Wie erkläre ich es meinen Eltern?
Wie erkläre ich es meinen Eltern? - # 2

Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte
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Michelle_Engelhardt
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 16 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Sa 8. Apr 2017, 09:35

Es nützt jedem, der nicht mit einer Lüge leben möchte!

LG
Michelle
Der Hirntod bleibt ja bei einigen jahrelang unbemerkt.

Lina
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 17 im Thema

Beitrag von Lina » Mo 10. Apr 2017, 23:22

Michelle_Engelhardt hat geschrieben:
Sa 8. Apr 2017, 09:35
Es nützt jedem, der nicht mit einer Lüge leben möchte!

LG
Michelle
Die Aussage ist aber zu wage. Was ist eine Lüge für dich? Du selektierst doch immer die Information, die du an andere weiter gibst und findest das völlig OK, was es auch ist. Was soll hier anders sein?

Also bezieht sich die Frage "wem nützt es" darauf, wie ist es in dieser Situation sinnvoll die Information zu selektieren, die man gerade an diese bestimmten Personen weiter gibt. Was will man damit erreichen - mit anderen Worten was ist zielführend an Info weiter zu geben.

Wenn ich z.B. meinem Vater gesagt hätte, "hör mal Dad, ich habe eigentlich nie die Gender-Rolle akzeptiert, die man für mich vorgesehen hat. Ich habe zwar gelernt zu kämpfen, weil es notwendig ist, aber meine Vorbilder waren immer vielmehr die Frauen in meinen Umgebungen und deshalb bin ich auch in vieler Hinsicht wie die und zeige mich auch in der Frauen-Rolle in vielen Zusammenhängen." Super, da hast du sie - deine offene Wahrheit. Wem hätte das genützt? Der hätte es ja eh nicht verstanden. Der hat ja nicht mal verstanden, was ich sonst im Leben mache, womit ich Arbeite, was für Projekte ich sonst laufen habe, genau wie er nicht akzeptiert hat, nicht mal als ich ein kleines Kind war, dass ich vor Dinge Angst haben konnte, vor denen er keine Angst hatte.

Was hätte das denn gebracht, sich ihm gegenüber ein coming out zu versuchen. Dann könnte ich doch genau so gut versuchen mit unserer Katze Schach zu spielen. Das hätte vielleicht sogar Spaß gemacht, weil die Katze wahrscheinlich bemüht gewesen wäre mir von ihren eigenen inkonventionellen Regeln zu überzeugen, eher als die offiziellen zu begreifen. Aber meinem Vater etwas von mir anzuvertrauen, was weit über etwas hinausgeht was er auch nicht begreift, WEM sollte das was nützen?

Nur so als Beispiel.

Michelle_Engelhardt
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 18 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt » Di 11. Apr 2017, 06:02

Ich glaube wir müssen hier die unterschiedlichen Situationen berücksichtigen. Wenn jemand 24/7 Frau ist, wird sie auf lange Sicht kaum Willens und in der Lage sein, beim Besuch der Eltern den vermeintlichen Sohn zu geben. Oftmals haben diese Menschen viel zu lange eine Rolle gespielt, unter der sie gelitten haben und die sie nun für immer ablegen wollen....auch und gerade bei den Eltern. "Freizeitfrauen" (sorry für den bescheuerten Begriff, ab mir fiel nix besseres ein) sind da sicherlich in einer anderen Situation.

Nur mal so als Beispiel :wink:
Der Hirntod bleibt ja bei einigen jahrelang unbemerkt.

VanessaL
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 19 im Thema

Beitrag von VanessaL » Di 11. Apr 2017, 10:48

Hallo ihr Lieben,

ich habe hier ein bisschen reingelesen und stelle fest, dass die Frage eigentlich eine anderer ist ... oder besser, sich erweitert hat: wie ist die Beziehung zu meinem Gegenüber? In diesem Fall den Eltern. Geht es den anderen überhaupt etwas an - ist er (noch) wichtiger Teil meines Lebens?
Wenn nein, hängt es auch von meiner psychischen Abhängigkeit von dieser Person ab. Dann kann es sein, dass ich mich "outen muss" um meine Stärke zu demonstrieren oder ich mich "outen will", um den anderen zu verletzen ... beides aber eher aus einem inneren Zwang heraus ....
Wenn mir der Gegenüber wichtig ist, werde ich mich outen wollen, auch weil es um Zuneigung, Geborgenheit und Vertrauen geht .... hier sind dann Unsicherheit und Verlustängste (wieder) die üblichen Hinderungsgründe ...

