Angst, meine Frau zu verlieren
Angst, meine Frau zu verlieren - # 3

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Inga
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 31 im Thema

Beitrag von Inga » Mi 20. Jul 2016, 22:30

Hallo, Nicoletta,

ich weiß nicht, ob du mich schon verstanden hast. Ich meinte mit dem "Glauben als Käfig", dass vielleicht die Vorstellungen der festgefügten Geschlechterrollen "Ehe = Mann + Frau" die ihr beide durch den orthodoxen Glauben gewonnen und gefestigt habt, für euch zu eng geworden ist , ihr an die Grenzen stoßt, deswegen das Leben schwer wird. Da liegt m. E. die Flucht in den Alkohol nah.

Glaube wächst, entwickelt sich weiter und - meine Erfahrung - manches legt man mit dem Laufe der Jahre auch zu Seite , weil es zu eng geworden ist. So wie Kleider, die einen gewärmt haben als man klein war und zu eng und hinderlich geworden sind, als man zum Erwachsenen heran wuchs. Jetzt benötigt man andere Kleider, die mehr Platz bieten.

Der Gedanke des Marthyriums ist mir in der Tat fremd. Ja, es gibt sicher Leiden, das man aushalten und durchstehen muss. Da kann der Glaube Kraft und Zuversicht geben. Doch Glauben soll und kann m. E. helfen, vom Leid nicht vereinnahmt zu sein, vom Leid wegzukommen. Doch extra Leiden aufzulegen um es durchzustehen, ja sich gewissermaßen daran zu ergötzen, hat für mich eher etwas von SM, als von der erlösenden Kraft der christlichen Botschaft.

Ich hatte vor einer Weile ein interessante Morgenandacht gehört mit der schlichten Frage: An was für einen Gott glaube ich? Und das an Beispielen in den Raum gestellt: Glaube ich wirklich an den Gott der Gnade? Glaube ich an den Gott der Liebe? Oder glaube ich doch eher an den Gott des Leidens? Glaube ich eher den Gott des Belohnens und Bestrafens? Glaube ich eher an den Gott der Grenzen, und nicht den Gott der Unendlichkeit? Glaube ich an den Gott des Erfolges?- usw.

Liebe Grüße
Inga

Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 32 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Do 21. Jul 2016, 08:40

Liebe Inga,

danke für die Präzisierungen zu "Glauben als Käfig". Soweit ich sehe, vertreten alle christlichen Kirchen, aber auch Islam und Judentum, eindeutig festgefügte Geschlechterrollen, mal mehr, mal weniger streng. Glaube ist natürlich mehr als Kirche. Mit meinem Heraustreten aus dem Käfig werde ich, auch wenn das niemand sagt, als Paria angesehen von Vertretern der Kirche. Begegne ich jemanden von ihnen, quält man sich allenfalls eine Erwiderung auf meinen Gruß ab, ich habe aber auch erlebt, das sie bei meinem Anblick sofort die Richtung wechseln, um mir nicht zu begegnen. Und der Priester, der mich in die Gemeinde aufgenommen hat, sagte zu meiner Frau, ich dürfe ruhig in die Kirche kommen (und meinen Obulus entrichten), solle aber vor dem Ende der Liturgie gehen, um die Leute nicht zu verwirren! Vor Gott allerdings fühle ich mich nicht als Paria, schließlich hat Er mich so geschaffen wie ich bin.

Das mit dem Martyrium verstehst Du noch weiterhin falsch, es geht nicht um Leiden, es geht eher um Ehrlichkeit, Stehen zu dem dem, was man glaubt. Das Wort kommt von griechisch mártys 'Zeuge'. Wenn ich dazu stehe, eine Transfrau zu sein und das offen bekenne, bin ich auch mártys, Zeuge für die Vielfalt der Schöpfung Gottes. Auch die altkirchlichen Märtyrer heißen so nicht wegen der Leiden, die ihnen zugefügt worden sind, sondern weil sie trotz Bedrohung ihren Glauben bekannt haben.

Jene, die sich am Leiden ergötzen, laufen oft natürlich auch unter dem Begriff Märtyrer. Das gilt für die islamistisch motivierten Terroristen, die sich ja auch als Märtyrer verstehen, galt aber in einigen Fällen sicher auch schon für altkirchliche Märtyrer, die ohne Not einen gewaltsamen Tod anstrebten. Da ist der Vergleich mit SM durchaus naheliegend

Von Leidenstheologie halte ich nichts. Leidenstheologie ist vielleicht ein protestantisches Reservat. Ich habe dort durchaus Vertreter gefunden, für die Karfreitag der wichtigste Feiertag des Jahres ist. Das ist sehr jüdisch gedacht, das Lamm, dem alle unsere Sünden aufgelegt werden, das dann in die Wüste getrieben wird. In dem System ist der Tod des Lamms die Erlösungstat. Christentum beginnt aber erst mit der Auferstehung. Es ist de Gott der Liebe, an den ich glaube, keiner des Leidens, der Versuchung und Bestrafung. Er akzeptiert auch mich und freut Sich dabei an der Vielfalt Seiner Schöpfung, zu der auch ich gehöre.

