Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?
Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen? - # 4

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Svetlana L
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 46 im Thema

Beitrag von Svetlana L » Di 6. Feb 2018, 11:15

eilinfox hat geschrieben:
Di 6. Feb 2018, 09:59
In der Phase der Selbstfindung gibt es vielleicht noch das Thema Stiling.
Alltagstest und die Zwangsgutachterei im Rahmen der VÄ/PÄ eigentlich keine große Hürde darstellt.
Genau, da wir uns ja anscheinend nicht mal einig darüber sind, dass die Zwangsbegutachterei abgeschafft gehört, läuft es wohl auf den Austausch von Styling-Tipps als (einziges) gemeinsames Ziel hinaus.

Aber wie sieht's denn beispielsweise für das Eintreten für Akzeptanz und Respekt queerer Lebensweisen aus?
Wie sieht's aus sich dafür einzusetzen, die Gesellschaft zu sensibilisieren, dass wir keine abnormalen Lebensformen sind, sondern ganz normale Menschen?
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana

Daenerys Targaryen
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 47 im Thema

Beitrag von Daenerys Targaryen » Di 6. Feb 2018, 11:19

eilinfox hat geschrieben:
Di 6. Feb 2018, 09:59
Ich bin auch der Überzeugung, dass bei positiver Einstellung der Alltagstest und die Zwangsgutachterei im Rahmen der VÄ/PÄ eigentlich keine große Hürde darstellt.
Hallo eilinfox,

den Alltagstext würde ich als Zwangsmaßnahme nicht überbewerten. Kein Psychologe kontrolliert, wie einer im Alltag rumläuft. Und keiner verlangt, dass man sich in der ohnehin schwierigen Phase der Selbstfindung zu Beginn der Transition zum Clown macht und damit die seelische Gesundheit riskiert. Für mich selbst war der Test insofern wichtig, um herauszufinden, ob es sich wirklich "richtig" anfühlt, die meiste Zeit als Frau vor die Tür zu gehen und auch so wahrgenommen zu werden.

In Bezug auf die Gutachten kann ich mich nur wiederholen. Ich bin klar für die Abschaffung. Abgesehen davon, dass viele sie als demütigend empfinden, kosten sie Zeit und Geld - das eigene oder das des Steuerzahlers, zu denen wir ja auch gehören. Dazu kommt, dass viele junge und vor allem ausländische TS mit dem Prozedere überfordert sind. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass in Deutschland jeder vom sozialen Netz aufgefangen wird. Außerdem will es nicht jeder. Manche sind schlicht und ergreifend zu stolz.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der unser gemeinsames Ziel sein sollte, ist die Gesundheit. Viele Ärzte sind in Bezug auf die Versorgung transsexueller Menschen nicht gut genug ausgebildet. Wer als Endokrinologe einer Patientin 100 mg Androcur pro Tag verschreibt, begeht Körperverletzung. Wer als Chirurg einer Patientin ein "Loch" baut, das optisch und funktionell nicht mal ansatzweise etwas mit einer Vagina zu tun hat, ebenfalls. Auch für Verbesserungen in diesem Bereich sollten wir uns einsetzen.

Liebe Grüße Daenerys

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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 48 im Thema

Beitrag von eilinfox » Di 6. Feb 2018, 12:02

Das was du beschreibst sind ganz schlimme Einzelfälle, die ich allerdings für nicht repräsentativ halte.

In den allermeisten Fällen leben Frauen mit transsexueller Vergangenheit völlig unerkannt in der Gesellschaft und werden nicht bereit sein, diesen Status freiwillig aufzugeben.

Nicole Doll
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 49 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » Di 6. Feb 2018, 12:15

eilinfox hat geschrieben:
Di 6. Feb 2018, 09:59
Es gibt keine gemeinsamen Ziele!!! ...
... wenn das so ist, dann sollte Anne-Mette dieses Forum schließen und sich nur noch mit ihren eigenen Dingen beschäftigen. Und wozu habe ich dann eine Selbsthilfegruppe gegründet? Ich denke, hier sind wir genau bei dem Problem, dass Anne-Mette mit diesem Beitrag anspricht. Jeder geht seinen eigenen Weg und empfindet diesen irgendwann als einzig richtig. Sich immer nur mit den selben Dingen zu beschäftigen macht eben Betriebsblind.

