Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.
Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt. - # 2

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Anne-Mette
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 16 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 28. Jul 2016, 23:25

Moin,

wir sollten nicht vergessen, dass Transsexualität und der Umgang mit transsexuellen Menschen und deren Beratung (auch) ein "Geschäftsmodell" für viele Menschen ist.
Es ist eine stetig fließende Geldquelle - wie ein Angeln an einem See, der gut mit "Beute" gefüllt ist. Es muss nur die Angel ausgeworfen werden; einer beißt schon an (smili)
Die Quelle soll natürlich möglichst lange fließen und nicht versiegen. Auch deshalb heißt es "Transgender gelten medizinisch als psychisch krank" – (bis jetzt)
Mit der Streichung von "bis jetzt" tut man sich bei uns schwer; denn es ist noch vielen Menschen nicht klar, was dann "ab jetzt" kommen soll.
Ich glaube, an vielen Stellen ist man froh über unsere Diskussionen und über die "Uneinigkeiten"; denn das sichert weiterhin die Berechtigung der BehandlerInnen auch an den Stellen, wo ihre Tätigkeit (eigentlich) nicht erforderlich ist.
Leider werden viele Themen "aufgeblasen" und ein deutsches "ist eigentlich nicht machbar" wird viele Jahre einfach so übernommen, anstatt mal auf einen Tisch zu steigen, in den Keller zu laufen oder auf einen Baum zu klettern und sich die "Probleme" aus einem anderen Blickwinkel anzusehen.

Die Zwangsgutachterei bei einem Wechsel des Namens und/oder des Geschlechtseintrages (oder ein Verzicht auf den Eintrag eines Geschlechtes) ist QUATSCH - und eine reine Beschäftigungstherapie und (verbotene(?)) Subventionsgewährung für Psychologinnen und Psychologen.
Wenn wir es erreichen könnten, dass alle Menschen solche Änderungen auf dem Antragswege erledigen könnten, dann wäre schon mal ein "Problem" vom Tisch.

Gruß
Anne-Mette



Claudia
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 17 im Thema

Beitrag von Claudia » Fr 29. Jul 2016, 12:20

Moin!
Anne-Mette hat geschrieben:[...] und eine reine Beschäftigungstherapie und (verbotene(?)) Subventionsgewährung für Psychologinnen und Psychologen.
:((a
Sorry, aber das ist nun wirklich QUATSCH. Es gibt viel zu wenig Therapeuten, die sich mit TS auskennen. Und es gibt insgesamt viel zu wenig zugelassene Therapeuten. Die endlos langen Wartelisten werden nicht durch TS-Patienten erzeugt. Oder anders ausgedrückt: Eine Subventionierung hat dieser Berufszweig absiolut nicht nötig.

Wenn ich mir so Deine anderen Äußerungen zu diesem Personenkreisansehe, stellt sich die Frage, ob Du ein persönliches Problem mit diesem Berufskreis hast. Ja, das ist jetzt zugegeben sehr persönlich, aber aber Deine Äußerungen bringen mich dazu. Um es mal ganz deutlich zu sagen: Diese MENSCHEN wollen uns nichts Böses und auch nicht ausnutzen. Sie machen schlicht ihre qualifizierte Arbeit.

LG Claudia
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Anne-Mette
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 18 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 29. Jul 2016, 12:23

Moin,

nicht nett - Du hast leider nur den Teil des Satzes zitiert, den Du wohl am besten "gebrauchen konntest", um Deinen Zorn loszuwerden.

Der Satz lautet - und ich schreibe extra für Dich noch einmal FETT, auf was es ankommt
Die Zwangsgutachterei
bei einem Wechsel des Namens und/oder des Geschlechtseintrages (oder ein Verzicht auf den Eintrag eines Geschlechtes)
ist QUATSCH - und eine reine Beschäftigungstherapie und (verbotene(?)) Subventionsgewährung für Psychologinnen und Psychologen.
Gruß
Anne-Mette

