Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.
Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage. - # 2

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Dolores59
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Re: Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.

Post 16 im Thema

Beitrag von Dolores59 » Fr 7. Dez 2018, 08:50

Ich maße mir nicht an, über einen Menschen, der sich nicht outet, den Stab zu brechen. Das ist seine ganz persönliche Entscheidung, die ich respektiere.

Dolores
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Psalm 139,14)

Steffi1000
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Re: Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.

Post 17 im Thema

Beitrag von Steffi1000 » Fr 7. Dez 2018, 09:00

Ich glaube, es geht hier nicht nur ums Outing, sondern auch ums eigene Wohlbefinden.
Tue ich es heimlich im Keller wo noch Familien Mitglieder leben, oder lebe ich alleine in einer Wohnung mit räumlicher Trennung.
Mit Heimlichleiten werde ich krank, also outing
Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine Spuren.

Anja
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Re: Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.

Post 18 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 7. Dez 2018, 10:27

Moinsen (moin)
evacampelli hat geschrieben:
Do 6. Dez 2018, 17:59
Haltet Ihr denn die Option, für einen CD/TV wohlgemerkt, sich nicht zu Outen für verwerflich?
Ja!
Sofern er sich in einer Partnerschaft befindet. Ob ich mich bei Nachbarn oder Freunden oute, ist eine ganz persönliche Entscheidung. Aber einen Teil der eigenen Persönlichkeit dem Partner vorzuenthalten, finde ich, ist Betrug. Und wie im Forum ja schon häufiger zu lesen war, die betroffenen Partnerinnen auch. Das kann ich gut nachvollziehen.
Ich habe mich in allen Partnerschaften immer realtiv zu Anfang geoutet und bin immer gut damit gefahren.
Ich kam nie in die Bredouille, mich nach langjähriger Beziehung erklären zu müssen.
Für mich ist meine Partnerin die wichtigste Vertrauensperson und es gibt nichts, was ich ihr nicht erzählen kann.
Außerdem kann eine "wissende" Partnerin selbst entscheiden, ob sie eine Beziehung mit einem CD/TV eingehen möchte oder nicht. Diese Möglichkeit wird ihr genommen, wenn man es verheimlicht.

Was wäre z.B. im umgekehrten Fall, wenn eure Freundin / Frau keine Kinder bekommen könnte. Und sie nach 10 Jahren Ehe damit um die Ecke kommt, wenn ihr das Thema Kinderwunsch ansprecht? Und sie es von Anfang an gewusst hat. Fändet ihr das nicht fies?
Und mir ist selbst klar, das der Vergleich hinkt. Aber ein Besserer fiel mir auf die Schnelle nicht ein. Für mich, als überzeugter (kinderliebender) Familienmensch, hätte so ein Geheimnis eine ähnliche Tragweite...

Grüße
die Anja
"Ein in sich gespaltenes Haus kann keinen Bestand haben"

Doreen
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Re: Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.

Post 19 im Thema

Beitrag von Doreen » Fr 7. Dez 2018, 11:26

Hallo Eva, hallo Gemeinde,

immer wieder habe ich in verschiedenen Posts mein Outing vor meiner Frau geschildert, wer das noch nicht mitbekommen hat, hier noch einmal kurz wie es mir ergangen ist.
Ich bin also schon seit Kindertagen mit dem Tragen von Gegengeschlechtlicher Kleidung konfrontiert worden bzw. geboren worden, als Kind habe ich mit sechs oder sieben Jahren
schon heimlich die Slips meiner Schwestern stibitzt und gerne getragen. Auch vor Röckchen und Kleider machte ich nicht halt.

Als heranwachsender Jugendlicher wurde der Drang nach weiblicher Kleidung und die Sehnsucht nach Busen immer stärker. Habe es versucht stets zu unterdrücken, was aber nicht gelang.
Ich war Spätzünder was die Beziehungen zu Mädchen und Frauen anbelangte, ich war auch immer gern lieber unter Mädchen als bei den Jungen. Leider haben mich die Mädels immer
weggeschickt und wollten unter sich sein. Bei den Jungen kam ich auch nicht richtig an, Fußball und Raufen interessierte mich nicht, anstatt Cowboy und Indianer spielte ich lieber
das Spiel "Mutter und Kind", die älteren von Euch kennen das sicherlich noch! Ich wollte immer das Kind, also das Mädchen sein.

