Wohin mit Problemen nach der Transition?
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dunkles_sternchen
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Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 1 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » Do 31. Aug 2017, 16:12

Hallo zusammen,

zu Beginn einer Transition erhält man super viele Informationen und Hilfe durch die Foren, Facebook, usw. - ob das nun ganz simple bei der Frage nach dem Psychologen angeht, dem Makeup bis zur GaOP. Man findet dazu Unmengen an Themen und Informationen im Netz. Nur scheint mir, dass dieser "Support-Gedanke" abrupt nach der GaOP abbricht. Das ist schon sehr kurios. Irgendwie scheint man davon auszugehen, dass danach die Transition mit allem abgeschlossen ist. Gedanklich war das immer, um ehrlich zu sein, auch meine Vorstellung.


Nun geht es mir hier nicht darum wiederholt meine ganzen Unzulänglichkeiten darzustellen. Fakt ist, dass meine Dysphorie seitens des Körpers anhaltend groß ist, wenn nicht gar angesichts seiner "Unwilligkeit" verstärkt wurde und somit entsprechend großen Leidensdruck verursacht. Nur stehe ich jetzt mit diesem Problem irgendwie zwischen den Stühlen ...

Psychologe
Wende ich mich an meinen Psychologen, kann der mir zwar zuhören und Dinge abfedern, aber keine Lösung im eigentlichen Sinne anbieten. Die Transition war ja die ursprüngliche Lösung für das Problem Körperdysphorie - nun sitze ich aber wieder da und es hat nicht funktioniert. Ich meine, was soll der sagen außer "sie müssen damit klar kommen" ? Was unterscheidet denn jetzt genau meinen Leidensdruck vor der Transition von dem danach? Im Grunde hätte er da ja schon vor 5 Jahren sagen können, dass ich damit leben muss, dass ich ein Mann bin. Für mich macht das den Eindruck, dass es ein standardisiertes Behandlungskonzept gibt, wo man einfach wie auf dem Fließband reinrutscht und gut. Die Frage nach dem "Danach" existiert gar nicht.

Transforen und Gruppen
Meine zweite Anlaufstelle sind deshalb selbstredend Foren und Gruppen. Nun passiert es hier öfter, dass Probleme wie meine Dysphorie, plötzlich als Kopfproblem dargestellt werden. Vor 5 Jahren war es klar ein Körperproblem, dass mit Hormonen und OPs behandelt werden sollte. Nun stellt der selbe Sachverhalt plötzlich ein seelisches Problem dar, mit dem ich doch zum Psychologen soll. Und obwohl ich öfter auch Menschen getroffen habe, die nach wie vor ein großer Leidensdruck begleitet, wird das gern tot geschwiegen und nicht besprochen.


Unterm Strich ist es so, dass irgendwie niemand zuständig für dich ist. SHGs usw. scheinen nur helfen zu wollen, wenn man Papier ausfüllen muss oder Kleidungstipps austauscht. Der Psychologe ist in der Situation maßlos überfordert und mehr als "Belastungsstörung" oder irgendeine traumatische Diagnose kommt dann in der Regel nicht zusammen. Man muss halt damit leben.

Was denkt Ihr denn darüber?

LG Sternchen

Explorer
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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 2 im Thema

Beitrag von Explorer » Do 31. Aug 2017, 16:35

Soweit bin ich noch nicht... Ich versuche es aber doch mal zu verstehen: Geht es dir darum, dass du nach wie vor mit den "männlichen Resteigenschaften" deines Körpers zu kämpfen hast, und dich deshalb noch immer nicht ganz angekommen/angenommen fühlst? Hmm, das Gefühl kann ich nachvollziehen denke ich. Vor allem, weil du jetzt auch nicht mehr darauf hoffen kannst, dem mit Hormonen, OPs oder so bekommen zu können. Und leider wirklich nicht mehr viel bleibt, als sich zu arrangieren.
Zugegenermaßen ist mein Nickname etwas unpersönlich. Ihr könnt mich auch Sara nennen.