Auch, wenn es einem selber immer wieder schwer fällt, ist der direkte Weg meiner Meinung nach der Richtige ....

... ich gehe dann mal wieder ins Glashaus ...

Liebe Grüße
VanessaL

Atalanta
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 20 im Thema

Beitrag von Atalanta » Di 11. Apr 2017, 23:05

Danke zwischendurch Euch allen für schöne Gedanken, die ich sammele und dann irgendwann bald gesammelt kommentiere.


Hallo Kerstin
Kerstin hat geschrieben:
Fr 7. Apr 2017, 22:34
Atalanta hat geschrieben:
Mi 5. Apr 2017, 09:56

Ich stehe also vor der Frage, ob, wann und wie ich mich outen sollte.
Ich möchte dir mit meiner Lieblingsfrage antworten: "Wem nützt es?"
Mir, weil ich meinen größten Stein bei der Transition aus dem Weg räume. Und weil sie es von mir gezielt und überlegt erführen, nicht zufällig und womöglich falsch über Dritte.

Ob es wiederum meinen Eltern nützt oder schadet, ist ja eben das, was ich nicht beurteilen kann.
davon abgewandelt:"Was versprichst du dir davon dies zu tun?"
Wie gesagt, mein größter Stein bei der Transition ist die nicht absehbare Reaktion meiner Eltern.
Im besten Fall verspreche ich mir Unterstützung und Akzeptanz.
Schön wäre wenigstens, wenn sie es akzeptieren können, ggf. mit Einschränkung "Wir verstehen nicht, warum usw., aber du bist unser Kind."

Im schlechtesten Fall "verspreche" ich mir das gänzliche Ende einer sehr guten Eltern-Kind-Beziehung. Damit hätte ich große Probleme, da ich mich ihnen verpflichtet fühle.
Außerdem weiß ich nicht, ob es ihr Alter vergällen würde.
Und die Beziehung zu meinen Geschwistern?

oder: "Was ist dein Ziel?"
Die Transition.
Ich habe zu ca 80% ein soziales Leben als Frau, bin als solche auch öffentlich in Erscheinung und anerkannt.
Der Rest und das Berufliche ist, was noch in männlicher Form über die Bühne geht.
Ich möchte aber weitergehen auf dem Weg. ich bin nicht mehr die Jüngste, statistisch im Übergang vom zweiten zum letzten Lebensdrittel.
Wenn du dir diese Fragen eindeutig und sicher beantworten kannst weist du auch die Antwort auf deine Frage.
Wie meinst Du ergäbe sich daraus eine Antwort, für die Frage "ob, wann und wie ich mich outen sollte"?

Ich hoffe, dass ich aus den gesammelten Geschichten eher für mich Rat oder wenigstens Anregung ziehen kann, was denkbar oder möglich ist.

Herzliche Grüße
Atalanta

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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 21 im Thema

Beitrag von lilijana » Mi 12. Apr 2017, 04:31

Hallo Atalanta,

sehr analytische und rationale Betrachtungsweise die du zur Beantwortung deiner Fragestellung da heranziehst.

Wie würde dein Herz entscheiden?

Grüße
Lilijana
Manche Menschen brauchen lange, bis sie geboren wurden.

Lina
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 22 im Thema

Beitrag von Lina » Mi 12. Apr 2017, 17:35

@Atalanta
Wie gesagt, mein größter Stein bei der Transition ist die nicht absehbare Reaktion meiner Eltern.
Im besten Fall verspreche ich mir Unterstützung und Akzeptanz.
Schön wäre wenigstens, wenn sie es akzeptieren können, ggf. mit Einschränkung "Wir verstehen nicht, warum usw., aber du bist unser Kind."