Mit knapp 21 Jahren hatte ich meine ersten sexuellen Erlebnisse mit Frauen, meine erste Freundin war schlank und zart, trug gottlob gerne sexy Unterwäsche, Miniröcke und hübsche Blusen.
Mein Gott war ich eifersüchtig auf all diese Sachen, schon der Anblick erweckte Sehnsüchte diese Kleidung ebenfalls zu tragen zu dürfen.
Natürlich konnte ich meinem Mädel das nicht sagen, habe aber mal gefragt ob sie mir mal hier und da ein Höschen von sich ausleiht welches ich aus Liebe zu ihr tragen wollte um ihr nahe zu sein
und ich somit immer bei ihr sei, auch wenn wir den ganzen Tag arbeiten waren und uns nur abends oder am Wochenende sahen.

Zu meiner Freude hatte sie nichts dagegen, nur solle ich die Höschen nicht Ausleihern. So trug ich fast täglich Slips von ihr und es waren unbeschreiblich schöne Gefühle die mir widerfuhren.
Ok, die Beziehung hielt nur zwei Jahre und ging in die Brüche, hatte aber mit dem Tragen der Wäsche nichts zu tun, im Gegenteil, ich durfte den einen oder anderen Slip dann behalten.

Danach hatte ich noch zwei Freundinnen mit denen ich das Thema nicht behandeln konnte, schon alleine deswegen nicht, da sie unattraktive Baumwollschlüpper trugen und am liebsten auchnur Jeans und andere Hosen anstatt hübsche Kleider.
Mit 25 lernte ich meine erste Frau kennen mit der ich einen Sohn habe, wir waren zehn Jahre zusammen, das Thema Crossdressing war inzwischen sehr stark ausgeprägt bei mir, im Laufe der Jahre hatte ich heimlich eine beachtliche Dessous-Sammlung, Halterlose Strümpfe und Strapse, Unterkleider, Unterröcke , Büstenhalter mit Einlagen. All diese Schätze hortete ich in einer eigens zu diesem Zwecke angeschaffte abschließbare Zarges Alu Kiste welche ich wie meinen Augapfel hütete.

Als wir zusammenzogen kam natürlich die Frage, was denn in der Alu Kiste sei die im Keller steht, ich sagte dass sich darin allerhand unnützer Kram ohne Bedeutung befindet, ich aber den Schlüssel nicht mehr finden kann. Das reichte, und so hatte ich mein Geheimnis im Keller verbannt. Wenn ich alleine war bediente ich mich aus meiner Schatztruhe und trug in der Alleinsein-Phase BH und Höschen unter meiner Herrenkleidung. So ging das einige Jahre gut, ich war glücklich wenn ich an meine Kiste konnte und für kurze Momente Frau sein durfte.

Nach fast zehnjähriger Ehe wurde mein Geheimnis entdeckt, meine Frau erwischte mich in aufreizender Unterwäsche, Strapsen und gepolstertem Büstenhalter schlafend auf der Couch an, ich wähnte sie bei ihrer Mutter die weiter wegwohnte und mit der sie shoppen gehen wollte. Es kam etwas dazwischen und so ist es zu dieser mir sehr peinlichen Situation gekommen, ich bin fast in den Erdboden versunken.
Naja, danach gab es lange Gespräche und Diskussionen, ich zeigte ihr meine Sammlung im Keller, sie war baff und erbost weil ich sie so viele Jahre im Ungewissen ließ.

Der Haussegen hing schief, unsere Ehe drohte zu zerbrechen immer wieder Gespräche und Versuche die Ehe zu retten entfernten uns dann mehr und mehr. Sie erzählte es ihrer Mutter die mich fortan
für schwul hielt oder mich als Tunte titulierte. Alle Versuche mich als treusorgender heterosexuelle Ehemann darzustellen scheiterten. Meinen inzwischen achtjährigen Sohn entzog man mir mehr und mehr, oft schlief er bei Oma. Einmal kam meine Frau von einer Firmenfete leicht alkoholisiert nach Hause, sie kam dann überraschenderweise wieder auf das Thema Crossdressing zu sprechen.

