Sich selbst "Transe" nennen?!
Sich selbst "Transe" nennen?! - # 3

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MichiWell
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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 31 im Thema

Beitrag von MichiWell » Do 11. Jan 2018, 18:48

_ChrisTine_ hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 14:37
Ganz allgemein wird "Transe" meiner Ansicht nach oft als Sammelbegriff für Menschen mit abweichender (sexueller)Ausrichtung als der der Masse verwendet.
Ach. Ist das so? Seit wann werden denn Schwule und Lesben als Transen bezeichnet? :?

Ich habe es bisher nur umgekehrt erlebt, dass TS, TV, CD u.ä. als Schwule oder Schwuchteln beschimpft wurden.
Überhaupt ist doch bei der Allgemeinheit alles "schwul", was irgendwie anders ist.
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

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MichiWell
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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 32 im Thema

Beitrag von MichiWell » Do 11. Jan 2018, 18:51

VanessaL hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 08:18
Für mich ist das Wort Transe daher ein auf bestimmte Menschen anwendbare Bezeichnung und kein Schimpfwort .... das wird es erst, wenn ich diese Menschen (Transen) selbst abstoßend finde und mich beleidigt fühle, wenn ich mit Ihnen verglichen - in einen Topg geworfen - werde.
Hallo Vanessa,

vielen Dank für den Hinweis. Das ist ein sehr interessanter Gedanke.

Da hätte ich eigentlich gleich selbst drauf gekommen sein können.

Ich habe immer mal wieder erlebt, wie manche TS sich massiv dagegen verwehrt haben und mit aller Macht ablehnen, in irgendeiner Weise mit CD, TV und Teilzeitfrauen in einen Topf geworfen zu werden, wohl, weil sie diesen pauschal sexuelle Motivation und/oder mangelnde Ernsthaftigkeit unterstellen, und daraus resultierend Angst haben, dass dies nach außen hin - gegenüber der Gesellschaft - auf sie abfärben und ihrem verständlichen Wunsch, ganz als Frau leben zu wollen, in irgendeiner Weise abträglich sein könne. Es könnte die wohl als höherwertig angesehenen Ziele gefährden, und ganz ehrlich, ich spürte da immer wieder hirarchisches und elitäres Denken, wenn man mir zu verstehen gibt, dass ich nur trans* Mensch 2. Klasse sei.

Und genau das passiert auch bei der Bezeichnung "Transe". Sie differenziert den Betreffenden nicht genug, includiert anstatt ab- und auszugrenzen.

Ich persönlich habe kein Problem, mit Transsexuellen als eine größere Gruppe gesehen zu werden. Wir haben halt ein unterschiedlich ausgeprägtes abweichendes Geschlechtsidentitätsempfinden. Wo ist das Problem? Und wenn mich jemand fragt, ob ich "Frau werden möchte", dann kann ich ohne Probleme sagen, dass das für mich leider nicht die Lösung ist, auch wenn sie womöglich die einfachere wäre (aus Sicht der Gesellschaft und des bipolaren Geschlechtermodells).


Liebe Grüße
Michi
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Magdalena
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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 33 im Thema

Beitrag von Magdalena » Do 11. Jan 2018, 19:07

Hallo,

das Wort Transe ist in der Gesellschaft negativ besetzt. Darum verwende ich es nicht für mich. Oft wird das Wort Transe als Sammelbegriff für Menschen verwendet, die der nicht Betroffene nicht einordnen kann. Manche homosexuellen Männer kleiden sich modebewusster als "normale" Männer. Sie benutzen Kosmetik im Gesichte und werden gleich als Transe abgestempelt. Da wird vieles in einen Topf geworfen wo es nicht hineingehört.

Ich sah mal einen Beitrag, es ist schon lange her, von Romy Haag. die meinte Transe sagen zu dürfen, weil sie selber eine sei. Ich denke sie meinte auf Augenhöhe untereinander sich begegnen , dann ist es nicht beleidigend. Aber so von oben herab ist es doch eher beleidigend.


Liebe Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.

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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 34 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Do 11. Jan 2018, 19:16

MichiWell hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 18:32
Ich meine damit, dass man nicht aus den eigenen Reihen auf mich und andere verbal eindrischt und das Bemühen sabotiert, dem Wort seine negative Bedeutung zu nehmen.
Verbal auf dich und andere eindrischt? Die Stelle(n) musst du mir mal bitte zeigen. Einige haben deutlich gemacht, dass sie mit dem Wort Probleme haben (dazu zähle auch ich mich) und andere, dass sie damit keine Probleme haben. Und wenn man dann also kundtut, dass man dieses Wort für sich nicht akzeptieren kann, dann sabotiert man also gleich eure Bemühungen? Sorry, das finde ich schon ein wenig befremdlich. Was hast du erwartet in einem Thema, das "Sich selbst 'Transe' nennen?!" heißt? Dass alle Hurra schreien? Im Übrigen habe ich den von Anne-Mette verlinkten Artikel schon zwei Tage vorher im Thema "Her Story" verlinkt, wo die Diskussion ja ihren Anfang nahm. Da hat sich absolut niemand für interessiert, warum fühlen sich jetzt auf einmal welche angegriffen, weil nicht alle ins gleiche Horn stoßen?
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

