrieben:
Sa 4. Nov 2017, 20:44
[...] Sie wollte tatsächlich wissen, "wie ich denn ausgezogen im Vergleich mit meiner Frau aussehen würde". [...]
Au Backe! Das sagt mir, dass es noch ein sehr langer und harter Weg ist, bis Menschen wie wir in der Gesellschaft wirklich angekommen sind.
Ich wünsche euch zwei, dass ihr bald etwas anderes findet, und du bald positiv berichten kannst.

Liebe Grüße
Michi
Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen. (Ernst Ferstl)

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Michelle_Engelhardt
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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 3 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Sa 4. Nov 2017, 22:21

Oh je, auf der Website wirbt man mit "kompetenten Mitarbeitern" und "überdurchschnittlicher Kundenfreundlichkeit".
Das war ja wohl nix :(
Habe meine Ernährung umgestellt. Chips und Schokolade stehen jetzt links vom Laptop!

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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 4 im Thema

Beitrag von Svetlana L » So 5. Nov 2017, 06:05

Es ist eine Frechheit, wie man sich auch heute noch behandeln lassen muss. :((a
Wie Michi schon schrieb, es ist noch ein langer Weg ist bis sich Akzeptanz, Respekt und Gleichstellung durchsetzen.
Anne-Mette hat geschrieben:
Sa 4. Nov 2017, 20:44
Neben allgemeinen Informationen und der mehrmals geäußerten Lobeshymne auf das eigene Studio meinte die Frau, wir müssten noch etwas besprechen, guckte mich mehr oder weniger von oben bis unten an und sagte, ich könnte mir schon denken...
Da hätte ich gleich gesagt, nein, könne ich mir nicht denken, sie soll doch mal erklären ...
Mit dieser Behandlung bin ich nicht besonders zufrieden*; einiges, was die Frau sagte und fragte, fand ich sogar völlig unpassend und übergriffig.
...
Ach ja - eine Email vom Fitness-Studio ist bisher noch nicht gekommen )))(:
Ich gehe mal davon aus, dass dieses Studio für euch sowieso erledigt ist, aber schreib' doch direkt an die Leitung des Studios und frage unter Hinweis auf das diskriminierende Verhalten der Mitarbeiterin und den Anspruch auf 'kompetente Mitarbeiter' und 'überdurchschnittliche Kundenzufriedenheit' nach, ob das bei denen so üblich wäre und was nun Sache sei. Evtl. hilft ja auch der dezente Hinweis, die Antidiskriminierungsstelle über das übergriffige Verhalten der Mitarbeiterin zu informieren.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

Anne-Mette
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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » So 5. Nov 2017, 08:41

Moin,

die Angelegenheit zeigt mal wieder, wie wichtig eine Weiterbehandlung des Themas ... im Schwimmbad und beim Sport ist - denn, wie schon an anderer Stelle angesprochen: was nutzen Dir Bescheinigungen und Karten, die Deinen Namen und Dein Geschlecht ausweisen, wenn "die Praxis" dann ganz anders aussieht.
Den Vorgang an sich fand ich sehr verletzend; immerhin war es die dritte Servicekraft, die sich um uns "kümmerte" und uns sogar - ganz im Gegensatz zu den anderen potenziellen Kundinnen ins abgeschlossene "Hinterzimmer" bat.
... aber vielleicht hatte das seinen Grund.

Gruß
Anne-Mette

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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 6 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » So 5. Nov 2017, 08:42

