Umgang mit der Partnerin
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Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte
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Umgang mit der Partnerin

Post 1 im Thema

Beitrag von Explorer » Mo 28. Sep 2015, 23:15

Hallo liebes Forum,

das Thema dürfte es wohl schon hunderte Mal gegeben haben, aber irgendwie ist doch jeder Fall etwas anders. Was mich irgendwie beschäftigt, ist wie ich mit meiner Freundin mit dem Thema Crossdressing umgehen soll. Für mich war immer klar, dass ich nichts hinter ihrem Rücken machen will (zumal sie zum Teil auch mit dabei war, als ich meine ersten ganz, ganz zaghaften CD-Erfahrungen gemacht habe) - aber es war immer etwas komisch für sie, daher haben wir auch oft gar nicht so richtig darüber geredet. Vor ein paar Wochen habe ich das Thema dann mal wieder etwas "offensiver" angesprochen.

Tatsächlich unterstützt mich meine Freundin. Sie ist eh ein toleranter, hilfsbereiter Mensch, und sie findet das Thema sogar sehr spannend. Neulich hat sie mir ein paar hübsche Dessous mitgebracht, und auch ein paar Fotos gemacht - und wir haben auch gleich ein paar interessante sexuelle Erfahrungen mit Crossdressing gemacht. Das fand ich schön. Aber für mich endet die Faszination Crossdressing nicht an der Schlafzimmertür. Irgendwie reizt es mich auch so, vielleicht würde ich sogar mal gerne als Frau vor die Tür gehen (vielleicht in einem "kontrollierten" Rahmen, z.B. auf einer LBGT-Party, da sollte das ja nicht sooo sehr auffallen). Und das ängstigt meine Freundin. Für sie ist das Crossdressing mehr ein spannendes erotisches Rollenspiel (nicht dass wir uns falsch verstehen, das finde ich auch spannend), aber außerhalb des sexuellen Kontextes ängstigt sie das mehr. Sie fühlt ihre Rolle als Frau in der Beziehung irgendwie in Konkurrenzdruck, und sie will ja unbedingt einen Mann als Partner. Da kann ich sie beruhigen, ich sehe mich nicht als transsexuell, ich fühle mich wohl als Mann - aber irgendwie auch zu einem gewissen Teil als Frau.

Sie will es ja verstehen, und mir nichts verbauen, aber sie hat Angst (die ich auch gut verstehen kann). Aber wenn sie mich fragt, was es mir eigentlich bedeutet, und was es für mich ist wenn es nicht nur ein sexueller Fetisch ist, ich aber auch nicht transsexuell bin - dann weiß ich es nicht. Ich kann es gar nicht genau benennen. In einem Buch, das ich vor kurzem zu dem Thema gelesen habe, sagte der (crossdressende) Autor, "Frausein" sei für ihn ein offenes Experiment. Er wusste im Voraus nicht, was er damit bezweckt, wie lange oder wie weit das gehen soll, oder wo es hinführt. Er wusste nur, dass er es ausprobieren wollte um zu schauen, wo es ihn hinbringt. Ich kann da sehr gut nachfühlen. Aber genau dieses "schwammige" ängstigt meine Freundin. Ich merke, dass ich mit dem Crossdressen erneut zurück stecke, weil ich sie nicht verunsichern will. Aber ich glaube auch, dass ich einfach mehr Erfahrungen sammeln muss, um mich selbst besser zu verstehen.

Ein langer Text, danke schon mal an alle, die es durchgelesen haben. Was ich von euch wissen will ist: Wie sollte ich nach euren Erfahrungen am besten damit umgehen? Ich will sie natürlich nicht verlieren, und auch nichts gegen ihren Willen "durchboxen", aber ich will auch meine Erfahrungen sammeln. Wie gehe ich damit um, dass ich selbst noch gar nicht genau weiß, wohin es gehen soll? Habt ihr irgendwelche speziellen Tipps? Ich weiß, dass die Fragen recht vage gehalten sind, so wie ich selbst auch immer noch nicht so genau weiß, wie mit dem Thema umgehen. Trotzdem danke schon mal für eure Antworten!
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exuserin-2016-12-21