MichiWell
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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 35 im Thema

Beitrag von MichiWell » Do 11. Jan 2018, 19:30

Svetlana L hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 19:16
...
Siehe dazu meinen ersten Beitrag. Dort ist bereits alles gesagt:
MichiWell hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 00:21
ich habe meinen Standpunkt in den letzten Wochen und Monaten auch mehr als einmal kund getan, dass ich mich selbst so bezeichne, und dass ich finde, dass wir den Kampf nicht gewinnen können, wenn wir uns vor dem Wort "Transe" fürchten.

Dass sich manche schwer damit tun, habe ich schon verstanden. Dennoch würde ich euch darum bitten, nicht denen in den Rücken zu fallen, die den Mut aufbringen und darum kämpfen, dem Wort seine negative Bedeutung zu nehmen.
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Anne-Mette
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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 36 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 11. Jan 2018, 19:35

Moin,
Im Übrigen habe ich den von Anne-Mette verlinkten Artikel schon zwei Tage vorher im Thema "Her Story" verlinkt, wo die Diskussion ja ihren Anfang nahm. Da hat sich absolut niemand für interessiert, warum fühlen sich jetzt auf einmal welche angegriffen, weil nicht alle ins gleiche Horn stoßen?
OHA, da habe ich wieder etwas angerichtet :(

Gruß
Anne-Mette

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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 37 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Do 11. Jan 2018, 20:17

Anne-Mette hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 19:35
Im Übrigen habe ich den von Anne-Mette verlinkten Artikel schon zwei Tage vorher im Thema "Her Story" verlinkt, wo die Diskussion ja ihren Anfang nahm. Da hat sich absolut niemand für interessiert, warum fühlen sich jetzt auf einmal welche angegriffen, weil nicht alle ins gleiche Horn stoßen?
OHA, da habe ich wieder etwas angerichtet :(
Doppelt hält ja bekanntlich besser :lol:
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 38 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Do 11. Jan 2018, 20:28

MichiWell hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 19:30
Svetlana L hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 19:16
...
Siehe dazu meinen ersten Beitrag. Dort ist bereits alles gesagt:
MichiWell hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 00:21
ich habe meinen Standpunkt in den letzten Wochen und Monaten auch mehr als einmal kund getan, dass ich mich selbst so bezeichne, und dass ich finde, dass wir den Kampf nicht gewinnen können, wenn wir uns vor dem Wort "Transe" fürchten.

Dass sich manche schwer damit tun, habe ich schon verstanden. Dennoch würde ich euch darum bitten, nicht denen in den Rücken zu fallen, die den Mut aufbringen und darum kämpfen, dem Wort seine negative Bedeutung zu nehmen.
Was ist das denn jetzt für eine Antwort? Soll ich jetzt Post 12 wiederholen?
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 39 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2018-08-04 » Do 11. Jan 2018, 21:08

Jenina hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 13:43
Es wäre nur schön wenn es weniger Bedenken gäbe das es solche Bestrebungen gibt und das man das etwas anerkennt und vielleicht sogar moralisch unterstützt, auch wenn man selbst das nicht für sich annehmen kann. Wozu dann dieser pejorative Beigeschmack mit dem "edlen Solidargedanken" hilfreich sein soll kann wiederum ich nicht erkennen.
Du hast Recht, "edlen" war eine überflüssige Spitze, ich ziehe das Wort zurück. Trotzdem ist mir nicht ganz klar, wie die Anerkennung und moralische Unterstützung konkret aussehen soll, wenn "Transe" ein Wort ist, mit dem ich mich selbst null identifizieren kann und bei dem ich aus teilweise heftigen Diskussionen in meiner SHG weiß, wie verletzend es bei vielen ankommt. Ich glaube, ich erkenne den guten Sinn deines Grundgedankens, aber ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

Wer trans* ist, hat nicht selten das Gefühl, durch Beton zu gehen. Und "Transe" gehört zu den Worten die regelmäßig in Großbuchstaben auf den kalten Mörtel gesprüht werden. Es ist für viele mehr als ein Schimpfwort, es ist eine Bezeichnung für etwas ungewollt Sichtbares in einer besonders verletzbaren Lebensphase. Aber vielleicht ist das tatsächlich ein zu persönlich eingefärbter Standpunkt, das mag schon sein.

