Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?
Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion? - # 5

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ExuserIn-2020-10-20
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 61 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Gleich vorweg ich habe für das eigentliche Problem, wie der Ablauf zur selbstbetimmten Personenstandsänderung aussehen soll, keine wirkliche Lösung gefunden.

Rechte zur Selbstbestimmung werden nicht schrankenlos vergeben, sonst würden andere Rechte automatisch zu nichte gemacht.
Daher muß mit viel Augenmaß eine Annäherung getroffen werden. Jedes Ding hat zwei Seiten.

Sich an Frau Engelken abzuarbeiten, ohne einen anderen Blickwinkel anzuwenden, führt zu nichts. Ich denke es wäre an der Zeit, sich intensiv mit dem eigentlichen Problem zu befassen.

Am 14. September 1791 forderte die Feministin Olympe de Gouges die Gleichstellung von Mann und Frau.
Wie ist diese Forderung heute für uns "Transleut" durchzusetzen. Ein Federstrich auf dem Papier, ich glaube da machen wir es uns ein wenig zu einfach. Am 3. November 1793 wurde sie hingerichtet, das Patriarchat hatte zurückgeschlagen.

Das Patriarchat ist eines der größten Probleme, Frauen in der Bundesrepublik kämpfen auch erst seit 1971 wieder dagegen an.

Das Frauen ein Problem mit der einfachen Personenstandsänderung haben, liegt auf der Hand, selbst dann wenn sie keine eingefleischten Feministinnen sind. Viele von uns haben es doch am eigenen Leibe erfahren.
"Was du willst eine Frau werden? Verschwinde "

LG
Petra Sofie
MichiWell
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 62 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Petra Sofie hat geschrieben: So 18. Okt 2020, 18:27 Sich an Frau Engelken abzuarbeiten, ohne einen anderen Blickwinkel anzuwenden, führt zu nichts.
Liebe Petra Sofie,

ich empfinde solche Aussagen als Totschlagargument.

Nicht nur ich habe mich hier bemüht, die Aussagen von Personen wie Frau Engelken aus deren Perspektive zu sehen, und musste feststellen, dass sie zwar rein emotional nachvollziehbar sein mögen. Aber bei Licht betrachtet sind sie nur berechnende, substanzlose Behauptungen, mit denen gezielt die Ängste von Menschen getriggert werden sollen, um sie auf diese zu manipulieren und zu instrumentalisieren.


Liebe Grüße
Michi
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ExuserIn-2020-10-20
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 63 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Toll du hast einen Satz gefunden der dein Feindbild bestätigt. Ein wahres Totschlagargument, soll das Ding sein, das ist er, aber nur wenn man den Rest des Beitrages außer Acht läßt.

Das Problem, wie ich nur wenige Zeilen weiter unten schrieb, sind nicht die eingefleischten Feministinnen und Transphoben ( bzw. Frau Engelken). Sondern das eingefleischte Patriarchat. Eine Änderung des Personenstandrechtes soll in der Regierung neu bearbeitet werden, und sag jetzt nicht die Regierung besteht mehrheitlich aus Frauen, die eingefleischte Feministinnen sind.

Sondern es sind einfach nur Frauen, die ihre Vorbehalte gegen Transleut haben.

Siehe die letzte Anmerkung meines Beitrages. Denn genau die dort getroffene Aussage haben zu viele von uns entgegennehmen dürfen.

LG
Petra Sofie
MichiWell
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 64 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Petra Sofie hat geschrieben: So 18. Okt 2020, 19:26 Toll du hast einen Satz gefunden der dein Feindbild bestätigt. Ein wahres Totschlagargument, soll das Ding sein, das ist er, aber nur wenn man den Rest des Beitrages außer Acht läßt.
Vielleicht verstehe ich dich auch nur falsch und/oder du mich! Nicht ich habe ein Feindbild, sondern Frauen wie Engelken. Und ich habe bei ihr nicht nur einen Satz gefunden, der mir aufstößt, sondern ganz viele.
Petra Sofie hat geschrieben: So 18. Okt 2020, 19:26 Das Problem, wie ich nur wenige Zeilen weiter unten schrieb, sind nicht die eingefleischten Feministinnen und Transphoben ( bzw. Frau Engelken). Sondern das eingefleischte Patriarchat. Eine Änderung des Personenstandrechtes soll in der Regierung neu bearbeitet werden, und sag jetzt nicht die Regierung besteht mehrheitlich aus Frauen, die eingefleischte Feministinnen sind.

