Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?
Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann? - # 5

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Carry
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 61 im Thema

Beitrag von Carry »

Lisa-Weber hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 13:29 Das ist es was ich in meiner ersten Antwort meinte.
Es ist unter Umständen Teil seines Ichs - Teil seines Wesens.
Und wenn du ihn liebst dann nur als ganzes und nicht nur einen Teil.
Lisa
Hallo Lisa,

ja, natürlich liebe ich sein ganzes Wesen, ihn genau SO, wie er nunmal ist...mit allem drum und dran.
Aber, sorry, wenn ich immer wieder die gleiche Frage stelle, wozu braucht das innere Wesen denn Silikonbrüste?
Muss ich gedanklich die Seite des Wesens von der sexuellen Komponente trennen?
Das geht doch eigentlich nicht.
Eine Frau wird doch keine Frau, nur durch Brüste und Röcke (als Beispiel).
Frau sein - das werden die bio-Frauen bestätigen können - ist doch viel viel mehr, als nur die äußeren Attribute.
Vielleicht kann ich es auch nicht verstehen, weil ich es eben nicht nachvollziehen kann?!?
Ich habe auch beides in mir - wie jeder Mensch - eine männliche und eine weibliche Seite. Die haben wir alle, weil
in unseren Genen zu allererst beides angelegt wird, bevor das Geschlecht bestimmt wird.
Aber ich kann doch meine "männliche Seite" auch ausleben, ohne mir einen Nadelstreifenanzug anzuziehen und einen
Silikonpenis in die Hose zu stecken und mir einen Bart anzukleben.
Ich möchte es wirklich einfach verstehen!
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"
Viggy
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 62 im Thema

Beitrag von Viggy »

Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 13:00 So, wenn er jetzt - ohne die sexuelle Fetisch-Komponente - auf die Idee kommt, dass er in der Wohnung Frauenkleider anziehen will, dann - da bin ich ehrlich - auch wenn es weh tut - habe ich ein größeres Problem. Denn das würde für mich heißen, er hat nicht nur einen Fetisch, eine sexuelle Vorliebe, sondern möchte eine Frau sein, wenn auch nur zeitweise.
Aus meiner Sicht ist das nicht zwangsläufig so. Ja, ich trage fast jeden Tag zuhause tagsüber und auch abends 'Damenkleider', abends etwas gedeckter. Aber auch dann will ich nicht Frau sein, sondern nur mit der Komponente spielen, die Frauen erlaubt ist: Mit Kleidung und ein paar anderen Kleinigkeiten körperliche Aspekte (z. B. Beine) zu betonen, oder hervorzuheben. Du wirst mir nicht widersprechen, wenn ich sage, dass das mit 'Damenkleidung' anders bzw. besser möglich ist, bzw. Strumpfhosen, von den Materialien und Mustern der 'Damenkleidung' noch gar nicht gesprochen.

Soweit als mögliche Motivation, die hinter dem Verhalten deines Mannes steht. Jedoch:
Aber wenn jemand sich Silikonbrüste, Perrücken und was weiß ich noch alles zulegt und sich darin wohl fühlt, dann will er in dem Moment, wenn auch nur zeitweise, eine Frau SEIN!
Das sind klare Worte und hier kann ich Dir nicht widersprechen.
Ich denke Ihr müsst herausfinden, ob der derzeitige Status evtl. nur ein überspitztes Ausleben einer Transgender-Variante ist, ODER ein echter Fetisch, heißt ob die Aufmachung nur für den Sex nötig ist, ODER ob hinter dem Verhalten vielleicht sogar wirklich der Wunsch steckt, mit allen Konsequenzen langfristig eine Frau zu werden. Dann können Schlüsse gezogen werden, wie Mann/Frau damit umgehen kann bzw. wenn möglich, auf welchem Level man sich trifft.
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 63 im Thema

Beitrag von Carry »

