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Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Mi 11. Sep 2019, 21:23
von Nina.Gartner
Hallo,

seit geraumer Zeit beschäftigt mich die Frage, wie meine Kinder darauf reagieren wenn sie ihren Papa in Frauenkleider erleben.
Meiner Frau weiss von meiner 2. Seite, versucht diese aber leider komplett zu ignorieren und meine Kinder möchte ich nicht überfordern.
Besonders bei meinem Sohn mit 7 Jahren habe ich angst, er könnt sich abwenden.

Würde mich freuen, wenn Ihr Eure Erfahrungen teil.

Liebe Grüße,
Nina

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 04:00
von Renée
Hallo Nina,

es gibt bereit ein Thread mit der Frage, wie sag ich es meinem Kind: viewtopic.php?f=3&t=13901.
Dort gibt es schon diverse Berichte wie es gehen könnte. Es ist immer eine Frage wie aufgeschlossen die Umgebung reagiert und vorallem wie tolerant die Kinder erzogen werden und eine Frage des Alters. Mit 7 ist es sollte es erst mal kein Problem darstellen.

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 05:30
von VanessaL
Hallo,

weder Alter noch Geschlecht der Kinder lassen darauf schließen, welche Reaktion Kinder haben werden und auch die Erziehung ist eher kein Indikator für Reaktionen. Auch ein bestimmtes Vorgehen scheint eher individuell Erfolge zu haben - es gibt wohl keinen Königsweg.
Das sind meine Erfahrungen und meine Erkenntnisse nachdem ich mich lange damit beschäftigt habe.
Persönlich problematisch finde ich die Position der Ehefrau. Wenn Sie sich in dieser Frage nicht hinter Dich stellen kann, kommt es unter Umständen zu einer Isolierung in der Familie. Beim Outing vor den Kindern (aber auch anderswo) wäre es gut, an einem Strang zu ziehen.

Noch ein kleiner Hinweis: Ablehnung der Frau (in Dir) muss nicht zwangsläufig die Ablehnung Deiner Person sein.
Mein Sohn (damals 17) hatte gesagt: „Ist mir egal, aber ich möchte das nicht sehen“. Nach 2 Jahren und davon einem Jahr Trennung,. hat er nun glücklicherweise kein Probleme mehr mich in Kleid oder Rock zu umarmen. Ich muss mich nicht mehr umziehen. Auch eine Ergebnis meiner starken Frau, die trotz Trennung noch immer zu mir steht.

Alles Liebe
Vanessa

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 06:24
von Helga
Hallo Nina,
Gegenfrage: Gibt es eine Notwendigkeit für ein Outing vor den Kindern? Wenn nicht würde ich es verschieben und zunächst einmal bei deiner Frau an der Akzeptanz arbeiten. Bei der beschriebenen Konstellation ist die familiäre Spaltung ansonsten vorprogrammiert.
Liebe Grüße
Helga

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 09:00
von Hexemelina
hallo nina

das proplem wie erkläre ich es den kindern hatte ich selbst auch mal
ich war bei bekannten die mich sehr gut kennen und mit dem wie ich bin vor allem was ich bin keine propleme haben und sehr tolerant sind
allerdings das k,ind von den bekannten die ist 7 jahre alt hatte mich auch öfters gefragt was mit mir ist bzw was es mit mir auf sich hat und ich hatte keine möglichkeit es ihr zu erklären das einzigste was ich ihr sagte und ich hoffe das war nicht falsch das sie noch zu jung dafür wäre und ich es ihr erkläre wenn sie älter ist