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 19 im Thema

Beitrag von Anke » Fr 29. Jul 2016, 13:36

Hallo,

diese Diskussion haben wir hier schon mehrfach geführt. Was ich dabei überhaupt nicht verstehen kann, ist das jemand versucht etwas als krank zu bezeichnen, obwohl es schlicht und ergreifende keine Krankheit ist. Und zwar nur deshalb, weil die sich vielleicht (und wirklich nur vielleicht) daraus ergebenden Konsequenzen nicht gefallen.
Krankheit ist die Störung der Funktion eines Organs, der Psyche oder des gesamten Organismus.
So oder so ähnlich wird Krankheit üblicherweise definiert. Ich wüsste nicht wo bei Transsexualität die organische oder die psychische Funktionsstörung sein soll. Mal abgesehen davon wird eine psychische Funktionsstörung durch psychologische/psychiatrische Methoden geheilt. Wie wir hoffentlich mittlerweile alle wissen und anerkennen waren die sogenannten Heilungsversuche der genannten Professionen völlige Fehlschläge.

Transsexualität ist daher genauso wenig eine Krankheit wie eine Schwangerschaft oder eine Behinderung. Der Schlagzeuger in unserer Band ist stark conterganbehindert. Mal abgesehen davon, dass er auch mal eine Grippe hat, ist er völlig gesund. Er würde sich auch massiv dagegen wehren, wenn ihn jemand als krank bezeichnen würde.

Weiter vorne hat Claudia geschrieben:
Wer krank ist, braucht Hilfe, wer gesund ist eben nicht
Da muss ich klar widersprechen. Ich kenne niemanden, der nicht schon einmal irgendwelche Hilfe gebraucht hätte. Und manche Menschen brauchen eben mehr Hilfe ohne dass sie dafür krank sein müssen. Mir fallen da spontan Kinder, Schwangere, Behinderte oder Hochbetagte ein.

Transsexuelle Menschen brauchen die Hilfe und Unterstützung ihres Umfelds und der Gesellschaft. Dafür braucht es nicht das Etikett "Krank". Aus meiner Sicht ist es ein völlig legitimes Anliegen diese Unterstützung einzufordern. Dafür brauchen wir nicht das Etikett "krank" als vorgeschobenen Rechtfertigungsgrund.

Liebe Grüße

Anke
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Anne-Mette
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 20 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 29. Jul 2016, 14:20

Moin,
Es gibt viel zu wenig Therapeuten, die sich mit TS auskennen.
Dann solten doch gerade die wenigen Fachkräfte sinnvoll eingesetzt werden und sich nicht auch noch mit den sinnlosen Gutachten wg. Namens- und Personenstandsänderung beschäftigen.
Wir sollten auch nicht vergessen: die wenigen Fachkräfte machen alles und tauchen (fast) überall auf. Sie sind in verschiedenen Gremien vertreten, sind gefragte Gäste auf Veranstaltungen, die sich mit Transsexualität befassen, schreiben an neuen Leitlinien mit...
Da liegt es doch auf der Hand, sie von sinnlosen Aufgaben zu entbinden.

Gruß
Anne-Mette

Frida
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 21 im Thema

Beitrag von Frida » Fr 29. Jul 2016, 18:09

Hallo,

eigentlich sollte das eigentlich allen klar sein, dass Transsexualität keine Krankheit ist. Mir würde meine Therapeutin sofort bestätigen, dass ich psychisch vollkommen gesund bin und die kennt sich wirklich aus, beschäftigt sie sich doch schon lange Zeit mit transsexuellen Menschen. Sie wollte mich von Anfang an auch nicht therapieren, sondern allenfalls unterstützend beratend, begleiten, wenn nötig. Das macht sie auch prima.
Die Therapeuten, die ich kennenlernte, halten von dem jetzigen Procedere meist auch nicht viel und wünschen sich eine baldige Änderung.

Liebe Grüße, Frida
und ein schönes Wochenende allen (flo) ))):s

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 22 im Thema

Beitrag von JaquelineL » Sa 30. Jul 2016, 00:20

Hallo ihr Lieben,

auch wenn es hier zu einer Metadiskussion über Begriffe wird: Bei einer Abweichung sehr weniger Menschen und Erklärungsversuchen, die von einer Abweichung der "Geschlechtsidentität im Gehirn" von den körperlichen Gegebenheiten ausgeht, verursacht durch eine pränatale Störung der Entwicklung, kann man umgangssprachlich durchaus den Begriff "Erkrankung" heranziehen. Zumal es ja auch von den meisten Betroffenen als etwas bewertet wird, das "korrigiert" werden sollte.