Sie wollte es doch dem Jungen zu Liebe noch mal versuchen und meinte dass sie versuchen will sich mit mir zu arrangieren. Plötzlich bat sie mich ich solle doch mal etwas anziehen, z.B. BH und Höschen
um mit mir Sex zu haben, sie wollte sehen wie sie damit zurechtkommt. Man kann sich vorstellen wie das bei mir ankam. Ich ging also in den Keller, suchte das Schönste was ich hatte raus und zog es an.
Mit zittrigen Knien kam ich zurück und stand voller Scham in Damenwäsche und Seiden Negligé vor meiner Frau. Wir gingen ins Schlafzimmer und hatten aus meiner Sicht den besten Sex seit Jahren, ich hatte niemals so ein schönes unbeschreibliches Gefühl vorher. Sie ließ mich auf meinem Wunsch hin in Dessous einschlafen.

Am nächsten Morgen kam die Ernüchterung, meine Frau sagte mir dass es zwar schön war gestern Abend, doch auf Dauer möchte sie keine Frau im Bett haben, denn die Frau ist sie im Hause und ich der Mann, sie ziehe ja schließlich auch keine Herrenunterwäsche an.
Es kam wie es kommen musste, unsere Ehe zerbrach und wir wurden geschieden. Scheidungsgrund war laut Gericht die hochgradige Perversion des Ehemannes der in Frauenkleidern und Unterwäsche Frau und Sohn drangsaliert was den beiden nicht zugemutet werden kann. Dem Ehepartner, also ich sei anzuraten mal einen Psychologen aufzusuchen der meine krankhafte Veranlagung behandeln sollte. Nichts davon entsprach der Wahrheit.

So, danach war ich einige Jahre allein mit meiner Kleidung, inzwischen hatte ich Kleider, Röcke, Blusen, High Heels usw. angeschafft und trug es abends und an Wochenenden. Dann lernte ich im Jahre 1995 meine heutige Frau kennen, erst lebten wir getrennt, kamen dann aber aus wirtschaftlichen Gründen auf die Idee zusammenzuziehen. Wir suchten uns eine schöne Wohnung
und zogen ein.
Meine Schatzkiste kam natürlich mit welche im Laufe der Zeit ziemlich schwer wurde. Natürlich kam auch hier die Frage auf was denn da drin sei, die hat ja ein Gewicht.

Ich antwortete ehrlich, da ist mein Geheimnis, mein zweites ich drin gab ich zur Antwort. Die Neugierde war natürlich groß und ich beschloss offen und ehrlich zu sein bevor ich noch länger
mit meinem Drang in Ausflüchte und Lügen verfalle.
Eine Woche nachdem wir nun in der Wohnung waren nahm ich mir vor meiner Verlobten, denn das waren wir inzwischen, reinen Wein einzuschenken. Ich begann über mich und mein Crossdressing zu erzählen, mir alles von der Seele zu reden und nicht mehr mit einer Lüge durchs Leben zu schleichen.

Viele Abende und Stunden haben wir alles besprochen, ich habe meine Schatzkiste geöffnet und all meine Sachen auf dem Bodenbelag ausgebreitet. Habe vor meiner Freundin jedes Stück angezogen wie bei einer Modenschau, habe alle Hemmungen fallen gelassen und fühlte mich zum ersten mal frei und ungezwungen. Ich schämte mich für jeden Büstenhalter, für jedes Spitzenhöschen welches ich anzog in ihrer Gegenwart zutiefst und war mehr und mehr überrascht wie mein Schatz das aufnahm. Durchweg positiv, natürlich, von dem einen oder anderem Stück könne ich mich ja mal trennen meinte sie nur.