Ähnliches habe ich in verschiedenen Fitnessstudios erfahren müssen.
Nach meiner rechtskräftigen Pä/Vä hatte ich schon mal den Vorsatz abzunehmen unter Einbezug sportlicher Betätigung.
Da ich mich selbst nur zu gut kenne, weiß ich das alles was ich sportlich alleine in Angriff nehme, nach kürzester Zeit zum sterben verurteilt ist.
Ich bin ein typisches Herdentiere.
Niemand in meiner Umgebung wollte etwas machen, egal in schwimmen, laufen oder andere Sachen.
Also Fitnessstudio.
Die Ernüchterung kam sehr schnell.
Ich war in keinem reinen Lady Fitness, nur in allgemeinen Studios.
Einzelumkleiden/Duschen hab es nirgends, auch nicht für evtl körperlich behinderte Personen.
Ich wurde immer gefragt nach der Beschaffenheit zwischen den Beinen.
Hier und da hätte ich einen Vertrag machen können, allerdings ohne nach dem Sport die Duschen zu benutzen.
Auch ich bekam zu hören dass man schließlich auf ausländische Mitglieder Rücksicht nehmen müsste.
Zweimal wurde mir sogar gesagt dass ich mich zuhause in Sportkleidung werfen möchte um die Umkleideräume nicht zu benutzen.
Ich habe es schlichtweg aufgegeben, frustriert bis in den Boden.
Schwimmbad gibt es kein Problem.
Wenn ich meine Gaop hinter mir habe werde ich evtl nochmal einen Angriff auf Fitnessstudio nehmen, allerdings auf keines in dem ich vorher diskriminiert wurde.

LG Tatjana

PS: ich wurde nicht einmal in ein geschlossenes Zimmer gebeten, es wurde immer am Eingangstresen gesprochen. Nicht nur einmal wurde da das Gespräch von anderen Sportlern unterbrochen, bzw. angehört da sie warteten bis sie dran waren.

Noch etwas habe ich vergessen.
Mir wurde zweimal angeboten doch einfach die Herrenumkleide/Duschen zu benutzen.
Der Hinweis auf meinen auch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu übersehenden Busen wurde weggewischt, einmal mit,
das ist doch etwas anderes, was mich doch sehr zum staunen brachte, und einmal mit,
gewissermaßen sind sie ja ein Mann, dann sollte es doch kein Problem für sie darstellen die Herrenduschen zu verwenden. Außerdem gibt es ja viele Männer die eine Männerbrust aufgrund Übergewicht haben.
Das zieht einem dann doch den Boden unter den Füßen weg.

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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 7 im Thema

Beitrag von Jenina » So 5. Nov 2017, 10:18

Liebe Anne-Mette,

wirklich befremdlich dieses Erlebnis. Es wäre durchaus angemessen gewesen, die Angestellte zu fragen wie sie denn "ausgezogen aussieht". Da frage ich mich wie sie denn einen körperlich behinderten Menschen "befragt" (wie von Tatjana angesprochen).

Fitnesszentren als Zuchtanstalt für "schöne Menschen"; ist es das was man da will? Das gemahnt mich ziemlich an eine Dunkle Zeit, wo die Modellkörper eines Arno Breker oder die Filmgestalten einer Leni Riefenstahl als einzig gültiges Vorbild dienten, alles andere "verschwand" irgendwann auf mörderische Weise.

Es gibt noch viel zu tun...

Jenina
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

Michelle_Engelhardt
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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 8 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » So 5. Nov 2017, 10:43

Der Laden hat auch eine Facebook-Seite. Es juckt mir ja ziemlich in den Fingern, aber ich möchte Anne-Mette nicht diskreditieren und halte mich zurück.
@Tatjana: Schade, das auch Du solch üble Erfahrungen machen musstest. Eine Freundin von mir ging auch vor einigen Jahren in ein Fitnessstudio in Garmisch Gelsenkirchen (damals noch ohne VÄ/PÄ und GAOP). Der Betreiber stand zu 100% hinter ihr, selbst als zwei, drei ewig gestrige Weiber ihren Vertrag gekündigt und das Studio verlassen haben....das scheint aber wohl eher die Ausnahme zu sein.
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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 9 im Thema

Beitrag von Frauke » So 5. Nov 2017, 10:49

Leider sehr traurige Berichte aus der Praxis. Mit der vielbeschworenen Toleranz oder gar Anerkennung sieht es eher schlecht aus. Und ja, die beschriebenen Verhalten sind übergriffig, teils schon frech und gehen so gar nicht.

Chrissie
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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 10 im Thema

Beitrag von Chrissie » So 5. Nov 2017, 11:10

Hallo, ich finde das Verhalten der Angestellten auch sehr daneben.
Ich verstehe zwar die Bedenken, gerade im Hinblick auf muslimische Frauen, man hätte das aber anders rüberbringen können.
Meine diesbezüglichen Erfahrungen waren da eher positiv, in der aktuellen Fittnessbude stört es keinen, in der davor hatte man mir einen extra Raum zum umziehen angeboten.

