Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?
Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann? - # 3

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 31 im Thema

Beitrag von Carry »

Jaddy hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 14:35 Anyway, aufgemerkt habe ich bei dem Absatz, dass hen öfter weniger Lust zum Sex hat als du. Die Sache mit der Augenbinde dazu gerechnet könnte noch ein ziemlicher Konflikt mit Selbstbild, Bild von hen vor dir, Scham vielleicht auch vor der eigenen - vermutlich cis-het-orientierten - Erziehung dahinter stecken. Nur Spekulation, ausgehend von vielen ähnlichen Geschichten. Ich verstehe, dass du erstmal viel mit deinen Problemen zu kämpfen hast, empfehle aber trotzdem, dass ihr euch mal frei von Bewertungen, sondern einfach aneinander interessiert über die tatsächlichen Gefühle unterhaltet. Nicht über Klamotten, Accessoires oder Praktiken im Detail, sondern wie es in euch tickt und was euch warum Lust macht.
Ja, Jaddy, wie es genau in ihm tickt und was ihm warum Lust macht, das wüsste ich auch gerne - und er sagt zumindest, dass er das eigentlich selbst nicht so genau weiß (ob das stimmt, oder er sich nur (noch) nicht traut, es zu sagen, kann ich schlecht einschätzen zur Zeit). Ganz klar liegst Du richtig, dass er noch ganz viele Probleme mit dem Selbstwert und Selbstbild hat, dass er sich schämt - vor sich selbst und vor mir, und ja genau, klassische ebenfalls katholische Erziehung genossen hat, stinknormales Hetero-Elternhaus, behütet und völlig Gesellschaftskonform aufgewachsen...passt alles...im "normalen Leben" ist er ein Mann, der bei dem Anblick eines hochmotorisiertem Porsche glänzende Augen bekommt, Fußball mag und gerne über derbe-männliche Witze lacht. Wenn man ihn kennenlernt, würde man im Leben nicht darauf kommen, dass er ein Transvestit ist. Klar, er hat sich damit im Grunde nie großartig auseinandersetzen müssen, er war gut 20 Jahre alleine, in den Partnerschaften vorher kam das Thema gar nicht auf, alleine konnte er machen, was er wollte. Die Angst vor der zufälligen Entdeckung durch mich, wenn wir zusammenziehen, oder dass ich denken könnte, er hätte was mit anderen Frauen, wenn ich mal zufällig über irgendwelche Sachen stolpern würde, trieb ihn dann dazu, sich mir zu öffnen. In unseren Gesprächen bislang wurde mir immer bewusst, dass er sich damit entweder für sich selbst auch noch nie wirklich auseinandergesetzt hat, oder sich nicht traut, mir seine wahren Gefühle zu sagen.
Wenn es mir schlecht geht, wenn ich in seinem Armen deswegen mal wieder weine, kommen manchmal so Sprüche wie: "Hätte ich besser nie was gesagt!"....dann sage ich immer, dass ich das anders sehe, dass es gut und richtig ist, dass er sich geoutet hat, denn wenn er das weiter völlig verdrängen und verstecken müsste, wie sollte er denn dann jemals eine wirklich authentische, aufrichtige und ehrliche, glückliche Beziehung führen?! Wir MÜSSEN darüber reden und das immer wieder thematisieren, auch wenn ich manchmal denke, ihm ist das noch unangenehmer, als mir.

Nach dem Outing damals war unser Sexleben erstmal kurzfristig, als sei ein Knoten geplatzt, weil wir uns da das erste Mal so einige Phantasien und bislang verborgene Wünsche mitgeteilt haben, also auch ich habe mich da dann geöffnet und einige meiner bislang geheimen Phantasien geäußert - das hat dazu geführt, dass wir uns erstmal mehr darauf konzentriert haben, und anfingen, so einiges zusammen auszuprobieren. Damals war nur einmal eine Strumpfhose im Spiel und das war für mich völlig in Ordnung. Aber mit der Zeit dachte ich immer häufiger, dass er etwas zurückhält, dass er quasi mit angezogener Handbremse Sex hat - zwar wurden meine Wünsche absolut traumhaft erfüllt, aber ich hatte immer häufiger das Gefühl, dass da noch vieles geheim ist bei ihm. Ich versuche dann, Gespräche zu führen, herauszubekommen, was es ist, was er sich wünscht. Ich habe auch schon oft gesagt, dass ich leider nicht hellsehen kann, dass er mir erzählen muss, was ihn so richtig glücklich machen würde, aber meist kam dann nur so etwas wie "Ja, irgendwann mal..." und ein Lachen...und dass er Angst hat, mich zu verletzen, zu schocken, oder zu überfordern. Aber ich signalisiere ja immer wieder, dass er reden muss mit mir, sonst kann ich nicht darauf eingehen.
Das macht mich auch fertig - da denkst Du, Du kennst einen Menschen - und dann stellst Du fest, dass Du gar nichts weißt. Das ist hart für mich.

Ach...und....es wäre mir sehr lieb, wenn mein Liebster als "er" bezeichnet wird, denn das ist er - ein Mann! Und ich wünsche mir nichts mehr, als dass er das auch bleibt - mit oder ohne Rock und Silikonbrüsten!
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"
ExuserIn-2019-12-22

Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 32 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Hallo Carry,

ich habe lange überlegt ob ich hier antworten soll.

