Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"
Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt" - # 2

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Astrid
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 16 im Thema

Beitrag von Astrid » Fr 13. Okt 2017, 16:12

Ich habe auch einen Nachtrag:
Ich rede in meinen Beiträgen oft von "uns". Dabei habe ich oft das unangenehme Gefühl, daß sich nicht alle mit mir in einer Gruppe identifizieren können.
Sind wir, die hier Versammelten überhaupt eine Gemeinschaft, wenn sich für diese Gemeinschaft noch nicht mal ein Begriff finden lässt?

Valerie Bellegarde
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 17 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde » Fr 13. Okt 2017, 16:58

Hallo Astrid,
Deine letzte Frage beantworte ich klar mit ja. Wir sind eine Gemeinschaft, und zwar eine lebendige. Deshalb lebendig weil hier permanent über irgendetwas gestritten wird, aber das sind alles nur Petitessen, oft nur Streit um des Kaisers Bart, um Namen, Bezeichnungen, Etiketten, diese Deutungshoheiten sind jedoch immer nur temporär gültig und bald wieder vergessen, wozu sollte man sie sich auch merken? Die Welt ist bunt, und Begrifflichkeiten sind nicht dauerhaft relevant. Was uns aber sehr stark verbindet ist eine gemeinsam erfahrene outgroup rejection, der wir aufgrund unserer generellen Orientierung seitens der gesellschaftlichen Majoritäten ausgesetzt sind und die uns zusammenhält. Für viele, wie z.B. Anne-Mette und andere Aktivisten ist das auch Anlass für ihre politische Kärrnerarbeit, vor der ich den Hut ziehe.

Valerie

Astrid
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 18 im Thema

Beitrag von Astrid » Fr 13. Okt 2017, 18:21

Ich danke Dir Valerie,

der Außenseiterstatus als Band der Gemeinschaft - klingt betrüblich, ist aber wohl so.
Das läßt aber nur zwei Wege offen: Entweder sich zu sich selbst zu bekennen und das eigene Ich zu stärken, oder aber einfach in das Lager der Majoritäten zu wechseln.

Die Tätigkeiten der Aktivisten habe ich nie infrage gestellt. Ich habe größten Respekt davor.

Liebe Grüße - Astrid

ab08
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 19 im Thema

Beitrag von ab08 » Fr 13. Okt 2017, 20:04

Hallo meine Lieben,

gestern gründeten wir hier in Nürnberg, den Bezirksverband für Mittelfranken, der politischen Partei "mut" (Abkürzung für mitbestimmen - umsteuern - teilen). *)
Wir stellten uns alle kurz vor. -> Ich stellte mich als - Gymnasiallehrerin - seit 2016 im Ruhestand - transsexuell - vor.
In unserer Partei geht es um eine gleiche Verteilung (m/w) in den Gremien, wenn möglich - da zähle ich natürlich zu den Frauen.
--> Bei meinem 45. Abiturtreffen am letzten Wochenende, dort waren wir leider nur sehr wenige Frauen, war es genauso...

Es ist im Allgemeinen nicht wichtig, /beruflicher Hintergrund und andere Erfahrungen sind meist wichtiger/, aber ich gehe offen mit meiner Transsexualität um.
Es handelt sich schließlich um eine besondere Qualifikation!! - - Übrigens ist für mich aufgrund der historischen Entwicklung, die ursprüngliche wissenschaftliche Bezeichnung "transsexuell" weiterhin der beste Begriff. Wenn jemand einen anderen Begriff bevorzugt ... o.k. ... aber ich bleib in der Regel bei "transsexuell"

Liebe Grüße
Andrea )))(:

*) "Außenseiterstatus":
Den seh ich bei mir heute nirgends mehr. - Bei "mut" bin ich das z.B. genauso wenig wie Homosexuelle, Pfarrer, Menschen mit Migrationshintergrund, ehemalige CSU-Mitglieder, Arbeitslose, Manager usw. usw. -> Wir diskriminieren niemand, denn genau darum geht es ja. -> Je bunter, desto besser, desto breiter wird die Basis... :lol:
--> Wir sind alle Ausländer, fast überall. -- Diesen Satz könnte man auch umformulieren: --> Wir sind alle irgendwie Außenseiter.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 20 im Thema

Beitrag von Daenerys Targaryen » Sa 14. Okt 2017, 08:06

Hallo!

