Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?
Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

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Astaria
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Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 1 im Thema

Beitrag von Astaria » Mo 21. Aug 2017, 12:27

Hallo liebe Forumsgemeinde,

ich wende mich nun an euch, da ich nach Antworten suche, nach einem Weg, was auch immer, da ich selbst nicht mehr weiß was überhaupt mit mir los ist. Ich verstehe mich selbst und meine Gefühlswelt nicht. Ich fühle mich gefangen in meinem Körper, ich versuche auszubrechen, kann es aber nicht.

Erst mal zu mir selbst, ich 32 Jahre alt, körperlich männlich und seit etwas über zwei Jahren soweit auch glücklich verheiratet. Ich liebe meine Frau und habe furchtbare Angst sie zu verlieren.

Ich habe früh gemerkt, dass ich anders bin als meine Mitschüler, Freundschaften schließen mit Jungs war langer Zeit fast ein Ding der Unmöglichkeit. Ich wurde lange Zeit gemobbt aufgrund meiner Andersartigkeit, die ich selbst eigentlich nicht verstand und auch jetzt nur teilweise verstehe. Manche haben damals schon glaube ich gemerkt, dass etwas bei mir anders ist, manche haben mich als Transe beschimpft, jedoch habe ich zu dieser Zeit noch voll und ganz meine Rolle gespielt. Leider konnte ich es bis vor einigen Jahren nicht beim Namen nennen. Ich fühle mich innerlich als Frau und sehe mich als Frau, jedoch in einem männlichen Körper. Bis etwa als ich 18 Jahre war konnte ich dennoch halbwegs gut verbergen, was in mir vorging, dann jedoch gab es durch diverse Auslöser in dieser Zeit einen ersten Zusammenbruch meiner Maskerade. Ich habe mich selbst immer weniger ertragen, bin in selbstverletzendes Verhalten abgestürzt, hatte lange Depressionen und war auch einige Zeit in Therapie…

Gleichzeitig wandte ich mich zu dem Zeitpunkt auch der Gothic-Szene zu, es war für mich wie ein Schutzpanzer, dort konnte ich ein wenig mehr sein wie ich bin. Ich fing an mich zu schminken, ließ meine Haare lang wachsen usw. dennoch war natürlich klar, ich „bin“ ein Mann. Ich habe mit 18 auch angefangen mein Abitur nachzuholen, konnte endlich stabile Bindungen zu anderen Menschen aufbauen und kam irgendwie damit klar, wie ich bin. So stabilisierte sich dass Ganze ein wenig. Ich fing nach meinem Abitur an zu studieren, brach dieses jedoch nach nur zwei Jahren ab, stürzte erneut in eine depressive Phase aus welcher ich mich jedoch nach etwa einem Jahr wieder irgendwie fangen konnte. Es folgte eine kurze Zeit, in der ich als Hilfsarbeiter in einem typischen Männerbereich im Lager arbeitete, was aber auch nur übergangsweise war.

Auch dort hatte ich aufgrund meiner langsam femininer werden Erscheinung Probleme mit männlichen Arbeitskollegen, aber da sie relativ schnell merkten, dass ich genauso zupacken konnte wie sie, legte sich das Ganze relativ schnell. Dennoch ist da natürlich aufgefallen, dass ich anders bin, mein ganzes Erscheinungsbild wurde mit den Jahren immer weiblicher, ich trage gerne Schmuck, meine Haare sind relativ lang geworden, ich färbte diese irgendwann auch rot, womit ich mich bis heute am wohlsten fühle. Leider bringt mir dass immer wieder verächtliche Blicke ein, ich merke, dass es mir immer schwerer fällt, meine mir zugewiesene Rolle als Mann zu spielen.

Kurz darauf fing ich meine Ausbildung in einem insgesamt stark Frauendominierten Beruf an, ich fühlte mich dort wohl und auch angenommen wie ich bin. Nur mit mir selbst war ich nicht im Reinen, ganz und gar nicht. Ich bin in der zeit auch das erste Mal mit Transsexualität in Berührung gekommen, da ein Bekannter zu dieser Zeit sein Coming-Out hatte, Hormontherapie startete usw. Nunja, ich unterdrückte das Ganze weiter so gut es irgendwie ging, dennoch hat sich mein äußeres Erscheinungsbild immer mehr Richtung weiblich verschoben. Ich wurde deshalb auch schon öfter erst als Frau angesprochen, bevor die Leute bemerkten, dass ich körperlich männlich bin.

