Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?
Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann? - # 2

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Anke
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 16 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo Carry,

auch von mir herzlich willkommen im Forum.

Zuerst möchte ich dir sagen, dass ich gut finde, wie Du an die Sache heran gehst. Ich habe den Eindruck, dass Du offen bist und gleichzeitig zu dir selbst stehst. Beides sind wichtige Voraussetzungen, dass ihr das hin bekommt.

Auf die Frage nach dem Warum bzw. warum gerade dein Mann möchte ich dir antworten, dass das zum Teil einfach Zufall ist. Und gar kein so unwahrscheinlicher. Die Neigung zu Crossdressing ist verbreiteter, als viele glauben. Es gibt durchaus seriöse Schätzungen, die von jedem zehnten Mann ausgehen. Da die meisten das geheim halten bzw. unterdrücken, wird das eben nicht so sichtbar.

Du hast geschrieben, dass Du der Meinung bist, dass das Problem nur bei dir liegt. Das ist so nicht richtig. Ihr beiden habt da ein besonderes Thema und sucht einen Weg damit klar zu kommen. Deine Gefühle und Gedanken dazu sind erst einmal völlig in Ordnung. Wenn ihr daran arbeitet, dann werden die sich ändern. Doch es gibt keinen Grund, dass Du dich schuldig fühlst.

Eueren Versuch mit dem Sex halte ich ehrlich gesagt nicht für die allerbeste Idee. Das ist ziemlich viel auf einmal in einem Schritt. Ich fände es viel besser, wenn ihr euch dem Thema Schritt für Schritt nähert. Zum Beispiel:

- Ausführlich darüber sprechen
- Ihr schaut gemeinsam seine Sachen an
- Er zeigt sich dir in seinen Sachen
- Ihr verbringt einen Abend mit ihm in seinen Sachen
-....

Das kann auf zweierlei Weise hilfreich sein. Zum einen lernst du nach und nach seine weibliche Seite kennen. Zum anderen kann er seine Ängste überwinden und Vertrauen aufbauen. Und hier habt genug Zeit, euch damit auseinanderzusetzen, zusammen, aber auch jede für sich.

Ich hoffe, dass euch das ein wenig weiterhilft.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

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Frieda
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 17 im Thema

Beitrag von Frieda »

Guten Morgen 😊

Es war mir gestern nicht möglich auf deinen Post zu reagieren liebe Carry, ich las mir deine Zeilen öfters durch, und das einzige wozu ich fähig war, war ein tiefer Seufzer.
Für mich, die ich ebenfalls Partnerin eines Crossdressers ist, ist dein Eröffnungspost ziemlich mächtig. Du weißt es seit 5 Monaten und trotzdem sind deine Worte so intensiv, als hättest du gerade erst davon erfahren, da frage ich mich.. Warum?
Du scheinst es in 5 Monaten kaum geschafft zu haben deine Gedanken etwas zu beruhigen. In solch einer Unruhe, bei solch einem neuen Thema und dazu auch noch (vermutlich) in einer neuen Umgebung, da ihr ja zusammen gezogen seid, empfinde ich es ähnlich wie Sara etwas viel, dann auch noch solche neuen Sexspielchen mit auf die Tagesordnung zu nehmen.
Ich persönlich fühle mich am wohlsten in Anke's, Worten. Ich selbst bin ein Wesen, welches einen Schritt nach dem anderen machen möchte. Zu viele Themen auf einmal lenken mich ab, und verunsichern mich, und bringen mächtig Unruhe in mich hinein. Ich kann es nicht einschätzen und wissen tue ich erst recht nichts, aber es könnte durchaus möglich sein, dass sein Tempo und dein Tempo nicht harmonieren. Und ich möchte es mit einer Autofahrt vergleichen, wo man in Kolonne unterwegs ist.. der Schnellere richtet sich respektvoll nach dem Langsameren und in eurem Fall dann auch noch bitte ohne Druck aufzubauen❣️ Vielleicht findest du dann wieder etwas mehr zu deiner inneren Mitte, was dir die Möglichkeit schenkt dich beruhigter und offener jedem neuen Thema zuwenden zu können.

Worauf ich noch reagieren möchte, sind deine Äußerungen bzgl Selbstbefriedigung. Ich empfinde dein erzählen darüber etwas verurteilend. Du hast uns erzählt das Er 20 Jahre allein gelebt hat. Wenn dein Partner nun während dieser Zeit nicht der Draufgänger hoch vier war, und Er sich in dieser Zeit nicht von Party zu Party gehangelt hat um für sich passende Sexulpartnerinnen aufzureißen, frage ich mich, was hatte Er denn noch für eine Wahl bzgl seines sexuellen Verlangens? Ihm blieb doch nur die Selbstbefriedigung. Also ich habe dafür Verständnis, ganz ehrlich❣️ Und das Er dieses Thema während dieser Zeit nun mal bis ins Feinste ausreifen konnte liegt ja doch wohl auf der Hand. 😉

Also, noch mal zum Abschluss.. Ich schließe mich den weisen Worten unserer lieben Anke an und bin für step by step❣️👍

Namaste 🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 18 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