wie gesagt ich hoffe ich habe da nicht falsch reagiert

mit lieben gruss die Hexemelina

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 11:12
von Jasmin_35
Hi,

ich kann dazu auch so halb was sagen, da ich jedoch keine eigenen Kinder hab, kann ich nur sagen, wie die Nachbarskinder es aufgenommen haben.
Der Nachbarsjunge ist etwa 6-7, seine Eltern haben ihm offenbar kurz erklärt, das ich nun Jasmin heiße und damit war das Thema durch, er ist noch genau so freundlich wie immer zu mir :)
Das Nachbarsmädchen ist etwa 11-12 hat mit dem anderen Nachbarsmädchen mich einmal im Kleid gesehen (ich war aber auch schon weiter mit meiner Transition), beide haben sehr interessiert geguckt, haben sich aber auch nicht getraut zu fragen, den Eltern hatte ich schon was erzählt (mein Alter), die Kinder hatten dann ihre Eltern gefragt und sie sind aktuell einfach recht neugierig über den Prozess. Wenn ich die das nächste Mal sehe (bin öfter mit der Katze auf der Leine draußen, was hier eine Attraktion für die Kinder ist), werde ich denen auch nochmal sagen, das die jederzeit zu mir oder meiner Freundin gehen können und Fragen stellen können. Sie sind aktuell etwas unsicher und das merkt man in dem Alter offenbar recht gut.
Und die anderen beiden Nachbarsmädchen 9-10 und 11-12 haben es dann von den anderen Kinder mehr oder weniger erfahren, weil die Eltern denen dazu nichts sagen wollen, es könnte die Kinder dazu bringen, das sie selbst in der aktuell schwierigen Phase unsicher werden (ich halte das für eine total blöde Ausrede). Jedenfalls hab ich die letztens auch kurz getroffen und Ihnen nochmal gesagt, das sie ohne Probleme meinen neuen Namen nutzen dürfen und immer zu mir kommen können, wenn sie fragen haben.

Die Kinder sollen wissen, das ich nicht beiße oder böse bin über Fragen, gerade jetzt kommt ja langsam das Alter wo die Fragen kommen und man vielleicht auch nicht unbedingt die Eltern fragen möchte.

Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht: Je jünger jemand ist, desto weniger Probleme gibt es damit und desto leichter verstehen Kinder es und akzetieren es auch "wie es ist".

Bei den eigenen Kindern ist es sicher nochmal etwas anderes und bei dir halte ich es auch für wichtig, das deine Frau es zumindestens halbwegs versteht und nicht ablehnend dem gegenüber steht, andererseits würde ich Kindern, bei egal was immer so früh wie möglich was sagen.

So würde ich es in deiner Situation vielleicht machen, um die Kinder "vorzubereiten": Mach gute Fotos und zeig die Ihnen und frag, ob sie diese Person auf dem Bild erkennen und was sie denken, ohne zu sehr auf details einzugehen. Problem ist, hier kennt keiner deine Kinder und wie sie auf sowas reagieren, daher sind Ratschläge immer sehr schwer.

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 11:13
von sabine_allein
Hallo,

genau diese Frage war bzw. ist immer noch ein ganz zentrale bei mir selbst.

Nachdem mein Outing bei meiner Freundin und weiteren Bekannten überraschend positiv war, verlief es bei meinen Eltern absolut katastrophal.

All die, durch das positive Outing hinter mir gelassen geglaubten Beschwerden und depressiven Schwankungen kamen zurück, da ich trotz gegenteiliger Bekundung, sehr stark mit seltsamen, eher fetischistischen Vorstellungen bezüglich meines femininen Wesens und dessen Suche nach einer passenden Ausdrucksform, konfrontiert wurde. Wenn ich diese Bedürnisse haben würde, wären sie sicher nicht Inhalt eines Gesprächs zwischen mir und meinen Eltern. Das habe ich versucht ihnen klar zu machen, kam aber gegen diese starken Vorstellungen, die sie beherrschten nicht an.

Worüber ich eigentlich sprechen wollte, war mein Angebot an sie, all die seltsamen erscheinenden Verhaltensweisen und die Zurückgezogenheit, die seit meiner Kindheit für alle immer wieder offensichtlich waren, zu erklären. Das gelang mir in diesem Gespräch aber nicht besonders gut.
Das Resultat des Ganzen war, dass sie mich baten, diesen wesensanteil weiterhin für mich zu behalten und vor allem meinen Kindern nichts davon zu erzählen.

