Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!
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Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Sabsi
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Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!

Post 1 im Thema

Beitrag von Sabsi » Do 6. Okt 2016, 08:59

Hallo zusammen,

nachdem nun seit meinem ersten Eintrag und den darauf folgenden einige Zeit vergangen ist, wollte ich euch mal meine Empfindungen, Erlebnisse, Träume, Ängste, Wünsche, Hoffnungen usw. erzählen und euch an den positiven Dingen aus Sicht einer Bio-Frau, die vor gut 4 Wochen erfahren hat, dass ihr Freund eine Frau sein möchte bzw sich als Frau fühlt und demnach als Transfrau bezeichnet werden kann, teilhaben lassen. Vielleicht will ich nach den vielen negativen Geschichten im Internet zu diesem Thema über das Leben nach dem Outing mit einer Transfrau auch endlich mal selbst etwas positives lesen können und anderen PartnerInnen Mut machen.

Falls es jemanden interessiert, schreibe ich euch gerne nach und nach meine/unsere Geschichte auf.

Meine wahre und ungeschönte Geschichte beginnt so:

Seit nun fast fünfeinhalb Jahren sind er und ich ein Paar. Wir sind in dieser Zeit durch viele Hochs aber auch ganz viele Tiefs gegangen.

Da wir beide ziemliche Karrieremenschen sind und uns v.a auch durch unsere Sturheit und Rechthaberei auszeichnen und beide ähnlich ticken, führte das nicht selten zu extremen Spannungen innerhalb der Beziehung.

Und trotz aller Widrigkeiten (v.a auch die Ablehnung meines Partners von meiner Familie aufgrund der Streitigkeiten) blieben wir zusammen, bauten gemeinsam in unseren jungen Jahren ein Haus, bauten uns ein Leben auf, adoptierten uns eine Katze (so als Vorlauf zu einem Kind) und schmiedeten ernsthafte Zukunftspläne mit Hochzeit, Kinder und und und.

Für mich kann ich sagen dass er mein Leben ist, nur durch ihn konnte ich Karriere auch mal ausblenden und meinen Familienwunsch in den Vordergrund rücken. Wir hatten so viel gemeinsam geplant, aber das ist mit Plänen ja immer so: 1. es kommt immer anders und 2. als du denkst.

Seit nunmehr Januar 2016 leben wir in unserem Traumhaus. Nach einem Jahr ohne Wochenenden, ohne Freizeit ohne Feiertage (wir haben praktisch jeden Tag in unserer freien Zeit nach der Arbeit und meiner Weiterbildung) an diesem Haus gewerkelt um es schnellstmöglich fertig zu bringen und einziehen zu können. Diese Zeit hat uns viel Kraft, Anstrengung und Nerven gekostet und wir haben auf alles verzichtet was möglich war. (Z.b auch Geburtstage)
Das alles haben wir gern getan weil wir wussten warum wir es taten. In dieser Zeit wurden aber auch unsere Streitereien extremer und die Intimität, die ohnehin nie groß war, blieb völlig aus. Wir entfernten und psychisch immer mehr voneinander und oft war in dieser Zeit die Sprache von Trennung. Trotzdem "überlebten" wir es irgendwie und versprachen uns in 2016 es ruhiger anzugehen. Denn auch wenn wir einziehen konnten, so war trotzdem noch genug zu tun.

Leider ebbten die Streitereien nicht ab und die Retourkutschen seitens ihm wurden immer extremer (mir wurde das Licht komplett im Haus abgedreht, sodass ich 2 Tage ohne Licht verbringen musste - er zwar auch aber das war es ihm anscheinend wert). Auch die Beleidigungen über mich und mein Gewicht, da ich seit der Beziehung 2 Kleidergrößen zugenommen hatte, wurden immer gemeiner.

Trotzdem hielten wir aneinander fest, auch wenn in mir immer mehr Zweifel an der Zukunft der Beziehung laut wurden und ich immer mehr überlegte wann eine Trennung unvermeidlich sei.

Seine Geheimniskrämerei wurde ebenfalls wieder größer. Er lies sein Handy nicht mehr aus den Augen, legte es sofort weg wenn ich kam und drehte es um, war sehr abweisend und lebte in seiner Welt.