Danke für die Aufklärung, Jaddy!
Dann bin ich hier eigentlich falsch? Ich dachte, hier tummeln sich auch Partnerinnen von CD's (oder was auch immer, ich verliere da leider leicht den Überblick), und man könnte hier als Partnerin von "XY" seine Probleme schildern?!
Sorry, wenn ich jemandem hier auf den Schlips trete oder getreten bin...
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 64 im Thema

Beitrag von Carry »

Viggy hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 13:46 Das sind klare Worte und hier kann ich Dir nicht widersprechen.
Ich denke Ihr müsst herausfinden, ob der derzeitige Status evtl. nur ein überspitztes Ausleben einer Transgender-Variante ist, ODER ein echter Fetisch, heißt ob die Aufmachung nur für den Sex nötig ist, ODER ob hinter dem Verhalten vielleicht sogar wirklich der Wunsch steckt, mit allen Konsequenzen langfristig eine Frau zu werden. Dann können Schlüsse gezogen werden, wie Mann/Frau damit umgehen kann bzw. wenn möglich, auf welchem Level man sich trifft.
Ja! Genau DAS müssen wir herausfinden, bzw. mein Liebster! Ich muss das ja nicht herausfinden, ich muss dann am Ende nur damit Leben,
wie es halt kommt.
Dankeschön für Deine Erklärungen...
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 65 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)

Zuerst einmal, ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Gerade wenn man sich noch nie mit diesem Thema auseinandersetzen musste, ist die Ratlosigkeit erstmal groß.
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 13:00 So, wenn er jetzt - ohne die sexuelle Fetisch-Komponente - auf die Idee kommt, dass er in der Wohnung Frauenkleider anziehen will, dann - da bin ich ehrlich - auch wenn es weh tut - habe ich ein größeres Problem. Denn das würde für mich heißen, er hat nicht nur einen Fetisch, eine sexuelle Vorliebe, sondern möchte eine Frau sein, wenn auch nur zeitweise. In der Öffentlichkeit? Für mich ein absolutes NO GO! Wenn ihm das keine sexuelle Stimulation bringt, sondern er sich einfach nur als Frau fühlen will, dann, sorry, kann ich das noch weniger nachvollziehen!
Ich glaube es liegt in der Natur der Sache. Wenn sich jemand mit seinem Geschlecht einfach identifizieren kann, wie soll derjenige es nachvollziehen können, wie es sich anfühlt, wenn dem nicht so ist?
Wie dein Mann sich fühlt, wenn er dies, das, jenes trägt, kann nur er allein wissen. Und wer er ist bzw. sein will, ebenso. Ein Kleid anzuziehen macht einen nicht zur Frau. Ebensowenig Brüste. Es sind lediglich Merkmale, die häufig Frauen zugewiesen werden, aber es gibt genug Männer mit nem ordentlichen Brustansatz, die sich deswegen im Leben nicht wie eine Frau fühlen.

Am Wichtigsten finde ich erstmal, das er sich dir anvertraut hat. So weißt du Bescheid, falls du mal ein Kleidungsstück findest, das nicht dir gehört und er braucht keine Angst davor haben "erwischt" zu werden.
Und was eurer beider Bedürfnisse angeht, da lässt sich sicher ein Kompromiss finden.

Ich hatte z.B. mal eine Partnerin, die überhaupt nicht mit meinen weiblichen Bedürfnissen umgehen konnte, sie wollte "das" nicht sehen. So haben wir dann, wenn ich das Bedürfnis hatte, getrennte Abende gemacht. Während sie im Wohnzimmer einen Film geschaut hat, hab ich dann Zeit gehabt, meinen Bedürfnissen nachzugehen. Halt nur nicht in ihrer Gegenwart. Aber damit hatte ich kein Problem.
Ich denke, wenn ihr beide eure Bedürfnisse und Grenzen offen legt, findet sich ein gangbarer Weg, mit dem ihr euch beide wohlfühlen könnt. Das ist ja auch kein starres System. Bedürfnisse und Grenzen können sich auch jederzeit ändern. Da hilft nur reden reden reden.