Laut Duden ist "eine Krankheit" eine "körperliche [...] Störung, die an bestimmten Symptomen erkennbar ist". Ich finde, dass es das ganz gut trifft. Egal, ob man jetzt die geschlechtliche Ausprägung des Körpers meint (was das Einzige ist, das man heutzutage postnatal ansatzweise ändern zu können meint) oder bspw. die von einigen vermutete (körperliche) Andersentwicklung des Gehirns (nämlich eines Geschlechtsidentität-bestimmenden Teils)(was, unabhängig der tatsächlichen Ursache, bislang postnatal nicht anpassbar ist).

Nach all der Historie der Psychiatrie und Psychologie beim Umgang mit TS kann ich verstehen, dass wir uns nicht in die Ecke "geisteskrank" zurückdrängen lassen wollen - dennoch ist meiner Meinung nach der Begriff (körperliche) "Störung" nicht unangemessen und "Krankeit" im engsten Wortsinn in all jenen Fällen gerechtfertigt, in denen die Betroffenen auf eine medizinische Änderung der Situation hinwirken.

Liebe Grüße
Jackie
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 23 im Thema

Beitrag von Marielle » So 31. Jul 2016, 21:29

Guten Abend zusammen, Jaqueline,
Bei einer Abweichung sehr weniger Menschen und Erklärungsversuchen, die von einer Abweichung der "Geschlechtsidentität im Gehirn" von den körperlichen Gegebenheiten ausgeht, verursacht durch eine pränatale Störung der Entwicklung, kann man umgangssprachlich durchaus den Begriff "Erkrankung" heranziehen.


Das sind ja gleich drei Annahmen auf einmal....... :wink:

"sehr wenige" sind wieviele? Und wer hat sie, nach welchen Kriterien, gezählt? "Geschlechtsidentität im Gehirn" werde ich nicht grundsätzlich in Frage stellen. Nur: Ob das so stimmt, weiss auch keiner so recht. "pränatale Störung" kann sein, kann auch nicht sein; wer weiss.

Ich glaube nicht, dass es gut ist (alle) Haltungen und Meinungen auf Annahmen und Thesen (mehr gibt es doch nicht, wenn wir ehrlich sind) zum 'Warum?' zu gründen. Es muss m.E. vielmehr darum gehen, einen verträglichen gesellschaftlichen Umgang damit zu fördern und auch zu fordern. Und dazu ist ein Krankheitsbegriff nicht so sonderlich gut geeignet (meine Annahme :wink:)

Habt es gut

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 24 im Thema

Beitrag von ab08 » Mo 1. Aug 2016, 12:52

Marielle hat geschrieben: Es muss m.E. vielmehr darum gehen, einen verträglichen gesellschaftlichen Umgang damit zu fördern und auch zu fordern. Und dazu ist ein Krankheitsbegriff nicht so sonderlich gut geeignet (meine Annahme :wink:)
Danke, bin hier genau Deiner Meinung!

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 25 im Thema

Beitrag von Claudia » Mo 1. Aug 2016, 13:07

Moin!
Marielle hat geschrieben:[...]Es muss m.E. vielmehr darum gehen, einen verträglichen gesellschaftlichen Umgang damit zu fördern und auch zu fordern. Und dazu ist ein Krankheitsbegriff nicht so sonderlich gut geeignet (meine Annahme :wink:)
Ja, das ist Deine Annahme. Mehr als Annahmen kann es hier nicht geben. Meine ist eine andere.

Meine Annahme: Mit dem Begriff "Krankheit" verbinden auch sehr viele die Begriffe "Hilfe" und "Unterstützung". Und somit wäre der schon hilfreich für einen verträglichen Umgang miteinander. Fordern kann man ihn sowieso nicht. Icfh habe bisher immer erlebt, dass die Menschen dann reagiert haben mit einem "da muss doch geholfen werden". Und wenn man dann ins Gespräch kommt, ergibt sich meist ein Verständnis und auch Akzeptanz.