"Leider" macht mich das Verhalten sehr neugierig und ich eifere. Also versuchte ich mit den häufig von ihm genutzten Passwörtern die ich von ihm wusste, sein Mailpostfach zu knacken und entdeckte da, dass er auf einem Onlineflohmarkt nach einem Paar suchte, dass gerne Sex mit einer TV haben wollen würde.

Zuerst dachte ich, das sei "Spaß" von ihm und ihn interessiere einfach, wer sich melden würde oder so.
In den Nachrichten war plötzlich von einer weiteren Emailadresse seinerseits die Rede. Also versuchte ich mich bei dieser einzuloggen und siehe da - Bingo!! Dort fand ich dann weitere Nachrichten - unter anderem erzählte er einem Paar was er sich an Kleidung und Schuhen schon zugelegt hatte und verabredete für den damals folgenden Samstag ein Sex-Date mit Ihnen.
Deshalb hatte er auch so oft nachgefragt, wann ich den Samstag losfahre, wann wieder nach Hause komme und so weiter (samstags mache ich immer meine Fortbildung 150 km entfernt von meinem Wohnort) die idealen Voraussetzungen also um in Ruhe fremd gehen zu können.

In meinem Kopf ratterte es ununterbrochen. Und wie ferngesteuert stand ich auf (er quatsche vorm Haus gerade mit einem Bekannten) und ging in eins unserer leeren (Kinder)Zimmer und dort lagen sie. Die Sachen von denen er in seinen Mails schrieb. Drapiert und nicht versteckt. Offensichtlich - vielleicht auch um gefunden zu werden.

Nach einem kurzen Heulanfall und vielen Difusen Gedanken in meinem Kopf, ging ich nach unten.
Ich erinnerte mich an einen Rat den er mal seiner Schwester gab. Da sagte er sowas wie, wenn jemand ein Geheimnis über seinen Partner herausfindet, dann wünscht sich ein Mann, falls er damit konfrontiert werden soll, dass man ihm die Beweismittel hinlegt und erst mal geht, damit Mann darüber in Ruhe nachdenken kann und dann Frau aufklären kann.
Zumindest wäre das seine Wunschvorstellung gewesen und er sagte, damit würde eine Situation nie nie niemals eskalieren.
Ich lies von den Sachen ab, ging ohne diese wieder nach unten, legte mich auf die Couch und wartete bis er wieder kam. In meinem Kopf ratterte es nur noch. Ich dachte an Fetisch, an CD, an alles mögliche, auch daran dass er vll einfach einen Ausweg aus unserer Beziehung suchte und mich so vergraulen wollte. In meinem Kopf drehte sich nur noch alles und als die Tür aufging versuchte ich mich zu beherrschen, ich unterdrückte meine Tränen und innerlich kam die Wut hoch. Er wollte sich zu mir legen, Kuscheln und erzählen was unser bekannter zu berichten hatte aber ich dachte nur noch an die Klamotten oben im Zimmer.

Ich stand auf als er sich gerade hinlegte, sagte ich müsse auf die Toilette. Ich glaube er hat in dieser Situation deutlich gemerkt dass etwas nicht stimmte.

Ich ging die Treppe ins OG hinauf, öffnete die Zimmertür und stellt fest, dass die Sachen dort noch immer lagen (insgeheim hoffte ich immer noch auf eine Illusion oder sonst was)
Ich nahm eine Corsage, ein Bh Und ein Höschen sowie die feuerrote Perücke, atmete nochmal tief ein, ging nach unten zurück ins Wohnzimmer (jeder Schritt fühlte sich schwerer an) und legte/schmiss ihm die Sachen auf die Couch und ging sofort nach oben: meine Tränen waren nicht mehr unterdrückbar.
Ich legte zittrig und apathisch die Wäsche im Bad zusammen und weinte bitterlich. Ich hörte ihn verzweifelt rufen, ich solle nicht weglaufen, aber das hörte ich nur dumpf.

Einige Minuten später ging er ruhig und langsam die Treppe hinauf, redete auf mich ein und bat mich die Wäsche gut sein zu lassen. Als er mich versuchte "zu fangen" um mir seine Geborgenheit zu geben, legte ich die Wäsche auf die Seite und versuchte ihm weiter zu entfliehen. Ich weinte bitterlich. Ich floh ins Schlafzimmer und er mir hinterher. Ich brach innerlich zusammen. Ich hörte von ihm nichts was mich beruhigt hätte und ich schlug immer wieder auf den Türrahmen und die Wand ein und fragte mich leise "warum ich?"

