Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz
Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz - # 3

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MichiWell
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 31 im Thema

Beitrag von MichiWell »

EmmiMarie hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 14:22 tatsächlich muss ich sagen, das ich das für eine ziemlich gute Idee halte..

ich war mir von vorne weg nicht sicher, ob das bei den Standesämtern richtig aufgehängt wäre [...]

Hmm..ich betreibe hier kein Gatekeeping, aber es ist nicht alles schlecht, was wir gerade an
Werkzeugen zur Verfügung haben.
Liebe Marie,

ich muss mich da leider Jaddy anschließen. Man kann freilich etwas für eine gute Idee halten. Aber deswegen muss das noch lange nicht zutreffen, insbesondere dann, wenn die Begründung dafür nur daraus besteht, dass es "viele Vorteile hätte", ohne auch nur einen einzigen zu benennen, genau so wenig wie irgendein "Bauchgefühl" hinsichtlich nicht zusammenpassender Chemie auf beiden Seiten des Schreibtisches bei einem Verwaltungsakt. Sorry, aber seit wann ist Bauchgefühl der Maßstab dafür? Ich glaube, ich muss dir nicht sehr ausführlich erklären, was das Bauchgefühl von nicht gerade wenigen Menschen auf dieser Welt über die Existenz und Rechte von Menschen wie dir und mir sagt. Für die gehören wir entrechtet, weg gesperrt oder schlimmeres.

Die Diskussion gab es schon vor Jahren hier im Forum, und auffallend oft waren die Fürsprecher eines weiterhin beschwerlichen Weges gerade jene, die diesen Weg bereits hinter sich gebracht hatten. Das habe ich nie nachvollziehen können, und man konnte mir bisher auch keine stichhaltigen Gründe dafür nennen. Für mich fühlte sich das immer so an, als ob diese Betroffenen der nachfolgenden "Generation" die Erleichterungen auf dem Weg insgeheim neiden und deshalb nicht gönnen würden.


Liebe Grüße
Michi
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Aria
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 32 im Thema

Beitrag von Aria »

MichiWell hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 17:50 Die Diskussion gab es schon vor Jahren hier im Forum, und auffallend oft waren die Fürsprecher eines weiterhin beschwerlichen Weges gerade jene, die diesen Weg bereits hinter sich gebracht hatten. Das habe ich nie nachvollziehen können, und man konnte mir bisher auch keine stichhaltigen Gründe dafür nennen. Für mich fühlte sich das immer so an, als ob diese Betroffenen der nachfolgenden "Generation" die Erleichterungen auf dem Weg insgeheim neiden und deshalb nicht gönnen würden.
Michi, ich kann nur für mich sprechen aber mir ist es tatsächlich egal, ob es in Zukunft einfacher oder genau so "schwierig" sein wird. Und ich denke, damit bin ich nicht alleine. Klar, gibt es vieles zu verbessern. Das wissen wir alle. Aber es kommt immer so rüber als wäre es unmöglich. Und das ist es einfach nicht! Sicher, es kostet bisschen was, man muss einen Antrag schreiben und 2 Gespräche führen. Wenn man das Geld nicht hat, kann man Hilfe beantragen und Gutachter, die einem keine Steine in den Weg legen, gibt es genau so, wie Ärzte, die einen bei bester Gesundheit krankschreiben. Man muss nur danach fragen und willig sein, Infos einzuholen. Und da sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt: Wille. Den vermisse ich sehr oft. Mir war das so wichtig, ich wäre dafür hunderte Kilometer gelaufen, damit endlich mein richtiger Name im Pass steht. Und genau aus diesem Grund kann ich diejenigen nicht verstehen, die lieber jahrelang lamentieren und lieber Einschnitte in ihr Leben in kauf nehmen anstatt aus dem Quark zu kommen und ihr Leben in die Hand zu nehmen. Wenn ich aber sowas sage, bekomme ich noch Gegenwind. Ich wäre ja so supertoll und würde alles mit links machen. Aber sind wir mal ehrlich, wenn man nicht in der Lage ist, sich um sich selbst zu kümmern und Dinge in die Hand zu nehmen, sprich, mental nicht in guter Form ist, ist es dann sinnvoll demjenigen komplette Selbstbestimmung zu übertragen? Kann man so jemanden auf eine Hormonreise schicken, die oben nach unten und rechts auf links krempelt? Ich bin mir da sehr unsicher....
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 33 im Thema

Beitrag von Lana »

Aria hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 19:56Sicher, es kostet bisschen was, man muss einen Antrag schreiben und 2 Gespräche führen. [...]
Und da sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt: Wille.

