Transsexualität - Ich bin trans. Sicher?
Transsexualität - Ich bin trans. Sicher? - # 2

zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Chrissie
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sich

Post 16 im Thema

Beitrag von Chrissie »

Hi Michi, ich weiß nicht wirklich was ich mit Deinem Text anfangen soll.

Fakt ist Korte spricht in dem Beitrag überwiegend von Jungen Transmännern und das das Verhältnis von 3 bis 4 zu 1 Transfrau zu Transmann sich in den letzten 5 Jahren auf bis zu 1 zu 8 verändert hat. Das ist eine extreme Verschiebung in Richtung Transmann, die ich,- übrigens wertneutral - als Schwemme, bezeichnet.

Weiterhin habe ich keinem Unredliche Absichten unterstellt. Du interpretierst hier völlig frei irgendwelche Dinge hinein, die ich nie gesagt habe.

Ich spreche von Jugendlichen, die durch Gruppendynamik den falschen Eindruck gewonnen haben, eine HRT oder GaOp wäre der einzige und richtige Ausweg für Ihre Probleme , die nichts mit TS zu tun haben. Ich verallgemeinere dies auch nicht aber es fällt halt doch auf, dass solche Fälle nicht nur in der Praxis eines Psychiaters sondern auch in den ehrenamtlichen Beratungen vorkommen. Insofern ist das nichts wo man einfach mal sagen kann: „das betrifft so wenige, machen wie weiter wie bisher und wenn die wenigen Fälle sich vertanhaben, was soll’s, sollen halt noch ne OP zurück machen und auf Kinder verzichten“

Sorry, aber so geht das nicht!

Ich habe viele Trans* Menschen kennen gelernt. Darunter gibt es viele Gruppen mit verschiedenen Ansichten, von „alles Selbstbestimmt“ bis zu „ist doch alles ok wie es ist“. Jeder hat seine Erfahrungen gemacht, ABER die kann man nicht verallgemeinern. Jeder Trans*Mensch ist einzigartig und für keinen gibt es den Universalweg.

Daher finde ich es absolut ok, wenn davor gewarnt wird und gefordert wird vor unumkehrbaren Maßnahmen genau hin zu sehen, ob der Weg wirklich richtig ist oder nicht.

Was bringt es wenn durch die Selbstbestimmung vielleicht 5% besser versorgt werden als jetzt, dafür aber vielleicht 20% schlechter? Es gibt noch keine Zahlen wie viele Transmänner aus den letzten 5 Jahren ihren Weg bereuen werden.

Aber jede/r hat doch das Recht auf eine angemessene Behandlung. Selbstbestimmung ja, aber nur dann wenn die Person völlig frei von äußeren Einflüssen und wertneutral und vollständig über alle Folgen der Entscheidung aufgeklärt die Entscheidung trifft.
Alles andere ist in meinen Augen grob fahrlässig und dassmuss nun mal durch eine dritte Person geprüft werden, da die beeinflusste Person in der Regel gar nicht erkennt, dass sie beeinflusst wurde. (Wie geschrieben habe ich das selbst erlebt!)

Im übrigen ist Dein Beispiel mit dem Rollstuhl unlogisch. Hier liegt in der Regel eine Sicherheit vor, dass die Person nicht gehen kann (Querschnittslähmung, Muskelschwund, u.a.) Bei einem Jugendlichen Trans*Menschen liegt diese Gewissheit eben nicht vor,
Wie oben geschrieben kann die persönliche Gewissheit falsch sein weil fremdbeeinflusst.

Im übrigen ist es auch eine Fremdbeeinflussung, wenn überspitzt formuliert in Foren zu lesen ist „GaOp für alle nur auf persönlichem Wunsch hin, weil sonst leiden alle unnötig“.

Genauso kann man fordern „ eine Millionen für alle, sonst leiden zu viele“. Ich weiß, das klingt jetzt zynisch, aber nicht jeder Trans*Mensch hat den gleichen Leidensdruck, es gibt einige, deren Druck wirklich extrem hoch ist, aber es gibt auch viele, denen ein etwas längerer Weg nicht geschadet sondern eher genutzt hat.

Von dem her plädiere ich für den goldenen Mittelweg. Die Chinesen wollen versuchen ein Gehirn zu transplantieren. Die Person die es trifft wird auch sagen „ Ich will ewig leben also muss das erlaubt sein, weil ich leide sonst wenn ich sterben muss“. Wo führt das hin? Wer soll entscheiden wer den Körper bekommt? Der alte aber reiche Industriemagnat oder das junge Unfallopfer?

Hier ist es doch ähnlich: Ich will selbstbestimmte Gaops, egal ob jemand anders damit falsche Entscheidungen trifft und dann nicht damit leben kann oder andere Bevölkerungsgruppen dann sagen „Wieso bekommen die einen Brustaufbau und ich nicht“ (Cis Frauen mit A Körbchen) oder „Warum bekommen TS, wie von manchen gefordert, eine Gesichtsfeminisierung und ich muss mit meiner Hasenscharte leben?“

Sorry aber bitte nicht immer das absolute eigene Glück im Auge haben, sondern auch mal den Blick auf die Gesamtheit richten.

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.

Hexemelina
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sich

Post 17 im Thema

Beitrag von Hexemelina »

Chrissie hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 21:00
ndere Bevölkerungsgruppen dann sagen „Wieso bekommen die einen Brustaufbau und ich nicht“ (Cis Frauen mit A Körbchen)
ich habe meinen brustaufbau nicht bekommen da A schon vorhanden und alles andre muss man selbst löhnen heul
Glaube an Wunder, Liebe und Glück! Schaue nach vorn und niemals zurück! Tu was du willst, und steh dazu, denn dieses Leben lebst nur du

Helga
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sicher?