Es geht also auch so.

Bei so einem Verhalten wie oben, hätte ich versucht mit den Damen einen Konsenz zu finden.

Allerdings - Anwesende ausgeschlossen - ich habe auch schon mal erlebt, wo jemand ohne OP mit Hinweis auf den Ausweis darauf bestand die öffentliche Umkleide und die Frauenduschen zu nutzen.

Das geht in meinen Augen allerdings auch nicht.
Ich stelle mir gerade vor eine Muslimin oder eine cis Frau, die früher einmal vergewaltigt worden ist, geht in die Umkleide und da kommt ihr dann eine Person entgegen, die untenrum eindeutig als Mann zu identifizieren ist und das noch nackt.
Das kann je nach Fall zu erheblichen psychischen Schäden führen!
Da sollten wir sich so tollerant sein, dass wir , solange noch keine OP vorliegt, auf Duschen und möglichst auf grosse Umziehaktionen verzichten. Man muss nicht aufgestylt im Rock und Bluse zum Sport und sich dann dort komplett umziehen, es geht auch anders.

Gegenseitige Rücksicht hilft sicher beiden und ich denke, dass kann man sicher auch solchen Mitarbeitern wie oben beschrieben deutlich machen.

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.

ascona
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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 11 im Thema

Beitrag von ascona » So 5. Nov 2017, 11:15

Mit Fitness Studios habe ich auch Erfahrung , und möchte meine Meinung dazu mitteilen.
Man muss unterscheiden zwischen "Lady-Fitness" und normalen (offenen) Fitness Studios.

Das Problem bei "Lady-Fitness" hat erstmal gar nichts mit Trans* zu tun. Die basieren ja darauf, daß sie Frauen einen Raum bieten, wo sie überhaupt nicht - also nicht nur beim umkleiden/duschen - sondern beim ganz normalen Sport treiben nicht von Männern gesehen werden. Und genau hier besteht meiner Meinung das Problem ! Ich finde das ein übertriebenes, hysterisches Gehabe. Ich finde es schade, wenn man die Geschlechtertrennung so weit treibt, habe dafür kein Verständnis. Logisch ist dann aber, daß diese Studios keine Transfrauen aufnehmen, da brauchst du dich nicht wundern, Anne-Mette.

Ich bin ein Mann und in dem Fitness Studio, das ich am besten kenne, gibt es viele "ausländische" Mitbürgerinnen - gemeint sind ja wohl eher solche aus dem islamischen Kulturkreis (egal welcher Staatsangehörigkeit). Falls ich die als solche erkenne, dann sind von denen fast alle normal angezogen, das kann in Sportkleidung auch durchaus mal knapp, hübsch sein. Mein Gott ! Ist doch normal und positiv, deswegen wird keine belästigt. Ganz selten ist mal eine mit langer Hose, Ärmeln oder sogar mit einem Kopftuch beim turnen. Auch das stört niemanden.

Also soweit - nichts mit Trans* zu tun.
Aber das Problem der Diskriminierung von Transfrau bei normalen Fitness studios wie ihr es beschrieben habt, stimmt schon.
Bei Schwimmbädern ist es wohl geringer, weil es Einzelumkleide gibt. Dann braucht es "nur" noch etwas Courage vom Schwimmbadbetreiber, dass er beim duschen von allen (Bio-)Frauen die Toleranz einfordert.
Es wäre gut , wenn die Fitness Studios auch so mutig wären, und bei klarer Transsexualität (auch ohne GAOP), euch einfach als Frau akzeptieren würden.
Einschub: ja, mit dem duschen kann man ja irgendwelche Kompromisse schliessen, so wie das die andern hier gemeint haben.
Jenina hat geschrieben:
So 5. Nov 2017, 10:18
Fitnesszentren als Zuchtanstalt für "schöne Menschen"; ist es das was man da will?
Jenina, das stimmt nicht. Die nehmen dick und dünn, schön und hässlich. Und die Motivation der Mitglieder (und Ohneglieder - Kalauer :P ) ist ganz unterschiedlich : gesund bleiben, Muskelzuwachs, fit, abnehmen, Unterhaltung, vielleicht manche auch "schöner" werden.