So ein Outing kommt immer zur Unzeit, den richtigen Zeitpunkt dafür scheint es irgendwie nicht zu geben. Viele Worte sind dazu ja schon geschrieben worden, deshalb nur ganz kurz aus meiner eigenen Erfahrung als trans*-Frau, die sich ihrer Frau gegenüber geoutet hat. Wir sind mittlerweile seit 36 Jahren zusammen, davon 33 Jahre verheiratet. Meine Liebste weiß seit über 10 Jahren von Svetlana und seit mittlerweile auch schon wieder drei Jahren bin ich komplett - also Kinder, Familie, Arbeit - geoutet, lebe als Frau einschließlich Personenstands- und Vornamensänderung. Auch für meine Frau war es anfangs eine Schocksituation mit vielen Tränen und ich glaube, bei so einem Outing - gerade wenn man so miteinander vertraut ist - geht es wohl auch nicht anders. Die Frage ist, wie man dann damit umgeht. Ich bin froh, dass wir die Kurve gekriegt haben und heute genauso glücklich verheiratet sind wie in "Vor-Svetlana-Zeiten". Den "richtigen" Weg dazu wird euch niemand sagen können, den müsst ihr für euch selber finden. Wichtig dabei ist aus meiner Sicht, dass viele Gespräche geführt werden, damit nicht einer von beiden auf der Strecke bleibt. Auch muss der_die CD- oder trans*-Partner_in auch mal einen Gang zurückschalten können (ich weiß, das ist schwer), wenn der andere Part nicht mehr hinterher kommt. Aber das muss natürlich kommuniziert werden. Ihr habt füreinander Verantwortung, dürft aber auch euch selbst dabei nicht aus den Augen verlieren. Das ist manchmal schwierig, aber viele Beispiele - auch hier im Forum - zeigen, dass das funktionieren kann. In diesem Sinne drücke ich euch ganz fest die Daumen.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 19 im Thema

Beitrag von Carry »

Aubergine hat geschrieben: Mo 18. Nov 2019, 18:10 wenn ich deine Zeilen so lese, dann kommt es mir ein bisschen vor wie ein deja-vu.
Allerdings kam das bei mir nach knapp 15 Jahren Beziehung.
Liebe Aubergine,

vielen Dank! Deine Vorstellung, die ich gestern gelesen hatte, hat mich erst dazu bewogen, mich hier anzumelden und hier Rat zu suchen, denn ich empfand es beim lesen ähnlich...vieles kam mir so bekannt vor.
Ich muss mich jetzt erstmal in Ruhe durch die Antworten lesen und verdauen.
Vorab trotzdem schon Mal tausend Dank, Deine und auch viele andere Worte machen mir wirklich Mut, dass es einen Weg geben wird - und den MUSS es auch geben, denn diese Liebe werde ich für nichts auf der Welt aufgeben.

LG, Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 20 im Thema

Beitrag von Carry »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Mo 18. Nov 2019, 18:38 Trotzdem möchte ich dich gerne etwas fragen!
Was ist schlimm daran bi -oder homosexuell zu sein? Macht es mich zu einem schlechteren
Menschen weil ich pansexuell bin?
Hallo Marie!

Nein, das ist dann vielleicht etwas mißverständlich rübergekommen. Es ist absolut gar nichts schlimm daran, bi -oder homo -oder was-auch-immer-sexuell zu sein!!! So habe ich das nicht gemeint. Aber ich bin nunmal absolut heterosexuell und empfinde es schon als Schock, wenn man plötzlich befürchten muss, dass der eigene Partner, von dem man bis dahin annahm, dass auch er hetero ist (was er ja nach eigener Aussage auch ist), evtl doch auch andere Neigungen hat.
Niemand ist deswegen ein schlechter oder besserer Mensch.

Ich habe auch in keiner Silbe gesagt, dass ich besonders gläubig wäre, oder dass mich Glauben in irgendeiner Weise daran hindern würde, Andersartigkeit zu akzeptieren und zu respektieren - nein nein - ich sagte nur, dass ich eben mit dem klassischen katholischen Rollenverständnis aufgewachsen und sozialisiert bin und es daher, vor Allem wenn man sich mit der Thematik noch nie auseinandergesetzt hat, erstmal ein riesen Schock ist, wenn man feststellt, dass in der eigenen Partnerschaft etwas mal so gar nicht "klassisch" ist.
Ich verurteile niemanden, das tue ich nie. Jeder Mensch ist anders und besonders auf seine Art.
Und so, wie mein Mann eben auf das Tragen von Frauenkleidern steht, stehe ich auf Männer - einfach nur Männer!
Das hat nichts damit zu tun, dass ich den Menschen liebe - und das tue ich - mit allem, was dazu gehört. Aber meine Sexualität ist eben eine klassische hetero-Sexualität, und da ist es schon erstmal ein riesen Schock, wenn der eigene Partner sich gerne als Frau anziehen möchte zum Sex.