Ich verstehe, was du meinst. Aber egal, was ihre Haltung dazu ist, wird es ja nichts an deinem Handeln ändern.
Es ist dann auch ihre eigene Offenheit, die dafür entscheidend ist, wieviel du sie daran Teil haben lässt.

dooris
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 23 im Thema

Beitrag von dooris » Mi 12. Apr 2017, 20:10

Hallo ihr Lieben,

ich komme vom Thema nicht weg.
Meine Mutter war die Erste die bemerkte, das ich Strumpfhosen meiner Schwester anzog, da war ich gerade 6 oder 7 Jahre alt.
Solange ich Zuhause wohnte, kam es öfter vor, das sie mich erwischte, oder Sachen bei mir im Zimmer fand. Irgendwann erlaubte sie mir Strumpfhosen zu tragen.
Da war ich vielleicht 11 oder 12 Jahre. Heute kommt sie zu uns zu Besuch, und ich trage nicht nur meine geliebten Strumpfhosen.
Vor meinem Vater kann ich mich nicht mehr outen, da er vor 5 Jahren gestorben ist, und meiner Mutter, was soll ich ihr erzählen.
Ich glaube in meinem Fall brauche ich mich nicht groß outen.
Sie lächelt höchstens noch, wenn ich zu ihr in eindeutigen Frauensachen zu Besuch bin. Aber sie freut sich, das ich zu Besuch komme, wie, ist ihr glaube ich sogar egal.
Mama weiss, das meine Kabel nicht richtig verlötet sind.

P.S.: Liebe Kerstin, wenn deine Eltern schon früher mitbekommen haben, das du lieber Frau wärst, ist es halb so schwer. Mama vergisst sowas nicht.

Liebe Grüße
Doris

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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 24 im Thema

Beitrag von Atalanta » Mi 19. Apr 2017, 07:54

lilijana hat geschrieben:
Mi 12. Apr 2017, 04:31
Hallo Atalanta,

sehr analytische und rationale Betrachtungsweise die du zur Beantwortung deiner Fragestellung da heranziehst.

Wie würde dein Herz entscheiden?

Grüße
Lilijana
Hallo Lilijana,

ich kann trenne Herz und Verstand da nicht trennen. Ich habe Gefühle für mich und meine Eltern. Ich kann auch Argumente für und wider erwägen.
Und komme bislang zu keiner Entscheidung ...

LG

Atalanta

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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 25 im Thema

Beitrag von Atalanta » Mi 19. Apr 2017, 08:05

dooris hat geschrieben:
Mi 12. Apr 2017, 20:10
Meine Mutter war die Erste die bemerkte, das ich Strumpfhosen meiner Schwester anzog, da war ich gerade 6 oder 7 Jahre alt.
Solange ich Zuhause wohnte, kam es öfter vor, das sie mich erwischte, oder Sachen bei mir im Zimmer fand. Irgendwann erlaubte sie mir Strumpfhosen zu tragen.
Da war ich vielleicht 11 oder 12 Jahre. Heute kommt sie zu uns zu Besuch, und ich trage nicht nur meine geliebten Strumpfhosen.
Vor meinem Vater kann ich mich nicht mehr outen, da er vor 5 Jahren gestorben ist, und meiner Mutter, was soll ich ihr erzählen.
Ich glaube in meinem Fall brauche ich mich nicht groß outen.
Sie lächelt höchstens noch, wenn ich zu ihr in eindeutigen Frauensachen zu Besuch bin. Aber sie freut sich, das ich zu Besuch komme, wie, ist ihr glaube ich sogar egal.
Mama weiss, das meine Kabel nicht richtig verlötet sind.
Hallo Doris,

also, was Strumpfhosen angeht, ist das schon kein Problem: Als ich aufgrund einer Krebserkrankung (inzw. wohl gänzlich wegbehandelt (ap) ) ständig fror, empfahl mir meine Mutter die selbst. Ich habe dem allerdings auch etwas Vorschub gegeben, indem ich sagte, dass mir an den Beinen besonders kalt sei (smili) . War nicht einmal eine Lüge, sondern nur eine leichte Übertreibung.

Ich glaube, meine Alten hätten schon massiv Probleme, wenn ich nur im Sommer mal Röcke anzöge.
Und noch viel mehr, wenn ich mich als TS oute.

Es stehen aber irgendwann weitere Schritte bevor.

