Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken
Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken - # 2

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Michaela_mit_a
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 16 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Do 19. Apr 2018, 13:37

Manchmal kommt es doch alles anders als man denkt.
Bisher habe ich nicht den Mut aufgebracht zur SHG zu gehen, auch wenn ich es mir mehrfach fest vorgenommen habe :-(

In den letzten drei Monaten habe ich mich über alle Regeln hinweggesetzt und mich selbst mit Hormonen und Blockern versorgt.
Ja, ich weiß, dass ist alles andere als OK und birgt ein großes Risiko. Dennoch ist es so.

Mir selbst geht es dabei sehr gut. Ich fühle mich körperlich gut und mental ruhiger, ausgeglichener.
Leider ist der Brustaufbau schneller vorangeschritten als erhofft (ja, worum geht es auch) und ich bekomme in den nächsten Wochen und Monaten ein Problem mit dem verstecken der neuen Oberweite. Nicht das sie sonderlich groß wäre (AAA bis AA), aber sie ist eben sichtbar.

So habe ich erneut allen Mut zusammengenommen und eine Therapeutin gefunden, die mich zu einem Erstgespräch einlädt.
Ein Termin ist leider noch nicht absehbar, da anscheinend alle gut ausgebucht sind, aber ich hoffe, dass damit der Grundstein für eine dauerhafte Betreuung gelegt werden kann.

Schaue ich nicht auf mich allein, macht mir die Entwicklung unendlich große Angst in Bezug auf meine Familie.
Ein für mich wichtiger und einer der ersten Punkte, die ich besprechen möchte, ist meine Frau mit ins Bot zu bekommen und richtig abzuholen.

Nun hoffe ich auf einen schnellen Termin und das meine Frau weiter zu mir steht. (flo)
LG, Michaela

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 17 im Thema

Beitrag von sabine_allein » So 21. Okt 2018, 01:33

hallo michaela, befinde mich in einer ähnlichen situation und würde gerne wissen wie es bei dir momentan steht
ich würde ebenfalls sehr gerne mit hormonen anfangen und bräuchte deshalb rat

Michelle_Engelhardt
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 18 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » So 21. Okt 2018, 14:21

Letzte Aktivität:Di 24. Apr 2018, 13:17

Ich würde da jetzt nicht unbedingt auf eine zeitnahe Antwort hoffen.

LG
Michelle
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir ´ne PN!

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Lydia64
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 19 im Thema

Beitrag von Lydia64 » So 21. Okt 2018, 15:29

Hallo Michaela,
mir ging es vor einigen Jahren nicht viel anders. Meine Ehe und der Kontakt zu meinen Kindern ging dabei leider ganz verloren.
Du nimmst Hormone ohne mal in einer Selbsthilfegruppe gewesen zu sein?
Bitte spiele nicht mit deiner Gesundheit, denke die Risiken sind dir alle Bewusst.
Lebst du deine Weiblichkeit denn auch öffentlich aus, gehst du als Frau ohne großes Aufsehen zu erregen den durch oder wie lebst du jetzt?
Vielleicht würde ich an deiner Stelle mal überlegen,
ob ich den Antrag auf Vornamens- und Personenstandsänderung
bei deinem zuständigen Amtsgericht stellen würde.
Damit bringst du den Stein auch ins Rollen.

Ich wünsche dir viel Glück auf deinem Weg!

Liebe Grüße
Lydia

Michaela_mit_a
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 20 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Mo 25. Mär 2019, 13:36

Die letzten Monate waren nicht einfach für mich. Im Dezember habe ich meine Selbstmedikation abgebrochen und auf einen Therapieplatz gewartet.
Nun scheint es soweit zu sein und im nächsten Monat startet meine Therapie.

Ich bin unendlich nervös, ängstlich und trotzdem erfreut und aufgeregt.
Eine letzte Hürde für mich: Eine Überweisung meines Hausarztes :-/

LG, Michaela

Keks-Marie
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 21 im Thema

Beitrag von Keks-Marie » Mo 25. Mär 2019, 16:29

Hallo Michaela,

schön das du offiziell einen Schritt weiter gekommen bist.
Nachdem ich deinen einleitenden Beitrag in diesem Thread gelesen habe stellt sich mir die Frage wie deine Frau denn aktuell zu dir steht?
Hat sie ihre endgültige Einstellung überdacht?