Sondern es sind einfach nur Frauen, die ihre Vorbehalte gegen Transleut haben.
Was ich hier sehe ist viel mehr, dass transphobe FeministInnen unter dem Deckmantel, Frauen schützen zu wollen, das patriarchalische Denkmuster kultivieren, und das Patriarchat instrumentalisieren. Hört man ihnen unreflektiert zu, und das tun viele Menschen zwangsläufig, weil die sehr laut sind, bekommt man das Gefühl, dass nach Jahrzehnten feministischer Arbeit das Patriarchat schlimmer denn je in der Gesellschaft verankert sein muss.

Wenn dem tatsächlich so wäre, dann hätten die FeministInnen ja bisher überhaupt nichts erreicht bzw. das Gegenteil bewirkt. Und das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Petra Sofie hat geschrieben: So 18. Okt 2020, 19:26 Siehe die letzte Anmerkung meines Beitrages. Denn genau die dort getroffene Aussage haben zu viele von uns entgegennehmen dürfen.
Ja, diese Aussage mag so oder ähnlich öfter kommen. Nur finde ich es nicht gut, dass du das generalisierst. Nicht "die Frauen" denken so, sondern manche Frauen und Männer. Wenn du deren behauptete Aussage übernimmst, verfällst du bereits der von Konservativen und TERFs verbreiteten Ideologie. Ich sehe, dass die den Frauen systematisch einreden, dass sie ein Problem hätten! Zu nichts anderem dienen die Feindbilder, die seit einiger Zeit zunehmend intensiver unters Volk gebracht werden. Sprache kann das Denken nicht nur zum Positiven beeinflussen. Früher hieß es mal: "Kauft nicht beim Juden." Heute werden Trans-Frauen als vergewaltigende Monster dargestellt, die ins Frauen-Reich eindringen. Nein, wir erleben aktuell immer stärkere nationalistische Tendenzen auf der Welt, und die unterwandern auch zunehmend den Feminismus. Ich bin nicht bereit, da wegzusehen.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 65 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Ängste und Phobien kann man nicht so einfach abstellen, und Akzeptanz nicht befehlen.

Nationalstisches Gedankengut macht sich zur Zeit breit. Wir schauen viel zu oft nach Amerika, denn in Amerika ist bekantlich alles besser.
Nein ist es nicht. Das Bildungssystem ist eine Katastrophe, und die Religionisten haben viel zu viel Einfluß auf die Politik. Die Geschichte Amerikas ist ein einziges Desaster bestehend aus Einwanderung Sklaverei und Unterdrückung. Eines wird jetzt dabei leicht übersehen, denn es waren hauptsächlich Europäer die sich da drüben breit gemacht haben.

Frauen an den Herd, und Männer auf die Jagd. Ein seit jahrtausenden bewährtes System der Menschheit zum Überleben.

Zu oft wird nach die einfachen Lösung gesucht. Das macht es den Populisten leicht sich zu etablieren. Siehe Trump. Einfach jemanden die Schuld in die Schuhe schieben, Problem gelöst. Neue Probleme geschaffen, dem Machthaber ist es egal, neuen Schuldigen suchen, klappt immer. Löst nur kein Problem.

Generalisierung pur. Leider haben sich die Zeiten in den letzten 50 Jahren grundlegend geändert. Die „heile“ Welt wird zerstört.