Post 18 im Thema

Beitrag von Helga »

Sorry meine Lieben, aber ich glaube einige haben den Text nicht richtig gelesen. Wenn mensch sich mit 30, 40, 50 Jahren oder noch später nach reiflicher Überlegung zu einer Hormonersatztherapie entscheidet, wird auch Herr Dr. Korte keine Einwände haben. Hier geht es aber um Jugendliche von 13, 14, 15 Jahren oder jünger. Eigentlich fast noch Kinder. Wir sind uns hoffentlich einig, dass mensch in dem Alter noch nicht in der Lage ist die Tragweite solch grundlegender Entscheidungen zu überblicken. Damit werden doch geschlechtsanpassende Maßnahmen nicht grundsätzlich in Frage gestellt.

Ich stehe den Pubertätsblockern auch sehr kritisch gegenüber, wofür ich in einem anderen Post (viewtopic.php?p=277664#p277664) bereits entsprechende Kommentare kassiert habe.
Um eines vorwegzustellen, ich habe mich hier nicht angemeldet weil ich ein besonderes Faible für Herrenanzüge habe. Auch mir sind Empfindungen, die nicht so recht zu meinem alltäglichen Äußeren und meiner binären Erziehung passen wollen nicht fremd. Aber folgende Punkte bereiten mir doch einiges Unbehagen:

- Nach Informationslage aus dem Internet entschließen sich fast 100% der pubertätsgeblockten Jugendlichen nach Erreichen der Volljährigkeit zur Einnahme gegengeschlechtlicher Hormonersatzpräparate. Dies kann darauf hindeuten, dass vor der Gabe der Medikamente besonders sorgfältig geprüft wurde, kann aber auch bedeuten, dass die Blocker, die therapeutische Begleitung oder die Konzentration auf einen transsexuellen Bekanntenkreis eine vielleicht nur im Ansatz vorhandene Transsexualität verstärken.
Mit der Entscheidung für die Blocker ist damit das weitere Leben bereits vorweggenommen.

- Da der noch nicht volljährige jugendliche mensch noch nicht entscheiden darf, entscheiden die Eltern. Diese sind dazu meines Erachtens genau wenig in der Lage wie der/ die Betroffene selber.
Die sich immer weiter verbreitenden Hubschrauber- Eltern sind natürlich immer darauf bedacht das "Beste" für die Kinder zu tun, was leider nicht immer deckungsgleich mit dem "Richtigen" ist. Hier möchte ich auf das um sich greifende Münchhausen- Stellvertretersyndrom (https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnc ... tersyndrom) verweisen. Aus eigener Anschauung kann ich folgendes berichten: Vor etwa 15 Jahren gab es einen Hype um die Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung. Fast jedem Jungen in der Grundschulklasse meines Sohnes wurde damals ADHS angedichtet. Ich kann mich an den Ausspruch einer Mutter erinnern: "Jetzt habe ich es endlich schwarz auf weiß! "
Natürlich lässt sich ADHS nicht mit Transsexualität vergleichen, ich erwarte auch keinen Hype, fürchte aber den Übereifer der Eltern, insbesondere wenn sich nach drei biologischen Söhne die Chance zu bieten scheint doch noch den unerfüllten Wunsch nach einer Tochter erfüllt zu bekommen.

- Wir sind uns doch alle einig, dass Transsexualität in all ihren Abstufungen und Facetten keine Geistesstörung und keine Krankheit, und damit auch nicht behandlungsbedürftig ist, solange kein Leidensdruck besteht. Ob der junge Mensch im Erwachsenenalter einen schweren Leidensdruck entwickeln wird, der tatsächlich medizinische Maßnahmen erfordert, lässt sich bestenfalls mit einer gewissen Sicherheit (oder Unsicherheit) voraussagen. Trotzdem werden mit den Pubertätsblockern sehr schwere Medikamente gegeben. Der Mensch, der eigentlich weder Krank noch gestört ist, sondern lediglich eine Variation der Entwicklung aufweist wird pathologisiert, zum Kranken erklärt.

- Die Grundidee hinter den Pubertätsblockern besteht darin, dass durch die Gabe gegengeschlechtlicher Hormonersatzpräparate vor der Pubertät eine deutlich andere körperliche Entwicklung in Richtung des Wunschgeschlechts stattfindet. Dies wird immer als gesetzt angesehen. Aber ist dem wirklich so? Belege gibt es dafür nicht. Bestenfalls Indizien. Im Forum ist immer wieder zu lesen, dass die Hormone nicht die erhofften körperlichen Veränderungen gebracht haben. Warum soll dies in der Pubertät anders sein?

- In einem Video, das hier im Forum geteilt wurde, sahen wir eine Gruppe transsexuelle Jugendliche, die taten was Jugendliche tun, Abhängen, Quatschen, Spaß haben und dem Reporter berichteten wie glücklich sie doch waren. Bei dem Anblick ging mir wirklich das Herz auf und ich dachte, vielleicht ist es für Manche doch der richtige Weg. Das Video hatte leider einen Schönheitsfehler: Es zeigte die Jugendlichen im geschützten Raum eines Transsexuellentreffens. Irgendwann müssen die Jugendlichen zurück in ihre cis- geprägte Umgebung. In der Schule dürften 17 jährige ohne die Anzeichen pubertärer Entwicklung die Opfer schlechthin sein. Wenn die Pubertätsblocker tatsächlich halten was sie versprechen sind die Jugendlichen in dieser, für die Entwicklung sehr wichtigen Phase, weder Fisch noch Fleisch.

