Outing
Outing - # 4

Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Anne-Mette
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Re: Outing

Post 46 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Mo 23. Mai 2016, 10:12

Moin,

manchmal ist es durchaus angebracht, einige Menschen erst einmal "auszuklammern"; denn je verfahrener die Situation wird und je mehr eigene Wünsche auf Vorwürfe oder Ignoranz treffen, desto schwieriger wird es.
Ich lass mich jetzt erstmal krank schreiben um zur Ruhe zu kommen.
In Deinem Fall würde ich mal vermuten, dass "zur Ruhe kommen" nicht viel hilft; eher Ablenkung vom Gedankenkarrussell durch Aktivität und/oder Arbeit )))(:

)))(: Mach's besser
Herzliche Grüße
Anne-Mette

JaquelineL
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Re: Outing

Post 47 im Thema

Beitrag von JaquelineL » Mo 23. Mai 2016, 10:34

Liebe Uta,
uta hat geschrieben:Hallo zusammen,
Was soll man da machen? Mein Vater zeichnet sich durch ignorieren aus. Am Wochenende sprach er mit einem Freund von mir der mich schon länger als Uta kennt. Ich hatte die Hoffnung das man mit ihm mal drüber reden könnte ! Auf meinen hinweis das Muttern ein Buch über das Problem hat und er da Antworten findet kam nur das will ich nicht wissen.
Gleich zeitig kam der Spruch du wirst die Mutter noch ins Grab bringen mit deinem Gemache.
Ich kann bald nicht mehr , mir geht das so an die Substanz . Es gibt nur 2 3 Leute die mich so nehmen und für mich da sind.beim Rest muss ich mich ständig verstecken oder rechtfertigen.
Ich lass mich jetzt erstmal krank schreiben um zur Ruhe zu kommen.
Lg Uta
auf eine gewisse Weise kann ich Dir das nachempfinden - bei meinen Eltern wirkt es noch viel stärker ignorierend, im Gegenzug dafür weniger heftige ablehnende Sprüche. Allerdings ist unser Verhältnis eh nicht besonders gut, es gab über die Jahrzehnte viele Probleme und Verletzungen. Das gipfelte in der Reaktion einer "neuen" (aus meiner Sicht) Bekannten meiner Eltern die überrascht war, dass die beiden einen Sohn haben. Und das war noch vor der TS-Erkenntnis.

Auch wenn es hart ist kann ein Weg darin liegen, Deinen Vater dahingehend auszublenden. Man sucht sich seine Eltern nicht aus (ebensowenig wie seine Kinder) und in manchen Fällen ist die einzige Möglichkeit zur Deeskalation eine besondere Distanz. Ich kenne Dein Verhältnis zu Deinen Eltern nicht näher, insofern kann jeder Rat genauso falsch wie richtig sein - aber mache Dich bitte nicht zu sehr von einzelnen Personen anhängig, selbst wenn es "biologisch" so nahestehende sind.

Was ein viel größeres Problem zu sein scheint, ist das sich ständig verstecken müssen. *Das* muss irgendwie weg, denn *das* macht Dich bestimmt (mindestens mittelfristig) ganz kaputt. Über das "wie" wäre natürlich zu reden, aber ich stimme Anne-Mette zu, dass "die Decke über den Kopf ziehen" zwar ein klitzekleinwenig Ruhe einkehren lässt, aber die Probleme draußen vor der Decke geduldig auf Dich warten :?

Ganz liebe Grüße
Jackie
Today is the first day of the rest of my... forget it.

exuserin-2017-01-16

Re: Outing

Post 48 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-16 » Mo 23. Mai 2016, 10:53

Ja danke
@ Anne
Karussell trifft es ganz gut, Arbeit ist eher hinderlich da besonders männlich das macht mich auch verrückt.

@ Jackie Mein Vater ist sehr dominant, ich kenne nur "du musst" "du machst" ... wie geht es dir hab ich glaub mein Leben lang noch nie gehört. Ich sollte immer ein "Richtiger Mann " werden Jungs heulen nicht, hab dich nicht so usw. der ganze klassische Mist, den die meisten von uns kennen. Ich sollte Klimmzüge machen, Expander Training und solchen Kram , das habe ich gehasst und nicht gemacht.
Meine kleine Schwester meinte letztens nur, das wird nix mit dem Vater, der wird das nie akzeptieren! Ich befürchte das es dieses Jahr noch zum Bruch kommen wird,falls er nicht einlenkt und sich damit irgendwie arrangiert. Wir leben jede Familie ihr eigenes Leben helfen uns aber viel sind im ständigen Kontakt ,Kinder bei Oma usw.