Nun sollen die Änderungen des Personenstandes für Transleut überarbeitet werden. Der Bestandsschutz des Regelwerkes für die Frau und den Mann soll endgültig im Orkus der Geschichte verschwinden. Absolute Gleichstellung ist gefordert.

Jeder der darüber nachdenkt, um zu einer Lösung zu kommen, wie das Ganze nun Ablaufen soll, tritt von einem Fettfaß in das Andere, und spielt gewollt oder ungewollt, einer anderen Partei in die Hände.

Was fehlt?

Es ist eine gemeinsame Marschrichtung der Betroffenen. Klare Aussagen zu dem, nicht was sie wollen, sondern zu dem wie sie es gestalten wollen, um zur Gleichberechtigung zu gelangen.

Wie soll eine solche Personenstandsänderung im Rahmen der Selbstbestimmung ablaufen ?

Wirklich Betroffene als Kranke zu bezeichnen, ist falsch, in soweit herscht weitgehend Einigkeit.

Leider gibt es Leute die sind nicht Trans , sondern sind ganz grob gesagt Trittbrettfahrer, die auf diese Art und Weise Probleme lösen wollen, die nicht das Wesen des Transgenders ausmachen. Wie die Spreu vom Weizen trennen ?

Hier gibt es Vorbehalte, sowohl unter Frauen, als auch unter den Transgendern selbst. Hier gilt es zu unterscheiden. Das ist der Punkt an dem zwischen Populismus und Beängstiungen unterschieden werden muß. Da stehen sie, die zwei Fettfäßer.

Ist eine Aussage bereits vom Populismus beeinflußt, oder beruht sie auf realen Erlebnissen einer betroffenen Person.

Was wir brauchen ist gemeinsames auftreten, eine gemeinsame Marschrichtung. Zur Zeit gibt es zu viele verschiedene Gruppierungen. Die Einzigen die wahrscheinlich einen wirklichen Überblick über die Zahl der Betroffenen hat, ist die DGTI an Hand ihrer Ergänzungsausweise. Alle Anderen stochern irgendwie im Nebel herum. Ich würde mir wünschen, die DGTI würde von den Splittergruppen offiziell als Dachverband und Sprachrohr anerkannt werden.

Vielleicht erreichen wir dadurch mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz bei den Politikern sowie der Bevölkerung, und nehmen den Populisten den Wind aus den Segeln. Damit Ängste und Vorbehalte wirksam ausgeräumt werden können. Damit sind dann aber auch Kompromisse unvermeidlich die geschlossen werden müssen, um eine für alle annehmbare Gesetzgebung, die gesellschaftlich mitgetragen wird zu bekommen.

LG
Petra Sofie
Ulrike-Marisa
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 66 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin Petra Sofie,

...das hast du umfassend und gut dargestellt, worum es letztlich geht. Die Betroffenen selbst und alle, die es angeht müssen sich mal an die eigene Nase fassen und gemeinsam in die gleiche Richtung gehen, sonst wird das nichts. Aber in der Wirklichkeit ist es leider so, zwei Leute, drei Meinungen. Da wird es schwierig, eine gemeinsame Linie zu finden, muss aber sein. :wink:

Grüße, Ulrike-Marisa
MichiWell
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 67 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Hallo Petra-Sophie,

im Großen und Ganzen gehe ich mit deinem letzten Beitrag mit. Das klingt schon deutlich anders.

Nur dem, was du über "Trittbrettfahrer" schreibst, kann ich nicht zustimmen. Ja, es gibt Fälle, in denen sich eine Transition als der falsche Weg herausgestellt hat. Diese sind sehr bedauerlich. Sie aber als Trittbrettfahrer zu bezeichnen, empfinde ich menschenverachtend, und wir sollten uns hüten, solche populistischen Kampfbegriffe zu übernehmen, auch wenn es sicherlich nicht immer leicht ist. Ich bin nicht bereit, den Betroffenen unredliche Absichten zu unterstellen, denn genau das wird mit dem Wort "Trittbrettfahrer" gemacht.

