Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.
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Anne-Mette
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Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mi 27. Jul 2016, 16:18

In der Einleitung heißt es

"Transgender gelten medizinisch als psychisch krank – bis jetzt"

hier geht es zum Text:

http://www.bento.de/gefuehle/transgende ... en-741651/

Gruß
Anne-Mette



ab08
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 » Mi 27. Jul 2016, 18:21

Danke, liebe Anne-Mette,

Zitat
"Die Einstufung als geistige Störung lässt Stigmata zu, verhindert die richtige psychologische Betreuung und schafft Barrieren in Politik und Gesellschaft."
Zum Glück gibt es einige Psychiater/Praktiker, die dies ähnlich sehen. Heute morgen wieder mal darüber diskutiert...

Liebe Grüße
Andrea
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Marielle
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 3 im Thema

Beitrag von Marielle » Do 28. Jul 2016, 00:26

Hallo, Guten Abend,

um den ganzen Artikel im Original in The Lancet zu lesen, müsste man (leider) US-$ 31,50 berappen. Es könnte einem das fast wert sein, weil allein die Zusammenfassung zeigt, das manche Diskussionen, die wir hier (in Deutschland) führen (müssen), im Rest der Welt gar nicht erst entstehen. Der Unsinn, der uns hier von noch den kleinsten Fortschritten abhält, wird andernorts nichtmal thematisiert.

Aus der Zusammenfassung auf TheLancet.com:

"Interpretation

This study provides additional support for classifying health-related categories related to transgender identity outside the classification of mental disorders in the ICD-11. The reconceptualisation and related reclassification of transgender-related health conditions in the ICD-11 could serve as a useful instrument in the discussion of public health policies aimed at increasing access to appropriate services and reducing the victimisation of transgender people.
"

Mit meinen begrenzten Fähigkeiten übersetzt:

Diese Studie stellt einen weiteren Grund dar, um die gesundheitsbezogenen Begriffe im Zusammenhang mit trans*-Identität im (kommenden) ICD-11 nicht mehr als zu den psychischen Störungen gehörig zu kategorisieren. Die Neuformulierung und die damit zusammenhängende Neubewertung von Gesundheitsanforderungen von trans*-Menschen im ICD 11 kann als nützliches Instrument in der Diskussion um die Gesundheitspolitik mit dem Ziel einer angemessenen Versorgung von Transgender-Menschen dienen.

Kein Buchstabensuppen-Bullshit, keine kleinkarierten 'Differenzanalysen', sondern nur die Feststellung, dass jede_r nach seinen_ihren Bedürfnissen zu versorgen ist. Und das in einem ziemlich angesehenen Magazin. Prima!

Habt es gut

Marielle
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 4 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 28. Jul 2016, 07:27

So schnell können so viele Menschen mit einem Schlag gesund "gemacht" werden. (ap)
Viele Grüße
Vicky

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 5 im Thema

Beitrag von Anke » Do 28. Jul 2016, 08:10

Hallo,
Marielle hat geschrieben:
um den ganzen Artikel im Original in The Lancet zu lesen, müsste man (leider) US-$ 31,50 berappen. Es könnte einem das fast wert sein, weil allein die Zusammenfassung zeigt, das manche Diskussionen, die wir hier (in Deutschland) führen (müssen), im Rest der Welt gar nicht erst entstehen. Der Unsinn, der uns hier von noch den kleinsten Fortschritten abhält, wird andernorts nichtmal thematisiert.
ich werde mir das Geld sparen. In dem Lancet Artikel sind mit hoher Wahrscheinlichkeit vor allem die Studiendetails und die statistischen Methoden beschrieben, um die Validität der Studie zu belegen.

Ansonsten stimme ich Marielle vollständig zu. Viele Diskussionen, die hierzulande die Gemüter erhitzen, spielen anderwärts nicht die geringste Rolle. Vor allem die allseits beliebte Begriffsdiskussion ist ein primär deutsche Phänomen. Das sollte doch einigen mal zu denken geben, ob das wirklich sinnvoll ist.
Marielle hat geschrieben:Kein Buchstabensuppen-Bullshit, keine kleinkarierten 'Differenzanalysen', sondern nur die Feststellung, dass jede_r nach seinen_ihren Bedürfnissen zu versorgen ist. Und das in einem ziemlich angesehenen Magazin. Prima!
Genau so ist es. Eigentlich ist es ganz einfach und es hilft niemandem es komplizierter zu machen, als es tatsächlich ist.