Ich habe ja nun mittlerweile auch schon eine Menge im Internet gelesen und mir fällt dabei auf, dass man den Eindruck gewinnt, dass die Männer, also die Crossdresser oft ganz viel Toleranz und Verständnis einfordern, von der Gesellschaft, von ihren Partnerinnen und Partnern. Aber was ist mit der Toleranz meinen Neigungen gegenüber? Ich muss doch als Frau auch Verständnis dafür einfordern können, wenn ich eben nicht darauf stehe, beim Sex Silikonbrüste in meinem Bett liegen zu haben, oder!?
Und meine Angst, dass hinter diesem transvetitischen Fetischismus unter Umständen noch mehr steckt, sich das ggf irgendwann sogar noch verstärken oder ausweiten kann, bis hin zu einer echten Geschlechtsidentifikations-Problematik, das ist doch nachvollziehbar, oder nicht?

Wenn ich nicht so ein offener Mensch wäre, wäre ich zum einen schon mal gar nicht hier und dann würde ich mich mit der Thematik sicher nicht so auseinandersetzen. Ich will meinen Liebsten aber genau so akzeptieren, wie er nunmal ist. Das Thema gehört jetzt zu unserem Leben. Aber er hatte die letzten 40 Jahre Zeit, sich damit auseinander zu setzen, ich weiß das seit gut 5 Monaten und hatte vorher nie einen Berührungspunkt mit der Thematik. Ist es da nicht verständlich, dass man erstmal voller Ängste / Fragen / Vorurteilen und Befürchtungen ist?

LIebe Grüße, Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 21 im Thema

Beitrag von Carry »

Sahara65 hat geschrieben: Mo 18. Nov 2019, 18:55 Ihr habt beide den Bogen überspannt, wolltet es heraus fordern.
Habt Euch auf Dinge eingelassen die ihr hättet einfach bleiben lassen müssen und nicht sollen.

Man kann auch nicht mit Sex herstellen was zerstört ist.
Es ist auch sehr unfein von deinem Partner so im Bett aufzutreten.
Für mich schließt das auf Triebe und Wünsche ausleben, aber nicht feinfühlig etwas retten zu wollen.

Auch deine distanz auf Homo oder Bisexuelle lässt keinen Spielraum zu.

Sorry, aber tröstende Worte finde ich für euch beide nicht, auch wenn du verzweifelt erscheinst.

LG
Sara
Liebe Sara,

Danke auch Dir für Deine Meinung, auch wenn ich sie in keiner Weise verstehe.
Wenn ich mich als Mensch und als Paar weiterentwickeln will, wachsen will, dann ist es immer nötig, dass man Grenzen von Zeit zu Zeit neu auslotet, schaut, wo man steht, was für einen geht und was nicht - und das betrifft jetzt nicht nur den Sex in einer Beziehung, sondern meiner Aufassung nach alles im Leben.
"Man kann auch nicht mit Sex herstellen, was zerstört ist." schreibst Du.
Sorry, aber das verstehe ich nicht, verstehe nicht, was Du damit meinst?
Wir haben nichts zerstört - ganz im Gegenteil. Wir haben experimentiert - ich habe geschaut, wo meine Grenzen liegen und wie sich das anfühlt, wenn mein Mann im Bett Frauenkleider trägt. Wie sonst sollte ich jemals ehrlich sagen können, dass etwas für mich geht, oder auch nicht, wenn ich es nicht probiere.
Und Silikonbrüste gehen halt nicht - das weiß ich jetzt - jetzt kann ich diese Grenze klar benennen - auch wenn sie trotzdem nicht in Stein gemeißelt ist, denn Menschen - auch ich - können sich immer weiter entwickeln, oder ihre Vorlieben "ändern" / erweitern, neu ausloten - wie immer man es nennen will.
Nein, ich denke nicht, dass wir den Bogen überspannt haben.
Ich habe - und das Recht nehme ich mir einfach heraus - gerade nur Schwierigkeiten, das alles für mich ganz persönlich klar zu kriegen.
Es erschüttert mich in der Tiefe meiner Selbst, ich stelle alles, auch meine bislang sicher geglaubten sexuellen Neigungen in Frage / oder positiver ausgedrückt - ich hinterfrage und überprüfe deren Gültigkeit. Ich bin allgemein ein sehr reflektierter Mensch, von daher stelle ich immer mal meine Glaubenssätze und Prägungen, meine Meinungen und Aufassungen in Frage.
Dabei stellte ich nun halt fest, dass einiges an meinem Selbstwertgefühl wohl nicht so ganz in Ordnung zu sein scheint und erhoffte mir hier Hilfe, wie ich damit nun umgehen kann.

"Unfein" von meinem Partner war das ganz und gar nicht!!!
Wir haben das schon vorher besprochen - gut - nicht in jeder Einzelheit - aber dennoch wusste ich ja in Etwa, was auf mich zukommt. Wie genau es dazu kam, habe ich in meinem Post ja gar nicht beschrieben - ich wollte euch hier als ersten Post auch nicht gleich einen Roman präsentieren - aber wie auch immer, meinen Mann hat das eine Menge Überwindung gekostet, weil er sich schämt, weil er Angst hat, dass ich geschockt bin, weil er selbst sagt, er wisse ja, dass er in den Sachen nicht gut aussieht, weil weil weil .....er die einfühlsamste Seele ist, die ich kenne.
Er würde es auch mir zu Liebe komplett verdrängen und aus unserem gemeinsamen Leben ausschließen - das kommt aber für mich nicht in Frage - erstens weiß ich, dass man solche Neigungen nicht dauerhaft unterdrücken kann, zweitens weiß ich, dass er so niemals wirklich glücklich sein könnte, da er immer etwas zurückhalten müsste, drittens möchte ich meinen Mann GANZ und wirklich ECHT, nicht ein oberflächliches Bild von ihm, sondern alles von ihm - und da gehört das jetzt nunmal dazu. Punkt! Also muss ich einen Weg finden, müssen WIR einen gemeinsamen Weg finden. Die Frage ist ja in keiner Weise, OB es einen Weg für uns gemeinsam gibt, sondern WELCHEN Weg es gibt, bzw. WIE ICH diesen Weg gehen kann, ohne mich zu verraten, ohne mich zu verbiegen. Und er soll sich auch nicht verbiegen.