Fürs Erste ein herzliches Willkommen hier im Forum.
Kurz zu mir: Das bei meiner Geburt festgelegte Geschlecht ist falsch. Und daher gehe ich nur auf alle deiner Punkte ein, da ich dir nicht den Rat einer Partnerin geben kann.
Du wirst diese Person nicht so schnell verlieren, weil sie dich liebt und selbst eine mögliche Transidentität wird daran erst einmal nichts rütteln.
Es wird in diesem Fall etwas sein, was du für dich vereinbaren können musst. Die Person welche du liebst ist immer noch die gleiche Person. Auch wenn sie vermutlich jetzt schon einen Teil der von dir erwarteten Männlichkeit aberkannt bekommen hat.
Auch Männer dürfen eine zarte Seite haben. Auch Männer dürfen sich Arme und Beine rasieren. Und vieles mehr!

Sex ist etwas was allen Beteiligten Spaß machen sollte. Wenn du dich dabei von Silikonbrüsten aus der Stimmung bringen lässt, dann ist es etwas was du ansprechen solltest. Deinem Partner zur Liebe ist es toll, aber du musst bei dem ganzen Thema auch ein wenig an dich denken.
Ich vermute genau das meinst du auch mit den Grenzen.

Ich wünsche euch eine glückliche gemeinsame Zukunft!


Liebe Grüße

Marie
Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 33 im Thema

Beitrag von Carry »

Anke hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 14:35 Ja, kann ich. Für dich ist das alles erstmal fremd und unheimlich, auch weil es neu ist. Du bist vermutlich vorher nie mit solchen Themen und Fragen in Berührung gekommen und jetzt stürzt das auf dich ein. Und wenn es das ist, was für dich derzeit geht, dann ist das auch in Ordnung. Das kann in einem halben, einem ganzen oder in zwei Jahren ganz anders aussehen. Oder vielleicht auch nicht. Ihr habt euch auf eine ungewöhnliche Reise begeben ohne zu wissen, wo ihr dabei ankommt.
Dankeschön! (smili) Deine Worte tun mir gerade sehr sehr gut!
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 34 im Thema

Beitrag von Carry »

Anke hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 14:35 Du schreibst immer davon, wie wichtig dir eure Liebe ist. Das ist auch das wichtigste. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Liebe Dinge ermöglicht, die vorher nicht vorstellbar waren. Wenn ihr bei dieser (und auch allen) Sache die Liebe in den Mittelpunkt stellt und euch davon tragen lasst, dann habt ihr die besten Chancen, damit klar zu kommen und am Ende beide zu gewinnen.
Ich hoffe so sehr, dass Du Recht hast! Und ich glaube auch daran, auch wenn es mir im Moment einfach manchmal fast zu viel wird, es muss einen Weg geben und den werden wir auch finden. Danke Dir! (flo)
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 35 im Thema

Beitrag von Carry »

Keks-Marie hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 15:40 Du wirst diese Person nicht so schnell verlieren, weil sie dich liebt und selbst eine mögliche Transidentität wird daran erst einmal nichts rütteln.
Es wird in diesem Fall etwas sein, was du für dich vereinbaren können musst. Die Person welche du liebst ist immer noch die gleiche Person. Auch wenn sie vermutlich jetzt schon einen Teil der von dir erwarteten Männlichkeit aberkannt bekommen hat.
Auch Männer dürfen eine zarte Seite haben. Auch Männer dürfen sich Arme und Beine rasieren. Und vieles mehr!
Hallo Keks-Marie,

auch lieben Dank für Deine Worte.
Natürlich ist er die gleiche Person, und nein, ich habe ihm noch keinen einzigen Teil seiner Männlichkeit aberkannt, weil er immer noch der Selbe ist, wie vor dem Outing, er verhält sich ja jetzt deswegen nicht anders. Weißt Du, er sagt das ja auch, dass ich ihn nicht verlieren werde, und wir reden bislang auch nur von einem Fetisch, NICHT von Transidentität! Dieser Unterschied ist mir sehr sehr wichtig. Sollte sich irgendwann herausstellen, dass er tatsächlich doch Transident oder Transsexuell ist, DANN habe ich meinen MANN definitiv verloren! Und ob ich damit dann noch leben könnte, das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Klar, der MENSCH bliebe immer noch der Selbe den ich liebe - aber ICH werde deswegen wohl kaum lesbisch.
Sorry, dass das vielleicht latent aggressiv rüberkommt, aber ich lese immer, dass der CD,TD,TS was auch immer sich ja nicht verändert, der Selbe bleibt - DOCH - er verändert sich, und zwar völlig - für mich! Ich habe mich in einen Mann verliebt und ich möchte meine Sexualität mit einem Mann leben - NICHT mit einer Frau oder irgendwas dazwischen (sorry, nicht so abwertend gemeint, wie es klingt!). Ich vermisse manchmal wirklich die Toleranz der heterosexuellen Partnerin gegenüber. Nur weil wir vielleicht keine "besondere" Neigung haben, heißt das nicht, dass wir diese abstellen oder einfach so erweitern können. Wir sind auch einfach so mit dieser Anlage geboren!
Männer können von mir aus gerne alle eine zarte Seite haben, wieso nicht. Und wer meint, er muss sich Beine und Arme rasieren, möge das tun - kein Problem!
Es gibt auch Frauen, die sich NICHT die Beine rasieren - das ist mir ehrlich gesagt auch völlig wumpe! Ich denke, das ist nicht das Problem.
Aber wenn eine Frau sich in einen Mann verliebt und einfach nur popelig hetero ist, dann IST es ein Problem, wenn dieser Mann keiner mehr sein will.
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 36 im Thema