Und damit bin ich auch schon wieder bei den ganzen bürokratischen Hürden einschließlich Alltagstest. Wer in dieser „Mühle” oder diesem „Hamsterrad” steckt, kommt oft gar nicht mehr dazu sich die Probleme anderer auch nur anzuhören. Dann gehören Teilzeitfrauen oder Nicht-Binäre wie ich nicht dazu, weil dieses „Hamsterrad” für sie nicht wirklich zum Ziel führt - was bringt mir beispielsweise eine VÄ/PÄ, wenn ich mich nicht vollständig als Frau fühle? So wird immer wieder behauptet man sei nicht trans*. Aber warum fühle ich mich dann in der Männerrolle immer nur schrecklich unwohl?

Ich könnte jetzt als Nicht-Binäre(r/s) einfach sagen: der ganze „Quatsch” mit der Transition interessiert mich nicht, weil ich da nicht rein passe und sowieso immer nur daneben stehe. Doch damit grenze ich mich doch genauso ab, wie diejenigen, die behaupten ich sei nicht trans*. - Ich denke, wir sind alle irgendwie Opfer unserer spießigen Erziehung mit den vielen „Schubladen” in die man uns hinein zu drängen versucht. Wer nirgendwo dazu gehört, fühlt sich einsam und verlassen. Und so entstehen immer neue kleine Gruppen wie „echte” Transmenschen, die im anderen Geschlecht komplett anerkannt werden wollen, oder Nicht-Binäre, die darauf bestehen, weder als Mann noch als Frau angesprochen zu werden. So fordern die einen die Abschaffung der gesetzlichen Hürden bei der Transition und die anderen ein drittes Geschlecht.

Also wo sind nun unsere gemeinsamen Ziele? - Je mehr ich hier lese, desto weniger weiß ich es. Also mache ich erst einmal einfach mit der SHG weiter und versuche zu helfen, wo ich kann.

@Daenerys Targaryen: Gesundheit als gemeinsames Ziel wäre doch schon einmal ein Ansatz!

LG Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

Daenerys Targaryen
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 50 im Thema

Beitrag von Daenerys Targaryen » Di 6. Feb 2018, 12:25

eilinfox hat geschrieben:
Di 6. Feb 2018, 12:02
Das was du beschreibst sind ganz schlimme Einzelfälle, die ich allerdings für nicht repräsentativ halte.
100 mg Androcur sind - zum Glück - Einzelfälle. Aber das Medikament wird trotzdem immer noch gerne auch in hohen Dosierungen verschrieben. Ich kenne endokrinologische Praxen, die haben 25 mg als "Standard" für MzF-TS (wer immer den auch festgelegt hat). Und dass das Medikament auch in dieser Dosierung oft problematische Nebenwirkungen wie Depressionen auslöst, ist leider nicht von der Hand zu weisen.

In Bezug auf die GAOP hängt es natürlich davon ab, was frau erwartet. Manche wollen einfach "das Ding" weg haben, und gut ist. Dagegen ist im Prinzip auch nichts zu sagen, wenn die Betroffenen damit glücklich sind. Aber andere - und dazu zähle ich mich auch - wünschen sich ein voll funktionierendes Organ, mit dem sie erfüllten Sex haben können. Und da kriegen zu viele Chirurgen immer noch nicht hin.
eilinfox hat geschrieben:
Di 6. Feb 2018, 12:02
In den allermeisten Fällen leben Frauen mit transsexueller Vergangenheit völlig unerkannt in der Gesellschaft und werden nicht bereit sein, diesen Status freiwillig aufzugeben.
Das verstehe ich nicht. Was hat denn "stealth" mit den Gutachten zu tun? Ich kenne jede Menge Frauen mit transsexueller Vergangenheit, die können gar nicht unerkannt leben, weil sie die körperlichen Voraussetzungen nicht mitbringen. Ob es die Gutachten gibt oder nicht, ändert daran nichts. :?:
Zuletzt geändert von Daenerys Targaryen am Di 6. Feb 2018, 12:28, insgesamt 1-mal geändert.