Liebe Grüße

Anke
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 6 im Thema

Beitrag von Claudia » Do 28. Jul 2016, 14:33

Moin!
Marielle hat geschrieben:[...] Gesundheitspolitik mit dem Ziel einer angemessenen Versorgung von Transgender-Menschen dienen.

[...] sondern nur die Feststellung, dass jede_r nach seinen_ihren Bedürfnissen zu versorgen ist.
Na dann erklär das mal den Leuten, die diese Versorgung bezahlen sollen. Bedürfnisse haben alle Menschen. Welche davon sind so lebensnotwendig, dass sie von der Gemeinschaft getragen werden?

Ärgerlich, nein verletzend, empfinde ich diese permanente Abwehr von Begriffen wie krank oder Störung. Da schwingt dann immer etwas wie "minderwertig" mit. Wer krank ist, braucht Hilfe, wer gesund ist eben nicht. Aber Kranke sind nicht weniger wert!

LG Claudia
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 7 im Thema

Beitrag von Marielle » Do 28. Jul 2016, 16:08

Guten Tag Claudia, Hallo zusammen,

verstehe ich das richtig: Du findest es falsch und verletzend, gegen das Verständnis von trans* (auch Transsexualität) als Krankheit einzutreten? Weil dadurch aus deiner Sicht eine Minderwertigkeit zugeschrieben wird?

Bislang ist doch wohl eher so, dass (wenn überhaupt) eben Aufgrund von Krankheit eine 'Minderwertigkeit' zugeschrieben wird; und nicht aufgrund von Gesundheit.


Der damit immer wieder vermischte Aspekt der Kostenträgerschaft ist ein ganz anderes Thema. Es gibt durchaus Beispiele für die Übernahme von Kosten durch das Sozialversicherungssystem, die zeigen, dass nicht nur lebensnotwendige (zur Abwendung von Tod oder Schmerzen durch körperliche oder seelische Gebrechen) Massnahmen bezahlt werden. Man könnte z.B. entstellte Unfallopfer auch nur im minimal erforderlichen Umfang soweit wiederherstellen, dass sie nicht mehr an ihren Verletzungen sterben; macht man aber nicht. Es ist Konsens, dass da mehr getan wird. Selbst bei Fettleibigkeit gibt es Wege, um Massnahmen 'auf Kasse' zu erhalten, die nicht originärer Bestandteil der Kassenversorgung sind (Fettabsaugung). Und auch seelische Belastungen werden nicht erst behandelt, wenn jemand auf den Gleisen liegt. *


Wenn wir auch nur die Hälfte der Zeit, die wir mit unsinnigen Begriffsdebatten und dem Erdenken von Abgrenzungsargumenten zubringen, für die Erarbeitung und Verbreitung von Konzepten zur Lösung dieser unbestrittenen Problemlage aufwenden würden, wären wir heute schon viel weiter damit; vielleicht sogar schon fertig. Stattdessen werden Unmengen Texte und Thesen fabriziert, um sich abzugrenzen und den eigenen Krankheitsstatus zu verteidigen.

Natürlich wird es am Ende nicht so sein, dass man zum Doc geht und sagt: "Einmal Brüste Cup C, Penis ab und Körperbehaarung wegmachen bitte, die Kasse zahlt". Dafür wird es ein Procedere geben müssen; wie bei allen anderen Leistungen des Sozialversicherungssystems auch. Dieses Procedere muss aber keineswegs darauf basieren, dass erstmal sämtliche Menschen mit trans*-Thema für krank (synonym: behandlungsbedürftig) erklärt werden müssen. Das kann man auch wesentlich individueller regeln. Eventuell mit einer anderen Beschreibung des Bedarfes (Bedürfnisses) und vielleicht einem vernünftigen Gutachter-Verfahren, dass sich nur auf die Ermittlung der Notwendigkeit medizinischer Massnahmen erstreckt. Und, wer weiss, vielleicht kriegt man damit auch zugleich das Besonderheitsbedürfnis mancher Menschen erledigt, ohne damit vielen anderen auf die Nerven zu gehen und deren Bedürfnisse zu ignorieren.