Ich hoffe, mit diesen Erklärungen ist mein Standpunkt vielleicht etwas klarer!?
LG, Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 22 im Thema

Beitrag von Carry »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 18. Nov 2019, 21:35 Ich selber bin kritisch, wenn ein Mensch Vorurteile gegenüber allen Bi- und Homosexuellen hat. Ich verstehe aber, wenn ein Mensch, der das andere Geschlecht liebt Angst davor hat den geliebten Menschen an einen Menschen von eben diesem anderen Geschlecht zu verlieren.
Liebe(r) Ralf-Marlene,

ich habe gar keine Vorurteile gegenüber anders sexualisierten Menschen - keineswegs - ich hatte, aus Unwissenheit, das Vorurteil, dass ein Mann, der Frauenkleider trägt, automatisch auch bi -oder homosexuell sein müsste. Einfach, weil ich es nicht besser wusste - woher auch - ich habe mich mit der Thematik vorher nie auseinandergesetzt.

Dein zweiter Satz aber trifft es auf den Punkt! Verlustangst! Angst, meinen MANN an eine eigentlich gar nicht existente Frau zu verlieren, oder eben an einen anderen Mann, falls er doch feststellt, dass er auf Männer steht. Dieser Gedanke ist sehr quälend.
Er selbst sagte zu mir mal: "Wenn ich als Frau geboren wäre, wäre ich wahrscheinlich lesbisch - ich stehe nur auf Frauen!" Klar hat mich das ein wenig beruhigt, aber ich stehe nunmal nicht auf Frauen - in keiner Weise - ich stehe absolut auf Männer, die auch aussehen wie Männer. Und das hat nichts mit Vorurteilen zu tun, sondern das ist eben meine "Neigung".
Dennoch habe ich Angst, Angst, dass er eines Tages geht, weil er sich vielleicht doch anders orientiert. Wie kann ich diese Angst loswerden?

LG, Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 23 im Thema

Beitrag von Carry »

Helga hat geschrieben: Mo 18. Nov 2019, 22:40 Hallo Carry,
Herzlich willkommen im Forum!
Da Namen nicht viel hergeben: ich bin selber Crossdresser.
Warum ausgerechnet er? - Die Wahrscheinlichkeit einen Mann zu treffen der mit weiblicher Kleidung liebäugelt ist garnicht mal so gering. Im Internet kursieren Zahlen die sich zwischen 5 und 20% bewegen, mir ist allerdings nicht bekannt wie diese ermittelt wurden.
Du kannst es als sehr großen Vertrauensbeweis verbuchen dass er sich zu Beginn der Beziehung offenbart hat. Ich selber habe 18 Jahre gewartet, bis es fast zu spät war. Zu Beginn der Beziehung dachte ich mit einer festen Freundin bräuchte ich die Frau in mir nicht mehr. Einige Jahre funktionierte der Selbstbetrug, dann schlug das Bedürfnis wieder durch. Versuche bitte nicht ihn davon abzubringen, das funktioniert nicht und führt nur zum Unglücklichsein.
Für Fetischsten ist das Tragen von Frauenkleidern mit sehr starker Stimulation verbunden. Wenn es dir gelingt dich darauf einzulassen wirst auch du davon profitieren.
Erscheint im Moment vielleicht abwegig, Mensch gewöhnt sich aber an Vieles.
Liebe Grüße
Helga
Dankeschön, liebe Helga!