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 26 im Thema

Beitrag von Claudia » Mo 1. Aug 2016, 13:14

Moin!
Anne-Mette hat geschrieben:Moin,Dann solten doch gerade die wenigen Fachkräfte sinnvoll eingesetzt werden und sich nicht auch noch mit den sinnlosen Gutachten wg. Namens- und Personenstandsänderung beschäftigen.
Diese wenigen Fachkräfte haben aber auch viele andere Patienten, die behandelt werden wollen und müssen. Die Zeit, die da für Gutachten (nach Deiner Meinung) verschwendet wird, ist da doch minimal.

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 27 im Thema

Beitrag von Marielle » Mo 1. Aug 2016, 14:46

Guten Tag zusammen, Hallo Claudia,
Mit dem Begriff "Krankheit" verbinden auch sehr viele die Begriffe "Hilfe" und "Unterstützung".
Das ist unstrittig. Man kann grade daran aber deutlich machen, warum es sinnvoll ist, 'tätige Hilfe' der Gesellschaft (sprich Kostenübernahme) vom sonstigen gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit trans*-Phänomenen zu trennen.

Der alltägliche Umgang der Mitbürger_innen mit uns ist nicht mehr durchgängig schlecht, ganz im Gegenteil, trotzdem gibt es noch zu viele Stellen, an denen weitere Verbesserungen wünschenswert wären. Es gibt leider Arbeitgeber, die erhebliche Leistungsausfälle befürchten, manche (noch zu viele) Menschen, die annehmen, dass wir eventuell etwas 'gaga' und schwierig in der sozialen Handhabung sind und auch Eltern, die sich Sorgen machen, dass ihr Kind wegen seines trans*-Seins Nachteile hat. Bei all diesen Aspekten ist der Krankheitsbegriff doch nicht hilfreich, sondern ein wesentlicher Teil des Problems.

Wenn Menschen über Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, im Elternhaus oder im Freundeskreis berichten (es gibt hier genug Threads dazu), dann hat das objektiv nichts mit Fragen der Kostenübernahme zu tun. Es hat vielmehr mit Vorbehalten, Vorurteilen oder auch mit Sorgen zu tun, die die soziale und wirtschaftliche Leistungs- und Integrationsfähigkeit von trans*-Menschen betreffen. Im Hinblick darauf halte ich ein allgemeines Verständnis von trans* als Krankheit sogar für absolut kontraproduktiv, wenn man einen verträglichen gesellschaftlichen Umgang damit fördern will.

Das bedeutet aber wirklich nicht, dass ich dafür wäre, alle Klassifizierungen aus den einschlägigen Verzeichnissen mal eben so zu streichen, ohne sich Gedanken über einen adäquaten Ersatz zu machen. Ich sehe natürlich, dass sie im Hinblick auf medizinische Massnahmen eine wichtige Funktion haben. Ich finde es nur ganz klar suboptimal, die oben genannten Folgen im Interesse einer Teilgruppe der Community billigend in Kauf zu nehmen (zumal auch diese Teilgruppe oft genug über Schwierigkeiten im alltäglichen Umgang berichtet), um Teile der eigenen Interessen zu wahren. Man muss im bestehenden System leider fordern bzw. Forderungen formulieren, um ein Stück des Kuchens abzukriegen, diese Forderungen müssen aber nicht unbedingt einseitig und zu kurz gedacht sein.


Letztlich ist es wohl wieder der Punkt, über den ich mich seit Jahren aufrege. Es werden immer wieder Forderungen postuliert, die sich ausschliesslich um Teilgruppen-Interessen drehen, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, eine vernünftige und durchdachte Position zu erarbeiten, die allen (sic!) möglichst gut gerecht wird und sich möglichst gut in die Gesellschaft einpassen lässt. Übersehen wird dabei leider, um wieviel besser und auch schlagkräftiger es wäre, wenn eine breite Koalition von Gruppen / Menschen eine gemeinsame und laut hörbare Stimme zustande bringen würde.