Ich finde, jeder darf sich mit dem identifizieren, was ihm wichtig ist. Ich mag den Begriff "Transmensch" auch nicht, weil der Begriff "Mensch" so allumfassend ist, dass er an das Wort "Trans", mit oder ohne Sternchen gekoppelt, etwas Ausgrenzendes hat. In meinen schwankenden Phasen (die es immer mal wieder gibt) bin ich ein weiblicher oder androgynen Mann, ansonsten bin ich eine Frau, so wie es große, kleine, dicke, dünne, helle, dunkle, europäische und asiatische Frauen gibt, bin ich halt eine transsexuelle Frau. Ich bin auch keine Außenseiterin, die irgendwelche Bande mit allen anderen Außenseitern der Gesellschaft haben soll (wie immer man "Außenseiter" und "Gesellschaft" überhaupt definiert). Warum soll ich zu jedem Menschen eine besondere Verbindung haben, der transsexuell ist? Und wenn "Nicht-Betroffene" mit mir nicht klar kommen, ist das nervig, aber ich kann ja niemanden zwingen, sich mit mir abzugeben. Dafür gibt es viele andere, die null Probleme mit meiner TS haben und mich schätzen. (smili)

Ich glaube, alle Menschen wünschen sich Respekt, Liebe und Anerkennung. Begriffe wie "Transmensch" können helfen, unsere Welt zu verstehen und zu sortieren. Die Herzen von Mitmenschen erobern werden wir damit allein nicht. Vielleicht müssen wir uns dafür sogar ein Stück weit von starren Begriffen lösen (ganz zu schweigen davon, dass wir uns nicht ständig darüber streiten sollten).

Liebe Grüße

Daenerys
Me too.

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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 21 im Thema

Beitrag von Anke » Sa 14. Okt 2017, 10:30

Hallo,

die Begrifflichkeiten in unserem speziellen Kosmos finde ich allesamt als bestenfalls unglücklich. Entsprechend meiner VÄPÄ und den dazugehörigen Gutachten werde ich als transsexuell bezeichnet. Der Begriff geht aus meiner Sicht am Thema vorbei.

Doch im Grunde finde ich das nicht wichtig. Für mich ist wichtig, dass ich mein Leben jetzt endlich so leben kann, wie es mir gefällt und mir gut tut. Bei mir klappt das sehr gut, aber es gibt viele andere, da ist es viel schwieriger und geht nur sehr schlecht.

Da sollte sich etwas ändern und meine Überzeugung ist, dass wenn die Menschen verstehen, dass wir zwar eine Besonderheit haben, aber ansonsten so sind wie alle anderen, dann wird das besser.

In dieser Richtung habe ich unzählige Gespräche geführt und versuche mein Umfeld aufzuklären. Die von uns viel zu oft diskutierten Begriffe spielen dabei praktisch keine Rolle. Viel wichtiger war den Menschen zu verstehen, was sich dahinter verbirgt. Und wenn die Menschen das verstehen und mit mir ordentlich umgehen, dann kann ich gut damit leben, mich als transsexuell zu bezeichnen.

Deshalb ist mein Credo, dass ich lieber raus gehe, aufkläre und dabei diese leider missratenen Begriffe zu akzeptieren, statt zum gefühlt millionstem Mal ergebnislos darüber zu diskutieren. Das klappt sehr gut und das bestätigt mich in meiner Überzeugung.