- Die Pubertät ist nicht nur für die körperliche Entwicklung eine wichtige Phase, sondern auch für die Entwicklung der Persönlichkeit, des Sozialverhaltens etc. In dem Alter werden meistens die ersten zarten Bande geknüpft, aber auch Grundsteine für Lebenslange Beziehungen zu anderen Menschen gelegt. Hier haben Kinder mit Entwicklungsrückständen automatisch das Nachsehen. Ob dies später tatsächlich alles nachgeholt werden kann erscheint mir zweifelhaft.

- Die Pubertätsblocker bereiten den jungen Menschen auf eine Hormonersatztherapie vor. Warum muss es immer in diese Richtung gehen? Die Botschaft, die dabei ausgesendet und empfangen wird lautet ganz klar: Bei dir stimmt etwas nicht, das müssen wir korrigieren! Selbst wenn der Mensch tatsächlich transsexuell ist- warum HRT, warum GOAP? Warum muss das Geschlechtsempfinden chemisch unterstützt werden, warum müssen funktionierende Organe gegen operative Kosmetik getauscht werden? Ich weiß- dies ist nach der Vorstellung weiter Kreise das Konzept (der Weg) aus einem Mann eine Frau oder aus einer Frau einen Mann zu machen. Dieses Konzept stammt aber definitiv aus einem anderen Jahrtausend (1950er/60er Jahre, wenn mensch die frühen Experimente dazuzählt 1920er Jahre). Früher hieß es: Wenn du eine Frau sein willst, dann musst du als Frau geboren werden. Jetzt heisst es: Wenn du eine Frau sein willst musst du als Frau geboren werden oder eine HRT machen und dich operieren lassen. Dies ist nichts anderes als die Erweiterung der altmodischen Binärität. Damit werden dem jungen Mensch von vornherein alle anderen Optionen verbaut. Eine neue Generation muss die Chance haben neue Konzepte zu entwickeln.

Im oben genannten Post gibt es einen Link zur Geschichte von Lina. Lina ist als Junge namens Caspar geboren worden, zog aber mit drei Jahren einfach ein Kleid an und war damit ein Mädchen. So einfach kann es sein. Ich höre den Einwand- nur bei Kindern! Aber was unterscheidet Lina von einer erwachsenen Transsexuellen? In erster Linie die durch Erziehung, Erfahrung und sonstige äußere Einflüsse über die Jahre aufgebaute Geschlechtsdisphorie. Ich glaube nicht, dass Lina Probleme mit ihrem Körper und ihrem Penis hat. Diese kommen erst, wenn ihr lange genug eingebleut wurde, dass es eine Diskrepanz zwischen ihrem Körper und ihrem Empfinden gibt.

Es ist gut, dass das Thema Transsexualität langsam in der Mitte der Gesellschaft ankommt, die automatische Verknüpfung mit medizinischen und operativen Maßnahmen muss nach mehr als einem halben Jahrhundert aber langsam aufgelöst werden. Die Gesellschaft muss dahinkommen, dass ein kleiner Junge sagen kann: Ich bin jetzt ein Mädchen! Niemand wiederspricht, keiner redet rein, es gibt keinen Wiederspruch zwischen innen und außen. Irgendwann bekommt sie eine tiefere Stimme, breitere Schultern. Vielleicht entscheidet sie dann doch ein Mann sein zu wollen, vielleicht möchte sie trotzdem eine Frau sein. Dann hat sie halt breite Schultern und eine tiefe Stimme. Die Gesellschaft stört es nicht, dann muss sie sich auch für nichts schämen. Auch nicht für ihren Penis. Wer sagt denn, dass eine Frau keinen Penis haben darf? Das Gesetz nach der oft zitierten, vor nunmehr 9 Jahren gefallenen höchstrichterlichen Entscheidung jedenfalls nicht. Vielleicht trifft sie eine andere Frau, mit der sie eine lesbische Beziehung führt. Vielleicht entwickelt sie irgendwann einen Kinderwunsch, aber wie alle Transfrauen kann sie keine Kinder gebären. Da sie ihren Körper weder durch Medikamente noch durch Operationen verändert hat kann sie aber Kinder zeugen. Die Rolle der Gebärenden übernimmt ihre Partnerin die als Frau zur Welt kam. Keine Angst, sie wird dadurch nicht zum Vater. Das Kind hat zwei Mütter: Die samengebende Mutter und die gebärende Mutter. Es sind natürlich genauso Kombinationen aus samengebendem Vater und gebärendem Vater, samengebender Mutter und gebärendem Vater und andere möglich. Für Menschen, die sich im klassischen Mann/ Frau Schema nicht wiederfinden wird einfach der Singular aus Eltern, "Elter" eingetragen. Klingt idiotisch?- Vielleicht. Weil ungewohnt. Es ist noch nicht lange her, da klang es genauso idiotisch, dass ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau heiraten wollte. Heute sind wir daran gewöhnt.

Ich will mit diesen Ausführungen niemanden ärgern oder verletzen. Wenn ihr den klassischen Weg eingeschlagen habt und damit glücklich seit ist alles gut. Aber wie bereits geschrieben: Neue Generationen müssen die Chance bekommen neue Konzepte zu entwickeln.

Liebe Grüße
Helga
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Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.

