Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?
Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger? - # 3

zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Vicky_Rose
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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 31 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Di 10. Sep 2019, 07:36

Moin,

ich denke, die Thematik CSD ist sehr vielschichtig und es ist immer eine Frage der Perspektive.

1. Frage: Identifiziere ich mich mit den Menschen des CSD. Sind sie ein Abbild von mir ?

Ja und nein.

2a. Frage: Wenn ja, warum ?

Es sind Menschen, die wie ich irgendwo im Geschlechteruniversum unterwegs sind und sich nicht klar festlegen lassen.

2b. Frage: Wenn nein, warum nicht ?

Nein, ich habe mit der Form des Auftretens nicht viel zu tun. Es geht mir nicht darum, quitschbunt und gewagt in der Öffentlichkeit aufzutreten. Auf einer privaten Party wäre das vielleicht lustig, aber ich sehe es nicht als politische Aktion. Eine gute Provokation soll m.Mn zum Denken anregen und nicht zur Polarisierung.

3. Muss ich mich mit den CSD-Menschen identifizieren.

Für mich ein eindeutiges Nein. Auch wenn andere Menschen fragen "Bist Du auch so jemand ?" Das sind Schubladen, die nicht in meinem Kopf, sondern in dem des Frages vorherrschen.

4. Muss ich es erdulden, dass LBQABC-Menschen einen bunten Tag auf der Straße feiern ?

Na klar, es ist eine Frage der Toleranz.

5. Wird der CSD seiner Ursache des Entstehens gerecht ?

Wieder ein ja und nein. Die Ereignisse rund um Stonewall Inn waren dramatisch. Dieser ernsthafte Hintergrund kommt m.E. zu kurz. Auf der anderen Seite ist gerade das bunte Treiben ein deutliches Signal, dass man nicht auf der Ebene der Gewalt stehen geblieben ist.

6. Wo liegt für mich das Problem mit dem CSD ?

Je länger ich darüber nachdenke, um so weniger Probleme habe ich mit dem CSD. Im Text heißt es:
Jedoch dürfe diese Akzeptanz nicht durch Anbiederung an die Mehrheitsgesellschaft erreicht werden. „Sonst werden viele queere Menschen wieder für ihr Anderssein verurteilt“
Ein ganz wichtiger Aspekt. Ich lehne den CSD nicht ab, auch wenn ich dort nicht in schriller Verkleidung auftreten würde. Aber letzteres ist für mich eine Stilfrage und keine grundsätzliche. Eine Identifizierung mit den Menschen dort, kann ich nur insoweit für mich feststellen, als dass in meinem Inneren eine ähnliche Grundproblematik im Kontext mit der Gesellschaft existiert. Aber das war es auch schon. "Ich werde immer dafür eintreten, dass jeder seine Meinung vertreten kann, auch wenn es nicht meine ist". Diesen Satz habe ich irgendwann einmal gehört und für mich gilt er auch hier.

Ich lehne es ab, Menschen, die auf dem CSD feiern, zu verurteilen. Ob es meiner "Sache" schadet oder nicht. Ich verurteile auch keinen Karneval und auch nicht die wöchentlichen Sportveranstaltungen, in der Menschen mit bunten Schals und Mützen, laut grölend und trinkend ihr "Unwesen" treiben. Es ist letztlich as gleiche: ein Ausbruch aus dem Korsett des eingepresst sein in alltägliche Abläufe. Ich kenne keine Kultur, in der das nicht stattfindet.

Ich denke, man muss die Wirkung des CSD nicht überbewerten. Sie findet ganz wesentlich in unseren Köpfen statt. Je gelassener wir damit umgehen, um so leichter fällt es den Menschen in unserem Umfeld, uns so zu sehen, wie wir individuell gesehen werden wollen.

Was habe ich mit dem CSD zu tun ? Ganz einfach: nichts. Nur weil dort auch Transmenschen mitlaufen, lassen sich doch keine Verbindungen herstellen. Erst durch das vehemente Ablehnen wird paradoxerweise eine Verbindung geschaffen. Denn dann habe ich das Gefühl, dass der CSD wie Honig an mir klebt. Auf eine Frage, ob ich denn auch "so jemand" wäre, kann ich nur auf das Kopfkino beim Anderen hinweisen. Gegenfrage: Sind denn alle Motoradfahrer gewalttätige Rocker ?