Zum Ausgangsthema: ich bin davon überzeugt, dass es viel mehr gibt und ich hoffe sehr, dass sich irgendwann jeder offen leben kann und die Dunkelziffer gegen Null geht.

Liebe Grüsse

Anke
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MichiWell
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 22 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 14. Okt 2017, 13:34

Valerie Bellegarde hat geschrieben:
Fr 13. Okt 2017, 16:58
[...] oft nur Streit um des Kaisers Bart [...]
Hallo Valerie, Hallo zusammen,

aber genau das sehe ich als das Problem. Die Außenwirkung die mit diesem Gezänk erzeugt wird, ist fatal. :cry:

Da muss man sich dann wirklich nicht mehr wundern, dass Menschen iel zu oft mit Unverständnis reagieren, und sich fragen, ob die Gesellschaft wirklich 60 oder mehr verschiedene Geschlechter braucht. Ich habe auch noch immer nicht herausgefunden, ob hinter der Geschlechtsidentität "Apache-Kampfhubschrauber" nun ein erntshafter Wunsch steht, vielleicht nur jemand aus unseren Reihen damit aufzeigen wollte, wie unsinnig diese Zersplitterung ist, oder aber schlimmer, Menschen, die uns hassen, damit gezielt Stimmung gegen uns machen wollen. :?

Tatsächlich könnte man mit 6-7 Geschlechtsidentitäten (inclusive der beiden "herkömmlichen") alle Normvarianten hinreichend einteilen, und schon damit würde man Otto und Ottilie Normalverbraucher geistig bis zur Schmerzgrenze fordern. Kein Bio-Mann käme doch auf die Idee, "Machomann" oder "Softimann" als Geschlechtsidentität zu fühlen, genau so wenig wie eine Frau ihr Geschlechtsempfinden als "Hausfrau" oder "Vamp" beschreiben würde. :!:

Ich war gestern wieder in Leipzig, und es war eine Wohltat festzustellen, wie vergleichsweise unkompliziert gerade junge Transmenschen mit ihrer Selbstbezeichnung umgehen können. (ap) Da ist für einen FzM-TS die Bezeichnung Transmensch genau so ok, wie Mann Transmann oder ähnliches. Bei MzF-TS ist es ähnlich, wobei spezielle "Befindlichkeiten" etwas häufiger sind. Aber das liegt vermutlich an den älteren "Vorbildern", die die jungen Mädels nur zu gerne mit ihrem Separatismus impfen. :roll:

Jedenfalls ist das mit ein Grund dafür, dass ich mich den jüngeren Menschen eher zugetan und zugehörig fühle, obwohl diese vom Alter her gut und gerne meine Kinder sein könnten. :wink:


Liebe Grüße
Michi
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 23 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Sa 14. Okt 2017, 13:46

Moin,

da staune ich aber
Tatsächlich könnte man mit 6-7 Geschlechtsidentitäten (inclusive der beiden "herkömmlichen") alle Normvarianten hinreichend einteilen,
Das ist doch auch wieder Einteilerei anderer Menschen (888)
Aber das liegt vermutlich an den älteren "Vorbildern", die die jungen Mädels nur zu gerne mit ihrem Separatismus impfen.
Das ist in meinen Augen eine sehr gewagte These (smili) - und ich konnte bisher in der Praxis nichts feststellen, was diese untermauern und begründen würde.

Gruß
Anne-Mette

MichiWell
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 24 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 14. Okt 2017, 14:22

Hallo Anne-Mette,

ich danke dir für deine schnelle und direkte Antwort. (moin)
Anne-Mette hat geschrieben:
Sa 14. Okt 2017, 13:46
Tatsächlich könnte man mit 6-7 Geschlechtsidentitäten (inclusive der beiden "herkömmlichen") alle Normvarianten hinreichend einteilen,
Das ist doch auch wieder Einteilerei anderer Menschen (888)
Natürlich ist das auch wieder eine Einteilerei.