Liebe Aria,

kannst du dir vorstellen, dass es Menschen gibt, die das wollen, aber nicht zu den Bedingungen? Du stellst das so dar, als wäre es eine einfache Entscheidung dafür oder dagegen. Das ist mir zu wenig differenziert.
Ich lasse mich von diesem Staat nicht als krank einstufen, nur um meinen Namen und Geschlechtseintrag ändern zu können. Jaddy hat das schon geschrieben, es sind einfache Registereintragungen, die nichts, aber auch gar nichts mit meinem psychischen oder körperlichen Gesundheitszustand zu tun haben. Auch Tessa Ganserer hat das schon öfters sehr schön erklärt. Und auch die Argumentation von Jasmin hier im Thread ist schlüssig: es handelt sich um Grundrechte. Da braucht man keine Erlaubnis oder Bestätigung von Dritten dafür.
Aria hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 19:56 Aber sind wir mal ehrlich, wenn man nicht in der Lage ist, sich um sich selbst zu kümmern und Dinge in die Hand zu nehmen, sprich, mental nicht in guter Form ist, ist es dann sinnvoll demjenigen komplette Selbstbestimmung zu übertragen? Kann man so jemanden auf eine Hormonreise schicken, die oben nach unten und rechts auf links krempelt?
Du schließt aus der Tatsache, dass man es ablehnt, seinen Namen und Personenstand unter diesen unzumutbaren Bedingungen ändern zu lassen, dass man "nicht in der Lage ist, sich um sich selbst zu kümmern". Starker Tobak und Wasser auf die Mühlen derer, die uns die Selbstbestimmung weiterhin vorenthalten wollen. Das finde ich total übergriffig von dir.
Und dann verknüpfst du das Ganze auch noch mit weiteren Schritten, die davon erstmal unabhängig sind.
Oder ist eine Personenstandsänderung in deinen Augen nur dann legitim, wenn anschließend mit HRT un Gaop weitergemacht wird?

Nochmal:
Da draußen gibt es viele Menschen, die lediglich einen amtlichen Eintrag ändern lassen wollen. Das sollte ohne weitere Vorbedingungen möglich und zeitnah umsetzbar sein.
Es wäre mal ein Anfang, der einigen sehr weiterhelfen würde.

Über die konkreten Regeln für all diejenigen, die weiter gehen möchten, sagt das gar nichts aus, die müssen separat betrachtet werden. Das kann gerne gleichzeitig geschehen, sollte aber inhaltlich nicht vermischt werden.

LGL
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 34 im Thema

Beitrag von Jaddy »

EmmiMarie hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 16:25
Jaddy hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 15:38 Jede Pflichtvoraussetzung ist eine Form von Gatekeeping, die irgendwas verhindern will. Und ich sehe einfach nicht, was da sinnvoll verhindert werden müsste oder sollte.
Hmmm...

schau mal, ich habe gerade kundgetan, wie es bei mir im Bauchgefühl aussieht
und du sagst wie es für dich ist. Alles schön...

es sind aber nicht alle Menschen wie du und auch nicht alle wie ich..
und es ist ja nicht so, das ich nicht schon lange deinen Standpunkt kenne.
Und der ist manchmal etwas alternativlos..lass es doch mal stehen wenn
bei einer anderen Person ein anderer Gedanke aufkeimt.

"Wahr" nehmen-ziehen lassen, nicht immer so viel rein interpretieren..
Es gibt auch Menschen, die ohne Pflichtvoraussetzungen ohne Struktur
in der Luft hängen-die werden auf deine Art hinten runterfallen.

Freiheiten, ja ohne Frage, aber nicht um jeden Preis-sorry

Alles Liebe Marie (flo)
Wenn ich das richtig verstehe, betrifft dein Bauchgefühl jene von dir postulierten Menschen, die irgendwie ohne Ahnung und Überblick zum Amt kommen und Personenstand und Vornamen ändern lassen. Die dann wegen mangelnder Beratung vorher in Probleme rennen.