Das konnte ich aber nicht, da ich mich für einen Weg in die Öffentlichkeit entschieden habe, allerdings mit der Einschränkung, dass ich mich von meinem ehemals eindeutig männlichen Äußeren zunehmend und augenscheinlich zu einem sehr stark androgynen Erscheinungsbild verändert habe.
(Ich versuche gerade herauszufinden, ob ich mehr möchte, ob ich trans* nonbi queer weiblich mit gendernormativen maskulinen Ansätzen bin oder nur als Frau leben möchte. Ist nicht ganz ernst gemeint, denke begrifflich lässt sich das eben nicht wirklich abbilden.)

So kam ich nicht darum herum, mich meinen Kindern gegenüber irgendwann erklären zu müssen.
Anfang Dezember des letzten Jahres habe ich das dann getan. In langen Gesprächen habe ich versucht zu erklären, was mein Problem zu sein scheint, was eventuell eine Lösung sein könnte und wie ich plane das heraus zu finden. Ich beschrieb mich als weiblich und feminin, aber nicht als Frau.
So konnte ich einen für mich und meine Familie bis jetzt immer nachvollziehbaren langsamen Wandlungsprozess einleiten und ich konfrontiere niemand mit Versuchen, die schief gingen, und die nichts mit mir zu tun haben. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Die Reaktion meiner Kinder ist/war sehr verschieden. Manchmal positiv im Sinne von, wage doch mehr, und dann wieder verhalten, weil sie sich nach unserer alten, irgendwie heilen Welt zurück sehen.
Das Schwankt auch dadurch, wie ich gerade auftrete, wie es mir geht, ob ich mich wiedererkenne, in dem wie ich erscheine, oder ob mich das noch viel zu oft auftauchende Gefühl, nur ein verkleideter Typ zu sein, gerade beherrscht.
Aber diesen Prozess kann ich steuern, viel problematischer sind für mich die Reaktionen der anderen Kinder und Eltern, mit denen ich bzw. meine Kinder in Schule, Kindergarten usw. zu tun haben. Vor deren Kommentaren habe ich am meisten Angst, bzw. vor Situationen, die ich nicht beeinflussen kann, da meine Kinder ohne mich damit umgehen müssen oder ich einfach nur verletzt bin und nicht schlagfertig genug, erhabenen Hauptes aus einer belastenden Situation heraus zu kommen.

Ich stehe dadurch auch im familiären Kontext, trotz Wohlwollen meiner mit mir lebenden Familie, immer ein wenig unter Druck, nehme mir aber auch immer die Zeit und den Raum eindeutiger weiblich zu sein, mich in dieser Rolle auszuprobieren, mein Standing zu finden und mich meiner Familie gegenüber als weiblicher Vater, Freund_in oder was auch immer zu zeigen.
Wir über eben alle den Umgang mit der Tatsache, dass ich so bin wie ich bin.
Das ist für mich ganz zentral, da ich mich sprachlich eben nicht wirklich vermitteln kann, ich kann es weder mir noch andern erklären nur versuchen zu sein.

LG

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 12:04
von Die fesche Tina
Nina.Gartner hat geschrieben:
Mi 11. Sep 2019, 21:23
seit geraumer Zeit beschäftigt mich die Frage, wie meine Kinder darauf reagieren wenn sie ihren Papa in Frauenkleider erleben.
Ist/war ja bei mir genau anders herum+++ :mrgreen:
Nina.Gartner hat geschrieben:
Mi 11. Sep 2019, 21:23
...und meine Kinder möchte ich nicht überfordern.
Besonders bei meinem Sohn mit 7 Jahren habe ich angst, er könnt sich abwenden.
Wenn ich dies auf mein Kind projeziere und überlege, dass mein Sohn 1984 7 Jahre alt war, stelle ich fest, dass dies gegenüber heute eine völlig andere Zeit war. Heute fragt man sich, welches Kind (7 jährig+++) noch kein Handy besitzt? :roll: Damit möchte ich sagen, dass die Kids heutzutage schon in diesem jungen Alter weiter sind, als wenn ich das mit meinem Kind vergleiche. Muss ich das gut finden? Irgendwie nicht. Kinder sollen Kinder sein, der ernst des Lebens kommt früh genug.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass Kids in diesem Alter heutzutage schon ganz gut bescheid wissen, wenn man mit ihnen darüber spricht. Abwenden? Das glaube ich auf keinen Fall. Wenn man es ihnen auf ruhige und einfühlsame Weise erklärt, hören die Kleinen schon zu. Anfangs werden Fragen wie "Papa, warum trägst du ein Kleid?" kommen+++sehen sie dich öfters in Frauenkleidung wird das auch für Kinder zu Normalität.