Und falls jetzt der Konter kommt: "Ja .. aber .. du sagst doch selber TERF."

Nein, das ist nicht populistisch, denn es benennt genau das, was die so Bezeichneten tun, während "Trittbrettfahrer" sehr generalisierend in allen möglichen Bereichen eingesetzt wird, um Menschen pauschal zu unterstellen, dass sie ohne wirkliche Berechtigung und Anstrengung Leistungen in Anspruch nehmen, die ihnen nicht zustehen.


Ich bin voll dabei, wenn man immer wieder daran erinnert, dass es eben sehr weitreichend und endgültig ist, wenn man sich für irreversible Maßnahmen entscheidet. Man soll selbstverständlich Betroffene begleiten und auf ihre psychische Verfassung schauen, um falsche Entscheidungen möglichst zu verhindern.

Aber auf Grund solcher möglichen Schicksale die Anforderungen generell auch weiterhin sehr hoch zu hängen und somit den Zugang zu beschränken, kann nicht der richtige Weg sein. Es wird dabei viel zu sehr auf die einzelnen Fehlentscheidungen geschaut, aber nicht ansatzweise auf die Vielen, die auf der Strecke bleiben, die unter Umständen jahrzehntelang leiden, durch dieses Leid schwere gesundheitliche Schäden entwickeln, und/oder sich das Leben nehmen, weil sie an den hohen Hürden zerbrechen.

Liebe Grüße
Michi
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 68 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Konter nicht wirklich, nur ein kleiner Hinweis. Dort steht:" grob gesagt Trittbrettfahrer ", zugegeben zu vereinfachend.

Zusammengefaßt sollte man alle sehen die, aus welchen Gründen auch immer sich unter der Rubrik Transgender einreihen wollen, dort aber nicht hingehören. Gemeint sind Menschen die eine psychische Störung haben, einen Geschlechterwechsel anstreben, obwohl es ein Irrweg für sie ist. Leute die ihre Identität aus "Spaß" verändern wollen. Menschen die ihre wahre Identität verschleiern möchten. Ja, auch Menschen die mit einer Personenstandsänderung Gesetzesübertritte verüben wollen.

Die Gedanken sind nicht von der Hand zu weisen. Bei jedem Gesetz, gibt es Leute die sich mit ihnen einen Vorteil verschaffen wollen der ihnen nicht zusteht. So etwas nennt man auch Gesetzeslücke. Sondern die davor zu bewahren, einen nur schwer rückgängig zu machen den Fehler zu begehen. Die Sorge treibt mich um.

Dazu stellte ich die Frage:" Wie die Spreu vom Weizen trennen ? " Hoch brisante Frage.

Die Frage gefällt den Wenigsten, denn damit sind sie wieder in der Zwangssituation, beweisen zu müssen wer und was sie sind, genau das aber will niemand mehr. "Ich bin ich, basta" Wie können gerade in diesem Zusammenhang gangbare Kompromsse geschlossen werden. Wie soll es gehandhabt werden ? Ganz wichtige Frage.

Es geht nicht darum, die 0,01% der Missetäter auszusieben, die fallen der Staatsanwaltschaft schneller zum Opfer als ihnen lieb ist.

Die wirklichen Transleut, denen wird im Laufe ihres Lebens von ganz allein klar, wer und was sie seit wann sind. Mir wurde klar, ohne es zu dem Zeitpunkt benennen zu können was es war : " Ich bin irgendwie anders. Alles was ich wollte durfte ich nicht, alles was ich durfte wollte ich nicht. " Diesen Zeitpunkt können die meisten recht genau eingrenzen. Bei mir war das mit gerade mal knapp 5 Jahren.

So damit wären wir auf dem Grund des Schlamassels angekommen.

Wie soll jetzt weiter verfahren werden ? Was ist wichtig ? Es gibt dafür kein Lehrbuch, das ab dem dritten bis achtzehnten Lebensjahr gültig ist, wie mit Kindern in dieser Situation umzugehen ist. Schade. Ab welchen Lebensalter soll das neue Personenstandsgesetz greifen können / müssen ?