Ulrike-Marisa
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 51 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Di 6. Feb 2018, 12:28

Hallo zusammen,

...ja, gemeinsame Ziele sind gefragt. Da fangen aber scheinbar und wohl auch in Wirklichkeit die Schwierigkeiten an. Ich vermute mal, dass die Ziele, die jede/r einzelne von uns hat in dieser Frage so weit auseinandergehen und unterschiedlich sind, wie es Betroffene gibt; reine Vielfalt eben.
Das hängt für jede/n von persönlichen Möglichkeiten und persönlichen Gegebenheiten ab, was als Ziele genannt werden können.

Wie Svetlana geschrieben hat: (wie richtig zitieren geht, weiß ich nicht so recht, ich habs dann mal kopiert.)

Aber wie sieht's denn beispielsweise für das Eintreten für Akzeptanz und Respekt queerer Lebensweisen aus?
Wie sieht's aus sich dafür einzusetzen, die Gesellschaft zu sensibilisieren, dass wir keine abnormalen Lebensformen sind, sondern ganz normale Menschen?

Da steckt doch eine Menge an Potential, was jede/r für sich in der Gesellschaft vertreten kann, sich einbringen kann, aber bestimmt nicht muß, siehe persönliche Gegebenheiten und das Boot, wo viele mitfahren, aber doch nicht alle rudern, manche bedienen auch die Segel oder bringen sich in der Navigation ein; Ziele...

Andere gemeinsame Ziele sind doch die Gewinnung und Verbreitung von Sachinformationen, Tipps fürs Leben etc., die durchaus nicht unerheblichen Aufwand zeitigen und dann sicher von sehr viel wenigeren erbracht wird, Aktivisten/tinnen eben, denen der Dank der Mitfahrer im Boot gebührt.

Politisch gibt es sicher auch gemeinsame Ziele, wie die Abschaffung der Zwangsgutachterei, Vereinfachung der Namensänderung für Betroffene u.v.m..
Da sind auch Parteien mit ihren Programmen gefragt, wo persönliches Engagement gefragt ist. Auch hier Programme lesen, kann jede&/r aber mitmachen, beitreten ist dann doch nicht jedens Sache. So stoßen wir immer wieder an persönliche Grenzen und Befindlichkeiten jeder/es einzelnen.

Ich glaube, dass es in unserer Sache genauso wie in jedem Verein geht: einige machen die Arbeit, die Lust darauf haben sich zu engagieren und die Mehrheit kommt zur wenn überhaupt zur Jahreshauptversammlung (entspricht meiner langjährigen Erfahrung aus vierlfältiger Vorstandsarbeit).

Das ist mal ein kleiner Versuch einer ganzheitlichen Betrachtung zur Problematik gemeinsamer Ziele in der Theorie und Wirklichkeit, an der wir nur durch eigenes Zutun etwas ändern können, wenn wir es denn können und wollen.

Beste Grüße, Ulrike-Marisa
aus der Mittagspause am PC :wink:

-Alexandra-
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 52 im Thema

Beitrag von -Alexandra- » Di 6. Feb 2018, 12:31

Hi :)
Ich denke der Titel heißt nicht umsonst "Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?" ;)
Von demher sehe ich die Abschaffung der Zwangsgutachterei schon als gemeinsames Ziel.
Wenn das "fast alle" nicht im Titel stehen würde, könnte auch das kein gemeinsames Ziel sein:
Nicole Doll hat geschrieben:
Di 6. Feb 2018, 12:15
Gesundheit als gemeinsames Ziel wäre doch schon einmal ein Ansatz!
da zur Gesundheit auch die seelische Gesundheit gehört, die unter der Zwangsgutachterei durchaus leiden kann.

Das soll jetzt einfach nur ein Beispiel sein. Das trifft auch auf andere gemeinsame Ziele zu, die fast alle unterstützen.
LG, Alex

eilinfox
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 53 im Thema

Beitrag von eilinfox » Di 6. Feb 2018, 12:51

Ich weiß nicht wie viele Frauen mit transsexueller Vergangenheit es in Deutschland gibt, die weitgehend Stealth leben?