In diesem Moment danke ich ihm, dass er nicht aufgegeben hat, mich gebeten hat, mich zu setzen und das ganz ruhig und besinnend.

Also tat ich ihm den Gefallen, ich setze mich auf unser Bett, es schossen mir immer bock tausend Gedanken durch den Kopf und weinte daher noch immer.

Er fing an zu stammeln, dass er nicht wüsste wie er es sagen soll und dass es ihm schwer fällt darüber zu reden und dass er Angst hat.
Ich beruhigte nun ihn, wollte nun endlich die Wahrheit wissen. Er fing an "Ich..." und ich beendete den Satz für ihn zuerst mit "steh auf Frauenkleidung". Da überlegte er kurz und sagte dann sehr entschlossen "nein, Das ist es nicht"
Dabei nahm er meine Hand ganz fest und ich erinnerte mich daran als er vor ein paar Jahren mal sagte, dass er gerne mal tauschen wollen würde... Und dann sprach ich es für ihn aus, mit bitterlichen Tränen "du willst eine Frau sein" und als ich es gesagt hatte brach die Welt für mich zusammen und tausend Bäche stürzten ein, noch bevor er dann schlussendlich "ja" sagte...


Fortsetzung folgt wenn gewünscht :)
(Achtung, diese Geschichte ist mein geistiges Eigentum und darf nicht ohne meine Erlaubnis dupliziert werden)
Lg

Sabsi
Zuletzt geändert von Sabsi am Do 6. Okt 2016, 09:53, insgesamt 1-mal geändert.

Anne-Mette
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Re: Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!

Post 2 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Do 6. Okt 2016, 09:36

Moin,

eine gute und eine schlechte Nachricht (888)

Die gute Nachricht: danke für Deinen offenen Bericht (smili)

die schlechte:
(Achtung, diese Geschichte ist mein geistiges Eigentum und darf nicht ohne meine Erlaubnis publiziert werden)
passt nicht zu
Meine wahre und ungeschönte Geschichte beginnt so:
Du hast die "Geschichte" schon hier selbst "publiziert". Sie ist für "die Öffentlichkeit" lesbar und auffindbar.

Bitte überlegt euch möglichst VORHER, was ihr schreibt und welche Folgen das haben kann.

Gruß
Anne-Mette

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Re: Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!

Post 3 im Thema

Beitrag von Sabsi » Do 6. Okt 2016, 09:52

Hallo Anne-Mette,

Tja da ist meiner Autokorrektur doch leider ein Fehler unterlaufen - was ich beim durchlesen ebenfalls übersehen habe.

Grüße
Sabsi

Joe95
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Re: Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!

Post 4 im Thema

Beitrag von Joe95 » Do 6. Okt 2016, 14:15

Ich finde es gut und richtig wie ihr trotz allem zusammen haltet und würde gerne erfahren wie es weiter geht...
Vieles wird einzig dadurch richtig, das man es durchzieht!

Sabsi
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Re: Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!

Post 5 im Thema

Beitrag von Sabsi » Fr 7. Okt 2016, 15:36

Und weiter geht's:

Ich saß also auf dem Bett, er neben mir und dieses "Ja" aus seinem Mund klang immer noch in meinem Kopf nach.

Alles stürzte über mich hinein. Ich hatte das Gefühl nicht mehr zu weinen aufhören zu können.
Ich weinte bitterlich. Dabei saß er ruhig und nachdenklich neben mir, meine Hand haltend und legte nach einiger Zeit auch seinen Arm um meine Taille.
Ich lies es zu. In meinem Kopf drehte sich alles ununterbrochen und es schossen mir so viele Gedanken durch den Kopf.
Zwischen jedem Schluchzer presste ich Sätze wie "war das die letzten 5 Jahre nur eine Lüge?" oder "wir haben uns so viel aufgebaut - konntest du mir das nicht früher sagen?" Ich warf ihm alles vor. Von dem angefangen was ich mir die letzten Jahre an Terror zu Hause gefallen lassen musste über unser im letzten Jahr erbautes Haus, dass wir immer wieder über Trennung sprachen und er immer der war der mich wieder zurückholte. Auch dass meine Familie aufgrund der heftigen Streitereien nicht mehr hinter mir in Bezug auf ihn stand und ich trotzdem zu ihm hielt.