Re: Umgang mit der Partnerin

Post 2 im Thema

Beitrag von exuserin-2016-12-21 » Di 29. Sep 2015, 02:58

Hallo lieber Leidensgenosse,es ist nicht einfach auf all deiner Fragen eine Antwort zu geben. Jeder von uns ist speziell und vieles vermengt sich zu einem.
Diese Gefühlswelt die auf einmal aufbricht,und man weiß nicht was ploetzlich ,und unerwartet mit einem passiert?? Viele Fragen tun sich auf,aber die Antworten bleiben rar ,wenn nicht sogar unbeantwortet.
Ich lebe meine Gefühle und Empfindungen im versuchten Einklang mit meiner Frau,und ich bin glücklich ,so eine Frau zu haben die diese Situation mitlebt ,bekleidet aber auch kritisiert und teilweise ablehnt.
Dieser Glückliche der so eine Partnerin /Partner erwischt oder hat kann sich erstmal glücklich schätzen ,wenn wir mal schauen hier im Forum wieviel davon Single sind.Ich als Mann ineiner Heterobeziehung ,also die Liebe zur Frau ist unumkehrbar ,die bleibt . Jetzt aber wollte sich meine Partnerin in ein männliches Gegenstück verwandeln ,weil sie die Männlichkeit so liebt,wie würden wir den dann reagieren und mit umgehen ein Brusthaartoupet,Oberlippenbart,Kurzhaar,plattgedrückte Brüste usw. ... Man(n) ist das gewoehnungsbedürftig. Ich sage einfach "Toleranz " , und reden ,reden , reden..keine Heimlichkeiten und versuchen auf die Jahre zur Normalität werden lassen,im Beisein und auf Augenhoehe mit seinem Partner! )))(: (hs)

Feldmaus
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Re: Umgang mit der Partnerin

Post 3 im Thema

Beitrag von Feldmaus » Di 29. Sep 2015, 08:11

Hallo

Versuche doch mal dich einem Stammtisch anzuschließen und erstmal Erfahrungen zusammeln.Wenn deine Freundin möchte kann Sie mitgehen und sich dort mit einigen Personen übers Crossdressing unterhalten. Vielleicht sind auch einige Partnerinnen dabei, die deiner Freundin weiter helfen können.

Lg Daniela
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar.(Antoine de saint-exupery)

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Re: Umgang mit der Partnerin

Post 4 im Thema

Beitrag von Explorer » Di 29. Sep 2015, 12:11

Danke schon mal für eure Antworten.

Erfahrungen kann ich natürlich alleine, oder auch mal mit meiner Freundin, sammeln. Aber ich hab langsam das Gefühl, dass mir das nicht auf Dauer reicht. Irgendwann würde ich auch mal gerne en femme in Anwesenheit anderer sein. Aber ich bin mir noch nicht sicher, in welchem Umfeld ich mich das trauen würde. Und meine Freundin würde diesen Schritt wohl auch mit ziemlicher Bange betrachten.

Aber vielleicht würde ein Stammtisch mir wirklich helfen. Muss mich mal umschauen, ob es hier in der Gegend was gibt.

@ingedie2te: Hmm, irgendwie klingst du pessimistisch ;). Aber ja, leider stehen dem doch recht viele Menschen ablehnend gegenüber, zumindest was den eigenen Partner betrifft. Aber du sprichst ein interessantes Gedankenexperiment an: Was wäre, wenn die Partner sozusagen "en homme" gehen würde. Ich glaube, damit hätte ich gar nicht so das große Problem, solange es nur zu bestimmten Anlässen wäre. Aber irgendwie ist diese Variante auch gar nicht so "anstößig". Kleidungsmäßig kann eine Frau sowieso problemlos als Mann rausgehen, und wenn sie einen angeklebten Bart oder so hätte, wäre es zwar eindeutig verkleidet, würde aber sicher nicht so viel Ablehnung provozieren wie umgekehrt. Glaube ich zumindest.

Irgendwie frag ich mich auch manchmal wie es wäre, wenn Frauenkleidung beim Mann völlig legitim wäre. Wäre ich im Paradies, weil ich so könnte wie ich will? Oder würde es seinen Reiz verlieren? Ich verstehe ja gar nicht, was mich daran wirklich so reizt... Ich weiß, meine Gedanken springen von diesem zum nächsten, das ist etwas verworren. Aber ich hab nach wie vor noch nicht so wirklich Klarheit für mich da rein gebracht.
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Re: Umgang mit der Partnerin

Post 5 im Thema

Beitrag von Salmacis » Di 29. Sep 2015, 15:59

Hi Explorer,

also es kann eine schwere Reise sein voller Angst und Missverständnisse... oh Gott, das erinnert mich an diese Werbung :D
Wie dem auch sei. Ich kann dir nur raten mit deiner Freundin weiterhin diesen tollen offenen Umgang zu pflegen. Klar wird es mal Zeiten geben in denen ihr beide kratzbürstig seid und auch manchmal hoffnungslos, aber wie gesagt: seid offen und ehrlich. Solange ihr euch liebt könnt ihr alles durchstehen!