Beitrag von Alex_andra »

Hey Carry,

das was du an deinem geliebten Partner so zu lieben scheinst, ist immer nur die Vorstellung, die du dir von diesem Menschen machst. Das ist jetzt überhaupt nicht wertend gemeint. Dass die bei zunehmender Nähe einer Überprüfung standhalten muss, ist normal.
Facetten dieser Vorstellung ändern sich, manche eventuell permanent, andere bleiben stabil und dadurch, dass jede Person durch das Zusammenziehen auch einen Teil des vormals privaten und intimen aufgibt, kommen sicher weitere hinzu.

Was auch immer der Grund für den Menschen an deiner Seite sein mag, ob es überhaupt eines Grundes bedarf, so zu sein wie er ist, sei dahingestellt. Jetzt gilt es erst einmal diese Wahrheit richtig einzuordnen und die dabei entstehenden Bilder an der Wirklichkeit zu überprüfen. Die Bewertung dessen liegt dann ganz in eurer Hand.
Ihr müsst euch als Paar, das gerade frisch zusammen gezogen ist, in so vielen Bereichen erst richtig kennenlernen und werdet euch durch diese Erfahrung auch verändern. Ich bin mir sicher, dass fast alle Menschen, die uns eine, wie auch immer geartete, scheinbar normale Wirklichkeit vorgaukeln, auch mit vielen intimen Bedürfnissen zu tun haben, die sie vor anderen verborgen halten, um die Sicherheit gebende Normalität nicht zu gefährden.
Aber all das andere gibt es eben und die scheinbar normalsten Menschen sind Teil dessen, was wir anders nennen. Hier lernst du im besten Fall, wie normal das andere sein kann oder wie anders das normale Sein ist.

Gelassenheit hilft mir immer, aber auch ich durchlebe alle Formen der Krisen, durch meine Vorstellungen von einem Leben, das ich gerne führen würde und der Tatsache, dass das Leben so oft anderes mit mir vorzuhaben scheint. Gelassenheit und das Artikulieren der eigenen Wünsche und dessen was ich nicht möchte ist genau so wichtig, wie das Offensein für die Gefühlswelt meiner Partner_in mit ihren Wünschen und Tabus. Aber das meiste sollte verhandelbar sein.

Eventuell kannst du dir ja einmal überlegen, was du an der Beziehung/deiner Partner_in magst und wichtig empfindest, worauf du dich unter Umständen einlassen könntest und was dich absolut überfordert. So gibst du deiner Partner_in zumindest die Chance herauszufinden, was sie möchte und worauf sie verzichten kann. Bisher scheint sie sich das ja nur heimlich getraut zu haben.
Betrachte es doch als so etwas wie die Pubertät vom ihr und dass sie jetzt ihre bisher verschwiegene Vorstellung von sich an der Realität überprüfen und in Einklang mit ihrer Partner_in bringen muss.

Ich hoffe, ihr findet euch, wo auch immer und wünsche dir die Geduld und Kraft, das dazu beitragen zu können, was notwendig ist.
Liebe Grüße
ExuserIn-2019-12-22

Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 37 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-22 »

Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 16:05 Sorry, dass das vielleicht latent aggressiv rüberkommt, aber ich lese immer, dass der CD,TD,TS was auch immer sich ja nicht verändert, der Selbe bleibt - DOCH - er verändert sich, und zwar völlig - für mich! Ich habe mich in einen Mann verliebt und ich möchte meine Sexualität mit einem Mann leben - NICHT mit einer Frau oder irgendwas dazwischen (sorry, nicht so abwertend gemeint, wie es klingt!). Ich vermisse manchmal wirklich die Toleranz der heterosexuellen Partnerin gegenüber. Nur weil wir vielleicht keine "besondere" Neigung haben, heißt das nicht, dass wir diese abstellen oder einfach so erweitern können. Wir sind auch einfach so mit dieser Anlage geboren!
Tut mir leid, wenn das etwas falsch rüber gekommen ist. Das liegt auch etwas meiner sexuellen Orientierung geschuldet. Ich bin pan, verliebe mich also nicht "klassisch", sondern eher in die Persönlichkeit eines Menschen egal welchen Geschlechtes oder welcher Geschlechtsidentität. Von daher ist die Aussage ich habe mich in einen Mann verliebt für mich immer etwas komisch. Denn aus dem Blickwinkel hast du Recht, das äußere Erscheinungsbild wechselt. Aber wenn man hinter der Äußerlichkeiten blickt, bleibt es die gleiche Person. Und daher gibt es viele Partnerschaften, wo die Frau heterosexuell war und dennoch diese Partnerschaft im Anschluss glücklich weiter leben konnten.