Ich war so wütend. Ich empfand so viel Hass in diesem Moment für ihn. Ich ging so oft durch die Hölle für ihn. Und trotzdem hatten wir so viel erreicht und erlebt. Deswegen war es in meinem Kopf so wirr. Auch wenn viel schlechtes passiert ist, so hatten wir auch ganz viel schönes erlebt.

Erst langsam ebbte mein Heulkrampf ab. Ich beruhigte mich immer mehr und er saß immer noch an meiner Seite, streichelte meine Hand und sagte mir, dass er es selbst doch jetzt erst verstand und es ihm leid tue.
Ich hörte ihm nur halbherzig zu. Versuchte nicht mehr zu weinen und war ganz weit weg mit meinen Gedanken.

Er fühlte sich so befreit dass der Wunsch nach Nähe und Zärtlichkeiten in ihm wuchs. Er kam mir näher, fing an mich zu streicheln und zu küssen. Zog mich aus und begann mich zu liebkosen. Ich habe es einfach so zugelassen. Ich wollte nicht darüber nachdenken müssen was er gerade tat und genoss es. Dachte darüber nach dass es vll das letzte mal sein könnte und fing immer wieder kurz an lautlos zu weinen.
Ich wollte seine Nähe. Ich weinte einfach nur weil ich Angst hatte was danach kam.

Irgendwann umschlang er mich mit seinen Armen, küsste meine Stirn, schaute mir tief in die Augen und erklärte mir voller Freude dass er mich liebe und er jetzt mit mir glücklich sein könnte und nun auch endlich heiraten möchte. Von dieser Euphorie übrrrumpelt und dem Ausspruch, auf den ich so lange gewartet hatte, lies ich mich anstecken und die Sorgen verdrängte ich. Ich lachte, freute mich und glaubte dass wir das alles hinbekämen. Wir schmiedeten Pläne. Die Details wurden mir unwichtig und ich hörte ihm einfach nur zu wie er über unsere Zukunft sprach, die sich in seiner Traumvorstellung so sorglos und richtig anhörte.

Aber nach dem großen Hoch kam auch ein sehr großes Tief und die Realität holte mich ein. Meine begründeten Sorgen und Ängste kamen genauso schnell wieder wie sie gegangen waren. Dieser Zustand wechselte sich den ganzen Tag lang mit der Euphorie ab. Ich sprach einerseits aus, dass ich Schluss machen wolle, andererseits sprachen wir über heiraten. Ein Wechselbad der Gefühle und für ihn sicherlich noch schlimmer in der Empfindung als für mich. Er warf mir vor, ich sei nicht aufgeschlossen und wäre diskriminierend, intollerant. Aber das war es nicht was mich bewegte. Ich verabscheute ihn deswegen nicht. Ich liebte ihn, aber ich konnte mich nicht entscheiden was besser für mich und für ihn war. Ich hatte mir noch nie Gedanken darüber gemacht, ob ich mit einer Frau den Rest meines Lebens verbringen wollte. Ich war Frauen nie abgeneigt und habe auch Erfahrungen gesammelt aber dennoch war es seltsam und ungewohnt ihn mir als Frau vorzustellen und ihn anders anzusprechen und mit ihm als ihr den Rest meines Lebens zu verbringen.

Irgendwann schliefen wir erschöpft von den auf und abs ohne Entscheidung wie es weitergehen sollte ein.