Lina
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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 40 im Thema

Beitrag von Lina » Do 11. Jan 2018, 21:48

BiancaC hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 10:32
@ Lina ,ja du hast Recht ! aber gibt es für das Wort "Transe" eine alternative ?

VG Bia
Also sag mir jetzt nicht, dass wir nicht genügend Woerter haben, die mit "Trans" anfangen. Wie wäre es mit dem Oberbegriff "Transgender", wenn dir nichts Genaueres einfällt?
Oder meintest du als Schimpfwort? Wen ich jemanden beschimpfen, brauche ich nicht weder Geschlecht, sexueller Orientierung oder Identität mit einzubeziehen. Da wird mir schon was einfallen.

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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 41 im Thema

Beitrag von MichiWell » Do 11. Jan 2018, 22:58

Daenerys Targaryen hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 21:08
Es ist für viele mehr als ein Schimpfwort, es ist eine Bezeichnung für etwas ungewollt Sichtbares in einer besonders verletzbaren Lebensphase.
Das, was für die Einen etwas Unangenehmens ist, was sie möglichst schnell hinter sich bringen - verdrängen und vergessen möchten, ist für viele andere keine "Lebensphase" sondern "das ganze Leben" ist so, was sie für sich akzeptieren und leben müssen, wenn sie nicht darüber kaputt gehen wollen. :wink:
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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 42 im Thema

Beitrag von Marielle » Do 11. Jan 2018, 23:09

Hallo zusammen,

beim lesen des Threads dachte ich erst: Wenn wir nur halb soviel Engagement für die Sichtbarmachung und Vertretung unserer Anliegen aufwenden würden.....

Nun aber, nach
Daenerys Targaryen hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 21:08
Es ist für viele mehr als ein Schimpfwort, es ist eine Bezeichnung für etwas ungewollt Sichtbares in einer besonders verletzbaren Lebensphase.
möchte ich doch was dazu schreiben.


Ich denke schon, dass ich verstehe, was mit 'ungewollt' und 'verletzbar' gemeint ist und das diese Aussage sehr verständlich ist; schliesslich bin ich nicht erst seit gestern dabei. Ich verstehe und respektiere also den Wunsch, der damit beschrieben ist.

Aber ich verstehe nicht, wie dieses 'ungewollt' in der Praxis ausgelöscht werden können soll, wenn wir nicht in die Lage kommen, einen 'Zwischenzustand', der zeitlich begrenzt oder dauerhaft besteht, als Teil eines individuellen Lebens zu verstehen und zu akzeptieren? Wie soll das gehen, wenn wir nicht bereit oder nicht in der Lage sind, uns selbst auch in diesem Zustand zu mögen? Und zwar so sehr zu mögen, dass die Umwendung des Begriffs 'Transe' in eine Selbstbezeichnung möglich ist und mit Stolz benutzt werden kann (kann!, nicht 'soll' und nicht 'muss'!). Denn nur wenn das 'ungewollt' keine Bedeutung mehr hat, wird die Verletzbarkeit zu Ende gehen können.


'Ungewollt' ist hier ein anderes Wort für 'failed passing'. Aber wir alle können uns auf den Kopf stellen und dabei auch noch Faxen machen, das ändert nichts daran, dass Passing nur ein 'durchgehen als jemand / als etwas' bedeutet. Es meint etwas Fremdbestimmtes und ist dadurch ein defintiv von aussen begrenzter Zustand. Die zugebilligte Anerkennung ist es damit auch, solange sie auf nichts anderem als Passing beruht. Sicherlich liegt die Schwelle unterschiedlich hoch, vielleicht schon beim flüchtigen Hinsehen, vielleicht auch erst im Bett, bei der Frage nach dem Kinderwunsch oder beim Betrachten der eigenen Kinderbilder. Aber spätestens da ist Schluss mit Passing und 'gewollt' und die Verletzbarkeit ist wieder riesengroß. Daran wird kein Gesetz der Welt, kein Registereintrag und kein Passing jemals etwas ändern, daran können wir nur selbst etwas ändern.

Daenerys Targaryen hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 21:08
Aber vielleicht ist das tatsächlich ein zu persönlich eingefärbter Standpunkt, das mag schon sein.
Ja und Nein.

So verständlich es ist, dass manche das Wort 'Transe' als Selbstbezeichnung ablehnen oder sie es hier und jetzt einfach nicht ertragen können, so wichtig, glaube ich, ist es, dafür zu streiten, Stolz auf sich selbst sein zu können. So wie man ist, nicht so, wie man versuchen kann zu sein oder wie manch andere es gerne hätten, weshalb sie es als Schimpfwort benutzen.