dunkles_sternchen
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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 3 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » Do 31. Aug 2017, 16:57

Naja, was heißt "männliche Resteigenschaften". Bis natürlich auf den Brustaufbau und die GaOP ist doch mein Körper zu 99% der gleiche. Ein Busen allein macht ja aus einem männlichen Körper keinen weiblichen - zumindest ist das meine Meinung. Ich bin da vielleicht sehr genau, aber allein die Hautbeschaffenheit ist total anders - zumindest bei mir. Mein Mom, Schwester, Freundinnen haben so tolle glatte Haut und wenn ich dann meine sehe ... trotz Epilation und Pflege. Um nur ein Beispiel von vielen anderen Dingen zu nennen.

Es geht mir dabei nicht um Schönheitsideale oder so - sondern einfach um den weiblichen "Durchschnittskörper" und der weicht auch ohne Brust und Genital erheblich von dem ab, was ich mein eigen nennen darf und dabei bin ich nicht groß und habe bereits einen eher unauffälligen, schlanken Körperbau. Haut trotzdem nicht hin, wenn ich es so plump ausdrücken darf. Es hat sich da viel Neid und Frust in mir angestaut, der dann auch durchaus mal in aggressiven Bemerkungen äußern kann ... das meine ich dann nicht so, aber ich bin halt auch nur ein Mensch.

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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 4 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 31. Aug 2017, 17:26

Ich habe mit Transition nichts am Hut, aber für mich klingt das danach, dass Du Dich selber nicht annehmen kannst. Und das meine ich jenseits der Geschlechterfrage. Kannst Du Dich vor einen Spiegel stellen und sagen: "Ich bin ein toller Mensch." "Ich habe einen tollen Körper, weil er so vieles für mich tut" oder "Ich liebe mich" ?

Für mich ist das die Grundvoraussetzung dafür, dass man sich in seinem Körper wohl fühlen kann. Ich glaube persönlich, dass es zuerst auch nicht darauf ankommt, welches Geschlecht man hat oder verkörpert, sondern zuerst, diesen Körper, diesen Geist und diese Seele anzunehmen, wie sie ist. Man hat nichts anderes.

Nicht falsch verstehen. Ich meine damit nicht, dass Geschlechtsfragen nicht von Bedeutung seien. Im Gegenteil, sie sind sehr wichtig, aber man kann mit seinem Körper machen, was man will, man wird damit nicht glücklich, wenn man sich selber nicht annehmen kann. Ich bin davon überzeugt und habe es an mir erfahren, dass die positive Bejahung des eigenen Lebens die entscheidende Grundlage ist, Zufriedenheit zu erfahren. Wie viele Menschen lassen an sich herum schneiden, spritzen und was weiß ich sonst noch alles machen, ohne damit zufrieden zu werden ?

Was nützt eine Frau, wenn sie ihre Vulva operieren lässt, damit sie etwas anders aussieht ? Außer den Hoffnungen, die sich schnell auflösen, gar nichts. Sie wird dadurch kein anderer Mensch. Die Unzufriedenheit bleibt. Im Gegenteil, auch diese "Schönheit" vergeht.

Ich glaube, man lernt viel, wenn man ältere Menschen betrachtet, die mit ihrem Leben zufrieden zu sein scheinen. Das hat nichts mit Aussehen und nichts mit Geld oder Status zu tun. Sie haben gelernt, dass man manches ändern kann und manches nicht. Sie haben gelernt, sich selber zu akzeptieren und zu lieben. Bei mir hat es "klick" gemacht als ich erkannte, dass mein Körper ein Wunderwerk ist. Was er alles kann, ist geradezu unglaublich. Ich habe gelernt, ihn zu respektieren und zu achten. Seit dem fühle ich mich als anderer Mensch.