Der CSD bedient Klischees. Er befeuert sie sogar. Diese Erkenntnis könnte sehr hilfreich sein, eine Gesellschaft zu entwickeln. Denn wir haben alle Klischees. Auch der Begriff des "Normalos" bedient ein Klischee. Den "Normalo" gibt es nicht. Es gibt typische Eigenheiten. Das ist für mich etwas ganz anderes. Das eine beschreibt einen Menschen, das andere Eigenschaften. Das darf man nicht verwechseln. Auch wenn ich Eigenschaften besitze, die es in ähnlicher Form bei CSD-Besuchern gibt, macht mich das nicht zu einem CSD-Besucher.

Es gibt ein nettes Buch von Richard Feynman: "Kümmert es Sie, was andere Leute denken ?" Natürlich leben wir nicht im luftleeren Raum, aber zuerst muss ich die Schere erkennen, die in meinem Kopf steckt, wenn ich mich dem Urteil anderer Menschen unterwerfe. Hier steckt der größte Teil meiner Freiheit, vielleicht sogar meine ganze Freiheit.

Man kann den CSD ablehnen, aber gleichzeitig kommt dann von mir die Frage: Sind es Deine Gründe oder sind es Gründe, die von anderen Menschen kommen. Und die Antwort ist nicht leicht. Aber eine Antwort im Sinne von "Ich werde mit den CSD-Menschen gleich gesetzt" ist definitiv fremd bestimmt.
Viele Grüße
Vicky

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Keks-Marie
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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 32 im Thema

Beitrag von Keks-Marie » Di 10. Sep 2019, 08:57

Mich haben einige Aussagen hier sehr beschäftigt und und darauf habe ich das Thema gestern im Chat noch einmal angesprochen.

Dort erhielt ich eine Erkenntnis:

Wir sollten aufpassen wen wir in Richtung der Feindrolle drängen.
Die Schrillen und Bunten sind nicht gegen uns. Es ist die Intoleranz welche unser Feind ist. Und diese besiegen wir nur mit Aufklärung!
Das bedeutet, das wir uns immer und immer wieder erklären müssen. Ob es uns leicht fällt oder nicht.
Und irgendwann haben wir es geschafft. Ob wir das noch alle erleben ist fraglich. Aber eines Tages werden transidente Persönlichkeiten eine Selbstverständlichkeit.

(dr)
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Was wäre, wenn ein klein wenig Mut die einzige fehlende Zutat für ein glückliches Leben ist und man es nie herausfindet?

Vicky_Rose
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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 33 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Di 10. Sep 2019, 09:30

Hallo Marie,

Intoleranz ist sicher ein Übel, das den Menschen seit jeher begleitet. 1916 wurde bereits ein Film mit dem Namen gedreht, der sich sehr intensiv mit der Frage beschaftigt (Actung, geht fast 3 Stunden). In Wikipedia gibt es einen Artikel über den Film. https://de.wikipedia.org/wiki/Intoleranz_(Film)



Anderer Meinung bin ich aber, was den Begriff "Feind" betrifft. Das impliziert mMn den Wunsch, sich gegen jemanden oder etwas durchzusetzen. Das bedeutet aber auch, den Anderen nicht zu überzeugen. Für mich ist das eine Quelle von Intoleranz. Toleranz lässt gerade eine andere Ansicht zu, auch wenn sie nicht optimal ist.

Jemanden zu überzeugen hat eine andere Qualität. Dazu gehört aber auch, dass ich selber bereit bin, mich überzeugen zu lassen. Letztlich führt eine solche Haltung zu einer Art "Transparenz" oder auch "Weichheit" in den Ansichten. Es basiert auf Respekt vor dem Anderen. Aus meiner Sicht ist Härte, die eine Folge (vielleicht auch Quelle) eines Feindbildes ist, nicht geeignet, Verständigung und Verständnis zu erzeugen.

Grenzen dieses Denkens ergibt sich aus den Thesen Karl Poppers zum Toleranz-Paradoxons (https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon). Aber so weit möchte ich hier in der Diskussion hier nicht gehen.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 34 im Thema

Beitrag von Keks-Marie » Di 10. Sep 2019, 09:37

Ich habe es extra so formuliert, dass ich die Intoleranz an sich verteufele und nicht die intoleranten Menschen.
Was wäre, wenn ein klein wenig Mut die einzige fehlende Zutat für ein glückliches Leben ist und man es nie herausfindet?