Aber Menschen sind nun mal so gestrickt, dass sie Einteilungen brauchen, um Übersicht und Struktur zu finden. Auch wenn ich selbst in der Frage eine Einteilung für im Grunde überflüssig halte, finde ich, dass man diesem Grundbedürfnis der Allgemeinheit schon in geeigneter Weise nachkommen muss, ohne aber durch eine zu feingliedrige Einteilung das Gegenteil zu bewirken.
Anne-Mette hat geschrieben:
Sa 14. Okt 2017, 13:46
Aber das liegt vermutlich an den älteren "Vorbildern", die die jungen Mädels nur zu gerne mit ihrem Separatismus impfen.
Das ist in meinen Augen eine sehr gewagte These (smili) - und ich konnte bisher in der Praxis nichts feststellen, was diese untermauern und begründen würde.
Natürlich ist das erst mal nur eine These. Ich bin eigentlich immer in altersmäßig gemischten Trans-Gruppen unterwegs - von 17-70, wobei Transmänner fast ausschließlich jüngeren Alters sind. Die These basiert auf meinen Beobachtungen des Umgangs miteinander. Durch mein ADS kann ich Eindrücke um mich herum nur schwer selektiv wahrzunehmen, was Nachteil aber auch Vorteil sein kann. Ich nehme immer viel viel mehr auf, was sich dann nach und nach, manchmal auch spontan zu einem Bild formt. Auf diese Weise habe ich im Beruf schon mehrfach komplexe Zusammenhänge entflochten, an denen Gruppen von Fachleuten mit ihrem Tunnelblick gescheitert sind. Das sollte jetzt keinesfalls überheblich klingen. Ich wollte dir nur vermitteln, wie ich zu meiner These gekommen bin. Ich erwarte auch nicht, dass man diese sofort unwidersprochen akzeptiert, wollte erst mal nur zum darüber Nachdenken anregen.

Liebe Grüße
Michi
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 25 im Thema

Beitrag von Frauke » Sa 14. Okt 2017, 16:09

Warum sollte ein Mensch auch unwidersprochen eine Fremdbezeichnung annehmen und warum sollte die eigene Definition nicht gelten bzw. durch Fremdbestimmung überstimmt werden? Von mir aus kann sich jede/r bezeichnen (lassen) wie sie/er möchte.

Ich für mich sehe durch die Ergänzung "Trans" vor der Bezeichnung Mensch und/oder Frau eine Hervorhebung meiner Besonderheit, die aber für mich als ganzen Menschen nicht so dominierend ist bzw. sein sollte. Bei keiner anderen Besonderheit/Abweichung/Krankheit/Behinderung usw. wird diese spezielle Eigenschaft so hervorgehoben. Es käme dann wohl eher zu deutlichen Gegenreaktionen. Aber wie schon geschrieben, andere Menschen mögen das für sich gerne anders bewerten und praktizieren.

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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 26 im Thema

Beitrag von JanaH » Sa 14. Okt 2017, 16:33

Im Zuge dieser Diskussion habe ICH für MICH verstanden, die ganze Trans- Beschreibung möchte ich gerne hinter mir lassen.
Das ging sehr flott, ob ich das in einem halben Jahr oder Jahr noch so stehen lassen kann, wir werden sehen.

Liebe Grüße

Jana

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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 27 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 14. Okt 2017, 16:43

Hallo Frauke,

alles im Prinzip nicht falsch.

Doch eine Frage stellt sich mir bei deinen Worten:

Wie kann man auf die Bedürfnisse einer Gruppe aufmerksam machen und spezifische Forderungen stellen, wie soll Gerechtigkeit hergestellt werden können, wenn man die Betroffenen, die Gruppe als solche nicht benennen soll/darf, weil sich die Mehrheit der Gruppe dessen verweigert, und sich ständig wahlweise in Individualität bzw. das Untergehen in der großen Mehrheit außerhalb der Gruppe flüchtet?