Was das verstecken angeht , es nimmt erst mal Druck von mir, alles auf einmal schaffe ich nicht.
Lg Uta

Franka
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Re: Outing

Post 49 im Thema

Beitrag von Franka » Mo 23. Mai 2016, 20:30

Ach menno Uta,

ist schon blöd, dass dein Vater die Sache so schwer nimmt. Aber vielleicht machst du auch einfach zuviel Wind wegen deiner Transition. Lass das Thema doch einfach bei deinen Eltern mal ruhen und unterhaltet euch über ganz alltägliche Dinge. Ich habe meinen Eltern nur einmal erzählt was Sache ist und gut war. Ich wollte da gar kein großes Ding draus machen. Wenn sie Fragen haben bin ich natürlich gerne auskunftsbereit, aber ansonsten haben wir eben einfach die Themen, die wir sonst auch immer hatten. Was sie wirklich darüber denken und davon halten ist mir egal, solange sie mich, wie immer behandeln und ich von nichts ausgeschlossen werde.
Meine Therapeutin fragte mich mal, ob ich immer das tun würde was andere von mir verlangen oder erwarten. Ja das habe ich viel zu lange gemacht. Inzwischen habe ich mir aber einen gewissen Egoismus angeeignet.
Ich hoffe es gibt sich bei euch wieder und ihr könnt bald wieder ganz "normal" (aber was ist normal?) miteinander umgehen.
Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg und Kraft für dein weiteren Weg.

LG Dahlia
Wir bekommen mit unserer Geburt das Leben geschenkt, doch viele von uns haben noch nicht einmal das Geschenkpapier abgemacht.

exuserin-2017-01-16

Re: Outing

Post 50 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-16 » Do 28. Jul 2016, 15:38

HI hallo , heute der ultimative Sparkassentest (smili) am Schalter Bargeld abheben mit Zettel ganz altmodisch bei der Sparkassenangestellten. Zettel abgegeben erst mal alles gut, dann Zettel noch mal hochgeholt und die Frage ob ich Unterschriftberechtig für dieses Konto sei ? DGti Ausweis hingelegt danach meinen alten Ausweis mit dem komischen Typ drauf ,danach kein Problem Geld hat sie mir gegeben aber auch nicht weiter gefragt. (gitli) Es scheint langsam voran zu gehen.
LG Uta

exuserin-2017-01-16

Re: Outing

Post 51 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-16 » Mo 8. Aug 2016, 19:38

Hi hallo , heute zu Besuch bei einem Arzt wo ich vorher noch nie war. Mit der Überweisung und der Chipkarte am Tresen sie liest alles ein guckt mich an " aber bestellt ist doch Herr S... " ? (moin) Ja sag ich, mit meiner Stimme war dann alles klar. Nach dem mich der Dock begutachtet hatte, musste ich mir noch eine Überweisung zum MRT abholen, dabei war eine andere Schwester am Tresen. Sie fragte sie brauchen noch etwas, ja und sie sind Frau .... (gitli) das geht dann runter wie Öl. Es wird also, ich freue mich nur das tägliche auf Arbeit gehen als Mann im Blaumann und Schiebermütze nervt gewaltig. Manchmal habe ich das Gefühl verrückt zu werden, bei dem Hin und her jeden Tag. Leider gibt es da keine andere Möglichkeit, mein Chef besteht darauf ohne Schmuck, ohne Schminke, ohne Nagellack. Lange wird es aber auch nicht mehr dauern, das ich ohne besonders herausgeputzt zu sein als Frau gesehen werde. Es heißt nur abwarten und die tage an denen man aus seiner haut fahren möchte überstehen.

LG Uta

Chiara77
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Re: Outing

Post 52 im Thema

Beitrag von Chiara77 » Di 23. Aug 2016, 19:24

uta hat geschrieben:Sie fragte sie brauchen noch etwas, ja und sie sind Frau .... (gitli) das geht dann runter wie Öl.
uta hat geschrieben: Es heißt nur abwarten und die tage an denen man aus seiner haut fahren möchte überstehen.