Bei jedem Gesetz liegt auch die Beweislast des Nutzers, der dieses Gesetz in Anspruch nehmen will / muß. Beim Gesetzgeber liegt die Überwachung der rechtmäßigen Einhaltung des Gesetzes. Sonst ist ein Gesetz sinnlos.

"Ich bin Ich, basta" Das wäre schön, reicht leider nicht. Dafür kriegen wir keine Mehrheit zusammmen, noch nicht, dazu können wir nur hoffen den Weg zu ebnen. Das wird ein langer Weg.

Wirklich Betroffene brauchen ein kurzes und prägnantes Prozedere das zum Ziel führt.
Hat da jemand eine Idee, wie das auszusehen haben muß ?

LG
Petra Sofie
Jaddy
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 69 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ich sitze jetzt schon ein paar Minuten und versuche irgendwie zu greifen, was mir an Petra Sofies Beitrag quer im Magen liegt. Vor allem, ohne polemisch zu werden. Ich bitte um Entschudligung, wenn mir das vielleicht nicht ganz gelingt im fogenden...

OK, ich denke es ist hauptsächlich die generelle Simplifizierung und beginnt bei den Beispielen. Weder die Amerikas als ganzes, noch die USA sind so einseitig, wie dargestellt, sondern unglaublich vielfältig. Nach meinen Erfahrungen "drüben" und mit realen Menschen von dort würde ich sogar sagen vielfältiger als hierzulande, wobei gerechterweise wegen der unterschiedlichen Lebensverhältnisse in Kalifornien vs. Minnesota, Texas vs. New York schon ganz EU-Europa vergleichen werden müsste.

Dass die Sache mit "Frauen an den Herd" noch nie so richtig gestimmt hat, vor allem nicht, je weiter es in der Zeit zurück geht, ist auch bekannt. Genauso wenig eine strenge binäre Genderwelt. Nicht mal hier wo wir wohnen. Jedenfalls nicht, bis bestimmte Auslegungen bronzezeitlicher Hirtenmythen aus dem östlichen Mittelmeer das hier eingeführt haben.

OK, vielleicht habe ich da Ironie übersehen oder es war ganz anders gemeint.

Aber die Simplifizierung steckt auch im Lösungsteil und Pauschalisierungen sind ja immer falsch, wie wir wissen. Nein, ich möchte keine einheitliche Bewegung mit einem alleinvertretenden Dachverband und Sprachrohr und alle anderen werden auf Linie gebracht bzw haben zu schweigen. Das ist nicht, wie Pluralismus und Demokratie funktionieren. Das läuft auf geschlossene Schlachtlinien und Anführer•innen mit wehendem trans Banner hinaus.

Wer fällt mir da zum Beispiel zum Thema Frauenrechte und Feminismus ein? Genau. "Die". Geliebt, gehasst, hatte ihre Zeit, ihre Erfolge - und sich in manchen Themen völlig verrannt. Einfach weil kein einzelner Mensch - und auch kein Verband - die ganze Bandbreite der Betroffenen vertreten oder auch nur verstehen kann. Und schon gar nicht in der nicht betroffenen Bevölkerung Akzeptanz schaffen.

Genauso wenig gibt es _die_ Allgemeinlösung für alles, sondern immer Ausgleich, Abwägung, Kompromisse. Muss es auch, denn jeder Sieg per Schlacht hinterlässt Besiegte, die Revanche wollen.

Keine einziger Fortschritt der mir bekannten Zeit wurde von solchen Alleinvertretungen erreicht, weil es immer um sehr kleinteilige Überzeugungsarbeit zum besseren geht. Um persönliches Beispiel und Engagement. Und auch die Bandbreite, obwohl sie widersprüchlich scheint.