Josii
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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 35 im Thema

Beitrag von Josii » Di 10. Sep 2019, 11:17

Hallo SylviaM,

wenn ich Beiträge lese, die mir gelinde gesagt aufstossen, dann guck ich immer was hat diejenige den vorher so geschrieben. Ich lese bei Dir ein riesengroßes Dilemma aus Deinen Beiträgen. Ist hier ja nichts besonderes, aber irgendwie doch! Deshalb möchte ich hier etwas auf Deinen Beitrag eingehen:
SylviaM hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 06:40
CSD ist wie Karneval: auffällig, laut und schrill
Hier widerspreche ich Dir! CSD ist NICHT wie Karneval, sonder der verzweifelte numehr 50jährige Versuch endlich in das Bewußtstein der Menschen zu dringen und aktzeptiert zu werden, egal wie man ist. Und sogar mit Erfolg, denn mittlerweile weiß sogar die Omma was der CSD ist. Aber halt noch nicht, dass es ausser Schwulen und Lesben noch mehr gibt in Herrgotts weiter Natur.
SylviaM hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 06:40
Wer uns damit verbindet, hat sich noch nie mit dem Thema annähernd auseinandergesetzt, und das bei den doch viele Reportagen in Zeitung und TV, die es gibt Die Joey Heindle unter uns lassen grüßen
Indoctrinierte Glaubenssätze und Ängste lassen sich nicht so einfach umprogrammieren, das wirst Du selbst am besten wissen - Deine Beiträge sprechen eine eindeutige Sprache. Wenn es uns schon schwerfällt Meinung zu ändern und sich Ängsten zu stellen, wie viel mehr dann Lieschen Müller und Juppchen Meier. Wissen über Transgender enden dann meist im Absingen von Transen- und Schwulenwitzen. Und aus vielen Erfahrungen weiß ich, daß sich diese Menschen doch nur für ihr eigenes versifftes Kopfkino schämen, dessen Filmvorführer sie in keinster Weise im Griff haben. Schpässle gmacht, heißt das dann bei uns im Süden. (ko)
SylviaM hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 06:40
Wenn wir uns einen Kopf machen sollten, dann eher über Freizeitauftritter die mit spatpubertierender Auftritten extrem knappen Röcken und High Heels in der täglichen Menge dann doch extrem auffallen ( das würden die CIS Girls auch schon). Das diese Auftritte bei vielen hängenbleiben, darf man dann wirklich nicht verübeln.

Und hier schläg Dein Filmvorführer wieder gnadenlos zu. Hast Du Dir schon mal einen Kopf gemacht was es für unsere Schwestern bedeutet während sie in der HET sind??? Unkontrollierbare Gefühlsschwankungen - mental und bewußt nicht steuerbar. Im Minutentakt unterschiedlichster Gefühlscoctail inklusive manchmal verirrter Außenpräsentation. Ich möchte mir darüber in keinster Weise ein Urteil erlauben. Wenn es jemand in dieser Art und Weise erwischt benötigen sie unser ungeteiltes Mitgefühl, wie jeder Pubertierende der kurzfristig hormongesteuert ausflippt und dadurch keineswegs auf seine Basispersönlichkeit zu reduzieren ist. Meine Meinung - gell.
SylviaM hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 06:40
Und das sage ich als jemand, der vielleicht nicht die öffentlichen Auftritte, dennoch knappe Röcke und High Heels liebt.
Hier bringst Du es auf den Punkt, SylviaM. Denn genau nach so einem Auftritt sehnst Du Dich schon seit 40 Jahren. Ich bin erst im Anfangsstadium, aber ich würde sofort mit Dir en Femme um den Block ziehen (Rock knielang und Absatz sagen wir 5cm). Es würde Dir sofort besser gehen (ki)
SylviaM hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 06:40
Natürlich sollte jeder so leben wie er möchte, solange er keinen anderen noch sich selbst Schaden anrichtet. Dennoch müssen wir uns bewusst sein, dass wir mit unseren Auftritten natürlich auf die Personen in unserem Umfeld wirken, sei es andere " Schwestern" oder unsere Partner. Das dann entsprechende Bilder aufschlagen, wenn sich eine Person outet, ist halt all zu menschlich.
Hier versuchst Du die Keule, die Du oben schwingst (zur Erinnerung: Wenn wir uns einen Kopf machen sollten.......) wieder zu negieren um mit diesem ich sag einfach mal bla bla bla jeder soll wie er mag Glattstrich, hier Verständnis für alles zu haben.