Am nächsten Tag ging ich wie gewohnt zur Arbeit aber die Gedanken hörten nicht auf, meinen Tag zu bestimmen. Innerlich schrie mein Kopf weil er nicht klar denken konnte. Ich weinte still und heimlich und meine Leistungen waren zu vernachlässigen. Ich las ihm Internet viel über Transexualität nach und fand ihn in vielen Schilderungen wieder, was es nicht einfacher machte und der Gedanke, es könnte doch nur eine Phase sein, verschwand zunehmend aus meinem Kopf. Schockiert hatte mich dann als ich im TSG nachlas und die Kommentare dazu verschlang, dass eine gültige und rechtskräftig geschlossene Ehe bei einer großen Personenstandsänderung annulliert würde - als hätte sie nie bestanden. Das wollte ich auf keinen Fall! Ich fühlte mich so schlecht weil ich das private hier nicht mehr aus meinem Arbeitsleben fernhalten konnte. Ich schrieb ihm, der zu Hause war immer wieder Nachrichten um mir das was mich bewegte von der Seele zu schreiben und um ihm klar zu machen wie es mir ging. Er antworte voller noch übrig gebliebenen Euphorie und der Überzeugung, wir schaffen das, sehr positiv, was mir weder half noch nicht half. Dass er das TSG bereits gelesen hatte und wusste, dass das mit der Ehe nur von kurzer Dauer sei, eröffnete er mir dabei und machte mich dadurch sehr wütend. Warum sagte er
Mir dann das mit dem heiraten überhaupt?
Ich fühlte mich verarscht und fand die Regelung im TSG unfair. Unfair in meiner persönlichen Sitation.

Ich ging an diesem Tag früher als sonst aus der Arbeit. Zu Hause diskutierten wir weiter und kamen nicht auf einen Nenner....

Fortsetzung - wenn gewünscht - folgt :)

exuserin-2016-12-21

Re: Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!

Post 6 im Thema

Beitrag von exuserin-2016-12-21 » Fr 7. Okt 2016, 17:41

(888) Hallo Sabsi! (yes) (ap)

Deine Geschichte ist so schön geschrieben und emotional,da reist man richtig mit in deiner Gefühlswelt!
Bitte erzähle weiter deine tolle Geschichte!

Liebe Grüße Inge (he) (moin) (na)

spacecy
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Re: Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!

Post 7 im Thema

Beitrag von spacecy » Sa 8. Okt 2016, 13:36

Hi,

ich glaube, alle sind so gespannt wie ich, wie es wohl mit Euch weiter geht.
Viel Glück und eine gute Entscheidung über Euere Zukunft, wünsche ich Euch (ki)

Liebe Grüße
spacecy
Glücklich ist, wer vergißt was nicht zu ändern ist (aus "Die Fledermaus")

Sabsi
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Re: Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!i

Post 8 im Thema

Beitrag von Sabsi » Sa 8. Okt 2016, 16:30

Hallo zusammen ;)

Schön eure Rückmeldungen zu lesen. freut mich dass es doch so viele Interessierte gibt.

Dann geht's mal weiter - hab genug Stoff aus den letzten Wochen :)

...wir diskutierten und niemand wich von seiner Meinung und seinen Prinzipien ab. Das schlimme war nur, dass eine Meinung sich geändert hatte. Aus dem anfänglichen "ich will eine Frau werden aber meinen Beruf will ich behalten" wurde plötzlich ein "ich will eine Frau werden, meinen Beruf wechseln und auch mein Leben komplett umkrempeln, hier wegziehen und neu anfangen"

Er warf mir vor dass sich meine Entscheidungen ständig ändern würden und er das nicht mehr mitmachen wolle.
Dabei war ich es doch, die seine Veränderungen so schnell nicht verarbeiten konnte wie sie aus ihm heraussprudelten. Wir hatten hier Haus gebaut, daran hänge ich und es tat mir weh, dass er plötzlich nicht mehr daran hing. Wir hatten uns all die Jahre hier ein Leben aufgebaut. Er hatte sich kurz nach unserem Kennenlernen in die vollständige Selbstständigkeit gewagt. In seinem handwerklichen Beruf haben wir auch schwere oder besser gesagt harte Zeiten durchgemacht, bis er als selbstständiger richtig Fuß fasste. Er hat aktuell einen Azubi, aber wenig zu tun, ich hatte die Sorge, dass ihm das alles zu viel sein würde und er deswegen einen Ausweg suchte.