Habt es gut

Marielle


* Das es 'Kostenvermeidungsstrategien' bei Krankenversicherungen gibt, weiss ich auch. Das ist aber kein trans*-spezifisches Phänomen, sondern dem allgemeinen Unfug der Übertreibung betriebswirtschaftlicher Optimierungen gemeinschaftlicher Aufgaben anzulasten.
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 8 im Thema

Beitrag von Claudia » Do 28. Jul 2016, 16:56

Moin!
Marielle hat geschrieben:
verstehe ich das richtig: Du findest es falsch und verletzend, gegen das Verständnis von trans* (auch Transsexualität) als Krankheit einzutreten?
Da hast Du mein Empfinden genau getroffen.
Weil dadurch aus deiner Sicht eine Minderwertigkeit zugeschrieben wird?
Nein, trans* wird im allgemeinen Verständnis keine Minderwertigkeit zugeordnet. Habe ich zumindest bisher nie erlebt.
Bislang ist doch wohl eher so, dass (wenn überhaupt) eben Aufgrund von Krankheit eine 'Minderwertigkeit' zugeschrieben wird; und nicht aufgrund von Gesundheit.
Da hast Du mich eteas falsch verstanden. Du/Ihr ordnet Krankheit die Minderwertigkeit zu, deshalb wehrt Ihr Euch so massiv dagegen. Wenn man aber Krankheit als einen (vorübergehenden) Zustand des menschlichen Lebens begreift, der nicht die Wertigkeit eines Menschen herabsetzt, dann muss man sich eben auch nicht gegen diese Zuordnung wehren. Für mich hört sich das in all diesen Debatten immer so an, als wäre ein Mensch, der von einer Krankheit geplagt wird, weniger wert ist. Ich hab schon mehrfach auch hier im Forum zu dem Thema Aussagen gelesen in der Form: ich bin doch nicht krank, ich bin vollwertig.
Der damit immer wieder vermischte Aspekt der Kostenträgerschaft ist ein ganz anderes Thema.
Nein, dieses Thema ist sehr eng damit verknüpft. Schon jetzt muss man notwendige/hilfreiche Medikamente trotz ärztliche Diagnose und Verordnung selbst bezahlen und für viele lebensnotwendige Hilfsmittel einen hohen Eigenanteil leisten. Das merke ich immer wieder, wenn ich die Jahresabrechnung meiner Apotheke sehe. :( Wenn jetzt TS privatisiert und nur noch als persönliches Bedürfnis definiert ist, dann sagen die bisherigen Kostenträger doch: "Kümmere dich selbst darum, bezahl es selbst. Es ist schließlich dein Bedürfnis." Wir müssen doch schon jetzt um viele Leistungen kämpfen.
(Ein sehr persönliches Beispiel: Meine KK will die Nadel-Epilation der Brust nicht bezahlen, weil die ja nicht öffentlich sichtbar ist, ist ja keine Entstellung.)
Natürlich wird es am Ende nicht so sein, dass man zum Doc geht und sagt: "Einmal Brüste Cup C, Penis ab und Körperbehaarung wegmachen bitte, die Kasse zahlt". Dafür wird es ein Procedere geben müssen; wie bei allen anderen Leistungen des Sozialversicherungssystems auch.
Ein netter Traum, aber eben nur ein Traum. Wobei Du auch hier wieder in das bisherige Muster fällst: Eine Besonderheit des Bedürfnisses ist eine nette Umschreibung für Krankheit, denn was ist das Besondere (=behandlungsbedürftig) daran? Und Du bringst auch wieder die doch so verhassten Gutachter ins Spiel, die darüber entscheiden sollen. Sorry, da sehe ich keine grundlegende Verbesserung zum bisherigen Verfahren. Die Gefahr ist doch eher, dass allen, denen nach jetzigen Verfahren Hilfe zuteil kommen würde, dann mit leeren Händen dastehen.