Oh wie schön! (ap) Behalte dieses Gefühl um die Tage zu überstehen. (flo)


Liebe Grüße,

Chiara

simone moeller
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Re: Outing

Post 53 im Thema

Beitrag von simone moeller » Mo 21. Nov 2016, 02:55

Hallo
Auch ich habe mein erstes Outing hinter mir
Es fing an mit einem Besuch meiner Nachbarin
Sie erzählte mir, sie sei von anderen geschickt worden, weil die anderen ihr zutrauten, das Thema behutsam an mich heranzutragen.
ich war ein bisschen irritiert weil ich noch gar nicht wusste, was das Thema war.
Dann kam sie damit heraus: Ihr und auch anderen war aufgefallen dass ich "immer so komisch angezogen sei"
was genau sie komisch fand und wer die anderen Seien habe ich bis heute nicht herausgefunden.
Im Verlauf des Gespräches brach es dann unter Tränen aus mich heraus, dass ich schon immer lieber Frauenkleidung tragen wollte.
Da man mich aber als Junge /später als Mann kannte durfte ich nur männliche Kleidung tragen.
Weiter erzählte ich: In meiner Jugend hatte ich gelernt dass es für einen Jungen nicht erlaubt war sich gut anzuziehen. Für mich bedeutet, sich gut anzuziehen - sich wie ein Mädchen hübsch zu machen. Zweimal hatte ich das versucht die Reaktion der Nachbarn hatte ich mitbekommen: es gingen Gerüchte durchs Dorf, ich sei schwul (typische fehlinterpretation von Ahnungslosen) diese Reaktion führte dazu dass ich in meiner Jugend nur heimlich zuhaus die Sachen meiner Schwester trug - da ich meinen wunsch Mädchen Sachen zu tragen selbst meiner Mutter nicht verriet war es mir unmöglich eigene Mädchensachen zu besitzen. Ich wäre als 16 bis 20 jährige damals gern auf parties gegangen aber nicht in männlicher Kleidung und "en Fem" hab ich mir nicht getraut also blieb ich zuhaus.

Ich habe nie begriffen was an Männersachen gut wäre und daher ist es mir unmöglich als Mann (absichtlich) gut angezogen zu sein. Ich zog also irgendwas an, damit ich dem Wetter entsprechend warm genug angezogen war - entsprechend war auch beim einkaufen der Männerkleidung nur Preis entscheidend : die billigste Kleidung war gut genug das aussehen war mir egal den männliche Kleidung war in jedem Fall blöd/peinlich.

Nach dem ich das also meiner Nachbarin erklärt hatte war sie einwenig geschockt. Sie meinte ich könne ja heimlich unter der Männerkleidung Damenunterwäsche tragen.
Darauf erklärte ich ihr das ich das längst täte.
Seit ich nicht mehr bei meine Eltern wohne habe ich nur noch in Damenabteilungen meine Wäsche gekauft, und trage täglich BHs
Seit drei Jahren trage ich keine Herrenunterwäsche (Bei der Oberbekleidung mische ich manchmal Herren und Damenkleiung)
Meine Nachbarin bot mir nun an mit mir shoppen zu gehen
Ich hatte den Eindruck meine Nachbarin wollte mir zeigen wie man in Herrenkleidung gut aussieht. Desshalb lehnte ich Ihr Angebot ab.
Kurze Zeit später erfuhr ich, dass auch eine andere Nachbarin mitbekommen hatte dass ich gern Frauenkleidung trage.
Wir haben uns darüber unterhalten und sie bot mir an mit mir shoppen zu gehen und sagte wir wollen doch mal sehen ob es nicht schöne Damenkleidung für mich gäbe. Der Gedanke gefiel mir und bald hatten wir einen Termin. Wir hatten viel Spaß beim shoppen nach dem wir viel ausprobiert hatten habe ich eine knielangen Rock und eine kurzärmliche Bluse gekauft. Zu ihrem Mann sagte sie sie wolle in Zukunft lieber mit mir shoppen als mit ihm weil das shoppen mit mir viel entspannter sei...
Das ist jetzt fast ein Jahr her. Inzwischen sind mehr als zwei drittel meiner Kleidung aus Damenabteilungen aber noch trage ich meistens Damen Jeanshosen die grade geschnitten sind und nicht sofort als Damenhosen erkannt werden. Wenn ich im Geschäft angesprochen werde, dann mit "Junger Herr"
Im letzten Jahr ist mir aufgefallen dass mich das ärgert. Besonders wenn ich in besonders femininer Kneidung und geschminkt ausgehe und dann als Mann bezeichnet werde empfinde ich es beleidigend - ich sage nichts - verzeihe es, da mein Gesicht und meine Halbglatze deutlich auf meine Männliche Seite hinweisen aber es kränkt mich doch.
seit nun drei wochen habe ich Tinitus und bin seit zwei Wochen Krankgeschrieben. Mein Hausarzt hat mich zum HNO Arzt geschickt.
Dort traf ich zufällig die Nachbarin der ich mich zuerst offenbart hatte (s. o.) Sie war vor mir dran.
mein HNO Arzt meinte der Tinitus hat keine Körperlichen Ursachen. aber meine Kleidung gebe ihm rätzel auf. (ich hatte eine schwarze damen schlag hose mit Fransen, eine grüne Handtasche und eine weinrote tailliert geschnittene Jacke an) Ich sagte ich sei eine Frau die leider in einem Männerkörper steckt. Das kam überzeugter rüber als ich von dieser Aussage selber bin.
So erfuhr auch mein hausarzt von meinem Wunsch eine Frau zu sein. Ihm war das scheinbar vorher nicht aufgefallen obwohl er mich schon zweimal in bh gesehen hatte.
Ich kann mir gut vorstellen dass meine Nachbarin da etwas nachgeholfen hat (Das wird mir niemand bestätigen: sie wird es nicht und der HNO-Arzt darf es nicht) Gut - endlich ist es raus
Nun hat mir der Hausarzt eine Überweisung zum Psychotherapeuten gegeben und ich muss feststellen, dass es ganz schwer ist einen Termin zu bekommen. die einzige Zusage die ich bekommen habe, war dass ich in 6 Monaten nochmal nachfragen dürfe ob eventuell ein Termin frei sei.