Und da stelle ich die Frage, was für Probleme das sein sollen. Mir fallen da nur jene ein, die mit jedem Coming Out verbunden sind: Ablehnung durch die Umwelt, Konflikte mit Familie, Job-Umfeld, Freundys, Nachbarschaft.

Diese hängen aber nicht an der Registeränderung. Und eine Pflichtberatung vor einem trans oder anderem Coming Out möchtest du vermutlich nicht einführen, oder? _Da_ ist Beratung sinnvoll, keine Frage. Und da bin ich voll für. Aber freiwillig, flächendeckend, niedrigschwellig, unterstützend.

Es würde mich also mal interessieren, welche Probleme eine ansonsten praktisch / juristisch / materiell an sich quasi folgenlose Änderung des Registereintrags so verursachen könnte, die sich nicht bei echtem Bedarf wieder revidieren liessen. Es geht nicht um medizinische Maßnahmen. Es ändern sich keine Rechte oder Pflichten - hallo Gleichstellungsgesetze - sondern ausschliesslich ein Registereintrag, der _dann_ jederzeit hin und zurück geändert werden kann/könnte.

(Einzige Folge: Wenn eins bei den nächsten Wahlen mitmachen möchte, sollte der Perso geändert sein, weil die Wahlberechtigung an den neuen Namen geht)

Also was genau wäre jener Preis, der bei einer voraussetzungslosen, jederzeitigen Änderbarkeit per Erklärung zu zahlen wäre und von wem?
Jasmine
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 35 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Jaddy hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 21:32 ...................
Also was genau wäre jener Preis, der bei einer voraussetzungslosen, jederzeitigen Änderbarkeit per Erklärung zu zahlen wäre und von wem?
Danke Jaddy, Lana ...... für die Beiträge hier.
Es könnte alles so einfach sein, wenn nur endlich ein Anfang gemacht werden würde. Auch wenn es Step by Step gehen würde, hauptsache das TSG wäre endlich Geschichte.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 36 im Thema

Beitrag von Aria »

Lana hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 20:30 kannst du dir vorstellen, dass es Menschen gibt, die das wollen, aber nicht zu den Bedingungen? Du stellst das so dar, als wäre es eine einfache Entscheidung dafür oder dagegen. Das ist mir zu wenig differenziert.
Ich lasse mich von diesem Staat nicht als krank einstufen, nur um meinen Namen und Geschlechtseintrag ändern zu können. Jaddy hat das schon geschrieben, es sind einfache Registereintragungen, die nichts, aber auch gar nichts mit meinem psychischen oder körperlichen Gesundheitszustand zu tun haben. Auch Tessa Ganserer hat das schon öfters sehr schön erklärt. Und auch die Argumentation von Jasmin hier im Thread ist schlüssig: es handelt sich um Grundrechte. Da braucht man keine Erlaubnis oder Bestätigung von Dritten dafür.
Lana ich will auch so vieles, darf es aber aus mir unerfindlichen Gründen nicht. Bauen zB., so wie es der Nachbar gemacht hat. Das geht aber nicht, wird mir gesagt. Ich muss so bauen oder es lassen, da heute heute ist und nicht damals als der Nachbar noch gebaut hat. Tja, dann mache ich es eben so oder lass es bleiben. Wie gesagt, wenn ich was will, finde ich Wege. Wenn nicht, finde ich Gründe. Das muss jeder für sich entscheiden. Aber es ist und bleibt eine einfache Entscheidung. Und man wird auch nicht als krank eingestuft. Ist "unter dem Zwang stehen sich dem Gegengeschlecht zugehörig zu fühlen" ein Krankheitsbild? Ich denke nicht. Und wenn es wirklich so gesehen wird.....so what?! Hauptsache ich habe meinen Namen im Pass stehen. Wie das geschehen ist und ob ich demnach als krank gelte, interessiert keine Sau.
Lana hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 20:30 Du schließt aus der Tatsache, dass man es ablehnt, seinen Namen und Personenstand unter diesen unzumutbaren Bedingungen ändern zu lassen, dass man "nicht in der Lage ist, sich um sich selbst zu kümmern". Starker Tobak und Wasser auf die Mühlen derer, die uns die Selbstbestimmung weiterhin vorenthalten wollen. Das finde ich total übergriffig von dir.
Und dann verknüpfst du das Ganze auch noch mit weiteren Schritten, die davon erstmal unabhängig sind.
Oder ist eine Personenstandsänderung in deinen Augen nur dann legitim, wenn anschließend mit HRT un Gaop weitergemacht wird?
Unzumutbare Bedingungen....?! Das liest sich für mich wie eine Vollkatastrophe, vergleichbar mit nichts zum Essen zu haben und für Wasser 10km einfach laufen zu müssen, bei 40° im Schatten. Das ist unzumutbar. Machen aber sehr viele Menschen auf dieser Welt. Mich kotzt es manchmal regelrecht an, auf was für einem überheblichen Ross wir hier in der westlichen Welt sitzen. Wir kriegen alles vor den Arsch getragen und beschweren uns immer noch. Das wird wohl auch immer so bleiben, denn allen recht machen wird man es womöglich niemals können.