Ja, dein Partner hat gesagt es sei nur ein Fetisch und davon gehst du, er und ich auch erst einmal aus. Du hast aber geschrieben du hattest Ängste davor, wenn da doch mehr dahinter steckt und ich habe lediglich versucht dir diese Ängste ein wenig zu nehmen.
Und mit Männlichkeit aberkennen und nichts "weibliches" an dem Erscheinungsbild des Partners zulassen war nur vorsorglich, da das ein Punkt ist, der viele Partnerinnen stört. Weil das dann genau das ist was du beschrieben hast. Und da oft noch der zweite Satz beigefügt wird. "Ich habe mich in einen Mann verliebt. Von diesem kernigen Mann ist jetzt nicht mehr viel übrig."
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 38 im Thema

Beitrag von EmmiMarie »

Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 16:05 Sorry, dass das vielleicht latent aggressiv rüberkommt, aber ich lese immer, dass der CD,TD,TS was auch immer sich ja nicht verändert, der Selbe bleibt - DOCH - er verändert sich, und zwar völlig - für mich!
Natürlich verändert er sich für dich völlig-aber er verändert sich ja eh schon mit der Situation des zusammen ziehens für dich.
Solche Schritte bleiben nicht ohne Auswirkung...

Ich spreche nun ausschliesslich von mir.
Du weisst ich bin trans*ident. Und nein, ich bin nicht die selbe Person die ich war, nicht die selbe wie vor 10, 5, 2 Jahren und auch
nicht die selbe wie letzte Woche. Sowas heisst Entwicklung und die ist ähnlich unaufhaltsam wie die Zeit und das älter werden.
Ein Teil meiner Veränderung ist der Hormontherapie geschuldet, psychisch wie physisch.
-ich bin stolz auf meine eigenen Brüste und meine Liebste mag sie auch gerne-
Ein Teil ist deshalb so, da ich nun so lebe wie ich es schon immer wollte.
-warum sollt ich Männerklamotten anziehen wenn ich keine Lust drauf hab? Ich hab schon immer angezogen was ich wollte,
das geht niemand was an ausser mich-
Und ein Teil sind die Wesenzüge die mir immer bleiben werden egal ob die als männlich oder weiblich eingeordnet werden.
-dazu stehe ich, denn weder ist meine biologische Herkunft auslöschbar, noch gebe ich ab oder nehme ich an was ich nicht möchte-

Das du dir Sicherheit wünscht und etwas auf das du dich verlassen kannst, ganz klar da bin ich bei dir.
Nur ist die meiste Sicherheit sehr scheinbar-und Erwartungen verursachen Schmerzen...

aber alles funktioniert nur gut, wenn der GEGENSEITIGE Respekt gegeben ist.
Keks-Marie hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 16:39 Ich bin pan, verliebe mich also nicht "klassisch", sondern eher in die Persönlichkeit eines Menschen egal welchen Geschlechtes oder welcher Geschlechtsidentität. Von daher ist die Aussage ich habe mich in einen Mann verliebt für mich immer etwas komisch.
Genau..
mir geht es auch kaum um sexuelle Attraktion-es zählen einfach andere Aspekte die eine Person für mich interessant zu machen.
Sex ist ein Add-on, es sichert mir aber nicht das Leben, hilft mir nicht dabei nicht allein zu sein - zumindest nicht grundlegend -
und hört mir auch nicht zu wenn ich ein Problem hab.

Bei fetischistischen Dingen bin ich ganz raus-was ich bei der Nähe beim Sex spüren möchte ist Haut und pure Natur, sonst würde
ich mich nämlich fragen, warum braucht mein Partner noch etwas zusätzlich um sich geil zu machen, bin ich nicht genug?


Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 39 im Thema

Beitrag von Viggy »

Hallo Carry,
Aber wenn eine Frau sich in einen Mann verliebt und einfach nur popelig hetero ist, dann IST es ein Problem, wenn dieser Mann keiner mehr sein will.
Ich habe Deinen Thread nicht komplett durchgelesen, ist ja inzwischen einiges zusammengekommen. Aber ist es wirklich so, dass er kein Mann mehr sein will? Oder ist nicht einfach noch etwas dazu-gekommen?
Ich finde, man kann hier schon sehr leicht den Eindruck bekommen, dass jeder der gerne 'Damenkleidung' trägt, früher oder später die GAOP will. Dem ist aber nicht unbedingt so. Ich für meinen Teil wusste bis vor ein paar Jahren nichts von meinem verborgenen zweiten Ich, jetzt bin ich 62. Aber im Nachhinein erklärt sich, warum ich schon sehr lange davor für Strumpfhosen, feine Stoffe, auch Epilation und 'unmännliche Körperpflege' zu begeistern war, und meine Eau de Toilette mussten schon immer unmännlich bzw. unisex duften. Nach meinem Outing kam natürlich einiges hinzu, die neu gewonnene Freiheit wollte erstmal ausprobiert und ausgelebt werden. Ich hatte allerdings nie das Bedürfnis BH oder gar Silikonbrüste zu tragen, aber heute bin ich praktisch den ganzen Tag zuhause feminin unterwegs, aber trotzdem hat sich mein Bedürfnis nach Femininität nicht weiter verschoben. Ich habe auch jetzt nicht das Bedürfnis BH zu tragen und wer mich kennt, aber nicht schon von meinem CDing weiß, wird das auch nicht vermuten, trotz meiner 24 x 7 lackierten Nägel. Und Frau will ich schon gar nicht werden, ich will einfach nur ein Mann sein, der seiner femininen Seite Raum gibt und genau das mache ich jetzt ... aber auch nicht mehr.