Das ist definitiv nicht die ganze Wahrheit, besonders wenn ich sehe, dass es Menschen gibt, die zutiefst unglücklich mit ihrem Körper sind, dass sie sogar eine GaOp mit allen Mühen und Risiken in Kauf nehmen. Wenn aber danach die Fragen weiter gehen, war das offensichtlich noch nicht alles, was man genauer betrachten muss. Sind es wirklich die äußeren Merkmale, die von Belang sind oder ist es nicht vielmehr das eigene Innere, die eigene Gesamtheit, die in Frage gestellt wird ?
Viele Grüße
Vicky

dunkles_sternchen
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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 5 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » Do 31. Aug 2017, 17:46

Ich kann das natürlich auf mich beziehen und mit meiner Seele bzw. meinem Geist habe ich keine Probleme. Im Gegenteil. Das war natürlich über die vielen Jahre viel, viel Arbeit. Gerade eine offene Selbstreflexion kann manchmal sehr schmerzhaft sein, wenn man Fehler gestehen muss, Reue zeigt und bereit ist an sich zu arbeiten ... ich könnte da natürlich ewig ausholen und philosophieren. Ist denn völlige Zufriedenheit nicht auch zugleich Stillstand? Ich meine, Unzufriedenheit ist es doch, die uns Menschen immer wieder dazu antreibt etwas besser zu machen, neue Wege zu finden. Wenn sich alle zufrieden zurücklehnen und sich auf Lorbeeren ausruhen, würde ja nichts mehr voranschreiten ...

Insofern war ich nie vollkommen zufrieden und möchte es auch nicht sein. Ein gesundes Maß an "piekenden Nadeln" finde ich durchaus als sehr wichtig.

Aber das wollte ich nicht wirklich diskutieren und wie ich das bereits anklingen ließ, erhalte ich sehr oft genau diese "Empfehlung" mich lernen anzunehmen. Nur bleibt da für mich die entscheidende Frage: WOZU DANN TRANSITION??? ... ich meine, wenn ich die Gabe besäße mich bedingungslos lieben und annehmen zu können, wäre jede OP und jedes Gramm Hormone überflüssig! Worum geht es denn dann? Ich verstehe es nicht. Wenn man das kann, braucht man doch nicht am Körper "rumzubasteln".

Für wen genau ist denn das ganze TSG-Gedöns entwickelt worden? Für Menschen, die sich annehmen können? Die brauchen das doch nicht und die, die es nicht können, werden wohl eher selten alle Baustellen am Körper beseitigen damit. Vielleicht wenn man sehr jung ist oder die HRT extrem gut anschlägt. Das mag jetzt irgendwie doof klingen, aber dafür, dass ich nur ein Leben habe, ist mir das zu viel Kompromiss und Rumeierei. Ist doch völlig menschlich, dass man sich da nach Eindeutigkeit und Harmonie sehnt.

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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 6 im Thema

Beitrag von Delfinium » Do 31. Aug 2017, 18:06

dunkles_sternchen hat geschrieben:
Do 31. Aug 2017, 16:57
Naja, was heißt "männliche Resteigenschaften". Bis natürlich auf den Brustaufbau und die GaOP ist doch mein Körper zu 99% der gleiche. Ein Busen allein macht ja aus einem männlichen Körper keinen weiblichen - zumindest ist das meine Meinung. Ich bin da vielleicht sehr genau, aber allein die Hautbeschaffenheit ist total anders - zumindest bei mir. Mein Mom, Schwester, Freundinnen haben so tolle glatte Haut und wenn ich dann meine sehe ... trotz Epilation und Pflege. Um nur ein Beispiel von vielen anderen Dingen zu nennen.