Ja, ich verknüpfe das, denn das ist es, wo viele schlussendlich hinaus wollen. Und damit spanne ich wieder den Bogen zum letzten Satz im vorderen Absatz. Denn das ist der Grund, warum es wahrscheinlich nie zu einem für alle zufriedenstellenden Ergebnis kommt.

Und ich sage es auch nochmal: Wo ein Wille ist, da ist ein Weg!
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 37 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Aria hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 21:59 Lana ich will auch so vieles, darf es aber aus mir unerfindlichen Gründen nicht.
Du rechtfertigst hier gerade staatliche Willkür und Gesetze ohne Sinn und Zweck, einfach weil "nö, wir wollen das so". Glücklicherweise funktioniert das so nicht, auch wenn einiger Unfug häufig erst per Verfassungsgericht wieder korrigiert werden muss.

Beim Baurecht gibt es bestimmt auch viele Altlasten, die entrümpelt und modernisiert werden könnten. Und sicherlich viele, deren Sinn sich Laien nicht erschliesst, die aber wahrscheinlich irgendwann mal ihren Grund hatten.

Das taugt aber alles nicht als Begründung für andere unsinnige Regeln, genausowenig wie Geschichten unserer Eltern a'la "täglich im Schnee 10km zur Schule" oder "damals im Krieg" oder so. Klar kann ich ihnen auf die Schulter klopfen und ihre Leistungen würdigen. Toll, dass ihr das geschafft habt. Auch wenn ich dann an jene denke, die es nicht geschafft haben oder schlechtere Voraussetzungen hatten.

Es geht auch gar nicht darum, ob etwas "leicht zu schaffen ist" oder nicht. Es geht simpel um ein Recht auf geringst möglichen Aufwand. Wer sich was beweisen will, kann sich ne Sportart suchen oder zu Fuss den Jacobsweg gehen. Sinnlose Schwierigkeiten für simple Verwaltungsvorgänge eignen sich nicht dafür. Sie erhöhen auch nicht den Wert des Ergebnisses (die Registeränderung).

Beim TSG ging es 1981 um die unbedingte Verhinderung gleichgeschlechtlicher Ehen "durch die Hintertür". Vor allem solchen mit Kindern. Weil - ohje - Elternschaft mit zwei Müttern, gebärenden Vätern, zeugenden Müttern! Untergang des Abendlandes. Plus unterschiedliche Behandlung bei Renten, bei Wehrpflicht, und so weiter.

Deshalb wurde damals Zwangsscheidung, operative Sterilisierung und "Angleichung der äusseren Erscheinung" als Vorbedingungen für Name und Personenstand ins Gesetz geschrieben und mit "Gewissens-" bzw. "Gender-Prüfung" abgesichert - und zwangsweise Rückabwicklung, falls nach der Registeränderung ein Kind gezeugt bzw geboren wurde.

Je nu, heute haben wir gleichgeschlechtliche Ehen, trans Eltern, rechtliche Gleichstellung, offensichtlich keine Probleme mit Rentenregelungen (siehe Gesetzentwürfe) und auch nicht mit der Wehrpflicht.