Es wäre keine Frage, wenn ich homosexuell wäre, da sie das akzeptieren gelernt haben.


LG
Atalanta

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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 26 im Thema

Beitrag von MichiWell » Mi 19. Apr 2017, 10:56

Hallo Atalanta,

nach dem ich schon mehrmals gedanklich Anlauf zu deiner Frage genommen hatte, scheint es jetzt zu klappen.
Ich habe mich vor fast genau meinen Eltern anvertraut, und dass, obwohl ich zuvor starke Bedenken und Ängste hatte.

Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass ich gewissermaßen in einer Zwangslage war, und die Flucht nach vorn angetreten habe.
Ich war wegen Problemen mit Kreislauf und Blutdruck beim Hausarzt, und wurde von dort kurzerhand per Rettungswagen mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus eingewiesen. Da brauchte ich natürlich Kleidung, Waschzeug und so, aber ich wollte nicht, dass meine Eltern beim Öffnen meiner Schränke überraschend Dinge sehen, die Fragen aufwerfen, auf die sie sich dann irgendwas schlimmes und wirres zusammen reimen. Also habe ich sie erst mal zu mir bestellt, mich mit ihnen raus auf eine Bank gesetzt, und ihnen in Ruhe erklärt, was Sache ist. Mein Vater, vor dessen Reaktion ich mehr Bammel hatte, hat ruhig zugehört und ganz toll reagiert. Meine Mutter war eher skeptisch, leicht distanziert, und hat sich dann meinem Vater angeschlossen, als der sagte, dass ich trotz allem immer ihr Kind bleibe.

In der Zwischenzeit haben wir zwar nicht wieder darüber gesprochen, und ich weiß auch nicht, ob und was sich meine Mutter in einen Schränken so alles angeschaut hat. Aber wir haben seit dem ein viel entspannteres Verhältnis. Davor war es immer irgendwie schwierig, denn obwohl ich meine Eltern sehr liebe, stand eben etwas zwischen uns, und ich war ständig damit beschäftigt, es zu verbergen, mich bloß nicht irgendwie zu verraten. Viele von uns wissen ja, wie anstrengend das auf Dauer ist.

Ich hoffe, ich konnte dir oder auch anderen mit meiner persönlichen Erfahrung irgendwie weiterhelfen.


Liebe Grüße
Michi
Ich will nicht in Würde alt werden,ich weiß ja noch nicht mal wo das liegt! :D

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie. (Aldous Huxley)

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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 27 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Mi 19. Apr 2017, 11:49

Atalanta hat geschrieben:
Mi 19. Apr 2017, 08:05


Es wäre keine Frage, wenn ich homosexuell wäre, da sie das akzeptieren gelernt haben.


LG
Atalanta
Bist du dir dessen sicher?
Ich kenne einige Leute für die Homosexualität kein Problem ist, bzw. war. So lang bis sie plötzlich persönlich im Bekanntenkreis oder Verwandtenkreis selbst betroffen waren.
Für meinen Bruder war vor ein paar Jahren TS etwas ganz normales, er ist Psychotherapeut, O Gott, plötzlich war alles anders, der eigene Bruder, (Schwester) betroffen.die eigene Familie.... Todsünde....
Gott sei Dank ist mittlerweile alles OK.

Gruß Tatjana

MichiWell
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 28 im Thema

Beitrag von MichiWell » Mi 19. Apr 2017, 12:36

Hallo Tatjana,

da sprichst du einen wichtigen Punkt an. Wenn es in der "eigenen Sippe" passiert, dann zeigt sich,
wie weit die Menschen tatsächlich sind, der große Unterschied zwischen Toleranz (bloßer Duldung) und Akzeptanz (wirklicher Annahme).

Man kann einen fremden, räudigen Hund dulden, aber nicht Menschen, mit denen man sich auf Augenhöhe bewegt.
Diese muss(!) man annehmen. Nur Akzeptanz kann dauerhaft funktionieren.