Ich will damit sagen, dass man wohl durchaus mit einem gewissen Quantum Femininität auf die Welt kommen kann, oder es später ausbildet, keine Ahnung, aber es muss nicht immer dazu führen, dass man irgendwann Frau sein will. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass bei den angetrauten Frauen, auch bei meiner, immer gleich die Angst vorm Super-GAU das Denken beherrscht. Aber das muss nicht zwangsläufig so sein.
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 40 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 15:35Ja, Jaddy, wie es genau in ihm tickt und was ihm warum Lust macht, das wüsste ich auch gerne - und er sagt zumindest, dass er das eigentlich selbst nicht so genau weiß (ob das stimmt, oder er sich nur (noch) nicht traut, es zu sagen, kann ich schlecht einschätzen zur Zeit).
Vielleicht ist es auch eine Mischung von beidem. Ein paar fragmentarische Wünsche, die widerstrebenden Gefühle, fehlende Begriffe, vielleicht eine bisschen Angst, bestimmte Dinge auszusprechen und damit quasi aus dem unverbindlichen Unbewussten in die Realität zu holen.

Die wenigsten Menschen abseits des Gewohnten haben von Anfang an ein klares Konzept, wer sie sind, was sie sind und wie das alles funktioniert. Meist ist es ein langjähriger Prozess, mit sprunghaften Phasen, Plateaus, Irrwegen und wiederkehrenden Lieblingsmotiven. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass beides stimmt: Er hat sich noch nicht so damit auseinander gesetzt, dass er es jemandem klar erklären könnte, und er traut sich noch nicht, die unfertigen Dinge herauszugeben.

Genau das ist aber mein Tipp. Und das liegt an dir. Du erscheinst mir liebevoll und interessiert. Du bist irritiert, aber nicht grundsätzlich abgeschreckt. Du könntest ihm helfen, das Knäuel zu entwirren - und dadurch würde es auch für dich leichter, weil du den ganzen Komplex besser verdaulich scheibchenweise bekommst ;) Das ist so die Quintessenz aus vielen ähnlichen Fällen von Coming Out, nicht nur im Bereich CD/TV/TS: Partnerschaften kommen mit vielem klar, wenn der Partner am Entwicklungsprozess teilnimmt. Das schlimmste ist, nach jahrelanger Phase der Unsicherheit eine fertige Entscheidung präsentiert zu bekommen, die das Leben umkrempelt und zu der man höchstens noch ja oder nein sagen kann.

Tipp Nummer 2: Redet gemeinsam mit anderen. Hier sind viele Paare, die ähnliches bewältigt haben. Ausserdem gibt es vielleicht bei euch in der Nähe Gruppen, wo ihre andere kennenlernen und euch austauschen könnt, wie gelebt werden kann. Selbst wenn ihr feststellt, dass deren Lösungen für euch nicht passen. Dann wisst ihr wenigstens, was für euch nicht gut wäre. Ihr müsst nicht alle Räder neu erfinden.
Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 15:35Ach...und....es wäre mir sehr lieb, wenn mein Liebster als "er" bezeichnet wird, denn das ist er - ein Mann! Und ich wünsche mir nichts mehr, als dass er das auch bleibt - mit oder ohne Rock und Silikonbrüsten!
Oki. Das "auch" lese ich aber mal wie in "auch wenn er ab und zu mal davon Urlaub macht" ;)
SylviaM
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 41 im Thema

Beitrag von SylviaM »

Schwierig, echt schwierig.

Aus eigener Erfahrung als CD kann ich sagen, dass man trotz einiger Jahre selber nicht genau weiß, wo man steht. Es gibt hier sehr viele Übergangsformen. Bei vielen fängt es als sexuelle Spielart an, geht oft in ein Grundbedürfniss sich als Frau zu kleiden über, weniger aus sexuellen Grund sondern aus einem inneren Wohlbefinden und seelischen Frieden. Häufigkeit und Intensität des Verkleidens ist beliebig. Und ja, einige erkennen auch erst später das sie eher Transsexualität veranlagt sind. Was hilft dir das erstmal? Nix

Ich glaube hier muss sich erstmal auch dein Partner sich die Frage stellen, was er glaubt für sich zu brauchen, nur den sexuellen Kick oder doch etwas mehr, was er ausleben konnte, als er allein war. Wie viel Zeit glaubt er als Frau zu brauchen und welches Umfeld.