Es geht mir dabei nicht um Schönheitsideale oder so - sondern einfach um den weiblichen "Durchschnittskörper" und der weicht auch ohne Brust und Genital erheblich von dem ab, was ich mein eigen nennen darf und dabei bin ich nicht groß und habe bereits einen eher unauffälligen, schlanken Körperbau. Haut trotzdem nicht hin, wenn ich es so plump ausdrücken darf. Es hat sich da viel Neid und Frust in mir angestaut, der dann auch durchaus mal in aggressiven Bemerkungen äußern kann ... das meine ich dann nicht so, aber ich bin halt auch nur ein Mensch.
Ich frage mich langsam echt was für dich "Weiblichkeit" bedeutet? Du musst dich damit abfinden dass durch die Transition kein perfektes Ergebnis entstehen kann.

Nach dem Bild was du im Chat gepostet hast war mir und den anderen Personen schonmal klar dass du ein schönes weibliches Gesicht hast. Deinen Körper beschreibst du in diesem Thread als schlank und recht groß bist du auch nicht also scheinst du von deinem Körperbau auch erstmal eher weiblicher zu sein und wie du im anderen Post geschrieben hast wirst du auch häufiger von Männern angesprochen die dich attraktiv finden.
Also fassen wir zusammen. Feminimes hübsches Gesicht, schlanker Körper, wirst öfters von Männern angemacht. Klingt doch ganz gut oder?

Ich glaube du bist wohl ziemlich weiblich und wie ich gesagt habe... ein perfektes Ergebnis kannst du nicht erzielen. Dass deine Haut nicht so weich ist, ist zwar schade aber erfreu dich doch an den Dingen die dich weiblich aussehen lassen anstatt an Dingen die dir zu männlich wirken denn für mich und für die Männer die dich ansprechen wirkst du ohne jeden Zweifel einfach weiblich. Punkt.

Da muss ich Vicky Recht geben, bzw. nochmal fragen ob dein Problem nicht doch darin liegt deine körperlichen Macken zu aktzeptieren?

dunkles_sternchen
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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 7 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » Do 31. Aug 2017, 18:22

Ich habe geschrieben, dass ich nicht groß bin ... gibt aber auch super viele Männer, die eher kleiner und schlank sind. Für mich hat das so gar nichts mit Weiblichkeit zu tun. Und einfach nur vom Gesicht auf den Körper schließen halte ich für sehr, sehr gefährlich - das ist alles reine Spekulation!

Man könnte es auch umgekehrt sagen: Im Bikini am Strand würde ganz sicher kein Mann mehr gucken. Vielleicht skeptisch ja. Darum vermeide ich Situationen, wo ich meine Kleidung ablegen muss. Kleider machen Leute und ich weiß nach den Jahren, wie ich mich kleiden muss, um gerade sowas wie fehlende Taille und Hüfte wenigstens etwas zu kaschieren. Im Bikini oder gar nackt würde jeder "Depp" herausfinden, dass meine Vergangenheit keine eindeutig weibliche ist. Und genau das macht mich unzufrieden und traurig. Wenn ich ohne Kleidung vorm Spiegel stehe, ist das maximal ein Trauerspiel.

Und ich merke auch hier, dass das Thema wieder die typischen Züge annimmt, weshalb ich sowas eigentlich seit Jahren vermeide.
Es war halt ein Versuch Wert - ich dachte ich finde heute nach so langer Zeit bessere, klarere Worte - aber offensichtlich gelingt es mir nicht.

Clara.M
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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 8 im Thema

Beitrag von Clara.M » Do 31. Aug 2017, 18:29

Hallo dunkles Sternchen,

Erstmal bewundere ich DIch, wie weit Du schon gekommen bist - davon bin ich noch Meilen entfernt.
Dass das Ergebnis Deiner Transition nicht optimal ist, ist sehr schade - soweit ich mir das vorstellen kann.

Allerdings schreibst Du auch von "Belastungsstörung", Schwierigkeiten mit Deiner Familie und traumatischen Erfahrungen.
Auch wenn alle diese Probleme nicht unbedingt miteinander verwoben sind, macht doch jedes Problem die anderen Probleme noch größer oder schwieriger auszuhalten. Vielleicht wäre es daher sinnvoll, die Probleme erstmal getrennt voneinander zu betrachten - und unabhängig von der Transition? Alles gleichzeitig anzugehen ist eine recht große Aufgabe.

