Der selbe Mensch ?!
Der selbe Mensch ?! - # 3

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Aria
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 31 im Thema

Beitrag von Aria » Do 5. Dez 2019, 20:41

Hey Carry, interessantes Thema, das du begonnen hast. Ich denke, ich kann ganz gut zu beiden Positionen was sagen, da ich lange Zeit CD war und seit ca. 4 Jahren weiss, dass ich TS bin. In all den CD-Jahren - es waren gut 25 - habe ich keinerlei Wesensänderung während ich en femme war, feststellen können. Und meine langjährige Ex-Partnerin - wir waren ca. 16 Jahre zusammen und sie wusste es von Anfang an - auch nicht. Die hier immer wieder erwähnten "Veränderungen" im Verhalten haben m.E. nicht wirklich was mit Wesensänderungen während der CD-Zeit zu tun. Bei denen, die davon berichten, dass sich z.B. ihre Mimik und Gestik verändert, hat das eher was mit guter Besetzung ihrer Rolle zu tun, denn mit intuitiven Verhalten. Ähnlich einem Schauspieler, der so tief in seiner Rolle drin steckt, dass er das auch eine Zeit lang mit in seine Freizeit trägt. Es kann aber auch gut sein, dass schon etwas in ihnen drin steckt und dies durch den Rollentausch zu Tage gefördert wird. Kann gut sein, dass sich das dann auch weiterentwickelt. Letzten Endes wird es aber niemand mit Sicherheit sagen können, woher es kommt.

Andere Verhaltensänderungen, wie z.B. Beine zusammen, beim hin setzen mit Rock, kleinere Schritte beim laufen mit hohen Schuhen usw., mache ich einzig und allein am Tragen dieser Kleidung und dem stimmigen Gesamtbild, das man in erster Linie für sich aber auch für andere transportieren will, aus. Seien wir mal ehrlich, wie scheisse sieht das denn aus: Im Rock breitbeinig laufen, hinsetzen in Al Bundy Gedächtnispose und an einer Bierflasche nuckeln. Ich bin mir sicher, so möchte kein CD wahrgenommen werden, wenngleich er das vllt. en homme hier und da ganz gerne macht. Dennoch wird manchem dieser Spagat leichter gelingen als anderen. Das führe ich wiederum auf die angesprochenen inneren Veranlagungen zurück.

Im Vergleich zu diesen "Wesensänderungen", sind die, die ich schon vor und während der HET an mir bemerkte, eine ganz andere Nummer. Als ich endlich wusste, was mit mir los ist - ich war ca. 3 Monate in Therapie - stellte ich fest, wie ich mich veränderte. Es war, als bricht es aus mir heraus - und es fühlte sich unglaublich gut an. Es hat mich keinerlei Anstrengung gekostet, so zu handeln. Es war, als ob es schon immer da gewesen wäre, nur unter jeder Menge Schutt begraben. Diesen hatte ich in der Therapie freigelegt und heraus kam Ich. Es machte sich in so vielen Punkten bemerkbar, das es mir fast unheimlich wurde und ich mir öfter die Frage stellte, ob ich das nun wirklich gesagt/gemacht habe. Und es waren nicht nur die offensichtlichen Dinge, die mir auffielen. Es betraf auch meine ganze Denkweise. Ich kann mich an eine Situation mit einem Freund erinnern. Wir standen in einer Gruppe und ich fragte in die Runde, ob die denn auch alle ihren Partnerinnen schon was schönes zum Valentinstag geholt hätten. Da sagte er: "Die kriegt das ganze Jahr nix, da soll die sich nicht jetzt da dran gewöhnen." In dem Moment ist mir mein Herz gebrochen, weil ich genau fühlen konnte, wie die sich fühlt, wenn die wieder mal leer ausgeht. Ich habe das dann mit einem lautstarken Seufzer bedauert, Blitze kamen aus meinen Augen Richtung ihn und er hat einen imaginären Fusstritt von mir bekommen. Und jetzt kommt´s: Früher wäre ich genau der Typ gewesen!