Ich war wütend, warf ihm vor, dass ein Leben als frau nicht nur aus Rüschen, Kleider und Make Up bestünde. Es ist nicht immer einfach. Vor allem beruflich sind Frauen leider immer noch häufig schlechter behandelt als Männer. Das würde finanzielle Einbußen bedeuten. Wir haben durch den Hausbau natürlich auch Schulden, wie sollte das alles funktionieren? Ich wollte ihn einfach wachrütteln, ihm zeigen dass es auch Nachteile gibt und zählte alles was mir einfiel in meiner Verzweiflung auf. Er lächelte nur dumm und als ich fertig war bzw mir nichts mehr einfiel, sagte er mir, dass ihm das klar sei und dass er alles in Kauf nehmen würde nur damit es ihm gut geht. Wenn es möglich wäre würde er sogar die Periode in Kauf nehmen und unter Tränen sagte er dann resigniert "aber das ist mir leider nicht möglich"

Mitleid machte sich in mir breit. So schnell meine Wut kam, so schnell verging sie auch wieder. Er tat mir leid und ich spürte dass er es ernst meinte. Ohne Ergebnis gingen wir ins Bett, ich weinte lange leise bevor ich in einen sehr schlechten Schlaf verfiel.

Ich war von so vielen Gedanken geplagt und am nächsten Morgen wie gerädert. Mein Kopf fühlte sich an als würde er jeden Moment platzen und ich konnte nicht aufhören über das alles und über unsere Beziehung nachzudenken.

Ich hatte an diesem Morgen meinen Termin bei meiner Psychologin, die ich schon seit einiger Zeit aufsuchte. Eigentlich nur als Prävention. Ich habe einen anspruchsvollen Job und fahre in die Arbeit täglich fast 3 Stunden (ingesamt, also hin und zurück) und zu Hause und in meiner Familie war auch immer viel los und da auch in dieser Depressionen häufig waren, wollte ich Vorsorge treffen. Es tat mir einfach gut und in diesem Augenblick war ich dankbar dass ich mich schon in psychologischer Betreuung befand.

Davor entschied ich mich schon heute von der Arbeit zu Hause zu bleiben. Ich fühlte mich Scheisse und ich konnte nicht in die Arbeit gehen...
Bei der Psychologin sprudelte alles aus mir heraus und ich weinte bitterlich. Ich danke dieser Person dafür dass sie mich beruhigen konnte und mir klar machte dass ich mir für diese Entscheidung alle Zeit der Welt nehmen könnte und durfte. Das musste er akzeptieren.

Gestärkt ging ich aus dem Gespräch heraus und zu Hause redete ich mit ihm darüber, was in mir vorging und welche Gedanken, Ängste, Sorgen. Hoffnungen, Träume und wünsche ich hatte.

Er versuchte mich zu verstehen. Aber er hatte innerlich schon resigniert. Ich passte nicht in einen von seinen veränderten Plänen und er eröffnete mir, dass er denke, dass das mit uns nicht funktionieren wird. Eigentlich wollte er einfach nur nicht mehr warten, denke ich.
Er wollte eine Konstante haben und Gewissheit, er hatte Angst, genau wie ich, Angst davor daran zu glauben es würde klappen und dann doch feststellen dass es nicht so sei und bevor ein tiefer Fall kommt wollte er einfach die Reisleine ziehen.

Da ich verstand, dass das nun endgültig die Trennung war und er das entschieden hatte, stürzte erneut alles über mich zusammen.

Ich fand es unfair. Wieso durfte das er entscheiden? Ich hatte mich noch nicht entschieden und jetzt sollte alles aus sein?

Ich weinte und weinte und weinte. Nicht damit er umdenkt, oder Mitleid mit mir bekam sondern einfach weil es mir so unendlich weh tat. Ich wollte das nicht. Nein! Ich liebe ihn doch....

An diesem Punkt brauchte ich jemand externen zu sprechen, jemanden der mir nah genug war damit ich vertrauen kann, weit genug weg damit dieser jemand nicht voreilig Entscheidungen für mich treffen möchte. zu wem gehen? Ich wolle meinem Freund oder Ex-Freund, das war mir im Moment nicht klar, nicht die Chancen nehmen sich selbst zu erklären. Meine Familie kam nicht in Frage, da sie unsere jahrelangen Streitereien kannten und mir schon lange auszureden versuchten, dass die Beziehung noch gut sei und klar die bitte stellten, ich sollte mich doch endlich trennen... So jemanden wollte ich natürlich nicht als erster davon erzählen weil die Reaktion mir nicht geholfen hätte. Die Neutralität gefehlt hätte. Seine Familie hatte verdient es von ihm selbst zu erfahren was Sache ist. An diesem Tag fand ich für mich keine Lösung und auch mit ihm herrschte Funktstille.