Gerade bei Traumata habe ich miterlebt, wie sie noch nach Jahrzehnten große Schwierigkeiten und Belastungen erzeugen, wenn sie nicht aufgelöst wurden. Mit Trauma-Experten ist es aber durchaus möglich, sie zu verarbeiten (das kann auch nicht jeder Psychologe). Für die anderen Probleme gilt sicher Ähnliches.

Was ich meine ist: VIelleicht musst Du nicht so sehr an Dir arbeiten, sondern kannst eher ein Problem nach dem anderen angehen.

Liebe Grüße und alles Gute,
Clara.

Delfinium
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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 9 im Thema

Beitrag von Delfinium » Do 31. Aug 2017, 18:29

Dann noch eine kurze Frage. Was erwartest du von uns?

Alex
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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 10 im Thema

Beitrag von Alex » Do 31. Aug 2017, 18:36

Hallo,
ich kann das schon irgendwie nachvollziehen Sternchen. Ich hoffe auch, dass mein Körper noch sehr viel weiblicher wird durch die Hormone usw. Aber es bleibt einem (leider) nichts anderes übrig, als zu lernen, das zu akzeptieren was sich nicht verändert wird oder durch OPs veränderbar ist.
Das liest sich jetzt wahrscheinlich blöd: Es gibt auch viele "biologische" Frauen, die keine gute Figur haben und im schlimsten Fall sogar einen eher maskulinen Körperbau. Die sind da vermutlich auch größtenteils nicht grade besonders zufrieden damit.
Wie Delfinium auch schon sagte: Ich finde, dass du ein total schönes feminines Gesicht hast. (Das würde ich nichtmal hinbekommen, wenn ich mich perfekt schminke)
Meiner Meinung nach, macht das Gesicht fast das Meiste aus :) Natürlich ist der Rest jetzt auch nicht TOTAL nebensächlich, aber das klingt zwar jetzt vielleicht hart: wenn du den Rest nicht verändern kannst, was willst du da machen außer lernen damit zu leben ohne, dass es dich zerfrisst?
Wirklich einen Rat hab ich leider auch nicht für dich :(
Aber ich wünsch dir auf jeden Fall, dass du das irgendwie hinbekommst :)

LG, Alex

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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 11 im Thema

Beitrag von Mina » Do 31. Aug 2017, 18:52

Das Problem, was Du hast und beschreibst, ja....das Feinstoffliche!

Die Forschung und die "göttergleiche" Medizin ist noch nicht soweit. Zwar können sie durch HRT und GaOP viel erreichen und durch plastische Chirurgie sogar noch mehr. Dein Chromosomensatz und Deine DNA bleiben aber männlich. Es ist bei Menschen immer so, das unterschiedlich auf die inneren Schwingungen gelauscht wird. Und das meine ich nicht esoterisch.

Es ist aber fakt, das einige Menschen mehr in ihrer Eigenresonanz schwingen, und dies auch bemerken, als andere.

Du bist ganz augenscheinlich, nach Deinem Berichten, ein Mensch welcher sehr deutlich wahrnimmt, was der Körper schwingt. Natürlich hört sich das sehr abgespaced an, aber hast Du eine logische Erklärung warum das nicht so sein soll?

Dein Geist sagt: Ich bin ein Weibchen
Deine DNA sagt: Ich bin ein Männchen

Psychologen können immer nur Wege aufzeigen und Wegweiser sein. Sie können Dich beratschlagen mit welcher Taktik Du jenes und welches Problem/Aufgabe lösen kannst.
Sie können aber nicht:

- Deine Gefühle fühlen
- Deine Gedanken "sehen"
- Dein Leben leben
- Deine Entscheidungen treffen

Das ist meiner Ansicht nach das gefährliche an einer Transition. Ebenso wie bei "leichten Drogen". Wie Marihuana zb. Die einen sagen es ist besser als Alkohol und andere gehen daran kaputt. Und der Vergleich hinkt nicht. Denn es kommt immer auf den Menschen an, wie er fühlt und wie er Impulse wandelt. Der eine agressiv, der andere bedacht.