LG Claudia
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 9 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Do 28. Jul 2016, 17:26

Sind schwangere krank? Nein, kann ich mir nicht vorstellen und trotzdem zahlen die Krankenkassen die Untersuchungen und die Entbindung, weil durchaus Gefahren für Gesundheit und Leben sowohl der Mutter als auch des Kindes bestehen (können). Ähnliches wird man sich dann sicherlich auch einfallen lassen müssen, wenn trans* nicht mehr als Krankheit angesehen wird und der ganze Begutachtersch... weggefallen ist. Nicht trans* an sich ist krank, sondern die durch Anfeindung, Diskriminierung und Gewalterfahrung erlittenen seelischen und körperlichen Verletzungen machen krank. Das ist in meinen Augen ein gewaltiger Unterschied.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 10 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 28. Jul 2016, 17:57

Auch das Deutsche Ärzteblatt schreibt über die Studie: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/69775

Gruß
Anne-Mette

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 11 im Thema

Beitrag von ab08 » Do 28. Jul 2016, 18:12

ab08 hat geschrieben: Zitat
"Die Einstufung als geistige Störung lässt Stigmata zu, verhindert die richtige psychologische Betreuung und schafft Barrieren in Politik und Gesellschaft."
Liebe Claudia,

natürlich sind Kranke nicht weniger wert! Da hast Du völlig Recht und gegen solche Verurteile sollten wir uns wehren!
Da stimm ich Dir natürlich voll und ganz zu!! (yes)

Aber... oben nochmal der entscheidende Satz -> Im Ernstfall kann diese Einstufung eben auch zu heftigen Problemen führen.

--> Personen, die mit der Problematik konfrontiert werden und wenig Ahnung von der Materie haben, können was missverstehen und entsprechend handeln.
Bei mir führte die Bekanntgabe, dass ich transsexuell bin, dazu, dass man annahm, dass ich krank und daher sowohl psychisch, als auch körperlich, meinem Beruf nicht mehr gewachsen sei.
Aus Fürsorge kam es demzufolge zur Zwangspensionierung.

Erst nach vielen Schwierigkeiten, bescheinigte mir eine kompetente Amtsärztin, dass Transsexualität keine Krankheit sei und ich meine Aufgaben daher korrekt erfüllen könne.
Morgen trete ich mit Erreichung der Altergrenze (65 Jahre+8 Monate+5Tage) in den Ruhestand. (Volle Dienstzeit, stets Vollzeit und in den letzten 8 Jahren seit dem dienstlichen CO fehlte ich keinen Tag wegen Krankheit.)

Ich halte es wirklich für wichtig, dass festgestellt wird, dass Transsexualität keine Krankheit ist und dass diese Information allgemein bekannt wird!!!
Dann würden nämlich solche Auswüchse, wie bei mir, wahrscheinlich seltener... :wink:

Liebe Grüße, nix für ungut
Andrea

P.S. Ich kam ja zum Glück auch so durch...
Wenn es nicht geklappt hätte, hätte mich der Spaß "Zwangspensionierung" übrigens über die Jahre bis heute insgesamt netto circa 115 000 € gekostet... :wink:
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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 12 im Thema

Beitrag von Claudia » Do 28. Jul 2016, 18:28

Moin!
Svetlana L hat geschrieben:Sind schwangere krank? Nein, kann ich mir nicht vorstellen und trotzdem zahlen die Krankenkassen die Untersuchungen und die Entbindung, weil durchaus Gefahren für Gesundheit und Leben sowohl der Mutter als auch des Kindes bestehen (können).
Das passt als Vergleich nicht so ganz. Bei allen Vorsorgen und auch der Entbindung selbst geht es um die körperliche Unversehrtheit der Beteiligten.
Svetlana L hat geschrieben:Ähnliches wird man sich dann sicherlich auch einfallen lassen müssen, wenn trans* nicht mehr als Krankheit angesehen wird und der ganze Begutachtersch... weggefallen ist.
Hm, da wird man sich etwas einfallen lassen müssen. Ja, wer soll das tun und was soll das sein? Und was, wenn sich niemand etwas einfallen lässt? Es gibt ja keinerlei Verpflichtung dazu. Die KK sind dazu verpflichtet, sich um Kranke im Rahmen der ärztlich gestllten Diagnose zu kümmern. Aber wenn es die nicht mehr gibt? Wenn es "nur" ein persönliches Bedürfnis ist? Dann gibt es auch keine gesetzliche Verpflichtung mehr zu helfen.