außerdem hat mein Arzt mich beauftragt mit meinem Chef außerhalb der Geschäftszeiten ein vieraugen-Gespräch zu führen
dazu bin ich noh nicht bereit - vielleicht nach dem Gespräch mit dem Psychotherapeuten.

ich hab inzwischen auch mit meiner Mutter darüber gesprochen. Sie sagt dass sie froh ist bescheid zu wissen; und dass sie mir bei meinem Weg eine Frau zu werden, helfen will. Sie hat mir auch gesagt, dass sie mich auch finanziell unterstützen will beim Kauf einer Echthaarperrücke.
Seit sie bescheid weiß ruft sie mich mindestens zweimal am Tag an um zu fragen wie es mir geht.
Es ist für sie offensichtlich schwerer als sie zugeben will.
Für mich ist das ja nichts neues ich trage die Gedanken ja seit über 33 Jahren mit mir herum.
Simone Möller

Karin61
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Re: Outing

Post 54 im Thema

Beitrag von Karin61 » Do 12. Jan 2017, 19:22

Hallo,
ich möchte mit nun 5 Monaten HET Anfang bis Mitte Februar den öffentlichen Rollenwechsel zur (Vollzeit-) Frau machen und hatte gestern Mittag mein erstes Outing-Gespräch. Als äußerst glücklichen Umstand sehe ich die Tatsache an, dass die langjährige Wirtin eines bekannten Lokales am Stadtplatz, in dem meine 2 Stammtische sind, einen Transmann als Kind hat, wohl knapp 20 Jahre alt; dies hab ich erst vor Kurzem erfahren, war für natürlich für mich das schönste Weihnachtsgeschenk. Mein Gesprächspartner (ein Jahrzehntelanger Freund und etwa 5 Jahre älter) kennt die Wirtin schon lange. Ich hatte ein gutes Gefühl - ohne dass ich es begründen kann - und es war: grandios!!!

Ich hatte mir ein Konzept mit Stich- und Schlagworten gemacht und auch hingelegt, damit ich nicht das Meiste vergesse oder den Faden verliere, zudem das Gespräch immer wieder durchgespielt, soweit möglich. Dabei habe ich begonnen mit der Tatsache, dass bei mir vor Jahresfrist ein Testo-Wert deutlich unterhalb des normalen Bereiches festgestellt worden war (aus jetziger Sicht ein großes Glück!) und auch Spritzen ("Nebido", bekommen Transmänner) die Merkmale von Testo-Mangel nicht beseitigt haben, sprich wirkunslos waren, auch wenn der Testo-Spiegel etwas angestiegen war , so dass der Urologe damals sagte, meine Depression sei so ausgeprägt, dass sie die Wirkung der beiden Depot-Spritzen überdecke. Mir war da dann alles klar und der Entschluss zur Transition stand bei diesem Gespräch schon fest, da ich nun festgestellt hatte , dass eine Geschlechtsangleichung durchaus machbar sei. Und dann ist die Geschichte ins Rollen gekommen.