Mein Therapeut sagte mir eines deutlich: Eine heterosexuelle Frau wünscht sich das Begehren ihres Partners zu spüren. Sie will die sein, die umgarnt wird, die erobert werden will.

Das heißt, sobald du in der weiblichen Rolle so sehr drin bist, dass du genau das willst, kann es zu Spannungen kommen. Vergiss nie, dass du mit einer Frau zusammen bist, die dich als Mann kennen und lieben gelernt hat. Versuch dich auch immer ein Stück weit in sie zu versetzen :)

Aber so wie du es beschreibst handhabt ihr sie Situation sehr gut :)
"Verzweiflung ist keine Todessehnsucht, sondern die Sehnsucht, nicht mehr leben zu müssen." (Erhard Blanck)

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Re: Umgang mit der Partnerin

Post 6 im Thema

Beitrag von Explorer » Mi 30. Sep 2015, 21:40

Salmacis hat geschrieben:Mein Therapeut sagte mir eines deutlich: Eine heterosexuelle Frau wünscht sich das Begehren ihres Partners zu spüren. Sie will die sein, die umgarnt wird, die erobert werden will.

Das heißt, sobald du in der weiblichen Rolle so sehr drin bist, dass du genau das willst, kann es zu Spannungen kommen. Vergiss nie, dass du mit einer Frau zusammen bist, die dich als Mann kennen und lieben gelernt hat. Versuch dich auch immer ein Stück weit in sie zu versetzen :)
Vermutlich will das nicht nur die heterosexuelle Frau. ;)

Aber ja, ich glaube du hast durchaus Recht. Ihr ist es wichtig, sich begehrt zu fühlen. Und sie hat manchmal Schwierigkeiten, wenn sie z.B. sagt dass ich auch als Frau eine echt tolle Figur habe - und gleichzeitig Angst hat, selbst als Frau nicht mithalten zu können. Sozusagen dass sie als echte Frau gegen eine "falsche Frau" den Kürzeren zieht. Also sollte ich ihr öfter zeigen, dass ich sie will. Was eigentlich immer und in jeder Situation ein guter Beziehungstipp ist. :wink:
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Re: Umgang mit der Partnerin

Post 7 im Thema

Beitrag von MEL » Mi 30. Sep 2015, 23:56

Hallo Explorer,

erstmal auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.

In deiner sehr aussagekräftigen Vorstellung finde ich mich in vielen Passagen wieder. Gerade in Bezug
auf meine Findungsphase und nach der Offenbarung meiner weiblichen Seite gegenüber meiner Frau (Dez.2011).

Da du deine Frau ja schon mit ins Boot geholt hast ist es wichtig, kontinuierlich mit ihr in dieser Thematik im Gespräch
zu bleiben und ihr das Gefühl zu geben, dass du zum Einen keine Alleingänge unternimmst, aber Ihr gleichwohl auch
eine massgebliche Rolle an deinem Seelenheil zukommt.
Und wenn dies eben das crosssdressing beinhaltet, dann bedeutet dies für den Fortbestand einer glücklichen Beziehung,
dass ihr dies in das zukünftige Leben so integrieren müsst, dass beide Seiten damit leben können.
Dies geschieht natürlich nicht per Fingerschnipp, das funktioniert nur step by step und setzt beiderseitige
Kompromissbereitschaft voraus. Aber es kann dann auch ein interessantes und belebendes Element sein! :()b

Dass dies gerade zu Beginn des Auslebens der weiblichen Seite des Partners (das Sexuelle mal außen vor lassend! 8) )
für die Partnerin mit vielen Ängsten und Sorgen verbunden ist, halte(n) ich(wir) für normal.

Meine Frau ist auch ein sehr toleranter Mensch und hat - entgegen meiner damaligen Einschätzung - meine weibliche Seite
nach dem outing sehr schnell toleriert und akzeptiert, nachdem ich ihr glaubhaft machen konnte, dass
- ich nicht transsexuell bin
- ich nur zeitweise meinen weiblichen Gefühlen nachgeben will/muss
- ich Sie unverändert liebe und als Frau begehre (auch in der "weiblichen Rolle" als MEL)
- ich auch als MEL nur dem weiblichen Geschlecht (sexuell gesehen) zugeneigt bin.