Das heisst die ursprünglichen Bedingungen für das TSG haben sich komplett in Luft aufgelöst. Es gibt einfach keinen plausiblen Grund mehr für, wie Marc Henrichmann (CDU) im Innenausschuss fast verzweifelt forderte, "einen objektiv beweisbaren Geschlechtseintrag", mit künstlichen, willkürlichen Hürden, was alle Expertys in der Sache zu einem kollektiven facepalming brachte.

Dieser Register-Eintrag hat weniger Bedeutung als der Religionseintrag - und der ist freiwillig.

Und da tatsächlich der Staat nichts ohne stichhaltige Begründung verbieten oder gebieten darf, können und müssen diese Hürden weg.
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 38 im Thema

Beitrag von Lana »

Aria hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 21:59Und man wird auch nicht als krank eingestuft. [...] Wie das geschehen ist und ob ich demnach als krank gelte, interessiert keine Sau.

F64.0 ist eine psychologische Diagnose. Allein die Tatsache, dass du in psychologischer Behandlung warst, kann bestimmte berufliche Laufbahnen verhindern, z. B. spätere Verbeamtung. Es stimmt also nicht, dass es niemanden interessiert.
Aria hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 21:59 Unzumutbare Bedingungen....?!
Für mich sind sie unzumutbar. Wenn du das anders siehst, gilt das noch lange nicht für alle anderen.
Aria hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 21:59 Und ich sage es auch nochmal: Wo ein Wille ist, da ist ein Weg!
Es gibt sogar mehrere. Du hast deinen gefunden und bist damit glücklich. Darüber freue ich mich für dich (smili)
Andere suchen sich ihre eigenen Wege. Wege, die zu ihnen und ihren Bedürfnissen besser passen. Einer davon ist, das TSG mit seinen unsäglichen Regelungen abzuschaffen und durch ein Selbstbestimmungsgesetz zu ersetzen.

Zum Rest hat Jaddy schon das nötige geschrieben.

LGL
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 39 im Thema

Beitrag von Claudia-67 »

Hallo allerseits,
Lana hat geschrieben: Mi 19. Jan 2022, 00:31
Aria hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 21:59 Unzumutbare Bedingungen....?!
Für mich sind sie unzumutbar. Wenn du das anders siehst, gilt das noch lange nicht für alle anderen.
ich sehe das auch als unzumutbar an.

Warum soll ich die ohnehin gut ausgelasteten Gutachter belästigen? Warum soll ich dem Staat noch eine Haufen Geld geben?
:((a

Ich probiere es demnächst mit dem Personenstandsgesetz. Bei uns in der Region klappt das bei vielen Standesämtern und es gibt auch keine Probleme mit Kostenübernahmen für OP, usw.. Das ist offenbar nicht in jeder Region so, hier aber schon. Eigentlich habe ich jetzt nicht so ein riesiges Problem mit dem Deadname, da der nur noch für einigen Dinge benutzt wird.
Aber nachdem man sich in NRW bei jedem Einkauf in Läden, die nicht zur Grundversorgung ausweisen muss, sehe ich nun doch etwas dringenderen Handlungsbedarf für die Vä/Pä.

LG
Claudia
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 40 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose »

Lana hat geschrieben: Mi 19. Jan 2022, 00:31 Allein die Tatsache, dass du in psychologischer Behandlung warst, kann bestimmte berufliche Laufbahnen verhindern, z. B. spätere Verbeamtung.
Das wäre mir neu. Eine Verbeamtung ist generell sicher nicht daran gekoppelt.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 41 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Aria hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 19:56 Michi, ich kann nur für mich sprechen aber mir ist es tatsächlich egal,
Hallo Aria,

ich habe nicht von alle geschrieben. Wenn du dich dennoch angegriffen fühlst, dann ist es dir vielleicht doch nicht so egal, wie du sagst. Zumindest geben deine danach folgenden Äußerungen diesbezüglich Anlass zu Spekulation.

Natürlich kann man in Deutschland im Regelfall zu seinem Recht kommen, wenn man sich nur richtig anstrengt.

Aber genau das ist auch das Problem.

Die Hürden sind zu oft so hoch angesetzt, dass vielen ihr Recht durch die Hintertür verwehrt wird, weil sie diese hohen Hürden aus den unterschiedlichsten Gründen nicht überwinden können, oder sich gar für nicht anspruchsberechtigt betrachten, weil die Verfahren oft sehr kompliziert ausgestaltet sind.