So ging das dann immer weiter. Ich merkte ständig neue Veränderungen an mir, obwohl ich da noch lange nicht in der HET war. Und genau das machte mir dann immer mehr zu schaffen. Innerlich schon stark auf Frau gepolt, war mein äusseres Erscheinungsbild noch immer männlich. Doch nicht nur mich stellte das vor ungeahnte Konfliktsituationen. Auch Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, konnten mich plötzlich nicht mehr so ganz einordnen und waren oftmals verwirrt. Rückblickend, war das die eigenartigste Zeit während meiner Transition. Ich bin wirklich froh, dass die Geschichte ist, denn es war anstrengend, nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich ein Doppelleben zu führen. Schliesslich sollte die HET erst ungefähr ein Jahr später beginnen.
Musst du nicht verstehen, ist halt einfach so!

Jaddy
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 32 im Thema

Beitrag von Jaddy » Do 5. Dez 2019, 21:28

Der Knackpunkt nach dem Coming Out ist für mich, dass ich nach und nach all die Teile ablegen konnte, die hauptsächlich anerzogene Maske waren. Erwartungen, die 1 zu erfüllen meinte, um irgendwie durchzukommen, weil - in meinem Fall - dieses Gefühl von nicht dazu passen ja auch gar keine Alternative hatte. Es war also im wesentlichen eine Selbsterlaubnis, Dinge abzuwerfen, die nie meine waren.

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 33 im Thema

Beitrag von Ginger_Rogers » Fr 6. Dez 2019, 00:40

Hallöchen, interessantes Thema, worüber ich mir auch schon Gedanken gemacht habe. Ich habe meinen Partner, der auch Crossdresser ist, bisher noch nicht live gesehen. Wen ich ihn mir als Mann betrachte, finde ich nur schwer seine "weibliche, sanftmütige" Seite. Er ist eher das Gegenteil. In unserer Beziehung bin ich diejenige, die sanft, empathisch, verständnisvoll und reflektiert ist. Ich lese gerne Sachbücher und interessiere mich für Psychologie. Dafür hat er Null Interesse und auch von seinem Wesen her schon eher der italienische Macho. Wenn ich mit ihm über Gefühle und "Frauenthemen" sprechen will, ist er schnell überfordert und hat da eher wenig Feingefühl. Ich kann mir bei meinem Freund ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass er sich in Frauenklamotten plötzlich ganz anders verhält. Die "Hülle" sieht zwar dann weiblich aus, aber vom Wesen und der Gefühlswelt ist er bestimmt noch der selbe.

Mein Freund hat auch nur wenig Verständnis, dass ich oft dem Shoppingwahn verfallen bin. Er schimpft mich dann eher, dass ich nicht so viele Klamotten kaufen soll, da ich ja schon genug davon habe. Er hat keinen besonderen Bezug zu seinen Klamotten. Ich dagegen schon. Ich sortiere beim Wäsche waschen alle Textilien feinsäuberlich und trenne Farben beim waschen, damit meine Teile lange schön bleiben. Wenn er seine Kleidung wäscht, ballert er alles zusammen bei 40 Grad wie ein alter Junggeselle. ;)

Wenn ich mich weiblich Kleide, dann gefällt es ihm und macht mir Komplimente. Oft hängt meine frisch gewaschene Kleidung und Dessous auf dem Wäscheständer in der Wohnung. Ich hab mich schon gefragt, wie er das empfindet? Triggern ihn die Kleidungsstücke oder empfindet er da gar keinen visuellen Reiz?