Liebe Grüße,

Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 33 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Do 21. Jul 2016, 08:51

Nicoletta hat geschrieben:Und der Priester, der mich in die Gemeinde aufgenommen hat, sagte zu meiner Frau, ich dürfe ruhig in die Kirche kommen (und meinen Obulus entrichten), solle aber vor dem Ende der Liturgie gehen, um die Leute nicht zu verwirren! Vor Gott allerdings fühle ich mich nicht als Paria, schließlich hat Er mich so geschaffen wie ich bin.
Ähnliche Argumente habe ich bei uns in der Gemeinde (ev.) auch gehört als Crossdresser. Aus Rücksichtnahme gegenüber den Schwachen im Glauben trage ich im Gottesdienst halt Männerkleidung bzw. solche, die danach aussieht. Natürlich habe ich die Freiheit (gem. Apostel Paulus) Kleider zu tragen, aber ich verzichte freiwillig für eine Zeit darauf.

LG
Dolores
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 34 im Thema

Beitrag von Nicoletta » Do 21. Jul 2016, 09:13

Hallo, Dolores,

wenn Du damit leben kannst, ist es ja gut. Ich wollte mich inzwischen nicht mehr verstecken. Nur am Rande: Meine Frau hatte anfangs natürlich auch Bedenken gegen meine Kleidung, ließ sich dann aber überzeugen, als ich sagte, dass die (von ihr geschätzten) Römer immerhin die halbe Welt im Rock erobert hätten und auch Jesus ein Kleid trug. Das war natürlich nicht ganz richtig, denn auch zu Jesu Zeit unterschied sich das Gewand der Männer von dem der Frauen. Immerhin hat das ihr aber ins Bewusstsein geführt, wie sehr Kleiderordnungen kultur- und zeitbedingt sind.

LG
Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 35 im Thema

Beitrag von Aubergine » Do 21. Jul 2016, 14:10

Nur kurz,

Glaubensfragen sind vielfältig, interpretationsfähig und bietet Schutz für alles und jedes.
Glauben ist nicht nur Ansichts- sondern auch Auslegungssache. Wie im wahren Leben kann man alles aus positiver wie negativer Sicht sehen.
Im Namen des Glaubens wurden viele Kriege geführt und es ging nie um Gott (Jesu, Allah, Buddah etc.), sondern immer nur um Macht.
Der Glaubensmantel bedeckt Machos wie Egoisten und diese unterdrücken unter dem selben Mantel die Schwachen, deren eigenen Willen und das Selbstvertrauen.
Glaubensdiskussionen führen nie zum Verständnis, sondern immer zu Missverständnissen und Konflikten.....besser ihr lasst es

LG Aubergine
Brauchst du Hilfe beim Schminken und Stylen? Schau hier:
https://www.crossdresser-forum.de/phpBB3/viewtopic.php?f=42&t=13403 oder "NEU" bei www.transpassabel.de

Dolores59
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 36 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Do 21. Jul 2016, 14:53

Aubergine hat geschrieben: Glaubensdiskussionen führen nie zum Verständnis, sondern immer zu Missverständnissen und Konflikten.....besser ihr lasst es

LG Aubergine
Das "immer" ist zu pauschal, liebe Aubergine.

Keiner von uns hat vor einen "Glaubenskrieg" anzuzetteln. Der Austausch von Erfahrungen kann auch zu mehr Verständnis für Standpunkte Menschen anderen Glaubens oder Glaubensgeschwistern führen. Ich sehe mehr die gegenseitige "Befruchtung" und Erweiterung des geistigen Horizonts. Über die Unterschiede hinweg.

LG
Dolores
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Corinna

Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 37 im Thema

Beitrag von Corinna » So 20. Nov 2016, 18:33

Offensichtlich leidet Deine Frau schon sehr lange unter dem Zustand Eurer Ehe,.. vielleicht ist dies auch (zumindest) ein Auslöser für ihre offensichtlich verzweifelte Lage. Auch aus christlicher Sicht ist eine Ehe ohne Sexualität keine Ehe... Die Sexualität zwischen Eheleuten ist ein immens wichtiger Part... und wenn einer von beiden diesen Part nicht wünscht, ist eine wichtige Säule für die Partnerschaft zerbrochen. Eine normal sexuell empfindende Frau leidet immens unter diesem Zustand, nicht von ihrem Mann begehrt zu werden und die über die Sexualität entstehende, körperliche und seelische Verbundenheit immer wieder zu erfahren...Die Ehe ist nicht dafür gedacht zölibatär zu leben, dann wäre sie Nonne geworden (oder Single geblieben). Die Ehe stellt einen gesundheitsförderlichen Raum für natürliche Sexualität dar.
Ich wundere mich, wie Du selbstverständlich den Verzicht auf eines der menschlichen Grundbedürfnisse von Deiner Liebsten erwarten kannst?
Was ist das für eine Liebe? Deine Frau leidet! Auch wenn sie es vielleicht nicht so deutlich sagt....
Wenn Dir die Ehe wirklich so wichtig ist, mach eine Sexualtherapie (z.B. bei Sexocorporell-Beratern), um deine Lust wieder zu erwecken... und zwar die Lust auf (D)eine Frau und weg von der Lust auf Klamotten.... Wenn es nicht nebeneinander bestehen kann (Lust auf weibliche Klamotten und die Lust auf die Frau) ist das ein Ehe- Hinderungs-Grund! Es kann nicht sein, dass sich ein Ehepartner für die Lüste und Unlüste des Anderen aufopfert...
Es geht kein Weg an der Arbeit an Deiner Lust auf Deine Frau vorbei, wenn Du Deine Ehe retten willst...

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