Würde mich freuen weiterhin von dir zu lesen.
Ich habe selber erst mit der Therapie angefangen. Vor Selbstmedikation habe ich bisher einen Bogen gemacht, weil ich Angst habe ohne vorherige Untersuchung einen "Schaden" anzurichten den ich bereuen könnte. Das Gefühl der tickenden Uhr kenne ich jedoch sehr gut.


Liebe Grüße

Marie
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 22 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Di 26. Mär 2019, 10:42

Seitens meiner Frau gibt es keine Neuigkeiten. Wir leben das Leben wie es ist und das Thema ist in der Zwischenzeit nicht auf dem Tisch gewesen.
Je nachdem wie es jetzt mit der Therapie weitergeht, wird sich das sicherlich ändern.
Ich werde weiter berichten.

LG, Michaela

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 23 im Thema

Beitrag von Keks-Marie » Di 26. Mär 2019, 11:14

Wünsche dir dafür alles Gute! (flo)
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Ulrike-Marisa
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 24 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Di 26. Mär 2019, 11:38

Hallo Michaela,

...gib dir einen Ruck, überwinde den inneren Schweinehund und komme doch mal zur Selbsthilfegruppe in Flensburg, wenn es dir überhaupt in deiner persönlichen Situation möglich ist.
Das ist eine Nette Runde von Betroffenen aus verschiedener Richtung und alles bleibt im Raum, was gesprochen wird. Ich bin schon seit Jahren dabei und meine Frau weiß das...

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 25 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Do 4. Apr 2019, 15:49

Vielen Dank für die erneute Einladung :-)
Noch bin ich nicht soweit, dass ich mich in eine Runde traue, aber vielleicht kommt das irgendwann.

Mein erstes Gespräch mit meiner Therapeutin war sehr angenehm und vielversprechend.
Was besonders schön ist, dass ich ab jetzt in einer dauerhaften Therapie mein Ich aufarbeiten kann.

Ich freue mich schon wahnsinnig auf die nächsten Sitzungen :-)

LG, Michaela

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 26 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Mo 6. Mai 2019, 14:42

Es ist schon wieder etwas Zeit vergangen und so viele Dinge sind passiert.
Ein paar positive, aber der größere Teil ist leider negativ :-(

Meine ersten Therapiesitzungen waren sehr angenehm.
Endlich kann ich mich jemandem öffnen, der im Umgang mit dem "Thema Trans*" versiert ist und mir die letzten Jahrzehnte von der Seele reden.
Das tut sehr gut.
Leider gibt es aber auch Schattenseiten.
Nachdem ich intensive Gespräche mit meiner Frau hatte, steht fest, dass ich ausziehen muss :´-(
Wir sind trotz aller Emotionen und Schmerz sehr konstruktiv in der Gestaltung unserer Zukunft, nur wird die nicht unter einem Dach sein, was mich sehr traurig macht.

Einerseits gibt es mir den Raum mich in den eigenen vier Wänden zu verwirklichen, mich auf die Therapie vorzubereiten und das Frausein zu leben, andererseits bedeutet das die Trennung vom Alltag mit meiner Frau und meinen Kindern.

Wir überlegen noch unser gemeinsames Vorgehen und wann wir unsere Kinder einweihen, die Familie, Freunde, Kollegen und Nachbarn.
Es wird sicher in Schritten passieren, aber es wird nicht mehr lange dauern, bis alle Bescheid wissen.
Auch wenn mir vor dem Moment sehr mulmig ist, glaube ich, dass mir durch das Coming-Out eine weitere Last von den Schultern genommen wird.

Bei all den Zweifeln und Ängsten ist eines für mich allerdings klar und wird immer sicherer, dass meine Zukunft als Frau auch nach außen hin sichtbar sein soll und die Unterdrückung und das Versteckspiel endlich enden muss.

Ich hoffe die emotionalen, körperlichen und finanziellen Auswirkungen alle meistern zu können und weiß, in meiner Frau, wenn auch aus der Distanz, eine Unterstützerin zu haben.
Das ist mit eine Menge Wert und dafür bin ich bisher sehr dankbar.