Sicherlich sind es 10 bis 20.000 oder noch mehr.

Ich bin eine von denen.

Und jede hatte einen eigenen Weg der mit vielen Entbehrungen, Enttäuschungen und Verlusten geprägt war, bis sie ihren Platz in der Gesellschaft gefunden hatte.

Ich bewundere jede davon und glaube, dass diese Menschen auch einen Beitrag dazu leisten, dass das Thema Transsexualität ein Stück weit gesellschaftsfähig wird.

Leider werden diese Menschen direkt oder indirekt dafür gerügt, dass sie sich nicht für irgendwelche Ziele einsetzen, anstatt sie unter Wahrung ihres Statuses einzubinden und ihre Erfahrungen und Erlebnisse aufzunehmen.

MichiWell
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 54 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 6. Feb 2018, 19:16

eilinfox hat geschrieben:
Di 6. Feb 2018, 09:59
In der Phase der Selbstfindung gibt es vielleicht noch das Thema Stiling.
War das jetzt so ein Witz, den ich nicht verstanden habe? :o
Da gehen doch die Meinungen genau so weit auseinander wie bei der Debatte pro/contra Zwangsgutachterei!

Michi
Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix.

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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 55 im Thema

Beitrag von eilinfox » Di 6. Feb 2018, 19:48

Das eigentliche Thema liegt doch weder darin, ob wir hier Stylingfragen (hab ich es doch tatsächlich in meinem alten Post falsch geschrieben) abhandeln und für wen die interessant sind, oder ob es die Zwangsgutachterei gibt und abgeschafft gehört.

Das eigentliche Kernproblem ist doch, dass es für transsexuelle Menschen kaum genügt Anlaufstationen gibt, die dann zusammen mit der TS ein Konzept erarbeiten und auf dem Weg geben, wie sie gut damit zurecht kommt.

Und da gibt es verschiedene Wege.

Die eine wird Aktivistin und engagiert sich für Transsexuelle Personen, wieder andere leben offen mit Ihrer Transsexualität und eine dritte Gruppe, versucht ihr Glück im Verborgenen, in dem Sie versucht die Vergangenheit möglichst hinter sich zu lassen, was mit großen Verlusten einhergehen wird.

Dieser dritte Weg wird hier im Forum aber kaum betrachtet und ist hier fast nicht existent.

MichiWell
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 56 im Thema

Beitrag von MichiWell » Di 6. Feb 2018, 20:07

eilinfox hat geschrieben:
Di 6. Feb 2018, 19:48
Das eigentliche Kernproblem ist doch, dass es für transsexuelle Menschen kaum genügt Anlaufstationen gibt, die dann zusammen mit der TS ein Konzept erarbeiten und auf dem Weg geben, wie sie gut damit zurecht kommt.
Sorry, das verstehe ich nicht.

Willst du damit sagen, das es zu wenige Anlaufstellengeben würde?
Oder bieten viele Anlaufstellen deiner Meinung nach keine geeignete Hilfe an?
eilinfox hat geschrieben:
Di 6. Feb 2018, 19:48
Dieser dritte Weg wird hier im Forum aber kaum betrachtet und ist hier fast nicht existent.
Kein Wunder. Das ist ein sich selbst verstärkender Effekt. Menschen die nach der Transition möglichst "unsichtbar" sein wollen, brechen zumeist alle Brücken hinter sich ab. Aber das macht nichts, denn mit der Einstellung sind sie den meisten anderen eh keine Hilfe, unterstützen sie doch direkt oder indirekt die Einstellung derer, die Unsereins nicht akzeptieren und zur Kenntnis nehmen wollen.

Michi
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 57 im Thema

Beitrag von eilinfox » Di 6. Feb 2018, 20:24

@ Michi

Ich finde es interessant, was du für Schlussfolgerungen ziehst.

VanessaL
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 58 im Thema

Beitrag von VanessaL » Di 6. Feb 2018, 20:42

:((a

Ein spannendes Thema, aber auch mit Beiträgen, die am Ziel vorbeigehen ...