Ein Punkt über den du aber mit deinen Kindern sprechen solltest, ist die "Außendarstellung": Kiddies plaudern in diesem Alter gerne alles nach außen. Und wenn es dann auf dem Schulhof fröhlich ausplaudert "mein Papa trägt jetzt Kleider", dann wird sich das wie ein Lauffeuer verbreiten, was dann auch Leute zu hören bekommen, die es vielleicht gar nicht wissen sollen. Und was diese sich dann für ein Bild machen+++ :o
Entweder du bringst deinen Kids bei, dass es nichts schlimmes ist, wenn Papa wie eine Frau zu Hause rumläuft oder du sagst ihnen, dass sie mit niemanden darüber sprechen sollen.
Wie du dich auch entscheiden magst, lass es uns im Forum bitte wissen+++!

Tina

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 14:31
von Michaela_mit_a
Meine Töchter (6 & 9) haben das "Papa ist eine Frau" gar nicht so schnell realisiert oder es ist noch nicht verarbeitet.
Die räumliche Trennung wiegt offensichtlich viel schwerer.

Mit Interesse entdecken Sie in meiner Wohnung "Dinge des weiblichen Alltags" und stellen dazu Fagen, die ich natürlich beantworte.
Im Kleid haben sie mich bisher nicht gesehen, wohl aber im Nachthemd.
Meine Jüngste beschäftigt es anscheinend mehr als meine Älteste, zumindest redet sie mehr mit mir darüber.
Sie spricht über die Zeit, in der ich dann Kleider trage, oder bald einen Pferdeschwanz tragen kann.

Was ich euch bitten möchte ist, die Kinder nicht zum Stillschweigen zu verpflichten!
Das ist ein immenser Druck den man den Kleinen aufbürdet und das sollte nicht sein.
Also bitte keine Geheimnisträger aus ihnen machen, da es zu einer großen Belastung werden kann und das Thema zusätzlich stigmatisieren kann ("Warum nicht erzählen dürfen, wenn es doch so normal sein soll?").

LG, Michaela

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 14:53
von Hexemelina
Michaela_mit_a hat geschrieben:
Do 12. Sep 2019, 14:31
Also bitte keine Geheimnisträger aus ihnen machen, da es zu einer großen Belastung werden kann und das Thema zusätzlich stigmatisieren kann ("Warum nicht erzählen dürfen, wenn es doch so normal sein soll?")
hallo michaela

das mag gut sein aber kinder sollte man auch nciht überfordern mit der sache auch wernn du sagst das es das normalste der welt ist
für kinder ist es eben nicht n ormal da sie noch das "normale weltbild" haben ich habe zu der tochter meiner bekannten gesagt wenn du mal älter bist erkläre ich es dir weil
ich fidne das sie mit ihren sechs"wird bald sieben" jahren noch zu jung dafür ist