Meine Hoffnung ist nun, dass wir die nächsten Wochen gemeinsam so gut überstehen, dass wir auch zukünftig als Team für unsere Kinder da sein können.

LG, Michaela

PS: Wer mir eine/n Trans-erfahrene/n Endokrinologin/en im nördlichen Schleswig-Holstein empfehlen kann ist hiermit eingeladen mir zu schreiben :-)

Joe95
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 27 im Thema

Beitrag von Joe95 » Mo 6. Mai 2019, 16:04

Ich wünsche euch allen viel Glück und genug Kraft alles zu meistern.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...

Michaela_mit_a
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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 28 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Mo 13. Mai 2019, 11:54

In kleinen Schritten öffnen wir (meine Frau und ich) uns nun nach außen und erklären den ersten Verwandten und Freunden von meiner Transidentität.
Wir haben die Kinder (Mädchen, 6 & 9) gestern eingeweiht, was emotional der bisher größte Brocken für mich war :-(
Damit die beiden Süßen nicht unter dem Druck leiden etwas verheimlichen zu müssen, haben wir die Betreuerin im Kindergarten und die Klassenlehrerin informiert.
Beide kennen ich und meine Frau sehr gut und wissen das diese damit sensibel umgehen können.
Dennoch ist damit der "Damm gebrochen" und zu glauben, dass sich das kontrolliert steuern lässt, ist nur noch eine Illusion.
Egal, es muss eh sein, daher werden wir weitermachen und Stück für Stück eröffnen, dass Familie und Freunde eigentlich unwissend seit Jahren mit einer Frau zu tun haben.
Fühlt sich surreal an das so auszuschreiben, schwerer noch auszusprechen, denn das war über 30 Jahre das "no-go"!

Heute früh hat meine Frau mit meinen Eltern gesprochen (ich konnte es nicht), die das sehr gefasst aufgenommen haben.
Sie sorgen sich um mich, was einerseits gut tut, andererseits mir die Bürde auferlegt, für noch mehr Sorgen anderer verantwortlich zu sein :-(
Ich wollte gern, dass meine Frau ihnen ein Buch mit überreicht ("Anne wird Tom - Klaus wird Lara"), um die ersten Fragen, das Kopfkino, die Bedenken und Schubladen ein bisschen zu beantworten, lenken und zu sortieren. Ich hoffe es hilft.

Das gleiche Buch werde ich meinen Schwestern, Freunden und engen Kollegen überreichen, wenn ich ihnen erzähle, dass es sein könnte, dass sich zukünftig etwas optisch an mir ändern wird. Und das ich hoffe, dass ich keinen von ihnen verliere. (Drücke die Daumen.)

Heute ist mir den ganzen Tag schon merkwürdig flau und ich hoffe die nächsten Wochen einigermaßen zu überstehen, ohne viele Menschen um mich herum zu sehr zu verschrecken.