Frage: Gibt es ....
Antwort: Ja,es gibt ....

Einiges wurden hier ja auch schon genannt und vielleicht wäre ein Liste sinnvoll oder eine Umfrage dazu?

Vielleicht ist auch das Forum in seiner Form nur teilweise geeignet, politische Dingen zu formulieren und auszuarbeiten.
Aber trotzdem werden Ideen gesammelt und Probleme auf den Tisch gebracht, die Beachtung finden sollten. Wir "Trans"-Menschen sind so unterschiedlich und haben ganz verschiedene Ansichten und Wünsche. Oft sind wir auch so mit uns selbst beschäftig, dass der Blick für andere gar nicht oder besser noch gar nicht möglich ist. Vielleicht sind dies die Gründe, dass eine fachlich geordnete und zielgerichte Aufarbeitung nicht bzw. nur eingeschrängt möglich ist. Außerdem würde ich mir dabei ein gewisse Moderation/Leitung wünschen ...

Liebe Grüße
VanessaL
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 59 im Thema

Beitrag von Delfinium » Mo 9. Apr 2018, 14:57

Semele hat geschrieben:
So 28. Jan 2018, 16:11
Der Gesetzgeber verlangt von mir, drei Jahre lang als äußere Frau herumzurennen, mich dennoch immer wieder als Kerl anquatschen zu lassen, der privatrechtlich nicht den geringsten Anspruch auf korrekte Anrede / Geschlecht / Pronomen hat. Das ist Schwachsinn und kein "Alltagstest" und entbehrt jeder Logik.
Nachdem ich wieder ein paar ältere Themen durchforste möchte ich diesen Irrglaube auflösen.

Niemand MUSS 3 Jahre als Frau rumlaufen!

Das Transsexuellengesetz beinhaltet die Vorraussetzung sich seit mindestens 3 Jahren dem anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen.

Natürlich hatte ich diese 3 Jahre längst überstiegen, da ich schon von klein auf mich dem anderen Geschlecht zugehörig fühle, ABER zum Zeitpunkt meines Antrags und meinem Gespräch mit der Richterin war ich gradmal 10 Monate als Frau unterwegs und es hat keiner gemeckert.

Es zählt nicht die Zeit wielange man schon als Frau lebt, sondern die Zeit wielange man den Wunsch hat später einmal als Frau zu leben.

Ich hoffe ich konnte diesen Irrglaube auflösen :)

Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte Ihren Arzt oder Delfinium :mrgreen:

ExuserIn-2018-07-15

Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 60 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-07-15 » Do 12. Apr 2018, 20:08

Delfinium hat geschrieben:
Mo 9. Apr 2018, 14:57
Semele hat geschrieben:
So 28. Jan 2018, 16:11
Der Gesetzgeber verlangt von mir, drei Jahre lang als äußere Frau herumzurennen, mich dennoch immer wieder als Kerl anquatschen zu lassen, der privatrechtlich nicht den geringsten Anspruch auf korrekte Anrede / Geschlecht / Pronomen hat. Das ist Schwachsinn und kein "Alltagstest" und entbehrt jeder Logik.
Nachdem ich wieder ein paar ältere Themen durchforste möchte ich diesen Irrglaube auflösen.

Niemand MUSS 3 Jahre als Frau rumlaufen!

Das Transsexuellengesetz beinhaltet die Vorraussetzung sich seit mindestens 3 Jahren dem anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen.

Natürlich hatte ich diese 3 Jahre längst überstiegen, da ich schon von klein auf mich dem anderen Geschlecht zugehörig fühle, ABER zum Zeitpunkt meines Antrags und meinem Gespräch mit der Richterin war ich gradmal 10 Monate als Frau unterwegs und es hat keiner gemeckert.

Es zählt nicht die Zeit wielange man schon als Frau lebt, sondern die Zeit wielange man den Wunsch hat später einmal als Frau zu leben.