Ich ging früh ins Bett und schlief erneut echt schlecht. Nachdem ich den Kopf nicht frei bekam entschied ich mich am Folgetag zum Arzt zu gehen und mich krank schreiben zu lassen. Ich war psychisch k.o. Während ich im Wartezimmer saß, die Tränen unterdrückte, kam eine SMS von meinem Vater, mit dem ich seit Einigen Jahren keinen Kontakt mehr hatte, weil die Trennung unschön verlief und ich für mich entschlossen hatte, erst mal abstand zu gewinnen. Er schrieb mir öfter in der Vergangenheit, meistens ignorierte ich ihn, diesmal nicht. Ich war immer ein Vaterkind und mein Vater war immer schon der loyalste Mensch der Welt. Ich schrieb ihm also auf die Frage ob alles ok sei und wie es mir ginge, dass es mir sehr schlecht ginge, ich niemanden zum Reden habe und ich es niemanden anvertrauen kann was los ist. Während ich versuchte ihm meine Gefühlswelt zu beschreiben und Kontakt zu ihm aufzubauen, fing im Wartezimmer plötzlich eine Frau an zu schimpfen und mir zu sagen dass ich mein Handy wegpacken solle weil sie diese Strahlen nicht um sich möchte. Nachdem ich psychisch sehr instabil war, konterte ich nicht (ich hätte mir unter normalen Umständen sowas niemals gefallen lassen) und packte mein Handy weg, entschuldigte mich und wollte es einfach gut sein lassen, sie aber konnte nicht aufhören zu schimpfen und fing an mir zu sagen, dass sie das unerhört finde und respektlos und dass sie genug strahlen ausgesetzt sei und nicht noch zusätzliche Strahlen gebrauchen kann und ich jetzt schon eine halbe Stunde sie den Strahlen aussetze. Da platzte mir dann doch etwas der Kragen und ich entgegnete ihr, dass ich zwar erst seit einer viertel Stunde da sei und daher ich sie noch gar nicht eine halbe Stunde mit strahlen beschießen konnte. Glücklicherweise erhielt ich Hilfe von einem jungen Kerl, der auf seine Freundin wartete und sich einmischte und der Frau konterte und argumentierte... Auf seine Frage welchen Strahlen sie denn dann ausgesetzt sei, gab sie keine antwort aber sie betonte es immer wieder und wollte wohl dass man ihr Mitleid entgegenbrachte, was niemand im Wartezimmer tat. Ich bedankte mich bei dem jungen Mann und bat ihn es gut sein zu lassen, weil es keinen Sinn machte, mit jemandem wie dieser Person zu diskutieren.
Dann drehte ich mich zu ihr und fragte sie ob sie denn wisse was mir fehle und wie es mir gerade ginge und dass ich es vll gerade notwendig hatte, auf mein Handy zu starren und zu schreiben. Sie entgegnete mir giftig, dass sie das ja gar nicht interessiere. Darauf sagte ich ihr, dass wir etwas gemeinsam hätten und mich ihre Meinung ja auch nicht interessiere. Das brachte sie dazu still zu sein. Dafür lies ich mein Handy in der Tasche und keine 2 Minuten später wurde sie auch schon aufgerufen und kurze Zeit danach auch ich.

Durch die Geschichte im Wartezimmer ging es mir noch schlechter. Beim Arzt weinte ich gleich drauf los und nach einem kurzen Gespräch schrieb er mich 2 Wochen krank, damit ich wieder einen klaren Kopf bekommen könnte und sich schon mal die Lage zu Hause regelt....

Fortsetzung folgt wieder wenn gewünscht :)

exuserin-2016-12-21

Re: Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!

Post 9 im Thema

Beitrag von exuserin-2016-12-21 » Sa 8. Okt 2016, 17:20

Hi Sabsi!! (he) (ap) (ap) !!

Sehr gewünscht! Die Situationen(Wartezimmer) kenne ich und du hast toll reagiert!
Wie geht es weiter!!Bin gespannt :shock: :shock: :shock: Liebe Grüße (ki) Inge

Yasmine
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Re: Positives, Anderen PartnerInnen Mut machen!

Post 10 im Thema

Beitrag von Yasmine » Sa 8. Okt 2016, 19:13

...nun bin ich gespannt (888)
LG
Yasmine

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