Grüße
die Anja
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 66 im Thema

Beitrag von Viggy »

Anja hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 14:13 Ebensowenig Brüste. Es sind lediglich Merkmale, die häufig Frauen zugewiesen werden, aber es gibt genug Männer mit nem ordentlichen Brustansatz, die sich deswegen im Leben nicht wie eine Frau fühlen.
Entschuldige Anja, aber ich denke das wird als Argument bei Carry leider gar nicht funktionieren. Denn dieser Typ Mann wird sich die Brüste eher wegwünschen.

Auch in meinen Augen liegt die Motivation dahinter, sich Brüste umzuhängen, darin bis zu einem gewissen Grad Frau sei zu wollen. Aber wie gesagt, bis zu einem gewissen Grad und vielleicht auch nur temporär.
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 67 im Thema

Beitrag von Viggy »

Anja hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 14:13 Ich hatte z.B. mal eine Partnerin, die überhaupt nicht mit meinen weiblichen Bedürfnissen umgehen konnte, sie wollte "das" nicht sehen. So haben wir dann, wenn ich das Bedürfnis hatte, getrennte Abende gemacht. Während sie im Wohnzimmer einen Film geschaut hat, hab ich dann Zeit gehabt, meinen Bedürfnissen nachzugehen. Halt nur nicht in ihrer Gegenwart. Aber damit hatte ich kein Problem.
Ich denke, wenn ihr beide eure Bedürfnisse und Grenzen offen legt, findet sich ein gangbarer Weg, mit dem ihr euch beide wohlfühlen könnt. Das ist ja auch kein starres System. Bedürfnisse und Grenzen können sich auch jederzeit ändern. Da hilft nur reden reden reden.
Das ist im Prinzip so ein Vorschlag, als ich meinte, auf welchem Level man sich vielleicht treffen kann. Die Frage ist halt wie weit bei Frau dann das Kopfkino noch weiterläuft.
Da hilft nur reden reden reden.
Stimmt, aber wie ich aus eigener Erfahrung weiß, warum ist das nur so verdammt schwer?
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 68 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo allerseits,

ich lese hier wieder wie stark das streng binäre Denken (also nur Mann oder Frau) uns alle prägt. Ich habe vorhin erst ein "Stimmungsbild" von mir hier rein gestellt:
viewtopic.php?f=23&t=291&start=9855#p259728

Was zeigt es? - einen Mann oder eine Frau?

Zur Zeit meiner Jugend war das noch so: Wenn ein Mann "weibliche" Kleidung trug, outete er sich als "Schwuchtel". Also zog ich immer statt der schönen Sachen, die mir gefielen, nur langweilige und hässliche Männerklamotten an. Und damit niemand auch nur etwas ahnte, mussten die besonders männlich - also für mich extrem hässlich - sein, dazu kurze Haare, was ich nie leiden konnte. Nur zum Karneval trug ich dann gelegentlich meinen gewünschten Kleidungsstil - nun ordentlich übertrieben - ganz offen. Und so klafften Wunsch und Wirklichkeit immer mehr auseinander.

Eine Frau hatte es da einfacher. Kurze Haare, Jeans, Pullover - fertig. Der Emanzipation sei Dank. Aber wenn es in der Realität nicht ausgelebt werden kann, wird das Bild der Frau in der Phantasie immer extremer: kurzer Rock, Overknee-Stiefel mit gigantisch hohen Absätzen, Silikon-Brüste im XXL-Format und eine Perücke mit Haaren bis zum Hintern. Die kurzen Momente, in der man diese Sachen trägt, "entarten" dabei zu einer (hetero-)sexuellen Ekstase, die mit einem Orgasmus endet. Letztlich wird aber nur immer kurzzeitig ausgelebt sich so darzustellen, wie man sich in seinen Wünschen oder Träumen sieht.

