Wie erkläre ich es meinen Eltern?
Wie erkläre ich es meinen Eltern? - # 3

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Atalanta
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 31 im Thema

Beitrag von Atalanta » Fr 21. Apr 2017, 10:08

Tatjana_59 hat geschrieben:
Mi 19. Apr 2017, 11:49
Atalanta hat geschrieben:
Mi 19. Apr 2017, 08:05
Es wäre keine Frage, wenn ich homosexuell wäre, da sie das akzeptieren gelernt haben.
Bist du dir dessen sicher?
Ja, dessen bin ich ganz sicher! Das kann ich deshalb sagen, weil ich die Entwicklung erlebt habe.
Einerseits, wie früher darüber bei uns gesprochen habe. Andererseits, weil dann später einer meiner bsten Freunde sich outete und seit drei Jahrzehnten mit seinem Mann zusammenlebt. Weitere Kollegen und Freunde sind schwul.
Ich weiß, wie meine Eltern darüber heute sprechen und sie akzeptieren seit Jahren gänzlich. Sie sprachen auch mit den Eltern meines alten Freundes (er ist seit langem weggezogen), wenn sie die in der Stadt trafen und erzählten mir dann wieder, was sie Neues von ihm und seinem Mann gehört hatten. Sie trafen auch mal auf ihn, wenn er zu Besuch bei seinen Eltern war und fragten auch ihn natürlich, wie es zuhause ginge (und wiederum wurde es mir erzählt).

Ich kenne einige Leute für die Homosexualität kein Problem ist, bzw. war. So lang bis sie plötzlich persönlich im Bekanntenkreis oder Verwandtenkreis selbst betroffen waren.
Das ist leider nicht selten. Aber da kommen die meisten doch rum.
Für meinen Bruder war vor ein paar Jahren TS etwas ganz normales, er ist Psychotherapeut, O Gott, plötzlich war alles anders, der eigene Bruder, (Schwester) betroffen.die eigene Familie.... Todsünde....
Gott sei Dank ist mittlerweile alles OK.
Gut, dazu meinen Glückwunsch!
Und Psychotherapeuten sind halt auch Menschen. :) Ich habe allerdings seit langem keine Illusion darüber, dass die Psychotherapieausbildung wie auch die Ausbildung der Mediziner in LGBT-Fragen durchweg schlecht ist. Eigentlich sollte man auf deren Seite ja von Anfang an Verständnis erwarten, aber dem ist wohl nicht so. Und dass sich bei Praktikern die damit verbundenen und nötigen wissenschaftlichen Erkenntnisse verbreiten, geschieht offenbar schleppend mit Jahren (oder Jahrzehnten!) Verzögerung.

Atalanta
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 32 im Thema

Beitrag von Atalanta » Fr 21. Apr 2017, 10:11

ab08 hat geschrieben:
Mi 19. Apr 2017, 13:16
Im Dezember heiratete ja meine Jüngste -> Schwiegersohn und Schwiegereltern hatten / haben keine Probleme damit.
Bei meiner jüngsten Tochter ( "Was denkt die Umgebung?") ist das nach wie vor leider anders...
Es hängt halt immer auch von der betreffenden Person und ihrer persönlichen Einstellung zum Leben ab... :oops:
ich wünsche Dir herzlich, dass auch Deine Tochter 'rum kommt. Wenn ihr Mann Dich problemlos annehmen kann, dann kommt es für sie auch hoffentlich irgendwann in so kurzer Zeit wie möglich.

Es ist leider keine Blaupause vorhanden, wie das gehen kann.

LG
Atalanta

Anja
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 33 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 21. Apr 2017, 10:24

Moinsen Atalanta,
Atalanta hat geschrieben:
Fr 21. Apr 2017, 09:44
Nun leben meine Alten eine Tagesreise (egal mit welchem Verkehrsmittel) entfernt, von mir aus gesehen in einem anderen Land. Ich kann nur selten da sein, wir haben aber ständig Telefonkontakt.
Mir ging es ähnlich wie dir. Auch meine Eltern wohnen in größerer Entfernung, zwar keine ganze Tagesreise, aber mehrere Stunden Fahrt immerhin.
Ich habe mich bewußt übers Telefon (mit Abstand!) geoutet.
Ich habe meine Mutter angerufen, da ja Frauen i.d.R. so eine Information besser aufnehmen als Männer. Ich habe bewußt einen Zeitpunkt gewählt, von dem ich wußte, das mein Vater nicht anwesend sein würde.
Dann habe ich fast eine Stunde mit ihr telefoniert. Und sie zum Schluss gebeten, mit meinem Vater darüber zu sprechen (da sie ihn nun mal am Besten kennt).
Genauso verfuhr ich mit meinen Schwiegereltern. Bei mir hat es gut funktioniert.
Das einzige Problem, ich vergaß darauf hinzuweisen, das sich sonst nichts ändert. Für meinen Vater brach eine Welt zusammen, weil er davon ausging, das ich mich nun scheiden lassen müsste und die Familie wegen mir zerbricht.
Das hätte ich gleich klarstellen sollen, das alles andere davon nicht betroffen ist, dann hätte er sich erstmal weniger Sorgen gemacht. Er hat bestimmt 1-2 Monate gebraucht um mit dem Gedanken überhaupt klarzukommen und sich das erste Foto anzuschauen. Und ich war froh, das ich beim Outing nicht anwesend war, dann hätte es sicher "geknallt"...