Grüssle, Ascona
Zuletzt geändert von ascona am So 5. Nov 2017, 12:12, insgesamt 1-mal geändert.

ab08
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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 12 im Thema

Beitrag von ab08 » So 5. Nov 2017, 11:39

Hallo, liebe Anne-Mette,

herzliches Beileid. (flo) (flo) (flo)

Komm ja momentan viel rum - Bei mir verstärkt sich inzwischen der Eindruck, dass die Zeiten nicht einfacher werden.
Menschen sind heute - deutlich mehr als früher - bereit, Respekt & gute Sitten zu vergessen und nur nach ihren Vorurteilen zu handeln.
Das war in den letzten Jahrzehnten doch oft anders. - Humanismus, christliche Werte usw. hatten da noch größeres Gewicht.
Wir werden lernen müssen, angemessen damit umzugehen, und trotzdem weiter verantwortlich zu handeln.

Liebe Grüße
Andrea )))(:

P.S. Alles Gute und gute Erholung für Deine liebe Frau. (gitli)
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 13 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 5. Nov 2017, 12:02

Hallo Ascona,

ich bin ganz deiner Meinung. Ein normaler Umgang von Frauen und Männern, ein Miteinander ist Alltag, Teil unserer Kultur und Identität. Neben dem zunehmenden Einfluss aus dem muslimischen Kulturkreis sehe ich aber auch die aus der sogenannten "neuen Welt" herüberschwappende, und medial geschürte Angst der Frauen vor den Männern als problematisch. Ich finde, dass unsere offene und tolerante Gesellschaft sehr darunter leidet, und gerade auch die Akzeptanz von Menschen wie uns nicht verbessert wird, wenn ständig herumposaunt wird, dass alle Männer nur triebgesteuerte Monster und potentielle Vergewaltiger sein würden. Und glaubt man bestimmten Leuten, würden sich Perverse in Frauenkleidern in Damentoiletten einschleichen, um über arme unschuldige Frauen und Mädchen herzufallen.
Nee, diese Entwicklung ist schon ziemlich krank. Das will ich nicht, das ist nicht meine Welt. :((a


Hallo Chrissie,

du hast sicherlich Recht damit, dass manche Frauen in der sogenannten Damenumkleide wohl nicht gern mit einem entblößten männlichen Genital konfrontiert werden wollen.

Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass es MzF-TS wichtig ist, das ungeliebte Anhänsel großartig "öffentlich" herumzuzeigen, wenn sie doch selbst ein Problem damit haben. Die meisten werden wohl ganz von selbst das Bedürfnis haben, nur im Höschen zu duschen, weil sie sich nicht "richtig" fühlen, so lange sie noch keine GaOP hatten. Ich denke daher, dass eine entsprechende Bitte seitens des Betreibers, den Slip beim Duschen mit Rücksicht auf anwesende Frauen anzulassen, ein angemessener Kompromiss sein dürfte, mit dem alle Beteiligten zufrieden sein könnten. (vielleicht mit Ausnahme von ein paar sehr wenigen Extrem-Hysterikerinnen)

Ich als als "nur Teilzeitfrau" würde es jedenfalls so halten, wenn ich in die Situation käme. Ja, ich habe früher schon ausgibig darüber nachgedacht "was wäre wenn", als ich mich gefragt habe, was mit mir ist, und wie viel ich will / wie weit das wohl bei mir gehen wird.