Ich merke gerade, wie viele Gedanken "Frau" sich macht! Männer ticken da echt anders. Die machen sich weniger "unnötige" Gedanken. Ich glaube die innere Gefühlswelt ist zwischen weiblichem und männlichen Geschlecht definitiv anders, unabhängig von der optischen Erscheinung. Und Hormone spielen eine große Rolle - egal ob bei Frau oder Mann. Z.B. merkt "Frau" bereits, wenn sie die Anti-Baby-Pille nimmt oder bei einer Schilddrüsen-Funktionsstörung.

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 34 im Thema

Beitrag von Ginger_Rogers » Fr 6. Dez 2019, 01:10

P.S.
Mir ist eben noch was eingefallen. Ich habe immer wieder gesehen, dass mein Freund auf Instagram Crossdressern folgt, deren Bilder liked und Komplimente macht. Fühlt sich für mich ehrlich gesagt komisch an und ich bekomme ein beklemmendes Gefühl - eine kleine Ohnmacht.
Mir ist schon klar, dass er diese CDs aus aller Welt nicht persönlich kennt und es nur optische Einflüsse sind, trotzdem für mich schwer nachvollziehbar. Schließlich will ICH die "echte" Frau sein, die er toll findet. Es ist wie ein Rollenspiel und für mich befremdlich.
Auch wenn sich Crossdresser gegenseitig mit "Hallo Süße" begrüßen. Das klingt richtig kitschig und übertrieben zuckersüß. So spreche ich nicht mal mit meinen Mädels im Freundeskreis. :lol:
Kann mir jemand erklären wie ich damit besser umgehen kann und was es mit diesem Verhalten auf sich hat? Ich brauche mit diesem Thema nicht bei ihm ankommen, sonst hält er mir wieder vor ich schnüffel ihm hinterher. :cry:

Vicky_Rose
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 35 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Fr 6. Dez 2019, 08:40

Hallo Carry,

schon die alten Griechen wussten, dass man nicht zweimal in den selben Fluss steigen kann.

Alles und jeder verändert sich. Ständig und ohne Unterlass. Wenn sich jemand als unverändert wahrnimmt, ist das mMn eine Selbsttäuschung. Der Vergleich mit einem Fluss ist sehr treffend. Auch wenn man glaubt, er wäre derselbe, wenn man einen Tag später wieder zum Baden kommt, hat er sich doch ein kleines bischen verändert. Diese kleinen Änderungen nimmt man nicht wahr, aber wenn man über längere Vergleiche anstellt, sieht man die Veränderung.

Das gilt natürlich auch für mich selber. Mit jedem Augenblick, den ich lebe, wachsen meine Erfahrungen. Und jede Erfahrung verändert mich. Es ist ein altes phliosophisches Thema, ob jemand noch derselbe ist, wenn man diese Person zu zwei verschiedenen Zeiten betrachtet.

Aber das ist vielleicht nicht so wichtig. Viel wichtiger ist in meinen Augen, dass man die Veränderung annimmt. Die eigene als auch die der Menschen um mich herum. Wenn man das wirklich für sich annehmen kann, dann gibt es Sätze wie z.B. "Ich will den Mann zurück haben, den ich geheiratet habe" nicht mehr. Das Klammern an die Unveränderlichkeit, wie jemand war und wie er heute ist, macht krank an der Seele. Ganz davon abgesehen, dass es sich dabei um die eigene Wahrnehmung handelt und nicht um den Menschen.

Meine Konsequenz:
Was war, spielt keine Rolle mehr, was sein wird, auch nicht. Es zählt einzig das Heute. Sich darauf zu konzentrieren, bedeutet für mich Leben. Die Frage, wohin etwas führen wird, ist auch nicht wirklich hilfreich, denn es wird garantiert anders laufen als wir es uns vorstellen können. Warum soll ich mich mit Dingen beschäftigen, die nicht eintreten werden ?