So hart sich das vielleicht nun ließt. Aber die perfekte Transition ohne Knochen zu kürzen, plastische Chirurgie durchzuführen und eine ganzheitliche psychologische Wandlung durchzuführen, gibt es nicht.

Oder warum ist die sexuelle Orientierung bei den meisten gewandelten Personen Homosexuell? Also, ehemals Biomann welcher nun Frau ist steht auch immernoch auf Frauen. Die wenigsten auf Männer.
Das ist unlogisch. Denn Biohomosexuelle sind im Vergleich zu Transheterosexuellen eher die Minderheit hinter den Bioheterosexuellen.

Eine interessante Feststellung, nicht wahr? )))(:
Sei was Du bist. Lebe was Du fühlst. Öffne Dich für alles Friedliche und lebe.

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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 12 im Thema

Beitrag von Nobbi56 » Do 31. Aug 2017, 19:52

dunkles_sternchen hat geschrieben:
Do 31. Aug 2017, 17:46
Wenn sich alle zufrieden zurücklehnen und sich auf Lorbeeren ausruhen, würde ja nichts mehr voranschreiten ...
Ich glaube, da hast du den Beitrag von Vicky_Rose missverstanden; mMn hat sie es eher im Tenor dieses Bonmots gemeint:

http://www.gutzitiert.de/zitat_autor_re ... 10352.html

Vl. (ich vermute sogar, sehr wahrscheinlich) wird es irgendwann in ferner Zukunft möglich sein, sich seinen "Wunschkörper" - jedweden Geschlechts - auszusuchen (man braucht ja "nur" sein Idealmodell aus der Retorte zu züchten und mit seinem Gehirn zu vernetzen - och, Kleinigkeit :lol: ); ob man das ethisch begrüßen und wirklich gut finden soll, wenn nur noch lauter Tom Cruise und Raquel Welch (sorry, bin schon was älter^^) herumlaufen, ich weiß es nicht, aber wanyne, keiner von uns hier wird das erleben. Ist das nun Glück oder Pech???

Und unzufrieden darf man/frau natürlich mit allem und jedem sein - problematisch wird es nur, wenn man an der Diskrepanz zwischen "Ist" und "Soll" verzweifelt und daran stark leidet, und das scheint mir bei dir der Fall zu sein :( Da sollte man sich wiederum auf die zitierte "Lebensweisheit" besinnen, wie ja hier schon viele andere User/innen auch empfohlen haben. Und ist solche Art "Pragmatismus" - Stand des medizinisch hier und heute Machbaren - nicht letztlich "alternativlos"?
Nur bleibt da für mich die entscheidende Frage: WOZU DANN TRANSITION???
Bin davon selbst auch nicht betroffen, würde aber meinen, diese Frage kann nicht pauschal und allgemeingültig beantwortet werden, sondern nur von jedem/jeder Einzelnen nach seiner/ihrer wohlüberlegten Entscheidung. Das sind immer höchstpersönliche Gründe, die von Person zu Person verschieden sein mögen.

Ich bein kein TS, könnte mir aber denken, dass es für viele Menschen, die sich dazu entschließen, einfach wichtig ist, alles an verfügbaren Optionen zu nutzen, um das körperliche Geschlecht so weit wie möglich dem gefühlten anzugleichen! Und der Literatur habe ich entnommen, dass bewusst der Begriff "Angleichung" statt - wie früher - "Umwandlung" gewählt wurde, weil Letzeres eben - Stand hier und heute - nicht möglich ist. Und "angleichen" kann man manches, aber eben nicht alles wie z. B. die Hautbeschaffenheit oder den Körperbau (Becken etc.!).