Und genau da liegt mein Problem, ich komme gegen diesen Drang einfach nicht an, es ging mir die letzten paar Jahre halbwegs gut, ich lernte vor einigen Jahren meine Frau kennen, welche mich auch in meinem Erscheinungsbild so akzeptierte wie ich bin. Der Sex machte jedoch Probleme.. es fühlte sich in meinem männlichen Körper falsch an, sodass auf sexueller Ebene dadurch alles zum Erliegen kam.

Wenn ich zurückblicke gab es immer wieder Situationen in denen ich mit diesem Konflikt zwischen meinem Inneren und meinem Äußeren in Konflikt gekommen bin, aber ich habe diese Gedanken immer wieder weggedrängt, habe gedacht ich spinne einfach nur..

Nun sind die Gedanken darüber wieder einmal voll da, ich quäle mich damit von Tag zu Tag. Ich blicke in den Spiegel und sehe, das bin nicht ich. Und es wird allmählich immer schlimmer. Nachts liege ich oft wach, denke über all das nach.. ich könnte heulen aber ich verkneife es mir so gut es geht.Ich weiß dass es so nicht mehr weitergeht.

Aber an wen kann ich mich wenden? Ich bin momentan etwas überfordert damit aber ich spüre dass ich mich dem stellen muss.. denn anders geht es nicht mehr..

Im Moment fühle ich mich so allein damit dass ich daher meine Gedanken und Gefühle hier äußern musste.

Liebe Grüße



Anne-Mette
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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 2 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mo 21. Aug 2017, 12:37

Moin,

... und herzlich willkommen )))(:
Aber an wen kann ich mich wenden? Ich bin momentan etwas überfordert damit aber ich spüre dass ich mich dem stellen muss.. denn anders geht es nicht mehr..
Erst einmal gibt es hier sicherlich viele Möglichkeiten, sich auszutauschen.
Eine Selbsthilfegruppe könnte auch hilfreich sein - oder der Besuch einer Beratungsstelle, wie sie z.B. die dgti anbietet.
Auch gibt es Psychologen, die Dir helfen könnten, einer möglichen Transsexualität (oder was auch immer) auf die Spur zu kommen.

Herzliche Grüße
Anne-Mette

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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 3 im Thema

Beitrag von Rabea-Marie » Mo 21. Aug 2017, 13:09

Hallo Astaria,

ich bin gerade mal ein Jahr älter als du und habe meine Weiblicheidentität gerade erst "raus" gelassen bzw. erkannt. So wie du, bin auch ich noch nicht wirklich lange verheiratet und kann mich noch sehr gut an die Angst vor dem outing erinnern!
Letztenendes ist alles gut gegangen und meine Frau akzeptiert unsere neue Situation. Ich gehe jetzt mit einem neuen Lebensgefühl durch die Welt.

Das habe ich zu einem großen teil den netten Menschen hier im Forum zu verdanken! Der austausch und die Möglichkeit meine Geschichte zu erzählen hat mir viel Kraft und Erleichterung verschafft.
Ich denke du bist hier gut aufgehoben und hast einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft auf deinem Weg!

Lg Rabea

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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 4 im Thema

Beitrag von TessaLouboutin » Mo 21. Aug 2017, 13:53

Liebe Astaria (moin) ,

erstmal herzlich Willkommen hier im Forum. Danke für Deinen Beitrag und Deine
Offenheit. Den "Hilferuf" den ich höre, kommt mir sehr bekannt vor, habe ich selbst
einen ähnlichen vor ca. einem Jahr hier abgesetzt (und seitdem viel Hilfe von sehr netten Menschen hier bekommen).
Aus dem was Du schreibst, entnehme ich das Du schon ziemlich gut erkannt hast
was Dich gerade so bewegt. Wichtig ist in erster Linie, das Du (zunächst für dich selbst!) akzeptierst
das Deine Persönlichkeit vielschichtig und damit besonders wertvoll ist.
Erst an diesem Punkt ist man in der Lage Fragen an sich selbst zu stellen
und in der Folge nach Antworten zu suchen (um aus dem Gefängnis auszubrechen).