Dieses "Warum" ausgerechnet mein Mann ist ein Ausdruck einer Enttäuschung. Ich dachte wirklich, dieser Mann, diese Liebe, unsere Beziehung - alles war fast schon zu gut und zu schön, um wahr zu sein. Ich wähnte mich am Ziel meiner Träume ....und dann riss' auf einmal jemand die Nadel von der Schallplatte! Die Liebe meines Lebens - DER Mann an meiner Seite, ich konnte ja mein Glück kaum fassen - und dann das! Ja! Das schockt - und zwar massiv!
Aber nein, ihm das ausreden oder abgewöhnen wollen tue ich nicht - ich weiß, dass das ein Selbstbetrug wäre und absolut ungesund für ihn und auch für unsere Beziehung.
Ich bin eigentlich eher diejeniege, die immer wieder das Gespräch darüber sucht, die ihn ermutigt, mir mehr zu erzählen, mich mehr teilhaben zu lassen - er traut sich zur Zeit noch nicht wirklich.
Ich hatte ihn zum Beispiel gebeten, mir vielleicht mal ein paar Sachen zu zeigen, ohne dass er sie in dem Moment trägt, damit ich ein reelles Bild bekomme und damit vielleicht all die Bilder in meinem Kopf mit der Realität abgleichen kann. Bislang konnte er sich dazu noch nicht durchringen, er sagt, er habe Angst, dass dann etwas zwischen uns kaputt gehen könnte. Ich aber bin der Meinung, dass keine Wahrheit schlimmer sein kann, als meine Gedanken und die Bilder in meinem Kopf, die ja rein aus Vorstellung und Befürchtung bestehen.
Ja, ich stelle mir teilweise die wildesten Sachen vor. Und das ist ein Problem! Ich habe Angst, dass ich ihn dann abstoßend finden könnte.
Und ich gebe auch offen zu, dass ich befürchte, dass ich viele von seinen Sachen als "lächerlich" (so hart das klingen mag) empfinden könnte. Ich bin grundsätzlich kein Freund von zuviel "Mädchen-Chichi" und "Glitzerkram"....ich mag kein Pink, kein rosa und keine wilden Pailletten-Klamotten, ich bin eher der Typ Jeans, viel schwarz, grau, dunkelblau und weinrot - gedeckt und stilvoll, aber nicht bunt und schrill und "billig" ....

Du sagst, für Fetischisten ist das Tragen von Frauenkleidern mit sehr starker Stimulation verbunden - und genau da habe ich ja das Problem. ICH möchte doch diejenige sein, auf die er abfährt, die eine starke Stimulation in ihm hervorruft - ich möchte und ich sollte das doch sein, als die Frau, die er liebt. Natürlich gefällt mir das total, wenn er richtig heiß wird - klar - aber ich hätte doch lieber, er würde das bei meinem Anblick, als wenn er selnst Brüste trägt und kurze Röckchen usw....kann man das nachvollziehen? Ich mag nicht nur "Erfüllungsgehilfin" sein beim Sex - ich möchte doch "das Objekt der Begierde" sein. Egoistisch? Naiv?

LG, Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 24 im Thema

Beitrag von Carry »

Anke hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 05:46 Eueren Versuch mit dem Sex halte ich ehrlich gesagt nicht für die allerbeste Idee. Das ist ziemlich viel auf einmal in einem Schritt. Ich fände es viel besser, wenn ihr euch dem Thema Schritt für Schritt nähert. Zum Beispiel:

- Ausführlich darüber sprechen
- Ihr schaut gemeinsam seine Sachen an
- Er zeigt sich dir in seinen Sachen
- Ihr verbringt einen Abend mit ihm in seinen Sachen
-....
Hallo liebe Anke,

vielen Dank für Deine mutmachenden Worte!

Wahrscheinlich haben wir da den fünften Schritt vor dem Ersten gemacht, das sehe ich inzwischen auch so.
Ausführlich drüber sprechen - tun wir, nicht ständig, aber immer wieder und meistens auf meine Initiative, weil ich Fragen habe...
Gemeinsam seine Sachen anschauen - habe ich auch schon vorgeschlagen - auch damit das ganze für mich vielleicht ein bisschen von dem "Schrecken" verliert, wenn ich sehe, was er so für Klamotten hat...aber er ist noch nicht dazu bereit.
Einen Abend mit ihm in seinen Sachen??? Momentan für mich absolutes NO GO! - Ich kann mich irgendwie damit arrangieren, dass das "nur" ein sexueller Fetisch ist bei ihm, er also nach der klassischen Definition, so wie er es selbst beschreibt, ein transvestitischer Fetischist ist, heißt, ich werde das in irgendeiner Form in unser Sexleben integrieren können - aber ich will nicht, dass er da einfach so mit rumläuft - das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen! Wenn es jetzt nur die Klamotten wären - also Kleidung, reine Kleidung, Strümpfe, Schuhe - so what - es sind nur Klamotten, eine Verkleidung - aber dann auch noch mit Silikonbrüsten und vielleicht einer Perrücke! NO GO! Das will ich nicht! Das ist, finde ich, nochmal eine andere Nummer, als wenn "Mann" beim Sex einfach nur "irgendwelche" speziellen Klamotten tragen möchte.
Kannst Du das verstehen?
Ich glaube auch, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, will er sich mir nicht zeigen! Er hat Angst vor meiner Reaktion - und ehrlich gesagt, ich auch!