Was bleibt ?
Im Hier und Jetzt zu leben ist eine radikale Veränderung der eigenen Empfindungen. Je mehr mir das gelingt, um so schöner wird der Augenblick. Den Anderen im Hier und Heute wahrzunehmen, bedeutet für mich, sich von den eigenen Vorstellungen und Wertungen, die aus meiner Vergangenheit stammen, zu lösen. Sie haben nichts mit meiner Wahrheit im Jetzt zu tun. Die ständige Veränderung, der wir unterliegen, zwingt mich dazu, den Anderen, ja auch mich selber nur im Heute wahrzunehmen. Wenn ich den Menschen vor dem Hintergrund wahrnehme, wie ich ihn z.B. kennen gelernt habe, tue ich ihm Unrecht, denn ich verleugne seinen Entwicklungsweg. Man kann einem Menschen nicht in der Vergangeheit begegnen, sondern nur im Jetzt. Auch meine Gefühle existieren nur im Jetzt. Liebe ist Begegnung im Jetzt, ohne Vergangenheit und ohne Zukunft.

Sehr deutlich wird das, wenn man Kinder beim versunkenen Spiel beobachtet, wenn ein verliebtes Paar auf der Parkbank sitzt oder bei der körperlichen Liebe.

Und für mich ist es nichts Anderes, wenn ich das lebe, was mir jetzt wichtig ist. En femme nehme ich mich sehr bewusst im Augenblick wahr. Ich empfinde Glück. Ich empfinde Glück, wenn ich auf meinem Segelboot bei gutem Wind segle. Ich empfinde Glück, wenn ich meine Frau in den Arm nehme. Diese Wahrnehmung von Glück habe ich immer dann, wenn ich im Augenblick lebe, wenn es nicht darauf ankommt, was andere denken, ob vielleicht eine Böe mein Boot erfasst und ob ich meine Frau morgen wieder in den Arm nehmen kann. All das lenkt ab, macht das Glücksgefühl kleiner.

Im Augenblick kann ich keine Veränderung feststellen. Es gibt nur den Zustand im Augenblick. Aber im Augenblick gibt es eine Veränderung. Charlie Chaplin hat das einmal sehr gut in anderem Kontext ausgedrückt:
Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !
Sind wir in der Lage, eine Wertung dieser neuen Welten zu unterlassen, akzeptieren wir Veränderungen. Jede Wertung ist ein Versuch auf eine Veränderung Einfluss zu nehmen. Jede Abweichung meiner Vorstellung von den tatsächlichen Veränderungen führt zur Entfremdung vom Augenblick und damit vom Glück.

Wie gesagt, das ist meine Sicht der Dinge.
Viele Grüße
Vicky

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Carry
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 36 im Thema

Beitrag von Carry » Fr 6. Dez 2019, 10:00

W O W ...
Ihr seid ja alle toll, vielen vielen Dank für all die Erfahrungen, Erlebnisse und Ansichten! Spannend und echt interessant, all die verschiedenen Sichtweisen und Empfindungen, dieses Thema betreffend, zu lesen!
Echt, finde ich mega toll, wie viele Antworten hier schon zusammengekommen sind.

Ich kann da gar nicht auf jede einzelne eingehen, und das würde der Komplexitität dieses Themas auch nicht gerecht werden.

Allgemein ein paar Gedanken meinerseits:

Klar ist, jeder Mensch verändert, entwickelt sich permanent und stetig - das wäre ja auch schlimm, wenn es anders wäre...