Deshalb wird jede TS-Frau damit leben müssen - Stand hier und heute :wink: -, dass sie eben weiterhin signifikante Unterschiede zu einer "Bio-Frau" aufweisen wird. Ich denke aber, das dürfte den meisten, wenn nicht sogar allen TS vor der OP/Hormonbehandlung bewusst sein und auch, dass der Erfolg individuell unterschiedlich ausfallen kann (auch und wohl gerade der Hormonbehandlung, da eben doch jeder Körper anders reagiert). Es ist immer ein Wechsel auf eine ungewisse Zukunft. Aber wer nicht wagt...

LG N.

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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 13 im Thema

Beitrag von ab08 » Do 31. Aug 2017, 20:20

dunkles_sternchen hat geschrieben:
Do 31. Aug 2017, 17:46
Für wen genau ist denn das ganze TSG-Gedöns entwickelt worden?
Hallo Sternchen,

:oops: mit "Depression" kann ich ebenso wie mit "Migräne" persönlich wenig anfangen, denn ich hatte so etwas nie und kann mich daher kaum einfühlen. :oops:
Tut mir wirklich leid und ich bitte alle ganz herzlich, dies zu entschuldigen...

-> Zu obiger Frage möchte ich mich aber trotzdem äußern. Deine Folgerungen kann ich so leider nicht nachvollziehen. -> Das "TSG-Gedöns" hilft Menschen wie mir sehr. Natürlich wurde ich kein anderer Mensch. Aber Epilation (Laser + später Nadel) und langjährige HET halfen mir. Glatte Haut + vorzeigbarer Busen (Regelmäßig bei der Kosmetik, deren Urteil hat bei mir Gewicht) Durch die GAOP ist untenrum alle soweit o.k. - So bin ich nun mit den Äußerlichkeiten meines Körpers durchaus zufrieden. (Bin mit 185cm recht groß, aber Models waren für mich nie Vorbild. Ich bewundere Simone de Beauvoir, Emmy Noether, Bertha von Suttner, Clara Zetkin usw. usw.) --> Bzgl. Sexualität: ich war vor der GAOP bisexuell und hinterher auch, nur der Schwerpunkt verschob sich Richtung männlich. -- Ansonsten bin ich ja älter, hab erwachsene Kinder und lebe auch gern allein. (Denk gerade an einen Spruch meiner Mutter, welche ihre letzten 5 Jahrzehnte auch allein lebte und bisweilen meinte "Ich leb allein und hab es gut, weil niemand da, der mir was tut!")
--> Ich bin jedenfalls mit meinem Leben, zudem neuerdings auch die GAOP gehört, genauso, wie bisher ablief, sehr zufrieden. - Ich akzeptiere inzwischen sogar, dass ich meine Kinder zwar nicht austragen, aber zumindest zeugen konnte. - Aber das ist nun, mit 66, auch fast egal. :wink:

Liebe Grüße
Andrea, )))(:

die nur klarstellen wollte, dass es auch anders aussehen kann :!:

P.S. Wer mich trotzdem unsensibel als umoperierten "Mann" sieht, was ich wirklich nicht bin, den stelle ich innerlich auf die Stufe anderer Rassisten...
Populismus /Homophobie/Transphobie findet heute leider Anhänger, die findet man auch bei facebook...
Zuletzt geändert von ab08 am Do 31. Aug 2017, 20:34, insgesamt 3-mal geändert.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 14 im Thema