MichiWell
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sich

Post 19 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Chrissie hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 21:00
Hi Michi, ich weiß nicht wirklich was ich mit Deinem Text anfangen soll.
Hallo Chrissi,

glaube mir, mir geht es mit deiner jetzigen Antwort im Grunde auch nicht besser.

Ich möchte versuchen, meine bisherigen Ausführungen noch besser zu erklären.

Chrissie hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 21:00
Fakt ist Korte spricht in dem Beitrag überwiegend von Jungen Transmännern und das das Verhältnis von 3 bis 4 zu 1 Transfrau zu Transmann sich in den letzten 5 Jahren auf bis zu 1 zu 8 verändert hat. Das ist eine extreme Verschiebung in Richtung Transmann, die ich,- übrigens wertneutral - als Schwemme, bezeichnet.
Über eine Gruppe von Menschen mit Bezug auf ein gemeinsames Merkmal von "Schwemme" zu sprechen, ob nun im Bezug auf Flüchtlinge oder wie hier auf Trans-Menschen, ist alles andere als wertneutral. Nein, es ist übles Propaganda-Sprech, das besonders in rechten Kreisen sehr verbreitet ist.

Und zu Korte .. er vermengt und trennt offenbar nach Belieben, so wie du es auch in deinen Ausführungen herüber bringst, tatsächliche Trans-Männer und solche, die es nicht sind, so wie es ihm gerade in seine Argumentation passt. Dem Vernehmen nach sind viele, die in seine Praxis kommen, eben keine Trans-Männer und werden recht schnell aussortiert. Also kann es nicht das Problem sein, dass es "plötzlich und wegen der Medien und dem Internet" so viel mehr Trans-Männer gibt, wie er behauptet. Er bläht mit diesem Taschenspielertrick die Quote von Menschen, die auf Grund falscher Entscheidungen transitionieren und später bereuen, künstlich auf, indem er jene mit einbezieht, die tatsächlich gar nicht transitionieren, weil sie vorher schon als nicht trans* eingeordnet werden.

Kortes Argumentationsschiene könnte man etwa so beschreiben: "Wo viele Nicht-Trans-Männer sind, müssen folglich noch viel mehr sein." Und damit vermittelt er den Eindruck, man müsse Trans-Menschen unter Generalverdacht stellen. Und es ist mir völlig schnurz, ob er das nun eventuell, ausversehen, möglicherweise und vielleicht doch nicht beabsichtigt haben könnte, denn er macht auf mich nicht den Eindruck, dass er die Tragweite seiner Worte nicht einzuschätzen vermag.

Und bei dir sehe ich Parallelen. Wenn die 2 Personen, von denen du berichtet hast, so offensichtlich keine Trans-Männer sind, warum zählst du sie dann trotzdem als solche? Du vermittelst damit ad hoc eine scheinbare Quote von 40% Detransionierenden. Dabei sind diese 2 von 5 Fällen nicht nur kein Trans-Männer, sondern auch nicht mehr als anekdotische Evidenz. Ich frage mich, ob dir das nicht bewusst ist.

Im Übrigen sehe ich die Gefahr, dass du (auch) auf Grund deiner persönlichen Erfahrungen einem Confirmation Bias unterliegst. Ich möchte dich damit nicht verletzen, muss aber auf diese durchaus ernst zu nehmende Problematik hinweisen. Ich habe wissenschaftliches Arbeiten gelernt, kann da einfach nicht drüber weg sehen.

Chrissie hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 21:00
Es gibt noch keine Zahlen wie viele Transmänner aus den letzten 5 Jahren ihren Weg bereuen werden.
Aha. Es gibt also keine Zahlen. Dennoch hält das bestimmte Kreise offenbar nicht davon ab, sich zu verbünden, hohe Detransitionszahlen zu postulieren, und großes Drama zu machen. Ich verweise hierzu auf die Ausführungen von Cybill.

Chrissie hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 21:00
Im übrigen ist Dein Beispiel mit dem Rollstuhl unlogisch. Hier liegt in der Regel eine Sicherheit vor, dass die Person nicht gehen kann (Querschnittslähmung, Muskelschwund, u.a.)
Vielleicht mag es auf den ersten Blick so scheinen. Tatsächlich ist es aber in nicht so wenigen Fällen eine Ermessensentscheidung. Beispielsweise der von dir angeführte Muskelschwund ist ein Prozess. Die Muskeln sind ja nicht einfach so "über Nacht" verschwunden. Also .. ab wann hat dieser Mensch Anrecht auf einen Rollstuhl? Wie lange soll er dafür leiden müssen um dieses Anrecht "zu beweisen"? So war das gemeint, denn genau diese Frage steht ja bei dem Wunsch nach einer Transition im Raum .. und um wieder auf Korte und die Trans-Männer zurück zu kommen .. im wörtlichen Sinne .. bis Blut fließt .. weil er offenbar erst zufrieden ist, wenn die Trans-Männer ordentlich menstruieren.

(Sorry für meine zynische Wortwahl. Aber offenbar wurde ich bisher nicht verstanden.)

Chrissie hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 21:00
Sorry aber bitte nicht immer das absolute eigene Glück im Auge haben, sondern auch mal den Blick auf die Gesamtheit richten.
Sorry, aber dieser Trumpf von dir sticht nicht. Ich verorte mich zwar im Spektrum zwischen den beiden Geschlechter-Polen, strebe jedoch gar keine Hormone, GAOP und so weiter an .. nichts ist da mit "das absolute eigene Glück im Auge". Ich denke jedoch, dass es mir meine persönliche Situation als Nicht-Außenstehende, aber auch nicht unmittelbar von derartigen Entscheidungen Betroffene nicht verunmöglicht, den Blick auf die Gesamtheit zu richten.