Nach dem Outing ändern sich diese Wünsche oder Träume. An die Stelle des Orgasmus tritt ein immer längeres "Vorspiel", was schließlich zu ganz normalem Empfinden wird. Ob sich nun jemand wie ich als nicht-binär oder als Transfrau einstuft, hängt davon ab, wie stark sich eine Dysphorie gegenüber dem männlichen Körper entwickelt. Und wie stark das Binäre uns prägt, zeigt doch die Einteilung: CD oder TS. Ich bin weder das eine noch das andere. (Ein gutes Stück) weiblich sein ist für mich eindeutig mehr als nur ein Hobby, aber ganz als Frau fühle ich mich auch nicht. Und sexuell motiviert ist es ganz bestimmt nicht, wenn ich draußen auf der Straße unterwegs bin. Ich zeige mich einfach nur so, wie ich mich wohl fühle.

@Viggy: Vor meinem Outing konnte ich meine kleinen Brüste überhaupt nicht leiden - und jetzt betone ich sie mit einem BH, wenn ich draußen unterwegs bin.

LG Nicole
Vicky_Rose
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 69 im Thema

Beitrag von Vicky_Rose »

Hallo Carry,

nur kurz zurück zu Deinem Beitrag:
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13 Klar ist aber auch, dass ich sicherlich einige Vorstellungen auf meinen Schatz projeziert habe, die ich jetzt loslassen muss.
Aus meiner Sicht: Klar und einfach formuliert. (hs)
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13 dann ist das erstmal tatsächlich ein Verlust - ein Verlust einer Wunschvorstellung von einem gemeinsamen Leben - ganz klar, da gebe ich Dir Recht, und ein Verlust eines Traumbildes von einem Menschen, den man nun anscheinend doch gar nicht kennt. Das muss erstmal verdaut und sicherlich auch "betrauert" werden.
Nochmal (hs)
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13 ABER ...ich muss erst lernen, damit auch wirklich umzugehen, muss lernen, meine Trauer anzunehmen und all das nicht auf meine Person, meine Weiblichkeit und meinen Körper zu beziehen. Und da liegt momentan der Hase im Pfeffer. Es ist wahnsinnig schwer für mich, mich nicht minderwertig zu fühlen, wenn ich an seine perfekt geformten Silikonbrüste denke. Ich werde 42, da hat der Zahn der Zeit natürlich auch schon an mir genagt.
Das Echte ist immer besser als das Imitat ... ;-) Wo ist Dein Selbstbewusstsein ?
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13 Auch wenn er immer wieder sagt, dass er meine Brüste liebt und natürliche sowieso viel schöner sind, so richtig glauben kann ich das (noch) nicht.
Nochmals: Selbstbewusstsein ? Liebe Dich selbst. Ein wunderbares Gedicht von Charlie Chaplin: https://www.selbstbewusstsein-staerken. ... n-gedicht/
Carry hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 11:13 Ich kann das einfach nicht verstehen, was es ihm gibt, wenn er sich diese Silikondinger in den BH steckt - was macht das mit ihm? Warum braucht er das?
Ich habe für mich ein Erklärungsmodell gefunden, dass für mich plausibel ist. In Kurzfassung: Als "weiches" Kind war von mir Männlichkeit gefordert und ich war gezwungen, die weiche Seite zur Seit zu drängen. Dabei stand ich alleine da, zumindest habe ich es so wahrgenommen. Um damit fertig zu werden, habe ich meine weiche Seite dort gesehen, wo sie nach allgemeinen Denken hin gehörte: auf die weibliche Seite. Als ich angefangen habe, diese weibliche Seite zu entdecken, konnte ich endlich meine weiche Seite leben. Verstärkend kam hinzu, dass meine allerersten erotischen Erfahrungen in diesem Modus stattfanden. Es gab also eine Verknüpfung guter Gefühle mit Weiblichkeit. Der Rest ist ein Entwicklungsprozess. Ich glaube, dass es mir nicht mehr möglich ist, diese beiden Hälften meines Lebens unter einen Hut zu bringen. Meine Pesönlichkeit hat eben beide Komponenten. Ich lebe beides.