Dazu habe ich auch ein sehr passendes Zitat - vielleicht für manche überrraschend - von Johann Wolfgang von Goethe:

"Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."
Ich will nicht in Würde alt werden,ich weiß ja noch nicht mal wo das liegt! :D

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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 29 im Thema

Beitrag von ab08 » Mi 19. Apr 2017, 13:16

Hallo meine Lieben,

zu obigem Aspekt:
Im Dezember heiratete ja meine Jüngste -> Schwiegersohn und Schwiegereltern hatten / haben keine Probleme damit.
Bei meiner jüngsten Tochter ( "Was denkt die Umgebung?") ist das nach wie vor leider anders...
Es hängt halt immer auch von der betreffenden Person und ihrer persönlichen Einstellung zum Leben ab... :oops:

Liebe Grüße
Andrea )))(:
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz

Atalanta
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 30 im Thema

Beitrag von Atalanta » Fr 21. Apr 2017, 09:44

MichiWell hat geschrieben:
Mi 19. Apr 2017, 10:56
Hallo Atalanta,

nach dem ich schon mehrmals gedanklich Anlauf zu deiner Frage genommen hatte, scheint es jetzt zu klappen.
Ich habe mich vor fast genau meinen Eltern anvertraut, und dass, obwohl ich zuvor starke Bedenken und Ängste hatte.

Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass ich gewissermaßen in einer Zwangslage war, und die Flucht nach vorn angetreten habe.
Ich war wegen Problemen mit Kreislauf und Blutdruck beim Hausarzt, und wurde von dort kurzerhand per Rettungswagen mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus eingewiesen. Da brauchte ich natürlich Kleidung, Waschzeug und so, aber ich wollte nicht, dass meine Eltern beim Öffnen meiner Schränke überraschend Dinge sehen, die Fragen aufwerfen, auf die sie sich dann irgendwas schlimmes und wirres zusammen reimen. Also habe ich sie erst mal zu mir bestellt, mich mit ihnen raus auf eine Bank gesetzt, und ihnen in Ruhe erklärt, was Sache ist. Mein Vater, vor dessen Reaktion ich mehr Bammel hatte, hat ruhig zugehört und ganz toll reagiert. Meine Mutter war eher skeptisch, leicht distanziert, und hat sich dann meinem Vater angeschlossen, als der sagte, dass ich trotz allem immer ihr Kind bleibe.

In der Zwischenzeit haben wir zwar nicht wieder darüber gesprochen, und ich weiß auch nicht, ob und was sich meine Mutter in einen Schränken so alles angeschaut hat. Aber wir haben seit dem ein viel entspannteres Verhältnis. Davor war es immer irgendwie schwierig, denn obwohl ich meine Eltern sehr liebe, stand eben etwas zwischen uns, und ich war ständig damit beschäftigt, es zu verbergen, mich bloß nicht irgendwie zu verraten. Viele von uns wissen ja, wie anstrengend das auf Dauer ist.

Ich hoffe, ich konnte dir oder auch anderen mit meiner persönlichen Erfahrung irgendwie weiterhelfen.
Danke, Michi!
Sicher, so eine Situation wie Du sie er- (und glücklicherweise über)lebt hast, wäre eine Art positive "Brechstange". :)
Nun leben meine Alten eine Tagesreise (egal mit welchem Verkehrsmittel) entfernt, von mir aus gesehen in einem anderen Land. Ich kann nur selten da sein, wir haben aber ständig Telefonkontakt. Und eine wichtige Sache über's Telefon zu berichten oder rein schriftlich per altmodischem Brief oder E-mail - nein, ich muss Menschen sehen können, um die Reaktionen evtl. abfangen zu können!

Als ich schwer erkrankte (Krebs), aber mit nur wenigen äußeren Problemen, wäre das eine solche Situation gewesen. Ich war aber da mental nur auf das Überleben ausgerichtet und dass die beiden nicht an ihrer Sorge wegen mir leiden mussten. Ich habe sie bald nach Diagnose besuchen können und auch während der Chemo. Auch wenn alles gut ging, war während dieser Zeit und noch länger danach, meine ganze Transeigenschaft weitgehend untergetaucht, also der innere Druck war sehr gering und in der ersten Zeit habe ich gar nicht daran gedacht. Mir war aber immer klar, dass es nur eine Zeitfrage war, bis es zurückkehrt.

Im Rückblick habe ich da wohl einen guten Zeitpunkt versäumt.
Also, verpasste Chance und einen Notfall markieren kann man ja nicht (wäre auch unehrlich).

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