Der Teufelskreis war gebrochen, ich war am Ziel! Von Stund an trug ich tagsüber unter meiner Kleidung Damenunterwäsche, zum Schlafen zog ich nur noch bügellose BH`s zum Halt der Sillis, Satinnachthemden, Spitzen-, oder Rüschenhöschen sowie Negligés an.
Im Jahre 2000 heirateten wir, am Polterabend nachdem alle Gäste gegangen waren, habe ich meine Frau dann letztmalig die Gelegenheit gegeben sich das noch mal zu überlegen, denn ich kann nicht ohne
mein Crossdressing leben und sie müsse sich darüber im Klaren sein dass ich den Rest meines Lebens Crossdresser bleiben muss und immer Tag für Tag Frauenkleidung tragen werde.
Dann ist es so sagte sie, da muss ich mit leben und kann es auch, nur versprich mir dass es niemand sonst erfährt und das Du nicht eine geschlechtsangleichende OP durchführen lässt.
Ich versprach es!
An unserer Hochzeit trugen wir beide unter unserer Braut und Bräutigam Kleidung Partnerlook, also klassisch weiße Spitzenunterwäsche mit Strapsen, Halterlosen und blauen Strapsband.

Heute trage ich täglich Kleider, Röcke und Blusen im Haus, trage immer zarte Wäsche und Strapse oder Strumpfhosen und brauche mich seit 18 Jahren nicht mehr verstecken.
Einmal im Jahr zu Karneval ziehe ich das gesamte Frauenprogramm wie Schminken, Perücke usw. durch und gehe mit meiner Frau zum Zug.

Das Crossdressing hat einen festen Platz in meinem Leben bekommen, es gehört zu mir und meiner Frau.

Das ist also meine Geschichte, ich darf und kann mit dem Verständnis meiner Frau anziehen was ich mag, die Kiste im Keller ist Vergangenheit, darin bewahren wir seit Jahren unseren Weihnachtsschmuck auf, heute habe ich einen Kleiderschrank für mich und meinen vielen, vielen Dessous und Kleidern nebst Blusen und Röcken.

Also Eva, bei mir stimmen die Verhältnisse weil ich von Anfang an in unserer Beziehung sofort ehrlich gestanden habe was unser Herrgott mit mir gemacht hat, eine Menschen der beide Geschlechter lebt aber nur weibliche Personen lieben kann und das stets im Frauenmodus.

Liebe Grüße
Doreen

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Re: Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.

Post 20 im Thema

Beitrag von sbsr » Fr 7. Dez 2018, 12:49

Anja hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 10:27
Was wäre z.B. im umgekehrten Fall, wenn eure Freundin / Frau keine Kinder bekommen könnte. Und sie nach 10 Jahren Ehe damit um die Ecke kommt, wenn ihr das Thema Kinderwunsch ansprecht? Und sie es von Anfang an gewusst hat. Fändet ihr das nicht fies?
Meine Frau hat mir nach mehr als 10 Jahren Ehe gesagt, dass sie keine Kinder will, obwohl ich seit Beginn unserer Beziehung den Wunsch geäußert habe. Trotzdem ist es ihre Entscheidung, ich kann sie schlecht dazu zwingen.

Ich finde solche Vergleiche immer ungünstig. Deshalb, auch wenn ich anfangs selbst der Meinung war es heimlich durchziehen zu können, alles was über hin und wieder mal zuhause einen Rock anziehen hinaus geht, sollte wenigstens die Partnerin wissen. Wo genau die Grenze liegt ist schwierig zu beziffern.
LG, Svenja

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evacampelli
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Re: Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.

Post 21 im Thema

Beitrag von evacampelli » Fr 7. Dez 2018, 13:15

Meine Güte, Deine Lebensgeschichte ist auch nicht ohne, Doreen!

Was soll ich sagen: Als wir geheiratet haben, das ist auch schon 35 Jahre her, hatte ich natürlich auch schon Erfahrungen mit Damenwäsche und Seidenstrümpfen gehabt. Das war zu der Zeit für mich aber (so dachte ich jedenfalls) ehr ein Mittel zur sexuellen Erregung. Ich war ganz fest der Meinung, wenn ich erstmal eine Frau und Familie habe hört das auf. Ich hab mich ja auch selber ein klein bisschen als "pervers" gesehen. Weil es eben in den frühen 80ern total unbekannt war. Es gab ja auch keinen Austausch wie heute, Internet usw.