Das Thema Familie/Kinder ist ein sehr schwieriges und ist oft eines der
emotionalsten auf dem Weg den man geht. Es gibt hier viele Threads
die sich damit differenziert auseinandersetzen.
Und da sind wir auch schon beim Stichwort "Weg". Am Anfang
geht man ihn meist alleine, hat Angst ihn überhaupt zu betreten und
möchte man am liebsten immer wieder zurück in das sichere Haus der gesellschaftlichen Norm.
Doch Deine "zweite Seite" lässt sich nicht unterdrücken, sie will ausbrechen
aus den Mauern die Du selbst gebaut hast. Hier im Forum bist Du genau richtig,
da Dich hier fast alle verstehen und Du Dich nicht rechtfertigen brauchst für Deine
Gefühle. Es gibt hier ein sehr liebes Miteinander und Du wirst sehen, das Dir hier viele helfen
können, um Licht ins Dunkle der Selbstzweifel zu bringen.

Die von Anne-Mette angesprochenen Möglichkeit der Selbsthilfegruppe
oder einer psycholigischen Betreuung ist natürlich völlig richtig, aber
ich sehe dies als Teil des Outingprozesses für den man auch bereit sein muss.
Für mich war (und ist) das Forum ein sicherer und anonymer Ort
der mir sehr geholfen hat meinen Weg Stück für Stück zu gehen
und damit eine Kontrolle darüber haben wie schnell, wohin und wie weit ich
gehen möchte.

Lass Dir Zeit und stelle ruhig Fragen, man wird sie Dir sicher
gerne beantworten.

LG Tessa.

Astaria
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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 5 im Thema

Beitrag von Astaria » Mo 21. Aug 2017, 14:19

Liebe Anne-Mette, Rabea, Tessa,

ja ich spüre dass ich meine Fühler in Richtung eines Weges rausstrecke, wohin das alles geht weiß ich nicht. Die Maskerade nach außen bröckelt und innerlich tobt ein Sturm. Erst gestern war meine Gefühlswelt am brodeln. Ich war mit meiner Frau draußen im Garten, nichts ungewöhnliches.. Doch während ich dann an einem Erdhaufen zugange war um diesen abzutragen, spürte ich diesen Inneren Druck all das rauszulassen. Doch die Mauer die ich mit mir geschaffen habe hat gehalten.. Vllt bin ich eines Tages soweit sie einzureißen.

Die Gefühle zu meiner Frau sind ungebrochen, ich liebe Sie wie am ersten Tag. Dennoch kriselt es in unserer Ehe, sie merkt das etwas nicht stimmt, oft denkt sie wohl darüber nach ob ich eine andere hätte, vor zwei Jahren äußerte sie bereits dass sie Angst hätte ich "könnte eine Frau werden". Ich beschwichtige all das immer wieder, streite ab usw. Doch die Wahrheit was in mir genau vorgeht konnte ich ihr bisher nicht sagen.

Ich verspüre innerlich eine massive Anspannung. Die letzten Jahre war Ruhe, wahrscheinlich weil ich diesen Teil meines Ichs weggedrückt habe. Und nun plötzlich fehlt die Kraft es weiter wegzuschieben. Die Energie dafür ist weg und nun steht hier und die Fassade bröckelt. Es ist als ob ein Schalter umgelegt wurde. Vorher wusste ich darum, arrangierte mich aber irgendwie damit. Und nun plötzlich geht das nur noch mit größter Mühe und Not. War das bei euch auch so?

Jasmine
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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 6 im Thema

Beitrag von Jasmine » Mo 21. Aug 2017, 14:32

erstmal "HERZLICH WILLKOMMEN"
Der Schritt sich hier im Forum anzumelden war gut.