Liebe Grüße
Michi
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Toni Smith
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sicher?

Post 20 im Thema

Beitrag von Toni Smith »

Ich verstehe gar nicht was das Problem ist. Lässt sie doch transitionieren. Erst dann wird man sehen was passiert. Und wenn danach die große Detranswelle kommt, dann ist das eben so. Einem Kind dem man sagt, Fass die Herdplatte nicht an, die ist heiß, wird früher oder später eben die Herdplatte anfassen. Selbsterfahrung nennt man das. Wir können und sollten die Bevölkerung nicht vor allen Eventualitäten schützen, denn das schränkt unser aller Handeln ein. Ein Mensch sollte auch eine gewisse Selbstverantwortung zugesprochen werden. Wenn danach Detrans Leute gegen Transcommunity und Medizin wettern, dann muss man sie eben daraufhinweisen das sie sich das auch selbst eingebrockt haben. Vorausgesetzt aus Community und Medizin kommt auch Risikoabwägung. Wichtig ist für mich, dass man lernt der eigenen GeschlechtsIdentität nicht so viel Beachtung zu schenken, denn in ihr steckt viel Missverständnis, künstliche Konstruktion und Leid.

Und natürlich muss auch die Selbstdarstellung und der Schönheitswahn aufhören und kritisch durchleuchtet werden.
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Wally
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sicher?

Post 21 im Thema

Beitrag von Wally »

Hi alle,

Ich verfolge diese gute und wichtige Diskussion schon seit Tagen und möchte jetzt zu den mir wesentlich erscheinenden Punkten mal ein persönliches Fazit ziehen.

Erst mal: echte (!) Transsexualität ist ein so tief in einer Person verankertes Merkmal (ob angeboren oder erworben,sei da mal beseite gestellt), dass es ganz sicher nicht durch bloße gesellschaftliche Moden oder Hypes verursacht werden kann. Wenn wir jetzt plötzlich - innerhalb weniger Jahre - zehnmal mehr Transmänner (aber offenbar NICHT mehr Transfrauen) erleben, dann kann das zweierlei bedeuten: 1.) Die sind nicht wirklich transsexuell, sie bilden es sich bloß ein, aufgrund eines gesellschaftlichen Hypes. 2.) Es gab schon immer so viele Transmänner, die wurden sich nur früher - unter anderen, äußeren Bedingungen - ihrer Veranlagung nicht rational bewußt, sie begaben sich deshalb früher nicht in die Transition.

Welcher dieser beiden Fälle im Individualfall vorliegt, können wir leider nicht wissen. Das ist tragisch, weil die sinnvollen Schlussfolgerungen daraus genau gegensätzlich sind. Aus statistischer Sicht würde ich vermuten, dass BEIDE Fälle zusammengespielt und den starken Anstieg der (wirklichen wie vermeintlichen) Transmänner verursacht haben. Vielleicht sollte man sich da auch mal die Altersstruktur genauer ansehen: denn wenn wirklich echte Veranlagung dahintersteckt, die sich nur bisher unter ungünstigen, gesellschaftlichen Bedingungen nicht entfalten durfte, dann sollten jetzt auch die Transitionen ÄLTERER Transmänner deutlich zunehmen - zumal die Transition gerade da ja viel einfacher und effektiver möglich ist als bei älteren Transfrauen. Sind es im Wesentlichen NUR pubertäre Mädels, die da so massenhaft aufscheinen, dann ist das doch ein starkes Indiz für einen bloßen, gesellschaftlichen Hype ohne wirkliche Veranlagung.

Dass sich GA-OPs im Kindesalter von selber verbieten, sollte klar sein. Differenziert sehe ich die Sache mit den Pubertätsblockern: bei den Transfrauen halte ich die für richtig und vertretbar, weil sie im Fall echter Veranlagung wirklich lebenslanges, schweres Leid verhindern können, ohne im anderen Fall allzu gravierende, unumkehrbare Tatsachen zu schaffen. Bei den Transmännern ist das aber anders: da bewirkt die körperliche Pubertät kaum etwas, was später einer effektiven Transition wirklich ernsthaft im Weg stehen würde. Insofern sind da die Pubertätsblocker vielleicht ein bequemer Weg, aber nicht annähernd so Not-wendig wie im umgekehrten Fall. Ich würde deshalb doch zur Vorsicht raten - zumal, wenn's plötzlich so massenhaft nachgefragt wird.

Was die Detransitionen angeht: ich kenne persönlich einige - allerdings ausnahmslos Personen, die ihre Transition noch unter den früheren, strengeren Begutachtungen vollzogen haben. Keine einzige dieser Personen "bereut" freilich ihre Transition in dem Sinne, wie es sich Lieschen Müller vorstellt: als ob sie entsetzt und verstümmelt aus einem Wahn wieder aufgewacht wären. Durchweg alle diese Personen sehen die Transition nach wie vor als zu ihrem Zeitpunkt richtige und notwendige Stationen ihres Lebens und haben nur später aus eher praktischen Gründen ihren oberflächlichen, gesellschaftlichen Status dann doch nochmal anders justiert. Detransition in der sozialen Rolle ist NICHT mit "nicht transsexuell" gleichzusetzen!