LG, Michaela

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 29 im Thema

Beitrag von Anja » Mo 13. Mai 2019, 14:37

Moinsen,
Michaela_mit_a hat geschrieben:
Mo 6. Mai 2019, 14:42
Nachdem ich intensive Gespräche mit meiner Frau hatte, steht fest, dass ich ausziehen muss
Ich hoffe für euch und die Kids, dass das noch nicht ganz in Stein gemeißelt ist. Das Leben als Frau unterscheidet sich noch mal ziemlich von dem Leben als Teilzeitfrau.
Ich hatte mich von einem weiblichen "Extrem" zu einer (weitestgehend) normalen Frau weiterentwickelt.
An unserem Zusammenleben hat sich eigentlich kaum etwas verändert. Ich nehme nun als Väterin meine sozialen Aufgaben genauso wahr wie vorher auch. Mein Geschlecht spielt im Alltag keine Rolle mehr. Das war vorher ganz anders. Ausreden erfinden, das stundenlange Zurechtmachen, das Weggehen (damit die Nachbarn mich nicht sehen)... Das Leben ist wesentlich einfacher geworden, als es vorher als Teilzeitfrau war.
Ich brauchte schon ein paar Monate, bis sich mein neues Leben halbwegs eingetaktet hatte. Wann mache ich was, damit ich unterm Strich vorzeigbar unter die Leute kann? Für meine Haare brauche ich ca. ne Stunde im Bad, das wäre morgens bei mir von der Zeit her garnicht drin.
Das Rasieren war auch ein nerviger Punkt da bin ich jetzt dank Epilierer schon zwei Jahre von weg...
Die Veränderungen finden sehr langsam statt. Die Haare wachsen langsm. Die Hormone wirken nicht von heut auf morgen. Es wäre Zeit vorhanden, sich an die neue Situation zu gewöhnen.
Du hattest nicht explizit erwähnt, warum deine Frau den Auszug verlangt. Aber ich finde, allein wegen eurer Mädels, wäre es doch einen Versuch wert. Ausziehen kannst du immer noch.
Aber vielleicht wird es ja auch garnicht so "schlimm" wie deine Frau es sich anfangs gedacht hat? Bei uns war es jedenfalls so. Natürlich gibt es in der Übergangszeit Turbolenzen. Aber die Wellen legen sich dann auch schnell wieder.
Ich hätte mir es jedenfalls auch nicht so normal vorgestellt. Aber wenn man nach einiger Zeit im neuen Leben angekommen ist, stellt sich, wie bei jeder anderen Frau auch, der Alltag ein.
Und gerade mit kleinen Kindern stehen so viele Aufgaben an. Ich weiß wovon ich rede. Da stößt man manchmal schon zu zweit an seine Grenzen... Wie soll das werden, wenn die Papa nicht mehr zu Hause wohnt?
Aufgrund meiner Erfahrung (ich begann mein Leben als Frau während der zweiten Schwangerschaft), kann ich euch beiden nur raten, den Auszug hinauszuschieben, bis es wirklich nicht mehr anders geht.
Euren Kindern zuliebe. Euch zuliebe. Das ist es wert!

Es gab auch eine Zeit, in der meine Frau sich nicht vorstellen konnte, mir mir zusammen rauszugehen. An der Haustür war sozusagen Schluss. Nun leben wir schon über 3 Jahre als Frauen zusammen. Es ist nicht unmöglich.
Wie gesagt, ausziehen kannst du jederzeit. Vielleicht kannst du ja einen Aufschub aushandeln.

Ich bin gespannt wie es bei dir weitergeht.
Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute und das ihr Gemeinsam doch noch einen Weg findet.

Grüße
die Anja
'ne Gerade-aus-Maus, kein Tussimodell

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Re: Vater, Ehemann und Transfrau? Mein Leben, meine Gedanken

Post 30 im Thema

Beitrag von Michaela_mit_a » Mo 13. Mai 2019, 15:33

Vielen Dank für die aufmunternden Worte und den Einblick, wie es anders laufen kann.
Ich fürchte nur, dass das zumindest zur Zeit für meine Frau nicht in Frage kommt.
Sie ist sehr unterstützend, sehr verständnisvoll, aber auch bei vielen Optionen die wir diskutiert haben für sich sicher, dass sie nicht mit mit als (Trans)Frau zusammen in einem Haushalt leben möchte.

Sie hätte mich schon gern in der Nähe, für die Kinder. So diskutieren wir das Haus so aufzuteilen, dass eine Einliegerwohnung entsteht.
Doch bis die fertig wäre, müsste ich "raus". Vielleicht ist für sie im Moment jeder Blick auf mich eine schmerzhafte Erinnerung ... vielleicht ist das ihr Weg es zu verarbeiten.
Ich bin mir an dem Punkt an dem ich stehe nicht sicher, ob ich mich uneingeschränkt entwickeln könnte, würde ich im gleichen Haushalt leben, jetzt wo ich mich damit arrangiert habe ausziehen zu müssen.
Auf der anderen Straßenseite, ein Haus weiter, super, aber Zimmer an Zimmer unter den Vorzeichen, dass sie eigentlich nichts davon mitbekommen will?

Ich habe das Gefühl auch jetzt schon ihr und den Kindern zu viel zuzumuten.
Wie soll das erst sein, wenn ich eine "Tras-Pubertät" durchlaufe um die Entwicklung der letzten Jahre aufzuholen, um herauszufinden wie mein eigentliches ich auftreten wird, um endlich bei mir anzukommen?

Ob das mit "angezogener Handbremse" und dem Balast der alltäglich Schuld gehen würde?
Ich bin mir nicht sicher ...

LG, Michaela

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