Feminismus für den Herren
Feminismus für den Herren

zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
Antworten
Cybill
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 1541
Registriert: Sa 20. Jun 2009, 18:29
Geschlecht: Wird überbewertet!
Pronomen:
Wohnort (Name): Falkensee
Membersuche/Plz: Berlin
Hat sich bedankt: 276 Mal
Danksagung erhalten: 669 Mal
Gender:

Feminismus für den Herren

Post 1 im Thema

Beitrag von Cybill » Sa 21. Okt 2017, 10:40

Hallo Mädels!

Bei meiner morgendlichen Zeitungslektüre (nebenbei kennt jemand eine Zeitungsraschel-App für Online Leser?) habe ich diesen spannenden Artikel entdeckt.

http://www.tagesspiegel.de/politik/maen ... 83596.html

Schönes Wochenende!

- Cy
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Viktoria-TV
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 222
Registriert: Mo 2. Sep 2013, 09:40
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen:
Wohnort (Name): 47xxx
Membersuche/Plz: Ruhrgebiet
Hat sich bedankt: 187 Mal
Danksagung erhalten: 243 Mal

Re: Feminismus für den Herren

Post 2 im Thema

Beitrag von Viktoria-TV » Sa 21. Okt 2017, 12:52

In der letzten Zeit gabs mehrere Artikel mit ähnlichem Tenor. Und ja ich glaube an der These ist was dran. Gerade die konservativen Bewegungen AFD, Trump-Anhänger etc. verteidigen dieses alte klassische Rollenbild. Aber ich denke es hat sich überlebt. Nicht umsonst steht m. E. das Transthema, androgynere Mode für Männer etc. immer öfter im öffentlichen Fokus
I`m not ashamed to dress "like a woman" because I don`t think it´s shameful to be a woman. - Iggy Pop -

Olivia
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 843
Registriert: Fr 13. Apr 2012, 11:25
Pronomen:
Membersuche/Plz: z.Zt. -----
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 192 Mal

Re: Feminismus für den Herren

Post 3 im Thema

Beitrag von Olivia » So 22. Okt 2017, 14:42

Ein Artikel in der Mittelbayerischen Zeitung vom 21/22.10.2017 zum Thema "Sexismus durchdringt alle Teile der Gesellschaft" über die #MeToo Initiative endet so:

"...fordert außerdem einen Feminismus für Jungs. Eine Gesellschaft, in der Männer auch mal weich sein dürfen - und nicht beigebracht bekommen, übertriebenes Machogehabe sei männlich. Nur so können die beiden Geschlechter gleichberechtigt sein."

rika
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 430
Registriert: Do 4. Sep 2014, 16:51
Geschlecht: unten Mann
Pronomen:
Membersuche/Plz: Braunfels
Danksagung erhalten: 234 Mal

Re: Feminismus für den Herren

Post 4 im Thema

Beitrag von rika » So 22. Okt 2017, 15:46

Cybill, ich lese morgens die Zeitung aus Papier und sehe nicht nur sondern höre auch (das Rascheln..)

Ich habe mich mit diesem Thema vor einigen Jahren beschäftigt, d.h. wo ist meine Position. Da erinnerte ich mich an den Spruch "die Frau steht ihren Mann!" Sie ist engagiert, packt die Dinge an auch wenn sie mühsam sind, ist couragiert und bleibt trotzdem Frau. Das Attribut hat eine positive Besetzung. So, dann lief eine Radiosendung über die sog. Rollen, ich war auf dem Heimweg und hörte zu.

Die Hörer wurden aufgefordert, ihre Meinung zu sagen und anzurufen. Ja, das habe ich getan und einfach gesagt: gibt es den Spruch auch andersherum? "Der Mann steht seine Frau!" Die Moderatorin fand meinen Beitrag wohl ganz gut.

Ich mache es mal einfach obwohl es nicht ist: Kriege mit hohem körperlichen Einsatz sind Gott sei Dank vorbei. Schweres Schleppen meistens auch, schließlich gibt es Transportmittel und der Zementsack wiegt keine 50 kg mehr. Der "Beschützer" geht dann eher ins Fitnesstudio und passt auf seine Familie auf der Hantelbank auf. Reduziert gesagt: da sind ein paar klassische Rollen flöten gegangen. Dabei sind die Männer selbst schuld: sie haben den Kran und "intelligente Waffen" (schwachsinniger Begriff) erfunden und damit einen Ast abgesägt, der sie trug.