Und Du schließt jetzt wieder die Gutachter aus, die Marielle vorher noch ausdrücklich als Entscheider ins Spiel gebracht hat. Wer soll denn entscheiden, was wie behandelt und bezahlt werden muss? Einigt Euch doch da mal. Das klingt alles für mich sehr blauäugig und nicht zu Ende gedacht. "man muss sich etwas einfallen lassen" ist nicht sonderlich konkret, da wird niemand benannt, da wird kein Rahmen als Ziel definiert. Und hinterher ist das Geschrei groß, wenn alles Bisherige - das zugegeben nich optimal ist - den Bach runtergeht.
Svetlana L hat geschrieben:Nicht trans* an sich ist krank, sondern die durch Anfeindung, Diskriminierung und Gewalterfahrung erlittenen seelischen und körperlichen Verletzungen machen krank. Das ist in meinen Augen ein gewaltiger Unterschied.
Diesen Unterschied sehe ich nicht. Trans* selbst gilt ja als nicht therapierbar, es lässt sich eben nicht wegbehandeln. Behandelt wird der psychische Leidensdruck, für den trans* die Ursache ist. Der wird zum Einen erzeugt durch die von Dir benannten Erlebnisse, auch wenn ich bisher nichts in der Form erleben musste, und vor durch die Inkongruenz zwischen dem geschlechtlichen empfinden und dem eigenen Körper. Da sich dieses Empfinden nicht ändern lässt, bleibt als einzige Hilfe die Angleichung des Körpers an dieses Empfinden. Das nur genannt, um Behandlung nicht auf die rein psychischen Probleme zu beschränken.

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 13 im Thema

Beitrag von Claudia » Do 28. Jul 2016, 18:36

Moin!
Anne-Mette hat geschrieben:Auch das Deutsche Ärzteblatt schreibt über die Studie: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/69775
Da fühle ich mich nur bestätigt. Lies bitte noch einmal den letzten Absatz des verlinkten Artikels.

Ich schreibe hier ja nicht, um andere zu ärgern, sondern weil ich große Bedenken habe. Ich habe bekomme, was ich an Hilfe brauchte, das soll auch anderen erhalten bleiben.

LG Claudia
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exuserin-2017-01-16

Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 14 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-16 » Do 28. Jul 2016, 18:57

Moin moin selbst wenn die Begutachterei wegfällt ,heißt das ja noch lange nicht, dass man durch die gesellschaftliche Ächtung, durch die Probleme mit einer Transition nicht doch krank wird. Wenn dann ein Psychologe /Psychiater F64.0 feststellt (wie auch immer es dann genannt wird) sind die Kassen wieder mit im Rennen. Hoffentlich haben es die Menschen nach uns nicht noch schwerer als wir heute.
LG Uta

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Re: Studie, die sich mit der Identität von Transmenschen auseinandergesetzt.

Post 15 im Thema

Beitrag von Marielle » Do 28. Jul 2016, 22:10

Hallo Claudia, Uta, Hallo zusammen,

Uta schrieb:
... wenn die Begutachterei wegfällt ,heißt das ja noch lange nicht, dass man durch die gesellschaftliche Ächtung .... nicht doch krank wird
Stimmt. Aber das ziemlich drastische Problem mit dem Andrea (ab08) konfrontiert wurde, hätte es ohne das 'Krankheitsbild Trans' vermutlich nicht gegeben. Und viele andere Probleme gäbe es auch nicht.

Ich bin sehr sicher, dass es für alle Menschen mit trans*-Phänomen insgesamt besser ist, wenn man einen allgemein unaufgeregten Umgang, frei von Krankheit, mit uns findet und denjenigen hilft, die Hilfe brauchen. Wie das dann aussehen kann und soll, darüber sollten wir gemeinsam streiten und dann endlich an die Arbeit gehen.


Zum Thema Kosten schrieb Claudia:
Schon jetzt muss man notwendige/hilfreiche Medikamente trotz ärztliche Diagnose und Verordnung selbst bezahlen
Das weiss ich (siehe Fussnote im vorherigen Beitrag) Aber: Bedarf es dann noch eines weiteren Beleges dafür, dass das ganze Thema, sowohl das TSG als auch das Gesundheitssystem als Ganzes, dringend reformiert werden müsste? Und wenn es mit dem TSG und den Kosten jetzt schon nicht funktioniert: Wieso sollte man solchen Unsinn dann noch verteidigen?


Da du auf den von Anne-Mette verlinkten Artikel verweist, in dem steht:

Zitat:"In einigen Ländern sorgt sie (Anm: die ICD-Definition) dafür, dass die Betroffenen bei den kostspieligen Behandlungen zur Geschlechtsanpassung auf finanzielle Unterstützung durch die Krankenkassen hoffen können. Dies würde vielfach entfallen, wenn der Wunsch, ein anderes Geschlecht zu haben, zu einer reinen Privatangelegenheit wird."