Liebe Grüße, Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 25 im Thema

Beitrag von Carry »

Frieda hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 06:41 Worauf ich noch reagieren möchte, sind deine Äußerungen bzgl Selbstbefriedigung. Ich empfinde dein erzählen darüber etwas verurteilend. Du hast uns erzählt das Er 20 Jahre allein gelebt hat. Wenn dein Partner nun während dieser Zeit nicht der Draufgänger hoch vier war, und Er sich in dieser Zeit nicht von Party zu Party gehangelt hat um für sich passende Sexulpartnerinnen aufzureißen, frage ich mich, was hatte Er denn noch für eine Wahl bzgl seines sexuellen Verlangens? Ihm blieb doch nur die Selbstbefriedigung. Also ich habe dafür Verständnis, ganz ehrlich❣️ Und das Er dieses Thema während dieser Zeit nun mal bis ins Feinste ausreifen konnte liegt ja doch wohl auf der Hand.
Hallo liebe Frieda,

selbstverständlich habe ich Verständnis für Selbstbefriedigung! Logisch - das tun wir alle - ob mit oder ohne Beziehung - und das ist auch vollkommen okay. Und was er in den letzten 20 Jahren getrieben hat, oder auch nicht, geht mich zum einen nichts an und ist auch seine Sache und absolut in Ordnung. Problematisch finde ich es, wenn Selbstbefriedigung den Platz von Sex mit dem Partner einnimmt, dann stimmt meines Erachtens nach etwas nicht, und ich als Partnerin muss mich doch fragen, wieso macht er es sich lieber selbst (und dann als Frau verkleidet) als mit mir?
Er sagt, dass er das ja nicht lieber tut - sondern eben auch gerne.
Das kann ich aber nunmal leider nur sehr schwer nachvollziehen.
In unserer Beziehung bin eher ich diejenige, die eigentlich fast immer Lust hat - und wenn er dann mal keine Lust hat, oder sagt, er habe Kopfschmerzen oder sei zu müde oder ähnliches, dann frage ich mich direkt, ob er es dann wohl an dem Tag schon "erledigt" hat - also ob er an dem Tag seine Sachen angezogen hat und Spaß mit sich selbst hatte, während ich bei der Arbeit war, oderso!? Da er im Drei-Schicht-System arbeitet und ich klassisch 9-17 hat er genug Gelegenheiten, alleine zu Hause zu sein. Und wenn ich diese Gedanken habe, dann fühle ich mich irgendwie "betrogen".
Wir haben auch ganz viel tollen Sex zusammen, er liest mir oft jeden Wunsch von den Augen ab, geht voll auf meine Bedürfnisse ein, aber manchmal scheint er eben irgendwie "distanzierter" und wenn er dann keine Lust hat, kommen sofort diese Gedanken....
Ich selbst ticke da eben anders.

LG, Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 26 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 09:43Und so, wie mein Mann eben auf das Tragen von Frauenkleidern steht, stehe ich auf Männer - einfach nur Männer!
Das hat nichts damit zu tun, dass ich den Menschen liebe - und das tue ich - mit allem, was dazu gehört. Aber meine Sexualität ist eben eine klassische hetero-Sexualität, und da ist es schon erstmal ein riesen Schock, wenn der eigene Partner sich gerne als Frau anziehen möchte zum Sex.
Ich denke, es ist schon mal gut, dass du den ganzen Knoten aufdröselst. Beziehung, Alltag, Liebe zum einen und Sex zum anderen. Auch das Experimentieren ist eine mutige Sache, aber dabei ist offenbar das Setting ganz wichtig. Spielerisch, schrittweise, unterbrechbar, ohne große Verpflichtung oder Erwartung. Als eine Art Ausflug in neue Welten vielleicht. Wenn dein Partnerwesen dezidiert Crossdresser ist, also wie viele hier zwischen einem Mann-Leben und Frau-Zeiten wechselt, lässt sich das vielleicht auch in eurem Sexleben so gestalten.

Einen Gedanken möchte ich noch unterbringen, nämlich meine Perspektive quasi von "aussen" auf die Mann/Frau hetero/bi/homo Kategorien: Die sind - aus meiner Sicht als nicht-binäres, eher pansexuelles Wesen - gerade nicht so schlau wie deine "Problemzerlegung" oben, weil sie Körperlichkeit und Stereotype starr miteinander koppeln. Als ob nur Frauen zart und kuschelig sein könnten oder nur Männer aktiv vögeln. Vielleicht schaust und fühlst du da auch mal in dich hinein, welche "Features" es eigentlich im Einzelnen sind, die dich bzw. euch anturnen, und wie ihr die umsetzen könnt - und warum du dein Partnx überhaupt sowohl körperlich als auch romantisch attraktiv fandest / findest. Häufig genug sind darunter einige der vorher verborgenen, jetzt offen dem anderen Geschlecht zugeordneten Eigenschaften, also in eurem Fall "weibliche". Vielleicht gibt es auch ganz verschiedene Spielarten, die jeweils zu ihrer Zeit passen. Wenn ihr mit anderen Rollen spielt, die Stereotype vermischt, ab und zu anders verteilt unter euch, braucht ihr dafür keine Label zu ändern. Ob nun hetero, bi, homo, pan, sonstwas, ist für das Erleben doch nebensächlich und mehr was für Statistiken ;)
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 27 im Thema

Beitrag von Carry »

Hallo Jaddy,

lieben Dank für Deine Worte!