Habt es gut

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 28 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mo 1. Aug 2016, 14:48

Moin,

mir geht es um die Optimierung einer Begleitung und Betreuung von trans- und intersexuellen Menschen.

Mag sein, dass es berechtigte Personen gibt, die Discounter-Gutachten schreiben und die aufgewendete Arbeitszeit einem relativ geringen Entgelt entspricht.
Ich habe allerdings auch von anderen Fällen gehört: "30 Seiten" nannte mir jemand wörtlich.
Wie auch immer: mit Vorbereitungszeiten beträgt sicherlich auch für ein "Gefälligkeitsgutachten" der Zeitaufwand so viel, dass durch eine andere Regelung etwas einzusparen wäre.
Denn:
wir brauchen jede (Psychologen)Hand für andere und wichtige Aufgaben!

Die Situation in Schleswig-Holstein sieht im Moment so aus, dass Monate auf ein Erstgespräch bei einer Psychologing/einem Psychologen gewartet werden muss, wenn es um Transsexualität geht.
Von Folgeterminen will ich gar nicht sprechen.

Insofern halte ich es für sehr wichtig, als ersten Schritt die "rechtlichen Handlungen" von den übrigen zu trennen und zu vereinfachen (einfacher Antragsweg).

Die Aufrecherhaltung eines Krankheitsbildes gewährt uns keine Vorteile.

Gruß
Anne-Mette

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 29 im Thema

Beitrag von ab08 » Mo 1. Aug 2016, 18:34

Danke, liebe Anne-Mette,

das Gutachten meines Erstgutachters ist gründlich, hat 10 Kapitel und umfasst im Kern 24 Textseiten, dazu kommen Literaturverzeichnis, Anlagen usw.
Es war kostspielig. Gut, bin Privatpatientin und es störte mich nicht, obwohl ich es voll selber zahlen musste, in psychischer Hinsicht mal gründlich untersucht zu werden.
So wußte ich wenigstens, dass ich völlig gesund bin. Dies bestätigte auch die Amtsärztin (Ebenfalls FA für Psychiatrie), die mich später, nach erfolgter Zwangspensionierung, gründlich untersuchte.
Diese Untersuchungen dauerten auch mehrere Stunden.

Das Gutachten der Amtsärztin (übrigens in leitender Stellung tätig) war hinterher kurz (nur wenig mehr als eine Seite) und zum Glück sehr deutlich:
Da mir auch körperlich nix fehlte --> Voll dienstfähig - Überdies betonte sie ausdrücklich "Transsexualität ist keine Krankheit!" :wink:
Daher wurde die vorzeitige Versetzung in den Ruhestand rückgängig gemacht. (sic!)

Wenn allgemein bekannt wäre, dass Transsexualität ist eben keine Krankheit ist, hätte ich wahrscheinlich keinerlei Probleme gehabt...

Liebe Grüße
Andrea

Klartext: Für mich ist die Sache also alles andere als eine rein 'akademische' Diskussion!! - Es war mit erheblichem Zeitaufwand (bei mir über ein Jahr) und Kosten verbunden.
Und das alles nur, weil Formulierungen unpräzise und Vorschriften reparaturbedürftig sind.
Ich ging trotzdem über diese baufällige Brücke, weil ich unbedingt hinüber musste, denn ich bin eben "transsexuell"!
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Katarina
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 30 im Thema

Beitrag von Katarina » Mo 1. Aug 2016, 19:15

Hallo

Was ich als Transmensch belastend finde ist, dass ich nicht selbstbestimmt leben und selbstbestimmt meine Veränderung gestalten kann. Ich werde gezwungen Ärzte und Therapeuten aufzusuchen und brauche zwei Gutachten um meinen Vornamen zu ändern. Mir ist das alles viel zu viel Bevormundung. Ich bin erwachsen, stehe mit beiden Beinen im Leben, tragen Verantwortung im Job, aber bei Transthemen habe ich zuwenig Selbstbestimmung. Das finde ich schade.

LG
Katarina
Man muss lernen die Wellen zu reiten.

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