Liebe Grüße
Michi
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 28 im Thema

Beitrag von Frauke » Sa 14. Okt 2017, 17:32

Hallo Michi,

auf Deine Frage habe ich keine abschließende Antwort. Es fängt ja schon damit an, welche Menschen in der Gruppe sind bzw. was für grundlegende Bedürfnisse für die Mitglieder der Gruppe wichtig sind. Klar soll es einen kurzen Begriff zur Benennung geben. Alle Unterschiede im Namen aufzuzählen wäre vermutl. zu sperrig. Vielleicht sind die Anforderungen aber auch zu unterschiedlich?

Trotzdem sollte jeder/m überlassen bleiben, ob sie/er so ein Gruppenmitglied sein will. Ich sehe es nicht als Flucht an, außerhalb und unerkannt leben zu wollen, sondern als Lebensentwurf bzw. überhaupt als Lebensmöglichkeit. Und das ist sicher sehr individuell. Jeder Mensch hat doch sein eigenes Leben und manchmal schon viel hinter sich. Es hängt von vielen Faktoren ab, ob immer (noch) die Kraft da ist, weiter zu kämpfen. Ich finde es gut, dass es Menschen gibt, die den Mut und die Kraft haben, in der Öffentlichkeit für eine Sache einzustehen. Es ist aber nicht unbedingt Feigheit/Faulheit, wenn es ein Mensch nicht (mehr) kann.

Liebe Grüße
Frauke
Zuletzt geändert von Frauke am Sa 14. Okt 2017, 18:02, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 29 im Thema

Beitrag von MichiWell » Sa 14. Okt 2017, 17:45

Hallo Frauke,

ein sehr schwieriges Thema.

Wenn jemand partout nicht dazu gehören will, dann ist das natürlich die freie Entscheidung der jeweiligen Person.
Nur finde ich es dann ungehörig, sich über mangelnde Unterstützung zu beklagen, und diese einzufordern.

@all Um möglichen Mißverständnissen vorzubeugen: Damit meine ich keine der Beteiligten in diesem Thread.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Udo Rauchfleisch: "Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt"

Post 30 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » So 15. Okt 2017, 13:46

Moin,

die wichtigste Unterstützung die wir erhalten können, kommt von jedem/r selber. In dem Augenblick, in dem ich mich selber akzeptiere, wie ich bin, habe ich alle Unterstützung, die ich brauche. Alles, was darüber hinaus geht, ist willkommen, aber nicht zwingend. Hört auf, scheinbar fehlende Unterstützung einzufordern. Das bringt nichts.

Insofern ist es müßig, anderen mit einem Begriff erklären zu wollen, wie, was oder wer man ist. WIeso auch ? Wir wollen genau wie jeder andere respektiert und anerkannt werden. Der Schlüssel dazu ist unser Verhalten, nicht unsere Eigenkategorisierung. Ich habe kein Problem mit der Gesellschaft und sie nicht mit mir. Ich habe ein Problem mit mir selber, wenn ich glaube, mich in irgendeiner Weise kategorisieren zu müssen. Es geht mir auch nicht darum, Mann oder Frau zu sein. Ich bin, wie ich bin.

Jeder Begriff erfordert eine Definition. Aber niemand kann wirklich sagen, was ein Mann und was eine Frau ist. Jede Definition ist kulturell beeinflusst und führt zwangsläufig zu einer Ausgrenzung. Und mit Transirgendwas ist das nicht anders. Meine Konsequenz lautet also:

Es muss um die Anerkennung von und den Respekt für alle Menschen gehen. Und genau das ist es, was in den Menschenrechten steht. Dort steht nicht, dass man Menschen einteilen soll, sondern das zu akzeptieren ist, dass Menschen in allen möglichen Formen, Neigungen, Interessen etc. auftreten können.

Was streiten wir uns also um Begriffe ?
Viele Grüße
Vicky

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