Wenn freilich jetzt plötzlich massenhaft junge Transmänner nahezu unbesehen Pubertätsblocker verordnet kriegen, um möglichst bequem eine Transition einzuleiten, dann könnte sich das ein paar Jahrzehnte später als ein verheerender Medizinskandal erweisen, in dem man bloß aufgrund eines gesellschaftlichen Hypes vielen jungen Frauen ihr weibliches Leben zerstört hat. Wir können das momentan einfach noch nicht wissen, die Situation ist neu. Die Medizingeschichte lehrt, dass in so neuen, unklaren Situationen eher Vorsicht als Euphorie geboten ist. Und Ideologie - egal in welche Richtung - sollte in so einer Sache sowieso außen vor bleiben.

Herzliche Grüße
Wally
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!EmmiMarie!
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sicher?

Post 22 im Thema

Beitrag von !EmmiMarie! »

Helga hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 23:16
Für Menschen, die sich im klassischen Mann/ Frau Schema nicht wiederfinden wird einfach der Singular aus Eltern, "Elter" eingetragen. Klingt idiotisch?- Vielleicht. Weil ungewohnt.
Hi Helga,

ich muss dich mal wieder featuren..

das steht genauso in meiner Abstammungsurkunde von 1973-ist also nicht idiotisch, sondern genau das was
stimmt, 2 Menschen sind die Eltern. Elter ist okay. Im Übrigen steht da auch nicht mein Geschlecht-war mir damals aber recht egal (smili)
Abstammung.jpg
es steht auch nicht in meiner Geburtsurkunde und wenn ich meine Kindheit, meine Jungend und die Zeit bis zu dem Zeitpunkt
anschaue, als ich sagte "Ich bin eine Frau", war es auch ganz stimmig so.
Ich habe die Freiheit zu switchen lange gut leben können und genossen...

Nur, das hat mich doch mein ganzes Leben lang begleitet und ehrlich ich habe da nie wieder Lust drauf!
Du sagst selbst "weder Fisch noch Fleisch" in deinem Beitrag, das mag für manche die Erfüllung sein, manche können auch
das ganze Leben so verbringen, ich konnte es nicht mehr.
Weiblicher Mann, männliche Frau, oder Neutrum, es laugt aus...ich verstehe nicht mehr, wie man freiwillig einen solchen Zustand anstreben
kann, ich bin es einfach nur leid. Ich will Eindeutigkeit! Und für mich Binarität.
Jetzt ist das für mich das stimmigste Konzept überhaupt, weil es gibt mir Frieden.
Was aber nicht heisst, das ich nicht auch männliche Anteile habe. Die hab ich, sicher sogar.

Worüber ich aber froh bin ist, das mein Körper keine zu eindeutige Entwicklung genommen hat, so kann ich jetzt noch
mit der HRT ein gutes, stimmiges Bild erreichen und die Hormone tun auch was sie sollen.
Kein breites Kreuz und Stimme, damit kann man arbeiten-naja, wenn man es möchte und sehr gute Ergebnisse erzielen.

Naja, aber was will ich eigentlich sagen. Die Kinder können nicht die Tragweite einer solchen Entscheidung überblicken,
das können aber auch nicht Psychologen und nicht die Eltern. Aber ein Kind kann seinem Gefühl folgen und sagen
das da zwischen den Beinen gehört nicht zu mir (egal welche biologische Grundlage da auch gegeben ist).
Und zwar für das hier und jetzt und das hier und jetzt ist nun mal richtig!

Wenn ich ständig nur danach schaue was für eine Entscheidung welche Tragweite hat, versperre ich mich für das wahre
Leben. Aber dafür muss man auch den Po im Rock haben zu sagen, ich bereue nicht was ich damals gemacht hab,
es war richtig, aber jetzt mach ich was anderes.

Ich spüre, das ich sauer werde und traurig mit einer Beimengung von Unverständnis und vielleicht muss ich auch
mal eine Forumspause machen, weil manches was ich höre und lese mir nicht gut tut.
Das liegt jetzt aber nicht an dir, nur am meinem Empfinden...

alles Liebe Marie (flo)
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I´ve known the wind so cold, i´ve seen the darkest days, but now the winds i feel are only winds of change

Always be yourself, unless you can be a unicorn, then always be a unicorn

Kleine Ketzerin
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sicher?

Post 23 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Man sollte bei der Bewertung der Aussagen von Herrn "Doktor" Korte nicht vergessen, aus welchem beruflichen Feld er kommt und vielleicht auch mal einen Blick über den Tellerrand der "Transsexualität" hinaus werfen: Alexander Korte ist Kinder- und Jugendpsychiater. Die häufigste "Diagnose" in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die sogenannte "Hyperkinetische Störung". Darunter fallen sowohl die sogenannte "einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADS)" als auch die sogenannte "Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)". "Behandelt" werden diese "Störungen" in der Hälfte der Fälle medikamentös mit den Wirkstoffen Methylphenidat (1) und Lisdexamfetamin (2). Beide Substanzen können - unter vielen anderen gravierenden Nebenwirkungen - Psychosen auslösen, werden aber trotzdem von Kinder- und Jugendpsychiatern für Kinder und Jugendliche verordnet. Und hier macht sich nun mit Alexander Korte ausgerechnet ein solcher Kinder- und Jugendpsychiater "Sorgen" um eine "frühzeitige Weichenstellung" durch die "voreilige" Verordnung von (nebenwirkungsarmen) Pubertätsblockern oder "gegengeschlechtlichen" Hormonen. Es ist also völlig ok, Kindern und Jugendlichen Amphetamine oder amphetminähnliche Substanzen zu verordnen, die Psychosen auslösen können (und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns weitgehend unbekannt sind), Pubertätsblocker und Sexualhormone, die schlimmstenfalls eine bloß vermutete "psychosexuelle Entwicklung" beeinflussen können, sind aber Teufelszeug. Was für eine scheinheilige Quacksalberei... Offenbar hat "Doktor" Korte den hippokratischen Eid als hypokritischen Eid missverstanden.