Auch deine Aussage:
Und sie hat manchmal Schwierigkeiten, wenn sie z.B. sagt dass ich auch als Frau eine echt tolle Figur habe - und gleichzeitig Angst hat, selbst als Frau nicht mithalten zu können. Sozusagen dass sie als echte Frau gegen eine "falsche Frau" den Kürzeren zieht.

kann ich aus unserer Beziehung bestätigen. Gut, genetisch bedingte Fakten wie Beinlänge (MEL ca. 103cm bei 184cm Körperlänge) lassen sich nicht wegdiskutieren, aber an der Figur und dem äußeren Erscheinungsbild läßt sich schon etwas
Kosmetik betreiben. Da hat meine Frau gerade in den vergangenen Monaten / Jahren erheblich an sich gearbeitet (aus freien
Stücken wohl bemerkt!), was aber nicht bedeutet, dass sie vorher nicht auf ihr Äußeres geachtet hätte.
Aber da MEL eben eher den feminin-eleganten Stil bevorzugt, war Sie (meine Frau) bestrebt,
bei den gemeinsamen Auftritten mit "ihrer Freundin" nicht als Mauerblümchen zu wirken.

Gerade Salmacis hat dazu auch eine treffende Aussage gemacht/zitiert.

Wir sind bei unseren gemeinsamen Frauentagen dann eben auch nur gute Freundinnen,
denn verstehen kann meine Frau meine Beweggründe nach wie vor nicht, geschweige denn,
dass sie sich dadurch sexuell angesprochen fühle (was aber nach fast vierzigjähriger Partnerschaft
eh nur eine maximal sekundäre Rolle spielt),
denn sie hat ihren Partner nun mal als Mann kennen und lieben gelernt!!

Da für Sie aber wahre Liebe auch bedeutet, dass es dem Partner gut geht und er sich in der Partnerschaft
(uneingeschränkt) wohl fühlt, sprich auch dessen Ecken und Kanten akzeptiert,
dann gehört für sie eben auch die Akzeptanz und dieses Ausleben seiner weiblichen Seite mit dazu.

Dafür liebe ich sie uneingeschränkt und bedauere eigentlich nur 2 Dinge:
Eben dass ich mich ihr nicht bedeutend eher anvertraut habe (~ 10 Jahre früher)
und ich/wir uns dahingehend selbst beschränken, meine weibliche Seite nicht gänzlich offen
(eben nicht im nachbarschaftlichen wie auch familiären Umfeld) zu zeigen und auszuleben.
Gut, mittlerweile wissen die erwachsenen Kinder und einige Freunde und Verwandte davon,
aber als Nicht-Transsexueller, eben Transvestit / Teilzeitfrau den Schritt komplett in die Öffentlichkeit zu wagen,
das sehe ich für mich (noch) als unüberwindbare Hürde.

Mein Gott, nu ist das wieder mal ein kleiner Roman geworden,
aber ich hoffe, ich konnte Dir - und vielleicht auch der/dem Ein oder Anderen Neuen hier - damit schon
mal etwas weiterhelfen?!

Also, lies dich weiter ein hier und suche den Austausch
und versuche deine Frau darin mit einzubinden.

Liebe Grüße

MEL

Anke
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Re: Umgang mit der Partnerin

Post 8 im Thema

Beitrag von Anke » Do 1. Okt 2015, 08:12

Hallo lieber Explorer,

zunächst möchte ich dir sagen, dass ich das Gefühl habe, dass Du das richtig angehst. Du bist offen, beziehst deine Partnerin ein, sprichst über deine Wünsche und setzt dich mit ihr auseinander. Bleib dabei.

Dass sie auch Ängste hat ist verständlich und normal. Auch wenn Du dir sicher bist, dass Du nicht transsexuell bist, die Befürchtung, dass Du irgendwann mal nur noch als Frau leben möchtest, ist sicher in ihrem Kopf.

Deshalb ist es wichtig, einen Schritt nach dem anderen zu gehen und sie dabei mitzunehmen. Dann versteht sie auch besser, was in dir vorgeht. Und für sie kann es ja auch Vorteile geben. Sie hat nicht nur einen Mann sondern noch zusätzlich eine Freundin. Ihr könnt doch bestimmt als Freundinnen viele schöne Sachen tun, die Spaß machen. Mit anderen Worten, wenn sie deine weibliche Seite als Bereicherung erlebt, werden auch ihre Ängste zurück gehen.