Viele Eigenschaften der klassischen Rolle der Frau ist bis heute Männern oft fremd bzw. sie müssen befürchten, dass sie bei ihren Geschlechtsgenossen (wieder so ein Begriff) nicht akzeptiert werden, wenn sie typisch weibliche Positionen und Eigenschaften zeigen. Zum Glück gibt es heutzutage aber Männer, die gerne mit ihren Kindern zusammen sind und das nicht nur bei Alibiveranstaltungen. Mein Vater, 1918 geboren, hätte so etwas niemals verstanden. Ich glaube, dass viele Männer noch nicht soweit sind, sich mit ihren Problemen zu öffnen - ich gehöre auch dazu. Da sind sie dem "steht seine Frau" noch extrem weit entfernt. Nachgeben und nicht immer siegen wollen ist auch ein Attribut, was vielen Männern guttun würde. Denn häufig sind die Nachgiebigen die wahren Gewinner.

Ein Hindernis ist aber durchaus eine Gruppe von Frauen mit besonderen Erwartungen an "die Männer": möglichst viele dicke Muskeln, Knattermotorad in der Garage usw. Aber diese Frauen stehen eher nicht ihren Mann.

rika

P.S: ich habe eine Tochter, mit der ich mich in ihrer Kindheit sehr ausgiebig beschäftigt habe. Das hat dazu geführt, dass nicht Puppen, sondern Lego und der Kaufladen ihre Entwicklung eher geprägt haben. )))(:

MichiWell
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 2525
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Geschlecht: Teilzeitfrau
Pronomen: sie
Membersuche/Plz: Leipzig - Chemnitz - Gera
Hat sich bedankt: 1136 Mal
Danksagung erhalten: 1709 Mal

Re: Feminismus für den Herren

Post 5 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 22. Okt 2017, 21:38

Hallo Cybill, hallo zusammen,

vielen Dank für den Hinweis auf den Artikel. - Er ist zweifellos einVersuch, einen Weg aus dem bekannten Dilemma herauszufinden. Jedoch kann sich der Artikelschreiber nicht von den feminstischen Denkschablonen lösen, und zementiert so die schon viel zu oft wiederholten Stereotypen und Falschbehauptungen.

So lange man dem Beispiel insbesondere der lautstarken FeministInnen folgt, es ihnen gleich tut, Frauen und Männer auseinander dividiert, und die Männer direkt oder indirekt zum Bösen hochstilisiert, so lange kann es keine Enspannung geben. Das geht schon damit los, dass man aufhören muss, dem "Mann" die Alleinschuld an allem Übel dieser Welt qua Geschlecht zuzuweisen. Dem ist nicht so. Es war nicht "der Mann", sondern Einzelpersonen, die entsprechend gehandelt haben. Diese Einzelpersonen waren oft Männer, aber auch hinter diesen Männern standen zumeist Frauen. - Das Patriarchat ist keinesfalls das Schlaraffenland für Männer gewesen, so wie das immer wieder dargestellt wird. Ganz im Gegenteil war es für die allermeisten Männer ein enges Korsett und Hamsterrad. Sie hatten die alternativlose Aufgabe, ihre Familie, ihre Frau und die Kinder zu versorgen. Der Mann war formal der "Herr im Hause", aber noch die Generation meiner Großeltern und Eltern wusste/weiß ganz genau, dass die Frau zumeist viel mehr darüber bestimmte, was im Hause passierte. Sie flüsterte dem Mann ihre Entscheidungen ein, und gab ihm so das Gefühl des Handelns, deligierte aber zugleich auch die Verantwortung und Schuld an den Folgen an ihn. Oft wurde bei Familienfeieren nach reichlich Alkohol zu vorgerückter Stunde recht offen über die tatsächlichen Machtverhältnisse gesprochen, und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir als Kinder staunend die Ohren spitzten, wenn die Alten z.B. zu sagen pflegten: "Der Mann ist der Kopf, die Frau der Hals. Und so wie der Hals sich dreht, muss der Kopf mit!" Auch werden sich wohl noch einige von den älteren Semestern unter euch daran erinnern, wie es war, wenn wir als Kinder zu Hause irgendwas "ausgefressen" hatten, und die Mutter damit drohte: "Warte nur bis dein Vater nach Hause kommt!". Und wenn er dann kam, hat er seine Kinder erst freundlich begrüßt, aber 5 Minuten später, nach einer entsprechenden Instruktion durch die Mutter gab's eine fette Tracht Prügel. Da kann man dem Mann einzig vorwerfen, dass er sich hat instrumentalisieren lassen, während die Mutter rafiniert im Hintergrund blieb und auf unschuldig machte. Noch heute ist es so, dass in bestimmten Kulturkreisen, wo das Patriarchat weiter vorherrscht, es die Mütter sind, die durch ihr aktives, konkludentes Handeln für die Erhaltung des Status Quo sorgen. Die Mütter sind es, die ihre Söhne zu Machos erziehen, und ihre Töchter unterdrücken, denn es ist klar geregelt, dass Kindererziehung Frauensache ist.