Beitrag von Jaddy » Do 31. Aug 2017, 20:25

Mina hat geschrieben:
Do 31. Aug 2017, 18:52
Dein Geist sagt: Ich bin ein Weibchen
Deine DNA sagt: Ich bin ein Männchen
Tja, ich wollte eh mal fragen, was das eigentlich bedeutet. Vielleicht kann mir das jemand beantworten. Wie fühlt sich das an? Woran genau merkt man, dass man "Mann" oder "Frau" ist? Welche Eigenschaften, Aspekte oder was auch immer sind es, die man ausschliesslich "als Mann" oder "als Frau" leben kann?
Oder geht es allein darum, von der Umwelt nach Geschlechterrollen behandlet zu werden, also das zu zementieren, was seit Jahrzehnten von Feministinnen aller Geschlechter in Frage gestellt und bekämpft wird?
Und wie geht man damit um, wenn man trotz männlicher Biologie nicht als prototypischer Kerl oder trotz weiblicher Biologie nicht als Tussi behandelt werden will?
Aber wie gesagt; ich hab echt das Verständnisproblem. Wie fühlt sich das an, "Mann", bzw. "Frau" zu sein, unabhängig vom Körper?

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Re: Wohin mit Problemen nach der Transition?

Post 15 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen » Do 31. Aug 2017, 20:28

Das Problem ist sicherlich vielfältig und ich erwarte hier ganz sicher keine Lösungen - eher vielleicht eine Antwort wohin ich mit meinen Sorgen gehen kann.

Meine Familie stand und steht immer hinter mir. Ich könnte mich nicht entsinnen diesbezüglich von Problemen gesprochen zu haben?! Das Problem sind auch nicht die anderen, sondern halt mein Körper. Und meine Traumata sind ja eben diese, die eigentlich entscheidende Schritte nach vorn definieren sollten - allem voran meine Brust-OPs und die GaOP. Das alles ist 2-3 Jahre her und in meinem Kopf spielen sich tägliche die Szenen aus den Kliniken ab - sehr deutlich mit etlichen Details - so als hätte man einen Film zig Mal geschaut und kennt die Dialoge auswendig. Nicht etwa als schlimme Erfahrung - eher als Schlüsselszenen, in denen ich Hoffnung hatte, dass jetzt was entscheidendes passiert ist. Im Nachhinein geistern diese Szenen immer wieder durch mein inneres Auge, lassen mich schlecht schlafen, ständig weinen ... und ich werde sie auch nicht mehr los. :cry:

Und ich wiederhole das jetzt wirklich nochmal: Es ging mir nie um eine perfekte Transition, sondern schlichtweg um Veränderungen. Und mein Körper hat sich nie verändert. Ich habe den Käse doch akribisch gemessen. Irgendwann nach 3 Jahren habe ich wütend meinen Notizzettel zerrissen und habe hysterisch gelacht. Leider finde ich die Seite auf englisch nicht mehr "Measure your transition" ... da stand noch, welche Maße man notieren soll - Zahlen lügen halt nicht. Und ich weiß auch noch, wie wir uns damals die Brustmaße ständig zugeschickt haben, weils ja so aufregend war ... irgendwann war ich einfach nur traurig, dass bei mir überhaupt nix passierte. Anderen sind die Haare gewachsen, sie konnten die toll färben usw. - meine sind ausgefallen ... nix mit ausgeflippter Frisur oder rote Haare.

Ich konnte leider nur 100% schlechte Erfahrungen sammeln, was das angeht. Über die 5 Jahre ging körperlich eins nach dem andern den Bach runter und irgendwann dachte ich, mich will wer verarschen. Das hat aus mir eine extrem negative Person gemacht, die allem und jedem misstraut. Das leugne ich nicht! Mein Psychologe ist damit auch maßlos überfordert. Letztes Mal meinte er "sie könnten auch mal etwas Glück gebrauchen" ... ich meine, der sieht jeden Tag Elend und wenn der sowas raushaut, dann muss man schon mal schlucken.

Mir geht es nicht darum mein Schicksal hier als das schlimmste überhaupt darzustellen - ich versuche nur darzulegen, warum ich SO geworden bin.
Und ich meine "die letzte Lösung" für solche Probleme kennen wir alle. Nach langer Arbeit an mir ziehe ich aber das Leben vor und bin auch bereit weiterhin dafür hart zu arbeiten.

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