Also, nicht den Mut verlieren und ein Schritt nach dem anderen. So kannst Du deine Träume realisieren ohne sie zu überfordern. Ich drück dir die Daumen.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

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Re: Umgang mit der Partnerin

Post 9 im Thema

Beitrag von Explorer » Do 1. Okt 2015, 13:53

Und noch mal Danke für eure Erfahrungen und Denkanstöße.

Vielleicht noch eine kleine Info am Rande: Wir sind wohl beide nicht 100%ig in Stein gemeißelt hetero (man könnte es auch bisexuell nennen, aber ich tue mich mit dieser Kategorisierung etwas schwer ;)). Für sie heißt das vielleicht: Ihr gefällt durchaus auch das Feminine, und das findet sie nun neuerdings auch an mir. Eigentlich perfekt für uns. :)p Sie akzeptiert meine Seite ja nicht nur widerwillig, sondern ein Teil von ihr hat durchaus Gefallen daran.

Aber ich glaube umgekehrt hat sie da eine doppelte Angst: Dass ich irgendwann sage "ich bin eine Frau, und ich will mit einem Mann zusammen sein". Die Angst ist in meinen Augen unbegründet, wie ich ihr auch schon mehrmals versichert habe. Trotzdem ist sie da. Ich kann ja auch verstehen, dass die ganze Sache bei ihr eine gewisse Unsicherheit auslöst. Aber ich denke auch, dass wir auf einem guten Weg sind, immer wieder drüber zu reden.

Schwierig für sie ist auch, dass sie im Moment viel um die Ohren hat (beruflich, darüber hinaus an einigen Wochenenden noch eine Art Fortbildung etc.). Auch wenn ich versuche sie etwas zu entlasten, kommt sie halt zu vielen Dingen nicht. Und mal ehrlich: Manche "Frauendinge" kosten halt schon mal Zeit. D.h. sie kommt selbst nicht dazu, so sehr Frau zu sein wie sie es gerne wäre.
Ein Beispiel: Letzte Woche habe ich mir zum ersten Mal die Nägel lackiert. Sie fand es erstmal etwas komisch, im Gespräch meinte sie sie sei auch neidisch, weil sie selbst zu sowas nie kommt. Als sie gestern beschäftigt auf dem Sofa saß, hab ich ihr dann angeboten, ihr die Zehennägel zu lackieren. Für sie keine Arbeit, sie konnte problemlos weitermachen, und hat jetzt auch wieder hübsche Zehennägel. Ich glaub, das hat sie gefreut.

Ich glaube, im Großen und Ganzen sind wir auf einem ganz guten Weg. Aber was mich halt etwas wurmt ist, dass ich es nie zeigen kann. Vor meiner Freundin zeige ich es nur selten, und in der Öffentlichkeit nie - die rote Spitzenunterwäsche unter der Jeans ist das äußerste der Gefühle, wenn ich raus gehe. Und das würde ich gerne ändern. Für meine Freundin eine ziemliche Horrorvorstellung, glaube ich. Auch als ich den Gedanken geäußert habe, es mal irgendwo zu machen, wo man mich/uns nicht kennt, wirkte sie nicht so begeistert. Wir fahren demnächst für eine Woche weg, eigentlich ja die perfekte Gelegenheit. Aber sie freut sich schon so lange darauf, da will ich sie nicht damit belasten indem ich dieses Sorgenthema (für sie) anspreche und ihr womöglich den Urlaub vermiese.

Eine andere Sache: Körperbehaarung. Ich bin kein Bär mit Ganzkörperurwald, das nicht ;). Aber ich habe schon Haare. Und meine Freundin liebt sie! Sollte ich irgendwann das Crossdressing-Experiment auf die nächste Stufe heben, wäre es wohl konsequent Gesicht, Brust und Beine glattzurasieren. Ich hätte es schon längst einmal getan, aber meine Freundin würde die Haare echt vermissen. Blödes Dilemma . Dabei mag ich es ja durchaus auch, ihr "männlich" zu gefallen. Haare wachsen nach - aber nicht so schnell, wie man einen Rock ausziehen kann.

Aber ich glaube tatsächlich, sie hätte etwas Angst, dass ich sie "aussteche". Genau wie du, MEL, hab ich zwar auch das Problem der Körpergröße, und andere anatomische Schwierigkeiten, aber meine Freundin ist mit sich selbst ebenfalls nicht völlig zufrieden. Dabei würde ich als Frau ohnehin eher einen etwas dezenteren Stil bevorzugen (sofern ich bislang überhaupt von "meinem Stil" reden kann), müsste also gar nicht die aufsehenerregende Diva mit blonder Mähne und DD-Körbchen sein.
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