Du musst dir die Frage stellen, in wieweit du ihm die Freiheiten geben kannst, ohne dass es dir zu schlecht geht ( gut würde es dir ja gehen, wenn das Problem erst gar nicht hättest). Kannst du es ertragen, wenn er sich gegenüber dir als Frau kleidet oder kannst du es besser ertragen, wenn er sich Mal Auszeiten nimmt, und dein Kopfkino verrückt spielt. Wo sind deine Grenzen des erträglichen. So komisch es klingen mag, in gewisser Weise geht ihr beide dann an die Grenze eurer Erträglichkeit dran.
In dieser Hinsicht ist der Versuch es über das Ausleben der Sexualität zu probieren eher kontraproduktiv gewesen, denn da hätte ich es am wenigsten gesehen. Es wäre dann nur eine Spielart von vielleicht mehrere gewesen, die man sicherlich über ein hoffentlich erreichtes Vergnügen ausgleichen könnte
Also was tun? Vielleicht nochmal eine Art Resetknopf drücken, zurück auf den Anfang des "Outings"(weiter zurück ist leider Träumerei), und sich jenseits von irgendwelchen Begrifflichkeiten (CD, TV, TS, Pan, Binär, DSDS) die gegenseitige Frage stellen, was braucht du für dich, um mit mir glücklich zu werden und auszuloten, wo eure gegenseitigen Grenzen sind.
Wird es weh tun? Ja
Wird es Erfolg haben? Keine Ahnung
Es ist eine Chance

... Und vielleicht hast du eine Chance in den Thread der Partnerinnen zu kommen, denn sie sind viel näher dran an dich als wir

Viel Glück euch Beiden
heike65
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 42 im Thema

Beitrag von heike65 »

Ich denke Jaddy und Sylvia treffen es recht gut. Carry ist nicht unreflektiert in ihrer katholischen Erziehung gefangen, sie bekommt das schon ganz gut gebacken, da könnten sich andere hier ein Beispiel nehmen.
Und Sylvia, hat auch ganz recht, bei vielen ist es ein schleichender Prozess, ich bin da ein Extrembeispiel, vom Outing bei meiner Frau, und dem ersten mal als Frau ins Bett, also voll gestylt, waren 27 Jahre, gut ein Jahr später waren die Brüste allerdings echt.
Für uns war es das richtige Tempo, Kinder Umfeld und Beruf etc, passte alles, aber natürlich legen da andere deutlich mehr Tempo vor.
Euch alles gute auf eurem Weg

Heike
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 43 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

Vielleicht helfen diese Erfahrungen aus CD-Sicht, der Erkenntnis "Wohin will er" näher zu kommen:

Ich habe in den ca. 15 Jahren, die ich als CD öffentlich aktiv bin, viele andere „Betroffene“ kennengelernt. Deren Entwicklungen waren sehr unterschiedlich und auch nicht immer vorhersehbar. Bei den meisten ist es aber bei CD geblieben. Die Anfangsphase ist halt immer eher wild und unstrukturiert, da sind professionelle Kontakte sicher hilfreich, seinen/ihren Stil zu finden und das Peinliche (meistens das Nuttige, was die eigene Partnerin häufig nicht bietet) zu unterdrücken: Typberatung, Perückenberatung, Bewegung…

Mein CD-Anlaß ist ganz trivial: Ich finde die männliche Kleidung langweilig, häufig unbequem (z.B. im Anzug tanzen, Krawatte tragen, lange Hosen und Hemden im Sommer…). Eine Frau kann allein durch ihre Kleidung Botschaften senden, z.B. als Rednerin im knackigen roten Etuikleid. Mann dagegen: dunkler Anzug, Krawatte. Die Stimmung vieler Frauen läßt sich am Outfit erkennen, auch oft das Wesen. Ich selbst bin absoluter Fan von Kleidern in allen Stilen – jeder Schnitt trägt sich anders. Und ich mag opulenten Schmuck dazu und liebe aufwendige Cocktail- und Abendkleider. Meiner Frau ist das eher lästig nach dem Motto: Du hast es gut, brauchst nur den Anzug anzuziehen. Sie weiß aber, dass ich anders ticke.

Leider ist es gesellschaftlich nicht opportun, sich als Mann beliebig zu kleiden – daher habe ich in der Außenwirkung meinen femininen Auftritt so weit wie möglich perfektioniert. D.h., Brüste, Hüftpolster, Makeup sind für die Öffentlichkeit, zuhause brauche ich das alles nicht – einfach nur das anziehen, in dem ich mich wohl fühle.
Sex im Frauenmodus gibt es für mich nicht, Hilfsmittel wie Silikon, Hüftpolster wirken m.E. eher abtörnend und stehen nicht im Einklang mit einer attraktiven Gesamterscheinung – im Vergleich zu einer schicken Ausgeh-„Fassade“. Allerdings ist nach so langer Zeit mein Verhalten im Frauenmodus schon anders – Gestik, Mimik, Bewegung werden automatisch weiblich. Das haben mir auch Frauen bestätigt (Schneiderin, Visagistin), die bei einer Transformation (stehe auch als Frau auf der Bühne) auf einmal sagen: jetzt ist bei Dir die Frau durch.

Ich sehe dabei eigentlich nur ein wesentliches Problem: Ich tanze im Männermodus inzwischen sehr ungern, da mir die engere, weibliche Körperbewegung besser gefällt und liegt. Auf Veranstaltungen würde ich viel lieber im sozialen und kreativen Frauenmodus gehen als männlich langweilig. Geht leider nicht, kenne aber einige wenige, die sich als Mann bekennen, aber optisch als Frau auftreten.

Anzumerken ist allerdings, dass ich auch kein Typ für typische Männergesellschaften bin (Sportdiskussionen, Kneipentouren, Männerausflüge) bin, bin lieber mit Frauen und gemischt zusammen. Und dazu eine weitere persönliche Erkenntnis: Frauen haben mehr Spass. Allerdings kann ich mit Frauen, die sich vorwiegend über Vorhänge, Friseur, Nähen, Kinder unterhalten, auch nichts anfangen.