"Gay trans* is the word."


Habt es gut

Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.

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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 43 im Thema

Beitrag von ascona » Fr 12. Jan 2018, 00:06

Da scheint es ja zwei scharf getrennte Lager zu geben, die einen fühlen sich durch das Wort beleidigt, für die andern ist es ok und man sollte offensiv damit "werben", damit es seine - bisher doch irgendwie - negative Bedeutung verliert.
Für mich ist das einfach eine etwas schnoddrige , legere Bezeichnung für Transvestiten, also eher wertfrei. Und ich glaube, daß bei den "andern" Menschen, die TVs so bezeichnen, das auch unterschiedlich gemeint sein kann, abwertend ODER neutral. Warum sollte ich mir darüber den Kopf zerbrechen, oder jedem gleich eine beleidigende Absicht unterstellen ? Wenn es böse gemeint ist, dann merkt man es an der Situation.
Jenina hat geschrieben:
Do 11. Jan 2018, 13:43
@Nicole
Vielleicht sollte ich statt "Transe" einfach "Transvestit" sagen,
Das ist sehr gut! Ich selber bezeichne mich so und auch da ist es so dass sich manche leiber als Crossdresser bezeichnet, was ja nichts anderes heißt, aber nicht so "belastet" ist.
Ich finde auch das Wort "Transvestit" am besten. Es ist wertfrei. Und deutsch.

(das Wort Crossdresser kenne ich erst, seit ich dieses Forum kenne. Ehrlich. Ist also nur was für Kenner)

Gruss, ascona

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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 44 im Thema

Beitrag von BiancaC » Fr 12. Jan 2018, 05:55

@ Lina ; mein "du hast recht" bezog sich auf : "trans" - ist ja auch lange nicht das selbe wie "Transe"

@ all:

so ich hab mal ein bisschen recherchiert und ich finde für mich das Wort nicht mehr abwertend

den es gibt viele schlimmere Wörter wie :"Tucke oder Pimmelfrau ,usw ..."

hier :
https://zeilenzwischenxundy.wordpress.c ... r-glossar/

hab ich vielleicht eine Alternative gefunden : "Tivi"

und hier : http://www.stupidedia.org/stupi/Transe

ist eine Seite die sich selbst als "Sinnfrei" bezeichnet .

Einfach mal ansehen.

VG Bia
wer rächtschreibfeler findet darf sie behalten !

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Re: Sich selbst "Transe" nennen?!

Post 45 im Thema

Beitrag von Jenina » Fr 12. Jan 2018, 07:58

Mädels,

ganz prima!

Wir streiten untereinader über ein Wort! Gehts noch?*

Michi hat oben schon mal darauf hingewiesen:
Ich habe immer mal wieder erlebt, wie manche TS sich massiv dagegen verwehrt haben und mit aller Macht ablehnen, in irgendeiner Weise mit CD, TV und Teilzeitfrauen in einen Topf geworfen zu werden, wohl, weil sie diesen pauschal sexuelle Motivation und/oder mangelnde Ernsthaftigkeit unterstellen, und daraus resultierend Angst haben, dass dies nach außen hin - gegenüber der Gesellschaft - auf sie abfärben und ihrem verständlichen Wunsch, ganz als Frau leben zu wollen, in irgendeiner Weise abträglich sein könne. Es könnte die wohl als höherwertig angesehenen Ziele gefährden, und ganz ehrlich, ich spürte da immer wieder hirarchisches und elitäres Denken, wenn man mir zu verstehen gibt, dass ich nur trans* Mensch 2. Klasse sei.
Das kann ich nur unterstreichen. Wir "bekämpfen" uns hier gegenseitig schon fast. Was soll das?

Gerade wenn ein Ding, sei es nun ein Wort oder eine Tatsache wie eine Geschlechtsdysphorie in der jetzigen Gesellschaft von vielen negativ besetzt wird ist es doch unsere Aufgabe das zu ändern. Oder nicht? Sollen wir uns die Zurücksetzung, ja offene Diskriminierung, einfach gefallen lassen? Oder wollen wir etwas dagegen tun? Wollen wir uns zeigen oder nicht? Wollen wir raus aus der Schmuddelecke, besonders die Transvestiten - siehe das Zitat von oben - für die die es sogar aus den eigenen Reihen solche Diskriminierung gibt?

Wie sollen wir uns denn nennen wenn wir draußen sind?

Wollen wir nun etwas verändern?

Bittte um Vorschläge und Einstellung der Streitereien!

Jenina

P.S: *) ich hätte fast gesagt "Mann Oh Mann!"
Disclaimer: Dies ist eine persönliche Meinung, sie ist möglicherweise inkompatibel mit Deinem Glauben/Lifestyle/Parteiprogramm!

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