Jeder sollte hier in diesem Land so auf die Straße gehen wie es das Grundgesetz vorsieht: In unangetasteter Würde! Beim CSD in Schmetterlingsflügel mit Rassel und Trommel, und bei unserem Zug um den Block unangetastet und voller Freude in dem von uns gefühlten Geschlecht. (Als Heldinnen in Strumpfhosen! Ich liebe diesen Begriff :lol: )

Liebe Grüße und viel viel Mut uns allen

Josii
Wir warn geboren um zu leben
für diesen einen Augenblick
....um zu spüren wie wertvoll Leben ist! - Unheilig

lexes
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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 36 im Thema

Beitrag von lexes » Di 10. Sep 2019, 11:21

!EmmiMarie! hat geschrieben:
So 8. Sep 2019, 10:48
Huhu..

dafür unterbreche ich kurz meine Stille..
Keks-Marie hat geschrieben:
So 8. Sep 2019, 10:20
und möchte gerne eure Meinung zu dem Thema wissen.
ja was ist denn deine Meinung?

Hmm, also, es ist nicht jeden Tag CSD und daher ist es ja nicht immer laut in der Community.
Und Drags sind auch nicht immer als Drags unterwegs..
es gibt überall "Feste" die bunt und laut sind, Holi in Indien zum Beispiel...

ich bin früher mal gerne aufgefallen und habe meine "Auftritte" quasi inszeniert.
Ich war sogar stellenweise beleidigt wenn ich keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen konnte..
Da in ich drüber weg und tauche ganz gern im Mainstream unter, weil ich glaube, das ich genug
Blicke auf mich gezogen habe. Es ist auch möglich still und bewusst über ein Thema zu
reden und darauf hinzuweisen-das tu ich allerdings sehr gerne..

Alles Liebe Marie (flo)
Wow .. das ist mal selbst-reflektiert : Starkes Ding

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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 37 im Thema

Beitrag von lexes » Di 10. Sep 2019, 12:31

Die Frage : Ist das zu bunt / zu laut / zu nackt ?? oder : Sollte es lieber etwas weniger bunt / laut / nackt sein ? , die stellt sich doch eigentlich gar nicht


Die unbeteiligte Bevölkerung differenziert nicht zwischen Drag / Schwul / TS / CD ... und wenn man ehrlich ist .. da gibt es auch zu viele Schnittmengen, fällt mir selbst oft schwer jemanden einzuordnen ( und die Frage ob Menschen "einzuordnen" sein müssen , die wollen wir hier mal gar nicht stellen )
Ich bin ( als Solo-Disco-Gänger/in ) schon mehrmals gefragt worden ob mein Freund / Mann denn damit keine Probleme habe.
Wenn ich dann auf meine Frau verweise gibt's immer große Augen.
Nicht mal auf einer Queer-Party geht man davon aus das ich auch auf Frauen stehen könnte :-) Wie sollte mein bodenständiger Nachbar da für sich Ordnung reinbringen :D


An dem Problem beisst man sich die Zähne aus.

Wir sind Teil einer Bevölkerungsgruppe, die nicht der allgemeinen Norm entspricht

Diese Gruppe ist in sich völlig inhomogen

Ein bunter Teil der Gruppe ( Drag / CSD ) sticht stark heraus und wird von Unbeteiligten ( Schubladendenken ) als repräsentativ für alle anderen angesehen , was man leider absolut nachvollziehen kann.




Und jetzt im Sinne der allgemeinen Gruppenakzeptanz in der Bevölkerung von der "Bunten Fraktion" zu fordern : "Seid bitte mal etwas weniger auffällig" ist völliger Quatsch.

Sie sind nicht wir und wir sind nicht sie.

Wir können nichts dafür das die breite Masse uns alle zu einem Haufen zusammenrechnet.
"Die Bunten" ( und das meine ich absolut nett & positiv ) können nichts dafür das ihr "Treiben" ( und das ist ohne Wertung ) in der Aussendarstellung auf andere zurückfällt .. ..