Aber vielleicht melden sich da noch mal ein paar Betroffene zu Wort, in wie weit ich da mit meinen Gedanken richtig/falsch liege. :?:


Liebe Grüße
Michi
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Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis

Post 14 im Thema

Beitrag von Eisfee » So 5. Nov 2017, 14:47

Endlich mal ein Thema zu dem ich vielleicht auch ein bisschen was beitragen kann.
(yes)

Am Anfang meiner Transition war ich sehr, sehr lange in der Herrenumkleide und Dusche. Und zwar so lange, bis die Herren dort mich teilweise schon wieder rausschicken wollten, weil ich dort falsch wäre.
Das war ein Megaspießrutenlauf jedes mal, da die mich irgendwann wohl tatsächlich nur noch als Frau eingeordnet haben und meinen Besuch in deren Umkleide natürlich nicht verstanden haben.
Musste mich dann jedes mal erklären. Irgendwann habe ich auch aus lauter Jux ab und an gesagt, dass die Damenumkleide leider gerade überfüllt wäre und so'n Quatsch eben. Aber nervig ist es trotzdem gewesen so für alle Beteiligten.
:D

Am Ende war ich es aber echt total Leid, mich über diese Weg anderen Menschen gegenüber immer wieder outen zu müssen als Trans. Da habe ich von einer Bekannten erfahren, wie sie das früher gemacht hatte vor der GAOP.
Und zwar wird das Genital einfach geschickt zwischen den Beinen versteckt und die Beine dann leicht zusammengedrückt. Ja, auch beim Laufen!
Ich weiß, das ist nicht soooo einfach und auch nicht so super bequem jetzt, aber das wichtigste ist, es geht! Ich habe es jedenfalls ein wenig geübt zu Haus und auch beim Duschen und bin dann so im Fitnessstudio gewesen ...

... Tjaaaa, nun war es wirklich krass in der Herrendusche. Denn auch die hatten ein paar muslimische Männer dort, die das witziger Weise so richtig dolle gestört hat mit einer Frau zusammen zu duschen. Wer hätte das gedacht.
Es sind also nicht nur die Frauen, die damit eventuell Probleme haben. :D

Als ich das dem Besitzer dann berichtet hatte, hatte der endlich ein Erbarmen. Von da an bin ich also in die Damenumkleide und Dusche und hatte da bis heute niemals irgendwelche Probleme oder komische Blicke oder was auch immer.
Übrigens bin ich rein rechtlich gesehen am Anfang noch als MANN in die Damenumkleide und -dusche! Und das wusste auch der Betreiber. Es hat also wirklich gar nichts mit dem Ausweis oder so zu tun. Sondern nur mit dem wie es eben am besten für ALLE Beteiligten passt.

Generell verstehe ich die Probleme der Studioinhaber aber schon sehr gut. Der Grundgedanke ist in den meistens Fällen sicher nicht die Schikane von Transmenschen, sondern die Harmonie innerhalb der Mehrheit seiner Besucher/Mitglieder. Es ist also aus meiner Sicht eine rein betriebswirtschaftliche Diskriminierung. Was es natürlich trotzdem immer noch eine doofe Diskriminierung sein lässt.

Nichtsdestotrotz bin ich inzwischen der Ansicht, dass der Gesetzgeber hier vielleicht eine Regelung erlassen sollte, dass zum Beispiel jede Dusche mindestens einen kleinen abgetrennten Bereich haben muss. Viele Schwimmbäder haben das ja inzwischen auch. Denn das Hauptproblem für die Betreiber und für die Besucher/Mitglieder ist meines Erachtens das gemeinsame Duschen.


Ich finde es auf jeden Fall sehr, sehr schade, dass viele Transsexuelle teilweise
jahrelang auf solche sportlichen Aktivitäten verzichten wegen dieser Probleme.

Anne-Mette
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Re: Geschlecht: Theorie und Praxis - befremdliches Erlebnis bei Balance Feminin in Flensburg

Post 15 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mo 4. Dez 2017, 12:23

Moin,

ich habe abermals gute Erfahrungen mit der Arbeit der Antidiskriminierungsstelle in Kiel gemacht.
Wieder einmal hat Dennis Bunge, der uns auch schon in "MDK-Angelgenheiten" zur Seite gestanden hat, sich um mein Anliegen gekümmert und immerhin erreicht,
dass der Geschäftsführer des Studios mit einem ausführlichen Schreiben geantwortet hat.
Nein: eine Lösung des (meines) Problems gibt es (noch) nicht, aber ich denke, wir haben darauf aufmerksam gemacht, dass es "Regelbedarf" gibt.

Die Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen.

Gruß
Anne-Mette

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