Hungernde und durstende Kinder in Afrika sind genau kein Argument dafür, dass man sich für seine Personenstandsänderung schon mal anstrengen kann. Das Argument galt schon früher nicht, als ich als Kind meinen Teller aufessen sollte, weil in Afrika Kinder hungern!

Mache nicht den Fehler, bei deiner Bewertung der Machbarkeit von Menschen mit einem hohen Intellekt, wie du und ich, auszugehen, die das aktuelle Verfahren problemlos stemmen können. Ich war selbst schon in der Situation, dass ich Anträge auf Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und irgendwelche Beihilfen stellen musste. Die waren selbst für mich nicht so einfach. Ich denke, ich kann mich da gut hinein versetzen, wie es Menschen damit gehen muss, die Leistungen in der Schule nicht aus dem Ärmel geschüttelt haben. Und es gibt auch immer wieder genügend Berichte dazu, dass Menschen aus diesen Gründen ihnen zustehende Leistungen nicht in Anspruch nehmen, weil die Zugangsbedingungen, Formulare und Antragsprozesse zu kompliziert gestaltet sind.

Dieser generelle Punkt war mir wichtig. Ich möchte alles weitere nicht nochmals im Einzelnen aufdröseln, da haben Jaddy und Lana schon hinreichend Erklärungen geliefert, denen ich zustimme.

Denke bitte noch mal in Ruhe über alles nach.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 42 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 19. Jan 2022, 06:53
Lana hat geschrieben: Mi 19. Jan 2022, 00:31 Allein die Tatsache, dass du in psychologischer Behandlung warst, kann bestimmte berufliche Laufbahnen verhindern, z. B. spätere Verbeamtung.
Das wäre mir neu. Eine Verbeamtung ist generell sicher nicht daran gekoppelt.
Hallo Vicky,

von generell hatte Lana nichts geschrieben, nur von "kann". Davon abgesehen hat sich die Lage auf Grund der Zunahme psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren zu Gunsten der Betroffenen etwas verbessert. Früher wurde da wohl restriktiver entschieden. Aber es unterliegt immer noch der Bewertung des Amtsarztes. Und ein Verschweigen von Erkrankungen kann zum Verlust des Beamtenstatus führen.

Hier mal auf die Schnelle was aus dem Netz gepickt:

Beamtenrecht: Psychische Krankheiten und Verbeamtung

Bitte schlag mich nicht, wenn du ein Haar in der Suppe findest. Ich kann den Text nicht vollumfänglich bewerten, bin ja kein Anwalt.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 43 im Thema

Beitrag von Aria »

Jaddy hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 22:48 .....
Nein, ich rechtfertige gar nichts. Im Gegenteil! Ich habe damit zum Ausdruck gebracht, dass es überall Ungerechtigkeit und Willkür gibt und es genau 2 Möglichkeiten gibt. Entweder man fügt sich und erreicht somit was man will – wenn auch zähneknirschend. Oder man fügt sich nicht und lebt weiter so wie bisher – frustriert und ohnmächtig. Das ist die Wahl, die man hat. Was ich dabei nicht verstehen kann, ist die Tatsache, dass man lieber frustriert bleibt, ja sogar depressiv wird, dennoch alle Möglichkeiten hätte, den Zustand zu ändern aber es einfach nicht tut, einfach nur weil man weiss, dass man Recht hat.

Um noch mal auf mein gebrachtes Beispiel zurück zu kommen. Da ich kein Laie bin, was das Bauen angeht, erlebe ich an dieser Stelle genau so Willkür und Gesetze ohne Sinn und Zweck wie wir hier beim TSG. Ich kann dir ad hoc mind. 20 Beispiele nennen, wo man sich nur noch an den Kopf greift und die nicht nur willkürlich sondern auch unökonomisch und unökologisch sind. Aber das würde jetzt hier zu weit führen….
Lana hat geschrieben: Mi 19. Jan 2022, 00:31 ....
Jetzt vermischst du aber was. Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Jeder der dem Gutachter glaubhaft versichern kann, dass er/sie seit mind. 3 Jahren unter dem Zwang steht gegengeschlechtlich zu empfinden, kann die VÄ/PÄ vollziehen. Dazu brauch es keine F64.0. Und wie man „glaubhaft“ darlegen kann, habe ich ja schon gesagt ;)

Wenn du das als unzumutbar siehst, dann ist das so. Andere sehen es als unzumutbar an, zum Standesamt zu gehen und den Prozess dort in Gang zu bringen und evt. 50,- € zu bezahlen. Die würden das am liebsten per SMS machen und 5,- € in die Kaffekasse geben. Wer bestimmt denn nun, was für wen zumutbar ist und was nicht? Du, ich, jeder für sich?