Aber zum weiblichen Modus gehört für mich auch ein weiblicher Körper. Wenn ich mich als Frau im Spiegel sehe, fühle ich mich schön. Als Mann kenne ich das Gefühl nicht. Als Mann gehe ich in den Keller Sachen bohren ... Das ist keine gespaltene Persönlichkeit. Im Gegenteil, zu mir gehört beides. Und ich liebe meine Frau, egal mit welcher Seite. Für mich ist da keine Konkurrenz. Wenn Du das empfindest, verrät das sehr viel von Dir. Ein Punkt zum Nachdenken.

Noch eine Anmerkung: Es gibt einen interessanten psychologischen Versuch, bei dem ein Probant darauf trainiert wurde, eine Hand im Gummihandschuh als seine eigene anzusehen (nicht wichtig, wie das gemacht wurde, es funktioniert wahrscheinlich bei jedem). Dann hat man mit einem Hammer auf die Hand geschlagen und der Probant empfand Schmerzen, obwohl er nicht berührt wurde. Man interpretiert das folgendermaßen: Wir besitzen eine innere Landkarte, was zu unserem Körper gehört und was nicht. Es gibt auch Menschen, die haben das Gefühl, ein bein gehört nicht zu ihrem Körper und sie wollen, dass es amputiert wird. Für mich ist es so, dass ich en femme meine Silikoneinlagen ein Teil meines Körpers empfinde. Berühre ich das Silikon, ist es wie eine Berührung an eigenen Brüsten. Klingt strange, ist aber letztlich nur ungewohnt für Menschen, die das nicht kennen. In meinem Kopf habe ich die Vorstellung, einen kompletten weiblichen Körper zu besitzen. Ich wäre verletzt, wenn man darüber abschätzig spräche.

Ich weiß nicht, wie das bei Deinem Freund ist, aber Du kannst ihn ja einfach fragen. Dann ist es für Dich vielleicht eine Hilfestellung beim Verständnis. Für mich ist meine weibliche Seite in allen Facetten eine Realität, die meine ganze Persönlichkeit widerspiegelt. Ein Verlust an irgend einer Stelle dieser Komponenten wäre eine Einschränkung meiner Persönlichkeit, die ich nicht hinnehmen könnte.

Mir ist klar, dass das für Dich seltsam klingen muss. Aber der Kopf ist rund, damit die Gedanken eine andere Richtung einnehmen können. Es ist aber aus meiner Sicht sehr wichtig, dass Du nur soweit gehst, wie es zu Dir passt. Letztlich ist auch Dein Freund gefragt, sich zu hinterfragen. Denn im gegenseitigen Entwickeln liegt der Sinn der Krise. Und es sind manchmal nicht die offensichtlichen Dinge. Es muss für ihn gar nicht um Trans gehen. Wie meine Worte oben zeigen, war das bei mir nicht der Fall. Ich bin seit jeher zweigleisig. Aber in der Krise ging (und geht) es um meine eigenen Leichen im Keller und meine Frau trifft mich mit ihrer Reaktion an ganz anderer Stelle. Zum Beispiel bei der Frage, bin ich es mir Wert, gut zu mir zu sein ? Denn wenn ich nicht gut zu mir bin, wie kann ich es zu meiner Partnerin sein ?

So, genug der "kurzen" Hinweise ... ;-)
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 70 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Viggy hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 15:01 Entschuldige Anja, aber ich denke das wird als Argument bei Carry leider gar nicht funktionieren. Denn dieser Typ Mann wird sich die Brüste eher wegwünschen.