Gestern Abend zum Beispiel hatte ich mit meinem Schatzi noch sehr lange und intensive Gespräche, unter anderem auch über eben genau diese Frage.
Wie ja vielleicht einige mitbekommen haben, waren wir vor urlanger Zeit in der Jugend schon einmal zusammen und haben uns dann nach ca. 25 Jahren Funkstille wiedergefunden. Als wir uns wiedertrafen, waren wir - obwohl natürlich inzwischen erwachsen geworden, gereift, entwickelt und durch das Leben verändert - verblüfft, wie sehr wir beide das Gefühl hatten, dass da "der selbe Mensch" vor uns sitzt. Nach einer Weile reden fielen öfter so Bemerkungen, sowohl von ihm, als auch von mir, wie: "Mein Gott, Du hast Dich gar nicht verändert!" Gemeint war damit natürlich nicht, dass man sich tatsächlich nicht verändert hat, das haben wir natürlich beide in 25 Jahren, sondern dass man den Eindruck hatte, dass Gestik, Mimik, die Art zu reden, die kleinen Eigenheiten, wie bestimmte Gesichtsausdrücke bei bestimmten Tätigkeiten, eben die "Art", etc etc irgendwie noch genauso waren, wie vor 25 Jahren...
Dies hatte ja auch zur Folge, dass wir uns beide wieder Hals über Kopf ineinander verliebten.
Vor diesem Hintergrund wage ich mal die These, dass man sich natürlich immer verändert, entwickelt und reift usw, aber dass das grundsätzliche Wesen eines Menschen, also seine Seele, sein Herz und die grundsätzlichen Charakterzüge schon über die Jahre erhalten bleiben.
Natürlich war es in der ersten Zeit des neuen Zusammenseins auch mega spannend, festzustellen, wie sich der andere im Laufe der Jahre entwickelt hat, wieviel Neues und durchweg Schönes man am anderen entdeckte, aber ebenso schön war und ist es natürlich auch, wenn man so vertraute Dinge am anderen wiederentdeckt, Kleinigkeiten, wie z.B. die Angewohnheit, dass ich immer den Löffel in der Tasse stehen lasse, wenn ich einen Schluck nehme....eines morgens beobachtete er mich dabei, lächelte und sagte: "Süß, das machst Du immernoch!" und ich sagte "Ja, und bis heute habe ich mir immer noch kein Auge ausgestochen :wink: !" ...das hatte er mir früher nämlich immer prophezeit :wink: ....solche Dinge eben, die den Menschen, den man liebt, eben genau zu diesem besonderen Menschen machen, eine Summe seiner ganz persönlichen Eigenarten.
Also schilderte ich ihm gestern die Gedanken, inwieweit ich wohl eine "Veränderung" seines Wesens zu erwarten hätte, wenn er sich mir "en femme" zeigt und er sagte mir: "Gar nicht, denke ich! Ich bin, wer ich bin, und der, der ich schon immer war - vielleicht bin ich in Frauenkleidern erstmal etwas schüchterner und unsicherer, weil wir ja noch nicht wissen, wie Du darauf reagieren wirst, wenn ich wirklich als Frau gekleidet vor Dir stehe, aber ansonsten denke ich nicht, dass mich das verändert!" Er hatte schon immer die Gabe, aufgewühlte Gedanken und wirre Gefühle in mir zu beruhigen, auf eine ihm absolut unnachahmliche Art - und daran, das glaube ich ganz fest - wird sich sicher nichts ändern, egal wohin der Weg uns führen wird...

...all eure tollen Beiträge und Antworten helfen mir total, vor Allem eines zu begreifen: Es gibt auch in der Trans*-Thematik absolut keinen allgemeingültigen, vorgezeichneten Weg, es gibt so viele Facetten, wie es unterschiedliche Menschen gibt, und ich werde von Tag zu Tag sicherer, dass mein Schatzi und ich den für uns bestmöglichen Weg finden! (smili)

Alles kann, nichts muss!