Nach diesem Aufhänger (kann man im Notfall ja "konstruieren", ist ja nicht nachprüfbar, wirkt aber wohl positiv und begünstigend) habe ich den Ablauf meiner Bemühungen (Suche nach Adressen und SHG, usw.) erzählt, den medizinischen Hintergrund/Entstehung von TS von Laie für Laien dargestellt, die beiden Möglichkeiten (weiter leiden und erhöhte Selbstmord-Gefahr oder als Frau zu leben und das Ergebnis = nun Frau zu werden/sein absichtlich an den Schluss gestellt. Ich glaube nämlich, wenn man dies zu früh so klar bringt, kommen die "Argumentationshilfen" nicht so zur Geltung bzw. gehen unter.

Mein Freund hat mir aufmerksam zugehört, hat den Begriff "im falschen Körper geboren" gebracht und nach meinem neuen Namen und dem Thema "Namensänderung" gefragt. Ich habe vor lauter Verblüffung zu staunen vergessen. Der wohl schönste Satz von ihm (Vorstandsmitglied in unserem FC Bayern-Fanclub) war: "Du wirst auch künftig im Bus neben mir in der letzten Reihe sitzen". Auf meine Antwort "ich werde dann wohl nur noch Fanta trinken" haben wir beide gelacht. Er hat es toll gefunden, dass ich so offen war und wie ich damit umgehe.

Nachdem meine Transition nach holprigem Beginn bisher wie im Wunschkonzert gelaufen ist, nun dies und das in unserer Stadt im konservativen Altbayern. Ich bin natürlich total beschwingt und ziehe mich doch auf den Boden der Tatsachen zurück, um die nächsten Gespräche konzentriert zu führen. Der Einstieg war jedenfalls traumhaft!
Wieder ein Schritt weiter zur Frau und das (Zwischen-)Ziel ist nicht mehr weit: 24/7-Vollzeitfrau!

Ich hab nun etwas ausführlicher geschrieben, damit es Anderen vielleicht hilft und Mut macht. Sollte jemand mehr wissen oder meine "Vorlage" wollen, gern per PN.

LG

Karin

Simone 65
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Re: Outing

Post 55 im Thema

Beitrag von Simone 65 » Fr 13. Jan 2017, 03:02

Hallo Uta. Du hast mir schon geschrieben. Ich habe allen Menschen, die mir wichtig sind ES erzählt. Mein Vater gehört leider nicht dazu ( ist nicht mein richtiger Vater) .
Als ich zu meinen Nachbarn gegangen bin, habe ich mein Tablett mitgenommen, ich habe es ganz festgehalten. Ich hatte Angst. Alle haben mich akzeptiert. Ich habe mich darauf umgezogen, ich habe Ihnen Simone gezeigt. Es war mir wichtig.
Meinen zwei jüngeren Schwestern habe ich Es im August gesagt, war kein Problem.
Jetzt vor Weihnachten, ich war am 18.12 nach Rostock zu meinen Eltern gefahren. Ich habe meine Mutter meine Fotos als Simone gezeigt. Ich glaube sie hatt noch nicht verstanden. Am darauf vollgendenten Dienstag habe ich sie nochmal rangenommen. Am Donnerstag waren zusammen in Hamburg bei Schwesternzeit. Sie hatt mich beobachtet, wie ich zur Simone werde. Sie war ganz still, das kenne ich nicht von Ihr. Wir waren dann zusammen auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt. Sie ist dann aufgetaut, ihre Antwort war,, Ich bin doch Ihr Kind" .
Am 23.12. war meine ältere Schwester und ihr Mann ( mein Schwager) da. Ich habe Es beiden erzählt. Mein Schwager hatte kein Problem, aber meine Schwester wollte nur weg. Ich habe gemerkt, Sie will das nicht.
Am 24.12. war mein Neffe da. Ihm habe ich Es auch erzählt. Kein Problem, er meinte nur,, jeder hatt sein Leben ". Am nächsten Tag kamm seine Freundin aus Plau am See zum essen. Es war der erste Weihnachtsfeiertag. Sie fragte mich zum Abschied, ob ich Schwul oder Transsexuell wäre. Upps. Ich habe ihr Es auch erzählt, war nicht geplant. Alle Menschen, die mir wichtig sind wissen jetzt Bescheid.
An der Arbeit weiss keiner etwas, das soll auch so bleiben. Obwohl ich wurde schon angesprochen. Ausreden... Ob das so bleibt?
Outing, es war jedes mal anders. Aber ich habe so viele positive Erfahrungen gemacht. Besonders wichtig, meine Mutter.
Liebe Grüße Simone.
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .

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