Kennst du dich mit Unterhaltsrecht aus? Da habe ich einen Arbeitskollegen, dem am Monatsende 0,00 bleibt, nachdem er alle Fixkosten bezahlt hat, die Lebensnotwendig sind. Aber das ist ihm zuzumuten. Und das alles nur, weil irgendwer bestimmte Grenzen für Beträge festgelegt hat, die die Berechnung des Unterhalts bestimmen.

Ja, ich habe meinen Weg gefunden und es hat auch gar nicht weh getan. Und ja, es gibt auch die, die den steinigen Weg gehen wollen – aus Trotz und den Hass auf Ungerechtigkeit. Jede/r wie er/sie mag :D
Claudia-67 hat geschrieben: Mi 19. Jan 2022, 04:18 .....
Wir hatten es ja schon mal darüber. Deswegen brauch ich das auch nicht ausführlich zu kommentieren. Ich weiss nur noch, dass du damals gesagt hast, dass es dir mit dem Namen nicht so wichtig ist. Naja, hat ja nicht so lange gedauert, bis es doch wichtig wurde, hmm?!
Klar, mach es doch nach dem PstG, mit dem Wissen, dass es per Beschluss durch den BGH für Trans* illegal ist und sich möglicherweise noch ganz andere Probleme daraus ergeben können....
MichiWell hat geschrieben: Mi 19. Jan 2022, 10:16 ....
Michi, mir ist es tatsächlich egal, denn ich habe – wie Lana gesagt hat – meinen Weg gefunden. Und für diejenigen unter uns, die nicht den Revoluzzer in sich tragen und weiterhin für die Sache kämpfen, wollen irgendwann mal mit der Trans-Geschichte abschließen und ein „ganz normales“ Leben führen. So auch ich!

Ich finde die Hürden für diesen Prozess nicht als zu hoch. Das schafft man auch mit einem niedrigen Intellekt. Und wenn nicht, gibt es Organisationen, die einem dabei behilflich sind, die Anträge (Dreizeiler) und die "guten" Gutachter zu finden, die man braucht. Da ist jeder Antrag für ALG oder die Steuererklärung 10x schwerer. Aber, wie ich schon sagte, wer nicht will, der will nicht und der wird auch nicht wollen, wenn es ein simpler Gang zum Amt ist. Denn das hat ja auch schon wieder was von Bittstellerei.

Ach, es ist einfach Mist, dass man sich manchmal um etwas bemühen muss, was einem eigentlich von Gott gegeben zusteht – ich weiss.

Und somit bin ich auch raus aus dem Thema....
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 44 im Thema

Beitrag von EmmiMarie »

MichiWell hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 17:50 Sorry, aber seit wann ist Bauchgefühl der Maßstab dafür?
Jaddy hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 21:32 betrifft dein Bauchgefühl
ich war gestern abend leicht aufgebracht und habe deswegen mit der Antwort
gewartet-in meinem Empfinden hat sich trotzdem nicht viel geändert.

Und dafür werde ich mich auch nicht entschuldigen, würdet ihr auch nicht tun...

doch genau, im gesamten Prozess der Transition geht es genau darum, um Bauchgefühl,
um Selbstwahrnehmung und um Empfindungen und um das Sein an sich.
Es geht um wie wurdest du sozialisiert-in meinem Fall eher nicht sozialisiert.
Aber gibt es ein wirkliches Hardfact was mich erklärt und warum ich bin wie ich bin?
Nein, gibt es nicht...
Es mag sein, das der aktuelle Weg zum "Registereintrag" ein Hardfact ist und er aus
nicht ganz so tollen Regeln besteht-da bin ich vollkommen dabei.