Ich denke, ich kenne mich in der Psychologie relativ gut aus, ich weiß, dass in uns allen Animus und Anima (nach C.G. Jung) vorhanden sind und wir alle sowohl weibliche, als auch männliche Anteile haben. Soweit klar! Meine sexuellen Vorlieben sind, anders als mein Alltag, in dem ich als Frau schon immer sehr "meinen Mann" stehen muss, eher devoter Natur und ich liebe es, wenn ein Mann sich eben wie ein typisch stereotyper "Mann" im Bett verhält. Darauf fahre ich ab. Mein Mann ist ein ebenso männlicher wie liebevoller und rücksichtsvoller Liebhaber und ich kann mich bei ihm fallen lassen, wie nie bei jemandem zuvor.
Natürlich kann ein Mann kuschelig, anschmiegsam und weich sein - und natürlich kann eine Frau hart und forsch sein usw ....keine Frage - was aber meine sexuelle Neigung angeht, bin ich eben diejenige, die sich gerne - nennen wir das Kind beim Namen - "nehmen" und "führen" lässt. Ich stehe auf maskuline Verhaltensweisen und maskuline Optik. Habe ich alles bei meinem Herzblatt! Ich war ansich wunschlos glücklich.
So!
Nun kommt diese Sache mit den Frauenkleidern - natürlich ist es deswegen immer noch der gleiche Mann! Und bei unserem Experiment habe ich auch feststellen können, dass, zumindest mit verbundenen Augen - gesehen habe ich ihn so ja noch nicht - soweit alles gut war. Es fühlte sich ja immer noch wie mein Mann an und ich habe auch festgestellt, dass sich Nylons an seinen Beinen und das ihm unter den Rock greifen in dem Moment absolut okay und stimmig angefühlt haben - aber das sind auch "nur" Klamotten. Er verhielt sich nicht anders und alles war gut .....bis ich die Silikonbrüste erfühlte. Das konnte ich in dem Moment zwar einigermaßen wegstecken, so dass ich ihn nicht damit verletzt habe, dass ich sofort alles abgebrochen habe, ich habe das so gut es ging für den Moment ignoriert, aufgepasst, dass ich da so gut wie keine Berührung mit habe und habe ihm hinterher gesagt, dass ich das nicht klar kriege, in meinem Kopf. Da ist einfach eine Grenze überschritten. Klamotten ist das eine - Brüste sind aber was anderes - die habe ich!
Das bekomme ich einfach nicht übereinander! Ich stehe nunmal auf das männliche, und da gehören Silikonbrüste in Körbchengröße "E" nun wahrlich nicht dazu.

Ist das denn so verwerflich, dass ich auf ein klassisches Spiel zwischen den verschiedenen Geschlechtern stehe und nicht einfach so akzeptieren kann, dass sich alles vermischt?

LG, Carry
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Jaddy
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 28 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 11:46Ist das denn so verwerflich, dass ich auf ein klassisches Spiel zwischen den verschiedenen Geschlechtern stehe und nicht einfach so akzeptieren kann, dass sich alles vermischt?
Da ist absolut nichts falsch dran :) Zumal da keins von euch was dran ändern können wird. Also du nicht deine Präferenzen und dein Partnx die eigenen auch nicht. Falsch ist meiner Ansicht nach an Sex und Vorlieben höchstens, wenn jemand dran leidet. Egal ob wegen zu viel, zu wenig, weil nicht wirklich einvernehmlich oder weil es mit irgendetwas innerem oder äusserem konfliktet.

Es ging mir nur um die Möglichkeiten von Perspektivwechseln, die tatsächlichen Bedürfnisse auszuforschen und dann vielleicht bessere gemeinsame Wege zu finden, dass ihr beide Spass habt. Vielleicht ist der Verzicht auf die Silis eine mögliche Idee. Ich hab es auch so verstanden, dass dein Partnx dir durchaus die Führung und Dominanz geben kann - wenn auch nicht immer. Die Frage ist also vielleicht eher, wie die Bedarfe auf der anderen Seite sind. Also was gibt sexuelles Erleben deinem Partnx, wie ist das Kopfkino, welche Motive und Gefühle wünscht en sich.

Anyway, aufgemerkt habe ich bei dem Absatz, dass hen öfter weniger Lust zum Sex hat als du. Die Sache mit der Augenbinde dazu gerechnet könnte noch ein ziemlicher Konflikt mit Selbstbild, Bild von hen vor dir, Scham vielleicht auch vor der eigenen - vermutlich cis-het-orientierten - Erziehung dahinter stecken. Nur Spekulation, ausgehend von vielen ähnlichen Geschichten. Ich verstehe, dass du erstmal viel mit deinen Problemen zu kämpfen hast, empfehle aber trotzdem, dass ihr euch mal frei von Bewertungen, sondern einfach aneinander interessiert über die tatsächlichen Gefühle unterhaltet. Nicht über Klamotten, Accessoires oder Praktiken im Detail, sondern wie es in euch tickt und was euch warum Lust macht.

(ich schreibe ganz bewusst gender-neutral von deinem Partnerwesen, mit -x und "hen", weil ich nichts zuschreiben möchte)
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 29 im Thema

Beitrag von Anke »

Liebe Carry,
Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 11:07 vielen Dank für Deine mutmachenden Worte!
Gern geschehen :-)

Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 11:07 Ausführlich drüber sprechen - tun wir, nicht ständig, aber immer wieder und meistens auf meine Initiative, weil ich Fragen habe...
Klasse!

Ich würde das auch nicht ständig zum Thema machen. Ihr habt bestimmt viele andere tolle Themen, das ist nur eines unter viele.

Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 11:07 Einen Abend mit ihm in seinen Sachen??? Momentan für mich absolutes NO GO! - Ich kann mich irgendwie damit arrangieren, dass das "nur" ein sexueller Fetisch ist bei ihm, er also nach der klassischen Definition, so wie er es selbst beschreibt, ein transvestitischer Fetischist ist, heißt, ich werde das in irgendeiner Form in unser Sexleben integrieren können - aber ich will nicht, dass er da einfach so mit rumläuft - das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen! Wenn es jetzt nur die Klamotten wären - also Kleidung, reine Kleidung, Strümpfe, Schuhe - so what - es sind nur Klamotten, eine Verkleidung - aber dann auch noch mit Silikonbrüsten und vielleicht einer Perrücke! NO GO! Das will ich nicht! Das ist, finde ich, nochmal eine andere Nummer, als wenn "Mann" beim Sex einfach nur "irgendwelche" speziellen Klamotten tragen möchte.
Kannst Du das verstehen?
Ja, kann ich. Für dich ist das alles erstmal fremd und unheimlich, auch weil es neu ist. Du bist vermutlich vorher nie mit solchen Themen und Fragen in Berührung gekommen und jetzt stürzt das auf dich ein. Und wenn es das ist, was für dich derzeit geht, dann ist das auch in Ordnung. Das kann in einem halben, einem ganzen oder in zwei Jahren ganz anders aussehen. Oder vielleicht auch nicht. Ihr habt euch auf eine ungewöhnliche Reise begeben ohne zu wissen, wo ihr dabei ankommt.

Du schreibst immer davon, wie wichtig dir eure Liebe ist. Das ist auch das wichtigste. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Liebe Dinge ermöglicht, die vorher nicht vorstellbar waren. Wenn ihr bei dieser (und auch allen) Sache die Liebe in den Mittelpunkt stellt und euch davon tragen lasst, dann habt ihr die besten Chancen, damit klar zu kommen und am Ende beide zu gewinnen.

Carry hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 11:07 Ich glaube auch, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, will er sich mir nicht zeigen! Er hat Angst vor meiner Reaktion - und ehrlich gesagt, ich auch!
Dann muss das eben warten, bis der richtige Zeitpunkt da ist. Solche Situationen sind sehr stark mit Angst besetzt. Damit fertig zu werden braucht Zeit und natürlich viel Liebe.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 30 im Thema

Beitrag von Carry »

Frieda hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 06:41 Es war mir gestern nicht möglich auf deinen Post zu reagieren liebe Carry, ich las mir deine Zeilen öfters durch, und das einzige wozu ich fähig war, war ein tiefer Seufzer.
Für mich, die ich ebenfalls Partnerin eines Crossdressers ist, ist dein Eröffnungspost ziemlich mächtig. Du weißt es seit 5 Monaten und trotzdem sind deine Worte so intensiv, als hättest du gerade erst davon erfahren, da frage ich mich.. Warum?
Du fragst, liebe Frieda, wieso meine Worte nach 5 Monaten noch so intensiv sind, als hätte ich es eben erst erfahren ....
Nun, zum Einen sicherlich, weil es das erste Mal ist, dass ich außerhalb meiner Beziehung darüber rede. Dann bin ich auch einfach so, ich beschreibe meine Gefühle nunmal sehr intensiv und immer so, wie ich sie gerade empfinde.
Ich denke, dass jeder Mensch sein eigenes Tempo hat, mit emotionalen Katastrophen, welcher Art auch immer, umzugehen. Da waren in den letzten 5 Monaten Phasen der totalen Beschäftigung mit dem Thema und auch wieder Phasen, wo man das komplett verdrängt hat, oder ich das alles eben nur für mich im stillen Kämmerlein bearbeitet habe. Ich denke nicht, dass ein Zeitraum von 5 Monaten ein außergewöhnlich langer Zeitraum ist, um mit so einem Outing seines geliebten Partners umzugehen. Alles ist auch immer ein bisschen Tagesform, wie es einem selbst gerade geht usw....
Und da es erst kürzlich wieder einige intensive Gespräche mit meinem Mann über meine Gefühle, Sorgen und Nöte und auch über seine Gefühle zu dem Ganzen gab, dreht mein Gedankenkarussell zur Zeit eben wieder schneller.
Ich bin durchweg ein sehr emotionaler und leidenschaftlicher Mensch, ich freue mich leidenschaftlich, ich liebe leidenschaftlich und ich leide auch leidenschaftlich - so bin ich. Und ja, es ist viel auf einmal....aber das habe ich mir nicht ausgesucht. Das Leben ist einfach so passiert.....da triffst Du im Zeitraum eines Jahres Deine erste und einzige wahre große Liebe wieder und es klappt perfekt - Du könntest nicht glücklicher sein - und dann, kurz vor dem nächsten Schritt, dem Zusammenziehen, erfährst Du von dem Transvestitismus Deiner großen Liebe - also wenn das alles in dem kurzen Zeitraum kein emotionaler Außnahmezustand ist, dann weiß ich auch nicht. Intensive Gefühle verlangen intensive Worte, wenn sie vom Empfänger richtig verstanden werden wollen.
Liebe Grüße, Carry
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