Ich hoffe ich konnte diesen Irrglaube auflösen :)

Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte Ihren Arzt oder Delfinium :mrgreen:
Im Hinblick auf deinen jugendlichen Leichtsinn und deine Selbstüberschätzung mag ich dir nachsehen, dass du solchen Blödsinn schreibst.
Dennoch kann ich die falsche Pauschalierung deinerseits nicht so stehen lassen. Dabei geht es mir in erster Linie um die vielen schweigenden Mitleser_innen, die sich vielleicht den einen oder anderen Rat aus unseren Beiträgen ziehen wollen und dann deinem Unfug anheimfallen.

Trotzdem ist es eine grenzenlose Borniertheit, einer alten Lady wie mir, die sich ständig mit den Trans*Gesetzlichkeiten auseinandersetzen muss, jeden Tag 24 Stunden ihre Frau steht und mit öffentlichem Dienst, Ärzten, Dienstleistern, Krankenkassen usw. bereits mehr als einen außergerichtlichen Rechtsstreit in Sachen Trans* durchgefochten hat, quasi die Dummheit zu unterstellen, aus Unkenntnis und / oder Unterbelichtung (das überlässt du ja freundlicher Weise den Leser_innen) freiwillig 3 Jahre bis zum gerichtlichen Antrag auf VÄ / PÄ zu warten!

Du hast anscheinend keinen Schimmer von meiner Vorgeschichte und kannst dir folglich absolut keine Aussage über richtig oder falsch zum Thema Warten in meinem Fall erlauben. Du kannst nicht deinen Teenie-Fall komplett für alle verallgemeinern, auch wenn in den Vorstellungsrunden immer wieder geschrieben wird, dass ja praktisch alle Geschichten gleich wären und alles bekannt / althergebracht sei.

Im Gegensatz zum "Standardfall" der jahrzehntelangen Verstecker_innen und Heimlich-Nylonträger_innen sowie aller, die "es" schon länger wussten, sich entwickelten und nach vielen Jahren die vollen Konsequenzen zogen, haben Transmenschen Pech, denen die Sache erst sehr spät bewusst wird. Bei mir ist es unglücklicher Weise so, dass das auch in der Diagnosebegründung so drin steht. Ich habe meinen liebenden fürsorgenden Eltern ein massives Trauma im frühesten Kindesalter zu verdanken, in dem ich schon im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten Anstalten machte, mich wie ein Mädchen zu gebärden. Die kindliche Angst vor den Konsequenzen war derart stark, dass das ständige Draufknüppeln und Drohen der Erziehungsberechtigten zur kompletten Verdrängung aus purer Furcht führte. Ich hab deshalb gebraucht, bis ich 45 Jahre alt war, meine Identität aus der Versenkung zu holen. Dann war es mir allerdings von einer Sekunde auf die andere bewusst, während es all die Jahrzehnte davor wie eine träge Seifenblase millimeterweise aus dem Unbewussten emporgestiegen war.

Ich war mir der rechtlichen Konsequenzen sehr wohl bewusst, aber ich hatte einfach keine Lust zum Lügen. Klar hätte ich den Ärzten ihre Trans-Standardgeschichte auftischen können. Dann wären die drei Jahre wie bei den meisten anderen natürlich längst erledigt. Ich war also so "dumm" und bin bei der Wahrheit geblieben. Sollte meine gesamte psychologische HET-Begleitung auf einer Lüge aufbauen?
Die Folge davon ist, dass der Wille, im weiblichen Geschlecht zu leben, in undatierbarer Frühkindheit für eine unnachweisbare Dauer existierte, aber kein Mensch, erst recht kein Gericht, könnte irgendwie die verlangten drei Jahre auch nur ansatzweise davon ableiten. Dagegen liegt glasklar auf der Hand, dass ich am 01.01.2017 erstmals wusste, wer ich bin. Mangels anderer Datierbarkeit wird jeder Richter ab diesem Datum zählen. Damit fallen bei mir das Leben als Vollzeitfrau und die Bewusstwerdung tatsächlich fast zusammen, weil ich nicht lange warten konnte, sondern von der ganzen Entwicklung mitgerissen wurde und sehr schnell nur noch als Frau lebte.

Vielleicht denkst du das nächste Mal genau nach, bevor du hier öffentlich jemanden durch deine Schreiberei diskreditierst. Die nächsten Opfer werden es dir danken ...

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