Zur Ehe für (fast) alle haben zum Beispiel letztlich alle beigetragen. Die schrillen Auftritte auf CSDs und in den Medien, aber auch die Menschen, die sich in ihrem Umfeld aus der Deckung getraut haben. Auch die Promis wie Biolek, Wieben, Meisel, die ohne Aufhebens einfach als sympathische Mitmenschen sichtbar waren. Ich erwähne es noch mal: Wir haben seit 2009 kontinuierlich mindestens 1 offen homosexuelle Minister•in im Bundeskabinett (Brentano 55-61 lass ich als Episode mal aus).

Und das haben vor allem tausende, wenn nicht zehntausende Aktivistys erreicht, die immer wieder unermüdlich in Initiativen, Aktionsgruppen etc sogar in Dörfern und Kleinstädten auf lokale Politik einwirken. Das war nicht immer konform zum LSVD oder zu Schwusos und LSU. Die haben alle unterschiedliche, aber für ihre Mitgliedys valide Anliegen. Nur so war zur Zeit der Abstimmung im Bundestag bereits eine 75%ige Zustimmung in der Bevölkerung vorhanden.

Gleiches liesse sich für andere Themen zeigen.

Ich verstehe den Wunsch nach einer -äh- "zentralen Führung der Bewegung", schon aus der Frustration heraus, dass sich scheinbar nichts bewegt. Dem ist aber eigentlich gar nicht so. Die meisten von uns kriegen das nur nicht mit. Tatsächlich gibt es sehr viel Vernetzung und interne Diskussionen, aus denen sich durch Vielfalt der Perspektiven sinnhafte Vorschläge herausbilden.

Die inhaltlich fast identischen Anträge von Grünen und FDP zeigen das zum Beispiel. Es gibt auch in den C-Parteien Allys, die auch Dinge bewirken. Die wären aber bei einer "Zentralbewegung Trans" ganz schnell weg vom Fenster.

Letzter Punkt: Nein, wir brauchen nicht erst fertig ausdiskutierte, perfekte Lösungen oder eine Art inner-trans Einigkeit, wie zum Beispiel Dinge im Sport geregelt werden. Das durchzuziehen wäre eine jahrzehnte lange Verzögerungstaktik - so wird es ja auch immer wieder von aussen benutzt - und wäre auch gar nicht möglich, weil selbst bundesweit geregelte trans-inklusive Teams dann bei internationalen Wettbewerben nicht antreten könnten.

Egal was auf welcher Ebene vorgeschlagen wird, werden immer Gegenargumente kommen. Teils begründet, teils nicht, teils berechtigt, teils irrational, teil die altbekannten, teils neue, die bisher nicht aufgefallen waren. Soweit ich gesellschaftlichen Fortschritt begriffen habe, bewusst so ca. seit Beginn der 1980er, aber "die 68er" waren da auch erfolgreich, hilft nur erhöhte Sicht- und Hörbarkeit, interne Weiterbildung, Argumentation lernen und verbreiten. Und zwar alltäglich, im eigenen Umfeld. In Familie, Job, Gemeinde, Freundykreis, Verein, Partei, usw. Mund aufmachen, Meinung sagen, Standpunkt und Ansprüche vertreten, dem Unfug und der Ausgrenzung widersprechen. Diese leider sehr kleinteilige Arbeit lässt sich weder vom Umfang her, noch taktisch oder strategisch auf eine Zentralinstitution abwälzen.

Es ist aber jedx frei darin, sich bei existierenden Organisationen zu engagieren. Nur wenn eine davon meint, sie habe das Patentrezept für alle, disqualifiziert sie sich automatisch.
Anne-Mette
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 70 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Petra Sofie hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 10:53 Dazu stellte ich die Frage:" Wie die Spreu vom Weizen trennen ? " Hoch brisante Frage.
Die Frage wird sich nicht stellen, wenn es ein zu dem Gesetz kommt; dann hätten nämlich alle Menschen das Recht, Name und Geschlechtseintrag zu ändern.
Transsexualität würde es dann in Bezug auf das Personenstandsrecht nicht mehr geben.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 71 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Das wäre mein Traum, den du da beschreibst, und eine klare Ansage zu meiner letzten Frage, in dem von dir zitierten Beitrag.