Liebe Grüße Jasmine
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Astaria
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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 7 im Thema

Beitrag von Astaria » Mo 21. Aug 2017, 16:19

Es tut mir auf jeden Fall gut, mich darüber auszutauschen. Allein der Schritt mich hier anzumelden hat Überwindung gekostet. Ich blicke auf mich, mein Leben, meine Vergangenheit zurück. In dieser liegt leider sehr viel Leid. Aber so ganz langsam verstehe ich woher das alles kommt.

Ich habe auch schon darüber nachgedacht zum Psychologen zu gehen, um mir Hilfe in meiner Situation zu holen.

Gleichzeitig habe ich Angst vor dem Weg der vor mir liegt und vor allem davor meine Familie zu verlieren.

MichiWell
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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 8 im Thema

Beitrag von MichiWell » Mo 21. Aug 2017, 18:42

Hallo Astaria,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Vieles von dem was du schreibst, kommt mir bekannt vor, und den anderen hier geht es ebenso. Auch wenn wir alle Individuen sind, und dementsprechend unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und noch machen, so kannst du dir sicher sein, dass du von uns verstanden wirst. Auch mich hat es z.B. eine riesige Überwindung gekostet, als ich mich das erste Mal in einem Forum wie diesem angemeldet habe. Jetzt, nach den Jahren schüttle ich immer noch den Kopf über mich, dass ich es mir so schwer gemacht habe. Es hätte alles viel anders laufen können, wenn ich meine weibliche Seite nicht so verdrängt und verleugnet hätte. Vor 25 Jahren habe ich eine einmalige Chance gehabt - und vertan. Aber das ist nun nicht mehr zu ändern, und ich muss versuchen, nach vorn zu blicken. Du wirst sehen, die Erfahrungen der anderen werden dir die Augen öffnen, und beim Vorankommen helfen, wenn du dazu bereit bist.

Liebe Grüße
Michi
Ich will nicht in Würde alt werden,ich weiß ja noch nicht mal wo das liegt! :D

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie. (Aldous Huxley)

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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 9 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mo 21. Aug 2017, 21:59

Ja Michi, vertane Chancen kennt ja wohl jede(r). Aber ich finde den Gedanken tröstlich, wenn man sich klar macht, dass man damals noch nicht so weit war. Es geht letztlich nicht so sehr darum, was man in der Vergangenheit verpasst hat, sondern was man heute nutzt. Darauf solle mMn der Fokus liegen.

Mir ist schon öfters aufgefallen, wie direkt manchmal ältere Lete sein können. Genau das ist es, sie haben keine Zeit zu verschwenden. Wir auch immer weniger.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 10 im Thema

Beitrag von Astaria » Di 22. Aug 2017, 09:08

Ja vertane Chancen kenne ich auch zu genüge, und ja ich weiß dass ich nicht einmal soweit war mir selbst einzugestehen dass ich anders bin.

Die letzte Nacht war die Hölle, die Gedanken kreisten ununterbrochen und raubten mir komplett den Schlaf.. irgendwann um 5 bin ich dann eingeschlafen, Viertel vor 6 klingelte der Wecker.

Meine Frau erzählte mir wieder von ihren Alpträumen dass ich sie für eine andere verlassen könnte, es treibt sie fast jede Nacht um. Und ich beschwichtige wieder, weil ich ja weiß da ist keine andere.. nur in mir selbst da geht etwas vor sich. Nur weiß sie nichts davon.. Sie ahnt etwas sicher, denn sie fragt mich immer wieder bemerkt dass ich seit langer Zeit oft abwesend bin, in Gedanken versunken bin.

Was für mich natürlich auch immer größere Probleme verursacht ist der Umstand dass ich in einem der größten Arbeitgeber der Stadt, ein Uniklinikum arbeite und dadurch natürlich viele Kolleginnen und Kollegen habe. Diejenigen mit denen ich in meiner Abteilung zusammenarbeite akzeptieren das was von meinem Inneren nach außen dringt bisher, aber natürlich wenn es um Kontakte mit der Technikabteilung, Lager etc geht, sprich die Männer dominierten Bereiche, spüre ich oft die Ablehnung. Wie hier meine Kolleginnen und Kollegen mit einem Outing umgehen würden mag ich mir momentan nicht vorstellen. Die Crux der Geschichte ist dass ein kleiner Teil des Kollegiums direkt mit dem Thema beschäftigt ist, sodass ich hier durchaus auch auf Hilfe stoßen könnte..