mfg die Hexemelina

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 15:16
von Michaela_mit_a
Hexemelina hat geschrieben:
Do 12. Sep 2019, 14:53
Michaela_mit_a hat geschrieben:
Do 12. Sep 2019, 14:31
Also bitte keine Geheimnisträger aus ihnen machen, da es zu einer großen Belastung werden kann und das Thema zusätzlich stigmatisieren kann ("Warum nicht erzählen dürfen, wenn es doch so normal sein soll?")
hallo michaela
das mag gut sein aber kinder sollte man auch nciht überfordern mit der sache auch wernn du sagst das es das normalste der welt ist
für kinder ist es eben nicht n ormal da sie noch das "normale weltbild" haben ich habe zu der tochter meiner bekannten gesagt wenn du mal älter bist erkläre ich es dir weil
ich fidne das sie mit ihren sechs"wird bald sieben" jahren noch zu jung dafür ist
mfg die Hexemelina
Natürlich sollte man sie nicht überfordern. Da ist sicher eine sensible und vor allem individuelle Vorgehensweise angebracht.
Das es auch nicht die heutige Norm ist, bekommen einige von uns ja leider noch täglich zu spüren.
Worum es mir geht ist, dass wir den Kleinen nicht sagen dürfen:"Schau mal, so ist das. Ist auch nichts "Schlimmes" oder "Unnormales", aber erzähle es nicht weiter."
Das kann schnell zu viel für Kinder werden.
LG, Michaela

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 15:30
von sabine_allein
ich denke, wenn Mensch sich dazu entschließt, im Gegengeschlecht zu leben und dafür auch die Trennung von Familie, Partner_in und Kindern in Kauf nimmt, dann gibt es keinen Grund, nicht ganz klar mit den Kindern darüber zu reden.
Ich stehe voll und ganz hinter Michaelas Haltung, den Kindern die freie Wahl zu lassen, wem und wann sie das Bedürfnis haben sich anzuvertrauen.

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 16:16
von VanessaL
Hallo liebes Forum,

jetzt möchte doch auch noch mal was einwerfen, weil ich denke das es wichtig ist:
Kinder kann und sollte man vor dem Leben nicht zu sehr beschützen. Wenn ein Kind offen nachfragt und Interesse zeigt, kann es nicht falsch sein, eine altersgerechte Antwort zu geben! Damit bin ich bislang immer gut gefahren und ich denke Kinder haben ein Recht auf Information, wie alle anderen auch. Ich sehe nicht welchen Schaden es anrichten soll. Im Gegenteil empfinde ich das Verweigern als Ablehnung und als eine Behinderung des Kindes in seiner natürlichen Entwicklung.
Anders ist es mit einem Outing, wenn die Frage nicht selbst vom Kind kommt. Das sollte sicher wohl überlegt und vielleicht auch vorbereitet sein - aus verschiedenen Gründen, die lang und breit schon diskutiert worden sind.
Aber letztendlich gilt auch hier die Frage, vor was muss ich denn das Kind schützen? Warum ist es so verwerflich anders zu sein und was vermittle ich eigentlich durch mein Schweigen? Welches Vorbild bin ich, wenn ich selbst nicht zu mir stehen kann? Was lebe ich meinem Kind da eigentlich vor?
Ich weiß, dass dies nur eine Sichtweise auf die Problematik ist und ich hüte mich davor, diese als die Wahrheit zu predigen, denn letztlich muss jeder Mensch für sich entscheiden, welche Lebensweise und Ansichten er für sich vertreten möchte, kann oder vielleicht auch muss. Und jeder hat dabei seine eigenen Zwänge und Wahrheiten. Da steht niemanden eine Wertung zu ....

Schließen möchte ich meine Gedanken mit der Frage, was ich denn überhaupt beeinflussen kann und ob ich das tatsächlich dann auch möchte. Ist es nicht eher so, dass ich mit meinem Outing (gegenüber wem auch immer) Angst habe, meine Hoheit abzugeben und es nicht doch dem Gegenüber obliegt, mit dieser Information umzugehen? Und auf welcher Basis glaube ich eigentlich entscheiden zu können, was gut und nicht gut für den anderen ist?
Wir Eltern haben genaue Vorstellungen, wie unsere Kinder werden sollen und mit welchen Werten sie aufwachsen sollen und Kinder lernen vieles durch das Vorleben in der Familie. Wie die Dich entwickeln und was letztlich in Ihnen vorgeht können wir aber nie bestimmen und vermutlich auch in der Summe gar nicht steuern. Denn sie haben Ihr eigenes Leben, Ihr eigene Seele und wir sehen trotz aller Nähe nie alles ... egal, ob wir uns „zeigen“ (outen) oder nicht.