In den ersten 5-8 Jahren war ich dann auch ziemlich weit davon entfernt mich als CD zu sehen oder zu betätigen. (Kinder, Beruf, ...)
Danach gab es dann eine Zeit die war hässlich und sehr anstrengend: Einerseits muss ich unbewusst gespürt haben, dass das tragen weiblicher Kleidung, der Ausdruck meiner Persönlichkeit in der weiblichen Form (ich formulier das meist so, nicht als weibliche Seite) für mich wichtig ist, andererseits hab ich das verdrängt und dann auf meine Frau transponiert. Das bedeutet, ich hab sehr deutlich und intensiv versucht meine Liebste dazu zu bringen Dessous, Röcke und MakeUp zu tragen. Sie ist aber ehr so wie Deine beiden Freundinen: Am liebsten Holzfällerhemd, Jeans, Turnschuhe. Das gab sehr lange Stress und heftigen Streit. Ich war zu der Zeit ziemlich eklig zu ihr und hab sie spüren lassen, dass ich sie mit ihrer "maskulinen" Art sich zu kleiden ablehne. Da haben wir uns emotional weit auseinander bewegt. Wir haben manchmal ein paar Tage kein Wort gesprochen weil sie sich beim Frisör einen gruseligen Kurzhaarschnitt hat verpassen lassen ("War doch auch billig, hat der Lehrling gemacht.")

Das ging wieder einige Jahre so und erst vor 10-12 Jahren habe ich in dieser Hinsicht aufgegeben und beigedreht. Das hat unser Eheleben dann nach einer Weile entspannt und vielleicht sogar gerttet. Schön finde ich das nicht, aber ich hab gelernt damit zu leben. Vielleicht auch weil ich in dem gleichen Zeitraum begonnen habe meiner Komponente "Eva" mehr und mehr freien Lauf zu lassen.

Ich hab inzwischen Lebensumstände (geschaffen) die es mir erlauben, mehrere Tage/Woche zumindest am Nachmittag und Abend, teilweise auch den ganzen Tag als Frau zu leben. Wie es mir dabei geht könnt Ihr Euch in dem Threat //Was macht Ihr gerade, was tragt ihr für ein Outfit// anschauen: Ich bin ziemlich glücklich und ausgeglichen damit.

So und jetzt kommt das Dilemma:

Einerseits möchte ich meiner Frau nicht die Gelegenheit unterschlagen mit diesem lebenslustigen Menschenteil Zeit zu verbringen.
Das ist eigentlich der einzige Grund warum ich über das Outing ernsthaft nachdenke. Das "Organisatorische" hab ich gelöst, ich brauch auch nicht mehr Zeit oder Freiraum.

Andererseits lese und höre ich viele Geschichten wie Deine, wo Beziehungen wegen eines Outings früher oder später scheitern. Das wäre für mich ein Desaster!
Wenn die Situation einträte, dass meine Liebste es (zähneknirschend) akzeptiert, aber ansonsten nichts mit Eva zu tun haben will, bringt uns das was?
Ist es das Risiko einer Trennung Wert, wo wir doch auch so im Moment gut klarkommen.

Es würde sich doch gar nichts ändern. Ja, ich hätte eine Ecke meines Lebens ausgeleuchtet, die bisher für sie im Dunklen lag.
Vertrauen aufbauen? Was kann ich denn wirklich an Vertrauen gewinnen oder verlieren, wenn ich sie doch seit Jahrzehnten im Unklaren gelassen habe?

Sorry, und mit solchen Sätzen wie:

"Aber einen Teil der eigenen Persönlichkeit dem Partner vorzuenthalten, finde ich, ist Betrug. Und wie im Forum ja schon häufiger zu lesen war, die betroffenen Partnerinnen auch."

kann ich nichts anfangen. Wenn ich mehrer Partnerschaften gehabt hätte, wäre das sicher ein Argument.
Aber ich bin meiner Frau, trotz großer Schwierigkeiten, immer treu gewesen. Was soll der implizite Vorwurf?
Ja, ich hab so gefragt: Ist das verwerflich? Also darf man das auch sagen.
Aber Betrug ist ein hartes Wort, das ärgert mich.