Liebe Grüße

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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 11 im Thema

Beitrag von Astaria » Di 22. Aug 2017, 09:25

Das einzige was mir vielleicht gerade ein klein wenig Ruhe verschafft ist dass meine Frau vor anderthalb Jahren bereits einen kleinen Einblick in das Thema um Transsexualität gehabt hat. Sie hat zu der Zeit einen weiteren Schulabschluss nachgeholt, war somit in einer Klasse in der eine Mitschülerin gerade in der Hormontherapie mtf war. Zwar fand meine Frau das alles anfangs auch wie sie sagte seltsam aber im Laufe der Zeit lernte sie sie besser kennen und konnte auch viel Verständnis für sie aufbauen.

Dennoch die Angst bleibt vor dem was da kommen mag.. Und das obwohl es sich als der einzige gangbare und richtige Weg anfühlt.
Zuletzt geändert von Astaria am Di 22. Aug 2017, 13:01, insgesamt 1-mal geändert.

MichiWell
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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 12 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 22. Aug 2017, 12:58

Astaria hat geschrieben:
Di 22. Aug 2017, 09:08
Die letzte Nacht war die Hölle, die Gedanken kreisten ununterbrochen und raubten mir komplett den Schlaf.. irgendwann um 5 bin ich dann eingeschlafen, Viertel vor 6 klingelte der Wecker.

Meine Frau erzählte mir wieder von ihren Alpträumen dass ich sie für eine andere verlassen könnte, es treibt sie fast jede Nacht um. Und ich beschwichtige wieder, weil ich ja weiß da ist keine andere.. nur in mir selbst da geht etwas vor sich. Nur weiß sie nichts davon.. Sie ahnt etwas sicher, denn sie fragt mich immer wieder bemerkt dass ich seit langer Zeit oft abwesend bin, in Gedanken versunken bin.
Die Eifersucht deiner Frau zeigt meiner Meinung nach sehr deutlich, wo das Problem liegt. Sie spürt, dass da eine andere Frau ist, mit der du "etwas hast". Sie hat nur noch nicht gecheckt, dass diese andere Frau in die drin steckt. Wenn ich das rückblickend betrachte wird mir klar, warum mir meine Exfrau womöglich die letzten Jahre vor unserer Trennung Verhältnisse mit nahezu jeder Frau von 16 bis 60 unterstellt hat. Ob das letzten Endes der Grund war, weswegen sie selber mehrfach fremd gegangen ist, oder ob ihre Eifersucht "nur" aus ihrem eigenen Fehlverhalten resultierte, weiß ich natürlich nicht mit Sicherheit. Aber das ist jetzt auch egal. Fakt ist, dass die Eifersucht deiner Frau, auch wenn sie völlig unbegründet ist, über kurz oder lang eure Partnerschaft zerstören wird. Deswegen kann ich dir nur raten: Denk darüber nach, mit ihr offen über deine weibliche Seite zu sprechen. So besteht wenigtens eine Chance für euch und eure Gesundheit. Es kann doch nicht gesund sein, dass ihr beide euch über längere Zeit mit solchen Schlafproblemen herumquält.

Versuche es, immerhin ist das Thema nicht vollkommen neu für sie, und wenn ich von den Problemen mit deinen Kollegen lese, hast du sicher ein paar besondere, für Männer untypische Eigenschaften, die sie an dir schätzen wird.

Wenn du unsicher bist, wie du das Gespräch mit deiner Frau anstellen sollst: Hier gibt es viele Erfahrungen, und du kannst auch gern nochmal Fragen stellen, welche dich bewegen. Antworten bekommst du darauf ganz sicher.


Liebe Grüße
Michi
Zuletzt geändert von MichiWell am Di 22. Aug 2017, 22:38, insgesamt 1-mal geändert.
Ich will nicht in Würde alt werden,ich weiß ja noch nicht mal wo das liegt! :D

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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 13 im Thema

Beitrag von Astaria » Di 22. Aug 2017, 14:07

Ich weiß leider nicht wie ich damit anfangen soll, das Ganze will raus. Wie habt ihr das Thema mit euren Ehepartnern angesprochen? Kam es einfach zu einem Zeitpunkt x heraus oder hattet ihr euch das ganze vorher vorgenommem?