Danke Euch (flow)
Carry
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 37 im Thema

Beitrag von YvonneTV » Fr 6. Dez 2019, 15:31

Vicky_Rose hat geschrieben:
Fr 6. Dez 2019, 08:40
Alles und jeder verändert sich. Ständig und ohne Unterlass
Da stimme ich Dir völlig zu Vicky (yes)

Nur hatte ich die Eingangsfrage von Carry so verstanden, dass es vor allem um den "spontanen Wechsel Männer-/Frauenmodus und zurück" geht (smili)

Also im Sinne von "als Mann mache ich ..... für die Zeit en femme ist das anders".
Ganz liebe Grüsse - Yvi

Vicky_Rose
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 38 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose » Fr 6. Dez 2019, 16:50

Hi Yvonne,

kann schon sein, aber geschrieben wurde vom "der selbe Mensch". ich habe das so interpretiert, wie ich es geschrieben habe. Das, was Du beschreibst, ist mMn die Änderung im Verhalten. Auch ein interessantes Thema.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 39 im Thema

Beitrag von gerda joanna » Fr 6. Dez 2019, 21:51

Nachdem ich Crossdresser oder Teilzeitfrau bin, glaube ich schon, dass ich derselbe Mensch bleibe. Aber natürlich ist das Gefühl etwas anders, wenn ich enfemme unterwegs bin. Da fühle ich mich schon auf der weiblichen Seite, die ja sowieso in mir ist. Ich finde es einfach reizvoll, die Rollen zu wechseln und ich versuche auch, die weiblichen Seiten hervorzuheben wenn ich so draussen bin. Aber meine Grundeinstellung bleibt doch die gleiche. Auch würde ich, wenn es eine Fee gäbe, die den Wunsch erfüllen könnte schon mal gerne länger in die weibliche Rolle schlüpfen bin aber dann auch gerne wieder in meinem Männermodus. (yes) Wie es ist, wenn man gänzlich in den weiblichen Teil wechseln möchte kann ich nicht sagen. Da glaube ich, dass es schon ziemliche Veränderungen geben kann.
Liebe Grüße Gerda Joanna
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Wir denken immer noch zuviel in Schubladen.

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 40 im Thema

Beitrag von Fen » Fr 6. Dez 2019, 22:41

Ginger_Rogers hat geschrieben:
Fr 6. Dez 2019, 01:10
Auch wenn sich Crossdresser gegenseitig mit "Hallo Süße" begrüßen. Das klingt richtig kitschig und übertrieben zuckersüß. So spreche ich nicht mal mit meinen Mädels im Freundeskreis. :lol:
Hi zusammen,

Ich wollte hierauf noch antworten.
Ich nenne „meinen“ Crossdresser auch Süße oder Kleine/ Kleines. Und ja es ist kitschig,aber warum denn nicht. Ich liebe ihn halt, und wenn er als Frau neunmal süß ist dann ist das so.

Vielleicht bedeutet es unter Crossdressern: „ich erkenne an,dass Du eine Frau bist,eine von uns .Willkommen im Club.und ich komme in Frieden.“

Wenn es aber ein Non-Crossdresser zu einem Crossdresser sagt gilt es wohl als Anmache.

Meine Süße sagte mir, dass Mann sehr vorsichtig sein muss,einem anderen Mann Komplimente zu machen.Denn der Angesprochene könnte es leicht in den falschen Hals kriegen.S.mein vorheriger Satz. Daher meinte er,er hätte sich mal mit einem Crossdresser ausgetauscht,und hätte das dann in etwa so formuliert: „also ich meine das jetzt nicht sexuell oder als Anmache, Aber dein Outfit ist echt toll gewählt und das Make-Update gut gelungen.Wo hast Du denn die Schuhe her?“

Also um zu vermeiden,dass der andere Mann das Verhalten als aggressiv einstuft, nennen sie sich „Süße“

Ist nur meine Vermutung. Ich kenne die Szene nicht so wirklich.
Gruß
Fen
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 41 im Thema

Beitrag von Marion-Vanessa » Fr 6. Dez 2019, 22:58

Hallo Carry,

bei mir ist es in etwa so wie bei Yvi.

Auch meine Optik unterscheidet sich allein schon durch das Make-Up.
Das Schminken zelebriere ich (vielleicht schon zuviel) und versuche immer besser und perfekter im Aussehen zu werden.