Musste jetzt mal alles raus.
Geht mir auch schon wieder besser, Danke für's zuhören (na ja lesen)

Grüsse in die bunte Welt )))(:
Eva

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Re: Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.

Post 22 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 7. Dez 2018, 13:57

Moinsen (moin)
evacampelli hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 13:15
Wenn die Situation einträte, dass meine Liebste es (zähneknirschend) akzeptiert, aber ansonsten nichts mit Eva zu tun haben will, bringt uns das was?
Ja, man wäre dann ehrlich zu seinem Partner. Auch wenn sie es nicht akzeptieren würde/könnte, so braucht man dann keine Angst vor Entdeckung haben oder man geriete nicht mehr in Erklärungsnot, falls die Partnerin mal einen Lippenstift oder ein Stück Wäsche findet.
evacampelli hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 13:15
Sorry, und mit solchen Sätzen wie:

"Aber einen Teil der eigenen Persönlichkeit dem Partner vorzuenthalten, finde ich, ist Betrug. Und wie im Forum ja schon häufiger zu lesen war, die betroffenen Partnerinnen auch."

kann ich nichts anfangen. Wenn ich mehrer Partnerschaften gehabt hätte, wäre das sicher ein Argument.
Aber ich bin meiner Frau, trotz großer Schwierigkeiten, immer treu gewesen. Was soll der implizite Vorwurf?
Ja, ich hab so gefragt: Ist das verwerflich? Also darf man das auch sagen.
Aber Betrug ist ein hartes Wort, das ärgert mich.
Dieses Wort stammt nicht von mir, sondern wurde von Partnerinnen diesbezüglich verwendet. Es ist ein hartes Wort. Aber ich finde durchaus gerechtfertigt.
Das kannst du anders sehen, aber frag mal (d)eine Frau :wink:

Grüße
die Anja
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Re: Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.

Post 23 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 7. Dez 2018, 13:59

evacampelli hat geschrieben:
Fr 7. Dez 2018, 13:15
Sorry, und mit solchen Sätzen wie:

"Aber einen Teil der eigenen Persönlichkeit dem Partner vorzuenthalten, finde ich, ist Betrug. Und wie im Forum ja schon häufiger zu lesen war, die betroffenen Partnerinnen auch."

kann ich nichts anfangen. Wenn ich mehrer Partnerschaften gehabt hätte, wäre das sicher ein Argument.
Aber ich bin meiner Frau, trotz großer Schwierigkeiten, immer treu gewesen. Was soll der implizite Vorwurf?
Ja, ich hab so gefragt: Ist das verwerflich? Also darf man das auch sagen.
Aber Betrug ist ein hartes Wort, das ärgert mich.
Hallo,

mich hat das damals auch echauffiert!

Aber es ist genau das, was viele Frauen empfinden ... und das hat rein gar nix mit Fremdgehen zu tun, sondern mit fremd sein! Da kannst Du Dich drüber ärgern, wie Du willst! Die Perspektive der Partnerin ist eben eine ganz andere .... ich habe das erst sehr viel später verstanden!

Das verheimlichen eines wichtigen Teils Deines Lebens wird eben oft auch als Hintergehen und Betrug empfunden.

Liebe Grüße
Vanessa
Mein Geschlecht entsteht in Deinem Kopf.

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Re: Outing oder Nicht-Outing, das ist hier die Frage.

Post 24 im Thema

Beitrag von evacampelli » Sa 8. Dez 2018, 10:22

Servus,
vielen Dank für Eure Beteiligung an der Diskussion. Die Ansichten sind ja sicher hier schon ganz oft und breit ausgetauscht worden.
Ich werd mich mal durch das Archiv wühlen...
Da es wohl nichts grundsätzlich Neues zu dem Thema gibt, und ich selber eben auch auf der Suche nach dem richtigen Weg bin, sag ich mal:
Ich meld mich wieder wenn es etwas zu berichten gibt, oder ich eine Frage an Euch habe.

Bis dahin
Eva

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