Grüße
die Anja
*staatlich geprüfte Frau*

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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 34 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 » Fr 21. Apr 2017, 10:43

Atalanta hat geschrieben:
Fr 21. Apr 2017, 10:08
Für meinen Bruder war vor ein paar Jahren TS etwas ganz normales, er ist Psychotherapeut, O Gott, plötzlich war alles anders, der eigene Bruder, (Schwester) betroffen.die eigene Familie.... Todsünde....
Gott sei Dank ist mittlerweile alles OK.
Gut, dazu meinen Glückwunsch!
Und Psychotherapeuten sind halt auch Menschen. :) Ich habe allerdings seit langem keine Illusion darüber, dass die Psychotherapieausbildung wie auch die Ausbildung der Mediziner in LGBT-Fragen durchweg schlecht ist. Eigentlich sollte man auf deren Seite ja von Anfang an Verständnis erwarten, aber dem ist wohl nicht so. Und dass sich bei Praktikern die damit verbundenen und nötigen wissenschaftlichen Erkenntnisse verbreiten, geschieht offenbar schleppend mit Jahren (oder Jahrzehnten!) Verzögerung.
Genau diese Aussage machte mein Bruder auch, während seinem Studium wurde das Thema gerade mal gestriffen.
Allerdings schult sich mein Bruder seit meinem Outing speziell in diesem Bereich, bisher hat er betroffene weitergeleitet zu anderen Therapeuten.

Gruß Tatjana

Anja
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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 35 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 21. Apr 2017, 10:59

Hallo Tatjana,

finde ich ja cool von deinem Bruder, das er das Thema nun nicht mehr stiefmütterlich behandelt, sondern im Gegenteil, sich dem ganzen interessiert und offen zeigt.
Da hast du ja richtig was bewegt (smili)

Grüße
die Anja
*staatlich geprüfte Frau*

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Re: Wie erkläre ich es meinen Eltern?

Post 36 im Thema

Beitrag von MichiWell » Fr 21. Apr 2017, 12:17

Hallo Atalanta,
Atalanta hat geschrieben:
Fr 21. Apr 2017, 09:44
Sicher, so eine Situation wie Du sie er- (und glücklicherweise über)lebt hast, wäre eine Art positive "Brechstange". :)
Klar war das eine Gelegenheit, bei der ich auch ein gewisses "Druckmittel" hatte. Jeder Mensch mit ein wenig Vernunft reagiert in so einer Situation, gegen über einem Kranken weniger impusiv, und hört mehr zu.

Ich muss noch ergänzen, dass ich mich in den Wochen und Monaten davor schon ernsthaft damit getragen habe, meine Eltern einzuweihen. Ich wusste nur noch nicht wie. Im Moment bin ich gedanklich daran, mit meiner Schwester zu sprechen, hatte gestern auch schon Anlauf dazu genommen. Allerdings war noch eines ihrer Kinder in der Wohnung und konnte jeder Zeit dazu kommen, was ich in dem Moment nicht gebrauchen konnte, und das Wetter war nicht so, dass man mal 1-2 Stunden draußen rumlaufen konnte.
Atalanta hat geschrieben:
Fr 21. Apr 2017, 09:44
Nun leben meine Alten eine Tagesreise (egal mit welchem Verkehrsmittel) entfernt, von mir aus gesehen in einem anderen Land. Ich kann nur selten da sein, wir haben aber ständig Telefonkontakt. Und eine wichtige Sache über's Telefon zu berichten oder rein schriftlich per altmodischem Brief oder E-mail - nein, ich muss Menschen sehen können, um die Reaktionen evtl. abfangen zu können!
Ich schreibe zwar auch gern und viel, aber in diesem Falle bevorzuge ich eindeutig den persönlichen Kontakt, und das, obwohl es mir nicht so leicht fällt, spontan zu reagieren. Aber ich denke dennoch wie du, dass ich so viel besser auf die Reaktionen eingehen kann. Ich kann die Information Stück für Stück geben, und mein Gegenüber beobachten. Bei einem Brief kann man dagegen kreuz und quer lesen.
Atalanta hat geschrieben:
Fr 21. Apr 2017, 09:44
Als ich schwer erkrankte (Krebs), aber mit nur wenigen äußeren Problemen, wäre das eine solche Situation gewesen. Ich war aber da mental nur auf das Überleben ausgerichtet und dass die beiden nicht an ihrer Sorge wegen mir leiden mussten. Ich habe sie bald nach Diagnose besuchen können und auch während der Chemo. Auch wenn alles gut ging, war während dieser Zeit und noch länger danach, meine ganze Transeigenschaft weitgehend untergetaucht, also der innere Druck war sehr gering und in der ersten Zeit habe ich gar nicht daran gedacht. Mir war aber immer klar, dass es nur eine Zeitfrage war, bis es zurückkehrt.
Auch das kann ich gut nachvollziehen. Es ging/geht mir genau so, dass ich in bestimmten Situationen keinen einzigen Moment an meine weibliche Seite gedacht habe.
Atalanta hat geschrieben:
Fr 21. Apr 2017, 09:44
Im Rückblick habe ich da wohl einen guten Zeitpunkt versäumt.
Also, verpasste Chance und einen Notfall markieren kann man ja nicht (wäre auch unehrlich).
Was meinst du, wie viele Chancen ich in meinem Leben diesbezüglich verpasst habe. Also gräme dich nicht deswegen. (ki)


Liebe Grüße
Michi
Der moderne Mensch ist leicht zu lenken, aber nur schwer zu etwas zu bewegen. (Ernst Ferstl)

Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie. (Aldous Huxley)

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