Wenn ich dann fertig umgezogen bin, meine Perücke trage und in meine Sandaletten mit Absatz oder Pumps "schlüpfe", dann bin ich Marion.
Marion fühlt anders, bewegt sich durch die High Heels anders und sitzt durch das Kleid oder den Rock anders.
Aber es passiert noch viel mehr in mir. Ich werde weicher, entspannter, nehme meinen Körper und mich viel intensiver war.
Allein das Gefühl wenn ich die bestrumpften Beine übereinander schlage ist schwer zu beschreiben.
Ich verzeihe mir Schwächen und bin - das kann ich schlecht beschreiben - irgendwie mit mir eins.

Für mich ein wunderbar, warmes Gefühl das ich niemals mehr missen möchte.

Viele liebe Grüße
Marion

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 42 im Thema

Beitrag von Joe95 » Sa 7. Dez 2019, 03:42

Ja, ich denke schon ich bin der selbe Mensch wie immer.
Aber dieser Mensch ist in steter Veränderung. Genau wie der Fluss in Vickys Beispiel.

Es kommt einfach drauf an, was jemand vorher in mir gesehen hat.
Waren es Eigenschaften, die langsam in den Hintergrund treten, habe ich mich für denjenigen stark verändert.
Waren es Eigenschaften, die sich mehr in den Vordergrund schieben habe ich mich für denjenigen kaum verändert oder einfach nur weiter entwickelt.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 43 im Thema

Beitrag von Sahara65 » Sa 7. Dez 2019, 08:33

Natürlich bin ich der selbe Mensch geblieben.

Es sind Äußerlichkeiten die sich ändern, Gesten.
Bewegungen die angepasst werden. teilweiße bewusst, teilweiße unbewusst.
Hängt aber auch mit der Kleidung zusammen die man trägt.

Für mich bleiben es immer zwei Welten, die auf Arbeit und die restliche Zeit des Tages.
Auch wenn viele um mich wissen, werde ich auf Arbeit nicht die mega Tussi raus hängen lassen.
Verhalte mich hoffentlich neutral zum wohle aller-ja ich beziehe mein Umfeld mit ein.
Keiner soll mich belächeln oder bemitleiden, ständiges begaffen reicht vollkommen aus. :(
Schwimme mit dem Strom und nicht dagegen.

Ich weiß um einen gewissen Schutz der um mich aufgebaut wurde, diesen Bogen werde ich nicht überspannen nur um heraus zu finden das andere nicht mehr wissen wer vor ihnen steht, oder Angst haben mich mit Herr-Frau Kay oder noch schlimmer, mich mit divers Kay anreden zu müssen.
Gerne Sara oder Kay, ich lege mich nicht fest, erwarte von dem gegenüber nicht zu viel.
Ich möchte ein miteinader erzielen, mich nicht ausgrenzen, das setzt von mir einiges voraus.
Übe reine Männerarbeiten weiterhin aus, auch wenn ich HRT bedingt an meine Grenzen stoße.

Außerdem möchte ich mich garnicht verändern, ich bleibe ich , vom ersten Tag an so wie ich geboren wurde.
Ob ich dazu ein Kleid oder eine Hose trage, Brüste habe oder nicht ist dabei sowas von Nebensache.

Als ich mir meiner nicht bewusst was, Frauenkleidung trug ohne mit dem Wissen trans zu sein war ich auch der selbe Mensch ;)

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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 44 im Thema

Beitrag von Diana.65 » Mo 9. Dez 2019, 00:11

Hallo Carry, Hallo @ all.