"Ich bin ich,basta" , da bin ich doch noch recht pessimistisch, ob wir das Ziel erreichen werden.

Aber ich lasse mich gern überraschen.

LG
Petra Sofie
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 72 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene »

Jaddy hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 11:53 Ich sitze jetzt schon ein paar Minuten und versuche irgendwie zu greifen, was mir an Petra Sofies Beitrag quer im Magen liegt. Vor allem, ohne polemisch zu werden. Ich bitte um Entschudligung, wenn mir das vielleicht nicht ganz gelingt im fogenden...
...
Es ist aber jedx frei darin, sich bei existierenden Organisationen zu engagieren. Nur wenn eine davon meint, sie habe das Patentrezept für alle, disqualifiziert sie sich automatisch.
Danke, Du hast das, was mich bewegt, wieder mal weitaus besser formuliert als ich es gekonnt hätte. Und für meine Wahrnehmung ohne jede Polemik.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 73 im Thema

Beitrag von Ralf-Marlene »

Noch eine Anmerkung von mir. Bei der Frage, wie die Spreu vom Weizen zu trennen sei, besteht ja wohl die Annahme, dass jemand selber der Weizen sei und wohl auch die Annahme selber die Spreu klar zu erkennen. Ich für meinen Teil wäre genau damit überfordert und würde diese Beurteilung auch durch andere trans Menschen ablehnen.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 74 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Es ist immer wieder herzerfrischend, wie ihr euch an einem Satz festbeißen könnt.

Ihr pflegt eure Feindbilder, sie sind vermeintlich immer und überall versteckt. Kristallisiert sie auf das Kleinste heraus, bis hin zu den Hirtenmythen des östlichen Mittelmeeres. Einfach Klasse.

Die deutsche Bürokratie wird euch vermutlich herb enttäuschen. Mal sehen was euch alles am neuen Personenstandsänderungsgesetz so auf den Magen schlägt, wenn es denn eines Tages da ist.

Bin mal gespannt, was sich an so mancher burschikosen Anmerkung bewahrheitet, die ich gemacht habe. Deutsche Bürokraten, dazu zu veranlassen, daß alles mit einem einzigen Federstrich von den Betroffenen selbst geregelt wird, wäre ein absolutes Novum.

Aber wie gesagt ich lasse mich überraschen.

LG
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Re: Ist das transphob oder ein Beitrag zur Diskussion?

Post 75 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 19. Okt 2020, 16:03Bei der Frage, wie die Spreu vom Weizen zu trennen sei, besteht ja wohl die Annahme, dass jemand selber der Weizen sei und wohl auch die Annahme selber die Spreu klar zu erkennen.
Zu allererst steckt in einer solchen Klassizierung eine Wertung, nämlich in "gute" und "schlechte", solche die "dürfen" und jene, die "nicht dürfen" sollen. Und da stelle ich immer noch die Frage, wo bei einer Eintragung, die eigentlich - allgemeines Gleichstellungsgesetz - rechtlich gar keinen Unterschied machen dürfte, genau der Missbrauch stecken soll. Wer soll das denn nicht dürfen und warum?

Wo kann sich ein Mensch rein mit dem Eintragswechsel im Standesamt einen Vorteil holen? Und sind da vielleicht die Regelungen etwas ungünstig formuliert, indem sie zum Beispiel aus "historischen Gründen" an falschen Merkmalen aufgehängt sind?

Was auf jeden Fall keine Rolle spielt: Versehentliche Entscheidungen. Wenn irgendwer nach ein paar Jahren feststellt, dass der neue Eintrag (und Vorname) doch nicht so gut ist, dann könnte das auch wieder schnell und unbürokratisch geändert werden.
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