Ich weiß, dass das mache nicht gerne lesen. Dennoch bin ich der Meinung, dass man die Probleme nicht auf die Weise lösen kann, auf die man es noch immer versucht. Man kann nicht ernsthaft erwarten, dass ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, dass Männer und Frauen aufeinander zugehen, wenn man ständig die Unterschiede betont, einseitige Schuldzuweisungen macht, und sie so gegeneinander aufhetzt. Das ist wie der Versuch, ein brennendes Haus zu löschen, in dem man so lange Brennmaterial nachlegt, bis der Sauerstoff aufgebraucht ist. :wink:

Michi

Edit: Typo
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen.

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

ExUserIn-2018-08-04
registrierte(r) Benutzer(in)
Beiträge: 647
Registriert: Mo 3. Nov 2014, 19:37
Pronomen:
Membersuche/Plz:
Hat sich bedankt: 307 Mal
Danksagung erhalten: 690 Mal

Re: Feminismus für den Herren

Post 6 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2018-08-04 » Mo 23. Okt 2017, 08:50

Hallo!

Von Männern wurde und wird in der Tat sehr viel erwartet. Zwar heißt es: "Eine Frau kann (fast) jeden Job eines Mannes genau so gut machen." Stimmt auch, ist auch richtig und muss auch so gesehen werden. Aber wenn es darauf ankommt, rennt auch die Erfolgsfrau bei der Partnersuche zum Alpha-Männchen. Macht und Durchsetzungsvermögen machen sexy. Damit kam Harvey Weinstein durch. Es kann niemand erzählen, dass er die Mädchen alle nur auf seiner Casting Couch angepackt hat. Ich habe in meinem Freundeskreis zwei Geschäftsfrauen, die erfolgreich eigene Unternehmen in männlich dominierten Branchen leiten. Aber als Partner kommen für beide nur "echte Silberrücken" in Frage, an dessen starke Schultern sie sich zu Hause anlehnen können. Feminismus als ideologische Kampfarena, um Männerdomänen zu knacken. Aber einmal drin sucht Frau sich zielstrebig den größten Macho, der auf Gleichberechtigung scheißt. An diesem Paradoxon kranken viele Diskussionen über Feminismus.
Olivia hat geschrieben:
So 22. Okt 2017, 14:42
Ein Artikel in der Mittelbayerischen Zeitung vom 21/22.10.2017 zum Thema "Sexismus durchdringt alle Teile der Gesellschaft" über die #MeToo Initiative endet so:

"...fordert außerdem einen Feminismus für Jungs. Eine Gesellschaft, in der Männer auch mal weich sein dürfen - und nicht beigebracht bekommen, übertriebenes Machogehabe sei männlich. Nur so können die beiden Geschlechter gleichberechtigt sein."
Was der Artikel imo richtigerweise anspricht, ist das Fehlen von geeigneten männlichen Vorbildern. Aber wo sollen sie herkommen? Die überwiegende Mehrzahl der Grundschullehrer sind weiblich, bei den Kita-Angestellten dürfte es ähnlich aussehen. Wenn die Väter viel arbeiten oder gar nicht da sind, bleibt als Vorbild nur die Peer Group. Und da bilden sich früh die altbekannten Hierarchien, in der der Junge am "coolsten" ist, der die größte Klappe hat, und am unteren Ende steht der mit den beiden linken Händen, der als letzter ins Fußballteam gewählt wird.

Meiner Meinung nach sollten Jungs "Jungs" sein dürfen. Aber jemand muss ihnen vermitteln, wo die Grenzen sind und dass es genau so gut ist, wenn Jungs "Mädchen" sind. Gleichberechtigung entsteht nicht durch oberflächige Verwischung von Geschlechterklischees, und Feminismus wird nie erfolgreich sein, wenn man so tut, als wären Weinstein und Co. nur ein Anachronismus. Damit macht man/frau es sich zu einfach.

Liebe Grüße Daenerys

Antworten

Zurück zu „Meldungen, Literatur, Filme, Theater, Fernsehsendungen“