Nora_7
Zuletzt geändert von Nora_7 am Mi 20. Nov 2019, 10:28, insgesamt 1-mal geändert.
Schönheit ist weiblich, und ich bin auch gerne schön.
Ich kann alles tragen, wenn ich ein Mädchen bin
MichiWell
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 44 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Hallo Carry,

erst einmal möchte ich dir ein herzliches 'Willkommen in diesem schönen Forum' sagen. )))(:

Es wurde schon viel geschrieben und zurecht gerückt, so dass ich da nicht weiter kommentieren muss. Doch ich möchte, ohne jetzt jede Stelle zu zitieren, noch ein paar Gedanken anbringen, die mir beim Lesen deiner Beiträge kamen ...

Dass dein Partner nur auf Frauen steht, und von sich sagt, dass er als Frau sicherlich lesbisch wäre, ist nicht so unwahrscheinlich, wie es sich vielleicht im ersten Moment angehört haben mag. Ich sehe mich selbst genau so, und bin in meinem Bekanntenkreis nicht die einzige Teilzeit-Frau, die in diesem Punkt so fühlt. Es ist jedoch ein gut gepflegtes und sehr verbreitetes, negativ besetztes Klischee, dass sich Männer (generell) Frauenkleider anziehen würden, um so Hetero-Männer rumzukriegen. Das schließt natürlich nicht aus, dass es bei einem Teil der Betroffenen auch so sein kann. Aber ich sehe dahinter eher eine verbreitete Homophobie, die bei Hetero-Männern zudem auch aus der Angst vor eigenen homoerotischen Gedanken resultieren mag.

Ich kann auch sehr gut nachfühlen, dass sich dein Partner für sein Aussehen in weiblicher Kleidung schämt, sich furchtbar hässlich fühlt. Ich war anfangs auch sehr unsicher, wie ich in weiblicher Kleidung aussehe. Zum Einen hat man ja überhaupt keine Rückmeldung, solange man das nur mit sich alleine ausmacht. Man tut sich schwer, was Auswahl und Zusammenstellung der Kleidung betrifft, und auch die Wahl der richtigen Konfektionsgröße ist schwierig, weil unsere Proportionen selten zu den weiblichen Schnitten kompatibel sind. Außerdem mag bei ihm die Auswahl sehr vom jahrelangen Ausleben seines Fetischs dominiert sein. Vielleicht würde es helfen, wenn ihr zusammen Kataloge anschaut, oder in Online-Shops nach Sachen für ihn stöbert. Mit dem Fokus auf eher straßentaugliche Kleidung, dazu Perücke und Make-up könnte er dieses negative Bild von sich zum Positiven verändern. Das könnte sein Wohlbefinden verbessern, und damit auch den Umgang miteinander. Das schreibe ich jetzt unter dem Aspekt, dass er eigentlich schon gern seine weiblichen Anteile ausleben möchte, und der Fetisch, das sich selbst befriedigen in weiblicher Kleidung, eher ein jahrelang antrainiertes Verhaltensmuster ist, über welches er versucht hat, seine Empfindungen zu kontrollieren und nach außen zu verbergen.

Ich stimme dir zu, dass dieses, dein Nichtwissen um sein Aussehen in weiblicher Kleidung sehr quälend sein und negativ wirken kann. Als ich meine liebste Frieda vor 1,5 Jahren zum ersten Mal traf, und mich mit dem Gedanken trug, ihr vielleicht gleich beim ersten Date von Michi zu erzählen (was ich dann auch tat), hatte ich aus diesem Grund mein Tablet mit Bildern dabei. Das hat sehr viel dabei geholfen, gleich die richtigen Vorstellungen aufzubauen.

Hier zu Nachlesen: Ich hatte ein Date

Was mich allerdings nachdenklich stimmt ist, dass du ihn dir anscheinend eher als triebgesteuertes Etwas vorstellen kannst, als die Möglichkeit, dass er eine starke weibliche Seite haben und diese gelegentlich ausleben möchte, um nicht an deren Unterdrückung kaputt zu gehen. So pragmatisch wie du über die Integration seines Fetischs in euer Liebesleben referierst, ist das für mich näher am Verrichten der Notdurft, denn am Austausch von Zärtlichkeiten. Sorry, wenn ich das so plakativ formuliert habe.

Du hast geschrieben, dass du sehr auf das Männliche fixiert bist und abfährst. Aber ist da nicht doch etwas in ihm, an ihm, was ihn von Anfang an für dich so besonders gemacht hat, dass du ihn nach der Zeit noch ein zweites Mal haben wolltest? Überlege mal, was ihn von anderen Männern unterscheidet und besonders macht. Du schreibst z.B., dass er so einfühlsam und rücksichtsvoll ist. Dass du für dich Grenzen erkennst, und sagst, wenn etwas nicht okay ist, finde ich richtig. Nur finde ich es auch wichtig, sie zu hinterfragen und nicht als in Stein gemeißelt zu sehen. So kann dein Partner dich besser verstehen, und du vergibst dir nicht die Chance, herauszufinden, warum du so reagiert hast. Vielleicht war es ja mehr die Überraschung, das vollkommen Unerwartete, als du die Sillis bemerkt hast. Ich gehe da von mir aus, tue mich sehr schwer damit, mit etwas völlig Unerwartetem überrascht zu werden. Selbst wenn es etwas ist, was mir gefällt. Aber das herauszufinden, hat mich viel Kraft gekostet und leiden lassen.