Da wird man sicher keinen allgemein-gültigen Konsens finden. Äpfel und Birnen .. ist halt doch irgendwie alles Obst

Liebe Grüße

Lexi

!EmmiMarie!
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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 38 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! » Di 10. Sep 2019, 18:41

lexes hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 11:21
!EmmiMarie! hat geschrieben:
So 8. Sep 2019, 10:48
Huhu..

dafür unterbreche ich kurz meine Stille..
Keks-Marie hat geschrieben:
So 8. Sep 2019, 10:20
und möchte gerne eure Meinung zu dem Thema wissen.
ja was ist denn deine Meinung?

Hmm, also, es ist nicht jeden Tag CSD und daher ist es ja nicht immer laut in der Community.
Und Drags sind auch nicht immer als Drags unterwegs..
es gibt überall "Feste" die bunt und laut sind, Holi in Indien zum Beispiel...

ich bin früher mal gerne aufgefallen und habe meine "Auftritte" quasi inszeniert.
Ich war sogar stellenweise beleidigt wenn ich keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen konnte..
Da in ich drüber weg und tauche ganz gern im Mainstream unter, weil ich glaube, das ich genug
Blicke auf mich gezogen habe. Es ist auch möglich still und bewusst über ein Thema zu
reden und darauf hinzuweisen-das tu ich allerdings sehr gerne..

Alles Liebe Marie (flo)
Wow .. das ist mal selbst-reflektiert : Starkes Ding
Ehrlich jetzt? Dafür.? ..ich dachte ich hätte schon bessere Beträge geliefert..

(smili)



Alles Liebe Marie (flo)
I´ve known the wind so cold, i´ve seen the darkest days, but now the winds i feel are only winds of change

Always be yourself, unless you can be a unicorn, then always be a unicorn

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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 39 im Thema

Beitrag von lexes » Di 10. Sep 2019, 21:12

!EmmiMarie! hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 18:41
Ich bin früher mal gerne aufgefallen und habe meine "Auftritte" quasi inszeniert.
Ich war sogar stellenweise beleidigt wenn ich keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen konnte..
Meinte speziell die Aussage..

Es braucht schon mächtige Cojones ( in diesem Forum evtl. Ein unglückliches Gleichnis ) um so über sich selbst zu schreiben ..

Sich selbst zu hinterfragen , dann im Innenverhältnis zu kritisieren und diese Selbstkritik mal eben öffentlich in einen passenden Kontext einbauen : Nice 👍

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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 40 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Mi 11. Sep 2019, 06:25

lexes hat geschrieben:
Di 10. Sep 2019, 21:12
Es braucht schon mächtige Cojones
In der Tat, ein sehr unglücklicher Vergleich... (smili) Nicht nur wg. der Physis, aondern auch weil zu viel davon die Selbstreflexion eher behindern ...

Mir ist der Satz von Marie ebenfalls sehr positiv aufgefallen. Er kommt mir so selbstverständlich vor, dabei steckt vermutlich so viel mehr dahinter.

Ich find's Klasse ... (yes)
Viele Grüße
Vicky

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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 41 im Thema

Beitrag von Lisa-Weber » Mi 11. Sep 2019, 09:43

Ich hatte ja am Anfang der Diskussion geschrieben -
es wird der falsche Eindruck transportiert.

Inzwischen muss ich ein bisschen revidieren.

Ja der CSD - ist wichtig - weil wir im Gespräch bleiben

Was ich nicht gut finde ist, wie versucht wird die Dinge zu transportieren.

Oberbegriff: Queer - aber wer ist alles Queer?

Man kann in so einer Veranstaltung es nicht allen Recht machen bzw. es für alle Recht machen.

Für mich wurde kein Verständnis geschaffen, ich möchte einfach nur als Frau behandelt und gesehen werden und nicht als "Freak" (pea)
Liebe geben und offen sein für neues..

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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 42 im Thema

Beitrag von lexes » Mi 11. Sep 2019, 10:39

Lisa-Weber hat geschrieben:
Mi 11. Sep 2019, 09:43

ich möchte einfach nur als Frau behandelt und gesehen werden und nicht als "Freak" (pea)
das ist schön formuliert (yes) , gleichzeitig auch schade das man so etwas einfordern muss.. eigentlich sollte diese Behandlung selbstverständlich sein

Keks-Marie
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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 43 im Thema

Beitrag von Keks-Marie » Mi 11. Sep 2019, 11:31

Meine wall of text auf einen Satz herunter gebrochen.