Das Thema ist schon sehr interessant. Nicht nur für uns direkt Betroffene, sondern auch für unser Umfeld.
Deswegen mal kurz meine Sichtweise und Erfahrungen.
Ich bewege mich ja zur Zeit irgendwo zwischen Crossdressing und Transgender. Seit ich mir meiner weiblichen Seite bewusst geworden bin, und diese auch zulasse, hat sich doch so einiges geändert. Körperlich bin ich sicher noch der selbe Mensch, aber vom psychologischen her, hat sich da doch im Laufe der Zeit einiges geändert. Sicherlich, einige unserer "Grundeigenschaften" werden sich nicht so schnell ändern, aber im Denken und Fühlen, sowie in meiner Wirkung nach außen, ändert sich da doch so langsam das eine oder andere. Ich habe aus meinem Umfeld schon mehrfach bestätigt bekommen, dass ich, seit ich meine weibliche Seite akzeptiere und auch öffentlich zeige, wesentlich offener georden bin. Auch fühle ich mich inzwischen oftmals in Frauenrunden wohler.
Wie weit es in Zukunft gehen wird, kann ich (und bestimmt auch die meisten anderen hier) nicht sagen.

Liebe Grüße,
Diana.
Ich bin und bleibe ich.
Aber .... meine weibliche Seite wird immer mehr sichtbar.

ExuserIn-2019-12-18
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Re: Der selbe Mensch ?!

Post 45 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 » Mo 9. Dez 2019, 06:39

Hallo Ihr Lieben ....

aus dem Exil mal meine Meinung und Sichtweise dazu ... ohne groß alle Beiträge gelesen zu haben.

Der selbe Mensch, aber nicht der gleiche .... wäre meine Antwort. Denn diese Frage ist schwer zu beantworten, weil jeder der die Frage stellt, vielleicht schon eine Vorstellung im Kopf hat und der Antwortende ein andere Perspektive dazu.

Kein Mensch ist am nächsten Morgen so wie am Tag vorher. Keiner von uns ist beständig, alles unterliegt der Veränderung. Es gibt ein schönes Bild von einem Holzboot. Eine Planke ist kaputt und wird ausgetauscht. Ist es noch das selbe Boot? Über die Jahre werden alle Planken ausgebaut. Immer mal wieder und Stück für Stück. Ist es noch das selbe Boot? Die ausgebauten Planken werden aufgearbeitet und es wird ein zweites Boot gebaut. Welches Boot ist nun das Echte?

Das Thema Transition, Crossdresser, etc überstülpt uns so sehr, dass wir gar nicht mehr sehen und wahrnehmen, dass viele Dinge die passieren, einfach zu einer ganz normalen Lebensveränderung gehören. Die Mechanismen sind alle gleich, der Auslöser und die Ursache der Veränderung sicher unterschiedlich und bei unserem Thema vielleicht auch sehr massiv in vielen Bereichen.

Dennoch, was passiert ist das Leben. Wenn also einige hier antworten, sie verändern sich haben sie recht - denn das Leben ist nie gleich. Das ist einfach so. Wenn andere Menschen sagen , sie verändern sich nicht, haben auch sie recht, den die Basis sind und bleiben wir selbst. Eben wie ein Stück Knete, das andauernd durch die Zeit geformt und bearbeitet wird.

Persönlich habe ich vor meiner Frau anfangs immer behauptet: "natürlich bin ich noch der gleiche Mensch" - heute weiß ich, dass ich ich bin, aber niemals statisch ... ich bewege mich ständig. Unaufhaltsam entwickle ich mich bis zu meinem letzten Atemzug.

Auf die Frage von Carry, deren Hintergrund ja ist: "Darf ich meinen "Mann" behalten?" antworte ich: "Das kann Dir niemand genau sagen". Aber ich habe erfahren, dass je weniger wir uns gegen etwas reales sträuben, desto eher bekommen wir das, was wir uns wünschen und erhoffen. Manchmal auf ganz andere Art und Weise. Es geht aus meiner Sicht nicht darum, die Frage zu beantworten, sondern erst einmal die Wichtigkeit der Frage und der Antwort zu hinterfragen. Wir können nichts festhalten, ohne selbst daran zu Grunde zu gehen. Namasté.

Alles Liebe und eine schöne Adventszeit
Vanessa

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