Wie du schreibst, kommt man bei ihm im Leben nicht drauf, weil er bei Fußball und Porsche abgeht, und über derbe Witze lacht. Schon mal darüber nachgedacht, dass das aus seiner männlichen Sozialisation resultieren könnte, und eine Überkompensation ist, um nur ja nicht zu verraten, was nach Meinung der streng heteronormativen Gesellschaft nicht hingehört?! Ich verrate dir, dass ich dieses Verbergen und Verstecken bereits sehr früh intuitiv gelernt habe. Und da war ich noch nicht mal in der Schule.

Du hast auch geschrieben, dass er gelacht hat, als du versuchst hast, mit ihm über seine geheimen Wünsche zu reden, sie ihm zu entlocken. Dieses Lachen war mit hoher Wahrscheinlichkeit Ausdruck seiner großen Unsicherheit. Das darfst du aber nicht als gegen dich gerichtet auffassen. Denn auch wenn du ihm dein Vertrauen schenkst, und ihr vereinbart habt, offen über alles reden zu können, so steckt ihm doch immer noch die jahrzehntelange Konditionierung in den Knochen, bloß nichts von seiner geheimen Seite zu zeigen. Diese können wir nicht so einfach ablegen.

So, nun bin ich erst mal zum Ende gekommen .. denke ich jedenfalls. Wenn dir etwas unverständlich erscheint, oder du mehr wissen möchtest, dann fühle dich so frei, mich zu fragen.


Liebe Grüße
Michi



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Inga
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 45 im Thema

Beitrag von Inga »

Liebe Carry,

ich habe gerade den Thread gelesen. Und ich möchte das Thema von anderer Seite beleuchten. Nämlich die Liebe füreinander in den Mttelpunkt stellen.

Ist es nicht ein großartiges Geschenk, dass ihr beiden euch nach zwanzig Jahren getrennter Wege wieder gefunden habt? Ist es nicht großartig, dass ihr nach zwanzig Jahren wieder die Liebe füreinander gefunden habt?!

Ich denke, ihr liebt euch als Menschen. Und könnt gar nicht aufhören. Die Liebe füreinander ist einfach da. Davon wird weder CrossDressing noch weibliche Seite deines Partners dich abhalten können. Davon können auch nicht geglückte oder weniger geglückte Sex-Erlebnisse euch abhalten. Die Liebe füreinande rst doch einfach da, sie ist nicht gewollt. sie ist nicht von Bedingungen abhängig. sie mag manchmal verschüttet oder verdeckt sein. sie mag unter erstem Schock über irgendetwas versteckt sein. Oder von Scham über irgendetwas weg geschoben sein. Aber das wichtige ist doch, die Liebe ist einfach da.Wieder da.

Liebe ist nicht einfach rational erarbeitet. Sondern einfach da. Liebe ist ein Geschenk. Und ihr habt eigentlich nur die Alternative, dies Geschenk anzunehmen. Damit zu leben. Eure Liebe füreinander.

Religiös gesprochen könnte mabn sagen. Es ist Gottes Wille, dass ihr zusammen seid. Dem könnt ihr als Menschen nicht aus dem Wege gehen. Zwanzig Jahre getrennte Wege können euch genauso wenig davon abhalten wie vielleicht frisch entdeckte Details des anderen, die wie Schocks wirken, oder andere Singe der menschliche "Vernunft" oder "Empfinden". du merkst doch selbst, dass die Liebe da bleibt. wie ein Stehaufmännchen am Gummiband. Einfach wieder da. Über allem.

In der Bibel heißt es irgendwo: Und da ist Glaube, Hoffnung, Liebe.... doch die Liebe ist das Größte unter ihnen.

Fürchte dich nicht, wenn es schwer fällt, zu verstehen. Ihr habt die Liebe füreinander und das ist das Größte an Eurer Beziehung.

Ihr habt die Liebe füreinander gefunden. Das Größte der Welt.
Das mag nicht immer eitel Sonnenschein sein, sondern auch mal Herausforderung und Prüfung.

Es mag unerklärlich sein. Das ist Liebe auch manchmal. Unerklärlich dem Verstand.

Doch ihr habt die Liebe füreinander. Das Größte überhaupt unter Menschen.
Darüber könnt ihr euch freuen! Darüber sollt ihr euch freuen! Darüber dürft ihr euch freuen !

Ich hatte meine Partnerin nach zweiundzwanzig Jahren wieder gesehen. Ich war selbst überwätigt von starken Gefühlen füreinanneder, die alle Widrigkeiten klein erschienen ließen. Leider hat sie unter einer Krankheit gelitten und ist daran kurz danach gestorben ist. So dass wir nicht mehr alles klären konten, was unsere Liebe füreinander scheinbar behindert hat. Doch habe ich begriffen, wie stark die Liebe füreinander ist und alles Mögliche ertragen lässt, ja geradezu leicht macht, belanglos wird.

Liebe Grüße
Inga
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