Auch in meinen Augen liegt die Motivation dahinter, sich Brüste umzuhängen, darin bis zu einem gewissen Grad Frau sei zu wollen. Aber wie gesagt, bis zu einem gewissen Grad und vielleicht auch nur temporär.
Wie ich schon schrieb:
Anja hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 14:13 Wie dein Mann sich fühlt, wenn er dies, das, jenes trägt, kann nur er allein wissen. Und wer er ist bzw. sein will, ebenso.
Das entscheidet doch die Person alleine. Ich würde mir niemals anmaßen, zu bestimmen? wie jemand sich fühlt wenn er sich Brüste in den BH packt.
Ich habe z.B. BHs meiner Mutter getragen und mit Sockenpaaren ausgestopft, da war ich noch deutlich unter 10 Jahre alt. Ich erinnere mich daran, das ich die Hügel einfach schön fand. Die Silhouette...
Einen Zusammenhang mit meiner Identität herzustellen, dafür hab ich über 30 Jahre gebraucht... Dazwischen hab ich mich selbst mehrmals neu verortet.
Also selbst ich war mir nicht mal im klaren über meine Gefühle.
Und dann kommst du mit "in meinem Augen..." Nur mal so :wink:

Und ob Carry das Argument annimmt oder nicht, muss sie entscheiden. Es war von mir als Beispiel gedacht um etwas zu verdeutlichen.
Nämlich das das Äußere und das Innere nicht unbedingt miteinander korrelieren müssen...

Grüße
die Anja
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 71 im Thema

Beitrag von Menalee »

Jasmine hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 10:52
Ralf-Marlene hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 09:44 ........
Du kannst Dir nie sicher sein, dass Dein* Partner* bleibt. Liebe entscheidet sich jeden Tag neu, von beiden Seiten aus.
............
Das sehe ich zumindest bei Menalee und mir anders. Die Liebe zwischen Menalee und mir ist eine unverhandelbare Konstante. Sie schlug bei uns ein und wurde über die Jahre immer größer. Natürlich sind wir beide bemüht unsere Liebe zueinander täglich zu nähren. Aber es kann auch bei uns mal vorkommen, das ich meiner Menalee wehtue oder meine Menalee mir, aber deswegen an unserer Liebe zu zweifeln käme uns nie in den Sinn. Wir sind zwei Frauen die auch mal Fehler machen, aber dann müssen wir sehr schnell einen Weg finden die Ungereimtheiten aus der Welt zu schaffen. Genau hier ist es für uns wichtig auf Konstanten zu vertrauen, die tief in uns verwurzelt sind und immer wieder der Antrieb sind das Wichtigste in unserem Leben - unsere Liebe - zu bewahren. Das Geschenk der Liebe wird von uns gepflegt und bewahrt. Ohne diese Liebe, das bedingungslose Vertrauen zwischen meiner Menalee und mir das uns täglich Kraft und Energie schenkt wäre vieles nicht möglich. Unsere Liebe hat auf unserem Weg Berge versetzt und Stürme überstanden, weil sie für uns unverhandelbar ist und voraussetzt das ich für meine Menalee alles tun würde. Ich bin mir sicher, das auch meine Menalee alles für mich tun würde. Sicher ist für mich auch das ich immer bei meiner Menalee bleiben werde, in guten wie in schlechten Zeiten. Wir sind einander aber auch nicht hörig sondern vielmehr ist bei unserer Liebe auch eine wichtige Komponente, das wir uns stets auf Augenhöhe mit dem notwendigen Respekt füreinander begegnen.
Liebe Grüße Jasmine
Das kann ich nur unterschreiben, auch ich werde alles für meine Frau, meine Jasmine tun. Wenn sie nach Hause kommt werde ich sie erstmal ganz lieb in den Arm nehmen. Diese Liebe die ich mit ihr erlebe ist für mich der größte Schatz und wunderbar. Das Gefühl, nach 26 Jahren immer noch Schmetterlinge im Bauch zu spüren und über den Wolken zu schweben ist für mich das Schönste. Unsere Liebe, das Gefühl eine Einheit zu sein, unzertrennlich ist unbeschreiblich.
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 72 im Thema