Ja ich denke schon meine Frau spürt das etwas im Busch ist, sie sagt oft dass ich immer mehr in meinen Gedanken versunken bin sodass ich nicht gleich mitbekomme wenn sie etwas sagt. Sie nimmt mein zunehmend weiblicheres Auftreten wahr, akzeptiert es aber bis zum jetzigen Zeitpunkt, da sie mich so auch damals schon kennengelernt hat. Sie sagte mir Mal dass es genau das war in dass sie sich verliebt hat. Vorher hatte sie ganz klassisch Machos, von denen sie immer wieder enttäuscht wurde.. Nun aber stecke ich in der Zwickmühle.. Ich fühle dass ich ausbrechen muss aus meiner Situation, habe gleichzeitig aber Angst davor.

Es gibt hier in der Stadt eine Beratungsstelle für Transgender, welche ich kontaktieren möchte. Und dann sehe ich wohin mich das ganze führt. Aber so wie es aktuell ist, so kann ich immer weniger weiter existieren, der Druck all das rauszulassen wird immer stärker

Liebe Grüße

ULI67
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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 14 im Thema

Beitrag von ULI67 » Di 22. Aug 2017, 14:37

Ja die Zwickmühle kenne ich auch. Ich habe eine Partnerin, die mich so toll unterstützt. Ich will ihr nicht weh tun, denn sie hat mir gesagt wie weit sie mit mir geht und das ist schon traumhaft, aber irgendwie habe ich Angst dass ich ihr irgendwann zu viel werde. Das ganze hat so suchtcharakter, dass es jedesmal eine Qual ist in meine männliche Rolle zurück zu kehren. Ich werde auch Hilfe in Anspruch nehmen und gehe am Mittwoch zur Selbsthilfe nach Stuttgart. Ich muss endlich wissen wer oder was ich bin, auch wenn ich vor dem Ergebnis Angst habe 😔
Mann oder Frau ich weiß es nicht genau 🤔

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Re: Beginn der Selbsterkenntnis oder was ist mit mir los?

Post 15 im Thema

Beitrag von Anja » Di 22. Aug 2017, 14:40

Hallo Astaria,
MichiWell hat geschrieben:
Di 22. Aug 2017, 12:58
Fakt ist, dass die Eifersucht deiner Frau, auch wenn sie völlig unbegründet ist, über kurz oder lang eure Partnerschaft zerstören wird.
Warum unbegründet? Eher im Gegenteil. Da die Frau in ihrem Mann steckt, ist es doch noch schwerer für die Partnerin. Gegen diese Frau kommt sie nicht an.
Und wenn man einen (großen) Teil seiner Persönlichkeit vor seinem Partner versteckt, ist das Betrug. So bald man sich klar wird, was mit einem los ist, sollte man auch mit dem Partner drüber sprechen.
Ich hatte nie das Problem, weil ich mich immer zu Anfang meiner Beziehungen bei meinen Partnerinnen geoutet hab, auch wenn ich da noch keine Begriffe dafür hatte.
Astaria hat geschrieben:
Di 22. Aug 2017, 14:07
Ich fühle dass ich ausbrechen muss aus meiner Situation, habe gleichzeitig aber Angst davor.
Mutig seind heißt nicht keine Angst zu haben, sondern zur Tat zu schreiten, obwohl man Angst hat!
Ich kann dir nur raten: Je früher, desto besser!

Und vielleicht als kleinen Tip: Wenn sie fragt, seit wann du das weißt, wäre ein kurzer Zeitraum besser als ein langer. Du kannst dir sonst sicher denken, wie die nächste Frage lauten wird....

Grüße
die Anja

Nachtrag: Was ich damit sagen will, rede mit ihr, auch wenn du es nicht richtig in Worte fassen kannst. Du kannst deine Gefühle beschreiben / umschreiben, wie du es weiter oben getan hast. Ich persönlich fände es als Partner doof, wenn mein Partner zuerst mit jemand anderem darüber spricht und nicht mit mir...
*staatlich geprüfte Frau*

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