Aber, und das sagte Aria auch schon, er ist weder unüberwindbar noch vollkommen
menschenverachtend.
Es heisst immer wieder: rede mit den Leuten, sei sichtbar, zeig dich damit die grosse
Masse uns (be)merkt...was zum Henker sollte dann der Grund sein, das ich nicht noch
2, 3 oder 4 Gespräche führe um zu bekommen was ich aus ganzem Herzen möchte?
Welcher? Hab ich was zu verbergen, nein, habe ich nicht!
Ich rede auf dem Weg mit zig Fachpersonen und es stört mich kein bisschen,
ja, ich finde das sogar gut..weil die was lernen und ich auch.

Gutachterkosten ist ein Thema wo ich auch sage muss nicht sein-da könnte es
auch eine Deckelung geben.

Ich kann sagen, so wie es gerade ist, führe ich im Grunde ein recht beschauliches
Leben und habe meinen Frieden.
Was mir aber aufgefallen ist-seit das die Self-ID im Raum steht ist die Tonart härter
geworden. Seit dem gibt es TERFs und andere Menschen die immer kritischer werden.
Menschen die negative Bilder zeichnen, obwohl sie weder eine Ahnung noch Kontakt
hatten..das sind verdammt nochmal deren Gefühle die genauso wenig anzuzweifeln sind
wie meine..
So, und die wären wieder ruhiger, wenn die Self-ID etwas entschärfter, kontrollierter
rüberkommen würde-meinetwegen mit einer Art von "das ist zertifiziert"...
also keine Gefahr zu erwarten, es ist gut und richtig so...

da könnt ihr nun sagen, das ist egoistisch und ja zu einem gewissen Grad ist das auch so.
Denn ich hätte gerne weiter meinen Frieden...

also...habt es gut..Marie
Zuletzt geändert von EmmiMarie am Mi 19. Jan 2022, 12:29, insgesamt 2-mal geändert.
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Vicky_Rose
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Re: Fahrplan Selbstbestimmungsgesetz

Post 45 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose »

MichiWell hat geschrieben: Mi 19. Jan 2022, 10:29 Bitte schlag mich nicht, wenn du ein Haar in der Suppe findest
Liebe Michi, nie käme mir das in den Sinn ... ;-)

Das Geschlecht ist kein Hinderungsgrund und auch Transsexualität nicht. Da würden die Gleichstellungsbeauftragtten einen schlechten Job machen, wenn sie da nicht intervenieren. Problematisch könnte es jedoch sein, wenn die damit verbunden Umstände zu psychischen Problemen führen können. Z.B. psychische Verfassung, Suizidgefahr, was auch immer. Der Verlust des Beamtenstatus ist ja auch nur mit dem wissentlichen Verschweigen von Informationen verbunden, z.B. Klinikaufenthalte oder ähnliches. Transsexualität per se ist kein solcher Grund, denn damit ist keine dauerhafte Dienstunfähigkeit verbunden.

In der Frage der Eignung muss man sicherlich auch unterscheiden, in welchen Bereichen ein Beamter tätig werden soll. Die Polizei hat hier sicher andere Maßstäbe (z.B. die Führung von Waffen) als eine Dienststelle mit Büroarbeiten. Wenn Du an Anastasia Biefang denkst, ist sogar die Bundeswehr in der Lage, Transsexuelle in ihren Reihen zu halten.

Transsexualität ist kein prinzipielle Eignungseinschränkung für eine Verbeamtung und schon gar kein Grund für den Verlust des Beamtenstatus. Allerdings haben Transgender ganz allgemein ein höheres Risiko, psychischer Instabilität. Aber das liegt wahrscheinlich nicht an ihrem Wesen, sondern an ihrer Lebenssituation. Das ist mMn etwas anderes.

Ich weiß, dass das in der Praxis manchmal etwas anders gehandhabt wurde (z.B. Polizei mit der Anforderung "ein funktionsfähiger Hoden", PDV 300) gibt. Seit einem Jahr gibt es auch das nicht mehr (https://www.tagesspiegel.de/gesellschaf ... 42606.html). Ich gehe auch nur von der juristischen Situation aus. Was die Praxis daraus macht, weiß ich nicht. Aber es gibt Werkzeuge in die Hand.
Viele Grüße
Vicky

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