Die traurige Wahrheit...
Was wäre, wenn ein klein wenig Mut die einzige fehlende Zutat für ein glückliches Leben ist und man es nie herausfindet?

Vicky_Rose
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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 44 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Do 12. Sep 2019, 06:31

Lisa-Weber hat geschrieben:
Mi 11. Sep 2019, 09:43
Für mich wurde kein Verständnis geschaffen, ich möchte einfach nur als Frau behandelt und gesehen werden und nicht als "Freak"
Hallo Lisa,

der Gedanke ging mir nicht aus dem Kopf. Wieso ist der CSD dafür verantwortlich, dass Du möglicherweise als "Freak" gesehen wirst. MMn gibt es dafür zwei Verantwortliche.

Zum Einen ist das die eigene Wahrnehmung. Ich denke, jeder Mensch, der sich zu einer sozialen Gruppe zugehörig fühlt, wird sich unangenehm berührt fühlen, wenn ein anderes Mitglied dieser Gruppe sich daneben benimmt. Das Stichwort lautet "fremdschämen". Beispiel: Warum fühle ich mich unangenehm berührt, wenn sich Deutsche sich auf Malle wie die Axt im Wald benehmen. Ich habe doch nichts mit diesen Menschen zu tun, außer der gleichen Staatsangehörigkeit. Ich trage dafür keine Verantwortung.

Zum Anderen sind das die Menschen, die mich möglicherweise tatsächlich unfair behandeln, in dem sie mich mit den CSD-Menschen in einen Topf werfen. Der CSD ist in keiner Weise dafür verantwortlich zu machen. Hier geht es nur um die (falsche) Einschätzung der Menschen, die mich schlecht behandeln und um mich. Wo ist da der CSD ?

Ich bin der festen Meinung, dass jede(r) sehr vorsichtig sein muss, wie die Prozesse und Verantwortlichkeiten laufen. Denn wenn jede(r) an dieser Stelle schludert, macht man sich sehr schnell zum Werkzeug anderer. Eines der schrecklichsten Beispiele hierbei ist der erste Weltkrieg. Wilhelm II hat damals gesagt "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!". Damit wurden Widerstände gegen den Krieg verhindert. Ich nenne das Manipulation. Jder Einzelne wurde betroffen gemacht und die wahren Hintergründe verschleiert. Wenn wir uns analog für das Auftreten von Menschen beim CSD verantwortlich machen lassen, werden wir zu einem Teil der Bewegung, die der "Normalität" das Wort redet.

Ich habe nichts gegen den CSD, auch wenn mir manches nicht gefällt. Aber ich bin als Trans-Mensch nicht dafür verantwortlich, was dort passiert. Und wenn jemand versucht, mir diese Verantwortung zuzuschieben, werde ich mich bemühen, ihn höflich, aber bestimmt, auf seine unfaire und ungerechte Verhaltensweise hinzuweisen. Denn genau hier liegt die Verantwortung dafür und nicht beim CSD.

Ich möchte nicht von anderen Menschen manipuliert werden und muss auf die wahren Zusammenhänge achten. Das ist meine Verantwortung.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Queeres Selbstverständnis Geht es nicht etwas unauffälliger?

Post 45 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Do 12. Sep 2019, 08:41

Lisa-Weber hat geschrieben:
Mi 11. Sep 2019, 09:43
Für mich wurde kein Verständnis geschaffen, ich möchte einfach nur als Frau behandelt und gesehen werden und nicht als "Freak"
Vielleicht ist das der Zentrale Punkt bei der oft sorgsam gepflegten "Feindschaft" zwischen Enbys / CD / TV und Trans-Personen. Ich bin einfach nicht Frau genug - und will es auch nicht sein oder irgendwie werden - um nicht immer wieder als "Freak" gesehen zu werden. So habe ich wohl auch mehr Frieden mit meinem Körper - keinen Leidensdruck - und kann gut auf HT und OP verzichten.

Mein Anliegen ist es daher, der Welt irgendwie zu zeigen, dass es solche "Freaks" gibt, und diese im Sinne einer "Inklusion" - wie man es bei Behinderten versucht - in die Gemeinschaft aufzunehmen. Ich möchte nicht mich, sondern die Gesellschaft verändern. Erfolglos angepasst habe ich mich in der Rolle als Mann mehr als genug. Und damit will und muss ich auffallen - natürlich irgendwie möglichst positiv und nicht negativ.

LG Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

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