Alles Liebe
Vanessa

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Do 12. Sep 2019, 23:51
von Vincent
Hallo Nina,
ich denke die Reaktion deiner Kinder wird einfach abbilden, als wie normal du und deine Frau dein "2. Ich" betrachten. Sie haben dafür unglaublich feine Antennen.
Frage Dich also zuerst, in wie weit deine weibliche Seite ein selbstverständlicher Teil deines Lebens ist?!

Ich habe zwei Jungs, 6 Jahre und fast 9 Jahre, sie nehmen nicht wirklich wahr, ob ich gerade Kleid, Rock oder Hose trage, eine neue Nagellackfarbe fällt ihnen auf und manchmal möchte einer von ihnen auch ...
Beide waren auch schon im Kleid in Kindergarten oder Schule, weil sie es so wollten und sie keiner gehindert hat. Und nein, sie haben es offensichtlich mit einer solchen Selbstverständlichkeit getan, dass es dafür auch keine negativen Reaktionen gab (nur ich hatte Bedenken :roll: )
Bislang war es auch noch nie ein Thema, wie ich mich kleide, wenn ich in Kontakt mit den Freunden meiner Kinder kam - es interessiert weder meine Jungs, noch sonst jemanden. Oft habe ich das Gefühl der einzige zu sein, der über mein Erscheinungsbild nachdenkt.

Aber:
Meine für meine Jungs ist es seit jeher normal, dass der langhaarige Papa im Alltag ebenso Röcke Strumpfhosen und Kleider trägt, wie Hosen oder Motorradklamotten und immer als Mann zu erkennen ist.

Ich denke, die Herausforderungn ist nicht, die Frau oder die Klamotten zu vermitteln, sondern die Veränderung begreiflich zu machen.

LG
Vincent

Re: Wie gehen Kinder damit um?

Verfasst: Fr 13. Sep 2019, 01:21
von Keks-Marie
Buchtip: Teddy Tilly

Eine liebevolle Bilderbuchgeschichte zum Thema Anderssein.
Teddy Thomas möchte kein Teddybär mehr sein. Er möchte lieber Tilly heißen, denn schon lange fühlt er, dass er eigentlich eine Teddybärin ist. Er traut sich nicht, seinem besten Freund davon zu erzählen. Aber mit Finn kann er über alles reden und Finn verischert ihm, dass er ihn immer lieb haben wird, ob er nun Thomas oder Tilly heißt. Tilly ist erleichtert und ihre Freundschaft ist noch viel größer geworden. In diesem Bilderbuch geht es um viel mehr, als um das Thema Transgender. Es ist eine zauberhafte Bilderbuchgeschichte, in der es um den Mut zum Anderssein geht. Um Mitgefühl, Akzeptanz, Toleranz und vor allem um bedingungslose Liebe. Ein Buch, das Kinder stark macht.


Dieses Buch hat eine Fünfjährige von mir zum Geburtstag geschenkt bekommen.


#2: Der Junge im Rock

„Du siehst aus wie ein Mädchen", „Das ist falsch, was du anhast",
rufen ihm die Kinder in der neuen Kita zu. Sie grenzen ihn aus, hänseln ihn.
Jungs tragen keine Röcke. Jungs tragen dunkle Farben, Power-Ranger-T-Shirts
und spielen mit Baggern.
Röcke sind für Mädchen, genau wie Rosa und Prinzessin Lillifee.
So vermittelt es zumindest unsereGesellschaft und ist damit äußerst
erfolgreich:
Es gibt klare Vorstellungen davon, was männlich und was
weiblich ist und wer was anziehen soll.