Wer als Erwachsener auf die offensichtliche Bigotterie von Herrn Korte hereinfällt und glaubt, er habe mit seinen Behauptungen recht, ist in meinen Augen selbst schuld. Aber lasst um Himmels Willen nicht länger zu, dass Kinder und Jugendliche - ob cis, trans oder nichtbinär - unter solchen Kurpfuschern leiden müssen.

(1) https://www.drugs.com/methylphenidate.html

(2) https://www.drugs.com/mtm/lisdexamfetamine.html
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Anne-Mette
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sicher?

Post 24 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

es geht nicht darum, ihm Recht zu geben oder recht.

Es geht darum, sich auch mit "Gegenthemen" thematisch auseinanderzusetzen; das meinte ich mit meinen Einlassungen.
Mit Beschimpfungen wird nicht viel erreicht werden können - eher im Gegenteil: "die hysterischen Transmenschen wieder" wird die "öffentliche Meinung" u.U. daraus generieren.
Das wird "uns" zum Nachteil gereichen.

Gruß
Anne-Mette
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Chrissie
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sich

Post 25 im Thema

Beitrag von Chrissie »

MichiWell hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 23:36
Dabei sind diese 2 von 5 Fällen nicht nur kein Trans-Männer, sondern auch nicht mehr als anekdotische Evidenz. Ich frage mich, ob dir das nicht bewusst ist.
Das ist natürlich einfach: Alle Menschen, die sich selbst als Trans* verorten, bei denen sich später aber herausstellt, dass sie nicht Trans sind, nehmen Wir aus der Statistik und schon haben wir 100% Trans*Menschen für die eine med Maßnahme immer eine Erleichterung bringt. Natürlich haben dann alle die diese Gruppe eben nicht aus der Statistik raus nehmen unrecht.

Im übrigen:In dem Beitrag wurden auch Zahlen aus anderen Zentren genannt, so z.B Schweden wo die Gruppe der. Transmänner um 1200% gewachsen ist. Frag doch mal die Selbsthilfegruppen. Fast alle haben in den letzten 5 bis 8 Jahren einen extremen Zuwachs an Transmännern festgestellt, das geht nicht nur Korte so.

Ich vermute, Du machst selbst keine Beratungen und kennst auch nicht mehrere Selbsthilfegruppen, kannst daher aus eigener Erfahrung gar nichts dazu sagen, wie die Entwicklung in den letzten Jahren verlaufen ist.

Aber gut ok, wie ja schon von anderer Seite (Toni Smith) in dieser Diskussion erwähnt: sollen sie doch med Maßnahmen durchlaufen und dann anschließend weitere Maßnahmen für die Detransition mit anschliessenden schweren Depris, weil eben nichts mehr so wieder hergestellt werden kann wie es vorher mal war. Ich hab ja noch keine gesehen, also können dass ja nur vernachlässigbar wenige sein und um die ist es nicht schade. Schließlich kann ich doch von einer 13 bis 15 Jährigen erwarten, dass sie sich aller Konsequenzen bewusst ist und Beeinflussungen erkennt.

Klasse Einstellung, zeugt von Verantwortung. Weiter so.

Ich klinke mich damit aus dieser Diskussion aus, sie bringt eh nichts.

Chrissie
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sich

Post 26 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Chrissie hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 20:46
In dem Beitrag wurden auch Zahlen aus anderen Zentren genannt, so z.B Schweden wo die Gruppe der. Transmänner um 1200% gewachsen ist.
Apropos Schweden... Die beiden Beispiele im Artikel - Johanna und Aleksa - stammen ja auch aus Schweden. Und sie widerlegen bei genauerer Betrachtung genau das, was Herr Korte gerne behauptet. Aber der Reihe nach...

Johanna ist heute 20 und hat vor drei Jahren angefangen, sich männlich zu kleiden und sich Caspar zu nennen. Sie hat die "Transition" beim ersten Beratungsgespräch zu medizinischen Maßnahmen abgebrochen und ist heute wieder Johanna.

Aleksa ist heute 38. Sie hat sich im Alter von 20, also vor 18 Jahren, operieren lassen und bereut ihre "Transition" heute.

Wenn man hier jetzt einfach mal genau hinschaut (also z.B. ohne sich von Kortes Polemik vernebeln zu lassen), dann stellt man fest, dass (*Trommelwirbel*)...

... die Person, die ihre "Transition" in einem sehr restriktiven System (Schweden vor 18 Jahren) begonnen hat, diese "Transition" trotz der Restriktivität des damaligen schwedischen Systems auch voll durchgezogen hat und trotz der Restriktivität des damaligen schwedischen Systems zum "Reuefall" wurde.

... die Person, die ihre "Transition" in einem deutlich liberaleren System (Schweden vor 3 Jahren) begonnen hat, diese "Transition" trotz des liberaleren Systems rechtzeitig (also vor irreversiblen medizinischen Maßnahmen) abgebrochen hat und gerade nicht zu einem "Reuefall" wurde.

