Bini Adamczak
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zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Olivia
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Bini Adamczak

Post 1 im Thema

Beitrag von Olivia » Sa 4. Nov 2017, 10:01

Die Kommunismus- und Geschlechterforscherin Bini Adamczak hat das Buch „Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende“ bei Suhrkamp herausgegeben.
Eine kleine Kostprobe:

"Schon in der Februarrevolution fielen Beobachtern die „Frauen“ auf, „die Männerkleidung trugen (Soldatenmützen, Stiefel und Reithosen), als ob sie mit der Umkehrung der geschlechtsspezifischen Kleidung auch die soziale Ordnung umstürzten“. Nur fünf Jahre später stellte der Gesundheitskommissar Nikolai Semaschko fest, dass maskulinisierte „Frauen“ zu einem Massenphänomen geworden waren. In seiner Beschreibung trugen sie zerzauste, oft schmutziuge Haare, hatten billige Zigaretten zwischen die Zähne geschoben – „wie ein Mann“ – sprachen mit absichtlich rauhen Stimmen – „wie ein Mann“ – und legten – „wie ein Mann“ – absichtlich schlechte Manieren an den Tag. Sie hätten, so fasste er es zusammen, alle weiblichen Eigenschaften verloren und sich gänzlich in Männer verwandelt, auch wenn sie im Moment noch Röcke oder genauer gesagt Hosenröcke trugen. Obwohl der Gesundheitskommissar diesen Trend als eine vulgäre Form von Geschlechtergleichheit denunzierte, blieb seine Kritik doch solidarisch. Die wahren Gegnerinnen bestanden in den gepuderten, gerougten, nägelfeilenden „Damen“ der klassenfremden Milieus. Bolschewistische „Frauen“, die Härte, emotionale Kontrolle, Effizienz, kalte Rationalität, Rücksichtslosigkeit als zentrale Eigenschaften ihrer politischen Subjektivität ausbildeten, waren nicht nur ein Massenphänomen, sie repräsentierten das sowjetische Subjektideal: Der neue Mensch war ein universal Drag-King."

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