Von Privatangelegenheit redet hier niemand! Es geht darum die Sache für alle besser zu machen, es geht darum, gemeinsam darüber nachzudenken, wie möglichst vielen möglichst gut gedient ist.

Wenn du jetzt schreibst: "Ich schreibe hier ja nicht, um andere zu ärgern, sondern weil ich große Bedenken habe." dann verstehe ich das. Allerdings verstehe ich deine Opposition gegen Änderungen am Namens- und Personenstandsrecht, die du hier an anderer Stelle deutlich ausgedrückt hast, absolut gar nicht mehr. Da geht es nicht um Kostenerstattung, viel eher um Kostenvermeidung, und trotzdem bist du dagegen, obwohl es ganz offensichtlich vieles für viele erleichtern würde, wenn die Gutachterei (wenigstens) an dieser Stelle gekippt würde.


Zum Thema möglicher Änderungen:

Das "eventuell" und das "vielleicht" vor dem Wort "Gutachter" in meinem Beitrag hast du geflissentlich überlesen? Ich werde es kaum fertigbringen, eine Lösung zu präsentieren, die allen zusagt. Mir persönlich ist es doch fast egal, wer wessen Brüste bezahlt, aber für eine Forderung an eine Sozialkasse muss im bestehenden System nunmal eine Begründung mitgeliefert werden. Die muss und darf aber nicht darin bestehen, dass trans* ganz allgemein ein Krankheitsbild ist (mit den von Svetlana und Andrea genannten Folgen). Sie kann auch darin bestehen, dass jemand individuell unter dem Fehlen von Brüsten massiv leidet. Das dieser Mensch dann quasi wieder 'krank' ist bzw. sein muss, um Leistungen zu bekommen, liegt in den Abläufen des Gesundheitssystems begründet; Beschwerden -> Diagnose durch Doc -> Behandlung -> Kostenübernahme durch KK.

Möglicherweise!! liegt darin aber ein Ansatz für den Komplex ICD, MDK und KK, indem man nämlich den Bedarf nicht mehr über trans*(-sexualität) als Krankheitsbild, sondern über die individuellen Leiden unter den falschen körperlichen Gegebenheiten beschreibt*, wie die WMA es (im Ansatz) schon tut. Es kann nämlich nicht die Aufgabe der Einen sein, die Kostenerstattung der Anderen zu 'er-leiden', nur weil ein m.E. äusserst fragwürdiger ICD-Code erhalten werden soll.

Ich fände es toll, wenn sich stattdessen mal eine Arbeitsgruppe (vielleicht von körperphänomenalen Transsexuellen?) hinsetzt und einen ernstzunehmenden und praktikablen Vorschlag erarbeitet, statt mir und vielen anderen eine Krankheit ans Bein zu quatschen oder Wolkenkuckucksheim-Erklärungen zu formulieren und damit, unter anderem, behindern, dass die Gesellschaft zu einem adäquaten Umgang mit Menschen findet, die sich (noch) nicht klar über ihr Sein äussern können.

So schwierig es ist, man muss zwischen dem 'für krank erklären' einer ganzen Gruppe von Menschen einerseits und den Ansprüchen einzelner Menschen an die Sozialversicherung andererseits unterscheiden. Es sind und bleiben zwei verschiedene Themenbereiche, auch wenn sie in unserem Kontext bisher immer zusammen gedacht wurden.


Und mal ganz abgesehen von all unseren Meinungen, Wünschen und Empfindlichkeiten: Das Thema heisst doch nicht nur 'Wir gegen die Gesellschaft. Wie holen wir am meisten für uns raus?' Es geht immer auch um den Umgang aller Menschen mit dem Thema Geschlecht, wozu auch ganz cis-ige Heteros, Feminist_innen, Intersexuelle, Kinder die dazu noch nichts sagen können und viiiile andere gehören.


Marielle


* Ja, ich weiss: Transsexualität und das Leiden unter dem eigenen (falschen) Körper seien doch ein- und dasselbe, sagen bekannte Aktivist_innen schon lange und immer wieder; bewiesen hat das aber noch niemand. Es könnte genauso gut sein, dass wir im Grunde alle das gleiche Phänomen in unterschiedlichen Ausprägungen haben und sich dieses 'Phänomen' weit in die gesamte Menschheit erstreckt. Und dann? Alle krank?
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