Beitrag von Carry »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 15:39 Um damit fertig zu werden, habe ich meine weiche Seite dort gesehen, wo sie nach allgemeinen Denken hin gehörte: auf die weibliche Seite.
Aber ein Mann kann doch wunderbar weich sein! Jede Frau findet es schön, wenn ihr Mann Gefühle zeigt, vor ihr weint, ein Mann kann wunderbar weich sein, wenn er mich in seine Arme nimmt und mich zärtlich auf die Stirn küsst, er ist weich und sanft, wenn er mich streichelt, wenn er auf mich achtet und fragt, ob es mir gut geht - und und und...ich liebe es z.B. mich in der Weichheit meines Mannes, also in seine liebevollen Arme zu verkriechen, er ist wunderschön und weich und warm - als Mann!
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 73 im Thema

Beitrag von Carry »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 15:39 Wenn ich mich als Frau im Spiegel sehe, fühle ich mich schön.
Gratuliere!!! Die meisten (bio-)Frauen tun das nicht. Ich kenne nicht eine einzige Frau, die sich vor den Spiegel stellt und sich wirklich schön findet.
Wir Frauen sind doch durchdrungen von Minderwertigkeitskomplexen, da zu viel Speck, hier zu schlaffe Haut, dort ein Pickel und da Cellulite und und und, und der Popo dürfte etwas mehr sein und die Oberschenkel weniger usw....
Frauen haben immer an sich zu meckern! IMMER! Alles andere sind vorgeschobene Lügen, keine Frau findet sich selbst wirklich schön! Also, das weiß ich nicht, ich kenne halt keine....
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 74 im Thema

Beitrag von Carry »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 15:39 Und ich liebe meine Frau, egal mit welcher Seite. Für mich ist da keine Konkurrenz. Wenn Du das empfindest, verrät das sehr viel von Dir. Ein Punkt zum Nachdenken.
Was sagt das denn über mich?
Dass ich ein Problem mit meinem Selbstbewußtsein habe? Das weiß ich!
Klar ist das mangelndes Selbstbewußtsein, wenn man sich von "der anderen Frau" bedroht fühlt, eifersüchtig ist auf ihre ach so
perfekten, strammen Brüste, und sich immer und immer und immer wieder fragt, ob man selbst für den Mann nicht schön, attraktiv, sexy genug ist, dass er das braucht?! Ja ich weiß, es ist ein Teil seiner Selbst - gehört zu ihm - es ist eine Neigung, eine Orientierung, ein Fetisch oder was weiß ich sonst.
Ich kann es aber einfach nicht begreifen, was einem das gibt. Das will mir nicht in den Kopf. Und wahrscheinlich geht das auch gar nicht, ich werde das nie nachvollziehen können.
Es fühlt sich aber an, als stünde ich mit der "anderen Frau" in Konkurrenz. Hat Deine Frau das nie geäußert? Hat sie sich nicht so gefühlt, als sie davon erfuhr?
Ja, ich fühle mich minderwertig, weil ich nicht in der Lage bin - und es nie sein werde - ihm das zu geben, was "sie" ihm geben kann. Und egal, wie sehr ich mich anstrenge, was mir alles für Dinge einfallen, egal wie oft ich selbst mal weiblichere Klamotten trage oder mich weiblicher zurecht mache, egal, wie mein Körper wäre, wenn ich ihn so einfach verändern könnte, egal, was ich anstellen würde - diese Art der Befriedigung seiner Bedürfnisse auf dieser Ebene werde ich ich ihm nie geben können - und ganz ehrlich - dieser Gedanke macht mich fertig!

Ja, nur er kann mir Antworten auf meine Fragen geben - aber bei den meisten Fragen ist er selbst (noch) nicht soweit, mir Antworten geben zu können. Ich hoffe sehr, das ändert sich mit der Zeit, denn nur Wissen um seine Beweggründe und Bedürfnisse wird mir irgendwann ein wenig Sicherheit zurückgeben können....
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Re: Warum ausgerechnet ER? Warum MEIN Mann?

Post 75 im Thema

Beitrag von Carry »

Anja hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 15:45 Nämlich das das Äußere und das Innere nicht unbedingt miteinander korrelieren müssen...
Wenn aber das Innere und das Äußere nicht korrelieren müssen, wozu braucht ihr dann Perrücken, Kleider, Schuhe, MakeUp etc etc ???
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