Merkwürdig, oder? Ich wage mal ein paar ganz furchtbar böse (man könnte auch sagen: ketzerische) Spekulationen:

Könnte es vielleicht sein, dass ein besonders restriktives System Menschen darin bestärkt, die "Transition" auch wirklich bis zum bitteren Ende durchzuziehen, weil das restriktive System eine Scheinsicherheit erzeugt, während ein liberales System Menschen vielleicht eher dazu animiert, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und gegebenenfalls rechtzeitig die Notbremse zu ziehen?

Könnte es folglich dann vielleicht weiterhin sein, dass wir mit einem liberaleren System (sofern sowas denn jemals kommen sollte) zukünftig zwar deutlich mehr Menschen haben werden, die sich wegen einer vermuteten Transsexualität in irgendeiner Form beraten lassen, aber trotzdem nicht mehr tatsächliche "Transitionen" als heute?

Ich finde, über sowas sollte man mal nachdenken, bevor man in hysterische Schockstarre verfällt und Rattenfängern wie Korte hinterherläuft...
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sich

Post 27 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Chrissie hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 20:46
Das ist natürlich einfach: Alle Menschen, die sich selbst als Trans* verorten, bei denen sich später aber herausstellt, dass sie nicht Trans sind, nehmen Wir aus der Statistik
Verdrehst du gerade meine Worte?

Es geht mir darum, dass angeblich zu viele junge Menschen transitionieren würden, und deswegen später wieder detransionieren. Und da stellt sich mir die Frage, warum man da die Zahl der Menschen betrachtet, die in die Beratung kommen, anstatt die Zahl derer, bei denen tatsächlich eine Behandlung mit gegengeschlechtlichen Hormonen durchgeführt wird.

Mir kommt es so vor, wie wenn ein Autohaus die viel größere Zahl der neugierigen Interessenten mit den tatsächlichen Autokäufern gleichsetzt. Das klingt nach außen hin gleich viel dramatischer, und bekanntlich gehört Klappern zum Handwerk. Nur ist das nicht im Interesse der Betroffenen.

Chrissie hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 20:46
Ich vermute, Du machst selbst keine Beratungen und kennst auch nicht mehrere Selbsthilfegruppen, kannst daher aus eigener Erfahrung gar nichts dazu sagen, wie die Entwicklung in den letzten Jahren verlaufen ist.
Du musst nicht vermuten, denn ich habe kein Problem damit zu sagen, dass ich selbst keine professionellen Beratungen durchführe. Aber ich "kenne" nicht nur zwei Gruppen, sondern betreue auch eine Gruppe zusammen mit einem Trans-Mann, der als Berater und Sachverständiger tätig ist, und ich werde mich gelegentlich mal mit ihm dazu austauschen. BTW ist diese "unsere" Gruppe gut gemischt mit Trans-Menschen jeden Geschlechts, und erlaubt es mir durchaus, Erfahrungen und Wissen über meinen Tellerrand hinaus zu sammeln. :wink:

Chrissie hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 20:46
Aber gut ok, wie ja schon von anderer Seite (Toni Smith) in dieser Diskussion erwähnt: sollen sie doch med Maßnahmen durchlaufen und dann anschließend weitere Maßnahmen für die Detransition mit anschliessenden schweren Depris, weil eben nichts mehr so wieder hergestellt werden kann wie es vorher mal war. Ich hab ja noch keine gesehen, also können dass ja nur vernachlässigbar wenige sein und um die ist es nicht schade. Schließlich kann ich doch von einer 13 bis 15 Jährigen erwarten, dass sie sich aller Konsequenzen bewusst ist und Beeinflussungen erkennt.

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Was wird denn das jetzt? Du versuchst mir die Worte von Toni unterzuschieben?

Ich stehe überhaupt nicht auf dem Standpunkt, Pubertätsblocker wie Hustenbonbons zu verteilen.

Es wird doch wohl einen Mittelweg zwischen Toni: "Hormone für alle" und Korte: "jeder muss erst mal gemäß seiner Biologie pubertieren" geben :!:

Chrissie hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 20:46
Ich klinke mich damit aus dieser Diskussion aus, sie bringt eh nichts.
Das wirft die Frage auf: Was sollte die Diskussion denn deiner Meinung nach bringen?! Suchst du nur Bestätigung deiner Sichtweisen und Mitstreiter dafür, dann ist das nämlich keine Diskussion sondern ein Parteitag.

Diskussion lebt vom unterschiedlichen Sichtweisen und der argumentativen Auseinanderzusetzung damit.

Schade drum. :|
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Ralf-Marlene (Mi 1. Jul 2020, 08:40)
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Re: Transsexualität - Ich bin trans. Sicher?

Post 28 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene »

Hier möchte ich Wally danken für Ihre sehr abwägenden Ausführungen viewtopic.php?f=5&t=20441&start=15#p283596

Es geht nicht um schwarz und weiß. Ich denke auch, dass Dr. Korte nicht abwägend ist, trotzdem sollten wir uns mit seinen Argumenten auseinandersetzen, übertriebenes verwerfen und sinnvolles bedenken.

Ich denke anders als Wally wir sollten Pubertätsblocker je nach Fall bei Mädchen und Jungen einsetzen. Wir sollten eine Automatik hin zur Transition, falls es diese wirklich gibt, durchbrechen. Aber auch eine Masektomie und tätowierte Brustwarzen stelle ich mir nicht als Spaziergang und als Verlust von Empfindungsfähigkeit vor. Es gilt immer ergebnisoffen abzuwägen.
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MichiWell (Mi 1. Jul 2020, 15:28) • Mirjam (Mi 1. Jul 2020, 22:10)
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Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.

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